(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Was bedeutet Transsexualität / Transidentität

Transsexualität selbst ist keine Krankheit, sondern lediglich ein wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, dass vielerlei Ursachen haben kann. Niemand entscheidet sich aus einer Laune heraus zu diesem als “Geschlechtswechsel” wahrgenommenen Schritt. Man ist transsexuell oder man ist es nicht. Die Betroffenen leiden nicht unter einem Zwang die Kleider des somatisch anderen Geschlechts tragen zu müssen und ganz und gar so leben zu wollen, sondern sie empfinden vielmehr die Tatsache im falschen Körper gefangen zu sein und in einer als fremd empfundenen, nur dem Körper entsprechenden, gesellschaftlich geforderten Rolle leben zu müssen, als Zwang. Auch wenn Transsexualität keine Krankheit ist, so kommt doch dem extremen Leidensdruck durch die innere Zerrissenheit im falschen Körper zu stecken, ein sehr deutlicher Krankheitswert zu.
(Johanna Martina Dorsch, Sozialtherapeutin)

Würde man auf der Strasse Leute fragen, was Transsexualität resp Transidentität bedeutet, wäre die häufigste Antwort wohl: “Das ist wenn ein Mann eine Geschlechtsumwandlung macht, weil ER lieber eine Frau wäre”.
Das ist in viellerlei Hinsicht falsch:

  • Transsexuell bedeutet, dass von frühster Kindheit an der biologische Körper nicht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Bei einer transsexuellen Frau bedeutet das, dass ein Kind sich als Mädchen fühlt, aber den Körper eines Knaben hat. Es handelt sich also nicht um einen Mann, der eine Frau wird sondern um eine Frau, die ihren männlichen Körper ihrem inneren Geschlecht anpasst.
  • Transsexualität ist keine Frage des Wollens. Niemand würde so einen folgenschweren und schmerzhaften Umwandlungsprozess durchleben, wenn es eine Frage des Wollens wäre. Viel mehr leiden transsexuelle Menschen ein Leben lang unter einem so hohen Leidensdruck, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem sie so einfach nicht mehr so weiter leben können. Der Transformationsprozess ist also nichts was man einfach tun möchte sondern tun muss um nicht zugrunde zu gehen.

Transsexualismus ist gekennzeichnet durch die dauerhafte Gewissheit, sich dem biologisch anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Dazu gehören die Ablehnung der mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Rollenerwartungen und der drängende Wunsch, sozial und juristisch anerkannt im gewünschten Geschlecht zu leben.
(Dr. Pichlo, MDK Nordrhein)

Beim Thema Transsexualität gibt es eine Reihe von Missverständnissen:

  • Transsexualität hat nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun sondern ist eine Frage der Geschlechtsidentität. Im englischen wird unterschieden zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und der Geschlechtsidentität (gender). Viele Trans-Frauen stehen auch nach dem Transformationsprozess auf Frauen, sind also so gesehen lesbische Trans-Frauen.
  • Die Geschlechtsidentität ist nicht veränderbar, man hat es jahrzehntelang mit allen Mitteln probiert, mit Elektroschocks bis hin zu Hirnoperationen, das gefühlte Geschlecht lässt sich nicht verbiegen. Deshalb sind Fachleute zum Schluss gekommen, dass man Transsexuellen keine andere Hilfe bieten kann als ihren Körper dem Inneren anzupassen.
  • Transsexualität hat nichts mit Transvestitismus zu tun. Ein Transvestit (männliche Form) fühlt sich als Mann und will auch als Mann leben, er geniesst es einfach, gelegentlich in die Rolle einer Frau zu schlüpfen. Eine Transsexuelle (weibliche Form) fühlt sich als Frau und will in der gesellschaftlichen Rolle einer Frau leben und wahr!-genommen werden.

Ein weiteres folgenschweres Urteil ist, dass Transsexuelle krank oder gar pervers sind. Der klinische Psychologe Dr. Udo Rauchfleisch von der Basler Universitätsklinik, der rund hundert Transsexuelle behandelt hat, wehrt sich vehement gegen die Klassifizierung von Transsexualität als Krankheit. Er bezeichnet diese Wesensart als “Normvariante”.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Rauchfleisch, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Universität Basel)

Über die Ursachen von Transsexualität gibt es unzählige Theorien aber bis heute keine 100% erwiesene Erklärung. Aufgrund vieler sich gegenseitiger wissenschaftlicher Forschungsresultate aus der Neurologie, der Genetik und der Endokrinologie, geht die Fachwelt davon aus, dass hormonelle Auslöser im Mutterleib dazu führt, dass sich das Gehirn und der “Restkörper” sich unterschiedlich entwickeln. Wichtig ist fürs Erste zu wissen:  Transsexuell wird man nicht, man ist es!

Die Ursachen für Transsexualität sind bisher nur wenig erforscht. Wir wissen, dass die Geschlechtsrolle schon sehr früh festgelegt wird und dass es nach einer gewissen Zeit keine Möglichkeit mehr gibt, die geschlechtliche Selbstidentifikation eines Menschen zu verändern.
(Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft)

Obwohl nachgewiesen wurde, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und am ehesten als endokrinologische Andersartigkeit verstanden werden muss, wird von Seiten der Psychologie grösstenteils weiterhin die Mär einer Geschlechtsidentitätsstörung postuliert.

Weitere Informationen über Transsexualität / Transidentität
- Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)
- Psychiatrische Universitätsklinik – Infoblatt Transsexualismus
- Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft – Transsexualität
- Debeka Krankenversicherung – Transsexualität
- Wikipedia – Transsexualität
- Gerda Maria Weiß: Was ist Transsexualität?
- Dr. Pichlo, MDK Nordrhein – Transsexualismus
- Eva Sturm – Zum Verständnis von Transsexualität
- Transgender.at – FAQ
- Dr. Hannelore Hoffmann / Dr. Inoszka Prehm
- Einige Aspekte zur Transsexualität

- Anita-Daniela Krappel – Trans-what?
- Ego-Net – Transsexualität: Frauen, die Männer sind, und Männer, die Frauen sind

Transgenderismus/Transsexualität/Intersexualität – Grundlagen (von Lynn Conway)
- Teil I: Geschlechtszugehörigkeit + Transgenderismus
- Teil IIa: Transsexualismus
- Part III: Life as a Woman After TS Transition
- Part IIIcde: Life as a Woman after TS Transition

Kann man eine Trans-Frau lieben?

Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben
(Erich Fried)

Auch wenn ich noch so glücklich darüber bin, endlich mich selbst zu sein, gibt es doch etwas, das mich immer wieder an die Wand klatscht – heute ist es wieder mal soweit. Ich wusste von Anfang an, dass ich für meine Selbstwerdung einen unvorstellbar hohen Preis zahlen werde und ich habe bewusst ja dazu gesagt, weil kein Preis zu hoch ist dafür, dass ich endlich meine wahre Identität leben darf. Von Anfang an war klar, dass einer der Preise höher ist als alle anderen zusammen, es war die Aussicht, dass ich aufgrund meiner Andersartigkeit vielleicht nie wieder eine Beziehung haben werde.

Ich liebe zwar die Einsamkeit, kann tagelang allein im Wald unter einem Baum sitzen ohne jemanden zu vermissen. Aber das kann ich nur, wenn ich weiss, dass ich irgendwann zurück gehe und dort jemand auf mich wartet, der mich liebt, in den Arm nimmt und mir die Geborgenheit gibt, die ich mehr brauche als die Luft zum atmen.

Doch als transsexuelle Frau bin ich diesbezüglich in einer ziemlich hoffnungslosen Lage. Ich zweifle zwar nicht daran, dass jemand wie ich liebenswert sein kann. Als Trans-Frau werde ich zwar nie so “makellos” sein wie eine Frau, die biologisch korrekt geboren ist und doch verfüge ich als Trans-Frau auch über Vorteile, die in einer Beziehung sehr wertvoll wären. Beispielsweise gehöre ich zu der seltenen Spezies, die sowohl in die männliche als auch in die weibliche Denk- und Gefühlswelt hineinsehen kann und sich hineinfühlen kann. Ich weiss wie Männer denken, weil ich 40 Jahre lang in dieser Rolle gelebt habe und ich weiss was Frauen fühlen, weil ich ein Leben lang innerlich wie eine Frau fühlte.

Wenn zwei Menschen sich in einander verlieben, dann ist das in der Regel nicht aufgrund irgendwelcher anatomischer Vorzüge oder sonstigen Äusserlichkeiten, man verliebt sich, weil zwei Seelen sich begegnen, sich berühren und dabei Funken schlagen. Liebe ist unerklärlich, egal was man sucht und sich vorstellt, die Liebe fällt oft in ganz andere Gefilde. So gesehen zweifle ich nicht daran, dass sich irgendwann jemand in mich verlieben kann, trotz oder gerade wegen meiner Andersartigkeit. Und doch verliere ich von Woche zu Woche mehr von diesem bisschen Resthoffnung, die mir geblieben ist.

Es dürfte schon schwierig sein, ein Wesen wie mich zu lieben, erst Recht in dieser chimärenartigen Zwischenphase in der ich gerade bin. Viel schwieriger wäre jedoch die Tatsache, dass man als PartnerIn einer transsexuellen Person selbst stigmatisiert wird. Es ist kein Problem, eine Trans-Frau als Kollegin zu haben, sowas klingt sogar irgendwie spannend. Aber so eine Frau seinen Kollegen als Lebenspartnerin vorzustellen, sie mit zu seinen Eltern zu nehmen, ans Weihnachtsessen im Geschäft oder sich auch nur schon in der Öffentlichkeit mit ihr zu zeigen, all das würde eine enorme Grösse und Eigenständigkeit erfordern, die den meisten Menschen zu weit ginge.

Der moderne Mensch ist so konditioniert, dass sein Ansehen in der Gesellschaft das Wichtigste ist. Ich bin das, was die anderen über mich denken, ich bin so wertvoll wie die anderen mich einschätzen. Mit dieser Denkweise wird eine Beziehung mit einer Trans-Frau zu etwas bedrohlichem. Jemand der eine Trans-Frau als Partnerin hat, stellt sein Umfeld vor die Frage, ob er/sie nun hetero oder schwul/lesbisch ist, weil eine Trans-Frau von vielen weiterhin als Mann betrachtet wird oder gerade weil sie als Frau gesehen wird. So entzieht man sich selbst jeglicher Schubladisierung und wer in keine Schublade passt, wird in dieser Welt abgelehnt, weil der moderne Mensch in der Regel nur schwarz-weiss denkt.

Ich glaube, es wird sehr schwierig jemanden zu finden, der mich so liebt wie ich bin. Und ich glaube, dass es nahezu unmöglich ist, jemanden zu finden, der mich liebt und auch renitent genug ist um in dieser Gesellschaft zu einer transsexuellen Frau zu stehen und sich all den (oft unausgesprochenen) Fragen zu stellen.

Diese Aussicht zermürbt mich immer wieder von Neuem, weil ich ein sehr liebesbedürftiges Wesen bin, weil das Geliebtwerden für mich die grösste Kraftquelle ist um allen Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Die Befürchtung, vielleicht nie wieder im Herzen berührt zu werden, treibt mich manchmal fast in den Wahnsinn. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und auch wenn die Hoffnung mit jedem Crash etwas kleiner wird, wird sie von der Sehnsucht doch immer wieder neu zum Leben erweckt. Aber manchmal ist diese Hoffnung nur noch wie eine Kerzenflamme im Wind, sie vermag nicht wirklich zu wärmen und mit jedem Windstoss erwacht erneut die Angst, dass dieses Licht ausgeht.

Dum spiro spero, heisst der Slogan meiner Pipe Band, solange ich atme hoffe ich……. da kann ich froh sein darüber, Piperin zu sein, denn Piperinnen haben einen langen Atem…… den werde ich wohl brauchen.

Transamerica – ein RoadMovie über eine Trans-Frau

Leider gibt es nur wenige Filme über transsexuelle Menschen und erst Recht keine, die auch etwas taugen. Transamerica ist da eine Ausnahme, ein Film der wirklich sehr empfehlenswert ist.

Die transsexuelle Frau Bree (Felicity Huffman) steht eine Woche vor ihrer GaOp (geschlechtsangleichende Operation), als sie ein Telefon bekommt und erfährt, dass sie einen Sohn hat, der gerade im Knast sitzt. Ihre Therapeutin verweigert ihr darauf das Gutachten für die Operation, solange sie sich ihrer Vergangenheit nicht gestellt hat. Also holt Bree ihren Sohn Toby (Kevin Zegers) im Knast ab und gibt sich als Missionarin aus (von der Kirche des potentiellen Vaters). Die zwei ziehen dann quer durch die Staaten, Bree hat die Hoffnung, ihren Sohn wieder mit dem Stiefvater zusammen zu bringen und dann ihre GaOp zu machen, aber das Ganze wird immer mehr ein wildes Road Movie. Mehr will ich hier nicht erzählen, schaut ihn Euch einfach mal an.

Abgesehen von zwei emotionalen Themenbereichen, das Leben einer transsexuellen Frau und der Konflikt zwischen Vater resp Mutter und Sohn, ist der Film auch voll von lustigen Episoden. Ein Beispiel dafür ist ganz zu Beginn ein Gespräch mit einem Psychologen (sinngemäss widergegeben):

Arzt: Gemäss der medizinischen Akademie ist Transidentität eine schwere Persönlichkeitsstörung.
Bree: Seltsam, dass plastische Chirurgie schwere Persönlichkeitsstörungen heilen kann :-)

oder im selben Gespräch…

Arzt: Wie stehen sie zu ihrem Penis?
Bree: Ich hasse ihn, ich will ihn nicht sehen
Arzt: Und ihre Freunde?
Bree: Die wollen ihn auch nicht sehen ;-)
Arzt: Ich meine, haben Sie Freunde…..

Unter dem Strich ist Transamerica ein geniales Road-Movie, mit viel Emotionen und viel Humor, das einem immerhin einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt und die Alltagsprobleme einer transsexuellen Frau aufzeigt.

Fernseh-Dokumentationen über Transsexualität

Das Schweizer Fernsehen hat ein interessantes Film-Dossier zusammengestellt mit momentan 11 Beiträgen zum Thema Transsexualität/Transidentität. Neben einigen kurzen TV-Ausschnitten, gibts dort auch ein paar sehr informmative Sendungen, die ich hier Interessierten sehr empfehlen kann. Im speziellen empfehle ich folgende umfangreichen Reportagen über transsexuelle Menschen:

Dok: Traum: Frau

Coco ist 20 Jahre alt. Sie arbeitet als Fotomodell, Putzfrau, tanzt, singt und spielt in Theater. Ihr Geist wurde als Frau geboren – in einem Männerkörper. Schon immer wollte Sie ein Mädchen sein. Doch erst nach einer Hormontherapie und einer Geschlechtsumwandlung 1990 konnte sie endlich zur Frau werden.

Dok: Sex-Change – Wie Christian zu Nadia wurde

Kann man im falschen Körper zur Welt kommen? Ist es möglich, vom Mann zur Frau zu werden? Christian hat 1998 den Schritt zur operativen Geschlechtsumwandlung gewagt und lebt seitdem als Nadja weiter. Alain Godet hat den Stationenweg von Nadjas Frauwerdung acht Jahre lang mit der Kamera aufgezeichnet – ein Leben zwischen Selbstdarstellung und der Suche nach Zärtlichkeit und Liebe.

Auch die restlichen Sendungen sind empfehlswert, diese zwei sind einfach am Umfangreichsten (beide gehen rund eine Stunde) und beide bedeuten mir sehr viel. Im speziellen die Reportage von Coco (Traum-Frau) hat mich extrem geprägt, denn als ich vor rund 20 Jahren diese Sendung erstmals sah, wurde mir mit einem Schlag klar, was mit mir los ist.

Filmarchiv SF-DRS: Transsexuell

Der Stolz einer Trans-Frau

Erneut sehe ich mich mit der Frage konfrontiert, ob ich mich für meine Wesensart schämen müsste oder ob mir Nahestehende sich für mich schämen müssten. Und einmal mehr komme ich zum Schluss, dass genau das Gegenteil der Fall ist, auch wenn diese Gesellschaft das (noch) nicht so sieht.

Seien wir doch ehrlich, unsere moderne Gesellschaft hat uns zu kleinbürgerlichen Marionetten gemacht. Wir fragen nicht wer wir sind sondern wer wir sein sollen. Wir fragen nicht was wir sind sondern was wir darstellen sollen. Wir sehen nicht in den Spiegel unserer Seele um zu erkennen was uns ausmacht sondern lassen uns bestimmen durch das Bild das andere von uns haben. Ich bin nur gut, wenn man mich für gut hält. Ich bin nur soviel wert, wie andere mir an Wert zusprechen.

Wieviel Mut braucht es, um seine Selbstbestimmung im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft eingrenzen zu lassen? Wieviel Kraft braucht es, um das zu tun was von uns erwartet wird? Wie schwer ist es, cool zu sein, angepasst gekleidet zu sein, ein schickes Auto zu haben, einen standesgemässen Job……..

Es braucht nicht viel, “normal” zu sein, politically correct wie man so schön sagt. Man erspart sich so, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, man umgeht so Konflikte und Ablehnung. Der moderne Mensch ist so sehr davon abhängig, den anderen genehm zu sein, dass er sich selbst dabei verliert.

Transsexuelle werden für ihre Wesensart und noch mehr für den von ihnen eingeschlagenen Weg von einigen belächelt, von manchen verachtet, von wenigen sogar angegriffen….. weil sie sich erdreisten, wider jeglicher gesellschaftlichen Geschlechterdiktatur sich selbst zu sein. Muss man sich dafür schämen, dass man sich selbst ist und für sich selbst einsteht, obwohl es in den Augen anderer “nicht normal” ist? Oder sollte man nicht stolz darauf sein, zu den wenigen zu gehören, die den Mut dazu haben und sich nicht unterkriegen lassen von den ungeschriebenen Gesetzen dieser uniformen schwarz-weiss-denkenden Welt?

Ich wüsste vieles in meinem Leben, wofür ich mich schämen müsste und vieles, wofür ich mich heute noch schäme. Aber dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, nötigt mir einen ungeheuren Respekt vor mir selbst ab. Ich bin stolz auf mich, dass ich zum ersten Mal im Leben so konsequent für mich einstehe. Ich bin stolz darauf, dass ich mein Innerstes nach aussen kehre ungeachtet etwelcher Blicke und Kommentare. Ich bin stolz darauf, dass ich mit erhobenem Haupt durch eine Menschenmenge gehen kann, die in ihrem Konformitätswahn glaubt, in mir etwas Kurioses zu erblicken.

Transsexuelle, die ihren Weg gehen, müssen der Angst ins Auge blicken und ihre Ängste überwinden. Sie nehmen gesundheitliche Risiken in Kauf, sie riskieren Ablehnung und Ausgrenzung, sie riskieren angepöbelt oder angegriffen zu werden. Transsexuelle legen ihren bisherigen sozialen Status und ihr Ansehen ab wie einen alten Mantel, geben das Coolsein und das Normalsein auf zugunsten des Ichseins. Transsexuelle nehmen bewusst in Kauf, dass sie immer in einem Rechtfertigungszwang stecken und nie wirklich verstanden werden. Transsexuelle machen es sich nicht einfach, gehen nicht den Weg des geringsten Widerstands….. sie kämpfen für Ihr Recht auf die Individualität eines Individuums.

Glaubt mir, es braucht verdammt viel Grösse, Mut, Entschlossenheit und Tapferkeit, um diesen Weg zu gehen. Dass ich diesen meinen Weg trotz aller Widrigkeiten gegangen bin und immer noch gehe, das macht mich stolz wie ich noch nie vorher stolz war und es gibt mir eine Form von Würde, die ich vorher nie gekannt habe.

Heute kann ich in den Spiegel schauen und sehe ein Wesen, das weder sich noch anderen etwas vormacht, das zu sich selbst steht, für sich einsteht und sich nicht unterkriegen lässt. Ein Wesen, das so ist wie es ist und nicht so, wie andere es haben möchten.

Wer von diesen vielen “normalen Menschen” da draussen hätte den Mut dazu?

Stand and fight, live by your heart
Always one more try, I’m not afraid to die
Stand and fight, say what you feel
Born with a heart of steel
(Manowar – Heart of Steel)

Ist Transsexualität eine Krankheit?

Für 99% der Bevölkerung und für einen Grossteil der Fachleute dürfte diese Frage kaum zur Frage stehen, Transsexualität resp Transidentität ist eine Krankheit. Aber ist das wirklich so? Und wenn Transsexualität eine Krankheit wäre, wäre es dann eine psychische Störung oder eine körperliche Fehlbildung? Als ich mich an der Psychiatrischen Universitätsklinik angemeldet habe, habe ich beim Einweisungsgrund “Geburtsgebrechen” angekreuzelt, somit dürfte meine eigene Haltung klar sein, ob sie den Tatsachen gerecht wird, bleibt aber offen.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Udo Rauchfleisch)

Interessant in dieser Frage ist der Standpunkt von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, er war jahrelang als klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel tätig und hat dort unzählige Transsexuelle behandelt. Nach all seinen Erfahrungen kommt Rauchfleisch zur Überzeugung, dass Transsexuelle nicht krank sind sondern, dass Transsexualität eine “Normvariante” ist. Die Norm ist, dass ein Mensch männlich oder weiblich ist und dass das biologische Geschlecht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Transsexuelle sind also eine Variante zu diesen Norm-Fällen. Die gesellschaftliche Akzeptanz wäre wohl deutlich höher, wenn wir es so sehen könnten und die Stigmatisierung Transsexueller wäre ebenfalls stark reduziert. Aber Rauchfleisch ist wohl in der Minderheit mit seinem Standpunkt, betrachten wir also die Alternativen.

Was ist Krankheit? Wann ist jemand krank? Das Kranksein wird in der Regel so verstanden, dass jemand dann krank ist, wenn etwas an seiner psychischen oder physischen Gesundheit zu Leiden führt. Transsexuelle leiden enorm unter der Kluft zwischen ihrem biologischen Geschlecht und der Geschlechtsidentität. Somit kann man also von einem krankhaften Zustand sprechen. Aber was ist krank, Körper oder Geist?

Die offiziell medizinische Haltung ist seit je her so, dass Transsexualität eine Geschlechtsidentitätsstörung ist (Gender Identity Disorder), schon das Wort sagt also, dass die Identität gestört ist und nicht der Körper. Woher man diese Gewissheit nimmt, ist und bleibt ein Rätsel, denn bis zum heutigen Tag konnte niemand den Beweis dafür erbringen und niemand konnte diesen Standpunkt widerlegen.

Das einzige was man mit Sicherheit weiss ist, dass Transsexuelle schwerstem Leiden ausgesetzt sind, weil ihre Geschlechtsidentität nicht mit dem “biologischen Geschlecht” übereinstimmt. Wenn man aber die wissenschaftlichen Arbeiten anschaut, wird verwirrenderweise klar, dass es da verschiedene Denkansätze gibt. Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? War zuerst, die Geschlechtsidentität oder das biologische Geschlecht? Tatsache ist, dass ein Embryo die ersten Tage weder männlich noch weiblich ist, selbst das primäre Geschlechtsorgan unterscheidet sich nicht. Erst nach ein paar Wochen beginnt sich der Körper in eine Richtung zu entwickeln. Was, frage ich, wenn die Geschlechtsidentität bis zu diesem Zeitpunkt bereits festgelegt ist?

Es gibt eine Vielzahl sich gegenseitig bestätigender Studien die davon ausgehen, dass eine hormonelle Störung im Körper der Mutter den Prozess der biologischen Geschlechtsbildung beeinflussen kann. Was also, wenn die Identität bereits festgelegt ist und der Körper sich plötzlich anders entwickelt? Es gibt sogar neurologische Studien, die zeigen, dass transsexuelle Frauen dieselbe anatomische Hirnstruktur haben wie andere Frauen auch, der Bereich BSTc der für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, hat dieselbe Grösse und Neuronendichte. Transsexualität hat auf jeden Fall biologische Ursachen.

Über die verschiedenen möglichen Ursachen möchte ich ein anderes Mal detailierter sprechen, fürs Erste möchte ich den Leser einfach mal mit der Frage konfrontieren, was nun krank sein soll, der Körper, der Geist…. oder eine Gesellschaft, nur nur schwarz-weiss Kategorien anerkennt?

Das einzige was wir mit Sicherheit wissen: Transsexuelle leiden und ihr Leiden kann reduziert werden, das alleine ist wichtig und hier soll Betroffenen auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden. Welche das sind, werde ich in einem nachfolgenden Beitrag erläutern.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität: Entwürdigung per Gesetz

Die Schweizer Bundesverfassung schreibt im ersten Kapitel über die Grundrechte in Artikel 7: Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen. Dieser ethische Grundsatz ist Bestandteil jeder anständigen Nation, doch gilt dieses Grundrecht auch für transsexuelle BürgerInnen? Verstösst es nicht gegen unsere Verfassung, wenn Transsexuelle ein Leben führen müssen, das ihnen im Alltag immer wieder aus formal-juristischen Gründen die Würde entzieht?

Heute musste ich einen Arzttermin abmachen weil mir die Leute von Uni-Spital empfohlen haben, ich solle die Blut- und Leberwerte überprüfen lassen. Dieses kurze Telefon hat mich mal wieder ziemlich erschüttert, nicht wegen der Behandlung durch die Dame am Telefon sondern dadurch, dass ich von Gesetzes wegen gezwungen war, meine Würde als Frau abzulegen und mich als Mann für die Behandlung anzumelden.

Der Grund dafür ist relativ einfach, wenn auch bizarr. Nach Schweizer Gesetz ist eine transsexuelle Frau solange formal-juristisch als Mann zu betrachten, bis ihr primäres Geschlechtsteil umoperiert wurde. Ich will mich jetzt nicht darüber auslassen, dass es ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft ist, wenn das Mannsein oder Frausein allein durch das primäre Geschlechtsorgan definiert wird und so das Geschlecht auf einen Zellklumpen reduziert wird, darüber werde ich bei anderer Gelegenheit schreiben. Diese reduktionistische Sichtweise hat jedoch zur Folge, dass ich als TransFrau in allen formalen Situationen den alten Namen und das falsche Geschlecht angeben muss. Im Falle eines Arztbesuches wird die Behandlung der Krankenkasse weitergeleitet und für die bin und bleibe ich ein Mann, bis zu ebendiesem operativen Eingriff, deshalb muss mich die Arztpraxis im Computer auch als Mann aufführen. Ich habe also schlicht keine andere Wahl als mich beim Arzt als Mann anzumelden, auch wenn ich dann als Frau dort eintreffe, um dann wieder als Mann von der Krankenkasse abgerechnet zu werden.

Das ist nur eine von vielen Situationen in denen Transsexuelle gezwungen werden, trotz Diagnose “Transsexualismus” für mindestens zwei Jahre als Frau im Alltag zu leben und gleichzeitig weiterhin als Mann zu gelten. Wie in aller Welt soll so eine Schizophrenie ausgehalten werden und mit welcher Logik rechtfertigt sich so ein Zustand? Und wo bleibt die Würde eines Menschen, wenn man zwar als transsexuelle Frau diagnostiziert wurde aber formal-juristisch nicht als Solche gilt? Entweder ich bin transsexuell oder ich bin es nicht, entweder ich bin eine (Trans)Frau oder ich bin es nicht, das kann und darf doch nicht davon abhängig sein, ob meine “Behandlung” abgeschlossen ist resp. ob dieser Zellklumpen nun die gesetzeskonforme Anordnung hat.

Egal ob ich mich für eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz bewerbe, ob ich ein Zug-Abo löse oder ein Bankkonto eröffne, ich muss das stets mit der falschen Geschlechtsidentität tun obwohl ich ärztlich bestätigt eine Frau bin die in einem männlichen Körper lebt. Und das ist eine Entwürdigung, die kaum in Worte gefasst werden kann, es ist eine Selbstverleugnung oder Identitätsabsprechung die einem das Ich-sein verunmöglicht.

Wirklich tragisch ist diese Handhabung für Transsexuelle, die keine GaOp machen werden, denn die werden ihr ganzes Leben lang in diesem unerträglichen Zustand bleiben. Genau betrachtet kommt dies schon fast einem Operationszwang gleich und spätestens dann wird die Würde des Menschen nicht nur missachtet sondern mit Füssen getreten.

Solange das so ist, bleibt der Mensch philosophisch gesehen nicht mehr als ein Geschlechtsorgan mit ein bisschen Körper dran, ohne Persönlichkeit, ohne Identität, ohne Seele – einfach ein sich bewegender Zellklumpen.

Sind Transsexuelle männlich oder weiblich?

transsexuell-mann-frauÜber Transsexuelle herrschen viele falsche Vorstellungen, der grösste Irrtum der ein Verständnis von Transsexualität nahezu verunmöglicht, ist die Frage, welchem Geschlecht Transsexuelle angehören.

Für die meisten meiner Mitmenschen dürfte ich als Trans-Frau ein Mann sein, der lieber eine Frau wäre und deshalb seinen Körper verweiblicht. Man sieht das ähnlich wie bei einem Transvestiten, der ein Mann ist, der manchmal Frauenkleider trägt. Aber ist das wirklich so?

Wenn ein Mann sich als Mann fühlt, aber manchmal Frauenkleider trägt, dann ist er “ein Transvestit”….. ergo männlich.
Wenn jemand mit weiblicher Geschlechtsidentität und männlichem Körper eine Geschlechtsangleichung vornimmt, dann ist sie “eine Transsexuelle”….. ergo weiblich.

Auch die Fachwelt scheint das so zu sehen. Wenn jemand sich für Jesus hält, wird er von Psychiatern kaum mit Jesus angesprochen. Wenn ich einmal pro Monat in der Psychiatrischen Universitätsklinik antanze, werde ich als Frau angesprochen.

Es stellt sich die Frage, was denn das Geschlecht ausmacht, ist es der Körper oder ist es die Persönlichkeit? Wäre der Körper ausschlaggebend, wäre dann ein kastrierter Mann noch ein Mann? Und wie würden wir Intersexuelle nennen, die mit beiden Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen, wären die dann Beides?

Ich glaube, dass Transsexuelle erst dann echte Akzeptanz und echten Respekt erfahren, wenn die Leute einsehen, dass eine Trans-Frau eben eine Frau ist und ein Trans-Mann ein Mann. Solange das nicht so ist, werden wir weiterhin als “gestört” stigmatisiert und werden uns weiterhin von der Welt missverstanden fühlen.

Manchmal liest man auch den Ausdruck des “dritten Geschlechts”, was besagen will, dass Transsexuelle irgend etwas zwischen beiden Geschlechtern sind. Das entspricht zwar nicht meinen Empfindungen, aber damit könnte ich leben. Womit ich nicht leben kann ist die Unterstellung, ich sei ein Mann, denn das war ich nie und werde es nie sein.

Ist Transsexualität heilbar?

Wenn Menschen erstmals mit dem Thema Transsexualität resp Transidentität konfrontiert werden, ist die erste Reaktion meistens: “ja aber kann man Transsexualität denn nicht heilen?”.

Die Antwort darauf ist klar, wenn auch überraschend:
Ja man kann Transsexualität heilen……. mittels Hormontherapie und plastischer Chirurgie…. und nein, es gibt keinen anderen Weg um Transsexuelle von ihren Leiden zu erlösen.

Bis zum heutigen Tag ist es nicht ein einziges Mal gelungen, die Geschlechtsidentität eines Menschen zu verändern. Fachleute gehen davon aus, dass spätestens im Alter von 3 Jahren die Geschlechtsidentität so stark ausgeprägt ist, dass sie nie mehr änderbar ist.

Man hat es mit allen Mitteln versucht, weder Medikamente noch Elektroschocks konnten an der Geschlechtsidentität rütteln. Deshalb kam schlussendlich auch die Fachwelt zum Schluss, dass Transsexuellen nur geholfen werden kann, in dem man den Körper der Identität angleicht soweit das möglich ist.

Ich wünschte mir, es gäbe andere Wege als eine chemische Kastration, lebenslang Medikamente einnehmen zu müssen, eine rund 8-stündige Operation mit unzähligen Risiken machen zu lassen und ein Leben lang stigmatisiert zu sein, aber es gibt nur diesen einen Weg, ein harter und beschwerlicher Weg, aber ein Weg, der uns Transsexuellen zu Würde und Lebensfreude verhilft und einer lebenslangen Verzweiflung ein Ende setzt, die für Aussenstehende nicht mal ansatzweise begriffen werden kann.

Kürzlich sah ich in einem Internet-Video eine Rede von einer postOp Transsexuellen, die erzählte, dass sie auf die Frage “bist Du transsexuell” antworten würde: “Nein, seit meiner geschlechtsangleichenden Operation nicht mehr”.

Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

Transsexualität, Transidentität, TransFrau, T-Girl, GaOp, preOp, postOp….. hä?

Wer sich erstmals mit Transsexualität auseinandersetzt, steckt schnell mal in einem Begriffsgewirr und wer sich nicht damit auseinandersetzt, versteht erst Recht nur noch Bahnhof, deshalb hier mal einige der häufigen Begriffe. Es würde den Rahmen dieses Artikels übersteigen, wenn ich all die dutzenden von Bezeichnungen erklären würde, deshalb beschränke ich mich auf die Begriffe, die ich hier im Blog auch verwende oder die ich sonst für speziell erwähnenswert halte.

Sex / Gender
Im englischen wird zwischen zwei Worten für “Geschlecht” unterschieden. Das Wort “sex” bedeutet biologisches, also körperliches Geschlecht, während “gender” die Geschlechtsidentität, also das tief empfundene Gefühl ist.

Transgender
Dieser Überbegriff beinhaltet alle Fascetten der geschlechtlichen Andersartigkeit, von Transsexuellen zu Transvestiten zu DragQueens and DragKings u.s.w. Unter diesen Begriff sind alle, die in irgend einer Weise Geschlechtergrenzen überschreiten.

Transsexualität
Wenn die Geschlechtsidentität (gender) nicht mit dem körperlichen Geschlecht (sex) übereinstimmt, spricht man von Transsexualität. Da die Geschlechtsidentität nicht änderbar ist, kann den Betroffenen nur durch eine Angleichung des Körpers an den Geist geholfen werden. Das Wort Transsexualität hat leider gerade im deutschsprachigen Raum einen nachteiligen Beigeschmack, weil das Wortteil “Sexualität” den Eindruck erweckt, als ob es sich hier um ein sexuelles Problem handelt. Aber im englischen Sinn des Worts “Transsexuality” ist eine “Verdrehung” des biologischen Geschlechts gemeint.

Transidentiät
Heutzutage wird offiziell von Transidentität gesprochen, in Anlehnung an die englische Diagnose “gender identity disorder”, also Geschlechts-Indentitäts-Störung. Eigentlich klingt das schon mal viel besser, weil es dieses “Sexualität” nicht drin hat. So klingt es irgendwie mehr nach einer psychischen Erkrankung. Aber ist es das wirklich? Ich tue mich etwas schwer damit, denn meines Empfindens nach ist Transsexualität eine körperliche Störung und keine Psychische. Ich bin nachwievor hin- und hergerissen, welchen Ausdruck ich verwenden möchte.

Eine Transsexuelle / Ein Transsexueller
Eine Transsexuelle resp eine transsexuelle Frau ist ein Wesen mit weiblicher Geschlechtsidentität in einem männlichen Körper. Die weibliche Form des Wortes drückt aus, dass es sich hier um ein weibliches Wesen handelt, auch wenn der Körper nicht danach aussieht. Analog dazu ist ein Transsexueller ein Wesen mit männlicher Geschlechtsidentität in einem weiblichen Körper.

Trans-Frau / Trans-Mann
TransFrau ist die Kurzform für eine transsexuelle Frau, während TransMann die Kurzform für einen transsexuellen Mann ist. Ich benütze – sofern ich nicht grad zu übermütig bin – am meisten das Wort TransFrau um mich selbst zu beschreiben. Der Grund liegt darin, dass die Hauptbetonung des Wortes auf “Frau” liegt. Egal ob EheFrau, HausFrau, PutzFrau, es sind immer Frauen, so ist auch das “Trans” im Wort TransFrau nur eine näherere Umschreibung des zentralen Wortschlusses. Für mich klingt TransFrau unterdessen wie Frau, damit kann ich mich sehr gut identifizieren.

T-Girl
Ok und wenn ich übermütig bin – wie bei der Namensgebung dieses Blogs und bei tausend anderen Gelegenheiten – dann rede ich gerne von T-Girls. Ich bin nicht mal sicher, ob darunter nur Transsexuelle Ladies zu verstehen ist oder alle Transgenders. Aber es ist in der Transgender-Szene weit verbreitet und hat so was girliges, das ich mag. Naja ich bin nunmal mitten in meiner zweiten Pupertät und fühl mich mehr als oft genug girlig, um mich mehr als T-Girl denn als TransFrau zu empfinden. Es hat etwas freches und kokettierendes und darin fühle ich mich oft sehr wohl.

Geschlechtsangleichung / Geschlechtsumwandlung
Im Volksmund redet man oft von Geschlechtsumwandlung, wenn eine transsexuelle Person das körperliche Geschlecht dem Seelischen anpasst. Aber man kann das Geschlecht nicht umwandeln, man kann es nur angleichen (ähnlich machen). Deshalb redet man offiziell von einer Geschlechtsangleichung resp von geschlechtsangleichenden Massnahmen.

Alltagstest
Bevor Transidente geschlechtsangleichende Massnahmen einleiten können, müssen sie einen sogenannten Alltagstest absolvieren. In der Schweiz heisst das, dass ich z.B. ein Jahr lang täglich als Frau leben muss, bevor ich medizinische Unterstützung bekomme. Grundidee davon ist, dass man erst mal “ausprobieren” muss ob man mit so einem doch steinigen und harten Weg klar kommt. Die ersten Wochen sind echt rauh, die Outings, die Öffentlichkeit, tausend Dinge sind extrem belastend. Ich halte es für alles andere als selbstverständlich, dass jemand damit einfach so klar kommt, soweit halte ich die Idee vom Alltagstest für sinnvoll. Wenn man nach diesen Erfahrungen immer noch davon überzeugt ist, dass dies der Weg ist, dann geht die Hormonbehandlung los. Das Tragische ist, dass dieser Alltagstest in der Schweiz ein Jahr dauern muss, was de-facto das Leiden der Betroffenen um ein Jahr verlängert. Nach meiner Erfahrung hat man schon nach einem Monat genug erlebt um zu wissen, was alles auf einem zukommt. Mehr als drei Monate Alltagstest zu fordern halte ich persönlich sogar für menschenunwürdig und für unterlassene Hilfeleistung.

Östrogene / Testosteron
Das weibliche Geschlechtshormon nennt man Östrogen (Estradiol), das männliche Testosteron.

Hormontherapie (HRT)
Um das Geschlecht anzugleichen, nehmen Transsexuelle Hormone. Ich als TransFrau einerseits einen Testosteron-Blocker namens Androcur und anderseits Östrogene, in meinem Fall mittels Antibabypillen. Diese HRT reduziert einerseits männliche körperliche Merkmale und fördert dafür die Entwicklung weiblicher Merkmale. Das bedeutet einerseits Veränderungen wie Brustwachstung bei TransFrauen oder Stimmbruch bei TransMännern, anderseits führt es bei TransFrauen zu einer “chemischen Kastration”. In der Regel wird diese Therapie mindestens ein Jahr lang gemacht, anschliessend kann die chirurgische Operation folgen, muss aber nicht.

Geschlechtsangleichende Operation (GaOp)
Bei der GaOp wird im Falle einer TransFrau kurz gefasst der Penis ausgehöhlt und nach innen gekehrt, bei TransMännern ist es noch viel komplizierter. Die Op dauert um die 8 Stunden, ist reich an Risiken, schmerzhaft, erfordert einen langen Genesungsprozess, aber wenn alles gut geht, kann das Resultat überwältigend gut sein, so dass selbst Gynäkologen kaum noch einen Unterschied sehen. Leider ist die Namensänderung und Zivilstandsänderung in der Schweiz nur nach erfolgter GaOp möglich. Damit werden zwei Dinge miteinander verbunden, die m.E. nichts miteinander zu tun haben.

preOp / postOp Transsexuelle
preOp heisst “vor der Operation”, postOp bedeutet “nach erfolgter Operation”.

Transe
Seid so nett und vergesst dieses Wort einfach, es ist ein Schimpfwort und niemand aus Trangenderland schätzt es, so abfällig genannt zu werden. Wenn Communities wie z.B. das Transensyndikat dieses Wort benützt, dann ist das ein begrüssenswerter und renitenter Akt der Wertumkehrung, in dem man die Wertung eines Wortes auf den Kopf stellt. So wie sich amerikanische Schwarze plötzlich Nigger nennen oder Frauen Bitches (Nutten). Man nimmt einem negativ gefärbten Wort die Macht indem man es sich aneignet und daraus sozusagen etwas Witziges macht. Wenn wir T-Girls uns gelegentlich so nennen, heisst das also nicht, dass Aussenstehende das auch tun sollten, weil wir damit den Eindruck bekommen, dass sie ein ebensolches Bild von uns haben. Oder nennt Ihr Eure Kolleginnen Bitch?

Es gäbe noch vieles zu erklären, aber fürs Erste sollen wir zumindest hier im Blog mal klar kommen. Vielleicht ergänze ich diesen Beitrag gelegentlich. Falls jemand mal etwas nicht versteht, dann fragt einfach via Kommentarfunktion.

SVP Motion: Endlösung Transsexualität

Eher zufällig bin ich über eine Motion des SVP-Politikers Peter Föhn gestossen. in der er samt einem Rudel seiner Brandstifter Parteigenossen die Endlösung für Transsexuelle fordert.

Konkret wollen die Minderheiten-Fresser der SVP, dass die geschlechtsangleichende Operation nicht mehr von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt wird, weil eine “Geschlechtsumwandlung” nicht dem allgemein verständlichen Krankheitsbegriff entspräche.

Neuerdings bestimmt also die SVP, wer krank ist und wem und wie geholfen werden kann. Einmal mehr suchen sich diese Volksverhetzer eine kleine Randgruppe, die sie in Grund und Boden stampfen können.

Transsexuellen geschlechtsangleichende Massnahmen zu verweigern, kommt jedoch einer “Endlösung” für Transsexuelle gleich, weil es keine Alternativen gibt, ausser lebenslangem Leiden. Aber den Politikern der SVP war das Leid von Minderheiten schon immer egal, ob es nun Invalide, Asylsuchende oder Transsexuelle sind.

Der Bundesrat hat vorgeschlagen, nicht auf die Motion einzugehen, der Fall liegt nun beim Nationalrat. Hoffen wir, dass die Nationalräte über mehr Restverstand verfügen als die Unterzeichner dieser charakterlosen Motion.

Der Motionstext, die Antwort des Bundesrats und die Liste der 38 Unterzeichner können hier nachgelesen werden:
Streichung von Geschlechtsumwandlungen aus dem Leistungskatalog

Wer zeichnet mein Selbstbild?

Nur allzu schnell möchte man diese Frage mit “ja ich natürlich” beantworten – das dürfte eine der grössten Illusionen des modernen Menschen sein.

Das erste, was ein Kleinkind lernt, ist sich ausserhalb seinerselbst zu orientieren. Es tut etwas, guckt wie das Umfeld darauf reagiert und misst daran, ob etwas gut oder schlecht, richtig oder falsch, hilfreich oder schädlich ist. Die Welt um uns herum zeichnet unser Selbstbild und daran angelehnt entwickeln und entfalten wir uns, soweit dieses von Aussen kommende Selbstbild dies überhaupt zulässt.

Dieses Funktionsprinzip behalten wir ein Leben lang, was auch immer wir tun, wird an der Reaktion unseres Umfelds gemessen und bewertet. Und so spielt jeder seine Rolle im Schauspiel seines Lebens.

Transsexuellen wird dieses Funktionsprinzip jedoch in doppelter Weise zum Verhängnis.

Wenn ein transsexuelles Mädchen wie ich ihr Verhalten und Handeln an den Reaktionen ihres Umfelds misst, bekommt es eine vernichtende Kritik für alles, was aus ihrem Inneren kommt. Du benimmst Dich wie ein Mädchen, Du bewegst Dich wie ein Mädchen, Du weinst wie ein Mädchen, Du spielst wie ein Mädchen……. jeder Versuch der Entfaltung eines inneren Selbst wird so im Keim erstickt…. es ist nicht gut, ich zu sein. Und so zimmert sich dieses Mädchen einen Menschen, der der Vorstellung ihres Umfelds entspricht.

Wenn dieses Mädchen dann eine Frau ist und dabei das Leben eines von aussen definierten Mannes lebt, kommt irgendwann fast zwangsläufig der Tag, an dem dieses Zerrbild ihrerselbst nicht mehr aufrecht gehalten werden kann. Diese Frau legt diese männliche Karikatur in Schutt und Asche und beginnt, ihr Selbst von innen her neu aufzubauen resp entfalten zu lassen.

Spätestens jetzt ist dieses Funktionsprinzip tödlich. Wenn diese Dame ihr Selbstbild weiterhin von aussen werten lässt, wird sie im Spiegel einen durchgeknallten Mann in Frauenkleidern sehen. Die Umwelt ist spätens jetzt kein brauchbarer Spiegel mehr.

Aber was nun? Ein Leben lang war man darauf konditioniert, sein Selbst von aussen definieren zu lassen. Diese Fremdbestimmung ist weggefallen, aber was bleibt dann? In welchem Spiegel soll sie sich jetzt noch spiegeln um zu erkennen, ob sie ok ist so wie sie ist? Da ist kein Richter mehr, keine Jury, sie muss sich nun selbst beurteilen.

Dieses Mädel wird es nicht einfach haben, sich zu finden und sich neu zu erfinden, da sind keine Grenzen und Absperrungen mehr die hindern, da ist keine Orientierung ausserhalb ihrerselbst. Das ist eine grosse Herausforderung und es ist gleichzeitig die grösste Freiheit die man sich denken kann. Selbstentfaltung ohne Fremdbestimmung.

Sag mir Deinen Namen und ich sag Dir wie Du heisst

Man sagt im Volksmund: “Kleider machen Leute” und das hat ja irgendwie schon was. Gerade bei mir als TransFrau sind die Kleider neben der Schminke etwas vom Wesentlichsten, um mein Ich äusserlich darzustellen. In einem Rock oder auf Pumps fühle ich mich viel weiblicher als in Latzhosen und Gummistiefeln. Mein Aussehen verstärkt sozusagen meine Selbstwahrnehmung und gibt mir inneren Halt.

Aber es gibt etwas, was mindestens wenn nicht sogar mehr zur Selbstwahrnehmung beiträgt: der Name und die Anrede. Auch Namen machen Leute und Anreden teilen die Geschlechter, etwas was für uns Transsexuelle elementar ist.

Mir fällt auf, dass ich irgendwie eine diebische Freude habe, wenn ich irgend etwas bestellen kann im Wissen, dass dies nun an meine weibliche Identität geschickt wird. Ich freue mich sogar über Rechnungen, nur weil sie an Diana adressiert sind. Ok bei Rechnungen hält sich die Begeisterung etwas in Grenzen, aber es ist doch ein wunderschönes Gefühl, so eine Rechnung in den Fingern zu haben und die Anschrift zu lesen.

Umso schmerzlicher ist die Post von den Stellen, die aus formal-juristischen Gründen keine preOp-Transsexuelle anerkennen. Banken, Steuern, Gemeindequatsch, all das kommt weiter mit penetranter Hartnäckigkeit an einen Mann adressiert, den es nur zum Schein gab und der nun nicht mehr existiert. Hat irgendwie was Surreales, sozusagen Post an einen längst Verstorbenen oder eher eines Niegeborenen.

Dass mich die Uni-Klinik mit “Herr X.Y. (Diana)” anschreibt, entbehrt nicht einer gewissen Komik, da ich von ihnen stets mit Frau angesprochen bin und dort ja auch als Trans-FRAU in Behandlung bin. Es zeigt aber in skuriler Weise, mit was für einer Realität Transsexuelle konfrontiert werden und wie sie wahrgenommen werden.

Man könnte meinen, dass all das irgendwie nicht wirklich wichtig ist. Zumindest bei mir wirft das grosse Wellen. Wenn ich irgendwo in weiblicher Form angesprochen werde, im Restaurant gefragt wird, ob die Damen schon bestellen möchten oder Post für Diana im Briefkasten liegt, dann fühlt sich das an als ob ich wachsen würde, als ob das vier Jahrzehnte lang gefangene und verkümmerte Ich sich ausstreckt und entfaltet, mit jedem Mal ein klein wenig mehr, so wie man einen Luftballon aufbläst.

Oder wenn ich zurück denke, wie es damals war, als mich plötzlich alle mit Diana ansprachen oder mit der Zeit von “sie” anstatt von “er” redeten……..

Der Name und die Anrede definieren uns, sie sind das Fundament der äusseren Identität. So gesehen ist es tragisch, dass preOp-Transsexuellen in diesem Land dieses wichtige Stück Identität verweigert wird. Und es ist noch viel tragischer, wenn man bedenkt, dass diese Identität nur unter der Bedingung der Kastration gewährt wird. Aber diese “Zwangskastration Transsexueller” soll ein andermal Thema sein – demnächst auf diesem Kanal – bleiben Sie dran ;-)

Transsexuelle Austern

Da guckt man uns T-Girls so verwirrt an als kämen wir von einem anderen Planeten, dabei sind wir gar nicht die einzigen Transsexuellen in Gottes Schöpfung. Austern wechseln ihr Geschlecht, das gehört ganz einfach zu ihrer Natur. Wir T-Girls sind also einfach die Austern unter den Menschen :-) Interessant, was in Wikipedia darüber zu lesen ist:

Austern sind zweigeschlechtlich (Hermaphroditismus), wobei die konkrete Ausformung dieser Zweigeschlechtlichkeit bei den verschiedenen Austernarten unterschiedlich ist. Die Pazifische Felsenauster wächst zunächst als Männchen heran und bleibt dies im ersten Jahr. Ab dem zweiten Jahr wandelt sich ein Teil der Population in Weibchen, und bleibt das dann auch. Theoretisch könnte die Pazifische Felsenauster ihr Geschlecht mehrmals ändern, sie tut das aber normalerweise nicht. Im Gegensatz dazu machen die Europäischen Austern von dieser Möglichkeit Gebrauch. Sie sind im ersten Jahr vorwiegend – aber nicht ausschließlich – männlich und ändern dann immer wieder ihr Geschlecht, sie sind „konsekutiv rhythmische Hermaphroditen“.

Interessant ist, dass sie sich von dem männlichen zum weiblichen Geschlecht WEITERentwickeln *zuckersüsslächelt*……. so gesehen sind wir T-Girls also Menschen, die sich weiter entwickeln. Ist doch irgendwie ulkig, erst vom Affen zum Menschen, dann vom Mann zur Frau……. von Austern kann man wirklich viel lernen :o)

Ich bin übrigens der lebende Beweis, ich habe mich so weiter entwickelt, dass ich innert eines halben Jahres zehn Centimeter grösser wurde und mein Brustumfang zugenommen hat und meine Sensibilität hat ebenfalls zugenommen.

Je weiter ich überlege….. meine optischen Selbstdarstellungsmöglichkeiten wurden erweitert, neue Geh-Techniken wurden erlernt, das Auge wurde bei der Jagd nach Kleidern geschärft……. Kenntnisse in Konfektionsgrössen, Farbenlehre, Gesichtsdekoration, Haarstyling, Versandkataloge……. hey ich kann sogar auf einem Bein stehend mit einer Hand den Duschkopf halten und mit der anderen Hand den Unterschenkel rasieren. Da können die Jungs mit ihrem blöden Einparkieren definitiv einpacken ;-)

Als Frau angenommen und akzeptiert

Als Frau angenommen und akzeptiert zu sein, ist wohl eines der grössten Geschenke, die wir T-Girls von unserem Umfeld erhalten können. Der Mensch spiegelt sich nunmal leider in der Gesellschaft und nimmt unbewusst deren Bewertung an. Gerade für T-Girls kann das fatal sein, wie ich schon an anderer Stelle dargelegt habe. Wenn mich Leute aus meinem Umfeld als “Mann der eine Frau spielt” betrachten, dann ist es sehr schwierig, ein stabiles weibliches Selbstbewusstsein aufzubauen. Natürlich versuchen die Leute freundlich zu sein, man spricht uns in weiblicher Form und mit unserem weiblichen Namen an, aber in den Köpfen bleibt man recht lange dem falschen Geschlecht zugehörig und das zeigt sich meist in subtilen Verhaltensweisen, die uns T-Girls natürlich nicht verborgen bleiben.

Umso schöner ist es, wenn sich ebendiese subtilen Verhaltensweisen ändern und das tun sie, wenn auch nur von Fall zu Fall. Aber gerade diese Veränderungen geben uns unvorstellbar viel Kraft und Bestätigung, nur so kann unser endlich nach aussen gekehrtes Ich ein stabiles Selbst werden. In letzter Zeit hatte ich einige Erlebnisse, die genau das hervorbrachten und es war jedes Mal ein tief beglückendes Erlebnis.

Die erste Veränderung war die Art, wie man über mich spricht. Die Leute gewöhnen sich schnell daran, einen “Mann in Frauenkleidern” mit weiblichem Namen anzusprechen. Aber wie sie wirklich darüber denken und fühlen, zeigt sich vorallem in der indirekten Rede. In den ersten Wochen nannte man mich zwar Diana, aber ich war ein “er” wenn man über mich sprach. Unterdessen passiert das nur noch selten, vorallem diejenigen die oft mit mir zusammen sind, reden fast ausnahmslos von “sie” und das wiederum zeigt mir, dass ich in ihren Köpfen eine (Trans-)Frau geworden bin.

Ebenfalls auffällig ist die Art wie Männer eine TransFrau begrüssen. Wenn sich gut bekannte Männlein und Weiblein begrüssen oder verabschieden, tun sie das oft mit einem Dreifachkuss auf die Wangen. Wenn ein Mann eine TransFrau begrüsst, wird er das in der Regel nicht tun, weil dieses Wesen in seinem Kopf ein Mann ist und er will ja schliesslich nicht schwul sein, also gibt man höflich die Hand. Schon vor Monaten passierte es mir das erste Mal, dass Jungs vom Personal meines Pubs mich küssenderweise begrüssten. Beim ersten Mal hat’s mich fast aus den Stöckelschuhen purzeln lassen, ich war total verblüfft und gleichzeitig unbeschreiblich glücklich. Auch als ich mal an einem Pipe-Konzert war und dort Jungs aus der Band traf, wurde ich von einzelnen zur Begrüssung geküsst. Ich war hin und weg! Und grad kürzlich hatte ich Besuch von einem sehr netten Herrn, der mir bei der Begrüssung noch die Hand gab, der sich nach ein paar Stunden Plauderei jedoch küssend verabschiedete. Einmal mehr war ich von aussen betrachtet zur Frau geworden.

Auch Komplimente sind so eine Sache. Kein Mann würde seinem Kumpel sagen: “hey Du hast aber heute ein schönes Shirt an” oder “Du hast wirklich schöne Augen”. Als mir mal ein Mann ein Kompliment machte wegen meiner Augen, war ich für den Rest des Tages in ein anderes Universum gebeamt, es verzückte mich für den ganzen Rest des Tages. Nicht weil ich unbedingt schöne Augen haben will sondern eben, weil ein Mann sowas in der Regel nur zu einer Frau sagen würde.

Eher trivial aber trotzdem aussagekräftig ist auch, wenn man als T-Girl plötzlich einen Drink spendiert bekommt, von jemandem, der sich der Transsexualität der Beschenkten bewusst ist.

Aber auch bei Frauen gibt’s solche Verhaltensweisen, die uns T-Girls zeigen, ob wir nun als Mann oder Frau betrachtet werden. Kürzlich plauderte ich mit einer Kollegin und wir landeteten – wie das bei uns Mädels halt üblich ist – irgendwann bei Kleidern. Da erzählte sie mir freudig, sie hätte einen neuen BH gekauft und der sei mega genial und preiswert und überhaupt…… und plötzlich sagte sie: “Ach Du bist ja jetzt eine Frau, dann kann ich Dir das ja zeigen”, knöpfte die Bluse auf und zeigte mir ihren BH von allen Seiten. Ich war echt sprachlos, sie tat das so ungehemmt, wie es nur unter Mädels üblich ist. Ich glaub das war eins der schönsten Du-bist-eine-Frau-Komplimente das ich je erhalten habe.

Auch bei Gesprächen mit Mädels ist das sehr spürbar. Es gibt Dinge, die Mädels nur unter sich diskutieren, so wie Jungs ja auch. Die Mädels in meinem Umfeld reden mit mir unterdessen eigentlich alle in einer Selbstverständlichkeit über all diese Dinge und spätestens wenn man als T-Girl mit Mädels über Jungs lästert, ist man definitiv im Club der Frauen angekommen.

Also Jungs, wenn Ihr einem T-Girl begegnet und sie als weiblich empfindet, dann zeigt keine Scheu sondern zieht alle Register, knutscht sie, spendiert mal einen Drink, lasst ihr den Vortritt, macht ihr Komplimente und schenkt ihr mal eine Rose, ihr könnt so einen Menschen sehr glücklich machen. Und Mädels, wenn Ihr ein T-Girl als Frau betrachtet, dann redet mit ihr über Frauenthemen, lästert über Jungs und zeigt ihr die neuste Unterwäsche ;-) ………… aber, liebe Jungs und Mädels, tut das bitte erst dann, wenn Ihr dieses T-Girl wirklich als Frau wahrnehmt, wir wollen nicht belogen werden sondern anerkannt.

Und so warte ich nun voller Sehnsucht darauf, dass mir endlich mal jemand rote Rosen schenkt, das dürfte dann sozusagen die emotionale Variante der Personenstandsänderung sein :-)

Adam, Eva und die Vollkommenen – Transsexualität aus biblischer Sicht

Zumindeset religiöse Transsexuelle dürften sich früher oder später mit der Frage beschäftigen, wie Transsexualität denn aus biblischer Sicht zu beurteilen ist. Mir sind keine Bibelstellen bekannt, die speziell über dieses Thema sprechen, aber es gibt zumindest in der Schöpfungsgeschichte etwas, das uns diesbezüglich zu denken geben könnte, wenn wir uns denn erdreisten würden, das Denken zu wagen.

Die Bibel bietet an vielen Stellen kleine Orakel, Dinge über die man wirklich nachdenken muss, um einen auf den ersten Blick simplen Satz zu ergründen. Leider sind gerade solche Stellen oft schlecht übersetzt – solche geglätteten Stellen lassen jedoch keinen Zugang mehr zu zum innewohnenden Sinn. Es ist nunmal nicht dasselbe, ob Gott Himmel und Erde erschaffen hat oder ob Himmel und Erde aus Gott hervorgegangen ist. Ersteres ist weitum bekannt, zweiteres jedoch korrekt.

Nun gibt es in ebendieser Schöpfungsgeschichte diese etwas obskure Sache mit Adam und Eva. Jedes Kind kennt die Stelle, Gott schuf Adam, dem war’s scheisslangweilig, also klaute Gott ihm des Nachts eine Rippe und schnitzte daraus ein Weib, das sich dem Mann gefälligst unterzuordnen hat. Aber steht das so da?

Im hebräischen Text der Torah steht nichts von einer Rippe, es ist die Rede von einer Flanke, also einer Seite. Im jüdischen Textverständnis bedeutet das, dass Eva wesensgleich war mit Adam, sie ist die gespiegelte Hälfte von ihm. Da gehts nicht um Organtransplantation oder Schnitzkunst, dieser Text will einzig sagen, dass Adam und Eva zwei Hälften eines ganzen “Ur-Adams” waren.

Im jüdischen gibt es viele Namen für Gott, Bezeichnungen die die verschiedenen Aspekte Gottes benennen. Eine davon ist die Schechina, ein weiblicher Aspekt von Gott. Nach jüdischem Verständnis ist ein Mann nur mit einer Frau vollkommen, andernfalls fehlt ihm eine Hälfte. Deshalb müssen Rabbis auch verheiratet sein (Jesus war auch Rabbi, aber das sparen wir uns auf ein anderes Mal auf). Wenn nun ein Mann auf Reisen ging und seine Frau zurück lassen musste, betete er zur Schechina und bat um Begleitung, weil er ohne seine weibliche Hälfte schutzlos gewesen wäre.

Und jetzt wird’s spannend für uns T-Girls ;-)

Wenn also Mann und Frau nur zwei Hälften des “Ur-Menschen” sind, dann sind transsexuelle Menschen, die beide Geschlechtsaspekte vereinen, sozusagen die Vollkommenen. Sie sind wie Ying und Yang, Mann und Frau, sie vereinen die zwei Eckpunkte der göttlichen Schöpfung. Cool hä?

Das sollte als Rechtfertigungsgrund ausreichend sein, dass wir T-Girls fortan in allen Läden gratis Schuhe und Kleider einsammeln können, oder etwa nicht? ;-)

Ich glaub ich beginne hier eine theologische Blog-Serie, nächstes Mal gehen wir der Frage nach, wozu Gott uns T-Girls auf die Erde gesandt hat und was unsere Berufung ist.

Haben Transsexuelle einen 7. Sinn?

Mir ist schon vor langer Zeit aufgefallen, dass ich so eine Art 7. Sinn habe. Ich kann mich sehr gut in andere Menschen hineindenken und hineinfühlen, vorallem scheint es, als ob ich die Gefühle und die Wesensart meines Gegenübers sozusagen intuitiv wahrnehme. Meist kann ich das rational gar nicht recht erklären, ich empfinde irgendwie einfach was mein Gegenüber bewegt.

Oft habe ich mich gefragt, weshalb das bei mir so ist, ich mach das ja nicht mal absichtlich und wollte es auch nicht lernen, es passiert einfach mit mir, so als ob ich mit anderen Augen sehen würde. Meine Sensibilität ist sozusagen zur Empathie ausgereift.

Unterdessen habe ich einige T-Girls kennengelernt und dabei ist mir aufgefallen, dass die durchs Band sehr einfühlsame und aufmerksame Wesen sind. Ob diese Mädels auch so einen Wesens-Scanner eingebaut haben wie ich, entzieht sich meiner Kenntnis, aber auf jeden Fall ist die Sensibilität weitaus höher als man es sonst gewohnt ist. So drängt sich mir langsam die Frage auf, ob Transsexuelle wirklich sowas wie einen 7. Sinn haben, vorstellbar wäre es nämlich.

Wenn ich darüber nachdenke und in meiner Vergangenheit rumwühle, dann fällt mir auf, dass Transsexuelle ihr ganzes Leben lang vor einer grossen Herausforderung stehen. Sie müssen etwas sein und darstellen, dass sie nicht sind. Das geht aber nur, indem man die benötigte Rolle erlernt und das wiederum macht man durch Beobachtung und Nachahmung. Wenn ein Kind von klein an in den Anderen lesen muss, wie es selbst sein sollte, dann muss es eine gehörige Portion Aufmerksamkeit aufbieten. Es beginnt genau zu beobachten was andere tun, wie sie es tun und warum. Hier geht es aber um weit mehr als das tun, das Kind muss auch lernen, wie es denken und fühlen darf. Was anderes kann so ein Kind tun als ins Innere seiner Mitmenschen zu schauen? Und wenn man ein Leben lang so beobachtet, schärft sich der Blick immer mehr und geht immer tiefer, bis man irgendwann durch Menschen hindurch sehen kann resp tief in sie hinein.

Je mehr ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zum Schluss, dass Transsexualität zwangsläufig zur Ausbildung eines 7. Sinns führt, mit den herkömmlichen 6 Sinnen wäre so ein Leben gar nicht zu führen.

Es wäre interessant der Frage nachzugehen, ob dieses Phänomen unter Transsexuellen wirklich so verbreitet ist, zumindest bei mir ist dieser Sinn stark ausgeprägt, so stark, dass es manchmal nicht zum aushalten ist. Wenn ich in ein Gesicht sehe, dann fühle ich den Menschen sozusagen, ich spüre wenn jemand traurig ist, verbittert oder gefährlich. Ich weiss nie warum, aber ich weiss wie er sich fühlt, selbst auf Fotos.

Transsexuelle Profilerin?
Auf Fotos kann man keine Gefühle sehen, werden die Meisten jetzt denken. Denkste! Ich hab so ein kleines Privatspiel, das ich leidenschaftlich spiele. Zu meinen Lieblings TV-Serien gehört so TrueCrime-Zeugs wie Autopsie, also Sendungen, die über tatsächlich stattgefundene Verbrechen berichten. Das läuft meist nach dem Muster ab, dass gezeigt wird was passiert ist (inklusive Tatortfotos und so Zeuchs), dann wird von den Ermmittlungen erzählt, Verdächtige werden präsentiert, irgendwann wird der Fall abgeschlossen. Seit ein paar Jahren “rate” ich mit, wenn Verdächtige gezeigt werden und – man mag mich für verrückt halten – ich habe eine Trefferquote, die jeden Profiler vor Neid erblassen liesse. Wenn ich so einen Fall vorgeführt bekomme und dann ein Verdächtiger gezeigt wird, kann ich fast mit Sicherheit sagen, ob der Betreffende das Potential für diese Tat hat. Ich kann nicht sagen ob er dieses Verbrechen beging – ich bin keine Hellseherin – aber ob diese Tat seiner Wesensart entspricht. In so Momenten geht mir beispielsweise der Satz durch den Kopf: “Du bist zwar eine brutale Sau, ein Menschenleben bedeutet Dir nichts, aber Du bist nicht so lustgesteuert, dass Du so ein Sexualdelikt in dieser Form machen würdest”. Und was passiert? Es stellt sich heraus, dass er ein Schwerkrimineller ist, genauso wie ich es empfunden habe, aber mit dem Fall hatte er nichts zu tun. Das Verrückte ist, dass ich nur wenige Sekunden habe um das Bild anzuschauen, aber zurück bleibt schon fast sowas wie ein Täterprofil.

Die Polizei ist gefragt
Und falls jetzt irgendwelche PolizistInnen mitlesen (z.B. die gute Svenja) und falls diese denken, ich hätte einen an der Waffel, dann fordere ich hiermit zu einem Duell auf. Zeigt mir beliebige Fälle und ich erstelle ein Täterprofil, legt mir beliebige Fotos auf den Tisch und ich sortiere sie nach Verbrechensgruppen. Ich verwette meinen Hintern, dass Euch die Augen aus den Höhlen treten würden ;-)

Und wie steht’s mit Euch, T-Girls?
Aber nun zurück zur ursprünglichen Frage: Ist das “erfühlen” von Anderen einfach eine Privatfähigkeit von mir oder haben Transsexuelle aufgrund ihrer Lebensweise alle so einen 7. Sinn? Falls mitlesende Transsexuelle das von mir beschrieben oder Ähnliches kennen, dann her damit ;-)

Sind Klischees für eine “richtige Frau” tabu?

Aus aktuellem Anlass mache ich mir grad Gedanken über Klischees, im speziellen Geschlechter-Stereotypen und die Frage, ob eine “richtige Frau” resp eine “richtige TransFrau” diese Klischees erfüllen darf oder muss oder sollte.

Gerade Geschlechtsstereotypen sind Klischees, die das Leben von Transsexuellen extrem erschweren. Es ist schon grausam, wenn man im falschen Körper leben muss, aber es ist noch viel grausamer, dass man damit gezwungen wird, falsche, nicht mit dem Inneren korrespondierende Klischees spielen zu müssen. Wenn man als Mädchen im Jungenkörper auf dem Pausenplatz eine grosse Röhre haben muss und nicht weinen darf, obwohl das Innere ganz andere Bedürfnisse hätte, wird das eh schon komplizierte Leben zu einer Höllenfahrt. Deshalb sind so Stereotypen für uns Transsexuelle ein rotes Tuch.

Das ändert sich bei Vielen, wenn sie endlich in ihrer wirklichen Geschlechterrolle leben dürfen. Transsexuelle haben sehr viel Unterdrücktes, das sie kompensieren möchten. Ein Leben lang klotzige Halbschuhe? Her mit denn Pumps. Ein Leben lang Hosenzwang? Her mit den Röcken. Und bevor wir uns versehen, erfüllen wir nun leidenschaftlich Geschlechterstereotypen und leben Klischees genüsslich aus. Klingt paradox, nicht? Aber ist es deshalb falsch? Wenn sich eine Waffe ein Leben lang gegen Dich richtet und Du irgendwann die Kontrolle über diese Waffe übernimmst und sie zu Deinen Gunsten führst, ist das dann so unverständlich?

Mit Klischees ist das so eine Sache. Auf der einen Seite zwängen sie uns in ein Rollenverhalten, das wir schon fast zwangsweise annehmen müssen, ob es uns entspricht oder nicht. Der Klassiker, Jungs weinen nicht, zeigt das auf dramatische Weise. Bis zum 13. Lebensjahr weinen Jungs und Mädels gleich oft. Dann hören die Jungs damit auf. Wenn man bedenkt, dass zubetonierte Geschlechterstereotypen die Hälfte der Menschheit daran hindert, ihre Trauer so auszudrücken, dann wird offensichtlich, wie vernichtend so Klischees sein können.

Aber heisst das nun, dass deswegen Klischees tabu sind? Wenn es einem Klischee entspringt, dass Frauen kistenweise Handtaschen und Schuhe besitzen, muss ich dann Turnschuhe tragen und alles in einer Tüte rumtragen, damit ich ja kein Klischee bediene? Und wenn ein Klischee besagt, dass Männer Hosen und Frauen Röcke anhaben, muss ich dann als emanzipierte Frau Hosen tragen? Diesen Fehler hat meines Erachtens leider der “Radikal-Feminismus” gemacht. Was ich früher musste, das darf ich heute nicht. Aber wenn ich mir verbiete, was mir eins von Aussen geboten wurde, was habe ich dann gewonnen? Bin ich dann nicht an denselben Ketten angebunden?

Emanzipation heisst: “ich muss keinen Rock mehr tragen, ich darf auch Hosen tragen”. Emanzipation heisst nicht: “ich darf keinen Rock mehr tragen”

Klischees sind in der Regel nicht vom Himmel gefallen. Das Bild der shoppenden Frau wurde nicht von den Gebrüdern Grimm erfunden sondern war eine Folge davon, dass Frauen mehrheitlich einen Hang dazu haben. Männlein und Weiblein sind nunmal nicht gleich und ich würde auch nicht wollen, dass sie es sind. Die Ausnahme bestätigt hier die Regel.

Klischees werden erst dann zum Problem oder sogar zur Falle, wenn man sich einredet, dass man sie erfüllen muss. Und man läuft in dieselbe Falle, wenn man sich einredet, dass man sie nicht erfüllen darf.

Deshalb glaube ich, dass diejenigen, die zwanghaft jedes Klischee erfüllen, genauso gefangen sind wie diejenigen, die um jeden Preis jedes Klischee vermeiden. Wirklich frei ist man dann, wenn man sein Innerstes auslebt. Wenn dies einem Klischee entspricht, ok. Wenn es ihm widerspricht, auch ok.

Ich möchte das an meinem Beispiel illustrieren. Es gibt Klischees, die ich leidenschaftlich auslebe:

  • Meine Schuhsammlung hat in weniger als einem Jahr ein Regel gefüllt
  • Ich trage fast nur Röcke und versuche die äussere Weiblichkeit auch sehr zu betonen
  • Bei jeder erdenklichen Emotionalität wässern sich meine Augen
  • Charmante Komplimente schmeicheln mir und ich schätze es, wenn mir ein Mann die Tür aufhält
  • Ich lästere gegen Männer und männliche Klischees
  • Ich kokettiere fürs Leben gern :-)

Aber genauso gibt es Klischees, die ich nicht erfülle, weil sie nicht meinem inneren Bedürfnis entsprechen

  • Handtaschen sind für mich einfach praktische Objekte, ich hab zwei, eine kleine Schwarze und eine grosse Beige
  • Wenn ich mich aufrege, fluche ich gelegentlich wie ein Henkersknecht oder hau die Faust auf den Tisch, dass die Leute im Büro einen Satz machen auf dem Stuhl (bisher 3 tote Tastaturen und ein komatöser Bildschirm)
  • Guinness ist und bleibt mein Lieblingsgetränk, gefolgt von IrishCoffee und Cider
  • Meine Great Highland Bagpipe wurde zwar in den Pausenmodus versetzt, weil ich momentan genug mit mir zu tun habe, aber ich werde weiterhin dieses archaische und sehr männliche Instrument spielen, das einst sogar als Kriegswaffe eingestuft war
  • Wenn ich das Geld dazu hätte, würde ich jederzeit wieder eine Harley kaufen, obwohl, das muss ich gestehen, ich würde mir arge Sorgen machen wegen der reduzierten Frisiermöglichkeit, Helme sind echt nix für Mädels ;-)

Beide Listen könnte ich noch lange erweitern, das sind nur ein paar Beispiele, die zeigen sollen, was ich unter einem freien Leben vorstelle.

Fazit: Verweigere Dich jedem Klischee, das Dir nicht entspricht…. und leb jedes Klischee, das Dir entspricht, so leidenschaftlich und exzessiv aus wie möglich.

Transsexualität – Geschlechtstransformation und Lebensfreude

Als ich vor bald einem Jahr mein Leben radikal änderte und als die Frau zu leben begann, die vier Jahrzehnte in mir dahin vegetierte, wusste ich zwar dass eine Geschlechtstransformation oder Geschlechtsangleichung der einzige Weg ist, aber ich wusste weder ob mich dieser Weg glücklich macht noch ob ich stark genug bin dafür. Heute kann ich definitiv sagen, dass ich mein Glück so gefunden habe – der Erfolg gibt mir Recht.

Und das ist alles andere als selbstverständlich. Es geht gehörig an die Substanz, von seinen Mitmenschen angegafft und belächelt zu werden. Man muss grosse Ängste überwinden, wenn man die gesundheitlichen Risiken einer Hormonbehandlung oder noch mehr einer geschlechtsangleichenden Operation (GaOp) auf sich nimmt. Es braucht ungeheure Courage, seine Andersartigkeit allen Freunden und Verwandten mitzuteilen. All das und viel mehr brauchen enorme Energie und eine enorme Renitenz dem Leben gegenüber, um diesen Weg zu gehen und die Spannung auszuhalten, die Transsexuelle in der Gesellschaft auslösen. Und es ist unsäglich traurig, damit klar zu kommen, dass man seine Beziehungschancen nah an den Null-Punkt bringt und vielleicht lange, vielleicht sogar für immer alleine sein wird.

Doch wenn ich zurück schaue und mein neues Leben vergleiche mit dem, was ich früher als “Spiel des Lebens” bezeichnete, dann ist es geradezu erschütternd festzustellen, dass die Lebensqualität und Lebensfreude Ausmasse angenommen haben, die für mich vorher schlicht unvorstellbar waren.

Das Leben war für mich nie etwas das ich wollte, es war etwas das ich durchstehen musste. Unzählige Male stand ich an einem Punkt an dem ich mich frage, wozu ich diese Scheisse noch weiter ertragen sollte. Mir fiel nie ein Grund ein. Das einzige was mich hielt, war meine mir angeborene Renitenz, der Wille, nie aufzugeben und die Einstellung, dass ich nicht bereit bin von hier zu gehen, bevor ich nicht endlich auch glücklich sein kann. Alles Erduldete und alles Erlittene wäre sinnlos gewesen, wenn ich aufgegeben hätte, also kämpfte ich weiter und wartete auf ein Wunder, an das ich selber nie glaubte. Es ging mir wie im Lied “Halt mich” von Lacrimosa, in dem gesungen wird: “Solange sich die Zeit noch dreht, die Zeiger sich noch drehen, solange dreh auch ich noch meine Runden. Doch des Lebens süsse Lust hat mich verlassen.”. Nein sie hat mich nie verlassen, sie existierte gar nie.

Heute wache ich morgens auf und spüre eine erquickende Lebensfreude. Es macht Spass aufzustehen, mich für den Tag bereit zu machen, zur Arbeit zu gehen, mit meinen Mitmenschen zu reden, an ihrem Leben teil zu haben und sie an meinem Leben teilhaben zu lassen.

Früher musste ich das Glück ausserhalb von mir suchen, musste mir etwas kaufen, mich lieben lassen, Sex haben, Tiere beobachten oder sonst etwas tun, was meinen Körper mit Glückshormonen flutete. Von alleine kam da nichts, da war nur eine gähnende Sinnlosigkeit.

Heute ist allein die Tatsache meiner Existenz und das Leben meiner wahren Identität Ursprung grenzenloser Lebensfreude. Mit meinem Namen angesprochen zu werden ist ein Geschenk, das mit täglich hundert Mal gemacht wird. Mich im Spiegel als Frau zu sehen ist trotz begrenzter Begeisterung ob meines Aussehens jedes Mal ein Freudentaumel. Zum ersten Mal im Leben kann ich sagen: Ich bin!

Ich schaue zurück und erschrecke, wie wenig mir mein Leben doch bedeutete. Ob ich mich zu Tode rauche oder mich sonstigen Risiken aussetze, war für mich völlig unbedeutend. Als ich beispielsweise mal wegen einer schweren Bronchitis die Lunge röntgen musste, ertappte ich mich bei der Hoffnung, dass man mehr als das findet und der Arzt endlich das Todesurteil ausspricht und eine Erlösung in Aussicht stellt. Heute mache ich mir Sorgen wegen der Trombosegefahr, will das Rauchen aufhören, sorge mich dass ich Brustkrebs bekommen könnte oder sonst etwas Schlimmes passiert. Angst kann so etwas Schönes sein, wenn sie Ausdruck von Liebe ist, Liebe sich selbst gegenüber.

Ein mir bisher unbekannter Lebenswille durchströmt mich und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich noch lange Zeit weiter leben darf, leben als das was ich jetzt endlich sein kann und darf, leben als die Frau die meine Seele ausmacht. Und egal wieviele Steine noch auf meinem Weg liegen, egal wieviel Trauer und Verzweiflung ich noch erleben werde, ich freue mich auf jeden zukünftigen Tag, was auch immer er bringen mag.

Ja, der Erfolg gibt mir Recht, es hat sich gelohnt…… und auch wenn meine Transformation für die meisten meiner Mitmenschen unverständlich ist und manche mich für noch so verrückt halten mögen, heute weiss ich, dass ich den richtigen Weg gegangen bin. Und ich bin überzeugt, dass ich ein Recht dazu habe, die Welt mit meiner Andersartigkeit zu irritieren, weil Transsexuelle genauso wie alle anderen ein Recht haben auf ein glückliches Leben und ein Recht darauf haben, ihr Innerstes zu entfalten.

Für die Meisten dürfte dieses Glücklichsein eine Selbstverständlichkeit sein, für mich ist es ein grosses Wunder, das Wunder eines Schmetterlings, der den Cocoon endlich verlassen kann, seine Flügel ausbreitet und in die Luft steigt.

Leben als TransFrau – Über die Normalität des Aussergewöhnlichen

Als ich Anfang Jahr begann, meinem inneren Geschlecht entsprechend zu leben, war die erste Zeit eine unbeschreiblich euphorische Phase. Ich war ängstlich und scheu, aber von wilder Entschlossenheit beflügelt, nun endlich mein wahres Leben zu leben und all das zu sein und zu tun, was meine Seele sich vier Jahrzehnte vergeblich ersehnte – als Frau zu leben, die Frau, die ich immer war und nie sein konnte.

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Arbeitstag als Diana, als sei’s gestern gewesen. Gestern noch gab es mein Leben nicht, heute sollte ich es meistern. Aber wer bin ich, wie bin ich? Mein erster Arbeitsweg als Frau war voller Angst und gleichzeitig voller fassungsloser Freude. Ich konnte irgendwie nicht glauben, dass das nun wirklich mit mir passiert. Im Büro wurde ich erstmals mit Diana angesprochen und bei mir setzte jedesmal fast das Herz aus, wenn ich meinen Namen hörte. Immer wieder der Gedanke: “ich lebe, verdammt ich lebe wirklich, ich existiere und werde wahrgenommen”. Niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man nach einer so langen Leidensstrecke plötzlich beginnt zu atmen. Der ganze Tag war voll emotionaler Ekstasen.

Es braucht wenig Fantasie um sich vorzustellen, dass ein Trans-Mädel wie ich schon bald Schuh- und Kleiderläden stürmt als ob der Krieg soeben zuende wäre. Alles bisher verwehrte lag vor mir und war mir zugänglich. Und so füllte sich der Schrank von Woche zu Woche und die morgentliche Euphorie vor dem Kleiderschrank wurde zu einem Highlight des Tages. Es war berauschend und irgendwie unfassbar, plötzlich von diesem steten TicTac begleitet zu werden, das mich mit jedem Ton ansingt, dass ich jetzt tatsächlich als Frau lebe. Es war fast wie mein Herzschlag und meine Seele lächelte mit jedem Schritt ein wenig mehr. Bei einem halbstündigen Arbeitsweg kommt man da quietschvergnügt bei der Arbeit an. Und die Kleider, all diese bunten Farben und Blumen drauf….. die ersten Hormone, die ersten Anzeichen einer Brustveränderung, das Kribbeln in der Brustwarze…….. und tausend Dinge die neu waren und tausend Dinge die alt waren, aber plötzlich ganz neu erschienen und sich ganz anders anfühlten.

Heute, zehn Monate später, stelle ich immer wieder verblüfft fest, dass diese Euphorie grösstenteils verschwunden ist. Ich krieg zwar immer noch Glubschaugen in Schuhläden und geniesse nachwievor das tägliche Vordemschrankstehen, auch das TicTac erfreut mich immer wieder von Neuem.

Aber all das hat nicht mehr diesen euphorischen Charakter. Da ist nichts Aussergewöhnliches mehr – all das, ist ganz einfach normal geworden für mich. Es ist selbstverständlich, dass ich täglich was Hübsches aus dem Kleiderschrank auswähle, es ist das Normalste der Welt, dass ich beim Schuhe anziehen ein paar Centimeter wachse, sich mein Kreuz etwas biegt und den Hintern etwas keck rausgucken lässt. Das TicTac ist nachwievor mein Herzschlag, aber wer hört noch sein eigenes Herz? All ist nicht mehr spektakulär……. sondern vertraut.

Und da fällt mir auf, wie nah diese Gefühle doch der Liebe sind. Die Euphorie des Verliebtseins nimmt einem den Atmen, katapultiert einem in den Himmel und versetzt einem permanent in Euphorie und Ekstase. Wenn diese Beziehung reift, man einander kennenlernt, sich einlebt, dann wird aus dem Verliebtsein Liebe. Was aussergewöhnlich war, gibt einem jetzt diese wohlige Vertrautheit, Geborgenheit und Sicherheit. Die Liebe ist sozusagen in den nächsten Level aufgestiegen.

Ja, irgendwie war ich glaub wirklich in mich verliebt resp in mein neues Leben, das sich mir da eröffnet hat. Wie ein Fohlen das erstmals auf einer Weide steht, gallopierte und hüpfte ich wie verrückt herum, immer wieder ängstlich umblickend, aber immer von Neuem wieder losgallopierend. Und aus dieser Verliebtheit entstand etwas Neues, Grösseres – die Liebe zu meinem neuen Leben. Ich bin mir vertraut geworden, fühle mich authentisch, habe mein Leben angenommen und fülle es ganz aus. Geschlechtstransformation hat irgendwie doch etwas mit Liebe zu tun.

Und doch gibts heute auch noch euphorische Momente, die mir fast den Atem rauben. Beispielsweise dann, wenn mir mal wieder bewusst wird, wie normal und vertraut doch plötzlich all das Aussergewöhnliche ist – wenn ich realisiere, dass ich wirklich in mir angekommen bin und dass wirklich ich diejenige bin, die dieses Leben lebt. Dann ist es wieder da, dieses berauschende Gefühl das mir Tränen in die Augen drückt und in mir den Wunsch auslöst, laut heraus zu jubeln.



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