(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

1. Transosophisches Naturgesetz: Probleme vor dem Kleiderschrank

Hast Du zuwenig Kleider, stehst Du stundenlang vor dem Schrank, weil Du nichts passendes findest.

Hast Du genug Kleider, stehst Du stundenlang davor, weil Du Dich nicht mehr entscheiden kannst, welchen schönen Fummel Du anziehst…..

Merke, Frauen gucken täglich mindestens so lange in den Schrank wie in den Spiegel…… und das will was heissen

2. Transosophisches Naturgesetz: Blinzelnde Augenlider

Das Augenlid blinzelt spätestens dann, wenn man die letzte Ladung Mascara auf den Wimpern verteilt. Das tut es meist mit einem dreifachen Flügelschlag, mit dem es bei der Mascarabürste noch etwas Farbe abholt, um diese mit künstlerischer Verspieltheit rund ums Auge zu verteilen. Niemand weiss, warum es das tut, aber es tut’s mit einer Verlässlichkeit, die man im Leben sonst vergeblich sucht

3. Transosophisches Naturgesetz: Füsse sind unterschiedlich gross

Give a girl the right shoes and she can conquer the world
(Marylin Monroe)

high-heels-01Das Frausein führt teils zu Erkenntnissen, die den Jungs ewig verborgen bleiben. Beispielsweise, dass in der Regel nicht beide Füsse gleich gross sind. Sowas findet man nur raus, wenn man perfekte Pumps sucht, denn diese haben so ihre Tücken. Wenn sie nicht klatscheng sind, hat man keinen Halt und stolpert wie ein betrunkener Kranich in der Gegend rum und wenn sie zu eng sind, fühlt man sich als sei man Gast bei der spanischen Inquisition.

Heute kam ein wunderschönes Paar 10cm Pumps, so richtig edle Teile. Als ich den rechten Schuh anprobierte, war ich ganz aus dem Häuschen, noch nie hat ein Schuh so perfekt wie angegossen gepasst. Naja den zweiten ertrug ich keine Minute lang, es war die Hölle, so eng war der. Hab mich nun mal bei andern Schuhen geachtet, die Füsse sind tatsächlich unterschiedlich gross. Da hat der liebe Gott ganz schön gepfuscht, erst das falsche Geschlecht und dann noch sowas.

4. Transosophisches Naturgesetz: Alkohol und Testosteron führen zu akutem Hirnausfall

Unter Alkoholeinfluss werden Jungs lästiger wie Fliegen und dümmer wie Brot. Offenbar führt Alkohol kombiniert mit Testosteron zu akutem Hirnausfall, so dass nicht mal mehr der Unterschied zwischen „ja“ und „nein“ begriffen wird.

Nach der Pipe Night letzte Nacht hat mich ein mir Fremder mitten auf der Strasse angequatscht, ist mir brabbelnd bis vor die Haustür hinterher gedackelt und konnte einfach nicht begreifen, dass ich ihn nicht mit in die Wohnung nehme *urks*. Schon dass er mir anaufgefordert hinterher läuft ist ja der Hammer, aber dass er bis zur Haustür folgt und selbst nach mehrmaligem Verneinen nicht einsehen kann, dass ich ihn jetzt nicht mit in die Wohnung nehme, grenzt schon an fortgeschrittene Debilität.

Jungs können sich nicht vorstellen, was man als Frau alles über sich ergehen lassen muss.

5. Transosophisches Naturgesetz: Die Welt ist von Männern gebaut

Diese Welt wird von Männern für Männer gebaut. Deshalb werden beispielsweise Risse im Asphalt mit weichem Gummizeug gefüllt. Auf so ne Idee kommen nur Jungs, die versinken ja nicht mit Pumps-Absätzen knietief in dieser Gummimasse. Ist mir gestern quer durch Zürich mehrmals passiert und es hat meinen Gang definitiv nicht graziler gemacht.

6. Transosophisches Naturgesetz: Shopping ist nie vergebens

Shopping ist für uns Mädels nie vergebens. Egal was wir suchen und ob wir’s finden, wir kommen immer mit gefüllten Tüten nachhause. Heute suchte ich Stiefel, fand keine, dafür 2 Paar Pumps, 2 Shirts, 2 Tops, 2 BHs (obwohl ich noch keine brauch) und ein Jupe…. den ich heute Abend gleich mal spazieren führe

7. Transosophisches Naturgesetz: Schuhe erfordern Untreue

DSCF0007-3Treue wird ja hierzulande gross geschrieben, aber es gibt auch Ausnahmen, beispielsweise Schuhe, zumindest schöne Schuhe. Denn schöne Schuhe sind erstens unbequem und zweitens beschädigen sie die Füsse. Die einen Schuhe drücken da, andere dort, diese kratzen hier, jene sonstwo.

Wenn man die Beziehung zu seinen Schuhen nicht gefährden will, gibts nur eine Lösung: Kompromisslose und konsequente Untreue.

Das heisst, niemals zwei Tage hintereinander dieselben Schuhe anziehen – never! So wird der Fuss jeden Tag an einer anderen Stelle malträtiert und die anderen Stellen können sich erholen.

Ok bis Ende Woche ist der Fuss dann gefleckt wie eine Milka-Kuh, aber man hat wenigstens keine grösseren Schäden, die dann nur noch mit diesen hoch-heiligen Compeed Pflastern reparierbar sind.

Aber Untreue bringt auch Abwechslung, es hat also alles auch etwas Gutes ;-)

8. Transosophisches Naturgesetz: Treppen erfordern Aufmerksamkeit

Wenn wir Mädels mal ein paar Monate Erfahrung darin gesammelt haben, auf hochhakigen Pumps herumzustöckeln ohne uns dabei das Genick zu brechen, werden wir langsam übermütig und unvorsichtig. Das kann sich rächen, vorallem auf Treppen, die geradezu darauf lauern, uns auf die Knie zu zwingen. Ich hab nun ein halbes Jahr Erfahrung, werde langsam unvorsichtig und bin übermütig wie eh und je. Heute hat mich die Treppe erwischt, zwar nicht auf die Knie gezwungen, aber doch immerhin reingelegt.

Bei uns im Geschäft kommt immer am morgen so eine Futter-Frau, die einen Wagen voll Futter für uns ankarrt (wir nennen sie die fahrende Futterkrippe). Sie hupt dann draussen und ich hüpf wie von ner Tarantel gebissen vom Stuhl und stöckle gefräsig wie eine abgemagerte Löwin runter. Diesmal hatte ich zwei meiner Jungs direkt hinter mir, das dürfte auch der Grund sein, weshalb die Treppe heute die Gelegenheit wahr nahm. Während ich die Treppe runterwuselte, konnte ich es mir unvorsichtigerweise nicht verkneifen, den Kopf zu drehen und irgendwas nach hinten zu brabbeln. Als ich das tat, blieb der Absatz meines hinteren Fusses an einer Treppenstufe hängen. Da mein Körper bereits davon ausging, dass der Fuss nun demnächst auf der nächsten Stufe landen müsste, verlagerte er sein Gewicht nach vorne und ich verbog mich nach den Gesetzen der Schwerkraft abwärts. Daraus resultierte eine faszinierende Stolper-Kombination, die irgendwie mit überkreuzten Beinen endete (Fachleute nennen das den transosophischen Trippel-Axel) und wenn das Geländer nicht grad zufällig in der Nähe gewesen wäre, hätte es mich wohl ungespitzt in den Boden gerammt.

Beim Eiskunstlauf hätte das die technische Note 10 gegeben (erstaunlich), dafür wären die künstlerischen Aspekte wohl eher weniger gut benotet worden. Hier im Treppenhaus gabs nur Gelächter und ein obligater Spruch über zu hohe Absätze. Was heisst hier zu hoch, 10cm sind nicht hoch, das ist nicht mal 10% meiner Körpergrösse. Immerhin erzählten mir dann meine Jungs, dass sie selber auch schon die Treppe rauf oder runter gefallen sind. Aha….. wohlgemerkt ohne hohe Absätze!

Fazit der Geschichte: Wenns darum geht, auf Treppen zu verunfallen, beherrschen wir Mädels die Königsdisziplin. Wir sind also die Elite der Treppenverunfaller und dafür gebührt uns Ruhm und Ehre.

9. Transosophisches Naturgesetz: Der Wind ist ein Mann

Wir Mädels lernen ja schnell, dass wir ohne aktuellen Wetterbericht nicht überlebensfähig sind. Entweder am Vorabend oder am frühen morgen gucken wir den Wetterbericht, weil wir sonst unmöglich entscheiden können, was wir heute anziehen sollen.

Heute habe ich dazu gelernt. Wir Mädels brauchen nicht nur den Wetterbericht sondern auch die zu erwarteten Windgeschwindigkeiten. Tun wir das nicht, wählen wir ob des heissen Wetters hocherfreut unser luftigestes Kleidchen und müssen dann mit Schrecken erleben, wie der Wind uns irgendwann an die Wäsche geht. Das erhöht zwar den Unterhaltungswert für die herumstehenden Jungs, aber für uns selber ist es schon etwas befremdend, wenn uns ein unsichtbares Etwas plötzlich den Jupe in die Höhe wirbelt und man plötzlich unfreiwillig eine Unterwäsche-Modeshow inszeniert. Vorallem hat man nur zwei Hände und das reicht unmöglich, um den Jupe auf allen Seiten gleichzeitig im Zaum zu halten.

Marylin Monroe wurde berühmt mit einem hochgelüfteten Rock, in Holywood ist sowas cool, aber im Alltag kann das ganz schön unangenehm werden. Eigentlich wäre das vorhersehbar gewesen, es heisst schliesslich “der Wind”, ergo männlich und wir Mädels wissen ja, dass Jungs uns gerne an die Wäsche gehen. Überrascht hat es mich aber heute trotzdem. Nun, man lernt nie aus ;-)

Dianas Blogtagebuch 2009 ist jetzt im Buchhandel

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)

Das letzte Kapitel – Blog geschlossen

Es war einmal ein Mädchen, sie hatte ein vergnügtes und umgängliches Wesen, war voller Liebe für diese Welt und es dürstete sie zu leben. Aber das Schicksal meinte es nicht gut mit ihr, eine Laune der Natur bescherte ihr einen männlichen Körper und zwang sie dazu, ein Leben in der männlichen Geschlechterrolle zu leben. So wurde ihr Leben zu einem Albtraum, verborgen in den Tiefen ihrer Seele war sie gefangen, konnte nie wirklich am Leben teilzunehmen. Sie begann Regie zu führen, erfand eine Rolle die sie leben konnte, wurde Junge, dann Mann, dann Vater…… und sie spielte die Rolle die man zynisch “Leben” nannte weiter und weiter, litt daran, dass niemand sie selbst je zu sehen bekam, verzweifelte, weil sie nie selber leben konnte……… bis zu dem Tag an dem sie nicht mehr die Kraft hatte, diese Lüge ihres Lebens weiter zu inszenieren.

Sie begab sich auf einen neuen Weg, ein Weg, der zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich ihr eigener Weg war. Sie wusste, dass sie sehr viel erdulden müsste, sie wusste nicht, ob sie stark genug wäre um der nun drohenden Stigmatisierung zu widerstehen, sie wusste nur eines, sie musste sich endlich zulassen, selbst wenn sie dabei zugrunde ging. Vier Jahrzehnte hatte sie leise gelitten, nun wollte sie dieses Leiden durchbrechen und sie wollte diesmal nicht mehr leise sein, sie wollte ihre viel zu lange versteckten Gefühle laut hinausschreien.

So begann sie ein Blogtagebuch im Internet zu führen, dieses Tagebuch einer transsexuellen Frau, das Du gerade liest. Zweieinhalb Jahre lang beschrieb sie ihren Weg durch die “Geschlechtstransition” in diesem Tagebuch, offenbarte ihr Innerstes und berichtete kompromisslos selbst über intimste Gefühle. So entstand ein Tagebuch, das den Weg einer transsexuellen Frau miterleben lässt, das zeigt wie schwer dieser Weg ist, mit welchen Grausamkeiten man sich auf diesem Weg herumschlagen muss aber auch wie glücklich man dabei werden kann.

Dies ist das letzte Kapitel dieser Geschichte, die nun endlich zuende geschrieben ist. Aus dem transsexuellen Mädchen wurde eine Frau mit transsexueller Vergangenheit, ihre Selbstbefreiung und Selbstentfaltung ist vollbracht, nun kann sie endlich leben als das was sie immer war und doch nie sein durfte – einfach eine Frau die ihr eigenes Leben und sich selbst lieben kann.

Liebe Leserinnen und Leser…….

Es erfüllt mich auch mit Wehmut, dieses Blog heute zu schliessen, weil ich damit den letzten Teil meiner Transition zurücklasse und weil wir hier soviele schöne Gespräche führten, weil ich hier meine Lebenspartnerin fand, weil hier meine Befreiung inszeniert wurde, weil mir dieses Tagebuch soviel gegeben hat und weil ich mit diesem Tagebuch sovielen Betroffenen helfen konnte. Gerade heute, als ich den PC startete mit dem Vorsatz, diesen Beitrag zu schreiben, bekam ich ein Mail von einer transsexuellen Frau die ganz am Anfang ihres Weges steht, sie dankte mir herzlichst für die Hilfe die ich ihr mit meinem Blog gebe, erzählte wie sie mitlachte und mitweinte beim Lesen – und zeigte mir wie wichtig dieses Tagebuch ist für jene, die kaum einen Halt finden zu Beginn dieses Weges.

Aber die Schliessung dieses Blogs ist für mich auch Befreiung, es bedeutet loslassen und das ist der letzte und wichtigste Schritt auf dem Weg einer transsexuellen Frau – loslassen und sich ganz dem Leben widmen.

Das Leben der transsexuellen Frau namens Diana ist erzählt, die Metamorphose vollendet. Es war eine Geschichte voller Höhen und Tiefen und wie ich meine mit einem grandiosen Happy End. Deshalb soll hier nun Schluss sein, weiter geht es nun in meinem neuen Blog “A girl called Diana“.

Dieses Blogtagebuch ist nun geschlossen und wird so als abgeschlossene Geschichte stehen bleiben. Kommentare zu bestehenden Blogbeiträgen werden weiterhin zugelassen und von mir auch beantwortet. Aber neue Beiträge wird es nicht mehr geben, es sei denn, es gäbe noch eine für dieses Tagebuch wesentliche Ergänzung. Die Bilder die ich kürzlich selbst-zensurierend aus dem Blog entfernt habe, werde ich zu gegebener Zeit reaktivieren, bis dahin bleibt das Blog wohl oder übel so wie es momentan vorliegt.

Liebe Leserinnen und Leser…….

Ich möchte an dieser Stelle Euch allen von Herzen danken, für Euer Dasein, für Euer Mitfühlen und vorallem für all die Kommentare, mit denen Ihr mir beigestanden seid. Es war eine tolle und verrückte Zeit mit Euch und so hoffe ich, dass ich Euch auch in meinem neuen Blog wieder lesen werde.

Somit verabschiede ich mich nun hier von Euch, hier am Ende dieser Lebensgeschichte einer transsexuellen Frau……… und ich begrüsse Euch und lade Euch ein in meine zweite Lebensgeschichte, dem Tagebuch einer Frau mit transsexueller Vergangenheit, in dem ich nun bin was ich bin:
a girl called Diana.

Danke…… ich liebe Euch…….. wir lesen uns ;-)



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