Es war irgendwann Anfang des letzten Sommers, als ein kleines, vorwitziges Eichhörnchen ein Geschäftshaus in Zürich betrat. Es guckte um sich, spitzte die Öhrchen, ganz kurz erzitterte ihr buschiger Schwanz, es liess ein kurzes und freudiges tztztztz erklingen und verschwand in der Menge. Das Eichhörnchen hiess Diana und genau genommen ist sie kein richtiges Eichhörnchen sondern ein Menschenweibchen. Aber an diesem Tag fühlte sie sich wie eins und verspürte diesen unbändigen Sammeltrieb, den Eichhörnchen jeden Herbst verspüren und der sie dazu anregt, alles im Wald einzusammeln, was irgendwie essbar ist. Aber dieses Eichhörnchen sammelte keine Nüsse und keine Beeren, es sammelte Röcke und Schuhe. Es war auch nicht Herbst, aber weil Diana ein etwas seltsames Eichhörnchen ist, kümmerte sie auch das nicht wirklich.
Von steten tztztz Lauten begleitet, hüpfte das kleine Ding von Gestell zu Gestell, ihr Blick huschte eifrig durch die Regale, nichts entging diesem aufmerksamen Geschöpf. Hier und da blieb es stehen, spitzte wieder die Öhrchen, schaute ganz genau an eine bestimmte Stelle, um nach erneutem freudigem tztztztz zum nächsten Gestell zu springen. Das seltsame an diesem Tierchen war, dass es gar nichts einsammelte, es wuselte nur emsig durch die Regale, bleibt hi und da stehen und rannte sogleich weiter.
Es schien die sonst im Laden herumlaufenden Menschen gar nicht zu bemerken, sprang quirrlig zwischen diesen Zweibeinern hindurch und arbeitete sich systematisch durch das ganze Sammelgebiet. Es fühlte sich dort scheinbar ganz alleine und es schien tausend Dinge zu geben, die ihre Aufmerksamkeit anziehen.
Dann, plötzlich, niemand weiss genau warum, rannte es schnurstracks zum Eingang und hüpfte denselben Weg den es vorhin genommen hatte, nochmal entlang. Bei diversen Gestellen hielt es kurz an, zitterte aufgeregt mit dem Schwanz, machte wieder erfreute tztztztz Laute, zerrte ein Kleidungsstück aus dem Regal und rannte weiter den Weg entlang. Innert wenigen Minuten hatte das kleine Ding einen ganzen Stapel Kleidungsstücke eingesammelt. Offenbar verfügen Eichhörnchen über einen enormen Orientierungssinn, es wusste genau, wo es bei der vorigen Entdeckungstour leckere Dinge gefunden hat und diese sammelt sie nun zielstrebig ein.
Ein letzter Blick in die Runde, ob noch was vergessen wurde und schon hüpfte es sichtlich vergnügt zur Kasse. Die Kassiererin wirkte etwas irritiert, man sieht nur selten Eichhörnchen in diesem Laden und auf die Frage, ob sie die Sachen einpacken soll, kam nur wieder so ein begeistertes tztztztz.
Als das Eichhörnchen den Laden verliess, eine prall gefüllte Einkaufstüte hinter sich herschleppend, sah man dem kleinen Ding auf den ersten Blick an, dass es unbeschreiblich glücklich war und seine Beute nun stolz nachhause trug, um alles zuhause in ihrem Kleiderschrank zu verstecken, damit es in nächster Zeit genug zu essen äh anzuziehen haben würde.
Noch heute sieht man dieses kleine Tierchen gelegentlich zwischen Regalen von irgendwelchen Kleider- und Schuhläden hopsen, nicht mehr so heufig wie damals, aber nachwievor mit dieser offensichtlichen Begeisterung…… und dem bei den Verkäuferinnen unterdessen so bekannten tztztztz Lauten.