(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Freikirchen gegen Euro-Pride

Einmal mehr bin ich entsetzt darüber, dass freichristliche Fundamentalisten mit allen Mitteln gegen die Euro-Pride kämpfen. Seinen persönlichen Glauben und seine Wertvorstellungen anderen aufzwingen ist m.E. ein Taliban-Denken, das ein Fall für den Psychiater oder den Richter ist. Apropos Richter, wer hat diese Fundamentalisten eigentlich zum Richter über diese Welt ernannt?

Nur indem religiös Gläubige darauf verzichten,
ihre Überzeugung vom Besitz der Wahrheit andern aufzuzwingen,
werden sie unter der Herrschaft der Menschenrechte frei,
eben dies zu glauben, ohne dabei bedroht zu werden.

(Hubert Markl, Max-Planck-Gesellschaft)

Mystik der Zärtlichkeit

Manchmal an so Tagen wie diesen frage ich mich, weshalb und wozu man eigentlich eine Beziehung sucht. Wenn man es ganz pragmatisch sieht, könnte man auch gut ohne das auskommen. Man hat allein mehr Zeit für sich, muss auf nichts Rücksicht nehmen, keine Kompromisse eingehen, nicht streiten…….. reden kann man mit Freunden, lachen ebenfalls und gemeinsam etwas unternehmen grad sowieso. Wozu also Liebe?

Vieles in Beziehungen ist ersetzbar und auf vieles könnte man verzichten, nur bei einem bleibe ich immer wieder hängen, so als wäre es das Zentrum dieses unwiderstehlichen Sogs, der einem immer wieder ins Land der Schmetterlinge entführt: Zärtlichkeit.

Warum Zärtlichkeit, frage ich mich, was soll daran so toll sein? Eine Antwort habe ich nie gefunden und doch habe ich die Gewissheit, dass ich genau das so sehr brauche wie die Luft zum atmen. Es ist das einzige, das nicht ersetzt werden kann und auf das zumindest ich nicht verzichten kann.

In den Armen zu liegen oder sich aneinander zu kuscheln sind für mich der Inbegriff des Glücklichseins, es ist ein Gefühl das einfach alles übersteigt. Aber was in aller Welt ist das, diese Zärtlichkeit?

Es ist nicht die körperliche Berührung selbst, wäre dem so, könnte man sich auch selber streicheln. Zärtlichkeit ist da offenbar anders gelagert als Sexualität. Zärtlichkeit ist Ausdruck tiefer Gefühle und liebevoller Nähe, sie ist eigentlich nur Repräsentation eines dahinterliegenden Gefühls….. sie ist unmittelbarer Ausdruck von Liebe.

Aber wenn Zärtlichkeit Ausdruck von Liebe ist und Liebe eigentlich ersetzt werden könnte, ausser eben was Zärtlichkeit anbelangt, die wiederum nur Ausdruck von Liebe ist und Liebe eigentlich……… und damit. liebe LeserInnen, befinden wir uns inmitten von Mystik, an dem Punkt an dem wir anerkennen müssen, dass es Dinge gibt, die mit unserem Verstand nicht mehr greifbar sind.

Johannes vom Kreuz, der christliche Mystiker und Gründer des Karmeliter-Ordens schreib ein wunderschönes Gedicht, in dem es um die Unio-Mystica geht, die Vereinigung mit Gott……. aber ich finde, dass es auch sehr gut in dieses Thema passt.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.

Blöd hä, wenn man beginnt etwas zu begreifen und es doch nicht im Geringsten versteht ;-)

Adam, Eva und die Vollkommenen – Transsexualität aus biblischer Sicht

Zumindeset religiöse Transsexuelle dürften sich früher oder später mit der Frage beschäftigen, wie Transsexualität denn aus biblischer Sicht zu beurteilen ist. Mir sind keine Bibelstellen bekannt, die speziell über dieses Thema sprechen, aber es gibt zumindest in der Schöpfungsgeschichte etwas, das uns diesbezüglich zu denken geben könnte, wenn wir uns denn erdreisten würden, das Denken zu wagen.

Die Bibel bietet an vielen Stellen kleine Orakel, Dinge über die man wirklich nachdenken muss, um einen auf den ersten Blick simplen Satz zu ergründen. Leider sind gerade solche Stellen oft schlecht übersetzt – solche geglätteten Stellen lassen jedoch keinen Zugang mehr zu zum innewohnenden Sinn. Es ist nunmal nicht dasselbe, ob Gott Himmel und Erde erschaffen hat oder ob Himmel und Erde aus Gott hervorgegangen ist. Ersteres ist weitum bekannt, zweiteres jedoch korrekt.

Nun gibt es in ebendieser Schöpfungsgeschichte diese etwas obskure Sache mit Adam und Eva. Jedes Kind kennt die Stelle, Gott schuf Adam, dem war’s scheisslangweilig, also klaute Gott ihm des Nachts eine Rippe und schnitzte daraus ein Weib, das sich dem Mann gefälligst unterzuordnen hat. Aber steht das so da?

Im hebräischen Text der Torah steht nichts von einer Rippe, es ist die Rede von einer Flanke, also einer Seite. Im jüdischen Textverständnis bedeutet das, dass Eva wesensgleich war mit Adam, sie ist die gespiegelte Hälfte von ihm. Da gehts nicht um Organtransplantation oder Schnitzkunst, dieser Text will einzig sagen, dass Adam und Eva zwei Hälften eines ganzen “Ur-Adams” waren.

Im jüdischen gibt es viele Namen für Gott, Bezeichnungen die die verschiedenen Aspekte Gottes benennen. Eine davon ist die Schechina, ein weiblicher Aspekt von Gott. Nach jüdischem Verständnis ist ein Mann nur mit einer Frau vollkommen, andernfalls fehlt ihm eine Hälfte. Deshalb müssen Rabbis auch verheiratet sein (Jesus war auch Rabbi, aber das sparen wir uns auf ein anderes Mal auf). Wenn nun ein Mann auf Reisen ging und seine Frau zurück lassen musste, betete er zur Schechina und bat um Begleitung, weil er ohne seine weibliche Hälfte schutzlos gewesen wäre.

Und jetzt wird’s spannend für uns T-Girls ;-)

Wenn also Mann und Frau nur zwei Hälften des “Ur-Menschen” sind, dann sind transsexuelle Menschen, die beide Geschlechtsaspekte vereinen, sozusagen die Vollkommenen. Sie sind wie Ying und Yang, Mann und Frau, sie vereinen die zwei Eckpunkte der göttlichen Schöpfung. Cool hä?

Das sollte als Rechtfertigungsgrund ausreichend sein, dass wir T-Girls fortan in allen Läden gratis Schuhe und Kleider einsammeln können, oder etwa nicht? ;-)

Ich glaub ich beginne hier eine theologische Blog-Serie, nächstes Mal gehen wir der Frage nach, wozu Gott uns T-Girls auf die Erde gesandt hat und was unsere Berufung ist.

Willkommen im Gottesstaat Schweiz

Seit gestern Abend stehe ich unter Schock und kann es immer noch nicht fassen, Bürgerin eines Landes sein, das durch Rechtsparteien und christliche Fanatiker dermassen radikalisiert wurde. Das ist der Anfang vom Ende dessen, was einmal Grundwerte dieses Landes waren. Toleranz, Rechtsgleichheit, Religionsfreiheit und Vernunft wurden bachab geschickt. Die volksaufhetzenden Brandstifter der SVP haben es im Schulterschluss mit den christlichen Fundamentalisten der EDU geschafft, dieses Land in einen Dreckhaufen zu verwandeln. Die Trennung von Kirche und Staat wurden aufgehoben und wir können uns nun mit Ländern wie dem Iran in eine Reihe stellen.

Nun steht in unserer Bundesverfassung, dass vor dem Gesetz alle gleich sind und etwas weiter unten steht nun, dass nur Muslime keinen Turm auf ihre Gebetshäuser stellen dürfen. Das Minarett-Verbot steht im Widerspruch zu unserer eigenen Verfassung und es steht im Widerspruch zu internationalen Menschenrechten. Dass so etwas von einer Mehrheit der Schweizer Wähler angenommen wurde, ist ein Armutszeugnis für das Schweizer Stimmvolk.

Vor fünfzig Jahren schaffte es eine Partei, ein ganzes Land so gegen eine Religionsgemeinschaft aufzuhetzen, dass es im Holocaust endete. Die SVP und ihre Lakaien sind auf dem besten Weg, dass sich die Geschichte wiederholt.

Die Braunen dieses Landes und die christlichen Fundamentalisten haben es geschafft, der Schweiz weltweit die Fratze einer rassistischen Nation aufzusetzen, der Erfolg wird sie weiter treiben und wenn nicht noch ein Wunder passiert, werden diese Kreise den Ruf dieses einst angesehenen Landes in Schutt und Asche legen…… und es vielleicht irgendwann sogar schaffen, aus diesem Land ein neues Nazi-Reich zu machen.

Zum ersten Mal in meinem Leben schäme ich mich abgrundtief dafür, Schweizer Bürgerin zu sein….. und ich habe Angst davor, was diese politischen Brandstifter als Nächstes machen und wie weit sich das Schweizer Volk von diesen Wahnsinnigen noch fanatisieren lässt.

Stoeps hat einen sehr guten Kommentar in seinem Blog geschrieben, den ich hier gerne weiterempfehle:
La Suisse n’existe plus!

Und wer wissen möchte, was für ein Bild die Welt von nun an über die Schweiz und ihre Bewohner hat, der kann sich hier mal ein Bild verschaffen:
Spiegel: Die Schweiz wählt die Islam-Angst
Berliner Tagesspiegel: Minarett-Abstimmung: Mit dem Rücken zur Welt
Stuttgarter Zeitung: Eine Schande für die Schweiz
Welt online: Die Schweiz fällt hinter die Aufklärung zurück
Zeit online: Ein schwarzer Tag
Süddeutsche Zeitung: Wut und Frust in der Schweiz
Times: Intolerance of Islam
Guardian: Switzerland: Hatred beneath the harmony
Washington Post: Switzerland votes to prohibit the building of mosque minarets
Los Angeles Times: Swiss voters OK ban on minarets

UPDATE 2.12.2009: Weil mich diese Entwicklung so beschäftigt, habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht:
Wer Verstand hat, der möge nachdenken

UPDATE 3.12.2009: Die Menschenrechtsorganisation AVAAZ ruft zum Online Protest auf. Wer mit seinem Namen einstehen möchte, kann sich hier eintragen:
AVAAZ.org: Minarett-Ban – not in my name

Wer Verstand hat, der möge nachdenken

Nachwievor stehe ich unter Schock, dass das Schweizer Volk diesem primitiven Minarett-Verbot zugestimmt hat und sich so zum Handlanger rechter Brandstifter und religiöser Fanatiker machen liess. Seit Sonntag denke ich viel darüber nach und mir wird speiübel, je mehr ich darüber nachdenke.

Ich habe diese Abstimmung vom Vorfeld und im Nachhinein beobachtet, Artikel und Kommentare von Lesern gelesen. Was mir da an Ignoranz und Dummheit begegnet ist, ist nicht zu fassen, wenn man bedenkt, dass wir im Jahr 2009 leben, lange Zeit nach der Aufklärung.

Die Argumente für diese Initiative waren von so idiotischer Natur, dass sie mir einmal mehr zeigen, dass ein Grossteil der Menschen zwar einen Verstand hat, ihn aber nur in Ausnahmefällen nutzt. Es reicht Vielen, Phrasen von Parteiblättchen oder Geschwätz vom Stammtisch nachzuplappern, weshalb selber nachdenken, wenn einem doch so einfache Antworten ins Hirn getrichtert werden?

Ich möchte an diesem Beispiel mal zeigen, wie vernunftresistent Menschen sein können, deshalb liste ich hier ein paar “Argumente” auf, die ich den letzten Wochen tausendfach las und versuche zu erklären, was daran falsch gedacht ist.

Weshalb sollen wir Minarette erlauben, solange Moslems keine Kirchen erlauben?
Ethische Grundsätze sind eine persönliche Haltung, die nicht von Anderen abhängig ist. Wenn wir Religionsfreiheit erst gewähren, wenn alle anderen das tun, wird niemals Religionsfreiheit entstehen, weil alle auf den Letzten warten und der wird nie kommen weil er wiederum auf die Ersten wartet.

Wenn andere etwas falsch machen, ist das kein Grund, denselben Fehler den wir anprangern, nun selbst zu machen. Oder sollen wir wieder Folter einsetzen, solange die Amis Guantamo nicht schliessen? Sollen wir die von Moses gebotene Steinigung wieder einführen, solange bis das letzte Land auf die Todesstrafe verzichtet? Wir haben ethische Grundsätze und denen sind wir verpflichtet, nicht weil andere das tun sondern weil wir sie für richtig halten. Nur so gehen wir mit gutem Beispiel voran und können darauf hoffen, dass Andere dazu lernen.

In muslimischen Ländern gibt es auch keine Kirchen
Falsch, letztes Jahr wurde sogar in Katar (Arabien) die erste christliche Kirche eröffnet, zwar ohne Kirchturm, aber immerhin. Offenbar beginnen diese Länder, langsam umzudenken und sich zu öffnen. Mit diesem Minarettverbot haben wir den reformwilligen Moslems gezeigt, dass wir uns auch einen Dreck um Religionsfreiheit scheren und dass auch wir die Trennung von Kirche und Staat nicht mehr ernst nehmen. Damit torpedieren wir jahrelange Verhandlungen und ein Umdenken, das zwar erst ganz am Anfang stand, das sich aber hätte entwickeln können.

Islam ist gewalttätig, im Koran steht der Beweis

So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte ein jeglicher sein Schwert um seine Lenden und durchgehet hin und zurück von einem Tor zum andern das Lager, und erwürge ein jeglicher seinen Bruder, Freund und Nächsten. (2. Mose 32,27)

Das dürfte das idiotischste Argument sein, vorallem wenn Christen sich so äussern. Erstens ist es ignorant, wenn man Sätze aus einem Buch herauszerrt, das man gar nicht kennt und sowohl Kontext als auch kulturelle Hintergründe ignoriert. Zweitens findet man genau so hässlliche Textstellen im Alten Testament der christlichen Bibel. Das ist soweit kein Wunder, sowohl Islam als auch Christentum basieren auf dem abrahamitischen Glauben und haben die mosaischen Vorschriften in ihren Texten. Fanatiker könnten sich auch auf Jesus berufen der sagte: “Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen sondern das Schwert” (Mt 10,34). Spätens seit der Inquisition wissen wir nur zu gut, dass man auch die Bibel zur Grundlage von Mord und Todschlag missbrauchen kann.

Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürgt sie vor mir! (Worte von Jesus aus Lukas 19,27 – gekonnt aus dem Zusammenhang gerissen)

Im Vorfeld dieser Initiative hatte ich mal ein Streitgespräch, jemand schmiss mit Koransuren um sich, um die angebliche Gewalttätigkeit dieser Religion zu beweisen. Ich bin alle durchgegangen, es war durchwegs aus dem Zusammenhang gerissen und fehlinterpretiert im Stil von: “Geht hin und macht sie nieder”, was als Aufforderung an Gläubige verstanden wird, in Wirklichkeit sagt Gott das zu seinen Engeln, nicht weniger grausam als in der biblischen Apokalypse. Ich könnte problemlos ein halbes Buch schreiben mit Bibelversen, bei denen einem die Haare zu Berge stehen. Stelle ich sie ausserhalb des Kontext in den Raum, wird man den christlichen Gott für absolut gewalttätig wahrnehmen.

Kopftücher dienen der Unterdrückung der Frau

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. (1. Kor 11:7)

Nach mosaischer Gesetzgebung muss jede Frau ein Kopftuch tragen, das steht heute noch im Alten Testament der Christenheit und auch Paulus fordert das im Neuen Testament. Auch da kann es als Unterdrückung verstanden werden. Unsere Grossmütter trugen Kopftücher und noch heute tragen Frauen Kopftücher wenn es ihnen danach ist. Eine Bekannte von mir trägt seit ihrer Chemotherapie ein Kopftuch. Ist es da nicht grotesk, wenn diese Scharfmacher nun ein Kopftuchverbot fordern, nur um noch etwas weiter zu gehen, mehr zu provozieren, mehr Feindbilder aufbauen? Es wäre das erste Mal, dass die SVP die Interessen der Frau vertritt, Frauen gehören für diese Leute ja an den Herd. Aber wenn man Angst und Hass schüren will, prügelt man auf jedes Attribut ein, das den “Feind” kennzeichnet.

Die Scharia fordert Steinigung, Hände abhacken u.s.w.

Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, daß er sterbe, und du sollst so das Böse aus deiner Mitte wegtun, daß ganz Israel aufhorche und sich fürchte. (5. Mose 21,18ff)

Die Scharia ist nicht Kern des Islam sondern der Koran. Die Scharia wird nur in wenigen Ländern angewandt. Ein Minarett steht genauso im Zusammenhang mit der Scharia wie ein Glockenturm mit der Inquisition. Die Scharia ist ein politisches Instrument, der Koran eine religiöse Schrift. Diese zwei Schriften zu vermischen ist wie wenn man den Hexenhammer als Bestandteil der Bibel betrachtet und somit alle Christen zum Hexenfolterer ernennt. Für die meisten Moslems hat die Scharia keine Bedeutung.

Balkan-Raser, Körperverletzungen durch Balkaner
Auch das hört man oft. Aber nur ein Teil der Balkaner ist Moslem und nur ein Teil der Moslems kommt aus dem Balkan. Das zu vermischen ist wie wenn man sagt, Amerika ist ein christliches Land, also sind Christen Kriegstreiber und foltern ihre Feinde. Oder Hitler war Christ, also ist der Papst ein Faschist. Wir haben ein Problem mit dem Agressionspotential bestimmter Kulturen und Länder, aber das ist auf die Länder und Kulturen zurück zu führen und nicht auf die Religion, die einige von ihnen haben.

Mädchenbeschneidung und Zwangsheirat
Mädchen werden mit dem Messer beschnitten und Zwangsheirat ist nur dank der Macht des Patriarchats möglich. Ersteres ist schwere Körperverletzung, zweiteres zumindest Nötigung. Beides ist hier ein Straftatbestand, er muss nur umgesetzt werden. Mädchen werden auch nicht mit Minaretten beschnitten sondern mit Messern. Glaub wirklich irgend jemand, es gäbe auch nur einen Fall weniger ohne Minarette? Oder einen mehr mit? So naiv wird ja hoffentlich niemand sein.

Das Volk hat abgestimmt, da hat das EMRK nichts dazu zu sagen
Wenn die Gesetze oder Volksentscheide eines Landes die höchste Instanz wären, bräuchte es kein internationales übergeordnetes Recht. Diese Menschhenrechte dienen genau dazu, die nationalen Rechte zu überprüfen. Selbst wenn 100% der Schweizer dafür stimmen würden, dass Invalide erschossen werden, würde dieser Volksentscheid vom EMRK verurteilt. Genau dafür gibt es diese Menschenrechte. Wir haben dieses Recht anerkannt, nur übelste Schurkenstaaten verweigern sich diesen Grundsätzen des Zusammenlebens. Und wenn nun politische Polemiker drohen, die internationalen Menschenrechte zu kündigen, ist das einfach blanker Irrsinn. In Europa gabs das erst einmal, als das griechische Militär die Regierung putschte und eine Diktatur aufrichtete. Sind wir wirklich ein Land, das nicht in der Lage ist, grundsätzliche Menschenrechte anzuerkennen? Eigentlich erstaunlich, dass nach 1945 noch jemand auf die Idee kommen kann, das Volk hätte immer Recht.

Wir brauchen keine Minarette
Nein, brauchen wir nicht, Molems brauchen auch keine Kirchenglocken, trotzdem soll es uns erlaubt sein und ihnen das Ihre. Was für eine egoistische Einstellung muss man haben für diese Haltung? Ich brauche beispielsweise kein Auto, soll ich es nun allen Autofahrern verbieten? Die Frage ist doch einzig, ob Minarette uns schaden und das tun sie definitiv nicht, weil sie nichts anderes sind als ein Symbol. Minarett heisst Leuchtturm, da sollte einem doch langsam ein Licht aufgehen.

Man sollte erst über einen Menschen urteilen,
nachdem man tausend Meilen in seinen Mokasins gelaufen ist.
(Indianisches Sprichwort)

Amen……

UPDATE 2.12.2009 Und weil Volksverhetzung und politische Brandstiftung grad so in sind, hat nun der Präsident der angeblich christlichen Partei CVP die glorreiche Idee verkündet, dass man nun auch jüdische Friedhöfe verbieten soll. Dass Rabbi Jeshua, den er unter dem Namen Jesus anbetet, selber Jude war, scheint ihn dabei nicht zu stören. Für ein paar braune Stimmen kann man auch mal die Glaubensbrüder des Angebeteten in die Pfanne hauen. Liebe Deinen Nächsten, sprach der Nazarener, was davon übrig bleibt ist nur noch “Ich bin mir der Nächste”.
Nach dem Minarett-Verbot: Darbellay auf Kreuzzug

UPDATE 3.12.2009: Offenbar grasiert hierzulande der kollektive Wahnsinn, sind wir wirklich schon so von den rechten Brandstiftern vergiftet, dass das Hirn komplett aussetzt? Gemäss Umfrage von “20 Minuten” sind 56% für ein Kopfftuchverbot. Ich hoffe, dass einer dieser 56% meiner Bekannten dann erklärt, weshalb sie nach der Chemotherapie keins mehr tragen darf. Ich fühl mich langsam wie in einem Horrorfilm, wenn das so weiter geht, sind wir bald fanatischer als die Taliban…… seltsam, dass sich niemand an den Kopftüchern von christlichen Nonnen stört.
Auch Kopftuchverbot hätte eine Mehrheit

UPDATE 3.12.2009: Die Menschenrechtsorganisation AVAAZ ruft zum Online Protest auf. Wer mit seinem Namen einstehen möchte, kann sich hier eintragen:
AVAAZ.org: Minarett-Ban – not in my name

Ein weihnachtlicher Denkanstoss für Papst Benedikt

Ehrwürdiger Papst
Anlässlich Ihrer letztjährigen Weihnachtsrede, sagten Sie wörtlich:

Es ist ebenso wichtig,
die Menschheit vor homosexuellem oder transsexuellen Verhalten zu bewahren,
wie den Regenwald zu schützen
(Papst Benedikt XVI)

Ich habe Sie in den Jahren, in denen Sie das Oberhaupt der Inquisition Glaubenskongregation waren, als klugen und rationalen Denker erlebt. Sie scheinen mir nicht auf den Kopf gefallen.

Wie in aller Welt kommen Sie dann dazu, Transsexualität als Verhaltensweise zu verstehen? Haben Sie sich wirklich nie mit Transsexualität auseinander gesetzt? Und trotzdem richten Sie über Transsexuelle, deren Wesensart genauso von Gott geschaffen wurde wie die Ihre?

Keine biblisches Verbot von Transsexualität
Als Bibelkenner wissen Sie ganz genau, dass in der Bibel nichts über Transsexualität steht. Selbst Moses, der Schweinefleisch essen als kultisch unrein deklarierte und Holz sammeln an einem Samstag unter Todesstrafe stellte, kam nicht auf so eine Idee. Es gibt Menschen, die sind nunmal von Geburt an transsexuell, ob die Betroffenen das wollen oder nicht. Wenn Gott uns aber so geschaffen hat, wer glauben Sie zu sein, dass Sie über uns richten dürfen?

Moses im Übereifer – lustiges Steinewerfen für Gott
Der gute Moses hat es mit seinen Gesetzen ja arg übertrieben, das hat Jesus richtig erkannt. Gott gab Moses zehn Gebote und er machte daraus ein Gesetzeswerk mit hunderten von Vorschriften. Haben Sie je Schweinefleisch gegessen? Oder an einem Samstag (Sabbath) gearbeitet? Dann würden Sie nach mosaischem Gesetz zum Tode durch Steinigung verurteilt. Jesus hat den Widersinn dessen erkannt und reduzierte sogar die zehn Gebote auf ein Einziges: Liebe Deinen Nächsten so wie Dich selbst – damit erfüllst Du alle Gesetze und Gebote.

Jesus ernst nehmen, auch beim Thema Homosexualität
Aber Sie scheinen Jesus irgendwie nicht so richtig ernst zu nehmen. Sie hetzen gegen Homosexuelle, obwohl Jesus sich nie dazu geäussert hat und nur der übereifrige Moses Homosexualität als kultische Unreinheit deklarierte (Leviticus 18,22 und 20,13) – so wie das Essen von Schweinefleisch (Leviticus 11,7) und so wie er auch forderte, dass unartige Kinder gezüchtigt werden sollen (Deuteronomium 21,18). Haben Sie wirklich nicht bemerkt, dass Jesus alle Menschen liebte? Und hat er uns – also auch Ihnen – nicht verboten über andere zu richten?

Transsexuelle Geschöpfe Gottes
Wenn man bedenkt, dass nach aktuellem Stand der Wissenschaft Transsexualität nicht im Kopf entsteht sondern biologische Ursachen hat, dann führen Sie sich auf wie die Pharisäer, indem Sie Menschen ausstossen aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes. Ist das im Sinne des jüdischen Rabbi Jeshua, den Sie als Jesus Christus anbeten?

Transsexuelle und Umweltzerstörung….. hä?
Und wenn man bedenkt, dass Sie die globale Umweltzerstörung (sie sprachen beispielhaft von Regenwaldabholzung) mit Transsexualität und Homosexualität gleichsetzen, dann mache ich mir wirklich Sorgen um Ihre geistige Gesundheit oder um ihre Geisteshaltung. Die Umweltzerstörung – also die Zerstörung von Gottes Schöpfung – bedroht das gesamte Leben dieses Planeten. Sowohl transsexuelle als auch homosexuelle Menschen sind für niemanden eine Gefahr, sie schaden niemandem und zerstören nichts. Wenn Sie solche Menschen mit der systematischen Ausbeutung und Zerstörung von Gottes Schöpfung gleichsetzen, dann fehlen mir wirklich die Worte, um soviel Unsinn noch zu kommentieren.

Vom Kreuz steigen
Mit Verlaub, aber ich glaube, wenn Sie diese Weihnachtsrede unter dem Kreuz gehalten hätten, wäre der Nazarener vom Kreuz gestiegen und hätte Sie kräftig in den Hintern getreten und er hätte Ihnen gesagt, dass Sie nichts, auch wirklich gar nichts verstanden haben von dem, was er ein Leben lang lehrte und für das er zu sterben bereit war. Jesus predigte Liebe, Sie predigen Ausgrenzung.

Jesuanisches Denken und Ausgrenzung
Die moderne Welt braucht mehr denn je das jesuanische Denken, wir richten viel zu viel über andere, vergeben können und wollen wir schon gar nicht. Wenn Sie, als Oberhaupt der römischen Kirche, nun zum Hassprediger werden und Transsexuelle ausgrenzen und verteufeln, dann verraten Sie Jesus und entfernen sich von seiner Lehre – nein Sie entfernen sich nicht nur, sie verraten sie.

Kinder Gottes
Denn er lehrte uns, dass wir alle Kinder Gottes sind und alles von Gott Geschaffene gut ist. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um Verhaltensweisen sondern um Wesensarten und wenn Gott es gut findet, Menschen wie mich zu schaffen, dann wird das seine Ordnung haben und es steht Ihnen nicht zu, über Gottes Geschöpfe zu urteilen.

Besinnung
Ich hoffe sehr, dass Sie diese Zeit der Besinnung nutzen und sich wieder an die Werte der jesuanischen Nächstenliebe erinnern und bei der diesjährigen Weihnachtsrede nicht wieder zum Hassprediger werden.

Frohe Weihnachten, wünscht Ihnen
Diana, als transsexuelles Wesen von Gott erschaffen

NACHTRAG: Es sei darauf hingewiesen, dass ich das nicht war ;-)
Frau attackiert Papst

Ein etwas anderes Glaubensbekenntnis

Weil heute der zweite Weihnachtstag ist, will ich mal etwas über meinen persönlichen Glauben erzählen. Gestern habe ich ja dem Papst die Leviten gelesen und auch sonst schon gelegentlich gegen gewisse im Christentum anzutreffende Ansichten gewettert. Es ist mir wichtig, dass ich da nicht missverstanden werde. Ich habe nichts gegen die christliche Lehre und erst Recht nicht gegen Jesus, meine Kritik richtet sich nur gegen Auswüchse dieser Religion oder einzelne Fundamentalisten in diesen Kreisen, die meines Erachtens die Lehre des Nazareners mit Füssen treten. Aber nun zu mir resp meinem persönlichen Glauben oder viel mehr zu dem Weg, der mich dahin brachte.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.

(Johannes vom Kreuz)

Wenn ich heute gefragt werde, ob ich gläubig bin, dann gibt es zwei mögliche Antworten. Entweder ich sage: ich sei “konfessionslos gläubig” oder ich sage, ich sei “Nazarenerin”. Die jüdische Gruppe rund um Jesus, aus der später das heutige Christentum entstand, wurden von Anderen “die Nazarener” genannt, weil sie Nachfolger des Jesus von Nazareth waren. Damit will ich sagen, dass ich Jesus nachfolge in dem ich der von ihm postulierten Ethik nachfolge, dass ich aber nicht der Glaubensdoktrin einer Kirche folge und es für mich nur einen Gott gibt, derjenige, auf den Jesus und Andere hingewiesen hat.

Wie’s dazu kam, ist mal wieder eine lange Geschichte, also heissts einmal mehr: Bier und Popcorn holen, gemütlich hinsetzen………. Vorhang auf!

Katholisch – und wo ist Gott?
Ich wurde zwar katholisch getauft, wuchs aber in einer Familie auf, die keine religiösen Ambitionen hatte. Wir gingen in der Regel nicht in die Kirche und nur durch die Grosseltern wurde mir ab und zu etwas Religion vermittelt. Trotzdem hatte ich früh die feste Überzeugung, dass da irgendwo irgend etwas Göttliches sein musste. Die Welt war viel zu schön und perfekt, als dass sie einfach ein Zufallsprodukt sein konnte. Irgendwoher musste ja all das Zeuchs kommen, das da rumwuselt und vieles in der Natur liess mich staunen…….. und Staunen, ist der Ursprung jedes religiösen Glaubens.

Einführung ins Christentum und die Lüge vom Geschenkligott
In der Jugendzeit ging ich dann in die CVJM, eine Art katholische Antwort auf die Pfadfinder. Dort lernte ich sehr viel über den christlichen Glauben, über Jesus und die Bibel. Und dort lernte man mir auch erstmals die Vorstellung eines Gottes, von dem man alles bekommt, wenn man ihn darum bittet. Das ging in mich rein wie ein heisses Messer durch die Butter. Ich betete, bittete, denn es gab mehr als genug in meinem Leben, wo ich Hilfe gebraucht hätte. Aber es passierte nichts, einfach nichts. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich einfach nur noch verarscht fühlte. Da erzählen mir die: “Bitte und es wird Dir gegeben”, ich bat, und alles wurde nur noch schlimmer. So zerfiel der Glaube an diesen Geschenkli-Gott zu Staub, von einem Tag zum Anderen. Was blieb war mein Staunen und die feste Überzeugung, dass irgend etwas Göttliches existiert.

Vorübergehender Abschied aus dem Christentum
An meinem 18. Geburtstag bekam die Kirchgemeinde einen Brief, in dem ich um meine Exkommunikation bat und dies damit erklärte, dass ich nicht einer Religion angehörig sein kann, die Frauen auf Scheiterhaufen verbrannte, indigene Völker ausrottete und vieles mehr. Aber ich glaube, das stimmte so nicht, ich war einfach enttäuscht, weil mir diese Religion Hilfe versprach, die ich nie erhielt.

Wer sucht, soll solange weiter suchen, bis er findet.
Wenn er aber findet, wird er erschrocken sein.
Wenn er erschrocken ist, wird er erstaunen.
Und er wird König sein über die unsichtbare Welt.

(Thomas Evangelium 2)

Eine zwanzigjährige spirituelle Reise
Dann begann eine lange spirituelle Reise durch die Welt der Religionen. Eine Reise die mir zeigte, dass alle Religionen wertvolle Schätze zu verschenken hatten. Überall waren Einsichten zu gewinnen, überall gab es etwas zu lernen, was einem im Leben weiter bringt. Aber ich fand keine Religion, die es verdient hätte, den alleinigen Wahrheitsanspruch, den zumindest monotheistische Religionen per Definition beanspruchen, auch zugesprochen zu bekommen.

Buddhismus, Zen, Schicksal und Demut
Zuerst gings los mit Buddhismus und Zen. Dort lernte ich vorallem, das Schicksal anzunehmen. Shunryu Suzuki, ein Zenmeister, fasste es wunderschön zusammen: “Weil wir alle Aspekte des Lebens als eine Entfaltung des grossen Geistes betrachten, deshalb haben wir diese unerschütterliche Ruhe” (frei nachgeplaudert). Ich lernte, dass alles was kommt auch sein Gutes hat, auch wenn ich es noch so ablehne. Selbst Krankheit oder Sonstiges können mich weiter bringen, wenn ich mich nicht dagegen sträube und diese “Lehre” annehme. Diese Lebenshaltung war vermutlich der Hauptgrund, dass ich viele Jahre später, als ich an einem Burnout erkrankte, diesen zur grössten Schule meines Lebens machen konnte…… bis Anfang dieses Jahres, da trat ich in die Königsklasse ein.

Naturvölker und der “grosse Geist” der Indianer
Weiter ging es dann mit Religionen der Naturvölker, im Speziellen der indigenen Völker Nordamerikas, die mich seit Kindheit unerklärlich faszinieren. Die Sioux Indianer nennen Gott “Wakan Tanka”, was im englischen lapidar mit “Great Spirit” übersetzt wird und im deutschen noch sinnentleerter mit “Grosser Geist”. Aber es heisst nicht Great Ghost sondern Great Spirit, damit ist kein Huhu-Gespenst gemeint sondern eine Wesenskraft. In einem Buch las ich dann mal, dass die korrekte Übersetzung von Wakan Tanka in etwa heissen müsste: “Das Wesen, das in allen Dingen ruht”. Unter Wakan Tanka verstanden Indianer so eine Art göttliche Energie, die in allem drin ist, alles ist eine Entfaltung Gottes. Egal ob ein Tier, ein Fluss, ein Stein oder ein Mensch, alles war durchdrungen von dieser göttlichen Wesensart. Das war auch der Grund, weshalb Indianer beispielsweise ein bei der Jagd getötetes Tier um Verzeihung baten – eine rührende Vorstellung, die meinem Empfinden enorm entsprach. Damals hätte ich nie gedacht, dass mir diese Vorstellung eines Tages ausgerechnet in der christlichen Religion wieder begegnen würde.

Odin, Thor und andere Vorstellungen
Auch mit kelto-germanischen Religionen beschäftigte ich mich, auch da fand ich spannende Aspekte, die mich auf meinem Weg weiter brachten und das Bild abrundeten.

Gott – das Unvorstellbare und Unaussprechliche
Erst viel später, am Ende dieser Suche, wurde mir klar, dass alle Religionen eigentlich vom Gleichen reden. Es gibt nur eine göttliche Macht, die hinter allem Sein steht und das Göttliche ist unvorstellbar und undenkbar, es übersteigt unsere Vorstellungen bei Weitem. Deshalb brauchte es Religionen, die das Unvorstellbare vorstellbar machten und das geht nur durch Vereinfachung. Und da spielt es keine Rolle, ob man sich dieses Unvorstellbare als einen einzelnen Gott vorstellt oder die verschiedenen Aspekte von verschiedenen Göttern darstellen lässt. Auch monotheistische Religionen wie das Judentum haben viele Namen für diesen einen Gott, jeder Name steht für bestimmte Aspekte Gottes. Bei diesen Namen Gottes sind solche dabei wie der “Herr der Heerscharen” aber auch die weibliche Schechina, ein für Juden wesentlicher Aspekt Gottes. Andere Religionen machten aus diesen Aspekten einzelne Götter. Aber im Endeffekt bleibt es dasselbe und auch wenn Christen zwischen Gott, Jesus und dem “heiligen Geist” unterscheiden, bleibt doch hinter all dem das eine Göttliche, das Unaussprechliche.

Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander.
Ihr sollt einander so lieben, wie ich Euch geliebt habe..

(Johannes 13,34)

Evangelikalismus oder die Pervertierung der jesuanischen Lehre
Eines Tages stolperte ich in ein christliches Forum, in dem es von evangelikalen Christen wimmelte. Das evangelikale Christentum stammt aus Amerika und wie vieles, was von dort kommt, ist (meines Erachtens) der Evangelikalismus die grösste Pervertierung des christlichen Glaubens. Die Bibel wird absolut wörtlich genommen (wenn es einem in den Kram passt), Homosexuelle werden verteufelt, Selbstbefriedigung dämagogisiert und alles mit Verweis auf aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen. Ich war dort mit einer Form von Grausamkeit konfrontiert, die mir das Blut in den Adern gefrieren liessen. Da konnte Jesus sich den Munde fuslig reden über Liebe, Vergebung und Nicht-Richten. Diese selbsternannten Heiligen der Neuzeit zerrten alles in die Hölle in ihrem Kopf, was nicht 100% mit ihrem Glauben übereinstimmte.

Derjenige von euch, der ohne Sünde ist,
soll als erster einen Stein auf sie werfen.

(Johannes 8,7)

Die Bibel als Waffe? Das kann ich auch!
Da konnte ich einfach nicht anders als mit diesen Leuten rumzustreiten und so kamen in kurzer Zeit 800 Forumbeiträge zusammen. Da mir diese Leute ständig Bibelstellen um die Ohren hauten, begann ich mich selber wieder mit der Bibel zu beschäftigen und es war in der Regel ein Leichtes, ihre obskuren Fehlinterpretationen aufzudecken – natürlich ohne dass sie das bemerkt hätten. Das machte mich wieder vertrauter mit dieser Schrift und ich entdeckte da wieder wundervolle Stellen, vorallem die sogenannten Jesusworte. Das was Jesus predigte, war einfach nicht das, was ich heute im Christentum antreffe. Irgendwann wurde es sogar mir zu blöd dort und ich verliess das Schlachtfeld.

Laientheologie und urchristliche Überlieferungen
Doch ich war neugierig geworden und wollte unbedingt mehr über das Denken und die Lehre von Jesus erfahren. Ich las sehr viel und erfuhr einerseits, dass die Bibel kritisch gelesen werden muss. Es gibt redaktionelle Veränderungen, theologische Einschübe und vieles mehr (siehe z.B. Textkritik). Jedes der vier Evangelien, die die Geschichte des Nazareners beschreiben, beinhaltet eine eigenständige Theologie. Jeder dieser Berichte ist sozusagen eine Sichtweise des jeweiligen Evangelisten und diese unterscheiden resp widersprechen sich teils in interessanter Weise (siehe Evangelien-Synopse). Aber eines zieht sich wie ein roter Faden durch diese Erzählungen, die Jesus-Worte. Ich erfuhr, dass es noch andere urchristliche Überlieferungen gab, wie es auch verschiedene christliche Gruppierungen gab. Aber nach dem 1. Konzil von Nizäa im Jahr 325 siegte eine Gruppe dank Hilfe des römischen Kaisers Konstantin und alle anderen Gruppierungen wurden samt ihren Überlieferungen verboten. Aber viele dieser Schriften haben die Verfolgung überlebt und bieten ganz neue Sichtweisen. Im Speziellen das sogenannte Thomas Evangelium, eine Spruchsammlung von über hundert Jesus-Worten (Aussprüche). Viele dieser sogenannten Logien entsprechen denen der Bibel und sind teilweise sogar älter als die Urschriften der Bibel – sprich authentischer. Aber es hat auch eine Vielzahl von “unbekannten” Jesus-Worten und diese haben es in sich….. und haben es mir angetan….. und hier begann sich der Kreis zu Wakan Tanka zu schliessen und ich begann auch die Jesus-Worte in der Bibel mit neuen Augen zu sehen – und mein Staunen erreichte nie dagewesene Ausmasse.

Urtext verstehen und mit griechischen Augen lesen
Als mir klar wurde, dass Übersetzungen immer mit Verlust belastet sind und dass bei den Übersetzungen manchmal Theologie über Grammatik gestellt wurde, begann ich alt-griechisch zu lernen im Selbststudium. Es dauerte etwa ein bis zwei Jahre, bis ich in der Lage war, das Neue Testament im griechischen zu lesen und zu verstehen. Das griechische NT ist leider die älteste Überlieferung die wir haben, es gibt nichts über Jesus in hebräisch resp aramäisch und so ist auch der griechische “Urtext” bereits sehr verfremdet, weil hebräisch eine völlig andere Denkwelt voraussetzt als griechisch. Jedenfalls hatte ich den “Urtext” und ging akribisch dahinter, die Jesus-Worte zu studieren, die Paralellen in den Evangelien und die apokryphen (ausserbiblischen) Überlieferungen zu vergleichen. Einmal mehr taten sich Welten auf und das brachte mich irgendwann an den Punkt, an dem ich davon überzeugt war, dass Jesus uns genug gesagt hat, damit wir ein friedliches und glückliches Leben führen könnten – wenn wir ihn denn ernst nehmen würden und ihm nachfolgen würden.

Glühen ist besser als Wissen.

(Bernhard von Clairvaux)

Christliche Mystik und Mönchstum
Ich unternahm auch eine lange Reise in die Welt der christlichen Mystik. Mystik ist so etwas wie das Gegenteil von Dogmatismus. Ein Mystiker weiss, dass er nichts weiss und er glaubt, dass es im Glauben keine Rechthaberei gibt, dass jeder Mensch seinen persönlichen Weg hin zu Gott gehen kann, da gibt es kein richtig oder falsch, es gibt nur ein Ziel. Mystiker aller Religionen vertragen sich prächtig. Ein katholischer Mönch wird mit einem muslimischen Derwisch bestens klar kommen, sie haben keine Differenzen, sie haben nur unterschiedliche Blickwinkel und unterschiedliche Erfahrungen auf ihrem eigenen persönlichen Weg. Was für eine Wohltat im Vergleich zu dogmatischen Kirchen, die sagen: Entweder Du glaubst genau das was wir sagen und zwar so wie wir Dir das vorschreiben, oder Du brennst in der Hölle. Ich las viele Schriften und bekam viele neue Vorbilder. Der Franziskaner Franz von Assisi, der Nächstenliebe wie kein Anderer praktizierte, der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux oder der Karmeliter Johannes von Kreuz, die den Weg zu Gott nur mit allumfassender Liebe gingen und viele andere faszinierende Gestalten in der Geschichte des christlichen Mönchstum. Das christliche Mönchstum war schon immer mystisch und es ist bis heute so geblieben. Höhepunkt war dann eine Besinnungswoche im Benediktiner Kloster in Einsiedeln, eine Erfahrung die wirklich tief geht.

Siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von Euch!
Doch irgendwann wurde es Zeit, auch diesen Weg zu verlassen. Ich legte alles hin was ich zwanzig Jahre gelernt hatte. Ich musste nicht mehr weiter nach Gott suchen, ich hatte ihn/sie/es gefunden…… in mir – in Dir – in Euch allen. Seit diesem Tag habe ich grosse Ehrfurcht vor allen Mitgeschöpfen, weil ich nun tief in mir spüre, dass wir alle eins sind, durchdrungen von derselben Macht, Entfaltung desselben unaussprechlichen, unvorstellbaren Göttlichen, das niemals verstanden werden kann sondern nur erfahren. Es war der Tag, an dem sich mein Herz mit Liebe füllte und ich glaube sogar, es war die Grundlage dafür, dass ich mich selbst eines Tages lieben lernte und meine in einen Kerker eingesperrte Wesensart entfalten konnte. Die Fascetten der Entfaltung Gottes sind endlos zahlreich, ich bin eine von Vielen, die alle in sich einzigartig und doch wesensgleich sind.

Eine Freundin, die in Deutschland in einer christlichen Zen Gruppe ist, erzählte mir mal etwas, was die Erkenntnis meiner zwanzigjährigen Reise in einem Satz zusammennfasst. Wenn sie sich begegnen, dann begrüssen sie sich mit dem Wort “Namaste“………. was sinngemäss zu verstehen ist als:

Ich ehre in Dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.

Ich bin das Licht, das über allem ist.
Ich bin die himmlische Welt.
Sie ist aus mir hervorgegangen,
und in mir hat sie ihr Ziel erreicht.
Spaltet ein Stück Holz, ich bin da.
Hebt einene Stein auf, ihr werdet mich dort finden.

(Thomas Evangelium 77)

Ein platonischer Mythos und eine kleine Uminterpretation

Kürzlich habe ich auf Facebook n’nettes Mädel kennen gelernt, die hat mich nun auf ein Lied aufmerksam gemacht, das ich nicht kannte und das in meinem Kopf wildeste Pirouetten vollzieht. Das Lied “Origin of Love” (Ursprung der Liebe) ist von einer Band namens “Hedwig and the angry inch” und kommt aus dem gleichnamigen Film über eine TransFrau aus der DDR, die in einer Rockband singt. Den Film kenne ich noch nicht, werde zu gegebener Zeit aber darüber berichten.

Das Lied übernimmt einen Mythos von Platon, in dem es um “Kugelmenschen” geht. Die Geschichte besagt kurzgefasst, dass Menschen ursprünglich Doppelwesen waren. Alle hatten zwei Seiten, so wie wenn man zwei Menschen am Rücken zusammen klebt. Da gab es drei Geschlechter, es gab Doppelmänner, Doppelfrauen und MannFrau-Wesen. Die Götter sahen dann, dass diese Kugelmenschen viel zu mächtig waren und so entschieden sie sich, diese zu trennen. Pointe dieser Geschichte ist, dass wir alle eigentlich nur halbe Menschen sind und unser gegenteiliges Stück suchen und erst dann wieder zu voller Kraft kommen, wenn wir mit der verlorenen Hälfte vereint sind. Ein wunderschöner Mythos über die Liebe…… und ein wunderschönes und kraftvolles Lied…….

Aber wie so oft, tauchen in meinem Köpfchen gleich Folgegedanken auf, die irgendwie faszinierend sind. Vielleicht sind transsexuelle Wesen dieser MannFrau-Kombination, die aus unerfindlichen Gründen nicht getrennt werden konnten. Diese MannFrauen wurden Kinder des Mondes genannt. Ich bin am Vollmond geboren und die Göttin Diana ist unter Anderem auch die Göttin des Mondes. Und tatsächlich haben Transsexuelle eine Art von Macht, die Doppelsichtigkeit, die Fähigkeit, beide Geschlechter zu vereinen, sie zu verstehen und sich in sie hineinfühlen zu können.

Nach jüdischer Mythologie ist ein Mensch erst vollkommen, wenn Mann und Frau vereint sind, andernfalls ist man unvollständig und schutzlos, es braucht beide Seiten so wie Ying und Yang. Wenn jüdische Männer das Haus verlassen mussten und die Frau zurück liessen, baten Sie die “Schechina“, der weibliche Aspekt Gottes, um Hilfe, dass diese sie begleitet und beschützt, weil sie wussten, dass sie ohne ihre andere Hälfte schutzlos wären.

Irgendwie spannend, wie sich der Kreis immer wieder schliesst. Und irgendwie faszinierend, wie etwas, was in unserer Kultur ein Makel ist, auch als wundervolle Gabe verstanden werden kann.

When the earth was still flat,
And the clouds made of fire,
And mountains stretched up to the sky,
Sometimes higher,
Folks roamed the earth
Like big rolling kegs.
They had two sets of arms.
They had two sets of legs.
They had two faces peering
Out of one giant head
So they could watch all around them
As they talked; while they read.
And they never knew nothing of love.
It was before the origin of love.

The origin of love

And there were three sexes then,
One that looked like two men
Glued up back to back,
Called the children of the sun.
And similar in shape and girth
Were the children of the earth.
They looked like two girls
Rolled up in one.
And the children of the moon
Were like a fork shoved on a spoon.
They were part sun, part earth
Part daughter, part son.

The origin of love

Now the gods grew quite scared
Of our strength and defiance
And Thor said,
“I’m gonna kill them all
With my hammer,
Like I killed the giants.”
And Zeus said, “No,
You better let me
Use my lightening, like scissors,
Like I cut the legs off the whales
And dinosaurs into lizards.”
Then he grabbed up some bolts
And he let out a laugh,
Said, “I’ll split them right down the middle.
Gonna cut them right up in half.”
And then storm clouds gathered above
Into great balls of fire

And then fire shot down
From the sky in bolts
Like shining blades
Of a knife.
And it ripped
Right through the flesh
Of the children of the sun
And the moon
And the earth.
And some Indian god
Sewed the wound up into a hole,
Pulled it round to our belly
To remind us of the price we pay.
And Osiris and the gods of the Nile
Gathered up a big storm
To blow a hurricane,
To scatter us away,
In a flood of wind and rain,
And a sea of tidal waves,
To wash us all away,
And if we don’t behave
They’ll cut us down again
And we’ll be hopping round on one foot
And looking through one eye.

Last time I saw you
We had just split in two.
You were looking at me.
I was looking at you.
You had a way so familiar,
But I could not recognize,
Cause you had blood on your face;
I had blood in my eyes.
But I could swear by your expression
That the pain down in your soul
Was the same as the one down in mine.
That’s the pain,
Cuts a straight line
Down through the heart;
We called it love.
So we wrapped our arms around each other,
Trying to shove ourselves back together.
We were making love,
Making love.
It was a cold dark evening,
Such a long time ago,
When by the mighty hand of Jove,
It was the sad story
How we became
Lonely two-legged creatures,
It’s the story of
The origin of love.
That’s the origin of love.

Und dieses Video erinnert mich wieder daran, dass ich seit meiner Kindheit auf die Bühne wollte und dass ich in diesem Jahr öfters davon träumte, wie schön es sein könnte, Sängerin einer Rockband zu sein. Ein T-Girl als Frontfrau einer Band stell ich mir extrem spannend vor und ich liebe Musik so sehr, dass ich mir das wirklich wünschen würde. Nur müsste ich erst mal singen lernen und dazu erst mal ein Talent haben. Aber wer weiss, wenn das Schicksal es so vorgesehen hat, wird es irgendwann soweit sein :-)

Selbstentfaltung und der Schatz im Acker

siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von euch. (Lk 17,21)

(ιδου γαρ η βασιλεια του θεου εντος υμων εστιν)

Jesus pflegte in Gleichnissen und Metaphern zu reden, denn er wusste, dass die bildhafte Rede den Höhrer viel mehr zum Nachdenken bringt als klugscheisserische Faktendrescherei. Und er wusste, dass Bilder zeitlos sind, während Worte im Sog der Zeit sich verändern. Jesus-Gleichnisse haben für mich immer eine doppelte Bedeutung. Einerseits geht es primär um Vergleiche im Bezug auf das Reich Gottes, seine Vorstellung, dass wir hier auf Erden durch gelebte Nächstenliebe einen himmlischen Zustand hervorbringen. Das Reich Gottes ist innerhalb von Euch (Lk 17,21), sagt er an einer zentralen Stelle und er verweist damit auf die Tatsache, dass wir nicht auf die Ruhe und den Frieden warten dürfen sondern den Frieden in uns emporsteigen lassen sollen. Auf der anderen Seite haben seine Worte auch immer eine Paralelle zum normalen Alltag. Wenn er davon redet, dass wir uns nicht sorgen sollen, dann ist sowohl unser spirituelles Heil gemeint als auch so alltägliche Dinge wie Essen oder Kleidung (z.B. HighHeels von Manolo).

Eines seiner Gleichnisse nennt man den “Schatz im Acker” oder die Paralelle “Die kostbare Perle”. Dabei geht es darum, dass jemand in einem Acker einen Schatz findet und weil er sich des Wertes von diesem Schatz bewusst ist, verkauft er alles was er hat, gibt alles was ihm lieb ist weg, um diesen einen, unschätzbar wertvollen Schatz zu erlangen. Auf spiritueller Ebene ist die Deutung klar, wer den Weg hin zu Gott gehen will, muss alles hinter sich lassen. Aber auf der Ebene des Alltags findet man ganz andere Deutungen, die meines Erachtens genauso im Sinne des Nazareners sind, wie die spirituellen Werte. Denn wahre Spiritualität wird im Alltag gelebt, alles andere ist theologische Klugscheisserei.

Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, welchen ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. (Mt 13,44)

(ομοια εστιν η βασιλεια των ουρανων θησαυρω κεκρυμμενω εν τω αγρω ον ευρων ανθρωπος εκρυψεν και απο της χαρας αυτου υπαγει και πωλει οσα εχει και αγοραζει τον αγρον εκεινον)

In meinem Fall bekommt dieses Gleichnis eine ganz neue Dimension. Seit meiner Kindheit bin ich davon überzeugt, dass der Sinn des Lebens darin liegt, sich selbst zu entfalten. Jedes Lebewesen hat seine ganz eigene Wesensart und jedes Wesen ist verpflichtet, seine ganz eigene Wesensart zu entfalten und der Gesamtheit aller Lebensformen eine weitere Fascette zu verleihen.

Ich habe ein Leben lang versucht, meine mir eigene Wesensart zu verleugnen und zu unterdrücken, ich wollte nicht sein was ich war, weil ich die gesellschaftliche Ächtung fürchtete. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr leugnen konnte, was meine ureigene Wesensart ist und ich konnte mich der Verpflichtung nicht mehr verweigern, diese mir eigene Art zu entfalten und zu verwirklichen.

Das zu sein, was von Natur aus in mich gelegt war, bedeutete, so ziemlich alles zu verlieren, alles zu investieren und alles zu opfern, für diese einzige Sache, mich selbst zu sein. Aber was gäbe es Schöneres und was gäbe es Edleres als sich selbst zu sein, so wie man von Gott geschaffen wurde? Und damit meine ich nicht irgendwelche anatomischen Sonderbarkeiten sondern die innere Wesensart, die tief in der Seele verwurzelt ist.

Anfang Jahr überschritt ich diese Grenze, legte mein gesamtes Leben in die Waagschale, opferte alles was mir am Herzen lag, für diesen einen Schatz, der “Ich” heisst.

Ja, mein lieber Rabbi Jeshua aus Nazareth, Du hattest Recht mit allem was Du gesagt hast und mein Leben gibt Zeugnis ab für Deine Worte. Ich habe alles gegeben, jeden Preis bezahlt und ich habe das Reich Gottes in mir gefunden. Wo einst Verbitterung war, ist nun Liebe, wo einst Verzweiflung war, ist nun Harmonie und Frieden – Frieden mit der Welt, und Frieden mit mir selbst.

Ich habe den Schatz im Acker meines Lebens gefunden und ich werde ihn nicht mehr loslassen, weil meine unsterbliche Seele nicht anders kann, als sich selbst zu sein, um jeden Preis.

Transsexuelle Frau in Obamas Regierung

Soooooooooooooo genial, Obama hat eine transsexuelle Frau in die Regierung aufgenommen. Amanda Simpson gilt als hochqualifziert (so sind TwoSpirits halt), arbeitete bisher als Direktorin von “Raytheon Missile Systems” in Tucson und wird nun und wird nun technische Beraterin im Handelsministerium. Beim Amtsantritt sagte sie:

Als erste transsexuelle Regierungsbeauftragte hoffe ich, dass ich bald eine von Hunderten bin

(Amanda Simpson)

Nun denn, da hoffe ich mit, wenn Transsexuelle solche Posten einnehmen, wird das sicher auch das Image von uns allen verändern. Wer sich nachwievor am Mythos festbeisst, dass Transsexuelle eh alle im Rotlicht-Milieu arbeiten, dürfte da langsam in einen Argumentationsnotstand rutschen.

Aber natürlich gehen christliche Hassprediger Fundamentalisten bereits auf die Barrikaden und verschmutzen mit ihrem pervertierten Denken die Landschaft. Peter LaBarbera, Präsident einer rechtskonservativen Organisation namens «Americans for Truth», ereifert sich bereits öffentlich und fragt: “Wie weit soll diese Politik des homosexuellen Aktivismus gehen?”. Damit entlarvt sich einmal mehr eien christlicher Fanatiker und zeigt, dass er erstens dumm wie Brot ist, weil Transsexualität nichts mit Homosexualität zu tun hat und zweitens, weil er zeigt, dass er von der selbst gepredigten Nächstenliebe überhaupt nichts hält.

Schön an dieser Sache ist auch, dass 20minuten-Online diesen Artikel korrekt wiedergegeben hat, ohne hämischen Unterton oder beleidigende Wortwahl. Da können wir mal gespannt sein, wie derselbe Artikel im Blick erscheinen wird, es graut mir jetzt schon.

Ich werde mal die Medien im Auge behalten und hier allfällige Beiträge veröffentlichen:
20min: Erste Transexuelle in Obamas Regierung
Heute.At: Obama holt Transsexuelle in US-Regierung
Welt.de: Die Transsexuelle im Ministerium
Wienerzeitung: Simpson – Harter Kerl und zarte Frau

Auf Facebook entsteht soeben eine Unterstützungsgruppe, ich bin die 38. die mit von Partie ist :-)
Amanda Simpson Support Group

PS: jetzt erobern wir die Welt und wenn wir die Weltherrschaft an uns gerissen haben, verbieten wir Testosteron und Kopfsteinpflaster, jawoll :o)

Die Macht der Worte

Letztes Jahr habe ich angedroht, dass ich eine Blogserie machen werde über “die Macht der Worte”. Das hat zwei Gründe.

Zum einen hat mich Sprache schon immer fasziniert, weil hinter jedem Wort eine Bildwelt steht und weil adäquate Worte einem ganze Welten eröffnen können. Aber gerade deshalb bedeuten Worte auch Macht, die gebraucht und missbraucht werden kann.

Regelmässige LeserInnen wissen, dass ich oft metaphorische Bilder verwende und auch die Auswahl an Zitaten und Liedertexten sind in der Regel solche, die Sprache zu höchster Kunst machen, die eben nicht nur Worte aneinanderreihen sondern ganze Bildwelten darstellen und einem beim Lesen in Welten entführen können.

Wenn ich schreibe, dass ein Weg den ich gegangen bin schwer war, dann ist die Schwere nicht nachfühlbar, das kann vieles heissen. Aber wenn ich sage, ich sei barfuss durch die Hölle gelaufen, dann kann man sich vorstellen, dass das eben mehr als nur schwer war, man fühlt geradezu wie schmerzlich das sein muss. Und wenn rechtspopulistische Seiten plötzlich von Asylanten anstatt von Asylsuchenden reden, dann wird bei genauer Betrachtung schnell klar, dass diese Bildwahl ein bestimmtes Ziel hat. Es ist ein Unterschied, ob Gott die Welt erschaffen hat oder ob die Welt aus Gott hervorgegangen ist und es ist ein Unterschied, ob Jesus sagt das Reich Gottes sei mitten unter uns oder innerhalb von uns. Und es ist ein grosser Unterschied, ob man von einer transsexuellen Frau spricht oder von einer Transe.

In dieser Serie möchte ich auf verschiedene Aspekte eingehen, eine kleine Auswahl der Themen soll hier mal kurzgefasst angekündigt werden:

  1. Worte beinhalten Bildwelten und die falsche Wahl von Worten kann verwirren oder gar verletzen
  2. Über die Wortgewalt von Gleichnissen und Metaphern
  3. Gezielt gewählte Worte können der Manipulation dienen, die kaum durchschaut wird, wenn man die Macht der Worte nicht kennt
  4. Durch strategisch gewählte Worte wird gezielt politische Hirnwäsche betrieben
  5. Übersetzungen sind immer Übertragungen, die nie ohne Verluste möglich sind
  6. Texte aus anderen Kulturkreisen können nie vollumfänglich verstanden werden
  7. Religiöse Texte müssen im Bewusstsein gelesen werden, dass sowohl durch Übersetzung als auch das kulturelle Unwissen nicht eindeutig zu verstehen sind
  8. Es gibt Dinge, für die es einfach keine adäquaten Worte gibt

Zumindest über diese Punkte und vielleicht noch ein paar mehr werde ich im Verlauf dieses Jahres einzelne Beiträge schreiben, wann das sein wird, ist wie immer bei mir eine Frage des richtigen Moments resp. des äusseren Impulses, der mir das Thema aufdrängt.

Fürs Erste möchte ich einfach mal zum nachdenken anregen, sind wir uns der Macht der Worte bewusst? Kennen wir die Grenzen der Sprache und bemerken wir die Manipulationen, denen wir täglich ausgesetzt sind?

Und wenn ihr redet
Wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?

Lacrimosa – Fassade 1. Satz

Dianas Blogtagebuch 2009 ist jetzt im Buchhandel

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)

Macht der Worte – Die Metapher

Und weiter geht’s zum Thema Macht der Worte……. Worte sind mehr als aneinandergereihte Buchstaben, sie portieren Bilder und geben so die Möglichkeit, sogar Gefühle verbal auszudrücken. Aber es gibt auch Gefühle oder Beschreibungen, die sich mit keinem Wort adäquat umschreiben lassen, es sind sozusagen unaussprechliche Dinge. Um das auszudrücken, was nicht in Worte gefasst werden kann, gibt es oft nur noch einen Weg: die Metapher, die Königin der Sprachgewalt.

Metaphorische Vergleiche und Gleichnisse gehören zu unserer Alltagssprache. Man hat Hunger wie ein Bär oder ist stark wie ein Bär. Es ist eis-kalt oder heiss wie in der Hölle. Er ist ein Wolf im Schafspelz oder eine diebische Elster. Man geht durch die Hölle, wenn man unsagbar Schlimmes erlebt.

Die Kunst der Verwendung von Metaphern liegt darin, dass man etwas das kaum zu verstehen ist, in bildhafter Sprache auf eine andere Ebene transportiert, in der die Erzählung vom Zuhörer verstanden wird, damit der Zuhörer selbst die Erkenntnisse dann zurücktransportieren kann zum ursprünglichen Thema.

Jesus von Nazareth war ein Meister im Ungang mit metaphorischen Erzählungen. Das ist soweit kein Wunder, die hebräische Sprache ist an sich schon sehr bildhaft und die jüdische Erzählweise ist seit je her eine sehr metaphorische Schilderung.

Wie will man den Wert des “Reiches Gottes” mit menschlichen Worten beschreiben? Es ist, sprach der Nazarener, wie wenn jemand einen Schatz in einem Acker findet. Er verkauft all sein Hab und Gut um diesen Acker zu kaufen. Er gibt alles hin für dieses Eine. Dann, wenn der Acker ihm gehört, kann er den versteckten Schatz ausgraben und er gehört ihm. Jeder versteht, wie wertvoll ein Schatz ist, dass man ihn kaum findet und wenn man ihn findet, dass man alles daran geben würde, ihn zu bergen.

Auch in der Moderne gibt es Menschen, die Metaphern in höchster Vollendung verwenden und so Dinge ausdrücken können, die eigentlich nicht in Worte gefasst werden können. Einer der genialsten Metapher-Akrobaten ist Tilo Wolff, der Mann hinter der Band Lacrimosa. Seine Texte sind wie bei Gothic Musik üblich meist düster, melancholisch und traurig. Wenn er beispielsweise singt, dass sein Leben ist wie eine Flamme im Wind, dann spürt man wie verletzlich er ist. Oder wenn er im Lied “Einsamkeit” singt: “Zerfallen in tausend Stücke, krieche ich in tausend Richtungen”, lässt sich die Zerrissenheit schon fast schmerzhaft mitfühlen.

Einer meiner ersten Blogbeiträge hiess “Die verbeulte Kugel“, den Text habe ich vor Jahren geschrieben. Er ist genau so ein metaphorisches Bild. Es lässt sich nicht ableiten, was genau damit gemeint ist, wer oder was diese Kugel verbeult hat, aber man spürt wie sich diese verbeulte Kugel fühlt. So drückt der Text etwas aus, was ich bis heute nicht in Worte fassen könnte, was ich nicht erklären kann und doch kann man es so erfühlen. Das ist die Metapher, die das Unaussprechliche ausdrückt.

Transsexualität – eine psychische oder Störung?

Anlässlich des gestrigen Vortrags mache ich mir mal wieder Gedanken über die Frage, ob Transsexualität eine psychische Störung (Geschlechtsidentitätsstörung / gender-identity-disorder) ist wie es in den offiziellen medizinischen Diagnosebibeln dargestellt wird oder ob es sich hier um eine körperliche “Fehlentwicklung” handelt, wie es vor langer Zeit als “Harry Benjamin Syndrom” beschrieben wurde.

Fakten – da ist was schief gelaufen
Beginnen wir erst mal mit dem was wir wissen, bevor wir zu dem kommen, was wir glauben. Unbestritten ist die Tatsache, dass Transsexualität nicht einfach irgendwann entsteht oder irgend eine Spinnerei ist sondern, dass Transsexualität bereits im Mutterbauch entsteht – wenn nicht sogar früher. Man weiss heute, dass transsexuelle Menschen genetische Marker haben, die einen Einfluss auf Androgen- und Östrogen-Rezeptoren haben, was zu einer verminderten Fähigkeit führt, Testosteron aufzunehmen. Weiter weiss man, dass die Hirnregion BSTc, die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen dieselbe Neuronendichte hat wie bei nichttranssexuellen Frauen. Jeder Hirnspezialist würde ein aufgeschnittenes Hirn einer transsexuellen Frau als weiblich einordnen. Ausserdem weiss man, dass hormonelle Einflüsse im pränatalen Zustand Transsexualität auslösen können, was in Tierversuchen mit Ratten sogar reproduzierbar ist. Und nicht zuletzt weiss man, dass die Geschlechtsidentität spätestens im Alter von drei Jahren unmöglich verändert werden kann.

Wer liegt hier falsch?
Man weiss also, dass es Menschen gibt, deren Fühlen und Denken samt Hirnstruktur nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Man weiss, dass es Fälle gibt, in denen sich Körper und Geist (Seele) nicht in dasselbe Geschlecht entwickeln und das bereits im embryonalen Zustand. Jemand hat sich da wohl geirrt, aber wer? Hat sich das Hirn resp. die Psyche fehlentwickelt, was dann zu einer sogenannten Geschlechtsidentitätsstörung führt oder hat sich der Körper fehlentwickelt?

Intersexualität als Denkvorlage
Ohne intersexuelle Menschen (Zwitter) zu vereinnahmen, sollte in dieser Frage die Tatsache berücksichtigt werden, dass es sehr wohl möglich ist, dass der Körper sich zumindest partiell ins falsche Geschlecht entwickelt. Intersexuelle Menschen kommen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und werden dann auch meist “zurechtgeschnipselt”, was faktisch eine grässliche Menschenrechtsverletzung ist. Aber spätestens durch das Phänomen der Intersexualität wissen wir und können nicht leugnen, dass der Körper nicht das absolute Mass ist, das geschlechtsbestimmend ist.

Harry Benjamin Syndrom
Bereits zu Beginn der Transsexualitätsforschung vertrat Harry Benjamin, ein Pionier dieses Forschungszweiges den Standpunkt, dass Transsexualität eine Art Unterform von Intersexualität sein könnte. Etwas vereinfacht folgte er dem Gedanken: Wenn der Körper sich partiell ins Gegengeschlecht entwickeln kann, dann kann er das möglicherweise auch ganz. Das würde erklären, dass beispielsweise Menschen mit weiblicher Hirnstruktur vollständige männliche Geschlechtsmerkmale entwickeln können.

Reparative Verhaltenstherapien
Doch die Psychiatrie entschied sich anders, man konstruierte eine Geschlechtsidentitätsstörung. Diese Denkweise ist nicht per Definition falsch, es ist nachvollziehbar, dass man eher dem Körper Recht gibt als dem Geist und wenn ein Körper so klar einem Geschlecht zuweisbar ist und der Geist so diametral entgegenliegt, dann scheint der Geist halt ziemlich verdreht sein. So begann man transsexuelle Menschen wie schon früher homosexuelle Menschen mit allen erdenklichen Mitteln umzuprogrammieren, zumindest versuchte man dies, sei es mit Elektroschocks oder sei es mit “reparativen Verhaltenstherapien” bei Kindern. Doch bis zum heutigen Tag wurde nicht bei einem Menschen die Geschlechtsidentität umgekehrt. Wenn Transsexualität eine psychische Störung ist, dann offenbar eine Unheilbare.

Widersprüchlichkeit der Psycho-These
Charakteristisch für Transsexualität ist, dass Betroffene sich entgegen den dümmlichen Formulierungen der medizinischen Diagnosebibeln IDC und DSM nicht “den starken Wunsch” verspüren, dem “anderen Geschlecht” anzugehören, sondern, dass sie “der festen Überzeugung” sind, im falschen Körper zu stecken. Wenn jedoch jemand beispielsweise ein Mann ist und der der festen Überzeugung ist, er sei eine Frau, dann ist das nicht einfach eine neurotische Irritation sondern eine handfeste Psychose. Neurotiker denken sich Manches aus, aber nur Psychotiker sind der festen Überzeugung, dass ihr Ausgedachtes Realität ist. Wäre Transsexualität eine psychische Störung, könnte es sich nur um eine Psychose handeln, weil nur das diese feste Überzeugung erklären würde. Und damit wird das Ganze absurd. Denn jeder Psychologe kann bestätigen, dass sich ein Psychotiker seines Zustands nicht bewusst ist, er würde wohl glauben, er hätte tatsächlich eine Gebärmutter in sich oder würde glauben, man hätte sein Geschlecht wegoperiert. Aber bei transsexuellen Menschen fehlen sämtliche Anzeichen einer Psychose, sie wissen genau wer sie sind, was sie tun u.s.w. Kein Psychologe würde heutzutage Transsexualität zu den Psychosen zählen, aber was soll es dann sonst sein, wenn diese Überzeugung derart fixiert und nicht änderbar ist?

Widersprüchlichkeit der Bio-These
Also müsste man mit ein wenig Vernunft annehmen, dass es sich doch um eine biologische Veränderung handelt, dass der Körper sich aus was auch immer für Gründen ins falsche Geschlecht entwickelt hat. Aber da würden Wissenschaftler und im Speziellen Genetiker einwenden, dass ich als TransFrau ein XY-Chromosom, das zu Beginn meines Lebens im Mutterbauch festgelegt war, von der ersten Zellteilung an, körperlich bin ich also 100% Mann. Wie soll so eine Fehlentwicklung erklärbar sein, wenn ich von Anfang an beide Chromosomen hatte?

Letzte Ausfahrt: Seelen-These
Ich persönlich sehe nur ein Erklärungsmodell, das widerspruchsfrei ist. Eine rein psychische Störung kann es wie oben gezeigt unmöglich sein. Eine rein körperliche Fehlentwicklung scheint ebenfalls unglaubwürdig. So stellt sich die Frage, wann und wodurch das Geschlecht eines Menschen festgelegt ist. Es mag Leute geben, für die ein Lebewesen einfach ein sich fortpflanzender Zellklumpen ist oder eine Art Bio-Reaktor der laufen kann. Die Meisten dürften das wohl anders sehen, viele glauben, dass ihr “Ich” nicht einfach eine Projektion einer Bio-Maschine ist sondern etwas, was unser Selbst ausmacht. Man spricht von einer Seele, von einem Geist. Wenn der Mensch aber einen Geist oder eine Seele besitzt, die Voraussetzung dafür ist, dass diese Zellteilung und daraus resultierend dieses Leben entsteht, weshalb sollten wir dann davon ausgehen, dass diese Seele oder dieses Ich ein geschlechtsloses Neutrum ist? Wenn der Körper unsere Identität bestimmen würde, wäre unser Ich tatsächlich eine Projektion dieser Bio-Maschine, können und wollen wir das wirklich glauben? Ich persönlich glaube, dass mein Ich ein Selbst ist und nicht Projektion biochemischer Reaktionen. Dann kann mein Ich auch weiblich sein und dann ist es auch nicht ausgeschlossen, dass bereits bei der ersten Zellteilung “versehentlich” ein falsches Y-Chromosom mitkommt und von da an alle biologischen Prozesse fehlleitet werden.

Im Zweifel für die Angeklagten
Ich kann die Psycho-These meines Erachtens klar widerlegen und die Bio-These scheint auch sehr unglaubwürdig. Aber wer kann “meine” Seelen-These widerlegen? Im Zweifel für die Angeklagten, lautet ein weltweiter juristischer Kodex. Wenn die Psycho-These zu Stigmatisierung und Diskriminierung führt, also faktisch eine grausame Bestrafung bedeutet, wäre es da nicht angebracht, aufgrund der berechtigten Zweifel die einzige These anzunehmen, die nicht jeglicher Vernunft spottet? Ich bin eine Frau, war es immer und werde es immer sein, vor meiner Geburt und nach meinem Tod. Da könnte ich von mir aus auch noch ein Z-Chromosom haben, es würde nichts daran ändern, dass ich “ICH” bin.

Respekt vor dem ICH
Dann aber wäre es Zeit, meinem “Ich” den nötigen Respekt entgegen zu bringen, diese Seele ernst zu nehmen und das Geschlecht meines Selbst zu anerkennen, ungeachtet körperlicher Merkmale. Die Frage ist einfach, sind wir wandelnde Zellklumpen oder sind wir mehr als das. Wenn wir mehr als Zellklumpen sind, dann gebührt diesem “Mehr” auch der nötige Respekt, dann erübrigt sich jegliche Pathologisierung, dann bin ich einfach, was “ICH” bin – eine Frau, deren Körer nicht ganz dem Normalfall entspricht.

Das kleine Durcheinander von Moses

Als konfessionslos Gläubige könnte mir eigentlich egal sein, was in “heiligen Schriften” steht und was Gläubige daraus ableiten.

Aber es gibt zwei Gründe, weshalb ich mich doch immer wieder mit so Fragen beschäftige. Der erste Grund ist der, dass ich die jesuanische Ethik für so vollkommen halte, dass ich glaube, dass die ganze Welt Frieden finden könnte, würde sie denn nach diesen wenigen klaren Regeln leben. Der zweite Grund ist der, dass ich immer wieder selbsternannte Heilige erlebe, die anstelle des jesuanischen Liebesgebot lieber ein Schwert aus der Bibel schmieden, um damit die Köpfe ihrer Nächsten vom Rumpf zu trennen. Solange die jesuanische Predigt derart pervertiert wird, dass diese Religion zur Ausgrenzung und Diskriminierung von Anderen dient, solange fühle ich mich zum Widerspruch genötigt, im Speziellen wenn es um das Thema Homosexualität oder Transsexualität geht.

Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu geniessen,
die doch Gott geschaffen hat,
damit sie mit Danksagung gebraucht werden
von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen.
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut,
und nichts ist verwerflich,
wenn es mit Danksagung empfangen wird;
denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.
(1.Tim 4,3-5)

Da ich mich jahrelang mit diesen Schriften sehr intensiv beschäftigte, staune ich immer wieder über die Dreistigkeit, mit der gewisse Fundamentalisten aus der Bibel einen Selbstbedienungsladen machen und alles aus dem Zusammenhang zerren um es bei nächster Gelegenheit jemandem um die Ohren zu hauen. Gerade die angebliche Sünde der Homosexualität ist ein Prachtbeispiel für selektive Wahrnehmung. Um das zu verstehen, müssen wir uns ein wenig mit Moses beschäftigen und der Frage nachgehen, was für ein seltsames Durcheinander der Gute vollbracht hat.

Zehn oder sechshundertdreizehn Gebote?

Gemäss den Schilderungen der Torah, die wir als das “Alte Testament” kennen, gab Gott Moses auf dem Berg Sinai Steintafeln mit zehn Geboten. Du sollst nicht töten, sollst nicht stehlen u.s.w. Aber irgendwie hielt sich Moses für klüger als Gott, ihm reichten diese klar definierten Gebote nicht. Es gibt ja auch Beschränkte unter uns, da kann man das nicht präzis genug formulieren. Also bastelte der übereifrige Moses und seine Nachfolger 613 Gebote, die für jeden Juden bindend waren. Und dabei zeigte er eine Detailverliebtheit und einen Surrealismus, der hier und heute, zweitausend Jahre später in einem völlig anderen Kulturkreis, doch sehr befremdend wirkt.

Und genau in diesen 613 Geboten und nur dort, findet sich eine Stelle, in der steht, dass es Gott ein Gräuel ist, wenn ein Mann neben einem Knaben liegt. Interessant dabei ist, dass es nicht um einen Mann geht der neben einem Mann liegt sondern neben einem Knaben. Ob damit Homosexualität gemeint ist oder Pädophilie, lässt sich aus dem hebräischen Text meines Erachtens nicht eindeutig herauslesen. Noch weniger lässt sich ablesen, ob das auch für Frauen gilt. Aber das spielt keine Rolle, wesentlich ist etwas ganz Anderes.

Biblische Gesetze: such Dir was aus

Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet;
verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt;
sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden!
(Lukas 6,37)

Diejenigen, die homosexuellen Menschen so gern Bibelstellen um die Ohren hauen, ignorieren dabei störrisch, dass sie selber wohl keine 13 dieser 613 Gebote einhalten. Es ist beispielsweise verboten, Schweine, Meeresfrüchte, Geckos oder Fledermäuse zu essen, trotzdem tun sie es, naja vielleicht keine Fledermäuse, aber zumindest Schweine und Meeresfrüchte. Es braucht nur wenig Vernunft um sich die Frage zu stellen, gelten diese mosaischen Gebote für uns oder nicht? Auf jeden Fall spottet es jeder Vernunft, wenn man selber 600 Gebote missachtet, Andern aber eines als Sünde vorwirft.

Aus 10 mach 613, aus 613 mach 1

Für Bibelforscher und Historiker ist der Fall klar, diese mosaischen Gebote waren ein Gesetzeswerk für die Juden der damaligen Zeit, so wie wir hier auch eine Unzahl an Gesetzen und Geboten haben und auch Jesus war offensichtlich nicht der Ansicht, dass dieses mosaische Regelwerk das Gelbe vom Ei war, denn er machte genau das Gegenteil von dem, was Moses tat. Moses machte aus 10 Geboten 613 Gebote, Jesus machte aus diesen Zehn ein Einziges: Liebe Deinen Nächsten so wie Dich selbst.

Geht so mit den Menschen um,
wie ihr selbst behandelt werden möchtet.
Denn darin besteht das ganze Gesetz und die Propheten.
(Matthäus 7,12)

Denn Du kannst niemanden töten oder bestehlen, wenn Du ihn liebst. Wer sich vom jesuanischen Liebesgebot leiten lässt, das selbst Feindesliebe mit einschliesst, der kann die zehn Gebote nicht brechen, wohl aber Meeresfrüchte essen und am Samstag sein Auto waschen. Wer liebt, lebt gottgemäss, hätte Jesus wohl gesagt – egal welches Geschlecht er/sie liebt.

Gesetz oder Liebe? Wähle!

Denn das ganze Gesetz wird in einem Wort erfüllt, in dem:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
(Gal 5,14)

Als der Apostel Paulus in Griechenland das “Heiden-Christentum” gründete und bei der Gelegenheit aus dem jüdischen Rabbi Jeshua den Gottessohn Jesus zimmerte, fanden hitzige Streitereien statt. Viele der jerusalemer Judenchristen vertraten den Standpunkt, dass ein Heide, der sich zu Jesus bekennt, nicht nur alle mosaischen Gesetze einhalten muss sondern sich auch beschneiden lassen muss. Nach langen Grabenkämpfen konnte sich Paulus durchsetzen und man einigte sich darauf, dass diese Gebote bis hin zur Beschneidung nur für Juden gelten. In unzähligen Textstellen setzt sich Paulus vehement dafür ein, dass man den griechischen Christen “das Joch des Gesetzes” nicht auferlegen dürfe, dass der Glaube allein entscheidend ist.

Intermezzo: An den Früchten wird man erkennen

Denn ich bin von Gottes Art und komme von ihm her.
Nicht im eigenen Auftrag bin ich hier,
sondern als Gottes Gesandter
(Johannes 8,42)

Ich persönlich glaube, dass auch Paulus irrte, denn wenn man die überlieferten Sprüche von Jesus genau studiert, wird klar, dass er nie den Glauben an sich selbst predigte sondern sich als Wegweiser zu Gott verstand und mehr als das stellte er mehrfach fest, dass man sich noch soviel bekennen kann, es sind die Taten und die Gedanken die dahinter liegen, die entscheidend sind. An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen! Wer also glaubt, er könne ein Bekenntnis ablegen und dann ein Leben lang auf seinen Nächsten herumhaken und beispielsweise Homosexuelle ausgrenzen, der wird wohl eines Tages dumm aus der Wäsche schauen, wenn ihm sein Bekenntnis vor die Füsse geworfen wird mit den Worten: “Wer bist Du, ich kenne Dich nicht” (Mt 25,31). Aber das nur als Zwischenbemerkung, gehen wir zurück zum Thema.

Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder angetan habt,
das habt ihr mir getan!
(Matthäus 25,40)

Bibel ernst genommen: Alles oder Nichts

In einem hatte Paulus sicherlich Recht. Wenn man sich unter das “Joch des Gesetzes” stellt, dann muss man jedes Gebot, immer und jederzeit einhalten. Wer also glaubt, er könne Schweinefleisch und Meeresfrüchte essen und dürfe am Samstag (Sabbath) einkaufen gehen, wer all das tut und gleichzeitig Homosexuelle verteufelt, ausgrenzt und diskriminiert, der treibt Schindluder mit der ihm angeblich heiligen Schrift.

Wer aber Jesus nachfolgt, nicht ihn anbetet sondern ihm wahrhaft nachfolgt, wer seinen Nächsten bis hin zu seinen Feinden liebt, wer nicht über Andere richtet und Anderen vergibt, der kann nicht plötzlich kleingeistig eines dieser 613 mosaischen Gebote herauspicken und damit Anderen das Fegefeuer androhen.

Ich rede aber nicht von deinem eigenen Gewissen,
sondern von dem des anderen;
denn warum sollte meine Freiheit
von dem Gewissen eines anderen gerichtet werden?
Und wenn ich es dankbar geniesse,
warum sollte ich gelästert werden
über dem, wofür ich danke?
(1.Kor 10,29-30)

Wer das tut, macht sich zum Pharisäer, der ein einst postuliertes Reinheitsgebot über die Nächstenliebe stellt. Gott ist Liebe, verkündet der Apostel Johannes kurz und bündig. Wann auch immer zwei Menschen sich lieben und ein Dritter kommt hinzu und verdammt sie um ihrer Liebe willen, immer dann wird ein weiterer Nagel in den Körper von Jesus getrieben, immer dann wird die Liebe Gottes verspottet………… immer dann, legt er Zeugnis ab, dass er nicht im Geringsten verstanden hat, was Jesus predigte und wofür er gestorben ist.

Du hast Glauben?
Habe ihn für dich selbst vor Gott!
(Röm 14,22)

Der sinnlose Kampf für eine bessere Welt

Mein ganzes Leben lang war ich getrieben, kämpfte jahrzehntelang einen Krieg der scheinbar nicht gewonnen werden kann. Vom klein an glaubte ich, dass man diese Welt verbessern kann, Jahrzehnte habe ich damit verbracht, genau das zu tun. Und je länger desto mehr fühle ich mich als würde ich versuchen, Schildkröten das Seiltanzen beizubringen. Nachwievor finde ich mich in einer Welt, die in ihrer Grausamkeit und Idiotie selbst die Hölle zu einem Kaffeekränzchen macht und ich beginne aufzugeben, weil ich an diese einst erträumte bessere Welt nicht mehr zu glauben vermag. Die Frage drängt sich auf, ob ich diesen Irrsinn beenden soll und anstelle dessen wie die Meisten einfach mein Leben führe, die Welt um mich herum verrecken lasse und einfach mein kleines bisschen Egoismus lebe.

In den letzten zwanzig Jahren habe ich kaum etwas ausgelassen, um meinen Irrglauben an eine besser Welt aufrecht erhalten zu können. Ich schrieb mindestens eine Hundertschaft an Leserbriefen, engagierte mich in Abstimmungen, schrieb geschätzte zwei bis drei tausend Forumbeiträge, kettete mich an Eisenbahngeleise und liess mich dafür vor Gericht zerren. In dieser Zeit entstanden eine Unzahl an Internetseiten, in denen ich versuchte aufzuklären, über Umweltzerstörung, über die politische Vergiftung dieses Landes und vieles mehr.

Das Einzige was ich dabei sichtbar erreichte, waren Morddrohungen von SVP-Sympathisanten, die nicht einsehen konnten, dass jemand in einer Leserbriefspalte seine Meinung kundtut, ich wurde vor Gericht verurteilt, weil ich versuchte zu verhindern, dass illegale Gentech-Soja ins Land gebracht wurde oder Atommüll widerrechtlich ins Ausland verschoben wurde. Und nun, als Höhepunkt dieses Irrsinns, wird eine alte Website von mir systematisch angegriffen und ich habe damit mal schnell rund tausend Dollar verloren und wenn ich nichts unternehme, werde ich von nun an scheinbar jeden Monat tausend Dollar ausgeben müssen, damit ich das Recht auf freie Meinungsäusserung weiterhin wahrnehmen darf. In was für einer Scheisswelt leben wir eigentlich?

Etwa zwei Jahre lang habe ich ein öko-politisches Blog geführt, in dem ich zugegebenermassen mit harten Bandagen kräftig Ohrfeigen verteilt, vorallem an Umweltverschmutzer, deren Lobbyorganisationen und an politische Brandstifter vom Schlage einer SVP. Genau diese Website wird scheinbar seit über einem Monat attackiert. Rund zwei Millionen Seitenzugriffe erfolgten seit Anfang letzten Monats, was 4000 Gigabyte Datenverkehr verursachte, was mich so an die 1500 Dollar kostet. Die Angriffe dauern bis heute an. In Anbetracht der Themen auf diesem Blog muss ich davon ausgehen, dass Leute der politischen Rechten mich ins Visier genommen haben und ob ich will oder nicht, ich kann mir das einfach nicht leisten, monatlich tausend Franken zu verlieren, weil irgendwelche rechten Spinner vor nichts zurück schrecken.

Allein in meinem öko-politischen Blog haben 200’000 Menschen über 300’000 Seiten angeschaut und aufgrund der Verweildauer und der teils umfangreichen Kommentiererei kann ich annehmen, dass da so Manches aufgenommen wurde. Aber was habe ich damit bewirkt?

Der Klimawandel geht weiter, wie ich schon vor Jahren durch umfangreiche Recherchen nachweisen konnte, es interessiert einfach keine Sau. Nachwievor vergiften politische Rechte in aller Welt das Volk und das wiederum lässt sich liebend gern vergiften, man mag es ja, wenn einem irgendwelche schwarz-weissen Feindbilder auf den Tisch gelegt werden. Täglich werden unzählige Kinder sexuell missbraucht und unzählige Frauen werden Opfer von Gewalt. Krieg ist nachwievor die einzige Argumentationsweise, die all die von Männern dominierten Gesellschaften verstehen. TAGTÄGLICH VERHUNGERN 10’000 KINDER UND 25’000 ERWACHSENE, in einer Welt die in Überfluss ersäuft, während wir uns hier über Kopftücher, Billigsprit und Sushi-Saucen Gedanken machen. Amerika foltert weiter in Guantamo Menschen, während Israel mit militärischen Mitteln Hilfslieferungen (Nahrungsmittel und Medikamente) blockieren. Was für ein Irrsinn hat die menschliche Spezies erfasst, dass wir derart entartet sind? Und wie blöd muss ich sein um mir einzureden, dass irgend eine Macht daran etwas ändern könnte? Und wie komme ich auf die Idee, dass ich das verändern kann, was nicht mal Nobelpreisträger verändern können?

Wie oft will ich mich noch über grenz-debile Zeitungskommentare und diesen ganzen politischen Irrsinn ärgern? Wielange will ich noch die einsame Ruferin in der Wüste spielen, wo ich doch offenbar von Taubstummen umgeben bin?

Das Verrückte ist: Ich weiss, dass wir unseren Strom problemlos aus Alternativenergien fördern können und auf all diese dreckigen Risikotechnologien verzichten könnten. Ich weiss, dass wir gar keine Nahrungsmittelknappheit haben sondern nur alles Essen ungerecht verteilt ist. Ich weiss, dass man(n) Konflikte auch ohne Waffen lösen könnte. Ich weiss, dass die Politik sich ändern würde, wenn wir anstelle von lobbyierenden Wirtschaftsvertreter endlich Volksvertreter in die Parlamente wählen würden. Ich weiss, dass die postulierten Menschenrechte reichen würden, damit alle Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können. Und ich weiss es nicht nur, ich schreie es laut in die Welt hinaus, seit zwei Jahrzehnten. Und wozu?

Wenn ich alle Internetseiten addiere, dürfte etwa eine halbe Million Menschen schon von mir gelesen haben. Vermutlich ist es nochmal eine halbe Million, die Forenbeiträge von mir las. Und es sind mehr als eine Million Menschen, die schon in Zeitungen Leserbriefe von mir gelesen haben. Bewirkt habe ich damit nichts. Ich reihe mich nur ein in die lange Liste derer, die der Illusion folgten, die Menschheit könnte sich verbessern.

Bis jetzt war nur die Frage, wie lange ich diesen ganzen Scheiss noch ertragen kann. Vielleicht war auch die Frage, wie lange es geht, bis ich eines Tages aus dem Haus geh und den Schädel eingeschlagen bekomme. Nun hat sich diese Frage erweitert um die Frage, wie lange ich noch rechtsmilitante Hackerangriffe finanzieren kann – ein paar Monate, dann bin ich bankrott.

Ich werde mir nun gründlich überlegen müssen, wie es mit meiner Weltverbesserei weiter gehen soll. Vermutlich werde ich all diese Webseiten löschen, weil ich solche Angriffe nur so verhindern kann und weil ich nicht mehr daran glaube, dass der Mensch noch dazulernt, bevor wir uns selbst und alles was uns umgibt in Schutt und Asche legen. Damit zerstöre ich sozusagen mein gesammtes Lebenswerk. Alles woran ich geglaubt habe, alles wofür ich kämpfte, wird mit wenigen Delete-Tasten verschwinden. Und die Frage, wozu ich überhaupt hier war und all das ertragen habe, wird zur kafkaesken Groteske.

Auch in diesem Blog ging es vorallem darum, aufzuklären und so für transsexuelle oder sonstwie andersartige Menschen ein klein wenig Verständnis und Menschenwürde zu erkämpfen. Ob ich das noch weiter führe, kann ich momentan nicht wirklich beurteilen. Ein klein wenig Glauben an die Menschheit würde es brauchen, um mir weiterhin die Energie zu geben, das Unmögliche anzustreben, aber dieses Wenige fehlt mir langsam aber sicher.

Vielleicht wäre es an der Zeit, die Welt aufzugeben, so wie es Gott scheinbar schon vor langer Zeit getan hat. Vielleicht sollte ich einfach mein kleines, unbedeutendes Leben leben und Andern gleich, warten auf die Sintflut, die wir uns selbst bereiten.

PS: wie bestellt zu diesem Beitrag erscheint mal wieder ein Blick-Artikel, dessen Titel all das was ich hier geschrieben habe schon fast theatralisch unterstreicht:
Richter begnadigt Transe – zu gefährlich
Mir ist übel, ich geh ins Bett!

Zeit für mich selbst – weil ich es mir wert bin!

Der gestrige Abend hat mir definitiv klar gemacht, dass es an der Zeit ist, mich endlich voll und ganz auf mich zu konzentrieren. Vor mir liegt eine enorme Herausforderung, die Vollendung einer Metamorphose, wie es sie kaum gibt auf dieser Welt. Nicht nur, dass ich körperlich hart an die Grenzen gehen werde, auch psychisch und emotional wird eine ganz neue Welt auf mich zu kommen und ich werde viel Zeit und Energie brauchen, um mir all dem klar zu kommen. Diese Zeit muss und will ich mir gönnen – eben weil ich es mir wert bin. Viel zu lange habe ich überall gekämpft wo es ging, habe mich für Gott und die Welt eingesetzt. Das werde ich auch in Zukunft machen, es ist mir zur Berufung geworden. Aber jetzt kommt eine Zeit, in der die Welt mal ohne mich streiten muss. Ich habe mir mein Leben erkämpft und mein Leben hat es verdient, dass es gelebt wird, von ganzem Herzen und aus tiefster Seele.

Die GaOp selber wird sicher hart und die Genesungszeit anschliessend wird mir auch arg zusetzen. So sehr ich mich auch darauf freue und so sehr ich auch glücklich sein werde, es bleibt eine enorme Herausforderung. Von anderen, die diesen Prozess hinter sich haben, weiss ich, dass man sehr viel Zeit braucht um “den neuen Körper” kennenzulernen, sich einzuleben in diese erstmalige Richtigkeit. Ich habe vier Jahrzehnte in einer Spannung gelebt, der Diskrepanz zwischen Innen und Aussen. Diese löst sich bald auf und ich werde mich erstmals ganz fühlen – aller Narben zum Trotz. Aber diese Ganzheit ist mir fremd und es wird viel Selbsterfahrung brauchen, bis ich das alles verinnerlicht habe.

Die Zeit nach der GaOp wird mir sehr zusetzen, das wurde mir von verschiedenen Menschen angekündigt. Die Narkose selbst erschöpft einem nachhaltig und alle neuen Eindrücke müssen verarbeitet werden. Wenn ich mich in dieser Zeit wie mein ganzes Leben lang in Kämpfe verwickle, wenn ich ärgerliche Studien lese, noch ärgerlichere Zeitungsberichte u.s.w. dann werde ich all die Energie verheizen, die ich dringend brauche.

So sehr ich mich auch darauf freue, ich kann nicht leugnen, dass ich enorme Risiken eingehe. Ich kann nicht ausschliessen, dass etwas schief läuft, dass ich vielleicht schwere Komplikationen erlebe, dass ich vielleicht lebenslange Behinderungen ernte, ich kann nicht mal sicher sein, dass ich die Operation überlebe. Ich vertraue zwar auf die Ärzte und vertraue auch auf mich selbst, aber ich müsste mich belügen, wenn ich abstreiten würde, dass diese Risiken bestehen. Gerade deshalb ist nun Vorsicht gefordert. Mein Körper ist massgebend, ob alles gut rauskommt oder nicht. Und mein Körper – das weiss ich mehr als genug – ist so stark wie meine Seele stark ist. Es liegt vorallem an mir, wie dieser Prozess sich entwickelt. Ich habe sehr gute Chancen, dass alles gut kommt, aber nur wenn ich mir wirklich Sorge halte und mich psychisch, emotional und auch spirituell voll und ganz darauf konzentriere.

Deshalb habe ich mich entschlossen, mich in mich selbst zurück zu ziehen und mich von nun an zurückhalte mit Öffentlichkeitsarbeiten und sonstigen Grabenkämpfen. Diese Zeit die kommt, ist enorm wichtig für mich, sie wird wunderschön sein wie eine zweite Geburt, sie wird aber auch schwer sein wie die Wehen die jeder Geburt vorangehen.

Es ist nun kein Monat mehr bis zur GaOp, diese Zeit werde ich nutzen um in mich zu gehen und Kräfte zu sammeln. Es gibt viel nachzudenken und es scheint mir wichtig, dass ich mich wieder vermehrt mit meiner inneren Spiritualität verbinde. Schliesslich ist meine Neugeburt ein höchst spirituelles Erlebnis, das muss auch entsprechend gewürdigt werden.

Diese zwei Jahre waren sehr sehr anstrengend, es war ein permanenter Kampf. Ich musste ein Selbstbewusstsein aufbauen aller Stigmatisierung zum Trotz. Ich musste lernen, mich selbst zuzulassen, allen Gelächters zum Trotz. Ich musste mich durch menschenrechtswidrige Behandlungsstandards pressen lassen ohne dabei zu deformieren. Und ich musste sehr viel lernen, von banalen Schmink- und Kleidungsfragen bis hin zu einer Überlebensstrategie unter erschwerten Umständen. All das habe ich geschafft und darauf bin ich wirklich stolz. Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen. Ich habe es gewagt und das Unmögliche wurde Realität. Aber all das hat mich erschöpft, ich bin des Kämpfens müde und ich bin des Ärgers überdrüssig. Es wird Zeit, mich in den Cocoon zu legen, zu ruhen und mich dieser letzten Metamorphose hinzugeben.

Dementsprechend wird es auch hier in nächster Zeit wieder einen neuen Wind geben. Wie sich das genau auf meine Schreiberei auswirkt, weiss ich selber noch nicht. Aber ich weiss, dass ich es mir die nächsten Monate nicht leisten kann und will, mich weiter mit Menschenrechten und faktenresistenten “Fachleuten” herumzuärgern.

Ich entsage somit für eine begrenzte Zeit der Welt und ihren Problemen, es geht jetzt nur noch um mich. Die nächsten Monate werden das Fundament, auf dem meine Zukunft steht. Wenn ich mich in dieser Zeit verheize anstatt mich um mich selbst zu kümmern, wird meine Zukunft auf wackligen Beinen stehen. Deshalb muss und will ich die Heiligkeit des Lebens würdigen, gerade jetzt in dieser für mich so entscheidenden Zeit.

Egoismus ist in dieser Gesellschaft verpönt, aber es gibt Zeiten, in denen man sich selbst mir Recht in den Mittelpunkt stellt. So eine Zeit steht mir bevor und ich bin es mir schuldig, mir diesen Egoismusmus jetzt zu leisten. Das was ich mir in diesem zwei Jahren erkämpft habe, ist so unsäglich wertvoll, dass es eine Schande wäre, wenn ich das jetzt nicht entsprechend würdigen würde.

Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens! Dieses wunderschöne und sinnreiche Sprichwort will ich nun ernst nehmen und in dieser Haltung verbleiben………. bis hin zur Vollendung meines Seins.

Über die Tugend der Schamlosigkeit

Nachdem ich hier in meinem GaOp Blogtagebuch jubiliert habe, dass nun auch meine Orgasmusfähigkeit als funktionsfähig betrachtet werden darf, musste ich meine Schamgrenzen mal wieder arg dehnen, fast bis hin zum Nullpunkt. Und das fühlt sich seltsamerweise sehr befreiend an. Mit meinen Tagebüchern habe ich viele Male über Dinge berichtet, die ich am liebsten für mich behalten hätte. Aber es war mir Pflicht und Berufung, die so einem Tagebuch erforderliche Ehrlichkeit zu wahren und so baute sich Grenze um Grenze ab.

Das hat mich frei gemacht, weil es mich in die Lage versetzt, mich zu sein und zu mir zu stehen, ohne abwägen zu müssen, ob ich darf oder nicht. Es gibt kein Geheimnis mehr, das ich verstecken müsste, mein Leben selbst ist legal, mit allen guten und schlechten Seiten.

Scham ist meist die Folge von Moral und diese halte ich per se für überflüssig, dämlich und lebensverhindernd. Ich rede hier nicht von Ethik, all den Grundsätzen, die ein Miteinander erst möglich machen. Ethik ist durch sich selbst bestimmt, hat in ihren wesentlichen Grundzügen nachwievor den Umfang der 10 Gebote. Moral hingegen ist gesellschaftskonstruiert und stetem Wandel unterworfen. Sie begründet sich nicht auf Notwendigkeiten sondern entspricht gesellschaftlichem Trend. Mal war es unmoralisch für eine Frau, Hosen zu tragen, mal ist es unmoralisch, wenn ein Mann Röcke trägt – ausser in Schottland, da war es unmoralisch, wenn Frauen Kilts trugen. Moral ist Quatsch, wenn man mal ernsthaft darüber nachdenkt.

Es sind moralische Normen, die uns einreden, wir müssten uns beispielsweise um unsere Nacktheit schämen – in anderen Kulturen ist es das Selbstverständlichste. Man spricht nicht über sexuelle Gefühle, in der 68er Generation wäre es befremdend gewesen, man hätte es nicht getan.

Meine Blogs haben mir eine radikale Ehrlichkeit aufgezwungen, die wohl so manchmal meine LeserInnen verblüfft. Wie kann man so weit gehen und über so intime Dinge reden?

Aber wie kann ich einen Einblick in mein Leben geben, das Leben einer transsexuellen Frau die ihre Transsexualität überwindet, wenn ich gerade intime Gefühle ausblende? Wie sollten LeserInnen je verstehen was in mir vorgeht, wenn ich schürfende Stellen auslasse?

Das Verrückte ist: was einst aus Notwendigkeit geboren wurde im Interesse dieses Tagebuchs, wurde zur Befreiung für mich selbst und hat mir das nötige Rüstzeug gegeben um mit mir klar zu kommen. So gesehen war dieses Tagebuch meine Therapie oder zumindest ein wesentlicher Teil davon. Viel zu lange musste ich mich verstecken, da kann ich mich nur befreien, in dem ich mich ganz ins Licht stelle.

Wie oft schränkt man sein Leben ein, weil man darüber nachdenkt, ob man etwas sein oder tun darf, ob es nicht jemanden stören könnte. Wie oft verleugnet man sich selbst, weil man sich beschränken muss.

Geleitet durch den Satz von Dante: “Geh Deinen Weg und lass die Leute reden”, habe ich mich durch diese Prozess gekämpft. Das hat mich diese Ehrlichkeit und Offenheit gelehrt – und das wird auch mein zukünftiges Blogtagebuch leiten – meine schamlose Ehrlichkeit – das ist ein Versprechen ;-)

Niemand soll mich für einen Narren halten.
Wenn ihr es aber doch tut,
dann lasst mich auch den Narren spielen,
damit ich ein wenig prahlen kann.

(Apostel Paulus – 2. Korinther 11,16)

Ganzheitliche Idiotie – langsam reicht’s

Ich krieg hier langsam die grosse Spinnerei, echt. Keine Ahnung was momentan los ist, aber ich reg mich so blödsinnig über alles und jedes auf, dass ich mich fühle als hätt ich Testosteron im Blut – ich sollte glaub doch mal meine Hormonwerte prüfen.

Aber vermutlich liegt es einfach daran, dass es unter den Menschen einfach zuviele Idioten gibt – oder Gott ist doch nur ein Scherzkecks – oder ich spiel die Hauptrolle in einem Versuch zur Feststellung, wie man am besten jemanden in den Wahnsinn treibt. Ich muss jetzt mal Dampf ablassen, wer es nicht verträgt, soll nicht weiterlesen.

Behörden-Idiotie
Die Sache mit der Personenstandsänderung verkommt langsam zum Schildbürgerstreich. Es war ja schon schwer zu verdauen, dass man mir zwei Jahre lang keine Möglichkeit zu einer Personenstandsänderung gegeben hat, weil ich ja schliesslich erst nach erfolgter Sterilisierung ein Existenzrecht habe. Es war noch schwerer zu verdauen, dass die Verschleppung meiner GaOp mir weiter Zeit raubte. Und nun wär ich endlich gesetzeskonform sterilisiert und nun geht der Behördenzauber los, wie man es nur in Seldwyla kennt. Vor zwei Monaten habe ich den Antrag ans Gericht geschickt, darauf hiess es, die Gemeinde hätte nun einen Monat Zeit um dazu Stellung zu nehmen. Ja aber hallo, was zum Geier sollen die da Stellung nehmen, wollen die mir erst Blumen und Glückwünsche schicken oder was gibts da noch zu sagen? Ein Monat lang tut dann niemand nix, weils der Gemeinde eh am Hintern vorbei geht und die im Gericht ja gern warten. Zwei Wochen nachdem die Frist abgelaufen ist, frag ich mal zaghaft nach beim Gericht, was denn nun sei. Ja das würde bald erledigt, sie würden noch einen Personenstandsausweis brauchen, dann würd ich das Urteil kriegen. Heute, zwei Wochen später, kommt endlich ein Brief vom Gericht……….. ich soll bei der Gemeinde einen Personenstandsausweis holen, den ans Gericht schicken und dann würde ich das Urteil bekommen. Ja sind die denn bekloppt? Wozu brauch ich einen Personenstandsausweis um eine Personenstandsänderung zu machen, glauben die, ich sei vorher ein Eichhörnchen gewesen? Und warum lassen die sich den nicht selber zuschicken und warum brauchen die 2 Wochen um mir das mitzuteilen? Ich wollte dann in der Gemeinde anrufen, 5 Minuten vor Torschluss, aber dann nimmt ja niemand mehr ab, ist ja bald Feierabend, da will man sich nicht noch Arbeit aufhalsen. Also organisier ich den Wisch morgen, schick ihn ans Gericht, damit das Zeug dann vermutlich wieder a bisserl rumliegt, bis ich es dann krieg. Und dann gibts wieder einen Monat lang Einsprachefrist, obwohl niemand einspracheberechtigt ist, aber irgendwie muss man ja die Zeit todschlagen. Ich bin es langsam sowas von leid, diese endlose Kaskade von Zeitverschleppungen, grrrrr……….

Update: habe soeben wie im Brief des Gerichts verlangt bei der Einwohnerkontrolle des Wohnorts angerufen, die erklärte dann, ich müsse das in der Bürgergemeinde bestellen. Jo klar, die sind doch alle komplett verblödet, echt.

Medizin-Idiotie
In letzter Zeit bin ich extrem erschöpft und ich nahm an, dass das mit der Op zu tun hat. Aber langsam habe ich den Verdacht, dass ich hormonell unterversorgt bin. Seit der Op krieg ich noch 2mg Estradiol, vor der Op waren es 8mg. In der Regel kriegt man nach der Op 4mg. Ich vermute, dass man wegen dem Thromboserisiko nach einer Op tiefer dosiert. Aber diese Scherzkeckse geben mir Pillen anstatt Pflaster, obwohl Pflaster ein deutlich geringeres Thromboserisiko hätte. Was ist das denn für eine bekloppte Logik? Man gibt Medikamente, die ein höheres Risiko haben, senkt aber die Dosierung, weil das Risiko zu gross ist mit dem Medikament, das ein höheres Risiko hat? Dass ich seit einem Jahr nicht mehr dort war, niemand auf die Idee kommt, man könnte mal wieder die Blutwerte prüfen, passt irgendwie zum Ganzen. Ich hab jetzt nochmal via Mail angefragt, ob ich nicht doch Pflaster krieg, falls das nicht klappt, werde ich wieder Selbstversorgerin.

Behandlungs-Idiotie
Und das reisst wieder alte Wunden auf, die Frage warum eine Gesellschaft nur nicht-reproduktionsfähige Transsexuelle duldet, warum man Transsexuelle durch ein Dickicht von Gutachterschikanen, Zeitverschleppungen und lebenserschwerenden Zwangsmassnahmen wie den Alltagstest manövriert, warum transsexuelle Menschen die Einzigen sind, denen man lange Zeit medizinische Hilfe verweigert, für die ratifizierte Menschenrechtskonventionen nicht gültig sind, warum die Psychologen-Sekte wider besseren Wissens die Psychopathologisierung aufrecht hält und doch nicht konsequent genug ist und uns allen mit einer Bohrmaschine das Hirn rausfräst – das und vieles mehr ist total frustrierend und es macht wütend, mit jedem Text den ich lese ein wenig mehr.

Journalisten-Idiotie
In den letzten Wochen gabs in der Medienlandschaft einige Gelegenheiten, bei denen Journalisten wieder mal ihre Unfähigkeit darlegen konnten, indem sie über das Thema Transsexualität berichteten (beispielsweise die Sache mit dem Verfassungsgericht). Man glaubt echt nicht, was für eine Hirnlosigkeit sich da präsentiert. Die “eingetragene Partnerschaft” wird lapidar als Homo-Ehe betitelt, über transsexuelle Frauen spricht man gerne in der männlichen Form, Schundblätter wie Bild und Konsorten können auch im Zusammenhang mit einer transsexuellen Frau von Kuriosität sprechen und so weiter. Es zeigt sich immer und immer wieder, dass die Bevölkerung mit medialem Unsinn bombardiert wird und wir Betroffenen müssen uns dann wundern, dass niemand uns versteht.

Religions-Idiotie
Aber wer das Internet etwas im Auge hat wie ich, findet da noch viel Übleres, spätestens wenn man sich versehentlich mal in ein christliches Forum verirrt wie beispielsweise dieses hier, wo Transsexualität in den Köpfen von Verwirrten als satanische Lebensweise verstanden wird. Bei soviel christlicher Nächstenliebe bin ich echt zutiefst gerührt, beispielsweise bei solchen Zitaten:

Gott hasst Wesen wie dich. Du kannst ihn noch so sehr lieben, er wird dich niemals ins Himmelreich aufnehmen. Du hast eine Strafe erhalten für dein schändliches Verhalten oder das eines deiner Familienmitglieder.

Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen – das kann nciht Gottes Willen sein, dass solche Kreaturen und Mißgeburten auf Gottes Erdboden herumkrauchen.

Im Bewusstsein, was Jesus wirklich gepredigt hat, kommt mir bei so Äusserungen da kalte Kotzen!

Selbst-Idiotie
All das und tausend andere Widrigkeiten lassen mich selbst im Kreis drehen und ich werd langsam wirr im Kopf, so sehr, dass ich hinundher gerissen bin zwischen dem Aufbau eines neuen Blogs und der Frage, ob ich mit dem ganzen Scheiss nicht einfach aufhören soll. Grundsätzlich habe ich nunmal das Bedürfnis, zu schreiben was ich denke, das ist mir zur Gewohnheit und irgendwie auch zur Berufung geworden. Anderseits rege ich mich viel zu sehr auf, wenn ich mich mit all dem Quatsch beschäftige. Was bringt es, wenn ich für Verständnis werbe, wenn ich doch annehmen muss, dass es noch hundert Jahre geht, bis auch transsexuelle Menschen von einer medial der Verblödung preisgegebenen Mehrheit respektiert werden? Was bringt es, ständig gegen Windmühlen anzurennen? Wozu kämpfe ich für das Recht auf Selbstbestimmung, wenn es in den eigenen Reihen Leute gibt, die sich für die staatlich geforderte Sterilisierung einetzen? Warum soll ich Medien darauf hinweisen, dass sie transsexuelle Menschen nicht mit dem Schimpfwort “Transe” betiteln, wenn es Betroffene gibt, die sich selbst so verkaufen? Und so schlägt’s mich von einer Seite zur Anderen, zwischen überzeugtem Weitermachen und resignierter Aufgabe.

Summen-Idiotie
Das sind nur ein paar Perlen in diesem ganzen Irrsinn, da ist soviel Ärgerliches, dass ich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe. Irgendwie überfordert mich die Summe des Ganzen grad gehörig und ich muss mir ernsthaft überlegen, wieviel ich mir da in Zukunft noch auflade. Die Behörden-Idiotie wird irgendwann ein Ende nehmen, die Medizin-Idiotie lässt sich durch Selbstversorgung ersetzen – und der ganze Rest – kann ich den ändern? Warum soll ich mich da überhaupt noch aufreiben? Ich habe mein Ziel bald erreicht, kann mein Leben nun mir gemäss leben. Was geht mich das Universum und der ganze verdammte Rest überhaupt an? Muss ich wirklich die Augen verschliessen vor all dem, was schief läuft auf dieser Welt? In meiner eigenen kleinen Welt ist so vieles in Ordnung, da lässt es sich leben, da kann und darf ich sein. Aber wie soll ich mein Leben leben und geniessen, wenn ich mich nur ständig über all den Irrsinn aufrege, der mich eigentlich nicht mehr wirklich betrifft?

All das kann ich momentan nicht beantworten, es überfordert mich total, aber ich spüre langsam die Grenzen des Erträglichen einbrechen. Das erinnert mich spontan an einem zugegebenermassen blöden Spruch, den ich mal auf einem T-Shirt hatte:

Mit jedem Tag meines Lebens
erhöht sich zwangsläufig die Anzahl derer,
die mich am Arsch lecken können.

aber – mit Verlaub – irgendwie hat’s schon was.

Warum muss sie den höchsten Preis zahlen?

Als ich mich zu diesem Weg entschied, stand ich mit dem Rücken zur Wand. Es gab keinen Ausweg mehr, entweder ich lebe fortan als mich selbst oder ich lebe gar nicht mehr. Das gab mir den Mut der Verzweifelten, trieb mich an das Unmögliche zu wagen. Der Preis würde unsagbar gross sein, das war ich mir bewusst. Und ich war bereit, jeden Preis zu zahlen, selbst mein Leben habe ich in die Wagschale geworfen. Vielleicht verliere ich Freunde, vielleicht verliere ich den Job, nun denn. Ich muss mich darauf einstellen, ausgelacht und verhöhnt zu werden, aber wieviel wertvoller ist es, wenn ich mich selbst annehmen kann, als dass Andere mich ablehnen? Egal was es kostet, egal wie weh es tut, egal wie grausam es sein wird, ich musste diesen Weg gehen, koste es was es wolle.

Aber dass nicht ich den höchsten Teil des Preises bezahle sondern meine eigene Tochter, die ich mehr liebe als mein Leben, das zerreisst mich immer wieder, gerade heute, nachdem ich zu hören bekam, wie traurig und verzweifelt sie ist, wie sehr ich ihr fehle und wie unmöglich es zu sein scheint, dass sie mir begegnen kann. Seit letztem Frühjahr haben wir uns nicht mehr gesehen oder gehört, seit damals, als es ihr zuviel wurde und sie sagte, sie wolle oder könne nicht mehr zu mir kommen. Ich liess sie los um ihretwillen, hielt mich fest an der Hoffnung, dass wir irgendwann wieder einen Weg zu einander finden und hielt mich fest am Glauben, dass es vielleicht besser ist für sie, wenn sie nicht mehr ständig mit mir resp. meiner Transsexualität konfrontiert wird. Vielleicht muss sie mich eine Weile vergessen, um dem Schmerz und der Verzweiflung zu weichen, vielleicht ist es ja besser für sie so.

Doch die Entwicklung, die sie durchmacht, spricht eine andere Sprache. Es stärkt zwar die Hoffnung, dass wir wieder einen Weg zu einander finden, weil ich offenbar doch nicht “ausgeblendet” bin, aber mein Irrglaube, sie könnte ohne mich besser mit dem Leben klar kommen, erweist sich als eine trügerische Illusion.

Warum muss sie den höchsten Preis bezahlen, warum nicht ich? Es ist mein verdammtes Leben, mit dem sich Gott diesen zynischen Spass erlaubt hat, mir steht die Herausforderung zu, mit diesem Irrsinn meines Lebens klar zu kommen. Ich bin stark genug um dieser göttlichen Ironie zu trotzen und meine Seele ist reich genug, um jeden Preis zu bezahlen, um mein Ich-sein zu verwirklichen und es ist mein Herz, das genug Blut in sich trägt um all den Schmerz und die Verzweiflung aus sich ausbluten zu lassen. Aber warum sie, warum muss ihr Herz um meintwillen zerrrissen werden?

Transsexuell geboren zu werden ist weiss Gott grausam genug, dieser göttliche Kreativitätsirrsinn sollte doch wirklich genug sein, warum muss dann auch noch die eigene Tochter zerrissen werden in diesem Schachspiel göttlicher Ironie?

Ich hätte mir gewünscht, dass sie mich vergessen kann, ich hätte sogar diesen Preis bezahlt und auf das Meistgeliebte verzichtet, wenn sie dafür wenigstens verschont geblieben wäre. Aber die Spielregeln des Seins sind weitaus brutaler als man ertragen kann.

Ich konnte verzeihen, dass sich Gott mit meiner Existenz so einen derben Spass erlaubt hat, ich konnte auch verzeihen, dass ich zusätzlich noch in einen Kulturraum gesetzt werde, in dem Andersartige wie ich der Abartigkeit bezichtigt und verspottet werden. Aber dass der Preis für die Würde meines Lebens mit ihrem Blut bezahlt wird, das bringt mich an die Grenze der Fähigkeit, zu verzeihen – das ist meine eigene, ganz persönliche Theodizee-Frage in potenzierter Form – die Frage ist nicht mehr, warum Gott Leiden zulässt, die Frage ist, warum Gott Leiden verursacht.

Seltsamerweise kann all dies meiner Liebe zu Gott keinen Abbruch bescheren, aber soviel ist klar: Wenn ich eines Tages vor dem Schöpfer stehe, werde ich ihn als Erstes sowas von in den Arsch treten, dass ihm hören und sehen vergeht. Vielleicht begreift er dann endlich, dass seine Vorstellungen von Humor hier auf Erden nicht wirklich geschätzt werden.

Bitte verzeih mir, meine über alles geliebte Tochter, ich hätte Dir das alles so gern erspart, aber ich hatte wirklich keine Wahl mehr, ich hätte Deinen Vater getötet, wenn ich nicht diesen Weg gegangen wäre……… I love you!

Can you forgive me again?
I don’t know what I said
But I didn’t mean to hurt you

I heard the words come out
I felt that I would die
It hurt so much to hurt you

Then you look at me
You’re not shouting anymore
You’re silently broken

(Evanescence — Forgive Me)

Nachtrag: falls der liebe Gott hier mitliest, dann hör mir mal genau zu: Glaub nicht, dass Du uns mit all dem Scheiss brechen kannst, es wird Dir nicht gelingen, weil unsere Liebe stärker ist als alles Andere, selbst stärker als Deine idiotische Vorstellung von Humor. Wir werden wieder einen Weg zu einander finden und dann werde ich sie lehren, Deinem verblödeten Humor zu trotzen. Ich werde aus ihr ein genauso renitentes Biest machen wie das von Dir gegebene Leben aus mir eines gemacht hat. Egal was Du uns noch auferlegst, unsere Liebe wird es überstehen.



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