T-Girl Diana

Tagebuch einer transsexuellen Frau

Freikirchen gegen Euro-Pride

Einmal mehr bin ich entsetzt darüber, dass freichristliche Fundamentalisten mit allen Mitteln gegen die Euro-Pride kämpfen. Seinen persönlichen Glauben und seine Wertvorstellungen anderen aufzwingen ist m.E. ein Taliban-Denken, das ein Fall für den Psychiater oder den Richter ist. Apropos Richter, wer hat diese Fundamentalisten eigentlich zum Richter über diese Welt ernannt?

Nur indem religiös Gläubige darauf verzichten,
ihre Überzeugung vom Besitz der Wahrheit andern aufzuzwingen,
werden sie unter der Herrschaft der Menschenrechte frei,
eben dies zu glauben, ohne dabei bedroht zu werden.

(Hubert Markl, Max-Planck-Gesellschaft)

Mystik der Zärtlichkeit

mystik-zaertlichkeitManchmal an so Tagen wie diesen frage ich mich, weshalb und wozu man eigentlich eine Beziehung sucht. Wenn man es ganz pragmatisch sieht, könnte man auch gut ohne das auskommen. Man hat allein mehr Zeit für sich, muss auf nichts Rücksicht nehmen, keine Kompromisse eingehen, nicht streiten…….. reden kann man mit Freunden, lachen ebenfalls und gemeinsam etwas unternehmen grad sowieso. Wozu also Liebe?

Vieles in Beziehungen ist ersetzbar und auf vieles könnte man verzichten, nur bei einem bleibe ich immer wieder hängen, so als wäre es das Zentrum dieses unwiderstehlichen Sogs, der einem immer wieder ins Land der Schmetterlinge entführt: Zärtlichkeit.

Warum Zärtlichkeit, frage ich mich, was soll daran so toll sein? Eine Antwort habe ich nie gefunden und doch habe ich die Gewissheit, dass ich genau das so sehr brauche wie die Luft zum atmen. Es ist das einzige, das nicht ersetzt werden kann und auf das zumindest ich nicht verzichten kann.

In den Armen zu liegen oder sich aneinander zu kuscheln sind für mich der Inbegriff des Glücklichseins, es ist ein Gefühl das einfach alles übersteigt. Aber was in aller Welt ist das, diese Zärtlichkeit?

Es ist nicht die körperliche Berührung selbst, wäre dem so, könnte man sich auch selber streicheln. Zärtlichkeit ist da offenbar anders gelagert als Sexualität. Zärtlichkeit ist Ausdruck tiefer Gefühle und liebevoller Nähe, sie ist eigentlich nur Repräsentation eines dahinterliegenden Gefühls….. sie ist unmittelbarer Ausdruck von Liebe.

Aber wenn Zärtlichkeit Ausdruck von Liebe ist und Liebe eigentlich ersetzt werden könnte, ausser eben was Zärtlichkeit anbelangt, die wiederum nur Ausdruck von Liebe ist und Liebe eigentlich……… und damit. liebe LeserInnen, befinden wir uns inmitten von Mystik, an dem Punkt an dem wir anerkennen müssen, dass es Dinge gibt, die mit unserem Verstand nicht mehr greifbar sind.

Johannes vom Kreuz, der christliche Mystiker und Gründer des Karmeliter-Ordens schreib ein wunderschönes Gedicht, in dem es um die Unio-Mystica geht, die Vereinigung mit Gott……. aber ich finde, dass es auch sehr gut in dieses Thema passt.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.

Blöd hä, wenn man beginnt etwas zu begreifen und es doch nicht im Geringsten versteht ;-)

Adam, Eva und die Vollkommenen – Transsexualität aus biblischer Sicht

adam-eva-und-die-vollkommenenZumindeset religiöse Transsexuelle dürften sich früher oder später mit der Frage beschäftigen, wie Transsexualität denn aus biblischer Sicht zu beurteilen ist. Mir sind keine Bibelstellen bekannt, die speziell über dieses Thema sprechen, aber es gibt zumindest in der Schöpfungsgeschichte etwas, das uns diesbezüglich zu denken geben könnte, wenn wir uns denn erdreisten würden, das Denken zu wagen.

Die Bibel bietet an vielen Stellen kleine Orakel, Dinge über die man wirklich nachdenken muss, um einen auf den ersten Blick simplen Satz zu ergründen. Leider sind gerade solche Stellen oft schlecht übersetzt – solche geglätteten Stellen lassen jedoch keinen Zugang mehr zu zum innewohnenden Sinn. Es ist nunmal nicht dasselbe, ob Gott Himmel und Erde erschaffen hat oder ob Himmel und Erde aus Gott hervorgegangen ist. Ersteres ist weitum bekannt, zweiteres jedoch korrekt.

Nun gibt es in ebendieser Schöpfungsgeschichte diese etwas obskure Sache mit Adam und Eva. Jedes Kind kennt die Stelle, Gott schuf Adam, dem war’s scheisslangweilig, also klaute Gott ihm des Nachts eine Rippe und schnitzte daraus ein Weib, das sich dem Mann gefälligst unterzuordnen hat. Aber steht das so da?

Im hebräischen Text der Torah steht nichts von einer Rippe, es ist die Rede von einer Flanke, also einer Seite. Im jüdischen Textverständnis bedeutet das, dass Eva wesensgleich war mit Adam, sie ist die gespiegelte Hälfte von ihm. Da gehts nicht um Organtransplantation oder Schnitzkunst, dieser Text will einzig sagen, dass Adam und Eva zwei Hälften eines ganzen “Ur-Adams” waren.

Im jüdischen gibt es viele Namen für Gott, Bezeichnungen die die verschiedenen Aspekte Gottes benennen. Eine davon ist die Schechina, ein weiblicher Aspekt von Gott. Nach jüdischem Verständnis ist ein Mann nur mit einer Frau vollkommen, andernfalls fehlt ihm eine Hälfte. Deshalb müssen Rabbis auch verheiratet sein (Jesus war auch Rabbi, aber das sparen wir uns auf ein anderes Mal auf). Wenn nun ein Mann auf Reisen ging und seine Frau zurück lassen musste, betete er zur Schechina und bat um Begleitung, weil er ohne seine weibliche Hälfte schutzlos gewesen wäre.

Und jetzt wird’s spannend für uns T-Girls ;-)

Wenn also Mann und Frau nur zwei Hälften des “Ur-Menschen” sind, dann sind transsexuelle Menschen, die beide Geschlechtsaspekte vereinen, sozusagen die Vollkommenen. Sie sind wie Ying und Yang, Mann und Frau, sie vereinen die zwei Eckpunkte der göttlichen Schöpfung. Cool hä?

Das sollte als Rechtfertigungsgrund ausreichend sein, dass wir T-Girls fortan in allen Läden gratis Schuhe und Kleider einsammeln können, oder etwa nicht? ;-)

Ich glaub ich beginne hier eine theologische Blog-Serie, nächstes Mal gehen wir der Frage nach, wozu Gott uns T-Girls auf die Erde gesandt hat und was unsere Berufung ist.

Willkommen im Gottesstaat Schweiz

svp-und-edu-sei-dankSeit gestern Abend stehe ich unter Schock und kann es immer noch nicht fassen, Bürgerin eines Landes sein, das durch Rechtsparteien und christliche Fanatiker dermassen radikalisiert wurde. Das ist der Anfang vom Ende dessen, was einmal Grundwerte dieses Landes waren. Toleranz, Rechtsgleichheit, Religionsfreiheit und Vernunft wurden bachab geschickt. Die faschistoiden Brandstifter der SVP haben es im Schulterschluss mit den christlichen Fundamentalisten der EDU geschafft, dieses Land in einen Dreckhaufen zu verwandeln. Die Trennung von Kirche und Staat wurden aufgehoben und wir können uns nun mit Ländern wie dem Iran in eine Reihe stellen.

Nun steht in unserer Bundesverfassung, dass vor dem Gesetz alle gleich sind und etwas weiter unten steht nun, dass nur Muslime keinen Turm auf ihre Gebetshäuser stellen dürfen. Das Minarett-Verbot steht im Widerspruch zu unserer eigenen Verfassung und es steht im Widerspruch zu internationalen Menschenrechten. Dass so etwas von einer Mehrheit der Schweizer Wähler angenommen wurde, ist ein Armutszeugnis für das Schweizer Stimmvolk.

Vor fünfzig Jahren schaffte es eine Partei, ein ganzes Land so gegen eine Religionsgemeinschaft aufzuhetzen, dass es im Holocaust endete. Die SVP und ihre Lakaien sind auf dem besten Weg, dass sich die Geschichte wiederholt.

Die Braunen dieses Landes und die christlichen Taliban haben es geschafft, der Schweiz weltweit die Fratze einer rassistischen Nation aufzusetzen, der Erfolg wird sie weiter treiben und wenn nicht noch ein Wunder passiert, werden diese Kreise den Ruf dieses einst angesehenen Landes in Schutt und Asche legen…… und es vielleicht irgendwann sogar schaffen, aus diesem Land ein neues Nazi-Reich zu machen.

Zum ersten Mal in meinem Leben schäme ich mich abgrundtief dafür, Schweizer Bürgerin zu sein….. und ich habe Angst davor, was diese politischen Brandstifter als Nächstes machen und wie weit sich das Schweizer Volk von diesen Wahnsinnigen noch fanatisieren lässt.

Stoeps hat einen sehr guten Kommentar in seinem Blog geschrieben, den ich hier gerne weiterempfehle:
La Suisse n’existe plus!

Und wer wissen möchte, was für ein Bild die Welt von nun an über die Schweiz und ihre Bewohner hat, der kann sich hier mal ein Bild verschaffen:
Spiegel: Die Schweiz wählt die Islam-Angst
Berliner Tagesspiegel: Minarett-Abstimmung: Mit dem Rücken zur Welt
Stuttgarter Zeitung: Eine Schande für die Schweiz
Welt online: Die Schweiz fällt hinter die Aufklärung zurück
Zeit online: Ein schwarzer Tag
Süddeutsche Zeitung: Wut und Frust in der Schweiz
Times: Intolerance of Islam
Guardian: Switzerland: Hatred beneath the harmony
Washington Post: Switzerland votes to prohibit the building of mosque minarets
Los Angeles Times: Swiss voters OK ban on minarets

UPDATE 2.12.2009: Weil mich diese Entwicklung so beschäftigt, habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht:
Wer Verstand hat, der möge nachdenken

UPDATE 3.12.2009: Die Menschenrechtsorganisation AVAAZ ruft zum Online Protest auf. Wer mit seinem Namen einstehen möchte, kann sich hier eintragen:
AVAAZ.org: Minarett-Ban – not in my name

Wer Verstand hat, der möge nachdenken

inquisition-folter-1Nachwievor stehe ich unter Schock, dass das Schweizer Volk diesem primitiven Minarett-Verbot zugestimmt hat und sich so zum Handlanger rechter Brandstifter und religiöser Fanatiker machen liess. Seit Sonntag denke ich viel darüber nach und mir wird speiübel, je mehr ich darüber nachdenke.

Ich habe diese Abstimmung vom Vorfeld und im Nachhinein beobachtet, Artikel und Kommentare von Lesern gelesen. Was mir da an Ignoranz und Dummheit begegnet ist, ist nicht zu fassen, wenn man bedenkt, dass wir im Jahr 2009 leben, lange Zeit nach der Aufklärung.

Die Argumente für diese Initiative waren von so idiotischer Natur, dass sie mir einmal mehr zeigen, dass ein Grossteil der Menschen zwar einen Verstand hat, ihn aber nur in Ausnahmefällen nutzt. Es reicht Vielen, Phrasen von Parteiblättchen oder Geschwätz vom Stammtisch nachzuplappern, weshalb selber nachdenken, wenn einem doch so einfache Antworten ins Hirn getrichtert werden?

Ich möchte an diesem Beispiel mal zeigen, wie vernunftresistent Menschen sein können, deshalb liste ich hier ein paar “Argumente” auf, die ich den letzten Wochen tausendfach las und versuche zu erklären, was daran falsch gedacht ist.

Weshalb sollen wir Minarette erlauben, solange Moslems keine Kirchen erlauben?
Ethische Grundsätze sind eine persönliche Haltung, die nicht von Anderen abhängig ist. Wenn wir Religionsfreiheit erst gewähren, wenn alle anderen das tun, wird niemals Religionsfreiheit entstehen, weil alle auf den Letzten warten und der wird nie kommen weil er wiederum auf die Ersten wartet.

Wenn andere etwas falsch machen, ist das kein Grund, denselben Fehler den wir anprangern, nun selbst zu machen. Oder sollen wir wieder Folter einsetzen, solange die Amis Guantamo nicht schliessen? Sollen wir die von Moses gebotene Steinigung wieder einführen, solange bis das letzte Land auf die Todesstrafe verzichtet? Wir haben ethische Grundsätze und denen sind wir verpflichtet, nicht weil andere das tun sondern weil wir sie für richtig halten. Nur so gehen wir mit gutem Beispiel voran und können darauf hoffen, dass Andere dazu lernen.

In muslimischen Ländern gibt es auch keine Kirchen
Falsch, letztes Jahr wurde sogar in Katar (Arabien) die erste christliche Kirche eröffnet, zwar ohne Kirchturm, aber immerhin. Offenbar beginnen diese Länder, langsam umzudenken und sich zu öffnen. Mit diesem Minarettverbot haben wir den reformwilligen Moslems gezeigt, dass wir uns auch einen Dreck um Religionsfreiheit scheren und dass auch wir die Trennung von Kirche und Staat nicht mehr ernst nehmen. Damit torpedieren wir jahrelange Verhandlungen und ein Umdenken, das zwar erst ganz am Anfang stand, das sich aber hätte entwickeln können.

Islam ist gewalttätig, im Koran steht der Beweis

So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte ein jeglicher sein Schwert um seine Lenden und durchgehet hin und zurück von einem Tor zum andern das Lager, und erwürge ein jeglicher seinen Bruder, Freund und Nächsten. (2. Mose 32,27)

Das dürfte das idiotischste Argument sein, vorallem wenn Christen sich so äussern. Erstens ist es ignorant, wenn man Sätze aus einem Buch herauszerrt, das man gar nicht kennt und sowohl Kontext als auch kulturelle Hintergründe ignoriert. Zweitens findet man genau so hässlliche Textstellen im Alten Testament der christlichen Bibel. Das ist soweit kein Wunder, sowohl Islam als auch Christentum basieren auf dem abrahamitischen Glauben und haben die mosaischen Vorschriften in ihren Texten. Fanatiker könnten sich auch auf Jesus berufen der sagte: “Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen sondern das Schwert” (Mt 10,34). Spätens seit der Inquisition wissen wir nur zu gut, dass man auch die Bibel zur Grundlage von Mord und Todschlag missbrauchen kann.

Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürgt sie vor mir! (Worte von Jesus aus Lukas 19,27 – gekonnt aus dem Zusammenhang gerissen)

Im Vorfeld dieser Initiative hatte ich mal ein Streitgespräch, jemand schmiss mit Koransuren um sich, um die angebliche Gewalttätigkeit dieser Religion zu beweisen. Ich bin alle durchgegangen, es war durchwegs aus dem Zusammenhang gerissen und fehlinterpretiert im Stil von: “Geht hin und macht sie nieder”, was als Aufforderung an Gläubige verstanden wird, in Wirklichkeit sagt Gott das zu seinen Engeln, nicht weniger grausam als in der biblischen Apokalypse. Ich könnte problemlos ein halbes Buch schreiben mit Bibelversen, bei denen einem die Haare zu Berge stehen. Stelle ich sie ausserhalb des Kontext in den Raum, wird man den christlichen Gott für absolut gewalttätig wahrnehmen.

Kopftücher dienen der Unterdrückung der Frau

Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die Frau aber ist des Mannes Abglanz. (1. Kor 11:7)

Nach mosaischer Gesetzgebung muss jede Frau ein Kopftuch tragen, das steht heute noch im Alten Testament der Christenheit und auch Paulus fordert das im Neuen Testament. Auch da kann es als Unterdrückung verstanden werden. Unsere Grossmütter trugen Kopftücher und noch heute tragen Frauen Kopftücher wenn es ihnen danach ist. Eine Bekannte von mir trägt seit ihrer Chemotherapie ein Kopftuch. Ist es da nicht grotesk, wenn diese Scharfmacher nun ein Kopftuchverbot fordern, nur um noch etwas weiter zu gehen, mehr zu provozieren, mehr Feindbilder aufbauen? Es wäre das erste Mal, dass die SVP die Interessen der Frau vertritt, Frauen gehören für diese Leute ja an den Herd. Aber wenn man Angst und Hass schüren will, prügelt man auf jedes Attribut ein, das den “Feind” kennzeichnet.

Die Scharia fordert Steinigung, Hände abhacken u.s.w.

Wenn jemand einen widerspenstigen und ungehorsamen Sohn hat, der der Stimme seines Vaters und seiner Mutter nicht gehorcht und auch, wenn sie ihn züchtigen, ihnen nicht gehorchen will, so sollen ihn Vater und Mutter ergreifen und zu den Ältesten der Stadt führen und zu dem Tor des Ortes und zu den Ältesten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist widerspenstig und ungehorsam und gehorcht unserer Stimme nicht und ist ein Prasser und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute seiner Stadt, daß er sterbe, und du sollst so das Böse aus deiner Mitte wegtun, daß ganz Israel aufhorche und sich fürchte. (5. Mose 21,18ff)

Die Scharia ist nicht Kern des Islam sondern der Koran. Die Scharia wird nur in wenigen Ländern angewandt. Ein Minarett steht genauso im Zusammenhang mit der Scharia wie ein Glockenturm mit der Inquisition. Die Scharia ist ein politisches Instrument, der Koran eine religiöse Schrift. Diese zwei Schriften zu vermischen ist wie wenn man den Hexenhammer als Bestandteil der Bibel betrachtet und somit alle Christen zum Hexenfolterer ernennt. Für die meisten Moslems hat die Scharia keine Bedeutung.

Balkan-Raser, Körperverletzungen durch Balkaner
Auch das hört man oft. Aber nur ein Teil der Balkaner ist Moslem und nur ein Teil der Moslems kommt aus dem Balkan. Das zu vermischen ist wie wenn man sagt, Amerika ist ein christliches Land, also sind Christen Kriegstreiber und foltern ihre Feinde. Oder Hitler war Christ, also ist der Papst ein Faschist. Wir haben ein Problem mit dem Agressionspotential bestimmter Kulturen und Länder, aber das ist auf die Länder und Kulturen zurück zu führen und nicht auf die Religion, die einige von ihnen haben.

Mädchenbeschneidung und Zwangsheirat
Mädchen werden mit dem Messer beschnitten und Zwangsheirat ist nur dank der Macht des Patriarchats möglich. Ersteres ist schwere Körperverletzung, zweiteres zumindest Nötigung. Beides ist hier ein Straftatbestand, er muss nur umgesetzt werden. Mädchen werden auch nicht mit Minaretten beschnitten sondern mit Messern. Glaub wirklich irgend jemand, es gäbe auch nur einen Fall weniger ohne Minarette? Oder einen mehr mit? So naiv wird ja hoffentlich niemand sein.

Das Volk hat abgestimmt, da hat das EMRK nichts dazu zu sagen
Wenn die Gesetze oder Volksentscheide eines Landes die höchste Instanz wären, bräuchte es kein internationales übergeordnetes Recht. Diese Menschhenrechte dienen genau dazu, die nationalen Rechte zu überprüfen. Selbst wenn 100% der Schweizer dafür stimmen würden, dass Invalide erschossen werden, würde dieser Volksentscheid vom EMRK verurteilt. Genau dafür gibt es diese Menschenrechte. Wir haben dieses Recht anerkannt, nur übelste Schurkenstaaten verweigern sich diesen Grundsätzen des Zusammenlebens. Und wenn nun politische Polemiker drohen, die internationalen Menschenrechte zu kündigen, ist das einfach blanker Irrsinn. In Europa gabs das erst einmal, als das griechische Militär die Regierung putschte und eine Diktatur aufrichtete. Sind wir wirklich ein Land, das nicht in der Lage ist, grundsätzliche Menschenrechte anzuerkennen? Eigentlich erstaunlich, dass nach 1945 noch jemand auf die Idee kommen kann, das Volk hätte immer Recht.

Wir brauchen keine Minarette
Nein, brauchen wir nicht, Molems brauchen auch keine Kirchenglocken, trotzdem soll es uns erlaubt sein und ihnen das Ihre. Was für eine egoistische Einstellung muss man haben für diese Haltung? Ich brauche beispielsweise kein Auto, soll ich es nun allen Autofahrern verbieten? Die Frage ist doch einzig, ob Minarette uns schaden und das tun sie definitiv nicht, weil sie nichts anderes sind als ein Symbol. Minarett heisst Leuchtturm, da sollte einem doch langsam ein Licht aufgehen.

Man sollte erst über einen Menschen urteilen,
nachdem man tausend Meilen in seinen Mokasins gelaufen ist.
(Indianisches Sprichwort)

Amen……

UPDATE 2.12.2009 Und weil Volksverhetzung und politische Brandstiftung grad so in sind, hat nun der Präsident der angeblich christlichen Partei CVP die glorreiche Idee verkündet, dass man nun auch jüdische Friedhöfe verbieten soll. Dass Rabbi Jeshua, den er unter dem Namen Jesus anbetet, selber Jude war, scheint ihn dabei nicht zu stören. Für ein paar braune Stimmen kann man auch mal die Glaubensbrüder des Angebeteten in die Pfanne hauen. Liebe Deinen Nächsten, sprach der Nazarener, was davon übrig bleibt ist nur noch “Ich bin mir der Nächste”.
Nach dem Minarett-Verbot: Darbellay auf Kreuzzug

UPDATE 3.12.2009: Offenbar grasiert hierzulande der kollektive Wahnsinn, sind wir wirklich schon so von den rechten Brandstiftern vergiftet, dass das Hirn komplett aussetzt? Gemäss Umfrage von “20 Minuten” sind 56% für ein Kopfftuchverbot. Ich hoffe, dass einer dieser 56% meiner Bekannten dann erklärt, weshalb sie nach der Chemotherapie keins mehr tragen darf. Ich fühl mich langsam wie in einem Horrorfilm, wenn das so weiter geht, sind wir bald fanatischer als die Taliban…… seltsam, dass sich niemand an den Kopftüchern von christlichen Nonnen stört.
Auch Kopftuchverbot hätte eine Mehrheit

UPDATE 3.12.2009: Die Menschenrechtsorganisation AVAAZ ruft zum Online Protest auf. Wer mit seinem Namen einstehen möchte, kann sich hier eintragen:
AVAAZ.org: Minarett-Ban – not in my name

Ein weihnachtlicher Denkanstoss für Papst Benedikt

Ehrwürdiger Papst
Anlässlich Ihrer letztjährigen Weihnachtsrede, sagten Sie wörtlich:

Es ist ebenso wichtig,
die Menschheit vor homosexuellem oder transsexuellen Verhalten zu bewahren,
wie den Regenwald zu schützen
(Papst Benedikt XVI)

offener-brief-an-den-papstIch habe Sie in den Jahren, in denen Sie das Oberhaupt der Inquisition Glaubenskongregation waren, als klugen und rationalen Denker erlebt. Sie scheinen mir nicht auf den Kopf gefallen.

Wie in aller Welt kommen Sie dann dazu, Transsexualität als Verhaltensweise zu verstehen? Haben Sie sich wirklich nie mit Transsexualität auseinander gesetzt? Und trotzdem richten Sie über Transsexuelle, deren Wesensart genauso von Gott geschaffen wurde wie die Ihre?

Keine biblisches Verbot von Transsexualität
Als Bibelkenner wissen Sie ganz genau, dass in der Bibel nichts über Transsexualität steht. Selbst Moses, der Schweinefleisch essen als kultisch unrein deklarierte und Holz sammeln an einem Samstag unter Todesstrafe stellte, kam nicht auf so eine Idee. Es gibt Menschen, die sind nunmal von Geburt an transsexuell, ob die Betroffenen das wollen oder nicht. Wenn Gott uns aber so geschaffen hat, wer glauben Sie zu sein, dass Sie über uns richten dürfen?

Moses im Übereifer – lustiges Steinewerfen für Gott
Der gute Moses hat es mit seinen Gesetzen ja arg übertrieben, das hat Jesus richtig erkannt. Gott gab Moses zehn Gebote und er machte daraus ein Gesetzeswerk mit hunderten von Vorschriften. Haben Sie je Schweinefleisch gegessen? Oder an einem Samstag (Sabbath) gearbeitet? Dann würden Sie nach mosaischem Gesetz zum Tode durch Steinigung verurteilt. Jesus hat den Widersinn dessen erkannt und reduzierte sogar die zehn Gebote auf ein Einziges: Liebe Deinen Nächsten so wie Dich selbst – damit erfüllst Du alle Gesetze und Gebote.

Jesus ernst nehmen, auch beim Thema Homosexualität
Aber Sie scheinen Jesus irgendwie nicht so richtig ernst zu nehmen. Sie hetzen gegen Homosexuelle, obwohl Jesus sich nie dazu geäussert hat und nur der übereifrige Moses Homosexualität als kultische Unreinheit deklarierte (Leviticus 18,22 und 20,13) – so wie das Essen von Schweinefleisch (Leviticus 11,7) und so wie er auch forderte, dass unartige Kinder gezüchtigt werden sollen (Deuteronomium 21,18). Haben Sie wirklich nicht bemerkt, dass Jesus alle Menschen liebte? Und hat er uns – also auch Ihnen – nicht verboten über andere zu richten?

Transsexuelle Geschöpfe Gottes
Wenn man bedenkt, dass nach aktuellem Stand der Wissenschaft Transsexualität nicht im Kopf entsteht sondern biologische Ursachen hat, dann führen Sie sich auf wie die Pharisäer, indem Sie Menschen ausstossen aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes. Ist das im Sinne des jüdischen Rabbi Jeshua, den Sie als Jesus Christus anbeten?

Transsexuelle und Umweltzerstörung….. hä?
Und wenn man bedenkt, dass Sie die globale Umweltzerstörung (sie sprachen beispielhaft von Regenwaldabholzung) mit Transsexualität und Homosexualität gleichsetzen, dann mache ich mir wirklich Sorgen um Ihre geistige Gesundheit oder um ihre Geisteshaltung. Die Umweltzerstörung – also die Zerstörung von Gottes Schöpfung – bedroht das gesamte Leben dieses Planeten. Sowohl transsexuelle als auch homosexuelle Menschen sind für niemanden eine Gefahr, sie schaden niemandem und zerstören nichts. Wenn Sie solche Menschen mit der systematischen Ausbeutung und Zerstörung von Gottes Schöpfung gleichsetzen, dann fehlen mir wirklich die Worte, um soviel Unsinn noch zu kommentieren.

Vom Kreuz steigen
Mit Verlaub, aber ich glaube, wenn Sie diese Weihnachtsrede unter dem Kreuz gehalten hätten, wäre der Nazarener vom Kreuz gestiegen und hätte Sie kräftig in den Hintern getreten und er hätte Ihnen gesagt, dass Sie nichts, auch wirklich gar nichts verstanden haben von dem, was er ein Leben lang lehrte und für das er zu sterben bereit war. Jesus predigte Liebe, Sie predigen Ausgrenzung.

Jesuanisches Denken und Ausgrenzung
Die moderne Welt braucht mehr denn je das jesuanische Denken, wir richten viel zu viel über andere, vergeben können und wollen wir schon gar nicht. Wenn Sie, als Oberhaupt der römischen Kirche, nun zum Hassprediger werden und Transsexuelle ausgrenzen und verteufeln, dann verraten Sie Jesus und entfernen sich von seiner Lehre – nein Sie entfernen sich nicht nur, sie verraten sie.

Kinder Gottes
Denn er lehrte uns, dass wir alle Kinder Gottes sind und alles von Gott Geschaffene gut ist. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um Verhaltensweisen sondern um Wesensarten und wenn Gott es gut findet, Menschen wie mich zu schaffen, dann wird das seine Ordnung haben und es steht Ihnen nicht zu, über Gottes Geschöpfe zu urteilen.

Besinnung
Ich hoffe sehr, dass Sie diese Zeit der Besinnung nutzen und sich wieder an die Werte der jesuanischen Nächstenliebe erinnern und bei der diesjährigen Weihnachtsrede nicht wieder zum Hassprediger werden.

Frohe Weihnachten, wünscht Ihnen
Diana, als transsexuelles Wesen von Gott erschaffen

NACHTRAG: Es sei darauf hingewiesen, dass ich das nicht war ;-)
Frau attackiert Papst

Ein etwas anderes Glaubensbekenntnis

jesus-meditationWeil heute der zweite Weihnachtstag ist, will ich mal etwas über meinen persönlichen Glauben erzählen. Gestern habe ich ja dem Papst die Leviten gelesen und auch sonst schon gelegentlich gegen gewisse im Christentum anzutreffende Ansichten gewettert. Es ist mir wichtig, dass ich da nicht missverstanden werde. Ich habe nichts gegen die christliche Lehre und erst Recht nicht gegen Jesus, meine Kritik richtet sich nur gegen Auswüchse dieser Religion oder einzelne Fundamentalisten in diesen Kreisen, die meines Erachtens die Lehre des Nazareners mit Füssen treten. Aber nun zu mir resp meinem persönlichen Glauben oder viel mehr zu dem Weg, der mich dahin brachte.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.

(Johannes vom Kreuz)

Wenn ich heute gefragt werde, ob ich gläubig bin, dann gibt es zwei mögliche Antworten. Entweder ich sage: ich sei “konfessionslos gläubig” oder ich sage, ich sei “Nazarenerin”. Die jüdische Gruppe rund um Jesus, aus der später das heutige Christentum entstand, wurden von Anderen “die Nazarener” genannt, weil sie Nachfolger des Jesus von Nazareth waren. Damit will ich sagen, dass ich Jesus nachfolge in dem ich der von ihm postulierten Ethik nachfolge, dass ich aber nicht der Glaubensdoktrin einer Kirche folge und es für mich nur einen Gott gibt, derjenige, auf den Jesus und Andere hingewiesen hat.

Wie’s dazu kam, ist mal wieder eine lange Geschichte, also heissts einmal mehr: Bier und Popcorn holen, gemütlich hinsetzen………. Vorhang auf!

Katholisch – und wo ist Gott?
Ich wurde zwar katholisch getauft, wuchs aber in einer Familie auf, die keine religiösen Ambitionen hatte. Wir gingen in der Regel nicht in die Kirche und nur durch die Grosseltern wurde mir ab und zu etwas Religion vermittelt. Trotzdem hatte ich früh die feste Überzeugung, dass da irgendwo irgend etwas Göttliches sein musste. Die Welt war viel zu schön und perfekt, als dass sie einfach ein Zufallsprodukt sein konnte. Irgendwoher musste ja all das Zeuchs kommen, das da rumwuselt und vieles in der Natur liess mich staunen…….. und Staunen, ist der Ursprung jedes religiösen Glaubens.

Einführung ins Christentum und die Lüge vom Geschenkligott
In der Jugendzeit ging ich dann in die CVJM, eine Art katholische Antwort auf die Pfadfinder. Dort lernte ich sehr viel über den christlichen Glauben, über Jesus und die Bibel. Und dort lernte man mir auch erstmals die Vorstellung eines Gottes, von dem man alles bekommt, wenn man ihn darum bittet. Das ging in mich rein wie ein heisses Messer durch die Butter. Ich betete, bittete, denn es gab mehr als genug in meinem Leben, wo ich Hilfe gebraucht hätte. Aber es passierte nichts, einfach nichts. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich einfach nur noch verarscht fühlte. Da erzählen mir die: “Bitte und es wird Dir gegeben”, ich bat, und alles wurde nur noch schlimmer. So zerfiel der Glaube an diesen Geschenkli-Gott zu Staub, von einem Tag zum Anderen. Was blieb war mein Staunen und die feste Überzeugung, dass irgend etwas Göttliches existiert.

Vorübergehender Abschied aus dem Christentum
An meinem 18. Geburtstag bekam die Kirchgemeinde einen Brief, in dem ich um meine Exkommunikation bat und dies damit erklärte, dass ich nicht einer Religion angehörig sein kann, die Frauen auf Scheiterhaufen verbrannte, indigene Völker ausrottete und vieles mehr. Aber ich glaube, das stimmte so nicht, ich war einfach enttäuscht, weil mir diese Religion Hilfe versprach, die ich nie erhielt.

Wer sucht, soll solange weiter suchen, bis er findet.
Wenn er aber findet, wird er erschrocken sein.
Wenn er erschrocken ist, wird er erstaunen.
Und er wird König sein über die unsichtbare Welt.

(Thomas Evangelium 2)

Eine zwanzigjährige spirituelle Reise
Dann begann eine lange spirituelle Reise durch die Welt der Religionen. Eine Reise die mir zeigte, dass alle Religionen wertvolle Schätze zu verschenken hatten. Überall waren Einsichten zu gewinnen, überall gab es etwas zu lernen, was einem im Leben weiter bringt. Aber ich fand keine Religion, die es verdient hätte, den alleinigen Wahrheitsanspruch, den zumindest monotheistische Religionen per Definition beanspruchen, auch zugesprochen zu bekommen.

Buddhismus, Zen, Schicksal und Demut
Zuerst gings los mit Buddhismus und Zen. Dort lernte ich vorallem, das Schicksal anzunehmen. Shunryu Suzuki, ein Zenmeister, fasste es wunderschön zusammen: “Weil wir alle Aspekte des Lebens als eine Entfaltung des grossen Geistes betrachten, deshalb haben wir diese unerschütterliche Ruhe” (frei nachgeplaudert). Ich lernte, dass alles was kommt auch sein Gutes hat, auch wenn ich es noch so ablehne. Selbst Krankheit oder Sonstiges können mich weiter bringen, wenn ich mich nicht dagegen sträube und diese “Lehre” annehme. Diese Lebenshaltung war vermutlich der Hauptgrund, dass ich viele Jahre später, als ich an einem Burnout erkrankte, diesen zur grössten Schule meines Lebens machen konnte…… bis Anfang dieses Jahres, da trat ich in die Königsklasse ein.

Naturvölker und der “grosse Geist” der Indianer
Weiter ging es dann mit Religionen der Naturvölker, im Speziellen der indigenen Völker Nordamerikas, die mich seit Kindheit unerklärlich faszinieren. Die Sioux Indianer nennen Gott “Wakan Tanka”, was im englischen lapidar mit “Great Spirit” übersetzt wird und im deutschen noch sinnentleerter mit “Grosser Geist”. Aber es heisst nicht Great Ghost sondern Great Spirit, damit ist kein Huhu-Gespenst gemeint sondern eine Wesenskraft. In einem Buch las ich dann mal, dass die korrekte Übersetzung von Wakan Tanka in etwa heissen müsste: “Das Wesen, das in allen Dingen ruht”. Unter Wakan Tanka verstanden Indianer so eine Art göttliche Energie, die in allem drin ist, alles ist eine Entfaltung Gottes. Egal ob ein Tier, ein Fluss, ein Stein oder ein Mensch, alles war durchdrungen von dieser göttlichen Wesensart. Das war auch der Grund, weshalb Indianer beispielsweise ein bei der Jagd getötetes Tier um Verzeihung baten – eine rührende Vorstellung, die meinem Empfinden enorm entsprach. Damals hätte ich nie gedacht, dass mir diese Vorstellung eines Tages ausgerechnet in der christlichen Religion wieder begegnen würde.

Odin, Thor und andere Vorstellungen
Auch mit kelto-germanischen Religionen beschäftigte ich mich, auch da fand ich spannende Aspekte, die mich auf meinem Weg weiter brachten und das Bild abrundeten.

Gott – das Unvorstellbare und Unaussprechliche
Erst viel später, am Ende dieser Suche, wurde mir klar, dass alle Religionen eigentlich vom Gleichen reden. Es gibt nur eine göttliche Macht, die hinter allem Sein steht und das Göttliche ist unvorstellbar und undenkbar, es übersteigt unsere Vorstellungen bei Weitem. Deshalb brauchte es Religionen, die das Unvorstellbare vorstellbar machten und das geht nur durch Vereinfachung. Und da spielt es keine Rolle, ob man sich dieses Unvorstellbare als einen einzelnen Gott vorstellt oder die verschiedenen Aspekte von verschiedenen Göttern darstellen lässt. Auch monotheistische Religionen wie das Judentum haben viele Namen für diesen einen Gott, jeder Name steht für bestimmte Aspekte Gottes. Bei diesen Namen Gottes sind solche dabei wie der “Herr der Heerscharen” aber auch die weibliche Schechina, ein für Juden wesentlicher Aspekt Gottes. Andere Religionen machten aus diesen Aspekten einzelne Götter. Aber im Endeffekt bleibt es dasselbe und auch wenn Christen zwischen Gott, Jesus und dem “heiligen Geist” unterscheiden, bleibt doch hinter all dem das eine Göttliche, das Unaussprechliche.

Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander.
Ihr sollt einander so lieben, wie ich Euch geliebt habe..

(Johannes 13,34)

Evangelikalismus oder die Pervertierung der jesuanischen Lehre
Eines Tages stolperte ich in ein christliches Forum, in dem es von evangelikalen Christen wimmelte. Das evangelikale Christentum stammt aus Amerika und wie vieles, was von dort kommt, ist (meines Erachtens) der Evangelikalismus die grösste Pervertierung des christlichen Glaubens. Die Bibel wird absolut wörtlich genommen (wenn es einem in den Kram passt), Homosexuelle werden verteufelt, Selbstbefriedigung dämagogisiert und alles mit Verweis auf aus dem Zusammenhang gerissene Bibelstellen. Ich war dort mit einer Form von Grausamkeit konfrontiert, die mir das Blut in den Adern gefrieren liessen. Da konnte Jesus sich den Munde fuslig reden über Liebe, Vergebung und Nicht-Richten. Diese selbsternannten Heiligen der Neuzeit zerrten alles in die Hölle in ihrem Kopf, was nicht 100% mit ihrem Glauben übereinstimmte.

Derjenige von euch, der ohne Sünde ist,
soll als erster einen Stein auf sie werfen.

(Johannes 8,7)

Die Bibel als Waffe? Das kann ich auch!
Da konnte ich einfach nicht anders als mit diesen Leuten rumzustreiten und so kamen in kurzer Zeit 800 Forumbeiträge zusammen. Da mir diese Leute ständig Bibelstellen um die Ohren hauten, begann ich mich selber wieder mit der Bibel zu beschäftigen und es war in der Regel ein Leichtes, ihre obskuren Fehlinterpretationen aufzudecken – natürlich ohne dass sie das bemerkt hätten. Das machte mich wieder vertrauter mit dieser Schrift und ich entdeckte da wieder wundervolle Stellen, vorallem die sogenannten Jesusworte. Das was Jesus predigte, war einfach nicht das, was ich heute im Christentum antreffe. Irgendwann wurde es sogar mir zu blöd dort und ich verliess das Schlachtfeld.

Laientheologie und urchristliche Überlieferungen
Doch ich war neugierig geworden und wollte unbedingt mehr über das Denken und die Lehre von Jesus erfahren. Ich las sehr viel und erfuhr einerseits, dass die Bibel kritisch gelesen werden muss. Es gibt redaktionelle Veränderungen, theologische Einschübe und vieles mehr (siehe z.B. Textkritik). Jedes der vier Evangelien, die die Geschichte des Nazareners beschreiben, beinhaltet eine eigenständige Theologie. Jeder dieser Berichte ist sozusagen eine Sichtweise des jeweiligen Evangelisten und diese unterscheiden resp widersprechen sich teils in interessanter Weise (siehe Evangelien-Synopse). Aber eines zieht sich wie ein roter Faden durch diese Erzählungen, die Jesus-Worte. Ich erfuhr, dass es noch andere urchristliche Überlieferungen gab, wie es auch verschiedene christliche Gruppierungen gab. Aber nach dem 1. Konzil von Nizäa im Jahr 325 siegte eine Gruppe dank Hilfe des römischen Kaisers Konstantin und alle anderen Gruppierungen wurden samt ihren Überlieferungen verboten. Aber viele dieser Schriften haben die Verfolgung überlebt und bieten ganz neue Sichtweisen. Im Speziellen das sogenannte Thomas Evangelium, eine Spruchsammlung von über hundert Jesus-Worten (Aussprüche). Viele dieser sogenannten Logien entsprechen denen der Bibel und sind teilweise sogar älter als die Urschriften der Bibel – sprich authentischer. Aber es hat auch eine Vielzahl von “unbekannten” Jesus-Worten und diese haben es in sich….. und haben es mir angetan….. und hier begann sich der Kreis zu Wakan Tanka zu schliessen und ich begann auch die Jesus-Worte in der Bibel mit neuen Augen zu sehen – und mein Staunen erreichte nie dagewesene Ausmasse.

Urtext verstehen und mit griechischen Augen lesen
Als mir klar wurde, dass Übersetzungen immer mit Verlust belastet sind und dass bei den Übersetzungen manchmal Theologie über Grammatik gestellt wurde, begann ich alt-griechisch zu lernen im Selbststudium. Es dauerte etwa ein bis zwei Jahre, bis ich in der Lage war, das Neue Testament im griechischen zu lesen und zu verstehen. Das griechische NT ist leider die älteste Überlieferung die wir haben, es gibt nichts über Jesus in hebräisch resp aramäisch und so ist auch der griechische “Urtext” bereits sehr verfremdet, weil hebräisch eine völlig andere Denkwelt voraussetzt als griechisch. Jedenfalls hatte ich den “Urtext” und ging akribisch dahinter, die Jesus-Worte zu studieren, die Paralellen in den Evangelien und die apokryphen (ausserbiblischen) Überlieferungen zu vergleichen. Einmal mehr taten sich Welten auf und das brachte mich irgendwann an den Punkt, an dem ich davon überzeugt war, dass Jesus uns genug gesagt hat, damit wir ein friedliches und glückliches Leben führen könnten – wenn wir ihn denn ernst nehmen würden und ihm nachfolgen würden.

Glühen ist besser als Wissen.

(Bernhard von Clairvaux)

Christliche Mystik und Mönchstum
Ich unternahm auch eine lange Reise in die Welt der christlichen Mystik. Mystik ist so etwas wie das Gegenteil von Dogmatismus. Ein Mystiker weiss, dass er nichts weiss und er glaubt, dass es im Glauben keine Rechthaberei gibt, dass jeder Mensch seinen persönlichen Weg hin zu Gott gehen kann, da gibt es kein richtig oder falsch, es gibt nur ein Ziel. Mystiker aller Religionen vertragen sich prächtig. Ein katholischer Mönch wird mit einem muslimischen Derwisch bestens klar kommen, sie haben keine Differenzen, sie haben nur unterschiedliche Blickwinkel und unterschiedliche Erfahrungen auf ihrem eigenen persönlichen Weg. Was für eine Wohltat im Vergleich zu dogmatischen Kirchen, die sagen: Entweder Du glaubst genau das was wir sagen und zwar so wie wir Dir das vorschreiben, oder Du brennst in der Hölle. Ich las viele Schriften und bekam viele neue Vorbilder. Der Franziskaner Franz von Assisi, der Nächstenliebe wie kein Anderer praktizierte, der Zisterzienser Bernhard von Clairvaux oder der Karmeliter Johannes von Kreuz, die den Weg zu Gott nur mit allumfassender Liebe gingen und viele andere faszinierende Gestalten in der Geschichte des christlichen Mönchstum. Das christliche Mönchstum war schon immer mystisch und es ist bis heute so geblieben. Höhepunkt war dann eine Besinnungswoche im Benediktiner Kloster in Einsiedeln, eine Erfahrung die wirklich tief geht.

Siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von Euch!
Doch irgendwann wurde es Zeit, auch diesen Weg zu verlassen. Ich legte alles hin was ich zwanzig Jahre gelernt hatte. Ich musste nicht mehr weiter nach Gott suchen, ich hatte ihn/sie/es gefunden…… in mir – in Dir – in Euch allen. Seit diesem Tag habe ich grosse Ehrfurcht vor allen Mitgeschöpfen, weil ich nun tief in mir spüre, dass wir alle eins sind, durchdrungen von derselben Macht, Entfaltung desselben unaussprechlichen, unvorstellbaren Göttlichen, das niemals verstanden werden kann sondern nur erfahren. Es war der Tag, an dem sich mein Herz mit Liebe füllte und ich glaube sogar, es war die Grundlage dafür, dass ich mich selbst eines Tages lieben lernte und meine in einen Kerker eingesperrte Wesensart entfalten konnte. Die Fascetten der Entfaltung Gottes sind endlos zahlreich, ich bin eine von Vielen, die alle in sich einzigartig und doch wesensgleich sind.

Eine Freundin, die in Deutschland in einer christlichen Zen Gruppe ist, erzählte mir mal etwas, was die Erkenntnis meiner zwanzigjährigen Reise in einem Satz zusammennfasst. Wenn sie sich begegnen, dann begrüssen sie sich mit dem Wort “Namaste“………. was sinngemäss zu verstehen ist als:

Ich ehre in Dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.

Ich bin das Licht, das über allem ist.
Ich bin die himmlische Welt.
Sie ist aus mir hervorgegangen,
und in mir hat sie ihr Ziel erreicht.
Spaltet ein Stück Holz, ich bin da.
Hebt einene Stein auf, ihr werdet mich dort finden.

(Thomas Evangelium 77)

Ein platonischer Mythos und eine kleine Uminterpretation

Kürzlich habe ich auf Facebook n’nettes Mädel kennen gelernt, die hat mich nun auf ein Lied aufmerksam gemacht, das ich nicht kannte und das in meinem Kopf wildeste Pirouetten vollzieht. Das Lied “Origin of Love” (Ursprung der Liebe) ist von einer Band namens “Hedwig and the angry inch” und kommt aus dem gleichnamigen Film über eine TransFrau aus der DDR, die in einer Rockband singt. Den Film kenne ich noch nicht, werde zu gegebener Zeit aber darüber berichten.

Das Lied übernimmt einen Mythos von Platon, in dem es um “Kugelmenschen” geht. Die Geschichte besagt kurzgefasst, dass Menschen ursprünglich Doppelwesen waren. Alle hatten zwei Seiten, so wie wenn man zwei Menschen am Rücken zusammen klebt. Da gab es drei Geschlechter, es gab Doppelmänner, Doppelfrauen und MannFrau-Wesen. Die Götter sahen dann, dass diese Kugelmenschen viel zu mächtig waren und so entschieden sie sich, diese zu trennen. Pointe dieser Geschichte ist, dass wir alle eigentlich nur halbe Menschen sind und unser gegenteiliges Stück suchen und erst dann wieder zu voller Kraft kommen, wenn wir mit der verlorenen Hälfte vereint sind. Ein wunderschöner Mythos über die Liebe…… und ein wunderschönes und kraftvolles Lied…….

Aber wie so oft, tauchen in meinem Köpfchen gleich Folgegedanken auf, die irgendwie faszinierend sind. Vielleicht sind transsexuelle Wesen dieser MannFrau-Kombination, die aus unerfindlichen Gründen nicht getrennt werden konnten. Diese MannFrauen wurden Kinder des Mondes genannt. Ich bin am Vollmond geboren und die Göttin Diana ist unter Anderem auch die Göttin des Mondes. Und tatsächlich haben Transsexuelle eine Art von Macht, die Doppelsichtigkeit, die Fähigkeit, beide Geschlechter zu vereinen, sie zu verstehen und sich in sie hineinfühlen zu können.

Nach jüdischer Mythologie ist ein Mensch erst vollkommen, wenn Mann und Frau vereint sind, andernfalls ist man unvollständig und schutzlos, es braucht beide Seiten so wie Ying und Yang. Wenn jüdische Männer das Haus verlassen mussten und die Frau zurück liessen, baten Sie die “Schechina“, der weibliche Aspekt Gottes, um Hilfe, dass diese sie begleitet und beschützt, weil sie wussten, dass sie ohne ihre andere Hälfte schutzlos wären.

Irgendwie spannend, wie sich der Kreis immer wieder schliesst. Und irgendwie faszinierend, wie etwas, was in unserer Kultur ein Makel ist, auch als wundervolle Gabe verstanden werden kann.

When the earth was still flat,
And the clouds made of fire,
And mountains stretched up to the sky,
Sometimes higher,
Folks roamed the earth
Like big rolling kegs.
They had two sets of arms.
They had two sets of legs.
They had two faces peering
Out of one giant head
So they could watch all around them
As they talked; while they read.
And they never knew nothing of love.
It was before the origin of love.

The origin of love

And there were three sexes then,
One that looked like two men
Glued up back to back,
Called the children of the sun.
And similar in shape and girth
Were the children of the earth.
They looked like two girls
Rolled up in one.
And the children of the moon
Were like a fork shoved on a spoon.
They were part sun, part earth
Part daughter, part son.

The origin of love

Now the gods grew quite scared
Of our strength and defiance
And Thor said,
“I’m gonna kill them all
With my hammer,
Like I killed the giants.”
And Zeus said, “No,
You better let me
Use my lightening, like scissors,
Like I cut the legs off the whales
And dinosaurs into lizards.”
Then he grabbed up some bolts
And he let out a laugh,
Said, “I’ll split them right down the middle.
Gonna cut them right up in half.”
And then storm clouds gathered above
Into great balls of fire

And then fire shot down
From the sky in bolts
Like shining blades
Of a knife.
And it ripped
Right through the flesh
Of the children of the sun
And the moon
And the earth.
And some Indian god
Sewed the wound up into a hole,
Pulled it round to our belly
To remind us of the price we pay.
And Osiris and the gods of the Nile
Gathered up a big storm
To blow a hurricane,
To scatter us away,
In a flood of wind and rain,
And a sea of tidal waves,
To wash us all away,
And if we don’t behave
They’ll cut us down again
And we’ll be hopping round on one foot
And looking through one eye.

Last time I saw you
We had just split in two.
You were looking at me.
I was looking at you.
You had a way so familiar,
But I could not recognize,
Cause you had blood on your face;
I had blood in my eyes.
But I could swear by your expression
That the pain down in your soul
Was the same as the one down in mine.
That’s the pain,
Cuts a straight line
Down through the heart;
We called it love.
So we wrapped our arms around each other,
Trying to shove ourselves back together.
We were making love,
Making love.
It was a cold dark evening,
Such a long time ago,
When by the mighty hand of Jove,
It was the sad story
How we became
Lonely two-legged creatures,
It’s the story of
The origin of love.
That’s the origin of love.

Und dieses Video erinnert mich wieder daran, dass ich seit meiner Kindheit auf die Bühne wollte und dass ich in diesem Jahr öfters davon träumte, wie schön es sein könnte, Sängerin einer Rockband zu sein. Ein T-Girl als Frontfrau einer Band stell ich mir extrem spannend vor und ich liebe Musik so sehr, dass ich mir das wirklich wünschen würde. Nur müsste ich erst mal singen lernen und dazu erst mal ein Talent haben. Aber wer weiss, wenn das Schicksal es so vorgesehen hat, wird es irgendwann soweit sein :-)

Selbstentfaltung und der Schatz im Acker

siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von euch. (Lk 17,21)

(ιδου γαρ η βασιλεια του θεου εντος υμων εστιν)

schatz-ackerJesus pflegte in Gleichnissen und Metaphern zu reden, denn er wusste, dass die bildhafte Rede den Höhrer viel mehr zum Nachdenken bringt als klugscheisserische Faktendrescherei. Und er wusste, dass Bilder zeitlos sind, während Worte im Sog der Zeit sich verändern. Jesus-Gleichnisse haben für mich immer eine doppelte Bedeutung. Einerseits geht es primär um Vergleiche im Bezug auf das Reich Gottes, seine Vorstellung, dass wir hier auf Erden durch gelebte Nächstenliebe einen himmlischen Zustand hervorbringen. Das Reich Gottes ist innerhalb von Euch (Lk 17,21), sagt er an einer zentralen Stelle und er verweist damit auf die Tatsache, dass wir nicht auf die Ruhe und den Frieden warten dürfen sondern den Frieden in uns emporsteigen lassen sollen. Auf der anderen Seite haben seine Worte auch immer eine Paralelle zum normalen Alltag. Wenn er davon redet, dass wir uns nicht sorgen sollen, dann ist sowohl unser spirituelles Heil gemeint als auch so alltägliche Dinge wie Essen oder Kleidung (z.B. HighHeels von Manolo).

Eines seiner Gleichnisse nennt man den “Schatz im Acker” oder die Paralelle “Die kostbare Perle”. Dabei geht es darum, dass jemand in einem Acker einen Schatz findet und weil er sich des Wertes von diesem Schatz bewusst ist, verkauft er alles was er hat, gibt alles was ihm lieb ist weg, um diesen einen, unschätzbar wertvollen Schatz zu erlangen. Auf spiritueller Ebene ist die Deutung klar, wer den Weg hin zu Gott gehen will, muss alles hinter sich lassen. Aber auf der Ebene des Alltags findet man ganz andere Deutungen, die meines Erachtens genauso im Sinne des Nazareners sind, wie die spirituellen Werte. Denn wahre Spiritualität wird im Alltag gelebt, alles andere ist theologische Klugscheisserei.

Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, welchen ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. (Mt 13,44)

(ομοια εστιν η βασιλεια των ουρανων θησαυρω κεκρυμμενω εν τω αγρω ον ευρων ανθρωπος εκρυψεν και απο της χαρας αυτου υπαγει και πωλει οσα εχει και αγοραζει τον αγρον εκεινον)

In meinem Fall bekommt dieses Gleichnis eine ganz neue Dimension. Seit meiner Kindheit bin ich davon überzeugt, dass der Sinn des Lebens darin liegt, sich selbst zu entfalten. Jedes Lebewesen hat seine ganz eigene Wesensart und jedes Wesen ist verpflichtet, seine ganz eigene Wesensart zu entfalten und der Gesamtheit aller Lebensformen eine weitere Fascette zu verleihen.

Ich habe ein Leben lang versucht, meine mir eigene Wesensart zu verleugnen und zu unterdrücken, ich wollte nicht sein was ich war, weil ich die gesellschaftliche Ächtung fürchtete. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr leugnen konnte, was meine ureigene Wesensart ist und ich konnte mich der Verpflichtung nicht mehr verweigern, diese mir eigene Art zu entfalten und zu verwirklichen.

Das zu sein, was von Natur aus in mich gelegt war, bedeutete, so ziemlich alles zu verlieren, alles zu investieren und alles zu opfern, für diese einzige Sache, mich selbst zu sein. Aber was gäbe es Schöneres und was gäbe es Edleres als sich selbst zu sein, so wie man von Gott geschaffen wurde? Und damit meine ich nicht irgendwelche anatomischen Sonderbarkeiten sondern die innere Wesensart, die tief in der Seele verwurzelt ist.

Anfang Jahr überschritt ich diese Grenze, legte mein gesamtes Leben in die Waagschale, opferte alles was mir am Herzen lag, für diesen einen Schatz, der “Ich” heisst.

Ja, mein lieber Rabbi Jeshua aus Nazareth, Du hattest Recht mit allem was Du gesagt hast und mein Leben gibt Zeugnis ab für Deine Worte. Ich habe alles gegeben, jeden Preis bezahlt und ich habe das Reich Gottes in mir gefunden. Wo einst Verbitterung war, ist nun Liebe, wo einst Verzweiflung war, ist nun Harmonie und Frieden – Frieden mit der Welt, und Frieden mit mir selbst.

Ich habe den Schatz im Acker meines Lebens gefunden und ich werde ihn nicht mehr loslassen, weil meine unsterbliche Seele nicht anders kann, als sich selbst zu sein, um jeden Preis.

Transsexuelle Frau in Obamas Regierung

Soooooooooooooo genial, Obama hat eine transsexuelle Frau in die Regierung aufgenommen. Amanda Simpson gilt als hochqualifziert (so sind TwoSpirits halt), arbeitete bisher als Direktorin von “Raytheon Missile Systems” in Tucson und wird nun und wird nun technische Beraterin im Handelsministerium. Beim Amtsantritt sagte sie:

Als erste transsexuelle Regierungsbeauftragte hoffe ich, dass ich bald eine von Hunderten bin

(Amanda Simpson)

Nun denn, da hoffe ich mit, wenn Transsexuelle solche Posten einnehmen, wird das sicher auch das Image von uns allen verändern. Wer sich nachwievor am Mythos festbeisst, dass Transsexuelle eh alle im Rotlicht-Milieu arbeiten, dürfte da langsam in einen Argumentationsnotstand rutschen.

Aber natürlich gehen christliche Hassprediger Fundamentalisten bereits auf die Barrikaden und verschmutzen mit ihrem pervertierten Denken die Landschaft. Peter LaBarbera, Präsident einer rechtskonservativen Organisation namens «Americans for Truth», ereifert sich bereits öffentlich und fragt: “Wie weit soll diese Politik des homosexuellen Aktivismus gehen?”. Damit entlarvt sich einmal mehr eien christlicher Fanatiker und zeigt, dass er erstens dumm wie Brot ist, weil Transsexualität nichts mit Homosexualität zu tun hat und zweitens, weil er zeigt, dass er von der selbst gepredigten Nächstenliebe überhaupt nichts hält.

Schön an dieser Sache ist auch, dass 20minuten-Online diesen Artikel korrekt wiedergegeben hat, ohne hämischen Unterton oder beleidigende Wortwahl. Da können wir mal gespannt sein, wie derselbe Artikel im Blick erscheinen wird, es graut mir jetzt schon.

Ich werde mal die Medien im Auge behalten und hier allfällige Beiträge veröffentlichen:
20min: Erste Transexuelle in Obamas Regierung
Heute.At: Obama holt Transsexuelle in US-Regierung
Welt.de: Die Transsexuelle im Ministerium
Wienerzeitung: Simpson – Harter Kerl und zarte Frau

Auf Facebook entsteht soeben eine Unterstützungsgruppe, ich bin die 38. die mit von Partie ist :-)
Amanda Simpson Support Group

PS: jetzt erobern wir die Welt und wenn wir die Weltherrschaft an uns gerissen haben, verbieten wir Testosteron und Kopfsteinpflaster, jawoll :o)

Die Macht der Worte

Letztes Jahr habe ich angedroht, dass ich eine Blogserie machen werde über “die Macht der Worte”. Das hat zwei Gründe.

Zum einen hat mich Sprache schon immer fasziniert, weil hinter jedem Wort eine Bildwelt steht und weil adäquate Worte einem ganze Welten eröffnen können. Aber gerade deshalb bedeuten Worte auch Macht, die gebraucht und missbraucht werden kann.

Regelmässige LeserInnen wissen, dass ich oft metaphorische Bilder verwende und auch die Auswahl an Zitaten und Liedertexten sind in der Regel solche, die Sprache zu höchster Kunst machen, die eben nicht nur Worte aneinanderreihen sondern ganze Bildwelten darstellen und einem beim Lesen in Welten entführen können.

Wenn ich schreibe, dass ein Weg den ich gegangen bin schwer war, dann ist die Schwere nicht nachfühlbar, das kann vieles heissen. Aber wenn ich sage, ich sei barfuss durch die Hölle gelaufen, dann kann man sich vorstellen, dass das eben mehr als nur schwer war, man fühlt geradezu wie schmerzlich das sein muss. Und wenn rechtspopulistische Seiten plötzlich von Asylanten anstatt von Asylsuchenden reden, dann wird bei genauer Betrachtung schnell klar, dass diese Bildwahl ein bestimmtes Ziel hat. Es ist ein Unterschied, ob Gott die Welt erschaffen hat oder ob die Welt aus Gott hervorgegangen ist und es ist ein Unterschied, ob Jesus sagt das Reich Gottes sei mitten unter uns oder innerhalb von uns. Und es ist ein grosser Unterschied, ob man von einer transsexuellen Frau spricht oder von einer Transe.

In dieser Serie möchte ich auf verschiedene Aspekte eingehen, eine kleine Auswahl der Themen soll hier mal kurzgefasst angekündigt werden:

  1. Worte beinhalten Bildwelten und die falsche Wahl von Worten kann verwirren oder gar verletzen
  2. Über die Wortgewalt von Gleichnissen und Metaphern
  3. Gezielt gewählte Worte können der Manipulation dienen, die kaum durchschaut wird, wenn man die Macht der Worte nicht kennt
  4. Durch strategisch gewählte Worte wird gezielt politische Hirnwäsche betrieben
  5. Übersetzungen sind immer Übertragungen, die nie ohne Verluste möglich sind
  6. Texte aus anderen Kulturkreisen können nie vollumfänglich verstanden werden
  7. Religiöse Texte müssen im Bewusstsein gelesen werden, dass sowohl durch Übersetzung als auch das kulturelle Unwissen nicht eindeutig zu verstehen sind
  8. Es gibt Dinge, für die es einfach keine adäquaten Worte gibt

Zumindest über diese Punkte und vielleicht noch ein paar mehr werde ich im Verlauf dieses Jahres einzelne Beiträge schreiben, wann das sein wird, ist wie immer bei mir eine Frage des richtigen Moments resp. des äusseren Impulses, der mir das Thema aufdrängt.

Fürs Erste möchte ich einfach mal zum nachdenken anregen, sind wir uns der Macht der Worte bewusst? Kennen wir die Grenzen der Sprache und bemerken wir die Manipulationen, denen wir täglich ausgesetzt sind?

Und wenn ihr redet
Wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?

Lacrimosa – Fassade 1. Satz



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