T-Girl Diana

Tagebuch einer transsexuellen Frau

Hermann Hesse – Demian – Blicke ins Feuer

Aber Sie selber müssen eben auch kein Moralist sein!
Sie dürfen sich nicht mit anderen vergleichen,
und wenn die Natur Sie zur Fledermaus geschaffen hat,
dürfen Sie sich nicht zum Vogel Strauss machen wollen.
Sie halten sich manchmal für sonderbar,
Sie werfen sich vor, dass Sie andere Wege gehen als die meisten.
Das müssen Sie verlernen. Blicken Sie ins Feuer,
blicken Sie in die Wolken,
und sobald die Ahnungen kommen und die Stimmen in Ihrer Seele anfangen zu sprechen,
dann überlassen Sie sich ihnen und fragen Sie ja nicht erst,
ob das wohl auch dem Herrn Lehrer oder dem Herrn Papa
oder irgendeinem lieben Gott passe oder lieb sei!
Damit verdirbt man sich!

(Hermann Hesse, Demian)

Erich Fried – Was es ist (what it is)

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist Unglück sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst
Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist lächerlich sagt der Stolz
Es ist leichtsinning sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich sagt die Erfahrung
Es ist was es ist sagt die Liebe
———————–
It is nonsense says reason
It is what it is says love
It is misfortune says calculation
It is nothing but pain says fear
It is hopeless says insight
It is what it is says love
It is ridiculous says pride
It is careless says caution
It is impossible says experience
It is what it is says love
liebe-und-vernunft

Erich Fried – Wollen (Wanting)

bei-dir-sein-wollen

Bei dir sein wollen
Mitten aus dem was man tut
weg sein wollen
bei dir verschwunden sein

Nichts als bei dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei dir sein wollen

In dir zärtlich zu dir sein
dich küssen von außen
und dich streicheln von innen
so und so und auch anders

Und dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer tiefer
und ohne Ausatmen trinken

Aber zwischendurch Abstand suchen
um dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit Entfernung
und dann dich weiterküssen

————————————-

Wanting to be with you
in the middle of what i’m doing
wanting to be gone
lost within you

Nothing but with you
closer than hand to hand
more intimate than lips to lips
wanting to be with you

Being tender within you
kissing you from the outside
and caressing you from within
this and that way and also differently

And wanting to inhale you
nothing but inhaling
deeper deeper
and to drink without exhaling

And while doing so searching the distance
to see you
just two hands away
and then kiss you again

Erich Fried – Dich

troesten-baer

Dich nicht näher denken
und dich nicht weiter denken
dich denken wo du bist
weil du dort wirklich bist

Dich nicht älter denken
und dich nicht jünger denken
nicht größer nicht kleiner
nicht hitziger und nicht kälter

Dich denken und mich nach dir sehnen
dich sehen wollen
und dich liebhaben
so wie du wirklich bist

Liebe ist …

liebe-und-distanz

Liebe…
ist Nähe die weder einengt noch begrenzt
ist Zärtlichkeit die die Haut nicht schürft
ist Geborgenheit die nicht in Fesseln legt
ist Gemeinsamkeit die Eigenheit belässt

Liebe…
ist Vertrauen das keine Blindheit erfordert
ist Treue die keinen Besitzanspruch erhebt
ist Verständnis das den Mund nicht verbietet
ist Leidenschaft die nicht verzehrt

Liebe…
ist Lebensfreude die Trauer nicht ausschliesst
ist ein Festmahl das Zeit zum fasten lässt
ist ein Zuhause mit unverschlossenen Türen
ist grenzenlos unter Beachtung aller Grenzen

(Diana)

Erich Fried – Fragen und Antworten

fried-fragen-antworten

Wo sie wohnt?
Im Haus neben der Verzweiflung

Mit wem sie verwandt ist?
Mit dem Tod und der Angst

Wohin sie gehen wird wenn sie geht?
Niemand weiß das

Von wo sie gekommen ist?
Von ganz nahe oder ganz weit

Wie lange sie bleiben wird?
Wenn du Glück hast solange du lebst

Was sie von dir verlangt?
Nichts oder alles

Was soll das heißen?
Daß das ein und dasselbe ist

Was gibt sie dir – oder auch mir – dafür?
Genau soviel wie sie nimmt, sie behält nichts zurück

Hält sie dich – oder mich – gefangen oder gibt sie uns frei?
Es kann uns geschehen, daß sie uns Freiheit schenkt

Frei sein von ihr, ist das gut oder schlecht?
Es ist das Ärgste, was uns zustoßen kann

Was ist sie eigentlich und wie kann man sie definieren?
Es heißt daß Gott gesagt hat, daß er sie ist

(Erich Fried)

Stumme Worte einer nie endenden Liebe

Es gibt sie doch, die nie endende Liebe
und das Feuer der Sehnsucht, das nie erlöscht
Doch wenn die letzte Hoffnung weicht
zerreisst die Liebe Dir Dein Herz

(Diana)

Meine Hände bersten
Da ich diese Zeilen schreiben
Doch führe ich die Feder
Da meine Zunge mir versagt
Nur Worte kriechen auf den Bogen
Doch ist die Seele wild entflammt

Nur einmal hab’ ich sie begehrt
Nur einmal -- jetzt und immer wieder
Aus meinem Herzen sie verbannt
Doch mich so tief an ihr verbrannt

Diese Worte bleiben stumm
Denn mein Mund wird sie nicht wecken
So kriechen sie zurück zu mir
Und zerreissen letztlich mir das Herz

Nur einmal hab’ ich sie begehrt
Nur einmal jetzt und immer wieder
Doch diesen Schmerz möcht’ ich nie missen
Denn er ist alles was mir von ihr bleibt

Nur einmal hab’ ich sie begehrt
Nur einmal -- jetzt und immer wieder…

(Lacrimosa -- Stumme Worte)

Erich Fried – Nachtgedicht

nachtgedicht-1

Dich bedecken
nicht mit Küssen
nur einfach
mit Deiner Decke
(die Dir von der Schulter geglitten ist)
daß Du
im Schlaf nicht frierst

Später
wenn Du
erwacht bist
das Fenster zumachen
und Dich umarmen
und Dich bedecken
mit Küssen
und Dich
entdecken

(Erich Fried)

*schmelz*

Zu träumen, Dir nah zu sein

dir-nah-zu-sein

Es gibt Träume, die man eigentlich nicht träumen sollte, weil sie kaum je in Erfüllung gehen werden. Und doch träumen wir davon und das ist gut so. Schon Mark Twain sagte: “Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.”. Ich will endlich leben, deshalb träume ich weiter………

Von Dir zu träumen, mitten am Tag
Dir zu begegnen, das Unbekannte suchend
Dich kennen zu lernen, mit jedem Mal mehr
Dir nah zu sein… und Dir immer näher zu kommen

Mich an Deine Schulter zu lehnen, Geborgenheit suchend
Dich zu spüren, zu berühren, der Zärtlichkeit erliegend
Deinen Herzschlag zu hören, die Einsamkeit durchbrechend
Dir nah zu sein… und Dir immer näher zu kommen

Mit Dir zu lachen, mit Dir zu weinen
Über alles zu reden, verstanden zu sein
Mich Dir zu öffnen, im stillen Vertrauen
Dir nah zu sein… und Dir immer näher zu kommen

Dich zu küssen, zu liebkosen
Mich Dir hinzugeben, die Welt vergessend
Wenigstens einen Herzschlag lang Dir zu gehören
Dir nah zu sein, nah zu bleiben… und noch näher zu kommen

(Diana – Oktober 2009)



Copyright © 2010 by: T-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.

Nächstes Kuschelwochenende mit Juliet in 21 Tagen, 11 Stunden, 3 Minuten