(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Die verbeulte Kugel


Sehn Sie mich bitte nicht so an, ich weiss dass ich etwas seltsam aussehe….. nein ich bin kein Würfel, ich bin eine verbeulte Kugel….. ja ich weiss dass ich ähnlich aussehe wie ein sehr seltsamer Würfel, aber das liegt daran dass ich eben kein Würfel bin sondern eine verbeulte Kugel.

Ich weiss das mit Bestimmtheit, ich kam schon als Kugel zur Welt. Schon damals wollte mir das niemand glauben, alle hielten mich für einen unförmigen Würfel. So begannen sie, an mir rumzudrücken, rumzuwürgen, rumzuhämmern, schlugen mir mal links eine, mal rechts eine und so kam es dann, dass aus mir halt mit der Zeit eine ziemlich verbeulte Kugel wurde. Irgendwie schafften sie es in all der Zeit nicht, mich in eine Würfelform zu kriegen. Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja eine Kugel. Wie in aller Welt soll aus einer Kugel ein Würfel werden?

Immer und immer wieder habe ich es ihnen gesagt, bin sogar demonstrativ rumgerollt, damit wirklich auch der hinterst und letzte Depp merkt, dass ich eine Kugel bin. Aber nein, jedesmal nur dieses „Ach jetzt rollt dieser Scheisswürfel schon wieder“ und dann sofort n’paar links, n’paar rechts und dann ab in eine Ecke.

Das Leben als unvollkommener Würfel ist echt anstrengend, fast so anstrengend wie das als verbeulte Kugel. Aber was will man machen, hätten sie mir doch nur von Anfang an geglaubt, dass ich eine Kugel bin. Ich wette, aus mir wär eine richtig schöne Kugel geworden, aber eben, im Nachhinein ist man ja oft schlauer…….. oft, ja aber leider nicht immer.

So ich muss jetzt eins weiter, hab noch n’Termin bei meinem Psychiater. Der behandelt mich weil er denkt, ich würde mich für eine Kugel halten. Irgendwie bin ich froh um meinen Psychiater, das Leben ist manchmal wirklich sehr sehr verwirrend.

Rosenstolz – Zarah in Ketten

Und wenn Zarah lacht
ist sie jung und schön
wenn sie träumt
kann keiner sie versteh’n

Denn sie träumt im Hier wie es ihr gefällt
mit viel Licht und langsam wird sie geh’n
Zarah hat nie die Wirklichkeit geseh’n
das hat sie nie interessiert
im weißen Kleid sah’ man sie oft steh’n
und der Blick war fasziniert

Zarah in Ketten, nicht mal der Wind erzählt ihr Lied
nicht von dem, was nie war und es wird nie sein
Zarah im Dunkeln und es wird nie wieder hell
diese Trauer macht blind, sie erkennt nichts mehr

Und wenn Zarah tanzt, ist sie ganz allein
denn noch nie war sie zum Tanzen aus
nur in ihrer Welt war sie groß und stark
doch sie kam aus ihrer Welt nie raus

Dann hätt’ sie gern die Wirklichkeit geseh’n
doch zu spät die Tür war zu
Im schwarzen Kleid hab’ ich sie geseh’n
und der Blick war ohne Ruh’

Tag der Entscheidung – ich lebe nun als Frau

Hier stehe ich, ich kann nicht anders,
Gott helfe mir, Amen
(Martin Luther)

Vier Jahrzehnte habe ich darunter gelitten, nicht ich selbst sein zu dürfen. Als weibliches Wesen in einem männlichen Körper gefangen zu sein und damit in eine Geschlechterrolle gezwungen zu sein, die dem Innersten radikal widerspricht, das ist kein Leben sondern eine Tortur.

Zwei Jahrzehnte habe ich dagegen angekämpft, versuchte zu verdrängen, zu therapieren, aber erst viel später musste ich anerkennen, dass sich die Geschlechtsidentität nicht ändern lässt. Sie entsteht in frühster Kindheit und ist dann durch nichts mehr veränderbar. Wenn ich also die Diskrepanz zwischen der Geschlechtsidentität und dem biologischen Geschlecht nicht mehr ertragen kann, was anderes kann ich dann noch tun als den Körper der Seele anzupassen?

Seit dem letzten Sommer habe ich mich intensiv diesen Fragen gestellt und es gewagt, selbst das Undenkbare zu denken. Kann ich weiterhin die Lüge meines Lebens weiterspielen? Bin ich stark genug um wider allem gesellschaftlichen Druck mein weibliches Ich zu leben? Bin ich bereit, mich all den Diskriminierungen und dem Gelächter auszusetzen nur um zu sein was ich bin? Bin ich bereit meine Sexualität, meine Beziehungschancen, meinen sozialen Status, meine Gesundheit und vieles mehr aufs Spiel zu setzen? Ist das Ich-Sein so wichtig, dass ich diesen hohen Preis für meine Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung zu bezahlen bereit bin? Habe ich überhaupt noch eine andere Wahl?

In den letzten Tagen fiel der Entscheid, ich verspüre keine Bereitschaft mehr, dieses Spiel des Lebens weiter so zu führen und weitere Jahrzehnte die männliche Maske zu tragen, nur um mein weibliches Ich weiter im Kerker meiner Seele einzusperren. Ich will leben und ich werde leben, selbst wenn es das Letzte ist was ich tun werde.

Ja ich bin bereit diesen Preis dafür zu zahlen und ich bin bereit, die ganze Welt vor den Kopf zu stossen, ich bin bereit die Frau zu leben, die ich innerlich schon immer war. Macht also Platz, ein neues Wesen betritt die Welt und nichts und niemand wird sie noch aufhalten können. Die Zeit ist reif für Diana, öffnen wir das Tor zum Kerker der Seele und lassen sie raus.

Bill Miller – Many Trails

A boy heard the voice of the whippoorwill one night and went out to find where he was singing. He had to walk quite a ways through a big field, because the song of the whippoorwill carried so well in the wind he sound much closer then he really was. And on the way the boy found a well worn trail, so he stayed on it for a while. And sitting in the middle of the trail was coyote, and coyote was singing too.

He turned and saw the boy and he said ‘Why are you follow me?’
The boy was frightened and said ‘Well the trail you made happened to be a short and easy way through this field.
Then coyote asked ‘Well if your not following me then why are you here?’
‘Well I heard the beautiful song of the whippoorwill and wanted to watch him sing.’
‘Well do you not think my songs are beautiful?’, said coyote.
‘Oh’, said the boy, ‘there good but I hear you all the time. I much prefer the songs of the whippoorwill’
This made coyote furious and he was jealous of the whippoorwill’s song. He said ‘Listen to my night song you might like this one’ And he pulled back his head and yodeled out a tune.
The boy covered his ears and politely said, ‘Thank you for the song, but I must be going now.’

‘Well’, coyote said, ‘I can show you a short cut to the whippoorwill boy, and where he sings is just over there.’ Pointing his claw, smiling out of the side of his mouth. The boy paused, looked around, he knew the night was passing fast so he agreed to follow coyote.
But coyote’s trail was rough and rocky. And the boy fell in quite a few gopher holes along the way.
Coyote turned around and laughed and he yelled to the boy. ‘Were almost there, hurry up.’ Coyote was at a full trot but the boy had just fallen again and hurt his knee.

And by the time he got to the place where the whippoorwill had been singing all night, it was morning. Whippoorwill was gone. And so was coyote, in fact he could hear coyote’s songs in another field. So the boy turned and headed for home, covered with burrs, misq bites and a skinned up knee.

And it was many summers later when the boy became a wiser man. And he realized, there are no shortcuts to find something you really love. But there are many trails in this life. So you must stay true to your path, and always keep and eye out for coyote.

(Bill Miller)

Hermann Hesse – Demian – Blicke ins Feuer

Aber Sie selber müssen eben auch kein Moralist sein!
Sie dürfen sich nicht mit anderen vergleichen,
und wenn die Natur Sie zur Fledermaus geschaffen hat,
dürfen Sie sich nicht zum Vogel Strauss machen wollen.
Sie halten sich manchmal für sonderbar,
Sie werfen sich vor, dass Sie andere Wege gehen als die meisten.
Das müssen Sie verlernen. Blicken Sie ins Feuer,
blicken Sie in die Wolken,
und sobald die Ahnungen kommen und die Stimmen in Ihrer Seele anfangen zu sprechen,
dann überlassen Sie sich ihnen und fragen Sie ja nicht erst,
ob das wohl auch dem Herrn Lehrer oder dem Herrn Papa
oder irgendeinem lieben Gott passe oder lieb sei!
Damit verdirbt man sich!

(Hermann Hesse, Demian)

Neues Selbstbewusstsein als Trans-Frau

Mittlerweile lebe ich seit zwei Monaten als Frau und habe einige Spiessrutenläufe an der Öffentlichkeit hinter mir. Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich in einem vollgestopften Zug sitze und mir keine Gedanken darüber mache, was andere über mich denken.

Es ist eine neue Art Selbstbewusstsein in mir entstanden. Es macht mir nichts mehr aus, dass man mich als Transsexuelle erkennt, im Gegenteil, genau das bin ich und genau darauf bin ich stolz. Ich stelle an mich nicht den Anspruch, von der Öffentlichkeit als biologische Frau wahrgenommen zu werden sondern bin stolz darauf, eine Trans-Frau zu sein. Das war einer der wenigen Punkte vor denen ich mich gefürchtet habe, dass ich nie die Stärke finden werde um damit umzugehen. Umso erfreuter bin ich, dass ich schon nach zwei Monaten mit aufrechtem Gang durch die Welt stöckeln kann und mich dabei gut fühle.

Unterdessen gehe ich auch mal am Samstag Nachmittag an die Zürcher Bahnhofstrasse, vorbei an tausenden von Leuten und shoppe vergnügt von einer Boutique zur Anderen. Je länger desto mehr fühlt sich mein neues Leben einfach normal an, was könnte ich mir da noch mehr wünschen.

Ein unerreichbares Ziel anstreben

Es gibt wohl keine grössere Herausforderung
als ein Ziel anzustreben,
das nie wirklich erreicht werden kann.

(Diana)

Disziplinierungsgesellschaft und Geschlechterdiktatur

Die Disziplinierungsgesellschaft hatte zum Ziel, gezähmte Körper herzustellen, perfekte, uniforme Bürger, die eine Vorstellung ihrer eigenen Sichtbarkeit, ihres Selbstbewusstseins und ihrer sozialen Normen verinnerlicht hatten. Durch diesen Prozess entstanden Individuen, deren grösste Angst es war – sogar in ihren privatesten Momenten -, abnormal zu sein bzw. dafür gehalten zu werden.

(Riki Wilchins, Gender Theory)

Verweigerung

Vielleicht ist es heutzutage nicht das Ziel, herauszufinden, was wir sind,
sondern zu verweigern, was wir sind.

(Hubert L. Dreyfus)

Stay true!

Verändere Dich nie um anderen zu gefallen,
wenn jemand Dich nicht so liebt wie Du bist,
hat er Dich anders auch nicht verdient.

Glücklichsein nur weil man ist

Als ich heute im Geschäft sass, ging mir plötzlich wie angeworfen etwas durch den Kopf, das mich aufs Tiefste erschütterte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass man den ganzen Tag lang einfach glücklich ist, egal was passiert. Früher war ich glücklich, wenn ich mir etwas gönnte, wenn mich die Freundin liebte oder ich in sexueller Ekstase war, wenn ich mit der Harley durch schöne Gegenden fuhr. Aber dass ich glücklich bin, nur einfach weil ich bin was ich bin und wer ich bin, das war für mich bisher unvorstellbar. Wie berauschend es doch ist, wenn das Leben selbst das reinste Glück bedeutet. Endlich spüre ich am eigenen Leib, was nachfolgende Geschichte sagen möchte…

Ein Mann ging zu einem Mönch, als dieser in seinem Dorf Station sagte zu ihm: „Gib mir den Stein, den Edelstein!“
Der Mönch antwortete: „Von welchem Stein sprichst du?“
„Heute Nacht ist mir Gott erschienen und sagte zu mir: Morgen um die Mittagszeit wird ein Mönch durchs Dorf kommen und wenn er dir den Stein gibt, den er bei sich trägt, wirst du der reichste Mann des ganzen Landes. Also, gib mir den Stein!“
Der Mönch kramte in seiner Tasche und zog einen Diamanten hervor. Es war der größte Diamant der Welt, so groß wie ein Kohlkopf! Dann sagte er: „Ist das der Stein, von dem du sprichst? Ich habe ihn im Wald gefunden. Du kannst ihn haben.“
Der Mann nahm den Stein und lief nach Hause. Doch als die Nacht kam und er sich schlafen legte, brachte er kein Auge zu. Am nächsten Morgen, zu früher Stunde, ging er an den Ort zurück, an dem der Mönch friedlich unter einem Baum schlief. Er weckte ihn und sagte: „Da hast du deinen Stein wieder. Gib mir lieber den Reichtum, der es dir so leicht macht, den Reichtum wegzuwerfen.“

Das letzte Outing – wenn der Sohn zur Tochter wird

Outings sind immer schwer, aber bei den eigenen Kindern und Eltern ist es am schwierigsten. Das Gespräch mit meinem Vater musste ich leider umstandsbedingt lange verschieben und heute war es nun soweit. Ich hatte enorme Angst, dass ich ihn mit dieser Nachricht irgendwie in Verzweiflung stürze oder daraus Konflikte und Ablehnung entstehen.

Aber einmal mehr durfte ich zu meiner grossen Überraschung feststellen, dass das persönliche Umfeld viel verständnisvoller mit meiner Veränderung umgeht als ich im Voraus angenommen hätte. Grundtenor war sinngemäss, dass nur eines wichtig ist, dass es mir nun viel besser geht als früher.

Das ist wirklich Ausdruck von Liebe, wenn das Wohl des eigenen Kindes wichtiger ist als dass es irgendwelchen gesellschaftlichen Normvorstellungen entspricht……… thanks, Daddy!

Wenn Worte das Herz in tausend Teile zerschneiden

Und wenn ihr redet
Wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit
Zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Heute im Pub kurz vor Torschluss begann meine Sitznachbarin sich darüber auszulassen, dass ihr Ex “plötzlich” eine Geschlechtsumwandlung anstrebt und dass er den Kindern sagte, dass er nun als Frau leben will. Sinngemäss sagte sie: “so öppis machsch doch eifach nöd”.

Nein Dumpfbacke, sowas macht man nicht einfach so, man tut es wenn man ein Leben lang durch die Hölle gegangen ist, sich ein Leben lang verleugnen musste und irgendwann diese Lüge einfach nicht mehr erträgt. Das und vieles mehr hätte ich ihr gerne gesagt, anstelle dessen habe ich fluchtartig mein Zeug zusammengepackt und bin mit meinem blutenden Herz nachhause gelaufen.

Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig Verstand und Einfühlungsvermögen gewisse Mitmenschen haben. Und es wird mir wieder einmal klar, dass ich von dieser Welt kein Verständnis erwarten kann.

Wie dumm und ignorant und gefühlslos muss man sein, um allen Ernstes zu glauben, dass jemand so einen schweren Weg einschlägt auf dem er so einen hohen Preis zahlt und so ziemlich alles verliert was einem lieb sein kann, nur aus einer spontanen Sonntagslaune heraus?

Ich habe diese Welt noch nie verstanden und bin schon immer verzweifelt gewesen über die Oberflächlichkeit meiner Spezies, aber in so Momenten bin ich einfach nur noch traurig, verzweifelt und ratlos.

Joan Baez – teach men how to cry

Instead of getting hard ourselves and trying to compete,
women should try and give their best qualities to men -
bring them softness, teach them how to cry.

(Joan Baez)

Gender stereotypes

Gender stereotypes are a prison
that keeps the whole of humanity locked up

Von Kindern lernen – Teil 1

Wir Erwachsenen könnten von Kindern viel lernen, leider tun wir das aber nicht sondern belächeln sie nur. Nachfolgende Geschichte bekam ich soeben via Mail (danke Anna-Maria), auch wenn sie erfunden sein dürfte, es gibt genug Kinder die genauso denken…..

Es war einmal ein alter Mann,
der jeden Morgen einen Spaziergang am Meeresstrand machte.
Eines Tages sah er einen kleinen Jungen,
der vorsichtig etwas aufhob und ins Meer warf.
Er rief: “Guten Morgen. was machst Du da?”
Der Junge richtete sich auf und antwortete:
“Ich werfe Seesterne ins Meer zurück.
Es ist Ebbe, und die Sonne brennt herunter.
Wenn ich es nicht tue, dann sterben sie.”
“Aber, junger Mann”, erwiderte der alte Mann,
“ist dir eigentlich klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist.
Und überall liegen Seesterne.
Du kannst unmöglich alle retten, das macht doch keinen Sinn.”
Der Junge hörte höflich zu, bückte sich,
nahm einen anderen Seestern auf und warf ihn lächelnd ins Meer.
“Aber für diesen macht es Sinn!”

Das erinnert mich an meine Tochter, als sie noch gaaanz klein war, rettete sie jede Schnecke die sie auf der Strasse fand, in dem sie sie sorgsam aufhob und in die nächste Wiese trug. Sie hätte wohl kein Verständnis gehabt, wenn man ihr erklärt hätte, dass Millionen anderer Schnecken heute noch überfahren werden. Sie hat unzählige Schnecken gerettet und ich bin extrem stolz auf sie, dass sie sogar für diese kleinen Lebewesen soviel Mitgefühl übrig hatte. Und es erinnert mich an eine andere Episode, in der meine Tochter ebenfalls wahre Grösse zeigte:

Im Alter von 7 Jahren entdeckte meine Tochter auf dem Schulweg einen ‘zerzausten Vogel’, der nicht mehr fliegen konnte und nach ihrem Empfinden Hilfe brauchte. Instinktiv stellte sie das Schutzbedürfnis des Vogels über die Pflicht, rechtzeitig zur Schule zu kommen, sie nahm den Vogel auf und brachte ihn einer Frau in der Nachbarschaft, die sich mit Vögeln auskennt. Man muss die Tierliebe meiner Tochter erlebt haben, um sich auch nur annähernd vorzustellen, wie glücklich und stolz sie über ihre ‘Tierrettung’ war.
Doch zu ihrer Überraschung hatte die Lehrerin nicht das geringste Verständnis für ihr Zuspätkommen und quittierte diese Episode mit einem Wölkchen im ‘Strafbuch’ der Klasse. Solche Wölkchen gelten als Strafpunkte die bei Erreichung einer bestimmten Menge mit doch relativ demütigenden Strafarbeiten abgegolten werden.
Meine Tochter nahm dieses Wölkchen verblüffenderweise relativ desinteressiert zur Kenntnis – ganz im Gegensatz zu sonstigen Gelegenheiten. Scheinbar zählte für sie nur der Vogel, sie wusste tief in ihrem kleinen Herzchen, dass sie etwas Gutes getan hat und das schien ihr wichtiger als die Strafe.
Zurück blieb ein Stückweit Verwirrung, warum sie bestraft wird dafür, jemandem geholfen zu haben.

Der König und der vergiftete Brunnen (Dan Millman)

Es war einmal ein König, der lebte in seinem Schloss auf einem hohen Berg. Der König war sehr beliebt bei seinem Volk. Jeden Tag brachten ihm die Leute aus der Stadt schöne Geschenke, und der Geburtstag des Königs wurde im ganzen Land gefeiert. Die Leute liebten den König, denn er war weise und gerecht.

Eines Tages geschah ein Unglück. Alle Brunnen im Lande wurden vergiftet, und alle, die daraus tranken, wurden verrückt. Nur der König, der einen eigenen Brunnen besass, blieb verschont. Bald danach fingen die verrückten Leute im ganzen Land an zu tuscheln: ‘Wie seltsam ist doch unser König. Er ist überhaupt nicht mehr weise, er ist gar nicht mehr gerecht.’ Manche behaupteten sogar, der König sei verrückt geworden. Vorbei war seine Beliebtheit, und niemand brachte ihm mehr Geschenke. Natürlich feierte auch niemand mehr seinen Geburtstag.

Der einsame König langweilte sich und beschloss eines Tages, von seinem Berg herabzusteigen und in die Stadt zu gehen. Es war furchtbar heiss an diesem Tag, darum trank der König einen tüchtigen Schluck aus dem Brunnen am Marktplatz.

An diesem Abend feierte die ganze Stadt ein grosses Fest. ‘Unser geliebter König hat endlich seinen Verstand wiedergefunden’, jubelten die Leute.

Warum?

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand?
(Lacrimosa – Fassade 1)

Warum leben wir in einer Gesellschaft, die Andersartigkeit per Definition als falsch oder krank klassifiziert?

Warum zwingt uns unser modernes, rationales Denken dazu, nur noch in schwarz-weiss Kategorien zu denken und keine Grautöne mehr zuzulassen?

Warum wird ein Individuum nur dann toleriert, wenn es seine Individualität aufgibt und sich in eine dieser schwarz-weissen Schubladen stecken lässt?

Warum wird uns Selbstbestimmung zugesprochen, aber nicht zugelassen?

Warum ist der Druck zur Normalität so gross, dass ein Kind sich für ihren weiblichen Vater schämen muss, nur weil diese(r) weibliche Vater sich selbst ist?

Warum verwechselt der Mensch Andersartigkeit mit Abartigkeit?

Warum schafft Gott oder die Natur eine Frau in einem Männerkörper, wenn solche Wesen so untragbar sind für diese Welt?

Warum stellt uns das Leben soviele Fragen, auf die es keine Antwort gibt?

Vielleicht bin ich nur ein Mensch
Und vielleicht bin ich auch nur ein Argument
Vielleicht bin ich letztlich einer dieser Fragen
Deren Antwort sich die Blösse gibt ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade 3)

Der Stolz einer Trans-Frau

Erneut sehe ich mich mit der Frage konfrontiert, ob ich mich für meine Wesensart schämen müsste oder ob mir Nahestehende sich für mich schämen müssten. Und einmal mehr komme ich zum Schluss, dass genau das Gegenteil der Fall ist, auch wenn diese Gesellschaft das (noch) nicht so sieht.

Seien wir doch ehrlich, unsere moderne Gesellschaft hat uns zu kleinbürgerlichen Marionetten gemacht. Wir fragen nicht wer wir sind sondern wer wir sein sollen. Wir fragen nicht was wir sind sondern was wir darstellen sollen. Wir sehen nicht in den Spiegel unserer Seele um zu erkennen was uns ausmacht sondern lassen uns bestimmen durch das Bild das andere von uns haben. Ich bin nur gut, wenn man mich für gut hält. Ich bin nur soviel wert, wie andere mir an Wert zusprechen.

Wieviel Mut braucht es, um seine Selbstbestimmung im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft eingrenzen zu lassen? Wieviel Kraft braucht es, um das zu tun was von uns erwartet wird? Wie schwer ist es, cool zu sein, angepasst gekleidet zu sein, ein schickes Auto zu haben, einen standesgemässen Job……..

Es braucht nicht viel, “normal” zu sein, politically correct wie man so schön sagt. Man erspart sich so, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, man umgeht so Konflikte und Ablehnung. Der moderne Mensch ist so sehr davon abhängig, den anderen genehm zu sein, dass er sich selbst dabei verliert.

Transsexuelle werden für ihre Wesensart und noch mehr für den von ihnen eingeschlagenen Weg von einigen belächelt, von manchen verachtet, von wenigen sogar angegriffen….. weil sie sich erdreisten, wider jeglicher gesellschaftlichen Geschlechterdiktatur sich selbst zu sein. Muss man sich dafür schämen, dass man sich selbst ist und für sich selbst einsteht, obwohl es in den Augen anderer “nicht normal” ist? Oder sollte man nicht stolz darauf sein, zu den wenigen zu gehören, die den Mut dazu haben und sich nicht unterkriegen lassen von den ungeschriebenen Gesetzen dieser uniformen schwarz-weiss-denkenden Welt?

Ich wüsste vieles in meinem Leben, wofür ich mich schämen müsste und vieles, wofür ich mich heute noch schäme. Aber dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, nötigt mir einen ungeheuren Respekt vor mir selbst ab. Ich bin stolz auf mich, dass ich zum ersten Mal im Leben so konsequent für mich einstehe. Ich bin stolz darauf, dass ich mein Innerstes nach aussen kehre ungeachtet etwelcher Blicke und Kommentare. Ich bin stolz darauf, dass ich mit erhobenem Haupt durch eine Menschenmenge gehen kann, die in ihrem Konformitätswahn glaubt, in mir etwas Kurioses zu erblicken.

Transsexuelle, die ihren Weg gehen, müssen der Angst ins Auge blicken und ihre Ängste überwinden. Sie nehmen gesundheitliche Risiken in Kauf, sie riskieren Ablehnung und Ausgrenzung, sie riskieren angepöbelt oder angegriffen zu werden. Transsexuelle legen ihren bisherigen sozialen Status und ihr Ansehen ab wie einen alten Mantel, geben das Coolsein und das Normalsein auf zugunsten des Ichseins. Transsexuelle nehmen bewusst in Kauf, dass sie immer in einem Rechtfertigungszwang stecken und nie wirklich verstanden werden. Transsexuelle machen es sich nicht einfach, gehen nicht den Weg des geringsten Widerstands….. sie kämpfen für Ihr Recht auf die Individualität eines Individuums.

Glaubt mir, es braucht verdammt viel Grösse, Mut, Entschlossenheit und Tapferkeit, um diesen Weg zu gehen. Dass ich diesen meinen Weg trotz aller Widrigkeiten gegangen bin und immer noch gehe, das macht mich stolz wie ich noch nie vorher stolz war und es gibt mir eine Form von Würde, die ich vorher nie gekannt habe.

Heute kann ich in den Spiegel schauen und sehe ein Wesen, das weder sich noch anderen etwas vormacht, das zu sich selbst steht, für sich einsteht und sich nicht unterkriegen lässt. Ein Wesen, das so ist wie es ist und nicht so, wie andere es haben möchten.

Wer von diesen vielen “normalen Menschen” da draussen hätte den Mut dazu?

Stand and fight, live by your heart
Always one more try, I’m not afraid to die
Stand and fight, say what you feel
Born with a heart of steel
(Manowar – Heart of Steel)

Schubladisierendes Geschlechtsdenken

Bereits an anderer Stelle habe ich mich darüber ausgelassen, dass der moderne Mensch ein erschreckendes Schwarz-Weiss-Denken hat. Gerade in Geschlechsfragen hat diese Schubladisierung groteske Ausmasse angenommen. Es fällt einem kaum auf, aber wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, sieht man unzählige “ungeschriebene Gesetze”, die die Geschlechter in Zwangsjacken stecken:

  • Jungs weinen nicht
  • Mädels können nicht Fussball spielen
  • Jungs spielen nicht mit Puppen
  • Mädel interessieren sich nicht für Autos
  • Jungs sind muskulös, Mädels grazil

Die Liste liesse sich beliebig erweitern, es gibt tausend Dinge, die das eine Geschlecht muss während es das andere nicht darf. Ich will nicht abstreiten, dass es Geschlechterdifferenzen gibt, das ist so und soll so sein. Aber diese Differenzen sagen nur aus, dass Mädels/Jungs eher einen Hang haben, dies und das zu tun. Sie sagen keinesfalls aus, dass sie es müssen oder nicht können oder nicht dürfen. Aber in unseren Köpfen scheint das doch soweit betoniert zu sein, dass unser geschlechtspolitischer Normierungswahn teils bizarre Blüten treibt.

Über ein wirklich groteskes Beispiel berichtet heute 20 Minuten.

Nach einem Kinder-Fussballspiel drehten ein paar Mütter der unterlegenen Man(n)schaft komplett durch, weil zwei Mädels der Siegerman(n)schaft mehr Tore schossen als die anderen und weil diese zwei Mädels dann auch noch kurze Haare hatten, kam bei diesen Hirnakrobatinnen der Verdacht auf, dass diese gut fussballspielenden Mädels sicher Jungs seinen….. und man glaubt es kaum, sie forderten lauthals, diese zwei Mädels müssten die Hosen runterlassen um zu beweisen, dass sie echte Mädels sind. Abgesehen davon, dass dies eine strafrechtlich relevante Nötigung ist, zeigt es auch, wie verknorkst das menschliche Hirn in Geschlechterfragen ist.

Mich hat die Geschichte echt geschockt. Einerseits weil diese Mädels durch so ein hysterisches Affentheater ziemlich traumatisiert sein dürften und anderseits, weil es eben einmal mehr zeigt, dass wir in dieser Thematik extreme Scheuklappen tragen.

Und genau das macht das Leben von transsexuellen Kindern zur Hölle. Weil sie so ständig anecken, sich ständig unkorrekt verhalten, weil sie einfach nicht “artgerecht” sind. Das ist der Anfang von Ausgrenzungen und von Psychoterror – das ist der Anfang eines langen Leidensweges.

20-Minuten: 10-jährige Mädchen sollten Hosen runterlassen

Gender stereotypes are a prison
that keeps the whole of humanity locked up
(Diana)



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