(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Beschaffungsstress geht wieder los

Ach muss das denn wirklich sein? Gestern wollte ich meine Östrogene bestellen und bei der Bezahlung hiess es dann, sie würden keine Mastercard mehr akzeptieren. Toll, seit einem halben Jahr versorge ich mich dort mit meinem Estradiol und bin saufroh, dass ich einen guten Ort gefunden habe, der verlässlich das liefert, was ich bestellt habe und nun steh ich wieder vor dem schwarzen Loch. Den Testosteron-Blocker krieg ich anderswo her, das solle so hoffe ich weiter klappen, aber woher krieg ich jetzt die Östrogene?

Genau deshalb finde ich es einfach menschenunwürdig, dass man hierzulande Transsexuelle während des sogenannten Alltagstests so hängen lässt und so dem aussetzt. Ich hab zwar von anderen T-Girls Tipps bekommen und versuche es nun dort, aber die Ungewissheit geht tierisch an die Substanz. Ich möchte echt nicht erleben, hormonfrei durch die Welt zu gondeln.

Es wäre echt wünschenswert, wenn sich auch bei der Ärzteschaft die Erkenntnis durchsetzt, dass das Wohlergehen der Patienten wichtiger ist als die Einhaltung veralteter Behandlungsstandards.

Update 2. Oktober: Das Problem hat sich erledigt, herzlichen Dank an Sarah, die mir einen neuen und sogar preiswerteren Lieferanten empfohlen hat. Die Medis sind heute angekommen, sowohl Androcur als auch Diane-35. Nun muss ich also zukünftig nicht mehr bei zwei Händlern bestellen und das zudem billiger. Manchmal hat auch das Schlechte sein Gutes :-)

Uni-Termin: Die offizielle Behandlung beginnt

Heute morgen fand der lang ersehnte Termin mit dem Oberarzt der Psychiatrischen Universitätsklinik statt – ab jetzt bin ich sozusagen universitär beglaubigte Trans-Frau :-) Ich werde nun bei der Endokrinologie für die Hormonbehandlung angemeldet, einen Termin für die Logopädie habe ich bereits und sie stellen für mich sogar einen Antrag bei der Krankenkasse auf Kostenübernahme einer Laserbehandlung.

Einziger Haken an dieser Sache: Da die Endokrinologie chronisch ausgebucht ist, müsse ich damit rechnen, dass es etwa drei Monate geht, bis ich dort antanzen darf. Bis dahin habe ich auch mein Jahr Alltagstest durch, geschenkt wurde mir also faktisch nichts. Aber damit kann ich leben, ich bin seit Anfang Jahr Selbstversorgerin in Sachen Hormone und werde das auch noch drei Monate weiter machen können.

Wichtig für mich ist, dass nun offiziell die Behandlung anfängt. Aus meiner Sicht bin ich also nicht mehr in der Abklärungsphase sondern in der Behandlungsphase. Und das ist ein extrem gutes Gefühl. Aus einer Verdachtsdiagnose ist eine Diagnose geworden (das wurde nicht wörtlich so gesagt, fühlt sich für mich aber so an) und damit habe ich den zweiten von drei Meilensteinen überschritten. Anfang Jahr war der Beginn meines offiziellen Lebens als Frau, nun beginnt die offizielle Behandlung und in einem Jahr kommt der letzte Meilenstein, die geschlechtsangleichende Operation und daraus resultierend die Personenstandsänderung, also ein Ausweis in dem ich korrekt als Frau klassifiziert bin.

Wow, was für ein Gefühl, ich habe die Hälfte des Weges geschafft und könnte grad heulen vor lauter Freude. Voraussichtlich Ende 2010 dürfte die GaOp fällig sein, dann kann ich Jesus nachahmen und endlich sagen………
Es ist vollbracht :-)

Madame geht in die Frauenheilkunde – Gebt dem Mädel ihre Hormone!

Es geschehen doch noch Wunder in den universitären Anstalten, ich habe nun nach einem Jahr Alltagstest den ersten Termin in der Endokrinologie bekommen, in der man mich zuerst in Grund und Boden stampfen wird, weil ich ein Jahr lang selbstversorgend Hormone eingenommen habe und dann dürfte es losgehen mit der offiziellen Hormonersatztherapie (HRT). Damit reduzieren sich meine gesundheitlichen Risiken massiv und dürfte auch optimierter ablaufen.

Die Einladung zum Termin hat mich gleich mehrfach beglückt, erstens eben weil die HRT losgeht, zweitens weil ich damit offiziell die Halbzeit meiner Geschlechtstransformation überschreite und weil ich erstmals eine Einladung ins Departement für Frauenheilkunde gekriegt habe. Ey Leute, Frauenheilkunde, wow wenn das keine Beförderung ist, was dann? Es fühlt sich soooo gut an, da reinzugehören, das ist wie eine Einladung an einen Frauenabend – auf Lebenszeit. Ich muss unbedingt fragen, ob ich mich mal auf einen Gynäkologiestuhl legen darf, einfach um das Ritual des Eintritts in die Welt der Frauenheilkunde mit Stil zu zelebrieren ;-)

Etwas bedenklich stimmt mich aber, dass es sich genau genommen um die “Klinik für Reproduktions-Endokrinologie” handelt. Hey ich will mich nicht reproduzieren, es reicht völlig, wenn’s mich einmal gibt. Als echt, wenn die mir da ein Embryo einpflanzen, krieg ich die Krise. Ich werd mit Argusaugen aufpassen, was die da mit mir anstellen.

Ich bin gespannt, ob die sich genauso über meine Hormonwerte freuen wie ich. Testosteron dürften sie kaum noch finden, dafür einen Östrogenpegel wie Marylin Monroe :-) Aber ich befürchte, einen Zusammenschiss krieg ich trotzdem, auch wenn ich meines Erachtens gut dosiert habe. Und falls gemeckert wird, hoffe ich, dass ich die Nerven behalte und nicht erstmals komplett ausflippe. Ich wollte schliesslich schon lang in die Endokrinologie, an mir wärs nicht gelegen. Aber da an der Uni die Einhaltung von Standards scheinbar wichtiger ist als die Gesundheit der Patientinnen, übte man sich ja eifrig in unterlassener Hilfeleistung. Auf das Thema bin ich langsam ziemlich gallig, wenn mich nun auch noch jemand deswegen anstänkert, dürfte mir langsam ne Sicherung durchbrennen.

Aber nein, ich bin ja ein braves Mädel und vorallem ein ein strategisch kalkulierendes Weibchen. Ich bin froh um all die Unterstützung die ich kriege, beispielsweise die Logopädie, da will ich keine Streitereien mit denen, die mir ja helfen wollen. Und schlussendlich zählt nicht die Vergangenheit, eine Behandlung beginnt jetzt und da will ich nicht nachtragend sein.

Und diesen Donnerstag hab ich auch noch einen Doppeltermin, erst in der Logopädie und anschliessend ein paar Häuser weiter in der Psychoabteilung. Dort werd ich mal versuchen rauszufinden, bis wann ich die GaOp erwarten kann. Offiziell wär das Ende 2010. Man hat signalisiert, dass es ein klein wenig früher sein könnte, also vielleicht schon Herbst 2010. Aber ich finde, sie haben mich lange genug hängen gelassen, Sommer 2010 wär deshalb angebracht. Ich hab ein Leben lang nie schöne Geburtstagsparties feiern können, weil man im Dezember nicht draussen rumlungern kann. Meinen neuen Geburtstag will ich gefälligst im Sommer, dann können wir an meinem ersten Geburtstag 2011 festlich grillieren :-)

Eine geballte Ladung Highlights

Es ist halb zwei Uhr Nachts, in fünf Stunden wird mich der Wecker erbarmungslos durchschütteln und ich sollte jetzt wirklich ins Bett. Aber dieser Tag hatte es so in sich, dass ich es mir nicht verkneiffen kann, das nun hier loszuwerden. Ihr kennt das ja, es gibt Tage an denen läuft gar nix und es gibt Tage, da hüpft man von einem Highlight zum Nächsten. Der heutige Tag war diesbezüglich ein Prachtstück, also holt Euch Popcorn und Bier und machts Euch gemütlich, das dürfte etwas länger dauern :-)

Leben um des Lebens willen
Angefangen hat der Tag ganz normal, also wunderschön und voller Lebenslust. Ich verpennte mal wieder sinnlos, hatte einen stressigen Tagesbeginn mit hecktischer Gesichtsmalerei und so weiter, weil ich heute gleich zwei Uni-Termine hatte und um 14 Uhr von der Arbeit wuseln musste. An einem Tag, an dem man drei Minusstunden im Geschäft macht, ist verpennen definitiv nicht angesagt, aber was will man machen, der Geist ist willig, aber das Fleisch nunmal schwach ;-) Der Morgen verlief soweit wie immer, ich stöckelte nach vollbrachter Fassadenverzierung ins Geschäft, genoss einen alltäglichen Morgen mit dem Programmieren von spannenden Programmen und erfreute mich sinnlos an der Tatsache, dass ich “Ich” bin, ich sein darf und von einem Rudel Jungs umgeben bin, die mir das Ich-Sein so angenehm und einfach machen.

Experimentale Hormontherapie
Als ich dann um 14 Uhr Richtung Zug loswanderte, ging ich noch kurz zuhause vorbei, weil ich hoffte, dass meine neu bestellten Medis angekommen sind. Ich habe mich die letzten Monate arg gewundert, weshalb die Brustentwicklung irgendwie stehen geblieben ist. Am letzten Stammtisch des Transensyndikats (ja wir dürfen uns Transe nennen, das nennt man exzessive Ironie, der Blick darf das aber nicht) liess ich mir sagen, dass die Diane-35 die ich nehme, zwar gut für den Einstieg ist, aber dann irgendwann nix mehr bringt. Es gibt verschiedene Östrogen-Arten und die hat irgendwie das Falsche drin. Cool, wenn das stimmt, habe ich ein halbes Jahr lang gesundheitsgefährdende Medis reingepfiffen, die mich theoretisch töten könnten und zumindest den Körper (im Speziellen die Leber) belasten und das für null Heilwirkung. Das hat mich dann einmal mehr ziemlich knurrig gemacht betreffend der mir unverständlichen Tatsache, dass die Verantwortlichen der Uni-Klinik mir nicht mal ein informatives Gespräch mit einem Hormonspezialisten gewähren wollten. Jedenfalls liess ich mir da eine neue Medi-Kombination empfehlen und will nun natürlich raschmöglichst herausfinden, ob sich so etwas verändert. Also stresste ich heim, fand das Zeuchs im Briefkasten, ging rein, öffnete das Packet, nahm die Hormonpflaster raus, riss die Jacke von mir, Kleid hoch, zwei Pflaster an den Rücken gepappt, Kleid runter, Jacke an, rausstressen und weiter geht’s im Terminplan. Ab heute ändert sich also meine Medikation von 3 x Diane-35 täglich (6mg Estradiol) und 50mg Androcur auf zwei Estradiol-Pflaster alle 3-4 Tage, ein Progesteron-Zäpfchen täglich sowie das Androcur, bei dem ich mir überlege, ob ich es auf 25mg reduziere, weil das Progesteron das evtl nicht mehr so nötig macht. Erstens habe ich damit das “richtige Östrogen” und zusätzlich gehen die Pflaster im Gegensatz zur Pille nicht über die Leber und sind deutlich weniger gefährlich. Diesen Tipp hätt ich gern an der Uni gekriegt, aber lassen wir das jetzt. Ob ich jetzt ohne Antibabypille schwanger werden könnte, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich gehe eher davon aus, dass ich zu alt und zu verrückt bin für sowas ;-)

Logopädie – das Äussere mit dem Inneren in Einklang bringe
Dann eilte ich los nach Zürich an die Uni-Klinik, um dort wieder eine faszinierende Logopädie-Stunde zu verbringen. Es macht eine Menge Spass, das Äussere dem Inneren immer mehr anzugleichen und so ist ein philosophieren über geschlechtsspezifische Sprechweisen eine spannende und hilfreiche Sache und einmal mehr erfreute ich mich an einer Logopädin, die erstens eine Super-Lady ist und damit ein perfektes Vorbild, die andererseits aber mit enormem Feingefühl etwas zu vermitteln vermag. Man fühlt sich zwar a bissrl deppert, wenn man Worte ab Blatt lesen muss wie eine Erstklässlerin, aber mit ihr zusammen ist es einfach schön. Es geht nicht darum, etwas an mir zu verfremden sondern darum, das Weibliche das in mir verschüttet ist wieder zur Entfaltung zu bringen und das schafft diese Lady in verblüffender Weise. Wenn ich mit ihr rede, fühlt sich das an, als ob sich die Schale meines zubetonierten Äusseren mit jeder Minute mehr entblättert, bis ich ganz aus mir emporsteige.

Psychiatrisches, GaOp, ein schönes Kompliment und ein bisschen stänkern
Dann gings ein paar Häuser weiter in die Psychosoziale Abteilung zu meinem monatlichen Termin. Der Termin, der bisher der Begutachtung diente, der nun für mich zumindest zum Behandlungsort wurde. Die Logopädie wurde von ihnen beauftragt, die Krankenkasse zu einer Kostengutsprache für Epilation bewegt, die Endokrinologie mit meiner Hormonifizierung beauftragt (ja ich weiss, zweimal dasselbe Wort ist blöd, fällt mir aber grad nix anderes ein). Jedenfalls hat diese Stunde für mich eine ganz neue Qualität bekommen. Es war schon immer angenehm, weil die Assistentin, die mich da betreut, grosses Einfühlungsvermögen hat und mir immer das Gefühl gibt, verstanden und respektiert zu werden, nicht als Patientin sondern als Frau. Von ihr habe ich schon mehrmals Komplimente bekommen im Stil von, dass ich sehr authentisch wirke und “ein klarer Fall” sei. So etwas hört man als TransFrau gerade in der Begutachtungsphase natürlich gern. Auch heute wurde mir erneut attestiert, dass ich n’Klasse-Mädel bin. Ok so hat sie es nicht formuliert, aber so ist’s bei mir angekommen. Trotzdem, obwohl ich mich dort gut aufgehoben fühle, konnte ich es diesmal nicht lassen, mich mal ein wenig darüber auszulassen (diese zwei “lassen” sind aber cool, hä?), dass ich die einjährige Zeitschinderei, die man zynisch Alltagstest nennt, für menschenunwürdig halte und es meines Erachtens unterlassener Hilfeleistung gleich kommt, wenn man die Einhaltung eines Standards für wichtiger hält als das Wohl resp. die Behandlung der Patientin. Diese “Fristenlöstung” musst wirklich überdacht werden, ein Jahr ist pure Menschenquälerei. Aber meine Stänkerei hin oder her, für mich ist das letzte Jahr, dieses Begutachtungsjahr, vorbei. Nun werde ich behandelt und will auch nicht nachtragend sein, ich bin einfach froh, dass ich nun ernstgenommen werde und ich nicht mehr meine einzige Ärztin bin.

Transsexualität hat biologische Ursachen
Am Schluss habe ich dann ein Thema angesprochen, das ich in letzter Zeit öfters gelesen habe, nämlich, dass nach neustem Stand der Forschung Transsexualität keine Persönlichkeitsstörung ist, so wie es in den offiziellen “Krankheitsregistern” noch drin steht sondern dass man heute weiss, dass es biologische Ursachen sind. Mit anderen Worten, in unseren Köpfen ist alles ok, wir spinnen nicht, unser Körper hat einfach irgendwie die falsch Weiche erwischt und ist in die falsche Richtung gefahren. Darüber dann ein anderes Mal mehr, da möchte ich mich erst etwas schlauer machen. In Kürze kann man sagen, dass man einerseits in den Hirnen von TransFrauen Dinge entdeckt hat, die sonst nur bei BioFrauen so sind, wir haben also sozusagen ein weibliches Gehirn (sehr vereinfacht ausgedrückt) und anderseits hat man genetische Gemeinsamkeiten unter TransFrauen entdeckt. Beides zeigt, dass eine TransFrau halt eben doch – wie wir das immer empfunden und vertreten haben – eine ganz normale Frau ist, deren Körper sich nicht der “Norm” entsprechend entwickelt hat. Diese Erkenntnis könnte auch das gesellschaftliche Ansehen Transsexueller extrem verändern, weil in unserer Kultur leider psychische Erkrankungen weitaus mehr stigmatisiert sind als körperliche Krankheiten. Körperliche Krankheit bewirkt Mitgefühl oder Mitleid, psychische Krankheit bewirkt Ablehnung. Ich hoffe wirklich, dass diese Fakten bald mal der breiten Öffentlichkeit kundgetan werden.

Jupes sind anhänglich wie verrückt
Als Nächstes gings wieder Richtung Nachhause für den Rest des Tagesprogramms. Aber das Tram das ich erwischte, hielt nicht am Bahnhof direkt wie ich erwartete sondern ein paar Meter in der Nebenstrasse, der berüchtigten Bahnhofstrasse, dem Einkaufsmekka für uns Mädels. Naja, ich hatte ja abgemacht, aber wenn mich das Tram direkt vor einem H&M auslädt, wie könnte ich da widerstehen? Also gings ein paar Minuten da rein und als ich nach etwa zehn Minuten wieder rausging, hing an meiner Hand eine Tüte mit drei Jupes und einem Paar Din-40 Strumpfhosen. Weshalb die mit mir gekommen sind ist mir ein Rätsel, sowas passiert mir immer wieder, aber ich erfreute mich doch sehr daran, dass diese drei Teile mega schön waren, unter Anderem ein halbkurzer Jeans-Jupe mit blauem Rosenmuster. Sooooooo schön :-) Achja irgendwo muss ich eine Hunderternote verloren haben, jedenfalls hab ich jetzt einen weniger.

Was guckst Du?
Dann schaffte ich es doch noch Richtung Zug, obwohl’s noch gaaanz viele Läden gehabt hätte. Das zeigt mal wieder, was für eine Willenskraft T-Girls haben. Ich schnappte mir noch einen HotDog und einen Hörndlisalat und wartete auf dem Perron auf den Zug. Einmal mehr, wie so oft in den letzten Wochen, wunderte ich mich wieder darüber, wie egal mir die Leute um mich herum sind, resp wie egal mir war, ob sie mich beachten und was sie allenfalls von mir halten. Dieses Selbstbewusstsein, das in mir entstanden ist, entwaffnet irgendwie alles. Ich bin eine Frau, von mir aus mit einem “Trans” vorne dran, aber ich bin voll und ganz Frau und ich find mich ok so, ich gefalle mir im Grossen und Ganzen und finde es absolut ok, nein sogar bewundernswert, wie tough ich das hier allels durchziehe. Ich dachte zurück an die Zeiten Anfang Jahr, an denen ich am liebsten verschleiert oder noch besser gar nicht raus gegangen wäre. Heute ist es einfach schön und irgendwie normal, am Leben teilzunehmen, ich sehe mich nicht mehr mit den Augen Anderer sondern mit meinen eigenen Augen, deren Blick ich nicht zuletzt den Augen meiner FreundInnen verdanke, die mir ihre geliehen haben. Es erstaunt mich ungemein, wie stark ich in diesem Jahr innerlich geworden bin und wie souverän ich dieses Leben meistere und wie etwas, was ich ein Leben lang versteckte, zum öffentlichen Aspekt meines Lebens geworden ist.

Brettspiele mit den Jungs
Dann ging ich zu meinem Teamchef und einem Entwickler aus meinem Team, um mit denen wie öfters das Brettspiel “Siedler” zu spielen. Wir haben immer einen Mordsspass, lachen viel dabei und nicht zuletzt hats irgendwie auch was Prickelndes, als einzige Frau mit zwei netten Jungs zu spielen ;-) Ich kann wirklich froh sein, so einen coolen Chef zu haben. Ich hab noch nie mit Chefs privat etwas angestellt, eigentlich nicht mal mit Arbeitskollegen. Überhaupt wimmelts in dieser Firma von Leuten, die ich sehr mag, die anständig mit mir umgehen und mit denen ich mich täglich krummlachen kann. Software-Leute haben irgendwie alle n’Knall, da hat man einfach ne Menge Spass beim ackern, vorallem wenn man so verrückt ist wie ich :-)

Und ab ins Pub
Da die Zwei in der Nähe meines Stamm-Pubs wohnen, wars natürlich naheliegend, dass ich anschliessend um Halb Zehn Uhr ins Pub abwanderte und dort bis fast ein Uhr an der Bar sass und mit netten und vertrauten Leuten plauderte.

Meine erste Geburtstagsparty planen
Mit der Barkeeperin diskutierte ich dann etwas, was mir seit Langem im Kopf rumgeisterte. Das Pub kann man auch für Privatanlässe mieten. Die Getränke gehen dann einfach über die Bar, das ist ihr Verdienst, dafür kann man dort abfeiern, wird getränkemässig betreut und kann selber Futter mit bringen oder was weiss ich. Nachtrag resp. Korrektur: Ursprünglich schrieb ich hier, dass ich eine Riesenparty machen möchte. Nach einigen Abklärungen scheint das nicht so umfangreich möglich zu sein, wie ich mir wünschte. Aus “logistischen” und terminlichen Gründen wird diese Party wohl doch eher in kleinem Rahmen stattfinden. Mehr dann demnächst in diesem Blog.

Power-Ladies sind kälteresistent
An dieser Stelle sollte ich kurz erklären, dass ich n’ziemlich hartnäckiges Mädel bin, was Mode anbelangt. Einerseits trage ich nicht was modern ist sondern was mir gefällt, anderseits lasse ich mir keine saisonalen Einschränkungen auferlegen. Anders gesagt, selbst wenn Petrus den kältesten Scheiss-Winter seit Menschengedenken einleutet, werde ich es mir nicht nehmen lassen, im Rock oder Kleid durch die Welt zu tingeln. So kommt es, dass ich auch in diesem grusligen Wetter nachwievor trotzig im Stiefel-Strümpfe-Kleid Tenue durch den Alltag zittere. Ich konnte vier Jahrzehnte nicht anziehen was mir gefällt, jetzt können auch dämliche Schneeflocken und eisige Winde mich nicht davon abhalten, dass ich das trage, was aus dem Kleiderschrank springt. Und so hatte ich halt auch heute ein Kleid an, kurzärmlig, mit nem Jäckchen drüber, dazu die für den Winter konzipierten schwarzen Din-70 Strümpfe und dazu scharze Stiefel. Fürs Geschäft ist das kein Problem, ne dicke Jacke drüber, 10 Minuten ins Geschäft laufen, Jache weg und fertig ist das Mädel. Zehn Minuten etwas kühl und dafür den Tag lang heiss, ich find das ist ein guter Deal. Naja, ausser man geht Abends noch ins Pub, denn das bedeutet eine halbe Stunde heimlaufen nach Mitternacht. Aber zum Glück hat man einen MP3-Player in der Handtasche (zusammen mit tausend Dingen die Frau braucht sowie drei neu gekauften Jupes), denn Musik kann kleine Wunder bewirken, vorallem wenn man so schöne Stiefel anhat (ok der Zusammenhang ist schwer zu erklären, nehmen wir es einfach mal so an). Mit Halo von Beyonce im Ohr, gings im Sauseschritt durch die Nacht, von der Musik getragen fast schwebend und von den Gefühlen (das ist meine Diana-Auferstehungshymne) die diese Musik in mir auslöst, war dieser Spaziergang eine wirklich schöne Sache und den ganzen Weg ergötzte ich mich an der Vorstellung, wie wunderschön sich mein Leben nun doch so verändert hat, wie ich es nie zu träumen wagte.

Unsichtbare Freunde
Zuhause angekommen, wollte ich diesen Beitrag schreiben, ich schreibe meist dann, wenn mich etwas beschäftigt, egal ob die Zeit dazu da ist, also war klar, dass ich mich jetzt noch leertexten werde. Doch erst musste natürlich die Mailbox begutachtet werden, es gibt einige Menschen die mir soviel bedeuten, dass ich ihre Mails so rasch wie möglich lesen möchte. Nebst solchen Mails fand ich aber etwas, was diesem Tag noch das Sahnehäubchen aufsetzte. Oben habe ich ja geschrieben, dass ich auch Leute an meine Geburtstagsparty einladen möchte, die hier regelässig mitlesen, selbst wenn ich diese nicht kenne. Diese Idee ist relativ neu und den Entschluss fasste ich heute. Es gibt ja Zufälle, Dinge die einem zufallen, sie tun das nie zufällig, es hat immer irgendwie seine Richtigkeit. Als ich meine Mails prüfte, fand ich da ein Mail einer mir unbekannten Frau, die mir mit liebevollen und mitfühlenden Worten sagt, sie sei eine Freundin meines Vaters, würde seit einiger Zeit hier mitlesen und mitfühlen. Es waren ein paar Sätze, die jeder eine Nähe ausdrückte, die einfach schön war. Da ist jemand, der an meinem Leben Anteil nimmt ohne mich zu kennen und der in gewisser Weise mitlebt und mitfühlt. Irgendwie mindblowing, ich kann das gar nicht richtig in Worte fassen, es berührt mich einfach ganz tief und macht mich extrem glücklich, dass sogar mir unbekannte Menschen mir so nah sind. Ich bin nicht allein, selbst wenn ich alleine bin, unglaublich :-)

Das Mädel hat echt n’Knall
Und so ist es nun drei Uhr geworden, ich bin immer noch hellwach, die Tasten glühen und ich stehe fast unter Schock, weil ich grad diesen Beitrag in der Vorschau angeguckt hab und nicht fassen kann, wieviel ich da soeben geschrieben hab. Um drei Uhr sowas? Aber was will ich machen? Ich bin nunmal ein enthusiastisches und ekstatisches Mädel, wenn ich etwas tue, versinke ich darin und wenn es soviel zu erzählen gibt, tippt es halt auch entsprechend eifrig.

Aber jetzt wird es Zeit für ins Bett, in zweieinhalb Stunden geht der Wecker los, ich werde ihn hassen, aber eigentlich kann er ja nix dafür, er folgt nur seiner Natur, ist ganz Wecker – ein Idiot, aber wenigstens ganz sich selbst :o)

Gute Nacht, danke fürs Zuhören, danke fürs Mitleben und Mitfühlen, danke, dass Ihr irgendwo da seid :-)

Transsexualität: Öffentliche Wahrnehmung und Faktenresistenz

Transsexuelle Menschen leiden primär unter zwei grossen Problemen.

Zum einen sind sie im falschen Körper geboren und werden dadurch in Geschlechterrollen gezwungen die ihre Seele tagtäglich vergewaltigen. Dieses Problem kann heutzutage dank plastischer Chirurgie und der chemischen Keule grösstenteils bewältigt werden.

Das zweite Problem sind die enormen Vorurteile und das erschreckende Falschwissen, das in dieser Gesellschaft verbreitet ist. Man kennt das ja, wenn jemand mal glaubt, etwas zu wissen, dann kriegt man dieses “Wissen” auch mit besten Argumenten und Beweisen kaum noch aus seinem Kopf raus.

Die Blick-Geschichte hat mir gezeigt, dass es notwendig ist, solche gestreuten Falschbilder zu korrigieren und deshalb habe ich mir vorgenommen, von nun an solchen Bildern und Fehlinformationen eine andere Sichtweise gegenüber zu stellen. Bereits der erste Versuch zeigt, dass es Menschen gibt, die eine ungeheure Faktenresistenz haben und nichts an sich heranlassen, was ihr vereinfachtes Weltbild irgendwie ankratzen würde.

Dieser Tage ist im “Mamablog” des Tages-Anzeigers eine Diskussion eröffnet worden wegen dem “schwangeren Transsexuellen”. Das Grundthema war, ob Transsexuelle Kinder haben dürfen. Mal abgesehen davon, dass diese Frage bereits faschistoide Züge trägt, zeigte auch die dort aufkommende Diskussion, dass es zwar Leute gibt die mit viel Verständnis auf das Thema eingehen, dass aber auch immer wieder Exemplare der menschlichen Spezies auftauchen, die ihren persönlichen Glauben resp. ihre naive Meinung über alle wissenschaftlichen Fakten stellen – ähnlich wie Kreationisten daran festhalten, dass die Erde nur 6000 Jahre alt ist, C4-Messungen hin oder her.

Ein paar Beispiele in der Diskussion im Mamablog sollen das verdeutlichen.

Transsexualität als Suchterkrankung?
Da stellt jemand die Hypothese auf, Transsexualität sei eine Suchterkrankung, diese Leute sollen ähnlich wie Michael Jackson eine Art Operationssucht haben. Abgesehen davon, dass ich noch nicht ein einziges Mal in Fachkreisen von dieser Theorie hörte, ist sie bei genauem Hinsehen völlig absurd. Wer auch nur mal eine kurze Medizinsendung über Sucht gesehen hat, der weiss, dass Sucht dann entsteht, wenn eine Handlung viele Male ausgeführt wurde und stets vom Belohnungssystem des Hirns belohnt wurde. Wer lange Zeit Drogen nimmt oder Glücksspiele macht, regt immer wieder das Belohnungssystem an und legt damit tiefe Spuren in sein Hirn, die irgendwann die Sucht nach erneuter Belohnung entstehen lassen.

Wäre Transsexualität eine Suchterkrankung, hätte ich bereits viele “positive Erfahrungen” machen müssen bevor ich transsexuell “geworden” wäre. Aber meine tiefe Überzeugung, ein weibliches Wesen zu sein, stand bereits in frühem Kindheitsalter fest, zu einer Zeit, in der ich niemals Röcke trug oder sonstige weibliche Attribute gelebt hätte. Hinzu kommt, dass die geschlechtsangleichende Operation eine einmalige Sache ist, die erst am Ende der Angleichungsphase ausgeführt wird. Da gibt es keine suchterzeugenden Reize vorher und keine mehr nachher. Diese These ist völlig absurd, trotzdem vermögen gewisse Menschen daran festhalten auf Teufel komm raus.

Transsexuelle Verhaltensweisen?
Ein Anderer hält Transsexualität für eine Verhaltensweise und beweist damit, dass sein Wissensstand nicht mal dem eines Blick-Schreibers entspricht. Das Problem von Transsexuellen ist ja gerade, dass ihre Verhaltensweisen ein Leben lang ins falsche Geschlecht gezwungen wurden. Die Meisten bekämpfen sich selbst und versuchen ihre Geschlechtsidentität zu unterdrücken um gesellschaftskonform zu funktionieren. Transsexuellen geht es frühstens dann besser, wenn Sie ihre Verhaltensweise ändern und in dem ihrer Identität entsprechenden Geschlechterrolle leben.

Man wird also nicht transsexuell, weil man zuviel in Frauenkleidern herumgelaufen ist sondern man läuft irgendwann in Frauenkleidern herum, weil man transsexuell ist und schon immer war. Diese Verdrehung von Ursache und Wirkung zeugt wirklich von überwältigendem Unwissen.

Ignoranz und Faktenresistenz
Der Höhepunkt der Ignoranz wird dann erreicht, wenn ich beispielsweise diesen Link auf Forschungsergebnisse als Argument vorbringe, die sogar fürs Auge sichtbar mit Bildern und Fakten zeigen, dass die Hirnregion BSTc, die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen mit der von anderen Frauen übereinstimmt. Es geht hier nicht darum, was im Hirn gespeichert ist, also psychologisch zu verstehen ist, wir reden hier von einer anatomischen Gemeinsamkeit zwischen TransFrauen und BioFrauen. Wenn ich nun so ein Argument einwerfe und niemand darauf eingeht und nichtsdestotrotz schnoddrig an seinem selbst-erfundenen Erklärungsmodell festhält, dann fehlen einem echt die Worte. Das erinnert mich irgendwie an Platons Höhlengleichnis, nur um einiges abstruser.

Transsexuellen gehts nach der “Umwandlung” schlechter
Ein Mythos der sich hartnäckig hält, auch wenn er noch so widerlegt wird. Prof. Udo Rauchfleisch, der am Basler Universitätsspital über hundert Transsexuelle langfristig betreut hat, spricht von einem einzigen Fall, bei dem die Betroffene die GaOp bereut hat, allen anderen ging es anschliessend deutlich besser. Trotzdem hält sich der Mythos hartnäckig, dass sich Transsexuelle angeblich umbringen. Einmal mehr dringen Fakten nicht bis an eine breite Öffentlichkeit.

Fazit – es gibt viel zu tun
Es bedarf wohl noch jahrelanger Öffentlichkeitarbeit, bis einer Mehrheit klar wird, dass TransFrauen eigentlich ganz normale Frauen sind, die nur ein einer körperlichen Ungewöhnlichkeit und ein unsäglicher gesellschaftlicher Ignoranz leiden.

Es ist keine Schande, unwissend zu sein,
aber es ist ein Armutszeugnis, wenn man Fakten leugnet,
um an der eigenen Unwissenheit festzuhalten.

Es ist schon schwer zu begreifen, dass Andere sich im Recht glauben, über Menschen wie mich zu urteilen und uns zu ver-urteilen. Aber wenn sich diese Gesellschaft schon das Recht nimmt, über uns zu richten, dann erwarte ich doch wenigstens soviel Fairness, dass man bei diesem gesellschaftlichen Gerichtshof in den Köpfen der Menschen Fakten nicht leugnet und die eigenen Vorurteile nicht über erwiesene Tatsachen stellt. Alles andere kommt einer neuzeitlichen Inquisition gleich und ist ein Armutszeugnis für eine angeblich aufgeklärte Welt.

Update 1.1.2010
Nachdem ich eine Weile mitgelesen habe und den menschenverachtenden Dreck eines gewissen Schmidli gelesen habe, konnte ich nicht umhin, nachfolgenden Beitrag in besagtem Forum zu posten. Dass der Tagi so faschistoiden Dreck überhaupt veröffentlicht, ist meines Erachtens ein Armutszeugnis, die Redakteure dieses Blogs wären nicht schlecht beraten, wenn Sie zukünftig lesen würden, was für perverse Sichtweisen auf ihrem Portal aufgelistet werden……….

falls das eine offizielle Umfrage ist, ich halte Schmidli ebenfalls für schwer gestört und wundere mich sehr, dass der Tages-Anzeiger so faschistoiden Dreck durchgehen lässt. Schmidli hat mehrfach den Straftatbestand der Ehrverletzung und der Beleidigung vollzogen, dass der Tagi so menschenverachtende Zeilen in sich sitzen lässt, ist ein Armutszeugnis für eine Zeitung, die sich einst der Seriösität verpflichtet fühlte. Ich bleibe bei meinem Angebot und würde eine psychotherapeutische Behandlung Schmidlis wegen Homophobie und Kastrationsangst finanziell unterstützen.

Hormontherapie geändert….. und ab geht die Post

Als ich mein Leben Anfang Jahr umstellte, war für mich undenkbar, diesen Prozess zu durchlaufen ohne dass der Körper mitkommt. Deshalb war klar, dass ich von Anfang an mit der Hormontherapie anfange. Aus bereits beschriebenen Gründen unterstützte mich das Uni-Spital dabei nicht, weil sie sich einem veralteten Standard verpflichtet fühlen, der einen einjährigen Alltagstest fordert. Aber sie akzeptierten meine Selbstversorgung, immerhin etwas. Ich habe mehrfach darum gebeten, dass ich wenigstens ein informatives Gespräch mit einem Endokrinologen bekomme, damit ich mich da nicht falsch medikamentös versorge, auch das wurde verweigert.

Ich begann mit der unter T-Girls verbreiteten Antibabypille Diane-35. Bei der ersten Dosiserhöhung von 2 auf 4mg setzte dann das Brustwachstum ein, was mir unglaublich viel Kraft geb, zu erleben, dass aus der Raupe tatsächlich ein Schmetterling wird. Später nahm ich zusätzlich den Testosterionbklocker Androcur und war so der Meinung, recht gut versorgt zu sein. Auch eine spätere Überprüfung der Blut- und Leberwerte und der Hormonpegel zeigte, dass alles prima läuft.

Trotzdem setzte irgendwann im Sommer das Brustwachstum aus, noch bevor ich die kleinste BH-Grösse richtig hätte füllen können. Eine weitere Dosiserhöung auf 6mg Estradiol änderte daran auch nicht viel. Weil diese Wachstumsprozesse schubweise verlaufen, gab mir das zu Beginn auch nicht zu denken. Aber im Herbst begann ich mir Sorgen zu machen.

An einem Stammtisch des Zürcher Transensyndikats erklärte mir dann eine Freundin, dass Diane-35 Beta-17-Estradiol beinhaltet anstatt irgend ein anderes Estradiol (das Ganze ist mir irgendwie zu hoch). Sie meinte, Diane-35 sei zwar gut für den Anfang, tauge ab er nichts längerfristig. Sie empfahl mir Hormonpflaster. Diese haben auch den Vorteil, dass sie nicht über die Leber gehen, also gesundheitlich viel sicherer sind. Bisher war ich aber der Meinung, dass über die Haut zuwenig Estradiol aufgenommen würde, deshalb habe ich diese Option nie ausprobiert.

Vor etwa zwei Wochen stellte ich also alles wieder auf den Kopf und nahm zwei Estradiol-Pflaster Evopad-100 sowie ein Progesteron Zäpfchen Progeffik-100 und das Androcur. Ich war gespannt, was nun passieren würde.

Und gespannt ist ein guter Ausdruck, denn seit Tagen spannt meine Brust immer wieder, mal juckt es in den Brustwarzen, mal quiekt es innerhalb der Brust, da geht wirklich etwas ab, das ich seit Sommer so nicht mehr erlebt habe. Gerade jetzt während des Schreibens zieht es wieder in beglückender Weise, das war auch der Auslöser für diesen Blogbeitrag. Es ist noch zu früh um abschliessend darüber zu urteilen, aber die ersten Anzeichen sind vielversprechend. Dank an dieser Stelle an Sarah, Dein Tipp war Gold wert :-)

Und so blicke ich einmal mehr etwas ratlos in Richtung Zürcher Universitätsklinik und frage mich, wem diese “unterlassene Hilfeleistung” dienen sollte. Mir hat es definitiv nicht geholfen, ich bin monatelang die Risiken einer Hormonbehandlung eingegangen, ohne dass es zu nennenswerten Fortschritten kam. Umso mehr freue ich mich, dass diese Zeit nun vorüber ist und ich ab 8. Januar mit der offiziellen Hormontherapie beginnen kann und von da an professionell versorgt bin.

Nachtrag: Ich frag mich grad, ob ich Alkohol jetzt wieder besser vertrage, da ja die Leber nun entlastet ist. Das muss ich Anfang Jahr so rasch wie möglich rausfinden. Hey Barkeepers, stellt schon mal das Guinness kühl, Diana kommt bald mal zum Testtrinken – aus rein wissenschaftlichen Gründen ;-)

Ja zur geschlechtsangleichenden Operation

WICHTIGE VORINFORMATION
Die hier gebotenen Links auf andere Webseiten sind teils sehr schwer zu verdauen. Es geht hier um Operationen und die hier aufgeführten Webseiten enthalten Bildmaterial in teils blutiger Art. Bitte lest diesen Artikel genau und entscheidet erst nach dem Lesen eines Kapitels, ob Ihr euch den Link wirklich zumuten wollt. Da gehts teils sehr gruslig zu und her.

Als ich mich Anfang 2009 entschloss, meine zweite Lebenshälfte in der meinem Inneren entsprechenden Geschlechterrolle zu leben, wollte ich mich noch nicht festlegen, ob ich am Schluss auch die geschlechtsangleichende Operation (GaOp) mache oder nicht. Klar wollte ich das, aber die Risiken und Strapazen eines solch imensen Eingriffs (6-8 Std Op), beflügelten meinen Verstand zu deutlichem Einspruch. Also sagte ich mir, ich lebe jetzt als Frau, mach die Hormontherapie und am Schluss entscheide ich, ob ich diesen letzten Schritt wirklich brauche.

Die Entscheidung – Ja zur GaOp
Unterdessen ist viel in mir passiert und ich bin so in meinem Leben als Frau angekommen, dass es für mich nicht mehr vorstellbar ist, bis ans Lebensende eine Frau mit falschem primärem Geschlechtsteil zu sein. Ich kann und will nicht den Rest meines Lebens jeden Tag dieses Ding sehen, das mich daran erinnert, was ich früher einmal sein musste. Dementsprechend kann ich heute mit abschliessender Gewissheit sagen: alea iacta est – die Würfel sind gefallen.

Auf der einen Seite erfüllt mich das mit unbeschreiblicher Freude, ich weiss jetzt, dass der Tag kommen wird, an dem ich vor dem Spiegel stehen kann und mich als ganze Frau wahrnehme. Und ich weiss, dass ich eines Tages einen Ausweis besitzen werde, in dem ich als Frau ausgewiesen werde. Nie wieder Post an diesen Herrn adressiert, nie wieder männliche Ansprachen bei Behördengängen, nie wieder Angst vor einer allfälligen Leibesvisitation am Zoll….. nie wieder männlich.

Damit beginnt für mich die Phase, in der ich mich noch mehr mit der GaOp beschäftigen will, diesmal nicht als Hypothese oder zukünftige Option sondern als Tatsache, was nächstes Jahr mit mir geschehen wird. Und daran möchte ich Euch auch teilhaben lassen, auch wenn vorallem Jungs bei diesem Thema idealerweise nichts essen sollten vor dem Lesen. Im speziellen die hier gebotenen Links auf medizinische Seiten sollten nur betrachtet werden, wenn man eine dicke Haut hat.

Geschlechtsangleichende Operation
Bei der GaOp wird das männliche Geschlechtsteil in eine sogenannte NeoVagina umgeformt. Was kaum vorstellbar ist, wird dank pastischer Chirurgie mit überraschend gutem Resultat möglich. Kurz zusammengefasst und stark vereinfacht wird dabei folgendermassen vorgegangen:

  1. Die Hoden werden entfernt.
  2. Der Schwellkörper und der Grossteil der Eichel werden entfernt.
  3. Die Harnröhre und ein Stück der Eichel (für die NeoKlitoris) wird verlegt.
  4. Im “Innenraum” wird durch Verschieben und Herumwürgen etwas Platz geschaffen.
  5. Die nun hohle Penishaut wird am Ende zusammen genäht und nach innen gestülpt.
  6. Aus dem Rest der Eichel wird die Klitoris geformt
  7. Aus einem Teil des Hodensackes werden die Schamlippen geformt.

Risiken einer GaOp
Diese GaOp birgt eine Reihe von Risiken, wenn beispielsweise wichtige Nerven versehentlich gekappt werden, fühlt man da nichts mehr. Es kann mit der Harnröhre Probleme geben und vieles mehr. Die Chancen stehen zwar gut, dass man diesen Eingriff schadlos übersteht, aber die Risiken sind nunmal da.

Genesung nach der GaOp
Wenn alles ohne Komplikationen abgelaufen ist, bleibt man 3-4 Wochen im Spital. Man kann zwar schon nach einigen Tagen das Bett ein wenig verlassen, aber wegen der Nachbetreuung muss man ne Weile da bleiben. Wie es anschliessend weiter geht, da gehen die Erfahrungen weit auseinander. Es wird auch sehr auf den Job ankommen. In meinem Fall gehe ich davon aus, dass ich schon bald wieder arbeiten kann, weil ich eh nur sitze. Ok genau das könnte am Anfang schwierig sein, aber notfalls könnte ich auch zuhause liegend mit dem Notebook auf dem Bauch programmieren. Ich blogge ja auch oft so, das geht prima. Aber bis ich wieder auf Stöckelschuhen raumlaufen kann, dürfte dann doch noch ne Weile dauern.

Sexuelle Empfindungen
Da dieser Eingriff so ziemlich an die Grenzen der Möglichkeiten der plastischen Chirurgie geht, kann nicht erwartet werden, dass alles wundervoll läuft. Schwere Schädigungen sind zwar selten, aber die Frage wieviel man nach der Op fühlt, ob und wie es mit der Erregbarkeit steht, ob man “penetrationsfähig” ist oder sogar orgasmusfähig, all das ist in Frage gestellt. Eine gute Freundin von mir, die bei dem Chirurgen operiert wurde, der auch meine Op machen wird, kann all diese Fragen positiv beantworten, sie ist rundum zufrieden. Aber bei einigen ist das eine oder andere beeinträchtigt. Gerade bei diesem Thema müssen Betroffene sich bewusst sein, dass sie mit entsprechenden Verlusten rechnen müssen. Bei mir persönlich ist es so, dass mir die sexuellen Aspekte nicht soooo wichtig sind, aber nichts zu fühlen wär doch schwer zu verdauen. Aber wenn einem die Sexualität sehr wichtig ist, muss man sich dieses Risiko wirklich gut überlegen.

Fakten über Fakten – alles über die GaOp
Das ist wie gesagt stark vereinfacht. Eine sehr ausführliche Geschichte der Geschlechtsangleichungen samt detaillierter Erklärung des Operationsvorgangs samt aussagekräftigen Skizzen und am Schluss einige Fotos der Operationsergebnisse nach erfolgter Verheilung.

Operativ aufgebaute Vagina bei Mann zu Frau Transsexualität

Fotos einer NeoVagina
Nun geht’s ans Eingemachte, ich weise nochmal darauf hin, dass die in diesen Links gezeigten Bilder nichts für schwache Nerven sind, also draufklicken auf eigene Gefahr. Nachfolgender Link zeigt Fotos einer NeoVagina kurz nach der Operation und ein Jahr später. Während Ersteres ziemlich gruslig ist, zeigt Zweiteres doch ein überraschend schönes Resultat: Operation Frau (Dr. Krege)

Fotos mit Erklärung einer GaOp
Falls jemand noch stärkere Nerven hat, dann wird in nachfolgendem Link sowohl mit Bildern als auch viel technischen Informationen detailliert gezeigt, wie eine GaOp abläuft. Was hier gezeigt wird, sind sehr blutige Bilder einer Operation, deren Anblick wirklich schwer zu verdauen ist. Im Speziellen Jungs sollten sich das nicht ansehen, Ihr habt sonst monatelang Albträume ;-)
WARNUNG – SEHR BLUTIGE BILDER:
Operation Mann zu Frau (Dr.Krege)

Fazit – wenn’s sein muss, muss es halt sein
Ich denke, man sollte diese Operation nicht machen, nur weil man es möchte. Man sollte es nur machen, wenn man es machen muss. Das ist keine Blinddarmoperation, es ist ein schwerer Eingriff mit möglicherweise fatalen Konsequenzen. Nur wenn jemand ohne diesen Schritt nicht sein kann, dann muss es halt sein….. und dann ist es auch die einzige Möglichkeit.

Frauenklinik – for girls only :-)

Heute wars endlich soweit und ich durfte zum ersten Mal in die Frauenklinik am Universitätsspital in die Endokrinologie. Das Ganze lässt sich wie folgt kurz zusammenfassen:

Es war ein berauschendes Gefühl, erstmals die Frauenklinik zu betreten, der Ort im Unispital, an dem nur Mädels ein und ausgehen…… Ich wurde wegen meiner bisherigen medikamentösen Selbstversorgung wider Erwarten nicht öffentlich hingerichtet….. Demnächst werde ich mein Rezept kriegen und werde von da an offiziell mit Hormonen versorgt….. Die Verantwortlichen der Psychiatrischen Polyklinik hätte ich heute am liebsten gevierteilt und in heissem Öl gebadet….. So in etwa ist die Kurzfassung, aber Ihr kennt mich ja, dabei kann ich’s nicht lassen, also alles der Reihe nach…….

Nur Frauen dürfen in die Frauenklinik
Als ich durchs Portal in die Frauenklinik stöckelte, war ich den Tränen nah, einfach weil es so ein unbeschreiblich schönes Gefühl ist, da rein zu dürfen, wo nur Frauen reingehen – sozusagen eine medizinische Frauwerdung der akademischen Art. Mir war zwar mulmig, weil ich mit einem Zusammenschiss rechnete, aber dass ich nun da hingehöre, war einfach umwerfend und nicht zuletzt ist das der erste Schritt in die offizielle Behandlung. Bei der Anmeldung wimmelte es von Frauen und ich war eine davon, wow, man muss echt transsexuell sein um sich vorstellen zu können, wie sich das anfühlt.

Doch keine Hinrichtung
Als ich dann zur Hinrichtung äh zum Gespräch berufen wurde, war ich hocherfreut, dass meine Endokrinologin eine Frau ist, denn Frauen sind meistens verständnisvoller und Verständnis brauchte ich jetzt, wenn ich erklären musste, warum ich mich selbst mit Medis versorgt habe. Und genauso kam es dann auch. Sie war zwar wenig begeistert ob meiner einjährigen Selbstversorgung, aber sie ersparte mir eine Standpauke, informierte sich über ein paar medizinische Fragen und erklärte dann, wie es weiter geht.

Die offizielle Hormontherapie geht los
Und weiter gehts folgendermassen. Nächsten Dienstag morgen muss ich zur nüchternen Blutabnahme, ich darf also an diesem Morgen keinen Whiskey in den Kaffee schütten oder so ähnlich. Falls die Blutwerte ok sind und nichts gegen die Hormontherapie spricht, kriege ich einen Folgetermin und kann mein Rezept abholen. Von da an werde ich alle drei Monate wieder kontrolliert und die HRT allenfalls angepasst. Beim Testosteronblocker Androcur meinte sie, dass sie ansonsten auch die doppelte Dosis abgeben, als ich mir verordnet habe, aber da mein Testosteronpegel zumindest beim letzten Check auf nahezu null war, scheint das bei mir nicht nötig zu sein.

Östrogene versus Nikotin
Bei den Östrogenen wird sie mir aber nur die Hälfte geben von dem, was sie sonst abgeben, weil ich Dummchen halt immer noch nicht aufhören konnte zu rauchen. Das dürfte nicht soooo schlimm sein, weil die dort eh ziemmlich heftig dosieren, somit wäre auch die Hälfte noch relativ viel. Anderseits will ich natürlich dass es vorwärts geht und somit habe ich nun ein gutes Argument mehr um diese idiotische Sucht endlich zu überwinden. Sie sagte, dass sie die Dosis erst erhöhe, wenn ich deutlich weniger rauche, also nicht unbedingt aufhören muss aber zumindest reduzieren. Das wär mir selber lieb und mit dieser Motivationshilfe klappt es vielleicht endlich, zumindest das Reduzieren. Mir gehts eh seit einiger Zeit mega gut, da traue ich mir langsam wieder zu, meinen ärgsten Feind niederzumachen.

Diane-35 hätte mich mein Leben kosten können
Soweit also das Erfreuliche und Bejubelnswerte, nun aber das, was mich heute verdammt wütend gemacht hat. Als ich ihr erzählte, dass ich die Antibabypille Diane-35 ein Jahr lang genommen habe und das auch noch grosszügig dosiert, verdrehte sie die Augen und erklärte mir, dass ich damit so ziemlich die schlechteste Wahl getroffen habe. Auf Diane-35 kam ich, weil diese Pille bei TransFrauen vorallem in der Anfangszeit sehr beliebt ist, weil sie ein klein wenig Testosteronblocker drin hat. Aber da ich ja Androcur nehme, brauchts das eh nicht. Aber das grosse Problem dabei ist, dass Diane-35 eine Östrogenvariante beinhaltet, die ein deutlich höheres Tromboserisiko hat als andere Östrogenarten. Und da ich rauche, war der ganze Spass brandgefährlich und hätte mich das Leben kosten können.

Im Dezember habe ich Diane-35 abgesetzt, weil mir eine Freundin erklärte, dass das Östrogen in dieser Pille für eine wesentliche Verweiblichung des Körpers gar nicht taugt. Ich hab dann auf Östrogenpflaster umgstellt und prompt fing das Ziehen in der Brust wieder an, das diesen Sommer nach dem ersten Entwicklungsschub stagnierte.

Lieber eine tote Patientin als ein nicht eingehaltener Standard
Mit anderen Worten, ich habe ein Jahr lang ein Medikament geschluckt, das nicht das brachte, was ich mir erwünschte, das mich aber hätte umbringen können. Und damit war ich an dem Punkt, an dem ich wirklich sauer wurde. Ich habe dem Oberarzt der Psychiatrischen Uniklinik von Anfang an gesagt was ich nehme und wie hoch ich dosiere, ich habe ihn mehrfach fragen lassen, ob ich nicht wenigstens mal ein informelles Gespräch in der Endokrinologie haben kann um sicherzustellen, dass ich da nichts falsch mache. Aber nein, die Einhaltung eines veralteten Standards ist ja viel wichtiger als die Frage, ob ich aufgrund ihrer unterlassenen Hilfeleistung abkratze. Es hätte ihn ein kurzes Telefon gekostet um darüber informiert zu werden, dass ich mit dieser Pille meinen Hintern riskiere. Was zum Teufel ist das für eine idiotische Einstellung für jemanden, der mal geschworen hat, kranke Menschen zu heilen?

Der Alltagstest als Endlösung der Transsexuellenfrage?
Der von dem USZ geforderte einjährige Alltagstest ist menschenverachtend und sinnlos, er verlängert das Leiden der Betroffenen in unnötiger Weise. Ich habe akzeptiert, dass man mir die Medikamente ein Jahr lang verweigert, solange sie akzeptieren, dass ich mich selbst versorge. Aber die Verweigerung eines informellen Gesprächs mit Hormonfachleuten ist meines Erachtens grobfahrlässig und verantwortungslos.

Kriegserklärung an die Schweizer Standards of Care(less)
Momentan habe ich weder Zeit noch Energie für weitere Kämpfe, aber soviel ist klar, wenn mein Prozess mal abgeschlossen ist und ich wieder genug Freiraum habe, werde ich alles daran setzen, um die gängige Praxis auszuhebeln, selbst wenn ich diese Frage bis nach Strassburg ziehen muss. Diese Hinhaltetaktik des Alltagstests ist hochgradig suizidfördernd und da viele TransFrauen das nicht mit sich machen lassen und zur Selbstversorgung greifen, ist es auch noch massiv gesundheitsschädigend. Und wozu das Ganze? Mir fehlt wirklich jeglisches Verständnis für diese menschenverachtende und gefährliche Praxis.

Und doch ein dickes Lob an das Unispital
So nun hab ich mich genug darüber ausgelassen – fürs Erste. Trotzdem bin ich nachwievor froh darum, dass ich meinen Weg über das USZ gehe. Ich werde dort von wirklich guten Fachleuten betreut, habe eine tolle Psychologin, eine ebenfalls tolle Logopädin und nun auch noch eine fähige Endokrinologin und schlussendlich auch einen Chirurgen mit jahrelanger Erfahrung. Ich fühl mich nachwievor dort gut aufgehoben und kann allen nur empfehlen, diesen Weg zu gehen. Aber eben, diese Standard-Einhaltungs-Manie muss ein Ende haben und dafür werde ich eines Tages sorgen.

PS: um Missverständnissen vorzubeugen, das niedergemachte Monster auf dem Bild soll kein Arzt sein sondern steht symbolisch für diese Praxis, die ich zu gegebener Zeit abmurksen werde.

Rezept für Hormonbehandlung – was für ein prächtiges Geburtstagsgeschenk

Yessssssssss ich habs geschafft, der heutige Besuch in der Edokrinologie am Uni-Spital war ein voller Erfolg. All meine Blutwerte sind ok und so steht der Hormontherapie nun nix mehr im Weg.

Meine Endokrinologin gab mir ein Rezept für die nächsten vier Monate und die Dosierung liegt sogar etwas höher als bei meiner letztjährigen Selbstmedikation. Sie sagte mir ja beim letzten Gespräch, dass sie nicht hoch dosiert solang ich soviel rauche. Naja, wenn ich jetzt schon mehr krieg als ich mir selbst verschrieben hab, was in aller Welt geben die mir dann wenn ich mal nicht mehr rauche?

Vom Testosteronblocker Androcur krieg ich weiterhin 50mg pro Tag. Normalerweise geben sie 100mg aber da meine Testosteronwerte schon bei dieser Dosierung in den Keller sackten, scheint das zu reichen. Östrogene habe ich bisher maximum 6mg täglich genommen, nun krieg ich 8mg Estrofem Tabletten. Pflaster wären zwar besser für die Leber, aber wenn sie mich nun endlich offiziell behandeln, halte ich mich auch an ihre Empfehlungen.

Auf dem Heimweg habe ich dann gleich mal die Apotheke gestürmt und die Dame war glaub etwas irritiert ob der Menge die ich da abholen wollte. Androcur hab ich nun für 1.5 Monate aber Estrofem hatten sie nur noch zwei Packungen, was bei meiner Dosierung grad mal 2 Wochen hält. Aber ein kleiner Dämpfer kam dann noch. Ich sagte ihr, das würde über die Krankenkasse abgerechnet, so wie die bisherigen Behandlungen am Unispital. Als ich im Geschäft ankam, klingelte das Handy und man teilte mir mit, die Krankenkasse hätte es zurückgewiesen, ich müsse ein Arztzeugnis bringen. Scherzkeckse, da kriegen sie Rechnungen vom psychiatrischen Dienst der Uni, dann welche von der Logopädie, dann werd ich an die Endokrinologie überwiesen und die wollen ein Zeugnis? Naja die Uni wirds wohl richten.

Letzte Nacht hatte ich echt Albträume, ich nahm zwar an, dass mein Blut zu 99% sicher in Ordnung war, aber wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte das eine Vollbremsung für meine Transition bedeutet und das war schon eine gruselige Vorstellung. Aber alles ist gut gekommen und so hab ich heute tatsächlich das tollste Geburtstagsgeschenk gekriegt.

Nun bin ich definitiv in Partylaune und freue mich mega auf die kleine Feier heute Abend :-)

Geschlechtsumwandlung aus der Grundversicherung der Krankenkassen streichen?

Heute lancierten “christlich”-konservative Kreise eine Volksinitiative, die Abtreibungen aus der Grundversicherung der Krankenkassen entfernen will. Bei dieser Gelegenheit wurde angekündigt, dass das erst der Anfang sei und dass als Nächstes “Geschlechtsumwandlungen”, unnötige Kaiserschnitte und ähnliches aus der Grundversicherung gestrichen werden soll. Soweit nichts Neues, SVP-Nationalrat Peter Föhn hat bereits 2009 eine Motion eingereicht, die zur Endlösung der Transsexuellenfrage beitragen soll.

Allein schon die Tatsache, dass der SVP-Polemiker von “Geschlechtsumwandlung” spricht, zeugt von totaler Unwissenheit. Das Geschlecht lässt sich nicht umwandeln, aber man kann einer Frau, deren Körper sich im embryonalen Stadium ins falsche Geschlecht entwickelt hat, mittels geschlechtsangleichenden Massnahmen ein einigermassen würdiges Leben ermöglichen. Leute die sich in diesem Thema auskennen, reden von Transsexualität, Transidentität oder Transsexualismus. Aber wer seinen Denkhorizont auf Blick-Niveau hat und trotzdem versucht zu politisieren, der spricht halt von Geschlechtsumwandlungen, weil das viel reisserischer und vorurteilsbelasteter ist.

Die Frage, ob geschlechtsangleichende Massnahmen nötig sind, werden von Wissenschaft und Medizin gestellt und beantwortet. Wer sich wie Herr Föhn nie damit auseinander gesetzt hat, kann nicht beurteilen, ob solche Massnahmen notwendig sind. Wie in aller Welt kommen Politiker auf die Idee, dass sie nun darüber bestimmen, welche Krankheiten mit welchen Mitteln behandelt werden? Sollen wir alle zukünftig anstatt zum Arzt ins SVP-Parteisekretariat gehen und dort um Hilfe bitten? Wie dreist muss jemand sein, um sich über alle medizinischen Fakten und internationalen Behandlungsstandards hinwegzusetzen, ohne auch nur einen Funken Fachwissen zu haben?

Natürlich geht es dabei nicht um Transsexuelle und auch nicht um die Kosten von geschlechtsangleichenden Operationen. Diese sind sehr selten und kosten keine 20’000 Franken – weit weniger als jahrelange Psychotherapie infolge einer verweigerten Geschlechtsangleichung. Aber den bürgerlichen Wirtschaftsvertretern geht es um etwas ganz anderes. Jahrelang haben sie ihre fetten Hintern in den Verwaltungsräten der Pharmaindustrie gebadet und jahrelang haben sie im Dienste der Pharma Parallelimporte verhindert, die Unsummen eingespart hätten. Das ist einer der Hauptgründe für die hohen Kassenprämien heutzutage und das muss nun verschleiert werden.

Also tut man so als ob man sparen würde, ein paar Fränkchen bei der Alternativmedizin, ein paar Fränkchen hier und dort und wenn man dann auch noch ein kleines Grüppchen von Menschen findet, die keine Lobby haben und eh schon gesellschaftlich stigmatisiert sind, lässt sich mit denen prima ein Exempel statuieren. Seht her, wir tun was, möchten die Wirtschaftslakaien jubeln und sich zum Retter der Nation aufspielen. Auf der Strecke bleiben Betroffene, für die es nur diese eine Möglichkeit gibt und denen mit so einem Vorstoss faktisch ein menschenwürdiges Leben verweigert wird.

Welche Beschwerden behandelt werden müssen und in welcher Form diese Behandlung am erfolgversprechendsten ist, das entscheiden auf der ganzen Welt Mediziner. Klar, die SVP spart seit Jahren auf dem Buckel von Invaliden und sozial Schwachen, das ist nichts Neues. Aber wenn diese politischen Brandstifter nun auch noch über medizinische Fragen regieren wollen, dann sehe ich schwarz für das Schweizer Gesundheitssystem. Und ich sehe schwarz für transsexuelle Menschen, die damit jeglicher medizinischer Unterstützung beraubt werden.

Wenn ich bedenke, wie dreckig die SVP stets ihre Abstimmungskampagnen führt, dann graut es mir wirklich davor, dass Transsexuelle wie ich eines Tages ein Visier auf der Stirn haben, zum Abschuss freigegeben werden und von den Strategen dieser Partei mit Dreck zugedeckt werden. Ich befürchte, es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Transsexuelle haben in dieser Gesellschaft schon mehr als genug Vorurteile die sie ausbaden müssen, wenn die SVP eines Tages zum grossen Hallalli gegen Transsexuelle ruft, dürfte die gesellschaftliche Akzeptanz ganz am Boden sein und dann darf die SVP wirklich jubeln, weil sie mittels Erhöhung der Suizidrate unter Transsexuellen Geld gespart hat.

Ursachen von Transsexualität

Die Ursachen von Transsexualität sind bis heute nicht bewiesen. Aber im Gegensatz zu früher wird Transsexualismus in der Regel nicht mehr als psychische Erkrankung verstanden sondern als eine Folge biologischer Veränderungen. Transsexuelle bilden sich nicht ein, im falschen Körper zu sein, es sind tatsächlich körperliche Merkmale nachweisbar, die de-facto ausschliessen, dass es eine psychische Krankheit ist.

Im BadHairDays Blog ist schon vor einiger Zeit gut recherchierter Beitrag über “Körperliche Ursachen von Transsexualität” erschienen, der unter Anderem dutzende von Berichten und Forschungsresultaten bietet. Wer es wirklich genau wissen will, soll sich dort austoben, der Beitrag ist sehr informativ und mit den Links kann man wirklich in die Tiefe gehen. Hier möchte ich einfach mal einen einfachen Überblick geben, wie sich die Suche nach Ursachen entwickelt hat und wo wir heute stehen.

Ist Transsexualität eine psychische Krankheit?

Dass Transsexualismus eine psychische Erkrankung sein soll, war den Forschenden der Anfangszeit von Anfang an klar, ungeachtet der Tatsache, dass ihre Klassifizierung, Transsexualität sei eine Persönlichkeitsstörung, nie nachgewiesen werden konnte. Es taten sich bald massive Argumentationsnotstände auf. Wenn Transsexualität wie angenommen eine Art Wahn wäre, wären sich Transsexuelle ihres Zustands nicht bewusst, das heisst, sie würden glauben, wirklich vollumfänglich weiblich zu sein. Aber wie das bei Wissenschaften und Kirchen nunmal ist, wenn etwas mal aufgeschrieben und zum Dogma ernannt wurde, wird dieses “Fakt” zur Denksperre.

Geschlechtsidentität ist nicht änderbar

Doch man musste feststellen, dass man die vermeintlich defekte Geschlechtsidentität nicht ändern kann, weder mit Therapie, Medikamenten oder Elektroschocks. So kam man irgendwann zum Schluss, dass eine Verbesserung des Zustandes nur dann erreicht werden kann, wenn man den Körper dem Selbst anpasst. Und so begann man geschlechtsangleichende Massnahmen, wenn auch nur deshalb, weil halt das angeblich Kaputte nicht geflickt werden kann.

Transsexualität als Variante von Intersexualität?

Doch schon früh stellte der renomierte amerikanische Psychiater Harry Benjamin die Frage, ob Transsexualität nicht eine Variante von Intersexualität sein könnte. Intersexualität bedeutet, dass sich das Geschlecht teilweise in die falsche Richtung entwickelt hat. Früher entschied man sich bei der Geburt für eines der Geschlechter, operierte alles “korrekt” um und hatte somit eine 50% Chance, dass man dem Kind das falsche Geschlecht einoperiert hat. Heute findet hier langsam ein Umdenken statt – zum Glück. Jedenfalls ist die Frage berechtigt: Wenn der Körper in der Lage ist, den Körper teilweise dem falschen Geschlecht entsprechend zu entwickeln, dann kann er das auch ganz. Intersexuelle sind der Beweis dafür, dass ein Körper sich trotz eindeutiger Geschlechtsidentität anders entwickeln kann. Aber Benjamin versank in der Mehrheit, die sich an der Persönlichkeitsstörung festgebissen hatten.

Genetische Merkmale bei Transsexuellen

Weitere Forschungen ergaben, dass es verschiedene genetische Marker gibt, die ein Grossteil der Transsexuellen gemeinsam haben. Dass eine Persönlichkeitsstörung die DNA umprogrammiert, wird niemand behaupten, der auch nur annähernd ganz bei Trost ist. Spätestens hier müsste die Thema, Transsexualität sei eine psychische Erkrankung, fallen gelassen werden.

Hormone im Mutterleib als Ursache von Transsexualität?

Weitere Studien konnten nachweisen, dass Hormone während der Schwangerschaft die Geschlechtsentwicklung massiv verändern können.
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Hormone im Mutterleib beeinflussen Transsexualität

Die weibliche Gehirnstruktur von transsexuellen Frauen

Der meines Erachtens klarste Hinweis kommt von den Forschern J.-N. Zhou, M.A. Hofman und D.F. Swaab, die in ihrer Arbeit mit den Gehirnen verstorbener TransFrauen nachweisen konnten, dass die Stelle im Hirn, die für die geschlechtliche Entwicklung zuständig ist, bei TransFrauen und anderen Frauen gleich beschaffen sind. Die von ihnen ermittelte Neuronendichte ist eine organische Messung, es geht nicht darum was im Kopf vorgeht sondern wie er physikalisch beschaffen ist. Wenn das Zentrum für die Geschlechtsentwicklung bei TransFrauen gleich ist wie bei sonstigen Frauen, dann braucht es ein gehöriges Mass an Faktenresistenz, um dann noch von einer psychischen Erkrankung auszugehen.
NATURE, 378: 68-70 (1995) : Ein Geschlechtsunterschied im menschlichen Gehirn und seine Beziehung zur Transsexualität

Fazit

Transsexuelle bilden sich nicht ein, dem anderen Geschlecht zugehörig zu sein. Transsexuelle haben tatsächlich eine körperliche Anomalie.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität, Nazidenken, unterlassene Hilfeleistung und Menschenrechtsverletzungen

Manchmal haben wir uns schon so an menschenverachtende Dinge gewöhnt, dass wir gar nicht mehr merken, wie verdreht diese Welt ist. Dann hilft nur noch eine Analogie, um das zubetonierte Denken ein wenig aufzulockern. Mit solchen Analogien möchte ich heute beginnen, weil man das Absurde im Leben manchmal erst sieht, wenn es ad-absurdum geführt wurde.

  1. Jemand kommt zum Arzt und ein Hirntumor wird diagnostiziert. Der Arzt sagt, ja wir können Ihnen helfen, dieses krankhafte Gewebe zu entfernen. Aber dazu muss ich bei Ihnen Schizophrenie diagnostizieren. Aber ich bin ja gar nicht schizophren, antwortet der irritierte Patient. Ja das stimmt schon, das wissen wir auch, antwortet der Arzt, aber krankes Gewebe passt nicht in unser Denkmodell und deshalb müssen wir sie halt als persönlichkeitsgestört deklarieren, um Ihnen zu helfen.
  2. Ein anderer Krebspatient erhofft sich eine Chemotherapie. Das Problem ist, erklärt der Arzt, dass Ihnen nach der Chemotherapie die Haare ausfallen und das Herumlaufen mit einer Glatze kann eine schwere Belastung sein. Um sicher zu sein, dass Sie damit klar kommen, müssen Sie jetzt erst mal ein Jahr lang mit einer Glatze herumlaufen und wir beobachten, ob es Ihnen dabei besser geht. Falls es Ihnen in einem Jahr sichtlich besser geht, werden wir die Behandlung einleiten.
  3. Ein Ausländer beantragt die Einbürgerung, er spricht wie ein Schweizer, verhält sich wie ein Schweizer, alles an ihm ist schweizerisch, ausser der Hautfarbe und dem Pass. Ja klar, antwortet das Einwohneramt, wir können Sie einbürgern lassen, sie sind ja offensichtlich fast vollständig schweizerisch. Aber die Einbürgerung kann erst nach Ihrer Sterilisation resp. Kastration erfolgen. Wir müssen sicher stellen, dass Ihre Reproduktionsfähigkeit eingestellt ist.
  4. Nach einem Autounfall hat jemand ein verbranntes Gesicht und hofft auf medizinische Hilfe. Die Krankenkasse stellt sich auf den Standpunkt, dass es sich hier um ästhetische Massnahmen handelt und Schönheitsoperationen nicht kassenpflichtig sind.

Natürlich wird kein Tumorpatient als geisteskrank diagnostiziert, kein Krebspatient muss ein Jahr Probezeit absolvieren bis zur Chemotherapie und kein Ausländer wird vor der Einbürgerung kastriert – so Sachen gibts nicht mehr im Jahr 2010 – ausser bei Transsexuellen.
Also nochmal das Ganze von vorn, diesmal ohne Analogie:

  1. Obwohl Transsexualität nach neustem Stand der Forschung biologische Ursachen hat, obwohl die anatomische Hirnstruktur ihrem “empfundenen Geschlecht” entspricht und obwohl es genetische Faktoren für Transsexualität gibt, wird eine Behandlung nur ermöglicht, wenn man sich eine Persönlichkeitsstörung “gender identity disorder” diagnostizieren lässt. Zwangspathologisierung nennt man das und damit setzt man Transsexuelle einer gesellschaftlichen Stigmatisierung aus, die wohl einigen das Genick bricht. Die Krankheit ist eine körperliche, die Behandlung verändert den Körper, aber für krank erklärt wird der Geist – wie geistlos muss man sein für so eine Haltung?
  2. Bevor Transsexuelle auch nur die geringste Hilfeleistung erhalten, müssen sie ein Jahr lang einen sogenannten Alltagstest absolvieren, in dem sie das “weibliche Leben” erproben. Ohne hormonelle Veränderungen, ohne Bartepilation, einfach mal ein bisschen Frau spielen, sich der vollen Bandbreite gesellschaftlicher Ächtung aussetzen und ein weiteres Jahr leiden, bis vielleicht – und nur vielleicht – eine Behandlung eingeleitet wird.
  3. Eine Namens- resp. Personenstandsänderung wird nur gewährt, wenn “die Fortpflanzungsfähigkeit” zerstört wurde. Im dritten Reich wurden rund dreihunderttausend Menschen zwangssterilisiert. Heute wird das nur noch in seltenen Fällen gefordert. Transsexuelle dürften die einzigen sein, die eine körperliche Erkrankung haben und zu einer Zwangskastration gezwungen werden, um als das anerkannt zu sein, was sie sind.
  4. Transsexuelle haben – sofern sie Alltagstest und sonstige Schikanen überleben – das Recht auf eine medizinische Behandlung. Diese beschränkt sich auf das Umoperieren des Geschlechtsteils (weil der Mensch ja nur ein Geschlechtsteil mit ein bisschen Persönlichkeit dran ist) sowie die Hormontherapie. Logopädie, Bartepilation u.s.w. werden als ästhetische Behandlung bewertet, ungeachtet dessen, dass eine Frau mit Bart(schatten) sich in dieser Gesellschaft zum Gespött macht.

Warum, fragt sich wer zu fragen wagt, gelten für Transsexuelle Regeln, die sonst in der medizinischen Welt seinesgleichen suchen? Wie kann es sein, dass eugenisches Denken im Stil des dritten Reiches, hier und heute in diesem Land praktiziert wird? Diesen und vielen anderen Fragen geht ein Bericht nach, den die “Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.” zuhanden der UNO geschrieben hat. Ein erschütterndes Dokument, das nicht nur aufzeigt, dass Transsexuelle in hohem Masse Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind sondern auch aufzeigt, dass das dahinterliegende Denken seine Wurzeln direkt im dritten Reich hat und das diejenigen, die für Hitler damals die Rassenreinhaltung übernahmen, die Väter derer sind, die heute Transsexuellengesetze schustern. Und es wird aufgezeigt, dass im speziellen die deutsche Psychoanalyse eine biologische Faktenresistenz betreibt, um entgegen aller Beweise weiterhin an ihrem im Nazireich entstandenen Denken festzuhalten.

Der Bericht ist umfangreich, umso mehr ist er lesenswert:
Menschenrechtsbericht von ATME e.V. zur Situation transsexueller Menschen in Deutschland

Das ganze Thema ist viel zu weitläufig, um es in einem einzelnen Blogbeitrag abzuhandeln und doch interessieren mich einzelne Themenbereiche darin genug, dass ich in nächster Zeit ein paar Artikel schreiben werde, die einzelne von ATME aufgeworfene Aspekte thematisieren.

Ein erfreuliches Arztzeugnis

Als TransFrau hat man’s in gewisser Weise auch gut, man kann sich über sovieles freuen, selbst ein Arztzeugnis kann ein Mordsspass sein.

Wie ich hier ja erzählte, habe ich kürzlich von meiner Endokrinologin das Rezept bekommen und damit die offizielle Hormontherapie eingeleutet. Gleich auf dem Heimweg holte ich mir meine Medis ab, sagte der Apothekerin sie soll das über die Krankenkasse abrechnen und kaum war ich wieder im Geschäft, rief sie an und sagte, die KK hätte es abgelehnt, sie hätten kein Arztzeugnis. Das irre daran ist, dass sie seit nem Jahr Rechnungen von der Uni bekommen, das war nie ein Problem. Jedenfalls habe ich meiner Endokrinologin ein Mail geschickt und gefragt, was wir da tun müssen und heute, naja……..

…… heute lag ein Brief in meinem Briefkasten, adressiert an Frau Diana X. Schon das war erfreulich, denn sonst krieg ich immer an einen Herrn adressierte Post von der Uni, obwohl hier gar keiner wohnt. Darin befand sich neben einem freundlichen Begleitbrief ein Arztzeugnis, das ich nun der KK schicken kann. Was dort stand, liess mein Herz grad mehrmals höher schlagen:

Bei Frau X besteht ein Mann-zu-Frau Transsexualismus. Diese Diagnose wurde psychiatrisch bestätigt und auf dieser Basis eine Hormontherapie eingeleitet. Wir bitten Sie daher, die Kosten für die Hormontherapie zu übernehmen.

Uiiiii, das ist gleich doppelte Freude. Erstens spricht sie klar in einer weiblichen Form von mir und zweitens habe ich nun erstmals schwarz auf weiss, dass ich “begutachtet” bin. Letztes Jahr bestand eine sogenannte Verdachtsdiagnose, nun bin ich offiziell diagnostiziert. Naja ich selbst brauch keine Diagnose, ich weiss schon lang genug was ich bin, aber erstmals in meinem Leben werde ich von offizieller Stelle anerkannt. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, denn ohne diese ollen Gutachten geht nunmal gar nix und mit dieser Legitimation dürfte der Weg definitiv gebahnt sein.

Und irgendwie freut’s mich auch schaurig, dass man am Zürcher Uni-Spital nicht von einer Geschlechtsidentitätsstörung spricht sondern von Transsexualismus. Für mich klingt das weitaus mehr nach dem was ich bin und ich frage mich echt, ob das bereits erste Anzeichen eines Umdenkens sind. Meine Psychiatrin hat mir ja mal bestätigt, dass Transsexualität bei ihnen nicht als psychische Krankheit betrachtet wird. Es scheint wirklich aufwärts zu gehen im Reich der Medizin.

Und weil ich mich grad so freue, noch zwei Dinge, die nix mit dem Thema zu tun haben, ausser eben der Freude.

Kürzlich habe ich mich hier ja wieder blödsinnig aufgeregt über einen Blick Artikel über Lorielle London, in dem sie einmal mehr als “Transe” betitelt wurde. Nach einem Mail von mir wurde der Text auf der Website angepasst. Heute war ein Folgeartikel über sie drin und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Sie wurde nicht einmal so betitelt und das dürfte wohl das erste Mal sein, dass der Blick über eine transsexuelle Frau berichtet, ohne sie mit einem despekitierlichen Schimpfwort zu betiteln. Gehts auch im Reich der Medien langsam aufwärts?

Und nun noch das Allerschönste, heute in einer Woche bin ich in Bremen bei Juliet und wir werden uns wieder vier Tage lang todlachen, ihre Katzen an die Wand schmeissen, uns mit Gummibärchen füttern und garantiert kaum schlafen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich freue, mein Herzkäferchen endlich wieder zu sehen :-)

Psychopathologisierung von Transsexuellen geht weiter und noch weiter

Transsexuelle Menschen werden in dieser Gesellschaft als psychisch gestört betrachtet, man darf sie ausgrenzen, verspotten, diskriminieren und ab und zu auch mal todschlagen. Grundlage dieses Denkens ist der medizinische Irrtum, dass Transsexualität eine Persönlichkeitsstörung sei. Jahrzehntelang hat man aufgrund dieser Fehleinschätzung Transsexuelle zwangstherapiert, versuchte sie mittels Verhaltenstherapie, Elektroschocks und sonstigen lustigen Errungenschaften der modernen Psychiatrie weichzukochen – ohne Erfolg. Bis zum heuten Tag ist es nicht einmal gelungen, die Geschlechtsidentität eines Menschen zu ändern. Schon zu Beginn der Transsexualitätsforschung gab es nahmhafte Stimmen, die den Standpunkt vertraten, dass Transsexualität biologische Ursachen haben könnte. Aber wer einmal im Mahlwerk der Psychiatrie landet, wird von dort nicht mehr freigelassen, niemals.

Die Forschung des letzten Jahrzehnts hat diesen Irrtum entlarvt. Man entdeckte, dass die anatomische Hirn-Struktur von transsexuellen Frauen mit der von “biologisch korrekten Frauen” übereinstimmt. Man fand verschiedene genetische Marker, die bei Transsexuellen gehäuft vorkommen. Kürzlich las ich eine Studie, welche die Forschungsresultate der letzten zehn Jahre zusammenfasste. Daraus resultiert klar, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, vermutlich verursacht durch hormonelle Veränderungen im Mutterleib und genetischen Faktoren. Selbst in der psychosozialen Abteilung des Zürcher Universitätsspitals, an dem ich behandelt und “diagnostiziert” wurde, bestätigte man mir mehrmals, dass sie dort nicht mehr von einer psychischen Störung ausgehen sondern eindeutig biologische Ursachen hinter dem Phänomen Transsexualismus stehen.

All das bewog mich dazu, zu hoffen und zu glauben, dass die internationalen Diagnosebibeln DSM und ICD endlich geändert werden und Transsexualismus nicht mehr unter psychischen Störungen aufgelistet wird sondern irgendwo im Bereich von biologischen Erkrankungen/Veränderungen. Aber die Sektierer der Psychiatrie scheinen einen Narren an uns Transsexuellen gefressen haben, sie wollen uns einfach nicht aus ihren Fittichen entlassen, zumindest macht es diesen Anschein, wenn ich die neuste Entwicklung betrachte.

Während Transsexualität im ICD-10 unter Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen eingereiht ist, zusammen mit Schizophrenie und anderen Erkrankungen, genaugenommen in der Gruppe F64 zusammen mit Transvestitismus, wird Transsexualität nach DSM-IV unter 302.6 als “Gender Identity Disorder” klassifiziert, also eine “Störung der Geschlechtsidentität”.

Spätestens seit man von den bioligischen Ursachen von Transsexualität weiss, müsste Transsexualität aus dem DSM gestrichen werden, weil DSM nur psychische Störungen auflistet. Aber die APA (American Psychiatric Association) hat sich in so zwangsneurotischer Weise an uns festgebissen, dass dort offenbar kollektive Faktenresistenz ausgebrochen ist.

Dieser Tage wurde der erste Entwurf für DSM-V veröffentlicht und aller Fakten zum Trotz wird Transsexualität nachwievor dort eingereiht. Als ob das nicht genug wäre, wurde nun auch Intersexualität in diese Region einsortiert – das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen. Intersexuelle (Zwitter) kommen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und werden in der Regel zwecks Geschlechterkonformität mit dem Skalpell kastriert und umgeformt, was an sich schwerste Menschenrechtsverletzung ist. Was für eine psychische Störung soll das denn sein, die bewirkt, dass ein Embryo sich teilweise ins falsche Geschlecht entwickelt? Ich weiss nicht, wie verblödet man sein muss, um auf so eine Idee zu kommen, es ist einfach der Gipfel der Absurdität. Vielleicht haben diese amerikanischen Psychiater zuviele Transsex-Filme geschaut und möchten jetzt alles was geschlechtlich nicht eindeutig ist, in ihren Händen haben, ich weiss es nicht. Aber so eine groteske Form des Fehldenkens gehört offensichtlich dringendst psychiatrisch behandelt. Vielleicht helfen denen ja ein paar kräftige Elektroschocks oder etwas Verhaltenstherapie, auf jeden Fall ist so eine abnorme Denkweise schwer pathologisch.

Die Überarbeitung von DSM-V hat zwar auch Verbesserungen gebracht, vorallem für Kinder die nicht den gesellschaftlichen Geschlechternormen entsprechen. Es braucht nun etwas mehr um diese zu pathologisieren und so bleibt die Hoffnung, dass Kinder zukünftig nicht mehr ganz so schnell in Schablonen gepresst werden und zugunsten geschlechtlicher Eindeutigkeit von psychotischen Psychiatern zwangstherapiert werden. Es gibt nunmal Jungs die weibliche Seiten haben und umgekehrt. Diese “zweite Seite” eines Menschen zu unterdrücken ist einmal mehr eine schwere Menschenrechtsverletzung, die ein Individuum zugunsten der Konformität verkrüppelt.

Für mich als Transsexuelle bleibt der wichtigste Punkt ausgelassen. Ungeachtet der nachgewiesenen biologischen und genetischen Ursachen von Transsexualität gelten wir für die Sektierer der Psychiatrie weiterhin als geistesgestörte Männer, die “den starken Wunsch verspüren, dem ‘zugewiesenen’ Geschlecht anzugehören”. Würde es sich bei Transsexualität um einen Wunsch handeln, wäre es ein medizinisches Wunder, dass dieser Wunsch sowohl DNA als auch die anatomische Hirnstruktur verändern kann.

Die Chance wurde einmal mehr vertan, transsexuellen Menschen die Menschenwürde zukommen zu lassen, die uns gemäss internationalen Menschenrechten zustehen würde. Die Psychopathologisierung wird weiterhin ad-absurdum getrieben und die Gesellschaft weiterhin in diesem Irrtum belassen. Ausgrenzung bis hin zur Verachtung werden weiterhin unser täglicher Begleiter sein und auch dieses Jahr werden wieder eine Hundertschaft Transgender Opfer von Hate-Crimes – weil eine psychiatrische Elite sich über Fakten hinwegsetzt und nicht eingestehen will, dass sie jahrzehntelang Menschenrechtsverletzungen begangen haben.

Solange transsexuelle Menschen weiterhin zusammen mit Pädophilen, Exhibitionisten, Sadomasochisten u.s.w. in einer Schachtel namens Sexual and Gender Identity Disorders einsortiert werden, wird die jahrzehntelange Stigmatisierung von Menschen mit einer biologischen Andersartigkeit weiterhin betoniert und wir zahlen weiterhin den Preis für diese akademische Ignoranz, im Alltag, bei der Jobsuche, im Freundeskreis – so bleiben wir weiterhin wider aller Fakten die Gestörten, die wir nie waren.

UPDATE 23:47…… Ich glaubs nicht, wenn das kein Trost ist für dieses Ärgernis, soeben erfahre ich, dass in Frankreich Transsexualität nicht mehr als Geisteskrankheit gilt *jubel*

Mehr zum Thema DSM-V:
ATME – Ausweitung der Pathologisierung verhindern
BadHairDays-Blog: DSM-V Entwurf
Questioning Transphobia: DSM-V Draft
Cuban Multidisciplinary Society for Sexuality Studies: Statement on depathologisation of transsexualism

Entwurf DSM-V 302.85 Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults
Entwurf DSM-V 302.6 Gender Identity Disorder in Children

UPDATE 16. April 2010
Es gibt eine Online-Petition in der man sich gegen die Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen aussprechen kann, bitte unterzeichnet diese Petition um ein Zeichen zu setzen.
TELL THE APA ABOUT TRANSSEXUALISM

Transsexualität ist nun in Frankreich keine Geisteskrankheit mehr

Man glaubt es kaum, aber die Welt dreht sich doch und manchmal sogar zugunsten von uns.

Gestern habe ich mich hier ja noch merklich aufgeregt über den Entwurf der zukünftigen Diagnoserichtlinien (DSM-V) der amerikanischen Psychiatrie-Sekte APA, weil diese Komiker wider wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterhin an der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen festhalten.

Nun, kaum dass ich mich etwas beruhigt habe, ereilt mich via ATME die Meldung, dass das französische Gesundheitsministerium Transexualität aus der Liste “der psychiatrischen Langzeitleiden” des Sozialgesetzbuchs streicht. Faktisch heisst das, dass nun in Frankreich transsexuelle Menschen nicht mehr als psychisch gestört klassifiziert werden.

Das ist ein Riesenerfolg, nicht nur für Betroffene in Frankreich sondern auf der ganzen Welt. Gerade in Anbetracht davon, dass die Jünger der Psychiatrie sich in kollektiver Faktenresistenz üben, ist es enorm wichtig, dass wenigstens in den Ländern ein Umdenken stattfindet. Die Klassifizierung transsexueller Menschen bestimmt schlussendlich das Denken der Gesellschaft und es wirkt sich – wie ich hoffe – auch auf den Umgang der Medien mit diesem Thema aus.

Jede Veränderung beginnt im Kleinen und zieht immer mehr seine Kreise. Mit jedem Land, das die Fakten anerkennt und transsexuelle Menschen aus der Psychoecke herausholt, wird sich die Akzeptanz erhöhen und dadurch die Stigmatisierung und Ausgrenzung von transsexuellen Menschen reduzieren.

Noch ist ein weiter Weg, bis man uns so wahr!nimmt wie wir wirklich sind, aber solche Paradigmenwechsel sind Signale, die unsere Welt verändern können.

An dieser Stelle möchte ich allen Organisationen, Politikern und nahmhaften Persönlichkeiten danken, die sich jahrelang für diesen Denkwechsel eingesetzt haben. Und ich hoffe von ganzem Herzen, dass allen voran die Weltgesundheitsorganisation WHO endlich ein Signal setzt, das der Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen ein Ende setzt.

Und ich hoffe und bitte die Medien, die jahrzehntelang transsexuelle Menschen als Freaks dargestellt haben, diese Fakten zur Kenntnis zu nehmen und über diesen Denkwandel samt den wissenschaftlichen Gründen für dieses Umdenken genauso zu berichten, wie sie sich bisher auf reisserische “Transen-News” gestürzt haben.

Wir brauchen keine Wissenschaft und keine Forschung, wenn die Resultate von allen Stellen ignoriert werden. Wenn wir Wissenschaft und Medizin ernst nehmen, dann sind wir auch dazu verpflichtet, deren Erkenntnise zu akzeptieren, auch wenn sie ein jahrhundert altes Denkmodell zertrümmern. Der Mythos, Transsexualismus sei eine psychische Erkrankung, ist eindeutig widerlegt. Wer daran festhält, begeht Menschenrechtsverletzungen und trägt die Mitschuld an allen Ausgrenzungen und Diskriminierungen, denen transsexuelle Menschen tagtäglich ausgesetzt sind.

Hier eine kleine Auswahl an ShortNews zu diesem Thema, bleibt zu hoffen, dass einige Medien etwas detaillierter darüber berichten:
La Provence (deutsche Übersetzung)
Deutsche Ärztezeitung
Focus.de
AFP
Thüringische Landeszeitung
Donau-Kurier

Dianas Blogtagebuch 2009 ist jetzt im Buchhandel

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)

Online-Petition gegen DSM-V: Transsexualität ist keine psychische Krankheit!

Vor einiger Zeit habe ich hier darüber berichtet, dass die amerikanische Psychiatriesekte APA (American Psychiatric Association) im Entwurf der neuen Diagnoserichtlinien (DSM-V) Transsexualität weiterhin als psychische Störung auflistet, in derselben Rubrik wie beispielsweise Pädophilie, obwohl diese These mitterweile wissenschaftlich widerlegt ist und bewiesen wurde, dass Transsexualität biologische Ursachen hat.

Nun wurde auf ‘thepetitionsite’ eine Online-Petition lanciert, in der man sich gegen diese Psychopathologisierung aussprechen kann. Ich bitte die LeserInnen, diese Petition zu unterzeichnen, weiterzuverbreiten und vorallem diejenigen, die im Internet aktiv sind (BloggerInnen u.s.w.) diese Petition entsprechend publik zu machen. Zugegeben, so eine Petition hat keinen direkten Einfluss, erst Recht nicht auf die offenbar faktenresistente APA, aber es scheint mir wichtig, dass wenigstens ein Zeichen gesetzt wird.

Die Petitionsunterzeichner fordern, dass Transsexualität (ehemals gender-identity-disorder), die im DSM-V nun als “gender incongruence” verzeichnet ist, mit folgendem Text ergänzt wird:

Gender incongruence, regardless of its etiology or how it is experienced by any person, shall in no way be considered a psychopathology, mental illness or mental disorder. Gender incongruence may, however, be the focus of significant clinical interest and attention.

Kern dieses Zusatzes bedeutet etwas frei übersetzt: Geschlechts-Inkontruenz soll keinesfalls als Psychopathologie, psychische Krankheit oder psychischen Störung betrachtet werden.

Der ganze Petitionstext lautet wie folgt:

We the undersigned,
BELIEVE THAT TRANSSEXUALISM AND SIMILAR CONDITIONS ARE NOT MENTAL ILLNESS, and therefore we call for decisive action:

We recommend that to the diagnosis/criteria pages of provisional DSM-5 diagnostic categories:
302.85–”Gender Incongruence (in Adolescents or Adults)” and
302.6 –”Gender Incongruence (in Children)”
the statement shown below shall be added:

” Gender incongruence, regardless of its etiology or how it is experienced by any person, shall in no way be considered a psychopathology, mental illness or mental disorder. Gender incongruence may, however, be the focus of significant clinical interest and attention.”

We further request that the APA Board of Trustees endorse the above within an official policy statement, at least on an interim basis pending DSM-5 publication.

We ask this in order to explicitly and unambiguously call for medical treatment of transpeople to be on a basis of an overarching aim of promoting health though assessment and treatment on a somatic basis. We believe that somatic treatments of gender incongruent people, with informed consent, have an excellent track record of success and patient satisfaction whereas psychotherapeutic treatments (alone) do not.

In support of these requests we note that:-

1. Current and former gender variant persons, their families and friends, and health care providers worldwide increasingly and publicly call for the depathologization of transsexualism and gender variance as mental illnesses.

2. Recently, the APA Sexual and Gender Identity Workgroup ” … clearly indicated their rejection of the Gender Identity Disorder term because, in their view, [such pathologization] contributes to the stigmatization …”.

3. The presently proposed revisions to DSM-5 do not nearly go far enough in removing the stigma unjustly associated with gender variance.

Mehr zum Thema DSM-V:
Diana: Psychopathologisierung von Transsexuellen geht weiter
ATME – Ausweitung der Pathologisierung verhindern
BadHairDays-Blog: DSM-V Entwurf
Questioning Transphobia: DSM-V Draft
Cuban Multidisciplinary Society for Sexuality Studies: Statement on depathologisation of transsexualism

Entwurf DSM-V 302.85 Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults
Entwurf DSM-V 302.6 Gender Identity Disorder in Children

  • Die Psychopathologisierung von transsexuellen Menschen führt zu Stigmatisierung!
  • Stigmatisierung führt zu Transphobie!
  • Transphobie tötet!

Das nächste Blog: Fragen und Antworten

Seit ich mein Blog hier führe, bekomme ich immer wieder Anfragen via Mail von Betroffenen, die irgendwelche Ratschläge brauchen, am häufigsten tauchen Fragen zum Thema Hormontherapie auf.

Da ich nun gewisse Fragen mehrmals beantwortet habe, hat mich das auf die Idee gebracht, eine Frage-Ecke einzurichten. Und weil ich so einen Mordsspass habe, neue Blogs einzurichten, habe ich genau dies getan und ein neues Blog eröffnet.

Dort werde ich einerseits aus eigener Initiative gelegentlich Themen abarbeiten, von denen ich denke, dass sie für Betroffene wichtig sein könnten. Wichtigster Teil davon ist jedoch ein Kontaktformular oben rechts, in dem man Fragen stellen kann. Diese werde ich dann soweit es mir möglich ist in einem Blogbeitrag beantworten. Gerade in der Anfagszeit einer Transition steht man vor unheimlich vielen Problemen und Fragen und weiss kaum an wen man sich wenden soll. Das hier soll nun eine Art Anlaufstelle sein.

Dieses neue Frage-Blog hat bisher erst ein paar wenige Beiträge drin und ist auch sonst noch im Aufbaustadium, aber weil es bereits Artikel drin hat, die Betroffene interessieren könnten, schalte ich es nun offiziell online. Wer also Fragen hat oder Tipps braucht, soll sich hierhin wenden:
Transsexuell? Fragen?

Was bestimmt das Geschlecht – Körper oder Geist?

Die Frage um das Selbstbestimmungsrecht von transsexuellen Menschen steht und fällt mit der Frage, was im Menschen geschlechtsbestimmend ist. Für 99% der Menschen ist der Fall klar, der Körper bestimmt das Geschlecht. Wenn sich das primäre Geschlechtsteil nach aussen richtet, ist es ein Männchen, wenn es nach innen gerichtet ist, ist’s ein Weibchen. Klingt logisch, klingt einfach, ermöglicht das uns so lieb gewordene dualistische Weltbild, aber ist es wirklich so einfach, wie wir gerne hätten?

Das Geschlecht ist nicht zwingend eindeutig
Ich möchte hier am Beispiel von Intersexuellen (Zwittern) aufzeigen, dass diese Sichtweise absurd ist und nicht der Realität entspricht. Ums vorwegzunehmen, ich will hier keinen Zusammenhang zwischen Transsexualität und Intersexualität postulieren. Aber intersexuelle Menschen sind auf grausame Weise zum lebendigen Beweis geworden, dass das Geschlecht weder vom primären Geschlechtsteil noch von gesellschaftlicher Konditionierung festgelegt wird – sondern tief in uns verwurzelt ist und durch nichts, einfach überhaupt nichts, verändert werden kann.

Intersexualität / Hermaphroditismus
Das Thema Intersexualität ist nicht mein Gebiet und es steht mir nicht zu, darüber tiefgründig zu referieren. Trotzdem ist ein kleiner Einblick in dieses Thema notwendig, um zu verstehen, worauf ich hinaus will.

Wenn jemand zur Welt kommt, reicht in der Regel ein Blick zwischen die Beine um das Geschlecht eindeutig festzulegen. Bei transsexuellen Menschen erweist sich dieser kurze Blick zwar irgendwann als Irrtum, aber meistens ist die Sache klar. Nun gibt es aber einen kleinen Prozentsatz an Menschen, die nicht mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kommen. Es lässt sich manchmal nicht klar urteilen, ob das Herausstehende ein kleiner Penis oder eine grosse Klitoris ist. Aber die moderne Welt will Eindeutigkeit und duldet keine Zwischenstufen, also wird seit Jahrzehnten so verfahren, dass man den Chirurgen holt und dass der dieses Geschöpf zurechtschnipselt, in die Richtung, die man gerade für besser hält. Resultat ist, dass meistens der Penis abgeschnitten wird, das Kind also faktisch direkt nach der Geburt kastriert wird. Dass so eine grässliche Art der Verstümmelung und der Missachtung der Menschenwürde bis heute praktiziert wird, ist ein Armutszeugnis für diese angeblich aufgeklärte Welt. Wenn Babies genitalverstümmelt werden, nur weil eine Gesellschaft an ihrem Schwarz-Weiss Denken festhalten will, dann wird das Wort “Menschenwürde” zur Farce.

Die Mediziner in ihrem Machbarkeitswahn waren sich stets sicher, dass sie diese göttliche Macht haben und das Geschlecht eines Menschen chirurgisch festlegen können. Wenn man einen Penis abschmeidet, kann sich dieser Mensch nicht mehr zum Mann entwickeln, logisch oder? Dass diese meist männlichen Mediziner damit faktisch das Mannsein auf dieses kleine Ding zwischen ihren Beinen reduzieren, zeugt von ihrem reduktionistischen Weltbild. Aber die Realität rächte sich grausam.

Menschenrechtsverletzung wird zur Persönlichkeitsstörung
Da der Entscheid, aus einem Menschen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen einen Mann oder eine Frau zu schnipseln, mit der Wahrscheinlichkeit von 50% falsch entschieden wird, kann es einem nicht verwundern, dass tatsächlich viele der Betroffenen im Verlauf ihrer Entwicklung massive “Störungen” aufzeigen. Man hat beispielsweise einem Jungen aufgrund dieses Fehlentscheides den Penis amputiert und ein Mädchen aus ihm gemacht. Die Eltern haben diesen Jungen als vermeintliches Mädchen erzogen, îhn in Röcke gesteckt, ihm Puppen zu Weihnachten geschenkt, das ganze Umfeld hat diesen Jungen wie ein Mädchen behandelt…… aber dieses Kind fühlte sich nachwievor als Junge.

Wissenschaft und Medizin waren irritiert. Warum “will” dieses “Mädchen” denn ein Junge sein, es muss sich hier um eine Geschlechtsidentitätsstörung handeln. Man hätte schon nach den ersten Fehlschlägen erkennen müssen, dass das Geschlecht nunmal nicht durch das primäre Geschlechtsteil determiniert ist und dass man die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht ändern kann. Aber weil Mediziner so umfehlbar sind wie der Papst, wurde dieser “Irrtum” nie wirklich zugegeben und so werden bis heute Babies genitalverstümmelt, in das falsche Geschlecht gezwungen um dann später als geschlechtsidentitätsgestört abgestempelt und psychopathologisiert zu werden.

Diese wohl schlimmste Form der Menschenrechtsverletzung der heutigen westlichen Welt, hat aber etwas nachgewiesen, nämlich, dass weder Skalpell noch Erziehung noch „reparative Verhaltenstherapien“ noch sonstige Wunder der Medizin die Geschlechtsidentität eines Menschen verändern können. Und damit wurde auch bewiesen, dass das Geschlecht eines Menschen nicht alleine durch die Geschlechtsmerkmale oder Erziehung bestimmt ist.

Interexualität ist nicht Transsexualität – oder umgekehrt?
Intersexuelle sind keine Transsexuellen und ich verstehe, dass sie sich uns gegenüber radikal abgrenzen. Denn solange wir den Stempel der Persönlichkeitsstörung aufgedrückt bekommen und solange wir in den psychiatrischen Bibeln in der Schublade von sexuellen Perversionen einsortiert sind, haben Intersexuelle verständlicherweise keine Lust, mit uns in Zusammenhang gebracht zu werden. Eine andere Frage ist, ob Transsexualität eine Unterart von Intersexualität ist. Ich persönlich glaube, dass dem so ist und schon Harry Benjamin, ein Pionier der Transsexualismusforschung vertrat diesen Standpunkt. Aber darum geht es in diesem Beitrag nicht.

Das Geschlecht lässt sich nicht umpolen
Es geht nur darum, dass spätestens durch die Erkenntnisse im Umgang resp. in der Verstümmelung und Konditionierung von intersexuellen Menschen nachgewiesen wurde, dass die Geschlechtsidentität völlig unabhängig von körperlichen Merkmalen und soziologischen Konditionierungen beständig ist.Wenn wir diese nachgewiesene Tatsache anerkennen und akzeptieren, müssen wir auch aufhören damit, transsexuelle Menschen einfach als gestört abzutun. Transsexuelle Menschen gehen kaputt an der Diskrepanz zwischen Körper und Geist – den Geist kann man nicht ändern, das wissen wir spätestens aufgrund dieser Erkenntnisse – deshalb muss transsexuellen Menschen auch auf körperlicher Ebene geholfen werden……… und deshalb ist es eine Frage der Menschenwürde, dass das Geschlecht transsexueller Menschen respektiert wird, unabhängig von körperlichen Merkmalen.

Keine Menschenwürde ohne Selbstbestimmung
Dass die Respektierung des Geschlechts und damit verbunden die Änderung des Personenstandes nachwievor von einer vorgängigen Sterilisation/Kastrierung abhängig gemacht wird, zeugt von der Genitalfixierung dieser Gesellschaft und zeigt, dass unsere Gesellschaft nachwievor die Menschenwürde und Menschenrechte missachtet zugunsten einer postulierten Geschlechts-Binarität.

Aber die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft und die Veränderungen in der gesellschaftlichen und politschen Sichtweise machen mich trotzdem zuversichtlich, dass irgendwann der Tag kommt, an dem wir die Tatsache anerkennen, dass die Wesensart eines Menschen und damit auch sein Geschlecht, nicht Folge der Zellenanordnung seines Körpers ist sondern dass die Wesensart des Menschen der biologischen Entwicklung vorgegangen ist.

Oder um es religiös oder spirituell zu formulieren, der Körper ist das Gefäss, das die Seele aufnimmt. Die Seele macht den Menschen aus, sie ist nicht Sklave des Gefässes und lässt sich nicht durch das Gefäss formen. Diese Erkenntnis wäre der Anfang zur Wahrung wirklicher Menschenwürde.

Mehr zum Thema Intersexualität:
Zwischengeschlecht.Org
Zwischengeschlecht.Info
Intersex.Schattenbericht.Org
Kastrationsspital.Ch

Transsexualität: Klartext in der Leserbriefspalte

Leider findet man in Zeitungen und Zeitschriften nahezu nie Artikel zum Thema Transsexualität, die auch nur ein klein wenig Fakten liefern. In der Regel sind es entweder Artikel die nichts aussagen oder im Fall von Boulevardblättern irgendwelche transphoben Hetzschriften, die jeglicher Realität fern sind.

Der Tages-Anzeiger hat vor einigen Tagen einen Artikel der ersten Art über einen Trans-Mann publiziert, mit dem tiefsinnigen Titel “Vielleicht auch mal im Stehen pinkeln“. Der Bericht ist relativ umfangreich und wenigstens nicht so despektierlich wie man es von Boulevard-Zeitungen gewohnt ist, aber es wird auch da von “Umwandlung” gesprochen, dass Georges früher ein Mädchen gewesen sei und die Themen kreisen mehr um Genitalien als um medizinische Fakten. Trotzdem ein wenig interessant, man erfährt von den Veränderungen durch die Hormontherapie und dass transsexuelle Menschen ein ganz normales Leben führen können.

Aber zum Glück gibts nicht nur Redakteure sondern auch Leser – und vorallem Leser die denken und schreiben. So war die Leserbriefseite des heutigen Tages-Anzeigers mit einigen guten Beiträgen von Betroffenen und Angehörigen gefüllt, einer davon von einer Gynäkologin, die mit wenigen Worten aussprach, was endlich in allen Zeitungen gedruckt werden müsste: Transsexualität ist keine psychische Störung sondern ein biologisches Phänomen. Die ganzen Leserbriefe können durch klicken des obigen Bildes gelesen werden, die wichtigsten Zeilen dieser Fachärztin möchte ich hier wiedergeben………

Tatsächlich ist auch heute (noch) diese Diagnose unter den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (das heisst Störung der Geschlechtsidentität) aufgeführt. Dies, obwohl die Forschung der letzten Jahre eindeutig darauf hinweist, dass sich die sexuelle Identität bereits vor der Geburt, also noch im Mutterleib ausbildet, möglicherweise gesteuert durch äussere hormonelle Einflüsse, welche direkt auf das Gehirn des Embryos einwirken………… Es wäre für die Betroffenen von Vorteil, wenn man von einer hormonellen Störung mit somatischer Auswirkung sprechen würde………. Das Problem eines transsexuellen Mannes liegt demnach bei der Ausbildung falscher somatischer Geschlechtsmerkmale und nicht bei der psychischen Identifizierung als Mann.

Bettina Flütsch, Zug
Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch die Redaktionen von Ringier und Konsorten diese Fakten auf den Tisch legen. Solche Statements von Fachleuten geben Hoffnung, dass die Stigmatisierung von transsexuellen Menschen irgendwann ein Ende haben wird.

In einer Zeit, in der nachgewiesen wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnstruktur haben, in der Presseräte Boulevardmedien ermahnen wegen diskriminierender Berichterstattung, in der Länder wie Frankreich Transsexualität von der Liste der Geisteskrankheiten streichen, in der der EU-Ministerrat und die Parlamentarische Versammlung des Europarates die Einhaltung von Menschenrechten bei transsexuellen Menschen verlangt…… in so einer Zeit kann man wirklich anfangen zu hoffen, auch wenn gleichzeitig die amerikanische Psychiatriesekte APA wider aller Fakten weiter an der Psychopathologisierung von biologischen Phänomenen festhält.

Niemand muss verstehen, was es heisst, transsexuell zu sein.
Aber akzeptieren kann man es.
(Georges)

Nachtrag: hätt ich’s doch fast vergessen, diesen Samstag hält mein Oberarzt vom Uni-Spital einen kleinen Vortrag zum Thema. Ich werde zu 99% dort sein und bin gespannt, ob er auch so kluge Dinge erzählt wie diese Leserbriefschreiberin………….. Antrittsvorlesung von Bernd Krämer, Oberarzt an der psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich: «Vertauschte Rollen – Tootsie oder Transsexualismus», 8. Mai, 10 Uhr in der Aula der Universität Zürich.



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