(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Was bedeutet Transsexualität / Transidentität

Transsexualität selbst ist keine Krankheit, sondern lediglich ein wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, dass vielerlei Ursachen haben kann. Niemand entscheidet sich aus einer Laune heraus zu diesem als “Geschlechtswechsel” wahrgenommenen Schritt. Man ist transsexuell oder man ist es nicht. Die Betroffenen leiden nicht unter einem Zwang die Kleider des somatisch anderen Geschlechts tragen zu müssen und ganz und gar so leben zu wollen, sondern sie empfinden vielmehr die Tatsache im falschen Körper gefangen zu sein und in einer als fremd empfundenen, nur dem Körper entsprechenden, gesellschaftlich geforderten Rolle leben zu müssen, als Zwang. Auch wenn Transsexualität keine Krankheit ist, so kommt doch dem extremen Leidensdruck durch die innere Zerrissenheit im falschen Körper zu stecken, ein sehr deutlicher Krankheitswert zu.
(Johanna Martina Dorsch, Sozialtherapeutin)

Würde man auf der Strasse Leute fragen, was Transsexualität resp Transidentität bedeutet, wäre die häufigste Antwort wohl: “Das ist wenn ein Mann eine Geschlechtsumwandlung macht, weil ER lieber eine Frau wäre”.
Das ist in viellerlei Hinsicht falsch:

  • Transsexuell bedeutet, dass von frühster Kindheit an der biologische Körper nicht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Bei einer transsexuellen Frau bedeutet das, dass ein Kind sich als Mädchen fühlt, aber den Körper eines Knaben hat. Es handelt sich also nicht um einen Mann, der eine Frau wird sondern um eine Frau, die ihren männlichen Körper ihrem inneren Geschlecht anpasst.
  • Transsexualität ist keine Frage des Wollens. Niemand würde so einen folgenschweren und schmerzhaften Umwandlungsprozess durchleben, wenn es eine Frage des Wollens wäre. Viel mehr leiden transsexuelle Menschen ein Leben lang unter einem so hohen Leidensdruck, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem sie so einfach nicht mehr so weiter leben können. Der Transformationsprozess ist also nichts was man einfach tun möchte sondern tun muss um nicht zugrunde zu gehen.

Transsexualismus ist gekennzeichnet durch die dauerhafte Gewissheit, sich dem biologisch anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Dazu gehören die Ablehnung der mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Rollenerwartungen und der drängende Wunsch, sozial und juristisch anerkannt im gewünschten Geschlecht zu leben.
(Dr. Pichlo, MDK Nordrhein)

Beim Thema Transsexualität gibt es eine Reihe von Missverständnissen:

  • Transsexualität hat nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun sondern ist eine Frage der Geschlechtsidentität. Im englischen wird unterschieden zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und der Geschlechtsidentität (gender). Viele Trans-Frauen stehen auch nach dem Transformationsprozess auf Frauen, sind also so gesehen lesbische Trans-Frauen.
  • Die Geschlechtsidentität ist nicht veränderbar, man hat es jahrzehntelang mit allen Mitteln probiert, mit Elektroschocks bis hin zu Hirnoperationen, das gefühlte Geschlecht lässt sich nicht verbiegen. Deshalb sind Fachleute zum Schluss gekommen, dass man Transsexuellen keine andere Hilfe bieten kann als ihren Körper dem Inneren anzupassen.
  • Transsexualität hat nichts mit Transvestitismus zu tun. Ein Transvestit (männliche Form) fühlt sich als Mann und will auch als Mann leben, er geniesst es einfach, gelegentlich in die Rolle einer Frau zu schlüpfen. Eine Transsexuelle (weibliche Form) fühlt sich als Frau und will in der gesellschaftlichen Rolle einer Frau leben und wahr!-genommen werden.

Ein weiteres folgenschweres Urteil ist, dass Transsexuelle krank oder gar pervers sind. Der klinische Psychologe Dr. Udo Rauchfleisch von der Basler Universitätsklinik, der rund hundert Transsexuelle behandelt hat, wehrt sich vehement gegen die Klassifizierung von Transsexualität als Krankheit. Er bezeichnet diese Wesensart als “Normvariante”.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Rauchfleisch, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Universität Basel)

Über die Ursachen von Transsexualität gibt es unzählige Theorien aber bis heute keine 100% erwiesene Erklärung. Aufgrund vieler sich gegenseitiger wissenschaftlicher Forschungsresultate aus der Neurologie, der Genetik und der Endokrinologie, geht die Fachwelt davon aus, dass hormonelle Auslöser im Mutterleib dazu führt, dass sich das Gehirn und der “Restkörper” sich unterschiedlich entwickeln. Wichtig ist fürs Erste zu wissen:  Transsexuell wird man nicht, man ist es!

Die Ursachen für Transsexualität sind bisher nur wenig erforscht. Wir wissen, dass die Geschlechtsrolle schon sehr früh festgelegt wird und dass es nach einer gewissen Zeit keine Möglichkeit mehr gibt, die geschlechtliche Selbstidentifikation eines Menschen zu verändern.
(Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft)

Obwohl nachgewiesen wurde, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und am ehesten als endokrinologische Andersartigkeit verstanden werden muss, wird von Seiten der Psychologie grösstenteils weiterhin die Mär einer Geschlechtsidentitätsstörung postuliert.

Weitere Informationen über Transsexualität / Transidentität
- Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)
- Psychiatrische Universitätsklinik – Infoblatt Transsexualismus
- Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft – Transsexualität
- Debeka Krankenversicherung – Transsexualität
- Wikipedia – Transsexualität
- Gerda Maria Weiß: Was ist Transsexualität?
- Dr. Pichlo, MDK Nordrhein – Transsexualismus
- Eva Sturm – Zum Verständnis von Transsexualität
- Transgender.at – FAQ
- Dr. Hannelore Hoffmann / Dr. Inoszka Prehm
- Einige Aspekte zur Transsexualität

- Anita-Daniela Krappel – Trans-what?
- Ego-Net – Transsexualität: Frauen, die Männer sind, und Männer, die Frauen sind

Transgenderismus/Transsexualität/Intersexualität – Grundlagen (von Lynn Conway)
- Teil I: Geschlechtszugehörigkeit + Transgenderismus
- Teil IIa: Transsexualismus
- Part III: Life as a Woman After TS Transition
- Part IIIcde: Life as a Woman after TS Transition

Die Transformation beginnt, die ersten Hormone

Mein erstes Gespräch bei meiner Hausärztin war ein voller Erfolg. Sie zeigte Verständnis für meine Situation und da klar war, dass ich meine Hormone notfalls im Internet bestelle, gab sie mir gleich das erste Pack Cypestra-35 mit. Schon auf dem Heimweg nahm ich die erste und so verrückt es klingen mag, für mich war dieser Moment die Geburtsstunde meiner Weiblichkeit. Von diesem Tag an würden in meinem Körper Östrogene ihre Arbeit leisten und der Prozess, der meinen Körper meinem Innersten angleicht, hatte heute begonnen. Seit heute bin ich kein Mann mehr sondern eine werdende Frau.

Erste Bart-Laserepilation

Einer der wichtigsten Punkte für T-Girls ist die Bart-Laserepilation. Die Hormonbehandlung verändert den Körper zwar in vielen Belangen, aber ausgerechnet die Gesichtsbehaarung wird nicht wesentlich eingeschränkt. In einem männlichen Körper hat man auch nach gründlicher Rasur einen sogenannten Bartschatten, das ist als ob auf der Stirn in grossen Buchstaben „Mann“ steht. Deshalb ist die Epilation in der Regel der erste Schritt um die Welt auch optisch als Frau betreten zu können.

Heute war es nun soweit und mein Gesicht wurde erstmals mit Laserstrahlen beschossen. Es war nicht grad angenehm und ein paar Stunden lang brannte der ganze Kieferbereich als ob ich in die Hölle geschaut hätte. Wirklich übel war aber, dass das Gesicht anschliessend so verbrutzelt aussah. Ich hatte also gut entschieden, diese Epilation auf einen Freitag zu legen, so konnte sich das Gesicht übers Wochenende etwas beruhigen. Fürs Erste sah ich jedenfalls aus als ob ich in einen Grill gefallen wäre.

Keine Hormone mehr – Beginn der Selbstversorgung

Heute kam der erste grosse Dämpfer und mir wurde erstmals der Boden unter den Füssen weggezogen. Ich hatte den nächsten Termin bei der Hausärztin und wollte ihr eigentlich mitteilen, dass es nun Zeit wird, die bisher tiefe Dosierung von 2mg Estradiol auf 4mg zu erhöhen und dass es auch Zeit wäre, mit einem Testosteron-Blocker zu beginnen. Ich hatte bewusst tief dosiert angefangen um erst mal zu sehen wie ich die Östrogene vertrage. Aber soweit kams gar nicht, denn sie eröffnete das Gespräch damit, dass sie mir mitteilte, dass ihr unterdessen klar geworden sei, dass sie ihre Kompetenzen überschreitet, wenn sie mir weiterhin diese Medis gibt. Anstelle dessen würde sie mich ans Kompetenzzentrum der psychiatrischen Universitätsklinik verweisen. Sie gab mir zwar nochmal eine Monatspackung Cypestra-35, aber das wars dann.

Der Haken daran ist nun, dass die Kompetenzzentren sich an einen Standard halten und der besagt, dass man erst ein Jahr lang als Frau leben muss, bevor man Hormone kriegt. Die Grundidee eines Alltagstests ist ja nachvollziehbar, man muss sich schon sehr sicher sein, bevor man zu solchen Hormonen greift. Aber ich war mir da mehr als sicher und es war für mich nie vorstellbar, diesen Weg zu gehen ohne dass mein Körper diese Entwicklung mitmacht. Somit ist also meine medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet und ich habe keine andere Wahl, als Selbstversorgerin zu werden, was leider mit gewissen Risiken verbunden ist.

Dosiserhöhung auf 4mg Estradiol

Wir T-Girls sind ja bekannt für unsere Renitenz, schliesslich braucht es auch eine gehörige Portion Renitenz um sich zu erdreisten, sich über die gesellschaftliche Normierung in Geschlechterfragen hinwegzusetzen. Diese Renitenz ist nun gefragt, denn die drohende Versorgungslücke bringt mich arg ins schleudern. Und da ich nun zur Selbstversorgung gezwungen werde und auf keine ärztliche Unterstützung hoffen kann, liegt auch die Dosierungsfrage allein in meinen Händen. Nun denn, selbst ist die Frau, ab heute wird die Dosis auf 4mg Estradiol erhöht. Damit komme ich in den Bereich, in dem erste körperliche Veränderungen schon bald spürbar sein sollten.

Östrogene aus Thailand – hurra ich bin versorgt

Es brauchte gar nicht soviel Recherche um in Thailand eine relativ seriöse Online-Apotheke zu finden, in der ich meine Diane-35 bestellen konnte.

An dieser Stelle vielleicht kurz eine Erklärung zu den Hormonen. Diane-35 ist eine Anti-Baby-Pille und die Cypestra-35 die ich von meiner Ärztin bekommen habe ist sozusagern das Nachfolgeprodukt mit identischen Inhaltsstoffen. Wir T-Girls nehmen in der Regel Antibabypillen, weil diese voll sind mit synthetischen Östrogenen (Estradiol). Diese führen bei entsprechender Dosierung zu einer Verweiblichung des Körpers und schlussendlich auch zu einem Brustwachstum, was wir T-Girls natürlich über alles schätzen.

Jedenfalls ist nun meine Bestellung unterwegs und falls das Zeugs nicht am Zoll abgefangen wird, kann ich bald meine hormonellen Sorgen begraben.

Das Brustwachstum geht los

Wow, schon wenige Tage nachdem ich die Dosis erhöht habe, geht im Brustbereich heftig die Post ab. Es zieht und kitzelt, die Brustwarzen sind mega empfindlich und ich spüre richtig wie da etwas entsteht. Unter der Brustwarze bildet sich so ein kleiner Knollen und wie mir meine Ex-Freundin versicherte, hats bei ihr genauso angefangen. Niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen, was für Glücksgefühle es auslöst, wenn plötzlich das Brustwachstum spürbar wird. Seit meiner Pupertät habe ich davon geträumt, dass das passiert und nie hätte ich gedacht, dass dieser Traum irgendwann Wirklichkeit wird. Meine zweite Pupertät hat begonnen und diesmal bin ich wirklich glücklich mit den Veränderungen, die die Pupertät mit sich bringt

Dritte Bart-Laserepilation

Die dritte Epilation war nun die letzte, denn meine blonden Haare sind durch die bisherigen Laserbehandlungen soweit reduziert oder aufgehellt, dass der Laser vorläufig nichts mehr erwischt. Ich kann also frühstens im Herbst/Winter wieder loslegen. Aber der Bartschatten ist nun soweit reduziert, dass ich mit etwas gutem Willen (Makeup und Conceiler) ein ziemlich ansehliches Resultat hinkriege und damit auch immer mehr tageslichttauglich werde.

Ein unerreichbares Ziel anstreben

Es gibt wohl keine grössere Herausforderung
als ein Ziel anzustreben,
das nie wirklich erreicht werden kann.

(Diana)

Erstgespräch an der Psychiatrischen Universitätsklinik

Die letzten Tage habe ich mir unheimliche Sorgen gemacht, weil ich befürchtete, dass mich die Jungs an der Psychiatrischen Universitätsklinik auf dem Scheiterhaufen verbrennen, weil ich ohne göttlichen äh ärztlichen Segen Hormone nehme. Ausserdem hatte ich auch Angst, dass sie mich nicht ernst nehmen und meine Selbstdiagnose nicht bestätigen. Das ist leider ein bisschen das Elend von uns T-Girls. Transsexualität ist nicht messbar, es ist primär eine Selbstdiagnose und der Arzt kann nur versuchen herauszufinden, wie authentisch diese Selbstwahrnehmung ist und ob irgendwelche Krankheiten vorliegen, die eine Transsexualität in Frage stellen würden.

Zu meiner grossen Überraschung fühlte ich mich dort nicht seziert und zerlegt sondern sehr verstanden und wahr!-genommen. Schlussendlich sagte mir der Oberarzt, er würde Transsexualismus (so nennen die das neuerdings) als „Verdachtsdiagnose“ stellen. Soweit ein grosser Erfolg, scheinbar sieht er in mir dasselbe wie ich selbst.

Aber was die Hormone anbelangt, war er genauso stur wie ich. Glücklicherweise akzeptiert er, dass ich mich nicht an ihren Standard halte und mich selbst therapiere, aber er selbst fühlt sich diesem Standard verpflichtet und wird mir keine Hormone verschreiben bis Ende Jahr. Das ist insofern schade, weil ich mich dadurch Risiken aussetzen muss, die eigentlich nicht nötig wären. Aber was will man machen, wenn die Einhaltung eines Behandlungsstandards wichtiger ist als die Gesundheit der Betroffenen, dann muss ich das halt akzeptieren. Trotzdem bin ich dankbar, dass man meinen Weg respektiert. Ich werde nun einmal pro Monat an der Uni antraben und bin wirklich froh, dass ich wenigstens die therapeutische Unterstützung habe.

Die Suche nach dem Testosteron-Blocker

Da ich nun definitiv Selbstversorgerin bin, geht nun die Suche nach einem Testosteron-Blocker los. Wir T-Girls nehmen da in der Regel Androcur, ein Mittel das ursprünglich erfunden wurde, um Triebtäter chemisch zu kastrieren. Seltsame Vorstellung, sowas zu nehmen, aber das Resultat ist entscheidend und eine ernsthafte Verweiblichung des Körpers ist mit Östrogenen allein nicht möglich, es ist bis zur geschlechtsangleichenden Operation notwendig um den Testosteron-Pegel im Zaum zu halten. Aber es stellt sich raus, dass es nahezu unmöglich ist, eine einigermassen seriöse Online-Apotheke zu finden, die Androcur anbietet. Für Antibabypillen gibt es einen Riesenmarkt, jede seriöse Online-Apotheke bietet sowas an, aber wer bestellt schon im Web Testosteron-Blocker, dafür gibts einfach keinen Markt. Es wird wohl ein ziemlicher Nervenkitzel bis ich da fündig werde, aber auch hier kommt die transsexuelle Renitenz wiedermal zugute, wir lassen uns nicht unterkriegen und finden immer einen Weg

Definitiv keine Hormone – Selbstversorgung wird ausgebaut

Ein erneuter Besuch bei der Hausärztin bestätigte was ich bereits befürchtete, ich bin wirklich auf mich selbst angewiesen, meine Selbstversorgung muss also ausgebaut und abgesichert werden.

Einmal mehr bleibt zu sagen:
Selbst ist die Frau!

Dosiserhöhung auf 6mg Estradiol – Die Suche nach Androcur

Bis ich Androcur in vernünftiger Höhe dosieren kann, halte ich es für sinnvoll, die Östrogendosis noch etwas zu erhöhen, nun gibts täglich 3 Antibabypillen, schwanger werd ich also garantiert nicht mehr ;-) Unterdessen geht die Suche weiter nach einer Firma, die wenigstens annähernd seriös ist und mir meinen Testo-Blocker zu fairen Preisen liefern kann.

Andocur aus Thailand – jetzt wird anständig dosiert

Juhuiiiii, meine Testosteron-Blocker sind angekommen, lang lebe Thailand, das Land der unbegrenzten Hormone.

Ab heute wird anständig dosiert (50mg/d) und ausgerechnet heute hab ich meinen zweiten Termin am Uni-Spital, die werden eine Mordsfreude haben, dass ich nun vollständig Selbstversorgerin bin……. tja, selbst ist die Frau, ätsch.

Zur Feier des Tages sollte ich mir anschliessend noch ein paar Pumps kaufen.

Zweites Gespräch an der Psychiatrischen Universitätsklinik

Das zweite Gespräch an der Psychiatrischen Universitätsklinik war diesmal nicht mit dem Oberarzt, verlief aber ebenfalls sehr gut. Auch diesmal fühlte ich mich verstanden und gut aufgehoben. Die Ärztin sagte mehrmals, dass man spürt, dass meine Entscheidung richtig war, es scheint offensichtlich zu sein, dass meine Selbstdiagnose passt. Jedenfalls freue ich mich schon auf die nächsten Gespräche. Naja in Sachen Hormontherapie hat sich natürlich nichts geändert, da werde ich weiterhin Selbstversorgerin bleiben müssen bis ca Ende Jahr.

Fünf Monate Hormontherapie

Seit fünf Monaten läuft meine Hormontherapie mit der Antibabypille Diane-35 / Cypestra-35 sowie dem Testosteronblocker Androcur. Trotz anfänglich dezenter Dosierung ist doch einiges gegangen. Unter dezenter Dosierung verstehe ich ungefähr folgendes:

  • 1.5 Monate 2mg Estradiol (1 x Cypestra-35)
  • 1.5 Monate 4mg Estradiol (2 x Diane-35)
  • 1 Monat 6mg Estradiol (3 x Diane-35) und 25mg Cyproteronacetat (0.5 x Androcur-50)
  • 1 Monat 6mg Estradiol (3 x Diane-35) und 50mg Cyproteronacetat (1 x Androcur-50)

Nach fünf Monaten ergaben sich folgende Veränderungen (Angaben absolut subjektiv)

  • Brustwachstum ist mit “günstiger Kleidung” und noch mehr ohne Kleidung sichtbar, bis zur Körbchengrösse AA (ja das gibts echt) brauchts aber noch ein wenig. Auf jeden Fall ist die Brust sehr deutlich spürbar, einerseits innerlich durch ein deutliches und manchmal schmerzhaftes Spannen, anderseits äusserlich, man kann da schon wirklich was in die Hand nehmen…. und das fühlt sich unglaublich gut an *smile*
  • Behaarung im Bauch- und Brustbereich nahe eliminiert, wobei zu sagen ist, dass ich da zum Glück schon vor der HT nur spärlich besäht war
  • Behaarung am Oberschenkel deutlich reduziert und das Wachstum massiv verlangsamt
  • Behaarung an Handoberflächen ebenfalls deutlich reduziert
  • Gesicht wurde etwas weich-gezeichnet und leicht feminimer, was jedoch nur im direkten Vergleich mit alten Fotos auffällt
  • Muskulatur an gewissen Stellen deutlich reduziert
  • Gesichtsbehaarung nahezu unbeeinträchtigt, abgesehen von der Wirkung der Laserbehandlung
  • Erhöhte Müdigkeit und leicht reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Seltsame Temperatur-Empfindungen, schneller kalt und öfters Hitzewallungen
  • Leicht erhöhte Emotionalität, wäre ich nicht schon vorher hyperemotional gewesen, wärs wohl deutlicher ausgefallen
  • Leicht erhöhter Futterbedarf, was jedoch sehr willkommen ist, mein Körper braucht schliesslich Baumaterial
  • Das zweite Kleinhirn zwischen den Beinen führt kein Eigenleben mehr, es kann zwar noch aus dem Tiefschlaf geweckt werden, aber von sich aus tut’s nix mehr

Unter dem Strich kann man sagen, dass ich eine deutliche Verweiblichung am ganzen Körper spüre, dass diese Verweiblichung aber nachwievor in einem Bereich liegt, in dem vorallem ich selbst etwas davon bemerke. Aber es ist offensichtlich, dass etwas geht und ich fühle mich so als ob ich seit Kurzem in der Pupertät wäre…… ein atemberaubendes Gefühl *megasmile*

Erhöhte Emotionalität durch Hormone?

Soweit ich zurückdenken kann, war ich immer ein hyper-emotionales Wesen. Es gibt ja dieses Klische, dass nur Mädels im Kino bei jeder rührenden Szene weinen. Ich hatte das schon immer – was wieder mal zeigt, dass ich halt doch n’Mädel bin ;-) – nur habe ich es nie zugelassen, weil Jungs das ja nicht dürfen.

Als ich die Hormontherapie begann, war ich neugierig, ob sich da noch etwas verändert, noch emotionaler zu werden schien mir nicht wirklich vorstellbar. Und doch berichten andere T-Girls, dass ebendies geschieht. So wie Testosteron das Agressionspotential erhöht, erhöht Östrogen die Intensität des Gefühlsleben.

Und tatsächlich passiert genau dies auch mit mir – so unvorstellbar mir das auch erschien. Vorallem vor dem TV ist es am auffälligsten. Früher war ich schon bei jeder rührenden Szene tief ergriffen, aber mittlerweile nimmt das Ganze doch langsam groteske Ausmasse an. Beispielsweise als ich am Sonntag einen Disney Zeichentrickfilm schaute….. man glaubt es kaum, aber sogar in so einem Film geht in mir die Post ab. Sobald jemandem etwas Gutes widerfährt, drückt es mir auf’s Auge und wenn’s dann noch um Liebe geht, dann vergisst mein Verstand, dass es sich hier ja nur um gezeichnete Figuren geht, da schmelze ich wie Butter an der Sonne.

Noch emotionaler? Ach Du grüne Neune! Mein Leben war unter Anderem deshalb stets so anstrengend, weil ich eben so hyper-sensibel war. Alles was einem nah gehen kann, geht mir tief durchs Herz. Dass diese Wesensart von mir nun noch stärker zur Geltung kommt, macht mein Leben nicht grad einfacher. Vielleicht leide ich gerade deshalb umso mehr unter meiner Beziehungslosigkeit, weil nicht nur schöne sondern auch traurige Gefühle intensiver werden.

Aber das hat auch etwas Gutes. Irgendwann – so hoffe ich – wird auch mir wieder die grosse Liebe begegnen und ich freue mich darauf, dass ich dann auch die Liebe noch intensiver fühlen kann. Ich kann mir zwar auch hier nicht vorstellen, dass Liebe noch intensiver ist, als ich es bisher erlebte – eben weil ich auch diesbezüglich schon immer von ganzem Herzen liebte. Aber ob ich es mir vorstellen kann oder nicht, es wird wohl so kommen, wenn es denn einmal kommt.

Ist Transsexualität eine Krankheit?

Für 99% der Bevölkerung und für einen Grossteil der Fachleute dürfte diese Frage kaum zur Frage stehen, Transsexualität resp Transidentität ist eine Krankheit. Aber ist das wirklich so? Und wenn Transsexualität eine Krankheit wäre, wäre es dann eine psychische Störung oder eine körperliche Fehlbildung? Als ich mich an der Psychiatrischen Universitätsklinik angemeldet habe, habe ich beim Einweisungsgrund “Geburtsgebrechen” angekreuzelt, somit dürfte meine eigene Haltung klar sein, ob sie den Tatsachen gerecht wird, bleibt aber offen.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Udo Rauchfleisch)

Interessant in dieser Frage ist der Standpunkt von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, er war jahrelang als klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel tätig und hat dort unzählige Transsexuelle behandelt. Nach all seinen Erfahrungen kommt Rauchfleisch zur Überzeugung, dass Transsexuelle nicht krank sind sondern, dass Transsexualität eine “Normvariante” ist. Die Norm ist, dass ein Mensch männlich oder weiblich ist und dass das biologische Geschlecht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Transsexuelle sind also eine Variante zu diesen Norm-Fällen. Die gesellschaftliche Akzeptanz wäre wohl deutlich höher, wenn wir es so sehen könnten und die Stigmatisierung Transsexueller wäre ebenfalls stark reduziert. Aber Rauchfleisch ist wohl in der Minderheit mit seinem Standpunkt, betrachten wir also die Alternativen.

Was ist Krankheit? Wann ist jemand krank? Das Kranksein wird in der Regel so verstanden, dass jemand dann krank ist, wenn etwas an seiner psychischen oder physischen Gesundheit zu Leiden führt. Transsexuelle leiden enorm unter der Kluft zwischen ihrem biologischen Geschlecht und der Geschlechtsidentität. Somit kann man also von einem krankhaften Zustand sprechen. Aber was ist krank, Körper oder Geist?

Die offiziell medizinische Haltung ist seit je her so, dass Transsexualität eine Geschlechtsidentitätsstörung ist (Gender Identity Disorder), schon das Wort sagt also, dass die Identität gestört ist und nicht der Körper. Woher man diese Gewissheit nimmt, ist und bleibt ein Rätsel, denn bis zum heutigen Tag konnte niemand den Beweis dafür erbringen und niemand konnte diesen Standpunkt widerlegen.

Das einzige was man mit Sicherheit weiss ist, dass Transsexuelle schwerstem Leiden ausgesetzt sind, weil ihre Geschlechtsidentität nicht mit dem “biologischen Geschlecht” übereinstimmt. Wenn man aber die wissenschaftlichen Arbeiten anschaut, wird verwirrenderweise klar, dass es da verschiedene Denkansätze gibt. Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? War zuerst, die Geschlechtsidentität oder das biologische Geschlecht? Tatsache ist, dass ein Embryo die ersten Tage weder männlich noch weiblich ist, selbst das primäre Geschlechtsorgan unterscheidet sich nicht. Erst nach ein paar Wochen beginnt sich der Körper in eine Richtung zu entwickeln. Was, frage ich, wenn die Geschlechtsidentität bis zu diesem Zeitpunkt bereits festgelegt ist?

Es gibt eine Vielzahl sich gegenseitig bestätigender Studien die davon ausgehen, dass eine hormonelle Störung im Körper der Mutter den Prozess der biologischen Geschlechtsbildung beeinflussen kann. Was also, wenn die Identität bereits festgelegt ist und der Körper sich plötzlich anders entwickelt? Es gibt sogar neurologische Studien, die zeigen, dass transsexuelle Frauen dieselbe anatomische Hirnstruktur haben wie andere Frauen auch, der Bereich BSTc der für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, hat dieselbe Grösse und Neuronendichte. Transsexualität hat auf jeden Fall biologische Ursachen.

Über die verschiedenen möglichen Ursachen möchte ich ein anderes Mal detailierter sprechen, fürs Erste möchte ich den Leser einfach mal mit der Frage konfrontieren, was nun krank sein soll, der Körper, der Geist…. oder eine Gesellschaft, nur nur schwarz-weiss Kategorien anerkennt?

Das einzige was wir mit Sicherheit wissen: Transsexuelle leiden und ihr Leiden kann reduziert werden, das alleine ist wichtig und hier soll Betroffenen auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden. Welche das sind, werde ich in einem nachfolgenden Beitrag erläutern.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Ist Transsexualität heilbar?

Wenn Menschen erstmals mit dem Thema Transsexualität resp Transidentität konfrontiert werden, ist die erste Reaktion meistens: “ja aber kann man Transsexualität denn nicht heilen?”.

Die Antwort darauf ist klar, wenn auch überraschend:
Ja man kann Transsexualität heilen……. mittels Hormontherapie und plastischer Chirurgie…. und nein, es gibt keinen anderen Weg um Transsexuelle von ihren Leiden zu erlösen.

Bis zum heutigen Tag ist es nicht ein einziges Mal gelungen, die Geschlechtsidentität eines Menschen zu verändern. Fachleute gehen davon aus, dass spätestens im Alter von 3 Jahren die Geschlechtsidentität so stark ausgeprägt ist, dass sie nie mehr änderbar ist.

Man hat es mit allen Mitteln versucht, weder Medikamente noch Elektroschocks konnten an der Geschlechtsidentität rütteln. Deshalb kam schlussendlich auch die Fachwelt zum Schluss, dass Transsexuellen nur geholfen werden kann, in dem man den Körper der Identität angleicht soweit das möglich ist.

Ich wünschte mir, es gäbe andere Wege als eine chemische Kastration, lebenslang Medikamente einnehmen zu müssen, eine rund 8-stündige Operation mit unzähligen Risiken machen zu lassen und ein Leben lang stigmatisiert zu sein, aber es gibt nur diesen einen Weg, ein harter und beschwerlicher Weg, aber ein Weg, der uns Transsexuellen zu Würde und Lebensfreude verhilft und einer lebenslangen Verzweiflung ein Ende setzt, die für Aussenstehende nicht mal ansatzweise begriffen werden kann.

Kürzlich sah ich in einem Internet-Video eine Rede von einer postOp Transsexuellen, die erzählte, dass sie auf die Frage “bist Du transsexuell” antworten würde: “Nein, seit meiner geschlechtsangleichenden Operation nicht mehr”.

Besser könnte ich es nicht ausdrücken.

Jetzt bin ich hormonell betrachtet ein Vollweib

Ich glaubs fast nicht, aber aus hormoneller Sicht bin ich jetzt ein hunderprozentiges, kerngesundes Vollweib :-)

Der Arztbesuch war ein voller Erfolg.
Blut- und Leberwerte sind alle im grünen Bereich und die Hormonwerte sind so ziemlich da, wo ich sie am liebsten gehabt hätte.

Für eine Selbstmedikation zeige ich mich anscheinend ganz schön begabt, ich hätte Endokrinologin werden sollen.

Nun aber zu den erfreulichen Details.

Das böse böse männliche Hormon Testosteron ist auf 10% gesunken.
- Testosteron frei: 2.1 pmol/L (Referenzwert für Männer 25-80)
- Testosteron: 2.0 nmol/L (Referenzwert für Männer 8.4-28.7)
Irgendwo habe ich gelesen, eine biologische Frau hätte einen Wert von rund 3, da wär ich somit mit 2 ein richtiges Prachtsweibchen :-)

Das herzallerliebste weibliche Hormon Estradiol resp Östradiol ist auf 0.34 nmol/L (Referenzwert für Männer < 0.19)
Bei Frauen variiert der Östrogenpegel ums Vielfache während des Zyklus, deshalb kann man keinen wirklichen Mittelwert festlegen. Der Bereich liegt ungefähr zwischen 0.1 und 1.4 nmol/L.
Ich las mal, dass eine TransFrau mit 0.4 nmol/L gut bedient ist. Mit 0.34 bin ich also recht gut dran.

Mit anderen Worten, wenn ich einem Arzt diese Hormonwerte zeige, wird er diese klar einer Frau in den besten Jahren zuschreiben. Ich bin also hormonell gesehen endlich ganz weiblich :-)

Fazit: Der Mann ist weg, die Frau ist da, jupeidi und trallalla :-)

PS: ich war natürlich wieder sooooo hingerissen von meiner bezaubernden Ärztin, dürfte man eine Ärztin in der Praxis um ein Date bitten? Irgendwie trau ich mich nicht *seufz*



Copyright © 2017 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.