T-Girl Diana

Tagebuch einer transsexuellen Frau

Alles wird kompliziert: Wäsche waschen

sillyDamit’s nachher nicht heisst, ich hätte behauptet, als T-Girl sei alles einfacher und schöner (ok schöner ist es schon), beginne ich hier die Serie “Alles wird kompliziert” in der ich gelegentlich Klagelieder anstimmen werde über die Komplexität und den Schweregrad des weiblichen Lebens.

Fangen wir mit der Wäsche an. Früher hiess waschen, 2-3 paar Jeans, ein paar T-Shirts und ein Rudel Unterwäsche alles in die Waschmaschine schmeissen, 60 Grad einstellen und fertig war der Spass.

Heute wird erst alles aussortiert, sorgsam von innen nach aussen gekehrt, alles was schön ist kommt in die 30 Grad Gruppe, ausser es ist weiss, dann kommts in die Weiss-Gruppe. Strumpfhosen werden in einen Kissenüberzug gestopft damit sie nach der Wäsche nicht in einander verknotet sind (ja ich weiss, dafür gibts extra Waschsäckchen für uns Mädels, aber solche hab ich noch nicht) und die BH’s müssen sowieso in Kissenbezüge verfrachtet werden, denn die haben so fiese Häckchen, die sonst all die hübschen Sachen zerfetzen als ob eine Katze damit gespielt hätte. Irgendwelche gürtelartigen Teile und Bändel werden vom Kleidungsstück entfernt, Knöpfe zugeknöpft, Reissverschlüsse zugezippt.

Beim Waschen gilt dann höchste Konzentration, denn schusslig wie ich bin, ist es mir locker zuzutrauen, dass ich 60 anstatt 30 Grad wähle. Falls mir das je passiert, wird man mich schweizweit hören, weil ich ein paar Stunden lang nur noch hysterisch kreische. Ich darf gar nicht dran denken.

Das Trocknen der Wäsche ist das nächste Abendteuer. Unterwäsche lassen wir Mädels natürlich nicht in der Waschküche, die wird in der Wohnung auf Heizungskörpern verteilt. Strümpfe werden ebenfalls nicht Fetischisten zur Verfügung gestellt sondern sorgsam über die Stange des Duschvorhangs gehängt. Die Kleider werden von aussen nach innen umgekehrt, ausgeschüttelt und glatt gestrichen (weil ich kein Bügeleisen habe) und aufgehängt.

Das dicke Ende kommt dann, wenn die Wäsche trocken ist, denn dann geht das Orakel los, welches Teil im Schrank wo hin gehört. Früher gabs da einen Haufen Hosen und einen Haufen Shirts, that’s it. Nun kommt die Hälfte an einen Bügel und der Rest wird sorgfältig zusammengefaltet und auf einen der ca 42 Kleiderhaufen gelegt.

Und das Übelste daran, da man wegen der Aufteilung zwischen 30 und 60 Grad sowie der Weiss-Gruppe mindestens 3 Waschgänge machen muss, ist man den ganzen Abend beschäftigt. Wenn ich jetzt auch noch ein Bügeleisen hätte, wär mein Leben ruiniert ;-)

Alles wird kompliziert: Online shoppen will gelernt sein

kleid-lila-bonprix-1Wenn man als frischgebackenes Mädel online shoppen geht, kommt es in der Regel zu verblüffenden Überraschungen.

Zuerst ist der Pöstler überrascht, weil er 2 Wochen lang fast täglich ein Paket abliefern muss.
Dann ist das Mädel überrascht, weil es sich nicht erklären kann, wer soviel Zeugs bestellt und vorallem warum und noch mehr wozu.
Dann ist sie nochmal überrascht, weil ihr nicht ganz klar ist, wohin mit diesem dutzend Oberteilen, die überraschenderweise zugesandt wurden.
Und zuguterletzt ist sie grad noch einmal überrascht, weil das Kleid ohne entsprechendes Decolté nunmal nicht so aussieht wie bei dem Model im Katalog, genau genommen sieht’s Scheisse aus….. Sachen gibt’s!

Da wünscht man sich manchmal, Mann zu sein. Man geht in den Laden zu den T-Shirts…. schwarz, passt…… Grösse M, passt…… Rundhals, passt…….. kauft drei Stück und damit ist der Einkauf erledigt.

Aber gerade für T-Girls ist das eine wirklich herausfordernde Welt, weil man einfach nicht alles anziehen kann, was nett aussieht. Bei mir heisst das beispielsweise:

  • dass die Schultern bedeckt sein sollten (such mal ein schönes Abendkleid mit bedeckten Schultern).
  • Im Hüftbereich darf’s nicht eng sein, weil das Passing andernfalls auf 0% sinkt.
  • Oben trage ich 38, unten 36, dafür hab ich 40er Füsse.
  • Rundhals sieht weniger feminim aus als V-Ausschnitt und was mit Kragen geht überhaupt nicht.
  • Der V-Ausschnitt darf aber nicht zu gross sein, weil sonst eben das Decolté fehlt.
  • Taillenbetont ist genial, aber ich hab keine Taille, somit wär ein Versuch, diese zu betonen ziemlich gleich idiotisch wie das Betonen des nicht wirklich existierenden Decoltés.
  • Und logischerweise kann man nicht jede Farbe mit einer anderen kombinieren. Nach 40 Jahren schwarz-blau oder blau-schwarz steht man hier vor einem Buch mit sieben Siegeln.
  • Zeugs, dass man bügeln muss, geht sowieso nicht, ich hab nämlich kein Bügeleisen und will auch keins…….

Und so gibt es noch unzählige klitzekleine Details, die einem richtiggehend schocken können vor dem Spiegel, weil der Anblick des Spiegelbilds im Vergleich zum Katalogbild wie eine Folge von schwer-halluzinogenen Drogen wirkt.

Aber da müssen wir Mädels durch und tapfer wie wir sind, packen wir das auch an……. und so ganz unter uns: wir tun’s trotz des Schwierigkeitsgrades und der gelegentlichen Schockmomente eigentlich gerne ;-)

Alles wird kompliziert: Röcke und Privatsphäre

roecke-sind-kompliziertRöcke sind schön, sie sind sexy und sie sind unglaublich bequem. Aber Röcke haben auch ihre Tücken, ein weiteres Kapitel zum Thema, dass alles komplizierter wird, wenn man beginnt als Frau zu leben.

Eine der heimtückischsten Fallen habe ich kürzlich hier beschrieben. Wenn wir Mädels Röcke tragen und drunter etwas, was nicht jederMann sehen sollte, dann benützen wir idealerweise nur noch Lifte um höhere Etagen zu erklimmen, weil Treppen – egal ob rollende oder normale – den hinter uns laufenden Jungs einfach zu tiefe Einblicke in unsere Privatsphäre genehmigen.

Ebenfalls fies sind frauenfeindliche Windverhältnisse. Wie bereits hier beschrieben, reagieren vorallem so dünne und luftige Sommerröckchen ganz euphorisch auf Windstösse und bevor man sich’s versieht, präsentiert man den Leuten rundum eine Unterwäsche-Modeshow der unfreiwilligen Art.

Aber auch Autos werden plötzlich zu einer grossen Herausforderung. Ein Auto im Rock zu beklettern artet schnell mal in eine artistische Nummer aus. Beim Einsteigen ist man(n) es gewohnt, ein Bein reinzustellen und sich hinterher zu schmeissen. Wenn ein Rock aber etwas eng geschnitten ist, geht so ein Beinspreizer definitiv nicht, ohne sich dabei die Kleider vom Leib zu reissen. Also setzt man sich erst mal quer hinein, als ob man nicht kapiert hätte, wo beim Auto vorne und hinten ist und dann versucht man beide Beine gleichzeitig ins Auto zu hiefen. Ausserdem muss man dabei höllisch aufpassen, dass der Rock dabei nicht zu arg hochrutscht. Je nachdem was man drunter trägt, kann auch das mehr Freude im Umfeld verbreiten als einem lieb ist.

In öffentlichen Verkehrsmitteln und überhaupt überall wo man sitzt, gilt die strikte Regel: Beine übereinander verschrenken. Andernfalls muss man sich nicht wundern, wenn man mit niemandem mehr Blickkontakt hat, weil alle – zumindest die männlichen Artgenossen – den Blick demütig auf Hüfthöhe senken und wie hypnotisiert ins Leere gucken.

Trotzdem liebe ich Röcke und Kleider über alles. Wie so vieles im Leben einer Frau, machen auch diese das Leben eindeutig komplizierter, aber eben, sie sind schön, sexy, bequem…… und man fühlt sich darin unbeschreiblich weiblich :-)

Alles wird kompliziert: Stretchkleider erfordern Disziplin

kleid-rot-1Seit je her waren für mich so einteilige Stretchkleider das heisseste was es gibt unter dem Himmel der Damenbekleidung. Nichts ist so figurbetont und so sexy wie diese Stretchkleider.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass ich solche Dinger frühstens nach der GaOp tragen kann, vielleicht nicht mal dann, weil mir die nötigen Kurven fehlen, die so einem Kleid die Würze geben.

Hähä, denkste, ein kreatives T-Girl kriegt bekanntlich sogar das Unmögliche auf die Reihe und so wagte ich heute erstmals so ein Teil zu tragen. Ok meine Jungs im Geschäft halten mich spätestens seit heute für komplett verrückt, aber wo sie Recht haben, sollen sie auch Recht behalten.

Zu meiner grossen Überraschung stehen mir diese Dinger unglaublich gut. Ok vielleicht bin ich die Einzige, die das so sieht, aber mir gefällts saumässig und ich fühl mich in diesem Outfit wie ein Supermodel. Das Kleid ist etwas heller als auf dem Bild, klatscheng, endet deutlich über dem Knie (ist für meine Verhältnisse also recht kurz) und sieht zusammen mit Din-70 Strümpfen und Stiefeln hammermässig aus.

Aber so ein Kleid bringt einem in die nächste Stufe des komplizierten Frauenlebens, denn sowas zu tragen, ist gar nicht so einfach, wie es aussieht. Ich dachte immer, diese Kleider heissen Stretchkleider, weil sie so eng anliegend sind. Aber seit heute vermute ich, dass es daher kommt, dass diese Dinger sich bei jeder Bewegung stretchen und zwar Richtung oben. Nach ein paar Schritten wird daraus ein Mini und nach weiteren Schritten steht man fast in der Unterwäsche da. Deshalb muss man regelmässig an ihnen herum-stretchen. Wenn man aufsteht, oder läuft, oder atmet, einfach immer, regelmässig. Ich frag mich echt wie andere Mädels damit umgehen, doppelseitiges Klebeband oder an den Oberschenkel tackern?

Eigentlich muss man völlig verblödet sein, sowas anzuziehen, es ist einfach zu kompliziert für einen ganz normalen Büroalltag. Aber für irgend etwas bin ich schliesslich blond zur Welt gekommen, ich darf so sein, einfach bluna würd Juliet wohl sagen und wo sie Recht hat, soll auch sie Recht behalten…… und ich behalte meine neuste Kleidervorliebe :-)

Alles wird kompliziert: Sinnentleertes in der Frauenwelt

Als Frau ist das Leben ja viel komplizierter, wir müssen oder wollen tausend Dinge tun, die uns das Leben ja eigentlich nur schwer machen. Meist liegt ein Sinn dahinter, aber manchmal nicht mal das.

Wir kaufen uns sauteure Stöckelschuhe, die unsere Füsse zertrümmern und im gleichen Einkaufsbummel gleich noch Compeed-Pflaster dazu, aber wir sehn in diesen Fussfolterdingern halt toll aus, da beissen wir uns doch gern mal durch. Oder wir rasieren uns die Beine, damit wir mit Alabaster-Stelzchen auf diesen fussfolternden Schuhen so richtig hübsch aussehen, obwohl das Haarzeuchs eh gleich wieder nachspriesst und das Bein kratziger macht als vorher. Wir zupfen uns die Augenbrauen und keine von uns weiss eigentlich, weshalb das soviel schöner sein soll, wir tun’s trotzdem. Und jeden Morgen schmieren wir uns MakeUp, Kajal, Eyeliner, Lidschatten, Wangenrouge und Lippenstift ins Gesicht, als ob wir heute in den Krieg gegen die Bleichgesichter ziehen, aber auch das macht uns halt hübscher.

Irgendwie ist das ja alles ganz schön sinnentleert – hübsch, aber sinnentleert. Aber weil wir uns irgend ein positives Resultat wünschen, tun wir’s halt trotzdem. Fragwürdig wirds dann, wenn wir uns beispielsweise Abends wieder abschminken. Das ist fast so zeitraubend wie das Schminken, die Augen brennen vom Makeup-Entferner und mit jedem Arbeitsgang sieht man wieder beschissener aus. Warum tun wir das? Das ist überhaupt nicht befriedigend! Es ist ja nachvollziehbar, so Torturen über sich ergehen zu lassen, um besser auszusehen, aber warum tun wir so Dinge, bei denen wir anschliessend weniger hübsch sind?

Irgendwie ist das mindestens so idiotisch, wie wenn 22 erwachsene Jungs in kurzen Hosen und Kniesocken einem Lederbeutel nachrennen, nur um ihn, sobald sie ihn erwischen, wieder wegzutreten. Oder dass dieselben sich für 50′000 Franken ein Sportauto kaufen, mit dem sie dann hinter dem 5000 Franken teuren Kleinwagen der Nachbarin im Stau stehen. Aber sie tun’s. Und wir tun’s. Und niemand weiss, warum.

Aber auch wenn Jungs und Mädels beide da irgendwie einen an der Waffel haben, ich glaub, der Rekord im sinnentleerten Handeln steht uns Mädels zu, für das Abschminken. Das kann man nicht mal mehr mit Fussball toppen ;-)

Dianas Blogtagebuch 2009 ist jetzt im Buchhandel

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)



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