(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Fünf Monate Diana – Dank Euch allen!

Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt
und der sie Dir vorsingt, wenn Du sie vergessen hast

Jeden Monat am 13. feiere ich innerlich ein kleines Jubiläum. Es war der 13. Januar, als ich die Hormontherapie begann, seit diesem Tag geistern Östrogene durch meinen Körper und arbeiten fleissig an meiner Metamorphose. Seit diesem Tag empfinde ich mich auch körperlich als werdende Frau, es ist sozusagen mein zweiter Geburtstag. Heute feiere ich diesen Tag zum fünften Mal, seit fünf Monaten bin ich auf meinem Weg und dieser Tag macht mich wiedermal sentimental – im positiven Sinn.

Seit fünf Monaten bin ich so glücklich wie ich es vorher nie war. Jeder Tag beginnt mit einem inneren Lächeln, ich wache auf und der erste Gedanke ist, dass ich eine Frau bin, als Frau lebe und als Frau wahr!-genommen werde. Ich mache mir einen Kaffee, leg mich wieder ins Bett und überlege was ich heute anziehen soll, es ist jedes Mal ein erneuter Genuss. Dann gehts ins Badezimmer und spätestens wenn ich mit der Gesichtsbemalung beginne, ist es erneut ein Glücksgefühl, wenn das Gesicht immer weiblicher wird und meinem Inneren zu gleichen beginnt. Oft in so Momenten wird mir bewusst, wie sehr ich mich seit meinem Gender-Change schätze und wie nah ich mir selber bin seit diesem Tag. Ich selbst zu sein und mich darzustellen, ist einfach unbeschreiblich schön. Es ist etwas, was niemand wirklich verstehen kann, denn für Andere ist es selbstverständlich, sich selbst zu sein. Für mich nicht, ich musste mir dieses Recht erkämpfen und ich bin froh, dass ich diesen doch nicht einfachen Weg beschritten habe.

Diese fünf Monate waren eine schwere Zeit, vorallem am Anfang brauchte es wahnsinnig viel Mut und Überwindung, täglich musste ich mich wieder neu zusammensetzen und aus einem Trümmerhaufen ein neues Selbstbewusstsein wachsen lassen. Das ist mir gelungen und dass mir das gelungen ist, habe ich nicht nur meiner Renitenz zu verdanken sondern vorallem auch all den Menschen, die zu mir gehalten haben, die mich angenommen haben und mir beigestanden sind. Deshalb möchte ich mich an diesem Tag einmal bei allen bedanken, ohne Euch hätte ich das nicht geschafft.

Am meisten Dank gebührt meiner letzten Lebenspartnerin Eliane, Du hast mich von Anfang an unterstützt und bist bis heute und für immer meine beste Freundin. Es ist verdammt schwer, wenn der ehemalige Lebenspartner immer mehr zur Frau wird und das was man einst liebte immer mehr verschwindet, Du hast das ertragen und stehst mir immer und überall bei, Du bist meine grösste Kraftquelle.

Danken möchte ich auch all meinen Mitarbeitern, Ihr habt mich als Frau angenommen und mir jeden Tag 8 Stunden Leben in einer weiblichen Rolle ermöglicht. Das Zusammensein mit Euch gibt mir sehr viel, nicht zuletzt weil wir einfach ein cooles Team sind und immer etwas zum lachen haben. Das Geschäft war für mich der erste Ort an dem ich mich frei als Frau bewegen konnte und mich wohl fühlte und das hat sich bis heute nicht geändert.

Weiter danke ich dem Team meinem neuen Stamm-Pub, Ihr habt mir ein neues Zuhause gegeben und habt mich von Anfang an in einer Selbstverständlichkeit als Frau angenommen und ein paar wertvolle Freundschaften sind entstanden und werden vielleicht noch entstehen. Im speziellen gilt das für Bea, hey honey, Du bist wirklich Gold wert, danke für Deine Freundschaft und die vielen tiefgründigen Gespräche.

Ausserdem danke ich meinem Vater und seiner Frau, es ist für einen Vater alles andere als einfach, wenn der Sohn zur Tochter wird. Aber Ihr habt das respektiert und mir gezeigt, dass mein Wohlbefinden das Wichtigste ist für Euch, das gibt mir das Gefühl, wirklich geliebt zu sein.

Speziellen Dank verdient mein bester Freund Andreas. Ich war über ein Jahrzehnt lang Dein bester Freund, nun bin ich Deine beste Freundin. Ich wäre nicht, was ich bin, wenn Du mir nicht ein Jahrzehnt lang beigestanden wärst. Niemand hat mein Denken so geprägt wie Du und ich bin wirklich stolz darauf, so einen grossartigen Menschen als Freund zu haben.

Dann danke ich allen Freunden, die mich auf meinem neuen Weg begleiten. Vorallem Felix, Du warst Dir von Anfang an nicht zu schade, mit mir in den Ausgang zu gehen und damit in Kauf zu nehmen, dass man Dich genauso blöd anguckt wie mich ;-) Unsere philosophischen Gespräche sind immer wieder eine Freude.

Und last but not least danke ich meinem Psychotherapeuten, Sie haben mich jahrelang gestützt und mir beim Verständnis meiner doch eher erwirrenden Wesensart geholfen.

Es gäbe noch viele die ich hier erwähnen müsste und wollte, aber irgendwo muss jeder Blogbeitrag mal zu Ende sein, deshalb allen Andern ein herzliches Dankeschön :-)

Kann man eine Trans-Frau lieben?

Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben
(Erich Fried)

Auch wenn ich noch so glücklich darüber bin, endlich mich selbst zu sein, gibt es doch etwas, das mich immer wieder an die Wand klatscht – heute ist es wieder mal soweit. Ich wusste von Anfang an, dass ich für meine Selbstwerdung einen unvorstellbar hohen Preis zahlen werde und ich habe bewusst ja dazu gesagt, weil kein Preis zu hoch ist dafür, dass ich endlich meine wahre Identität leben darf. Von Anfang an war klar, dass einer der Preise höher ist als alle anderen zusammen, es war die Aussicht, dass ich aufgrund meiner Andersartigkeit vielleicht nie wieder eine Beziehung haben werde.

Ich liebe zwar die Einsamkeit, kann tagelang allein im Wald unter einem Baum sitzen ohne jemanden zu vermissen. Aber das kann ich nur, wenn ich weiss, dass ich irgendwann zurück gehe und dort jemand auf mich wartet, der mich liebt, in den Arm nimmt und mir die Geborgenheit gibt, die ich mehr brauche als die Luft zum atmen.

Doch als transsexuelle Frau bin ich diesbezüglich in einer ziemlich hoffnungslosen Lage. Ich zweifle zwar nicht daran, dass jemand wie ich liebenswert sein kann. Als Trans-Frau werde ich zwar nie so “makellos” sein wie eine Frau, die biologisch korrekt geboren ist und doch verfüge ich als Trans-Frau auch über Vorteile, die in einer Beziehung sehr wertvoll wären. Beispielsweise gehöre ich zu der seltenen Spezies, die sowohl in die männliche als auch in die weibliche Denk- und Gefühlswelt hineinsehen kann und sich hineinfühlen kann. Ich weiss wie Männer denken, weil ich 40 Jahre lang in dieser Rolle gelebt habe und ich weiss was Frauen fühlen, weil ich ein Leben lang innerlich wie eine Frau fühlte.

Wenn zwei Menschen sich in einander verlieben, dann ist das in der Regel nicht aufgrund irgendwelcher anatomischer Vorzüge oder sonstigen Äusserlichkeiten, man verliebt sich, weil zwei Seelen sich begegnen, sich berühren und dabei Funken schlagen. Liebe ist unerklärlich, egal was man sucht und sich vorstellt, die Liebe fällt oft in ganz andere Gefilde. So gesehen zweifle ich nicht daran, dass sich irgendwann jemand in mich verlieben kann, trotz oder gerade wegen meiner Andersartigkeit. Und doch verliere ich von Woche zu Woche mehr von diesem bisschen Resthoffnung, die mir geblieben ist.

Es dürfte schon schwierig sein, ein Wesen wie mich zu lieben, erst Recht in dieser chimärenartigen Zwischenphase in der ich gerade bin. Viel schwieriger wäre jedoch die Tatsache, dass man als PartnerIn einer transsexuellen Person selbst stigmatisiert wird. Es ist kein Problem, eine Trans-Frau als Kollegin zu haben, sowas klingt sogar irgendwie spannend. Aber so eine Frau seinen Kollegen als Lebenspartnerin vorzustellen, sie mit zu seinen Eltern zu nehmen, ans Weihnachtsessen im Geschäft oder sich auch nur schon in der Öffentlichkeit mit ihr zu zeigen, all das würde eine enorme Grösse und Eigenständigkeit erfordern, die den meisten Menschen zu weit ginge.

Der moderne Mensch ist so konditioniert, dass sein Ansehen in der Gesellschaft das Wichtigste ist. Ich bin das, was die anderen über mich denken, ich bin so wertvoll wie die anderen mich einschätzen. Mit dieser Denkweise wird eine Beziehung mit einer Trans-Frau zu etwas bedrohlichem. Jemand der eine Trans-Frau als Partnerin hat, stellt sein Umfeld vor die Frage, ob er/sie nun hetero oder schwul/lesbisch ist, weil eine Trans-Frau von vielen weiterhin als Mann betrachtet wird oder gerade weil sie als Frau gesehen wird. So entzieht man sich selbst jeglicher Schubladisierung und wer in keine Schublade passt, wird in dieser Welt abgelehnt, weil der moderne Mensch in der Regel nur schwarz-weiss denkt.

Ich glaube, es wird sehr schwierig jemanden zu finden, der mich so liebt wie ich bin. Und ich glaube, dass es nahezu unmöglich ist, jemanden zu finden, der mich liebt und auch renitent genug ist um in dieser Gesellschaft zu einer transsexuellen Frau zu stehen und sich all den (oft unausgesprochenen) Fragen zu stellen.

Diese Aussicht zermürbt mich immer wieder von Neuem, weil ich ein sehr liebesbedürftiges Wesen bin, weil das Geliebtwerden für mich die grösste Kraftquelle ist um allen Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Die Befürchtung, vielleicht nie wieder im Herzen berührt zu werden, treibt mich manchmal fast in den Wahnsinn. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und auch wenn die Hoffnung mit jedem Crash etwas kleiner wird, wird sie von der Sehnsucht doch immer wieder neu zum Leben erweckt. Aber manchmal ist diese Hoffnung nur noch wie eine Kerzenflamme im Wind, sie vermag nicht wirklich zu wärmen und mit jedem Windstoss erwacht erneut die Angst, dass dieses Licht ausgeht.

Dum spiro spero, heisst der Slogan meiner Pipe Band, solange ich atme hoffe ich……. da kann ich froh sein darüber, Piperin zu sein, denn Piperinnen haben einen langen Atem…… den werde ich wohl brauchen.

Fünf Monate Hormontherapie

Seit fünf Monaten läuft meine Hormontherapie mit der Antibabypille Diane-35 / Cypestra-35 sowie dem Testosteronblocker Androcur. Trotz anfänglich dezenter Dosierung ist doch einiges gegangen. Unter dezenter Dosierung verstehe ich ungefähr folgendes:

  • 1.5 Monate 2mg Estradiol (1 x Cypestra-35)
  • 1.5 Monate 4mg Estradiol (2 x Diane-35)
  • 1 Monat 6mg Estradiol (3 x Diane-35) und 25mg Cyproteronacetat (0.5 x Androcur-50)
  • 1 Monat 6mg Estradiol (3 x Diane-35) und 50mg Cyproteronacetat (1 x Androcur-50)

Nach fünf Monaten ergaben sich folgende Veränderungen (Angaben absolut subjektiv)

  • Brustwachstum ist mit “günstiger Kleidung” und noch mehr ohne Kleidung sichtbar, bis zur Körbchengrösse AA (ja das gibts echt) brauchts aber noch ein wenig. Auf jeden Fall ist die Brust sehr deutlich spürbar, einerseits innerlich durch ein deutliches und manchmal schmerzhaftes Spannen, anderseits äusserlich, man kann da schon wirklich was in die Hand nehmen…. und das fühlt sich unglaublich gut an *smile*
  • Behaarung im Bauch- und Brustbereich nahe eliminiert, wobei zu sagen ist, dass ich da zum Glück schon vor der HT nur spärlich besäht war
  • Behaarung am Oberschenkel deutlich reduziert und das Wachstum massiv verlangsamt
  • Behaarung an Handoberflächen ebenfalls deutlich reduziert
  • Gesicht wurde etwas weich-gezeichnet und leicht feminimer, was jedoch nur im direkten Vergleich mit alten Fotos auffällt
  • Muskulatur an gewissen Stellen deutlich reduziert
  • Gesichtsbehaarung nahezu unbeeinträchtigt, abgesehen von der Wirkung der Laserbehandlung
  • Erhöhte Müdigkeit und leicht reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Seltsame Temperatur-Empfindungen, schneller kalt und öfters Hitzewallungen
  • Leicht erhöhte Emotionalität, wäre ich nicht schon vorher hyperemotional gewesen, wärs wohl deutlicher ausgefallen
  • Leicht erhöhter Futterbedarf, was jedoch sehr willkommen ist, mein Körper braucht schliesslich Baumaterial
  • Das zweite Kleinhirn zwischen den Beinen führt kein Eigenleben mehr, es kann zwar noch aus dem Tiefschlaf geweckt werden, aber von sich aus tut’s nix mehr

Unter dem Strich kann man sagen, dass ich eine deutliche Verweiblichung am ganzen Körper spüre, dass diese Verweiblichung aber nachwievor in einem Bereich liegt, in dem vorallem ich selbst etwas davon bemerke. Aber es ist offensichtlich, dass etwas geht und ich fühle mich so als ob ich seit Kurzem in der Pupertät wäre…… ein atemberaubendes Gefühl *megasmile*

Mein erster BeHa

Als ich Anfang Jahr meinen neuen Weg beschritt, ging es mir völlig gegen den Strich, an mir etwas zu “faken”, deshalb trug ich keinen mit was auch immer gefüllten BH sondern war halt wie ich war, eine werdende Frau die noch keinen Busen hat. Wo nix ist, will ich auch nicht den Eindruck erwecken, es sei da was.

Mittlerweile hat das Brustwachstum eingesetzt und auch wenn noch nicht viel da ist, ist es seeeehr spürbar und je nach Kleidung auch sichtbar. Nun ist langsam genug da um die kleinste Körbchengrösse AA (ja das gibts wirklich) einigermassen zu füllen. Also habe ich getan was die meisten Mädels auch tun und hab mir einen PushUp gekauft. Der bringt das Ganze in Form und vergrössert ein wenig. Mir gefällt’s, vorallem kann ich so langsam alles anziehen. Vorher sahen viele Oberteile einfach deppert aus, mit ein wenig Rundungen wird das Ganze deutlich schöner.

Aber so ganz unter uns, es fühlt sich schon etwas seltsam an so eingepackt zu sein, ist irgendwie so ne Art Bondage für Anfänger. Aber mein Spiegelbild gefällt mir so deutlich besser, da nimmt man so einiges in Kauf, das kenn ich ja schon von den Schuhen.

End of Hope

Ich bin Mensch und brauche Liebe
Doch was bleibt ist nur die Sehnsucht
(Lacrimosa – Kelch der Liebe)

Heute kam’s, wie es kommen musste. Wenn man sich von Sehnsucht getrieben an eine Illusion klammert, muss man damit rechnen, dass einem das bisschen Restvernunft das man noch hat, früher oder später wieder auf den Boden holt. Und wenn man über den Wolken schwebt und vom Verstand geweckt wird, kommts zwangsläufig zum freien Fall und die Landung ist heftiger als einem gut tun würde. Man muss wirklich komplett verblödet sein, um sich in meiner Situation zu verlieben, aber erklär mal einem sich nach Liebe sehnenden Herz, was realistisch ist und was nicht. Amors Pfeil trifft immer, aber er trifft nicht immer Beide… und manchmal zerreisst sein Pfeil ein Herz in tausend Stücke.

Doch schmerzlich muß ich mir gestehen
Daß einen Traum ich nur verfolgt.
In dieser Hoffnung bleib` ich liegen
Die Lider fest verschlossen, nur
Ein Morgen darf es niemals geben
Da Du, mein Traum, gegangen wärst!
So darf ich denn erwachen, erst
Nachdem auch Du mich liebst im Leben!
(Illuminate – Ein Erwachen)

Aus dem heutigen Konzert im Pub wird nun wohl nichts, so gut es mir auch getan hätte. Jetzt heissts erst mal Scherben zusammenwischen, alles wieder zusammen zu kleben und mir wieder etwas Realitätsbewusstsein einzuhämmern.

Zum Glück sind wir T-Girls härter als das Leben, wir lassen uns nicht unterkriegen, nicht mal durch uns selbst.

Lonely, where should I be if this is not my land
Slowly, life is running through my fingers like sand
Call me, and Ill be whereever you are
Lonely, and the day hides a falling star

And I tried so hard, yes I tried to get out
But the fear kept on strangling my will
And I tried so hard, yes Itried to get out
But the chains they were harder than steel
Lonely, when the bird calls the break of dawn
Lonely, when nightfall takes lovers in its arms

Lonely, when meadows outside grow green
Falling, and the waters take what has been
Flowing, show me a place where I can fall asleep
Lonely, and the ocean are vast and deep

(Deine Lakaien – Lonely)

Back to reality – the show must go on

Irgendwann einmal wird es geschehn,
das Wunder hier auf dieser Erde
Und eine Stimme sagt: Es werde
Ein neuer Tag…
(Illuminate – Ein neuer Tag)

Back to reality – ein neuer Tag hat begonnen. Der gestriger Crash war ein reinigendes Gewitter, einen ganzen Tag lang nur dazusitzen, traurige Musik zu hören und mich mit mir selbst und meinen Gefühlen zu beschäftigen, war einmal mehr eine Rosskur, aber eine die das Innere ausmistet. Man kann dem inneren Schmerz nicht ausweichen, man muss sich ihm stellen, andernfalls beisst er sich im Inneren fest und man trägt ihn weiter mit sich rum.

Ich kann es mir nicht leisten, mich in romantischen Träumereien zu verlieren, die doch schlussendlich schon fast zwangsläufig in eine Enttäuschung münden. Mein Leben ist anstrengend genug und ich brauche meine Kraft um meine Metamorphose voranzutreiben und auch der Alltag fordert so schon genug, in weniger als zwei Wochen werde ich zügeln und tausend Dinge sind noch vorzubereiten.

Die Liebe lässt sich nicht heransehnen, sie lässt sich nicht erhoffen und nicht erträumen, sie kommt dann wenn sie kommen will und sie taucht dort auf, wo ihr Platz ist. Auch wenn ich mich noch so sehr nach Nähe und Wärme sehne, muss ich aufhören mich in diese Gedanken und Gefühle zu verbeissen. Irgendwann wird dieses Wunder vielleicht gesehen und bis dahin kann ich nichts anderes tun als mein Leben zu leben und bereit zu sein. Und heute, nach dem gestrigen Gewitter, wage ich auch wieder zu glauben, dass dieses Wunder irgendwann Realität wird.

Ein neuer Tag bricht an für mich
alte Wunden werden heilen
Ein neuer Tag bricht an für Dich und mich
(Illuminate – Ein neuer Tag)

The show must go on und die Show findet in der Realität statt und nicht in der Welt des Traumes.

Vom Verliebtsein träumen

Träume sind manchmal erstaunlich gefühlsintensiv und realistisch. Bei mir ist das selten, ich kann mich selten an Träume erinnern und wenn, dann sind es meist kurze Sequenzen ohne grosse emotionale Beteiligung. Ausnahme sind gelegentliche Albträume oder viel seltener Träume, in denen es um Liebe geht. Letzteres ist mir diese Nacht wieder mal passiert und es war so intensiv, dass ich am morgen ziemlich verwirrt aufwachte…. und bedauerte, aufgewacht zu sein.

Ich weiss nicht, wer dieses zierliche und zuckersüsse Mädel war resp darstellen sollte und ich werde es auch nie erfahren. Eine Rolle spielt es nicht, es war ein Traum und sie verschwand im Nebel des Aufwachens, so wie auch im Wachsein nichts da ist, was Liebe schenkt und Liebe annimmt.

Es war seltsam, es war ein sehr langer Traum von dem ich die “Story” nicht weiss, aber wir waren uns immer wieder nah, immer wieder gab es diese Blicke die tief in die Seele eindrangen. Immer öfters berührten sich unsere Hände wenn wir nebeneinander waren, nicht leidenschaftlich sondern scheu, verletzlich, verliebt, so wie es bei zwei verliebten Teenagern halt vor sich geht. Wir waren nah und doch irgendwie unnahbar, ich wünschte mir nichts mehr als dass sich unsere Lippen berührten, sanft, zärtlich, scheu. Auf den Kuss hoffte ich vergebens, doch gab es mehrere Momente, in denen wir einander gegenüber standen und uns liebevoll umarmten. Es war ein sich nähern fern jeglicher Begierde und Leidenschaft, es war pures Verliebtsein, das uns immer näher zu einander führte.

Das Aufwachen war grausam und verwirrend. Ich konnte ihre Hände noch spüren, die meine Hände festhalten – nicht fest genug um mich im Traum zu halten. Was gäbe ich nicht alles um sie noch einmal zu umarmen und was gäbe ich erst Recht für diesen zärtlichen Kuss, der mir nicht mal im Traum vergönnt war.

Auch wenn ich eine Vermutung habe, wem dieser Traum gewidmet ist, ich werde nie erfahren wer sie ist…. und wenn sie wirklich “sie” ist, will ich es auch nicht erfahren, weil wir uns in der Realität noch viel unnahbarer sind als im Traum. Was bleibt – einmal mehr – ist weiter zu träumen und zu hoffen, dass mir wenigstens im Traum wieder mal dieses alles durchdringende Verliebtsein geschenkt wird.

Nun bist Du fort
Und noch frag ich mich,
Ob ich wache oder nicht.
In traumverhang`nen Augenblicken sehe ich
Dich doch nur schemenhaft vor mir.
(Illuminate – Über Deinen Schlaf)

Update 13:30
Ich hab meiner Freundin Bea *wink* via Mail von diesem Traum erzählt und sie hat nun geantwortet und in ihrem Mail die Frage aufgeworfen, ob das Mädel im Traum ich selbst gewesen sein könnte. Eine scheue Annäherung an das Mädel in mir selbst? Könnte irgendwie sein, darüber lohnt es sich nachzudenken. Vorerst tendiere ich aber eher dazu anzunehmen, dass die Lady im Traum bildhafter Ausdruck meiner Sehnsucht ist. Ob ich sie eines Nachts wieder treffe?

Erhöhte Emotionalität durch Hormone?

Soweit ich zurückdenken kann, war ich immer ein hyper-emotionales Wesen. Es gibt ja dieses Klische, dass nur Mädels im Kino bei jeder rührenden Szene weinen. Ich hatte das schon immer – was wieder mal zeigt, dass ich halt doch n’Mädel bin ;-) – nur habe ich es nie zugelassen, weil Jungs das ja nicht dürfen.

Als ich die Hormontherapie begann, war ich neugierig, ob sich da noch etwas verändert, noch emotionaler zu werden schien mir nicht wirklich vorstellbar. Und doch berichten andere T-Girls, dass ebendies geschieht. So wie Testosteron das Agressionspotential erhöht, erhöht Östrogen die Intensität des Gefühlsleben.

Und tatsächlich passiert genau dies auch mit mir – so unvorstellbar mir das auch erschien. Vorallem vor dem TV ist es am auffälligsten. Früher war ich schon bei jeder rührenden Szene tief ergriffen, aber mittlerweile nimmt das Ganze doch langsam groteske Ausmasse an. Beispielsweise als ich am Sonntag einen Disney Zeichentrickfilm schaute….. man glaubt es kaum, aber sogar in so einem Film geht in mir die Post ab. Sobald jemandem etwas Gutes widerfährt, drückt es mir auf’s Auge und wenn’s dann noch um Liebe geht, dann vergisst mein Verstand, dass es sich hier ja nur um gezeichnete Figuren geht, da schmelze ich wie Butter an der Sonne.

Noch emotionaler? Ach Du grüne Neune! Mein Leben war unter Anderem deshalb stets so anstrengend, weil ich eben so hyper-sensibel war. Alles was einem nah gehen kann, geht mir tief durchs Herz. Dass diese Wesensart von mir nun noch stärker zur Geltung kommt, macht mein Leben nicht grad einfacher. Vielleicht leide ich gerade deshalb umso mehr unter meiner Beziehungslosigkeit, weil nicht nur schöne sondern auch traurige Gefühle intensiver werden.

Aber das hat auch etwas Gutes. Irgendwann – so hoffe ich – wird auch mir wieder die grosse Liebe begegnen und ich freue mich darauf, dass ich dann auch die Liebe noch intensiver fühlen kann. Ich kann mir zwar auch hier nicht vorstellen, dass Liebe noch intensiver ist, als ich es bisher erlebte – eben weil ich auch diesbezüglich schon immer von ganzem Herzen liebte. Aber ob ich es mir vorstellen kann oder nicht, es wird wohl so kommen, wenn es denn einmal kommt.

Celine Dion – When I need you

Damit es heute wieder wunderschöne Träume gibt, hier eines meiner alten Lieblingslieder – When I need you von Celine Dion, einer der grössten Stimmen die diese Welt je gehört hat. Das Video ist mit wunderschönen Bildern “verziert”, die einem beim Träumen nur helfen können ;-)

When I need you
Just close my eyes and I’m with you
And all that I so want to give you
It’s only a heart beat away

When I need love
I hold out my hands and I touch love
I never knew there was so much love
Keeping me warm night and day

Miles and miles of empty space in between us
A telephone can’t take the place of your smile
But you know I wont be traveling forever
It’s cold out, but hold out and do like I do

When I need you
I just close my eyes and I’m with you
And all that I so want to give you babe
It’s only a heartbeat away

It’s not easy when the road is your driver
Honey, that’s a heavy load that we bear
But you know I won’t be traveling a lifetime
It’s cold out but hold out and do like I do
When I need you

When I need love
I hold out my hands and I touch love
I never knew there was so much love
Keeping me warm night and day

When I need you
Just close my eyes and I’m with you
And all that I so want to give you
It’s only a heart beat away

*schmelz*…… so long Ihr Mitlesenden und Mitfühlenden, keep on dreaming!

Ohne meine Tochter?

Du brauchst jetzt nichts zu sagen
Brauchst mich nicht zu lieben
Ich habe Hoffnung für uns beide
Denn am Ende stehen wir zwei

Meine Hoffnung soll mich leiten
Durch die Tage ohne Dich
Und die Liebe soll mich tragen
Wenn der Schmerz die Hoffnung bricht.

(Lacrimosa – Am Ende stehn wir zwei)

Nun scheint das Worst-Case-Szenario eingetreten zu sein und auch der letzte, höchste Preis für meine Selbstverwirklichung wird eingefordert. Meine Tochter, die ich über alles liebe, will nicht mehr zu mir kommen. Vom ersten Tag an wusste ich, dass das passieren kann, dass es vermutlich sogar passieren wird. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – einmal mehr vergebens.

Es ist für eine Zwölfjährige einfach zuviel, wenn ihr Vater so einen Weg einschlägt. Ich verstehe, dass sie damit überfordert ist und ich akzeptiere, dass sie vorläufig auf Distanz geht.

Aber für mich ist das der tiefste Fall meines Lebens und alles was bleibt ist die Hoffnung, dass sie irgendwann ihren weiblichen Vater zu akzeptieren lernt. Vielleicht passiert das schon bald, vielleicht dauert es Jahre…. ich werde auf sie warten.

My baby she left me, my baby she’s gone.
My sweet little angel has spread her wings and flown.
Can’t think of a reason for going on.
From this day I will play the blues.

She said it was over, this time it’s the end.
Bad luck and trouble gonna be my only friend.
I still can’t believe it, after all we’ve been through.
Everyday I will play the blues.

Everybody knows what the blues is all about.
It’s a pain you can’t live with.
It’s a woman you can’t live without.
She came from Chicago.
She read me the news.
In the headlines was a story of the blues.

They say a broken heart can always mend.
Time is the healer and sadness will end.
But I’ve done so much crying, when will I laugh again?
Till that day I will play the blues.

Everybody knows what the blues is all about.
It’s a pain you can’t live with.
It’s a woman you can’t live without.
Could have cried me a river
when they told me the news.
On that day was a story of the blues.

(Gary Moore – Story of the Blues)

Dark Sanctuary – weil mir die Worte fehlen

Mir fehlen die Worte um auszudrücken was ich grad empfinde. Aber Bilder und Lieder sagen mehr als tausend Worte. Vielleicht können diese Videos mit Musik der Gothic-Band “Dark Sanctuary” ausdrücken, was ich nicht mehr zu sagen vermag…….

La Clameur du Silence

L’instant Funebre

Valley of Pain

Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen,
was von selber aus mir heraus wollte.
Warum war das so schwer?
(Hermann Hesse, Demian)

Warum?

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand?
(Lacrimosa – Fassade 1)

Warum leben wir in einer Gesellschaft, die Andersartigkeit per Definition als falsch oder krank klassifiziert?

Warum zwingt uns unser modernes, rationales Denken dazu, nur noch in schwarz-weiss Kategorien zu denken und keine Grautöne mehr zuzulassen?

Warum wird ein Individuum nur dann toleriert, wenn es seine Individualität aufgibt und sich in eine dieser schwarz-weissen Schubladen stecken lässt?

Warum wird uns Selbstbestimmung zugesprochen, aber nicht zugelassen?

Warum ist der Druck zur Normalität so gross, dass ein Kind sich für ihren weiblichen Vater schämen muss, nur weil diese(r) weibliche Vater sich selbst ist?

Warum verwechselt der Mensch Andersartigkeit mit Abartigkeit?

Warum schafft Gott oder die Natur eine Frau in einem Männerkörper, wenn solche Wesen so untragbar sind für diese Welt?

Warum stellt uns das Leben soviele Fragen, auf die es keine Antwort gibt?

Vielleicht bin ich nur ein Mensch
Und vielleicht bin ich auch nur ein Argument
Vielleicht bin ich letztlich einer dieser Fragen
Deren Antwort sich die Blösse gibt ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade 3)

Der Stolz einer Trans-Frau

Erneut sehe ich mich mit der Frage konfrontiert, ob ich mich für meine Wesensart schämen müsste oder ob mir Nahestehende sich für mich schämen müssten. Und einmal mehr komme ich zum Schluss, dass genau das Gegenteil der Fall ist, auch wenn diese Gesellschaft das (noch) nicht so sieht.

Seien wir doch ehrlich, unsere moderne Gesellschaft hat uns zu kleinbürgerlichen Marionetten gemacht. Wir fragen nicht wer wir sind sondern wer wir sein sollen. Wir fragen nicht was wir sind sondern was wir darstellen sollen. Wir sehen nicht in den Spiegel unserer Seele um zu erkennen was uns ausmacht sondern lassen uns bestimmen durch das Bild das andere von uns haben. Ich bin nur gut, wenn man mich für gut hält. Ich bin nur soviel wert, wie andere mir an Wert zusprechen.

Wieviel Mut braucht es, um seine Selbstbestimmung im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft eingrenzen zu lassen? Wieviel Kraft braucht es, um das zu tun was von uns erwartet wird? Wie schwer ist es, cool zu sein, angepasst gekleidet zu sein, ein schickes Auto zu haben, einen standesgemässen Job……..

Es braucht nicht viel, “normal” zu sein, politically correct wie man so schön sagt. Man erspart sich so, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, man umgeht so Konflikte und Ablehnung. Der moderne Mensch ist so sehr davon abhängig, den anderen genehm zu sein, dass er sich selbst dabei verliert.

Transsexuelle werden für ihre Wesensart und noch mehr für den von ihnen eingeschlagenen Weg von einigen belächelt, von manchen verachtet, von wenigen sogar angegriffen….. weil sie sich erdreisten, wider jeglicher gesellschaftlichen Geschlechterdiktatur sich selbst zu sein. Muss man sich dafür schämen, dass man sich selbst ist und für sich selbst einsteht, obwohl es in den Augen anderer “nicht normal” ist? Oder sollte man nicht stolz darauf sein, zu den wenigen zu gehören, die den Mut dazu haben und sich nicht unterkriegen lassen von den ungeschriebenen Gesetzen dieser uniformen schwarz-weiss-denkenden Welt?

Ich wüsste vieles in meinem Leben, wofür ich mich schämen müsste und vieles, wofür ich mich heute noch schäme. Aber dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, nötigt mir einen ungeheuren Respekt vor mir selbst ab. Ich bin stolz auf mich, dass ich zum ersten Mal im Leben so konsequent für mich einstehe. Ich bin stolz darauf, dass ich mein Innerstes nach aussen kehre ungeachtet etwelcher Blicke und Kommentare. Ich bin stolz darauf, dass ich mit erhobenem Haupt durch eine Menschenmenge gehen kann, die in ihrem Konformitätswahn glaubt, in mir etwas Kurioses zu erblicken.

Transsexuelle, die ihren Weg gehen, müssen der Angst ins Auge blicken und ihre Ängste überwinden. Sie nehmen gesundheitliche Risiken in Kauf, sie riskieren Ablehnung und Ausgrenzung, sie riskieren angepöbelt oder angegriffen zu werden. Transsexuelle legen ihren bisherigen sozialen Status und ihr Ansehen ab wie einen alten Mantel, geben das Coolsein und das Normalsein auf zugunsten des Ichseins. Transsexuelle nehmen bewusst in Kauf, dass sie immer in einem Rechtfertigungszwang stecken und nie wirklich verstanden werden. Transsexuelle machen es sich nicht einfach, gehen nicht den Weg des geringsten Widerstands….. sie kämpfen für Ihr Recht auf die Individualität eines Individuums.

Glaubt mir, es braucht verdammt viel Grösse, Mut, Entschlossenheit und Tapferkeit, um diesen Weg zu gehen. Dass ich diesen meinen Weg trotz aller Widrigkeiten gegangen bin und immer noch gehe, das macht mich stolz wie ich noch nie vorher stolz war und es gibt mir eine Form von Würde, die ich vorher nie gekannt habe.

Heute kann ich in den Spiegel schauen und sehe ein Wesen, das weder sich noch anderen etwas vormacht, das zu sich selbst steht, für sich einsteht und sich nicht unterkriegen lässt. Ein Wesen, das so ist wie es ist und nicht so, wie andere es haben möchten.

Wer von diesen vielen “normalen Menschen” da draussen hätte den Mut dazu?

Stand and fight, live by your heart
Always one more try, I’m not afraid to die
Stand and fight, say what you feel
Born with a heart of steel
(Manowar – Heart of Steel)

Doch mit meiner Tochter

Soeben habe ich erfahren, dass meine Tochter nun doch übers Wochenende zu mir kommt. Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Als sie letzten Sonntag sagte, sie wolle nicht mehr zu mir kommen, ist für mich die Welt zusammengebrochen. Jetzt dreht sich die Welt wieder :-) Aber ich darf mir nichts vormachen, es wird noch einige Zerreissproben geben und die Zukunft ist ungewiss. Fürs Erste bin ich einfach masslos glücklich, dass ich meine Tochter doch nicht verloren habe :-)

6 Monate Leben als Frau

Juhuiiiii….. heute ist mein erster halber Geburtstag. Am 13. Januar 2009 nahm ich meine erste Pille und begann damit meine Hormontherapie. Seit diesem Tag krabbeln Östrogene durch meinen Körper und seit diesem Tag fühle ich mich auch körperlich als werdende Frau.

Viel ist passiert in diesem halben Jahr, mein Körper verändert sich immer mehr und ich habe mich in meiner neuen Identität mittlerweile recht gut eingelebt. Vieles, was zu Beginn extrem schwer war und viel Überwindung brauchte, wie beispielsweise der Gang an die Öffentlichkeit, ist heute selbstverständlich geworden.

Meine ganze Selbstwahrnehmung ist völlig anders, ich bin eine Trans-Frau und kann mir absolut nicht vorstellen, je wieder etwas anderes zu sein – irgendwie kann ich mir sogar nicht einmal mehr richtig vorstellen, dass ich einmal in einer anderen Identität gelebt habe.

Die Diskrepanz zwischen innen und aussen löst sich immer mehr auf und die Zerrissenheit, die zentraler Bestandteil meines bisherigen Lebens war, nimmt von Monat zu Monat immer mehr ab. Ich bin unheimlich froh, dass ich den Mut fand für diesen doch nicht einfachen Schritt – es war der grösste Befreiungsschlag meines Lebens – der Weg durchs Feuer hat sich gelohnt.

Hoffnung aus der Blogstatistik

Wie ich ja hier schonmal erzählt habe, lese ich gerne in meiner Blogstatistik, im Speziellen die Google Suchanfragen. Die zeigen, nach was für Stichworten jemand gesucht hat, als er in meinem Blog landete. Abgesehen von teils sehr amüsanten Suchanfragen, gibts gelegentlich auch etwas fürs Herz.

Heute landete jemand bei mir, der/die bei Google “ich liebe eine transsexuelle frau” eingegeben hat. Dass dieser Eintrag meine Fantasie beflügelt hat, brauche ich nicht speziell zu betonen. Tue ich aber trotzdem.

Ich habe immer wieder so Frustrationsattacken (regelmässige Leser kennen das ja mittlerweile), weil ich immer wieder in so Hoffnungslosigkeitshöllen falle. Es fällt mir schwer darauf zu hoffen, dass mir irgendwann jemand begegnet, der/die mich so liebt wie ich bin.

Als ich diesen Eintrag las, wurde mir echt warm ums Herz. Es gibt sie also doch, die Menschen die sich in ein T-Girl verlieben. Offenbar bereitet dieses Gefühl auch diesem/r Suchenden gewisse Probleme, andernfalls würde er/sie kaum in Google nach Antworten auf dieses Gefühl suchen. Aber es gibt’s, auch T-Girls werden geliebt……. und damit steigt wieder ein wenig Hoffnung aus dem Nebel meines Innersten auf, die Hoffnung, dass ich irgendwann wieder aufwache am morgen und nicht alleine bin :-)

….. und ich muss gestehen, dass ich mich beim Lesen dieses Eintrags dabei ertappt habe, wie ich mir vorstellte, ich sei damit gemeint….. und “er” hätte danach gesucht…..

Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen.
Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
aber aufgehört haben zu leben.

(Mark Twain)

Ist Transsexualität eine Krankheit?

Für 99% der Bevölkerung und für einen Grossteil der Fachleute dürfte diese Frage kaum zur Frage stehen, Transsexualität resp Transidentität ist eine Krankheit. Aber ist das wirklich so? Und wenn Transsexualität eine Krankheit wäre, wäre es dann eine psychische Störung oder eine körperliche Fehlbildung? Als ich mich an der Psychiatrischen Universitätsklinik angemeldet habe, habe ich beim Einweisungsgrund “Geburtsgebrechen” angekreuzelt, somit dürfte meine eigene Haltung klar sein, ob sie den Tatsachen gerecht wird, bleibt aber offen.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Udo Rauchfleisch)

Interessant in dieser Frage ist der Standpunkt von Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, er war jahrelang als klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Basel tätig und hat dort unzählige Transsexuelle behandelt. Nach all seinen Erfahrungen kommt Rauchfleisch zur Überzeugung, dass Transsexuelle nicht krank sind sondern, dass Transsexualität eine “Normvariante” ist. Die Norm ist, dass ein Mensch männlich oder weiblich ist und dass das biologische Geschlecht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Transsexuelle sind also eine Variante zu diesen Norm-Fällen. Die gesellschaftliche Akzeptanz wäre wohl deutlich höher, wenn wir es so sehen könnten und die Stigmatisierung Transsexueller wäre ebenfalls stark reduziert. Aber Rauchfleisch ist wohl in der Minderheit mit seinem Standpunkt, betrachten wir also die Alternativen.

Was ist Krankheit? Wann ist jemand krank? Das Kranksein wird in der Regel so verstanden, dass jemand dann krank ist, wenn etwas an seiner psychischen oder physischen Gesundheit zu Leiden führt. Transsexuelle leiden enorm unter der Kluft zwischen ihrem biologischen Geschlecht und der Geschlechtsidentität. Somit kann man also von einem krankhaften Zustand sprechen. Aber was ist krank, Körper oder Geist?

Die offiziell medizinische Haltung ist seit je her so, dass Transsexualität eine Geschlechtsidentitätsstörung ist (Gender Identity Disorder), schon das Wort sagt also, dass die Identität gestört ist und nicht der Körper. Woher man diese Gewissheit nimmt, ist und bleibt ein Rätsel, denn bis zum heutigen Tag konnte niemand den Beweis dafür erbringen und niemand konnte diesen Standpunkt widerlegen.

Das einzige was man mit Sicherheit weiss ist, dass Transsexuelle schwerstem Leiden ausgesetzt sind, weil ihre Geschlechtsidentität nicht mit dem “biologischen Geschlecht” übereinstimmt. Wenn man aber die wissenschaftlichen Arbeiten anschaut, wird verwirrenderweise klar, dass es da verschiedene Denkansätze gibt. Was war zuerst, das Huhn oder das Ei? War zuerst, die Geschlechtsidentität oder das biologische Geschlecht? Tatsache ist, dass ein Embryo die ersten Tage weder männlich noch weiblich ist, selbst das primäre Geschlechtsorgan unterscheidet sich nicht. Erst nach ein paar Wochen beginnt sich der Körper in eine Richtung zu entwickeln. Was, frage ich, wenn die Geschlechtsidentität bis zu diesem Zeitpunkt bereits festgelegt ist?

Es gibt eine Vielzahl sich gegenseitig bestätigender Studien die davon ausgehen, dass eine hormonelle Störung im Körper der Mutter den Prozess der biologischen Geschlechtsbildung beeinflussen kann. Was also, wenn die Identität bereits festgelegt ist und der Körper sich plötzlich anders entwickelt? Es gibt sogar neurologische Studien, die zeigen, dass transsexuelle Frauen dieselbe anatomische Hirnstruktur haben wie andere Frauen auch, der Bereich BSTc der für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, hat dieselbe Grösse und Neuronendichte. Transsexualität hat auf jeden Fall biologische Ursachen.

Über die verschiedenen möglichen Ursachen möchte ich ein anderes Mal detailierter sprechen, fürs Erste möchte ich den Leser einfach mal mit der Frage konfrontieren, was nun krank sein soll, der Körper, der Geist…. oder eine Gesellschaft, nur nur schwarz-weiss Kategorien anerkennt?

Das einzige was wir mit Sicherheit wissen: Transsexuelle leiden und ihr Leiden kann reduziert werden, das alleine ist wichtig und hier soll Betroffenen auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden. Welche das sind, werde ich in einem nachfolgenden Beitrag erläutern.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität: Entwürdigung per Gesetz

Die Schweizer Bundesverfassung schreibt im ersten Kapitel über die Grundrechte in Artikel 7: Die Würde des Menschen ist zu achten und zu schützen. Dieser ethische Grundsatz ist Bestandteil jeder anständigen Nation, doch gilt dieses Grundrecht auch für transsexuelle BürgerInnen? Verstösst es nicht gegen unsere Verfassung, wenn Transsexuelle ein Leben führen müssen, das ihnen im Alltag immer wieder aus formal-juristischen Gründen die Würde entzieht?

Heute musste ich einen Arzttermin abmachen weil mir die Leute von Uni-Spital empfohlen haben, ich solle die Blut- und Leberwerte überprüfen lassen. Dieses kurze Telefon hat mich mal wieder ziemlich erschüttert, nicht wegen der Behandlung durch die Dame am Telefon sondern dadurch, dass ich von Gesetzes wegen gezwungen war, meine Würde als Frau abzulegen und mich als Mann für die Behandlung anzumelden.

Der Grund dafür ist relativ einfach, wenn auch bizarr. Nach Schweizer Gesetz ist eine transsexuelle Frau solange formal-juristisch als Mann zu betrachten, bis ihr primäres Geschlechtsteil umoperiert wurde. Ich will mich jetzt nicht darüber auslassen, dass es ein Armutszeugnis für eine Gesellschaft ist, wenn das Mannsein oder Frausein allein durch das primäre Geschlechtsorgan definiert wird und so das Geschlecht auf einen Zellklumpen reduziert wird, darüber werde ich bei anderer Gelegenheit schreiben. Diese reduktionistische Sichtweise hat jedoch zur Folge, dass ich als TransFrau in allen formalen Situationen den alten Namen und das falsche Geschlecht angeben muss. Im Falle eines Arztbesuches wird die Behandlung der Krankenkasse weitergeleitet und für die bin und bleibe ich ein Mann, bis zu ebendiesem operativen Eingriff, deshalb muss mich die Arztpraxis im Computer auch als Mann aufführen. Ich habe also schlicht keine andere Wahl als mich beim Arzt als Mann anzumelden, auch wenn ich dann als Frau dort eintreffe, um dann wieder als Mann von der Krankenkasse abgerechnet zu werden.

Das ist nur eine von vielen Situationen in denen Transsexuelle gezwungen werden, trotz Diagnose “Transsexualismus” für mindestens zwei Jahre als Frau im Alltag zu leben und gleichzeitig weiterhin als Mann zu gelten. Wie in aller Welt soll so eine Schizophrenie ausgehalten werden und mit welcher Logik rechtfertigt sich so ein Zustand? Und wo bleibt die Würde eines Menschen, wenn man zwar als transsexuelle Frau diagnostiziert wurde aber formal-juristisch nicht als Solche gilt? Entweder ich bin transsexuell oder ich bin es nicht, entweder ich bin eine (Trans)Frau oder ich bin es nicht, das kann und darf doch nicht davon abhängig sein, ob meine “Behandlung” abgeschlossen ist resp. ob dieser Zellklumpen nun die gesetzeskonforme Anordnung hat.

Egal ob ich mich für eine Wohnung oder einen Arbeitsplatz bewerbe, ob ich ein Zug-Abo löse oder ein Bankkonto eröffne, ich muss das stets mit der falschen Geschlechtsidentität tun obwohl ich ärztlich bestätigt eine Frau bin die in einem männlichen Körper lebt. Und das ist eine Entwürdigung, die kaum in Worte gefasst werden kann, es ist eine Selbstverleugnung oder Identitätsabsprechung die einem das Ich-sein verunmöglicht.

Wirklich tragisch ist diese Handhabung für Transsexuelle, die keine GaOp machen werden, denn die werden ihr ganzes Leben lang in diesem unerträglichen Zustand bleiben. Genau betrachtet kommt dies schon fast einem Operationszwang gleich und spätestens dann wird die Würde des Menschen nicht nur missachtet sondern mit Füssen getreten.

Solange das so ist, bleibt der Mensch philosophisch gesehen nicht mehr als ein Geschlechtsorgan mit ein bisschen Körper dran, ohne Persönlichkeit, ohne Identität, ohne Seele – einfach ein sich bewegender Zellklumpen.

Das graue Entlein und der weisse Schwan

Heute Nachmittag im Geschäft lief das Lied “Schwan” des Schweizer Mundart-Musikers “Gölä” im Radio. Meistens ist mir Gölä zu schnulzig, aber heute hat er mit diesem Lied Salz in offene Wunden gestreut und ich brauchte alle Kraft um die Tränen zurück zu halten. Auch wenn die Geschichte die er erzählt ganz anders ist als Meine, so ist sie doch auf eine gewisse Weise ähnlich. Ich hatte zwar weder eine Spange im Mund noch Zöpfe, aber ich war ein Mädel von dem alle dachten es sei ein Junge und das hat mir mindestens soviel Spott eingebracht. Auch ich liebte die Geschichte vom grauen Entlein und auch ich hielt mich an der Hoffnung fest, irgendwann ein weisser Schwan zu werden – oder in meinem Fall eine weisse Schwänin.

Nachfolgenden Songtext habe ich für alle ausserhalb der Schweiz auf “Hochdeutsch” übersetzt:

Eine Spange im Mund, eine Brille im Gesicht,
Zöpfe und schlecht im Turnunterricht,
so manchen blöden Witz musste sie dann
über sich ergehen lassen.

Auf dem Schulweg ist sie immer alleine gekommen
und immer wenn wir uns über sie lustig gemacht haben
erzählte sie die Geschichte von dem grauen Entlein
und was aus ihm später geworden ist.

Ein Schwan so weiss wie Schnee,
vergessen was geschehen ist
und die Flügel tragen sie so weit,
dahin wo es keine Grenzen mehr gibt
für den Schwan so weiss wie Schnee.

Nach der Schule habe ich nichts mehr von ihr gehört,
das hat mich manchmal noch gestört.
Ich hätte ihr doch so gerne gesagt,
dass mir das leid tut, was damals geschehen ist.

Und grad kürzlich,
da sass ich in einem Cafe
da sagte eine Stimme zu mir:
“Hallo, wie geht’s?”

Ich drehte mich um
und hätte sie fast nicht mehr erkannt.
Und als sie so vor mir stand,
erinnerte ich mich daran, was sie damals sagte.

Ein Schwan so weiss wie Schnee,
vergessen was geschehen ist
und die Flügel tragen sie so weit,
dahin wo es keine Grenzen mehr gibt
für den Schwan so weiss wie Schnee

so I’m still dreaming of a happy end

Die zerbrochene Maske und das verlorene Ich

Was tut man, wenn man eine Woche weg war, nachhause kommt und merkt, dass man nicht mehr da ist?

Und wo sucht man am besten nach sich selbst?

Und was tut man, wenn man sich gar nicht mehr findet?

Als ich mich vor einem halben Jahr als Trans-Frau outete, sah ich mich bezwungen, einen einzigen Kompromiss zu machen, um meine Tochter nicht zu verlieren. Ich musste ihr versprechen, dass ich an den Wochenenden wenn sie bei mir ist, weiterhin als Vater und somit als Mann für sie da bin. Ich dachte damals, dass das ein kleiner Preis ist, immerhin habe ich ein Leben lang mit einer männlichen Maske ein Leben gespielt, da kann ich das auch 2 Tage alle 2 Wochen machen, hauptsache ich kann den grossen Rest lang mein eigenes Ich leben. Denkste!

Von Monat zu Monat wurde es immer schwieriger, je mehr ich mich in meiner jetzt endlich gelebten weiblichen Identität einfand, umso mehr verschwand die Lüge meines Lebens. Mit jedem Mal wurde es schwieriger und schmerzhafter, für 2 Tage so zu tun als ob ich noch das wäre, was ich eigentlich nie wirklich war.

Letzte Woche hatte ich endlich wieder einmal Ferien mit meiner Tochter, etwas worauf ich mich immer extrem freue, wenn ich wieder für längere Zeit mit ihr zusammen sein kann. Aber diesmal hatte ich enorme Angst, weil alles in mir signalisierte, dass ich das nicht mehr auf die Reihe kriege. Doch es kam schlimmer.

Warum so tief – und warum gerade jetzt?
Warum vor ihr – warum diese Ironie?
Warum so hart – und warum nicht einfach besiegt?
Muss ich denn wirklich für jede Begegnung
Für immer und ewig mit all meiner Liebe bezahlen?

(Lacrimosa – Warum so tief?)

Diese Woche ging an mir vorbei als ob ich in Trance wäre oder eher sowas wie ein Wach-Koma. Ich wollte nicht rausgehen, fühlte mich ständig bedrückt und von Tag zu Tag mehr desorientiert. Trotz aller guten Vorsätze schaffte ich mit ihr grad mal zwei Zoobesuche und einen Kinobesuch, den Rest der Woche verbrachten wir zuhause vor dem TV oder Computer oder spielten Spiele. Ich war irgendwie so weggetreten, dass ich gar nicht richtig realisierte, was da mit mir passierte.

Erst Ende der Woche, als ich in einem ruhigen Moment zurückblickte und betrachtete, was da abgegangen ist, musste ich schockiert feststellen, dass mich diese Woche komplett zerlegt hat. Ich habe eine ganze Woche lang nicht geduscht, hatte eine Woche lang dieselben Kleider an und das wohlgemerkt in einer brütenden Sommerhitze, die mich täglich in Schweiss badete. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich mich so gehen lasse. Normalerweise dusche ich täglich und wechsle täglich die Kleider, es ist mir sehr wichtig wie ich aussehe. Aber in dieser Woche war es, als ob ich nicht existieren würde oder es zumindest nicht wert wäre, in irgend einer Form gepflegt zu werden.

Als sie am Sonntag wieder ging, zersplitterte ich wie erwartet erst mal in tausend kleine Teile, heulte mir die Seele aus dem Leib und wusste eigentlich nicht mal recht warum. Einerseits war ich tief betrübt, dass ich nicht mehr für meine Tochter da sein konnte und ihr nicht mehr geben konnte. Aber ich glaub, mehr als das heulte ich, weil es einfach unerträglich war, diese männliche Fratze so lange zu tragen.

Ich erinnerte mich plötzlich an einen Aufsatz den ich als Kind mal schrieb, in dem es um einen Clown ging, der eines Tages seine Maske abzog. Beim Ausziehen zerbrach die Maske und als er sie wieder hätte anziehen sollen, ging das nicht mehr.

Genau das scheint mir jetzt passiert zu sein. Diese Maske der Männlichkeit, die ich ein leben lang trug und mehr oder weniger ertrug, die war zerbrochen, dieser Mann existiert einfach nicht mehr. Wenn ich meine Weiblichkeit in einen Koffer verstaue und mich abschminke, dann kommt da nicht einfach dieser alte Mensch hervor, dann erscheint einfach eine gähnende Leere, dann bin ich ohne ein Ich und das wiederum ist so ziemlich das grässlichste was ich je erleben musste.

Meine Augen der Angst sind geflohen
Mein Geist will sich mit mir verschliessen
Mein Herz ist verhungert
Und meine Seele blickt mich fragend an

(Lacrimosa – Tränen der Existenzlosigkeit)

Ich hielt mich an der Hoffnung fest, dass ich am Sonntag Abend wieder ich sein würde, dass ich diese zertrümmerte Maske abziehen kann und darunter wieder Diana erscheint. Aber so kam es nicht. Seit Sonntag Abend fühle ich mich völlig leer, es ist als ob ich das Tor zu meinem Inneren geöffnet hätte und mich da herausholen wollte und plötzlich nicht mehr da war. Ich war in der totalen Ichlosigkeit gelandet.

Heute fühlte ich mich genauso und dachte mir, dass ich mich jetzt einfach mal schminke, nett anziehe und nach Zürich gehe um etwas zu shoppen. Nichts lockt Diana so sehr wie Shoppingtouren, ich würde sie sicher irgendwo in einem der Läden finden. Zurück kam ich mit 3 neuen Jupes, einem Kleid, einer neuen Tasche, zwei paar Schuhen, von denen mir ein Paar bereits auf dem Heimweg meine kleinen Zehen lebendig gehäutet hat…. aber mich fand ich nicht.

Klingt irre, was? Fühlt sich auch so an. Ich zweifle nicht daran, dass ich mich wieder finden werde und das Leben wieder so läuft wie vorher. Aber ich muss doch anerkennen, dass sich das Ich nicht einfach eine Woche lang wegsperren lässt und dann auf Kommando wieder aus der Kiste hüpft. Irgend etwas in mir wurde diese Woche extrem erschüttert und ich fühle mich so “deranged”, dass mir die Worte fehlen um das auch nur annähernd auszudrücken.

Eines ist klar, so kann und darf es nicht weiter gehen. Wenn ich versuche, meine Tochter weiterhin so zu “schonen”, dann gehe ich dabei drauf. Die Maske ist zerbrochen und die Lüge meines Lebens entlarvt – ich muss jetzt wirklich vorwärts schauen und vorwärts gehen und allfällige Fesseln zerschneiden, egal welche Konsequenzen das hat.

Aber fürs Erste muss ich jetzt erst mal mein Ich suchen oder warten bis es mich findet …. und hoffen, dass ich mir bald wieder begegne.

Nichts bewegt sich – nichts bleibt stehen
Ich kann im Kreise mich nur drehen
Ich kann noch nicht mal vorwärts gehen
Noch kann gerade ich jetzt stehen
Ich kann im Spiegel mich nicht sehen
Kann mich im Spiegel nicht mehr sehen
Verloren streife ich umher und suche nach der Kraft in mir
Ich weiß sie war doch einmal hier – in mir

(Lacrimosa – Nichts bewegt sich)



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