T-Girl Diana

Tagebuch einer transsexuellen Frau

Das letzte Outing – wenn der Sohn zur Tochter wird

Outings sind immer schwer, aber bei den eigenen Kindern und Eltern ist es am schwierigsten. Das Gespräch mit meinem Vater musste ich leider umstandsbedingt lange verschieben und heute war es nun soweit. Ich hatte enorme Angst, dass ich ihn mit dieser Nachricht irgendwie in Verzweiflung stürze oder daraus Konflikte und Ablehnung entstehen.

Aber einmal mehr durfte ich zu meiner grossen Überraschung feststellen, dass das persönliche Umfeld viel verständnisvoller mit meiner Veränderung umgeht als ich im Voraus angenommen hätte. Grundtenor war sinngemäss, dass nur eines wichtig ist, dass es mir nun viel besser geht als früher.

Das ist wirklich Ausdruck von Liebe, wenn das Wohl des eigenen Kindes wichtiger ist als dass es irgendwelchen gesellschaftlichen Normvorstellungen entspricht……… thanks, Daddy!

Wenn Worte das Herz in tausend Teile zerschneiden

Und wenn ihr redet
Wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit
Zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Heute im Pub kurz vor Torschluss begann meine Sitznachbarin sich darüber auszulassen, dass ihr Ex “plötzlich” eine Geschlechtsumwandlung anstrebt und dass er den Kindern sagte, dass er nun als Frau leben will. Sinngemäss sagte sie: “so öppis machsch doch eifach nöd”.

Nein Dumpfbacke, sowas macht man nicht einfach so, man tut es wenn man ein Leben lang durch die Hölle gegangen ist, sich ein Leben lang verleugnen musste und irgendwann diese Lüge einfach nicht mehr erträgt. Das und vieles mehr hätte ich ihr gerne gesagt, anstelle dessen habe ich fluchtartig mein Zeug zusammengepackt und bin mit meinem blutenden Herz nachhause gelaufen.

Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig Verstand und Einfühlungsvermögen gewisse Mitmenschen haben. Und es wird mir wieder einmal klar, dass ich von dieser Welt kein Verständnis erwarten kann.

Wie dumm und ignorant und gefühlslos muss man sein, um allen Ernstes zu glauben, dass jemand so einen schweren Weg einschlägt auf dem er so einen hohen Preis zahlt und so ziemlich alles verliert was einem lieb sein kann, nur aus einer spontanen Sonntagslaune heraus?

Ich habe diese Welt noch nie verstanden und bin schon immer verzweifelt gewesen über die Oberflächlichkeit meiner Spezies, aber in so Momenten bin ich einfach nur noch traurig, verzweifelt und ratlos.

Fünf Monate Diana – Dank Euch allen!

Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt
und der sie Dir vorsingt, wenn Du sie vergessen hast

Jeden Monat am 13. feiere ich innerlich ein kleines Jubiläum. Es war der 13. Januar, als ich die Hormontherapie begann, seit diesem Tag geistern Östrogene durch meinen Körper und arbeiten fleissig an meiner Metamorphose. Seit diesem Tag empfinde ich mich auch körperlich als werdende Frau, es ist sozusagen mein zweiter Geburtstag. Heute feiere ich diesen Tag zum fünften Mal, seit fünf Monaten bin ich auf meinem Weg und dieser Tag macht mich wiedermal sentimental – im positiven Sinn.

Seit fünf Monaten bin ich so glücklich wie ich es vorher nie war. Jeder Tag beginnt mit einem inneren Lächeln, ich wache auf und der erste Gedanke ist, dass ich eine Frau bin, als Frau lebe und als Frau wahr!-genommen werde. Ich mache mir einen Kaffee, leg mich wieder ins Bett und überlege was ich heute anziehen soll, es ist jedes Mal ein erneuter Genuss. Dann gehts ins Badezimmer und spätestens wenn ich mit der Gesichtsbemalung beginne, ist es erneut ein Glücksgefühl, wenn das Gesicht immer weiblicher wird und meinem Inneren zu gleichen beginnt. Oft in so Momenten wird mir bewusst, wie sehr ich mich seit meinem Gender-Change schätze und wie nah ich mir selber bin seit diesem Tag. Ich selbst zu sein und mich darzustellen, ist einfach unbeschreiblich schön. Es ist etwas, was niemand wirklich verstehen kann, denn für Andere ist es selbstverständlich, sich selbst zu sein. Für mich nicht, ich musste mir dieses Recht erkämpfen und ich bin froh, dass ich diesen doch nicht einfachen Weg beschritten habe.

Diese fünf Monate waren eine schwere Zeit, vorallem am Anfang brauchte es wahnsinnig viel Mut und Überwindung, täglich musste ich mich wieder neu zusammensetzen und aus einem Trümmerhaufen ein neues Selbstbewusstsein wachsen lassen. Das ist mir gelungen und dass mir das gelungen ist, habe ich nicht nur meiner Renitenz zu verdanken sondern vorallem auch all den Menschen, die zu mir gehalten haben, die mich angenommen haben und mir beigestanden sind. Deshalb möchte ich mich an diesem Tag einmal bei allen bedanken, ohne Euch hätte ich das nicht geschafft.

Am meisten Dank gebührt meiner letzten Lebenspartnerin Eliane, Du hast mich von Anfang an unterstützt und bist bis heute und für immer meine beste Freundin. Es ist verdammt schwer, wenn der ehemalige Lebenspartner immer mehr zur Frau wird und das was man einst liebte immer mehr verschwindet, Du hast das ertragen und stehst mir immer und überall bei, Du bist meine grösste Kraftquelle.

Danken möchte ich auch all meinen Mitarbeitern, Ihr habt mich als Frau angenommen und mir jeden Tag 8 Stunden Leben in einer weiblichen Rolle ermöglicht. Das Zusammensein mit Euch gibt mir sehr viel, nicht zuletzt weil wir einfach ein cooles Team sind und immer etwas zum lachen haben. Das Geschäft war für mich der erste Ort an dem ich mich frei als Frau bewegen konnte und mich wohl fühlte und das hat sich bis heute nicht geändert.

Weiter danke ich dem Team von Classroom Pub, Ihr habt mir ein neues Zuhause gegeben und habt mich von Anfang an in einer Selbstverständlichkeit als Frau angenommen und ein paar wertvolle Freundschaften sind entstanden und werden vielleicht noch entstehen. Im speziellen gilt das für Bea, hey honey, Du bist wirklich Gold wert, danke für Deine Freundschaft und die vielen tiefgründigen Gespräche.

Ausserdem danke ich meinem Vater und seiner Frau Maya, es ist für einen Vater alles andere als einfach, wenn der Sohn zur Tochter wird. Aber Ihr habt das respektiert und mir gezeigt, dass mein Wohlbefinden das Wichtigste ist für Euch, das gibt mir das Gefühl, wirklich geliebt zu sein.

Speziellen Dank verdient mein bester Freund Andreas. Ich war über ein Jahrzehnt lang Dein bester Freund, nun bin ich Deine beste Freundin. Ich wäre nicht, was ich bin, wenn Du mir nicht ein Jahrzehnt lang beigestanden wärst. Niemand hat mein Denken so geprägt wie Du und ich bin wirklich stolz darauf, so einen grossartigen Menschen als Freund zu haben.

Dann danke ich allen Freunden, die mich auf meinem neuen Weg begleiten. Vorallem Felix, Du warst Dir von Anfang an nicht zu schade, mit mir in den Ausgang zu gehen und damit in Kauf zu nehmen, dass man Dich genauso blöd anguckt wie mich ;-) Unsere philosophischen Gespräche sind immer wieder eine Freude.

Und last but not least danke ich meinem Psychotherapeuten, Sie haben mich jahrelang gestützt und mir beim Verständnis meiner doch eher erwirrenden Wesensart geholfen.

Es gäbe noch viele die ich hier erwähnen müsste und wollte, aber irgendwo muss jeder Blogbeitrag mal zu Ende sein, deshalb allen Andern ein herzliches Dankeschön :-)

Kann man eine Trans-Frau lieben?

Eigenartig
wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben
(Erich Fried)

mischwesenAuch wenn ich noch so glücklich darüber bin, endlich mich selbst zu sein, gibt es doch etwas, das mich immer wieder an die Wand klatscht – heute ist es wieder mal soweit. Ich wusste von Anfang an, dass ich für meine Selbstwerdung einen unvorstellbar hohen Preis zahlen werde und ich habe bewusst ja dazu gesagt, weil kein Preis zu hoch ist dafür, dass ich endlich meine wahre Identität leben darf. Von Anfang an war klar, dass einer der Preise höher ist als alle anderen zusammen, es war die Aussicht, dass ich aufgrund meiner Andersartigkeit vielleicht nie wieder eine Beziehung haben werde.

Ich liebe zwar die Einsamkeit, kann tagelang allein im Wald unter einem Baum sitzen ohne jemanden zu vermissen. Aber das kann ich nur, wenn ich weiss, dass ich irgendwann zurück gehe und dort jemand auf mich wartet, der mich liebt, in den Arm nimmt und mir die Geborgenheit gibt, die ich mehr brauche als die Luft zum atmen.

Doch als transsexuelle Frau bin ich diesbezüglich in einer ziemlich hoffnungslosen Lage. Ich zweifle zwar nicht daran, dass jemand wie ich liebenswert sein kann. Als Trans-Frau werde ich zwar nie so “makellos” sein wie eine Frau, die als Frau geboren ist und doch verfüge ich als Trans-Frau auch über Vorteile, die in einer Beziehung sehr wertvoll wären. Beispielsweise gehöre ich zu der seltenen Spezies, die sowohl in die männliche als auch in die weibliche Denk- und Gefühlswelt hineinsehen kann und sich hineinfühlen kann. Ich weiss was Männer fühlen, weil ich 40 Jahre lang in dieser Rolle gelebt habe und ich weiss was Frauen fühlen, weil ich ein Leben lang innerlich wie eine Frau fühlte.

Wenn zwei Menschen sich in einander verlieben, dann ist das in der Regel nicht aufgrund irgendwelcher anatomischer Vorzüge oder sonstigen Äusserlichkeiten, man verliebt sich, weil zwei Seelen sich begegnen, sich berühren und dabei Funken schlagen. Liebe ist unerklärlich, egal was man sucht und sich vorstellt, die Liebe fällt oft in ganz andere Gefilde. So gesehen zweifle ich nicht daran, dass sich irgendwann jemand in mich verlieben kann, trotz oder gerade wegen meiner Andersartigkeit. Und doch verliere ich von Woche zu Woche mehr von diesem bisschen Resthoffnung, die mir geblieben ist.

Es dürfte schon schwierig sein, ein Wesen wie mich zu lieben, erst Recht in dieser chimärenartigen Zwischenphase in der ich gerade bin. Viel schwieriger wäre jedoch die Tatsache, dass man als Partner einer transsexuellen Person selbst stigmatisiert wird. Es ist kein Problem, eine Trans-Frau als Kollegin zu haben, sowas klingt sogar irgendwie spannend. Aber so eine Frau seinen Kollegen als Lebenspartnerin vorzustellen, sie mit zu seinen Eltern zu nehmen, ans Weihnachtsessen im Geschäft oder sich auch nur schon in der Öffentlichkeit mit ihr zu zeigen, all das würde eine enorme Grösse und Eigenständigkeit erfordern, die den meisten Menschen zu weit ginge.

Der moderne Mensch ist so konditioniert, dass sein Ansehen in der Gesellschaft das Wichtigste ist. Ich bin das, was die anderen über mich denken, ich bin so wertvoll wie die anderen mich einschätzen. Mit dieser Denkweise wird eine Beziehung mit einer Trans-Frau zu etwas bedrohlichem. Ein Mann der eine Trans-Frau als Partnerin hat, stellt sein Umfeld vor die Frage, ob er nun hetero oder schwul/lesbisch ist, weil eine Trans-Frau von vielen weiterhin als Mann betrachtet wird. So entzieht er sich selbst jeglicher Schubladisierung und wer in keine Schublade passt, wird in dieser Welt abgelehnt, weil der moderne Mensch in der Regel nur schwarz-weiss denkt.

Ich glaube, es wird sehr schwierig jemanden zu finden, der mich so liebt wie ich bin. Und ich glaube, dass es nahezu unmöglich ist, jemanden zu finden, der mich liebt und auch renitent genug ist um in dieser Gesellschaft zu einer transsexuellen Frau zu stehen und sich all den (oft unausgesprochenen) Fragen zu stellen.

Diese Aussicht zermürbt mich immer wieder von Neuem, weil ich ein sehr liebesbedürftiges Wesen bin, weil das Geliebtwerden für mich die grösste Kraftquelle ist um allen Widrigkeiten des Lebens zu trotzen. Die Befürchtung, vielleicht nie wieder im Herzen berührt zu werden, treibt mich manchmal fast in den Wahnsinn. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt und auch wenn die Hoffnung mit jedem Crash etwas kleiner wird, wird sie von der Sehnsucht doch immer wieder neu zum Leben erweckt. Aber manchmal ist diese Hoffnung nur noch wie eine Kerzenflamme im Wind, sie vermag nicht wirklich zu wärmen und mit jedem Windstoss erwacht erneut die Angst, dass dieses Licht ausgeht.

Dum spiro spero, heisst der Slogan meiner Pipe Band, solange ich atme hoffe ich……. da kann ich froh sein darüber, Piperin zu sein, denn Piperinnen haben einen langen Atem…… den werde ich wohl brauchen.

Fünf Monate Hormontherapie

Seit fünf Monaten läuft meine Hormontherapie mit der Antibabypille Diane-35 / Cypestra-35 sowie dem Testosteronblocker Androcur. Trotz anfänglich dezenter Dosierung ist doch einiges gegangen. Unter dezenter Dosierung verstehe ich ungefähr folgendes:

  • 1.5 Monate 2mg Estradiol (1 x Cypestra-35)
  • 1.5 Monate 4mg Estradiol (2 x Diane-35)
  • 1 Monat 6mg Estradiol (3 x Diane-35) und 25mg Cyproteronacetat (0.5 x Androcur-50)
  • 1 Monat 6mg Estradiol (3 x Diane-35) und 50mg Cyproteronacetat (1 x Androcur-50)

Nach fünf Monaten ergaben sich folgende Veränderungen (Angaben absolut subjektiv)

  • Brustwachstum ist mit “günstiger Kleidung” und noch mehr ohne Kleidung sichtbar, bis zur Körbchengrösse AA (ja das gibts echt) brauchts aber noch ein wenig. Auf jeden Fall ist die Brust sehr deutlich spürbar, einerseits innerlich durch ein deutliches und manchmal schmerzhaftes Spannen, anderseits äusserlich, man kann da schon wirklich was in die Hand nehmen…. und das fühlt sich unglaublich gut an *smile*
  • Behaarung im Bauch- und Brustbereich nahe eliminiert, wobei zu sagen ist, dass ich da zum Glück schon vor der HT nur spärlich besäht war
  • Behaarung am Oberschenkel deutlich reduziert und das Wachstum massiv verlangsamt
  • Behaarung an Handoberflächen ebenfalls deutlich reduziert
  • Gesicht wurde etwas weich-gezeichnet und leicht feminimer, was jedoch nur im direkten Vergleich mit alten Fotos auffällt
  • Muskulatur an gewissen Stellen deutlich reduziert
  • Gesichtsbehaarung nahezu unbeeinträchtigt, abgesehen von der Wirkung der Laserbehandlung
  • Erhöhte Müdigkeit und leicht reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit
  • Seltsame Temperatur-Empfindungen, schneller kalt und öfters Hitzewallungen
  • Leicht erhöhte Emotionalität, wäre ich nicht schon vorher hyperemotional gewesen, wärs wohl deutlicher ausgefallen
  • Leicht erhöhter Futterbedarf, was jedoch sehr willkommen ist, mein Körper braucht schliesslich Baumaterial
  • Das zweite Kleinhirn zwischen den Beinen führt kein Eigenleben mehr, es kann zwar noch aus dem Tiefschlaf geweckt werden, aber von sich aus tut’s nix mehr

Unter dem Strich kann man sagen, dass ich eine deutliche Verweiblichung am ganzen Körper spüre, dass diese Verweiblichung aber nachwievor in einem Bereich liegt, in dem vorallem ich selbst etwas davon bemerke. Aber es ist offensichtlich, dass etwas geht und ich fühle mich so als ob ich seit Kurzem in der Pupertät wäre…… ein atemberaubendes Gefühl *megasmile*

Mein erster BeHa

Als ich Anfang Jahr meinen neuen Weg beschritt, ging es mir völlig gegen den Strich, an mir etwas zu “faken”, deshalb trug ich keinen mit was auch immer gefüllten BH sondern war halt wie ich war, eine werdende Frau die noch keinen Busen hat. Wo nix ist, will ich auch nicht den Eindruck erwecken, es sei da was.

Mittlerweile hat das Brustwachstum eingesetzt und auch wenn noch nicht viel da ist, ist es seeeehr spürbar und je nach Kleidung auch sichtbar. Nun ist langsam genug da um die kleinste Körbchengrösse AA (ja das gibts wirklich) einigermassen zu füllen. Also habe ich getan was die meisten Mädels auch tun und hab mir einen PushUp gekauft. Der bringt das Ganze in Form und vergrössert ein wenig. Mir gefällt’s, vorallem kann ich so langsam alles anziehen. Vorher sahen viele Oberteile einfach deppert aus, mit ein wenig Rundungen wird das Ganze deutlich schöner.

Aber so ganz unter uns, es fühlt sich schon etwas seltsam an so eingepackt zu sein, ist irgendwie so ne Art Bondage für Anfänger. Aber mein Spiegelbild gefällt mir so deutlich besser, da nimmt man so einiges in Kauf, das kenn ich ja schon von den Schuhen.

Darfs ein bisschen mehr sein?

Aber abgesehen von dieser eher amüsanten Episode sass ich jemand Anderem wieder gegenüber, hörte ihm zu, sah in seine Augen….. und hätte am liebsten gesagt: “Hör auf zu reden und nimm mich endlich in Deine Arme”….. Don’t stop dreaming, little girl, keep on waiting for a miracle.

Baby it’s you I want,
So stop wasting my time
And baby it’s you I need,
So please make up your mind
It’s time to choose

(Veronicas – I don’t wanna wait)

20090618-1

Liebe ist …

liebe-und-distanz

Liebe…
ist Nähe die weder einengt noch begrenzt
ist Zärtlichkeit die die Haut nicht schürft
ist Geborgenheit die nicht in Fesseln legt
ist Gemeinsamkeit die Eigenheit belässt

Liebe…
ist Vertrauen das keine Blindheit erfordert
ist Treue die keinen Besitzanspruch erhebt
ist Verständnis das den Mund nicht verbietet
ist Leidenschaft die nicht verzehrt

Liebe…
ist Lebensfreude die Trauer nicht ausschliesst
ist ein Festmahl das Zeit zum fasten lässt
ist ein Zuhause mit unverschlossenen Türen
ist grenzenlos unter Beachtung aller Grenzen

(Diana)

End of Hope

Ich bin Mensch und brauche Liebe
Doch was bleibt ist nur die Sehnsucht
(Lacrimosa -- Kelch der Liebe)

Heute kam’s, wie es kommen musste. Wenn man sich von Sehnsucht getrieben an eine Illusion klammert, muss man damit rechnen, dass einem das bisschen Restvernunft das man noch hat, früher oder später wieder auf den Boden holt. Und wenn man über den Wolken schwebt und vom Verstand geweckt wird, kommts zwangsläufig zum freien Fall und die Landung ist heftiger als einem gut tun würde. Man muss wirklich komplett verblödet sein, um sich in meiner Situation zu verlieben, aber erklär mal einem sich nach Liebe sehnenden Herz, was realistisch ist und was nicht. Amors Pfeil trifft immer, aber er trifft nicht immer Beide… und manchmal zerreisst sein Pfeil ein Herz in tausend Stücke.

Doch schmerzlich muß ich mir gestehen
Daß einen Traum ich nur verfolgt.
In dieser Hoffnung bleib` ich liegen
Die Lider fest verschlossen, nur
Ein Morgen darf es niemals geben
Da Du, mein Traum, gegangen wärst!
So darf ich denn erwachen, erst
Nachdem auch Du mich liebst im Leben!
(Illuminate -- Ein Erwachen)

Aus dem heutigen Konzert im Classroom wird nun wohl nichts, so gut es mir auch getan hätte. Jetzt heissts erst mal Scherben zusammenwischen, alles wieder zusammen zu kleben und mir wieder etwas Realitätsbewusstsein einzuhämmern.

Zum Glück sind wir T-Girls härter als das Leben, wir lassen uns nicht unterkriegen, nicht mal durch uns selbst.

Lonely, where should I be if this is not my land
Slowly, life is running through my fingers like sand
Call me, and Ill be whereever you are
Lonely, and the day hides a falling star

And I tried so hard, yes I tried to get out
But the fear kept on strangling my will
And I tried so hard, yes Itried to get out
But the chains they were harder than steel
Lonely, when the bird calls the break of dawn
Lonely, when nightfall takes lovers in its arms

Lonely, when meadows outside grow green
Falling, and the waters take what has been
Flowing, show me a place where I can fall asleep
Lonely, and the ocean are vast and deep

(Deine Lakaien -- Lonely)

Back to reality – the show must go on

Irgendwann einmal wird es geschehn,
das Wunder hier auf dieser Erde
Und eine Stimme sagt: Es werde
Ein neuer Tag…
(Illuminate – Ein neuer Tag)

aus-dem-abgrundBack to reality – ein neuer Tag hat begonnen. Der gestriger Crash war ein reinigendes Gewitter, einen ganzen Tag lang nur dazusitzen, traurige Musik zu hören und mich mit mir selbst und meinen Gefühlen zu beschäftigen, war einmal mehr eine Rosskur, aber eine die das Innere ausmistet. Man kann dem inneren Schmerz nicht ausweichen, man muss sich ihm stellen, andernfalls beisst er sich im Inneren fest und man trägt ihn weiter mit sich rum.

Ich kann es mir nicht leisten, mich in romantischen Träumereien zu verlieren, die doch schlussendlich schon fast zwangsläufig in eine Enttäuschung münden. Mein Leben ist anstrengend genug und ich brauche meine Kraft um meine Metamorphose voranzutreiben und auch der Alltag fordert so schon genug, in weniger als zwei Wochen werde ich zügeln und tausend Dinge sind noch vorzubereiten.

Die Liebe lässt sich nicht heransehnen, sie lässt sich nicht erhoffen und nicht erträumen, sie kommt dann wenn sie kommen will und sie taucht dort auf, wo ihr Platz ist. Auch wenn ich mich noch so sehr nach Nähe und Wärme sehne, muss ich aufhören mich in diese Gedanken und Gefühle zu verbeissen. Irgendwann wird dieses Wunder vielleicht gesehen und bis dahin kann ich nichts anderes tun als mein Leben zu leben und bereit zu sein. Und heute, nach dem gestrigen Gewitter, wage ich auch wieder zu glauben, dass dieses Wunder irgendwann Realität wird.

Ein neuer Tag bricht an für mich
alte Wunden werden heilen
Ein neuer Tag bricht an für Dich und mich
(Illuminate – Ein neuer Tag)

The show must go on und die Show findet in der Realität statt und nicht in der Welt des Traumes.

Vom Verliebtsein träumen

Träume sind manchmal erstaunlich gefühlsintensiv und realistisch. Bei mir ist das selten, ich kann mich selten an Träume erinnern und wenn, dann sind es meist kurze Sequenzen ohne grosse emotionale Beteiligung. Ausnahme sind gelegentliche Albträume oder viel seltener Träume, in denen es um Liebe geht. Letzteres ist mir diese Nacht wieder mal passiert und es war so intensiv, dass ich am morgen ziemlich verwirrt aufwachte…. und bedauerte, aufgewacht zu sein.

ein-traum-von-liebeIch weiss nicht, wer dieses zierliche und zuckersüsse Mädel war resp darstellen sollte und ich werde es auch nie erfahren. Eine Rolle spielt es nicht, es war ein Traum und sie verschwand im Nebel des Aufwachens, so wie auch im Wachsein nichts da ist, was Liebe schenkt und Liebe annimmt.

Es war seltsam, es war ein sehr langer Traum von dem ich die “Story” nicht weiss, aber wir waren uns immer wieder nah, immer wieder gab es diese Blicke die tief in die Seele eindrangen. Immer öfters berührten sich unsere Hände wenn wir nebeneinander waren, nicht leidenschaftlich sondern scheu, verletzlich, verliebt, so wie es bei zwei verliebten Teenagern halt vor sich geht. Wir waren nah und doch irgendwie unnahbar, ich wünschte mir nichts mehr als dass sich unsere Lippen berührten, sanft, zärtlich, scheu. Auf den Kuss hoffte ich vergebens, doch gab es mehrere Momente, in denen wir einander gegenüber standen und uns liebevoll umarmten. Es war ein sich nähern fern jeglicher Begierde und Leidenschaft, es war pures Verliebtsein, das uns immer näher zu einander führte.

Das Aufwachen war grausam und verwirrend. Ich konnte ihre Hände noch spüren, die meine Hände festhalten – nicht fest genug um mich im Traum zu halten. Was gäbe ich nicht alles um sie noch einmal zu umarmen und was gäbe ich erst Recht für diesen zärtlichen Kuss, der mir nicht mal im Traum vergönnt war.

Auch wenn ich eine Vermutung habe, wem dieser Traum gewidmet ist, ich werde nie erfahren wer sie ist…. und wenn sie wirklich “sie” ist, will ich es auch nicht erfahren, weil wir uns in der Realität noch viel unnahbarer sind als im Traum. Was bleibt – einmal mehr – ist weiter zu träumen und zu hoffen, dass mir wenigstens im Traum wieder mal dieses alles durchdringende Verliebtsein geschenkt wird.

Nun bist Du fort
Und noch frag ich mich,
Ob ich wache oder nicht.
In traumverhang`nen Augenblicken sehe ich
Dich doch nur schemenhaft vor mir.
(Illuminate – Über Deinen Schlaf)

Update 13:30
Ich hab meiner Freundin Bea *wink* via Mail von diesem Traum erzählt und sie hat nun geantwortet und in ihrem Mail die Frage aufgeworfen, ob das Mädel im Traum ich selbst gewesen sein könnte. Eine scheue Annäherung an das Mädel in mir selbst? Könnte irgendwie sein, darüber lohnt es sich nachzudenken. Vorerst tendiere ich aber eher dazu anzunehmen, dass die Lady im Traum bildhafter Ausdruck meiner Sehnsucht ist. Ob ich sie eines Nachts wieder treffe?

Erhöhte Emotionalität durch Hormone?

Soweit ich zurückdenken kann, war ich immer ein hyper-emotionales Wesen. Es gibt ja dieses Klische, dass nur Mädels im Kino bei jeder rührenden Szene weinen. Ich hatte das schon immer – was wieder mal zeigt, dass ich halt doch n’Mädel bin ;-) – nur habe ich es nie zugelassen, weil Jungs das ja nicht dürfen.

Als ich die Hormontherapie begann, war ich neugierig, ob sich da noch etwas verändert, noch emotionaler zu werden schien mir nicht wirklich vorstellbar. Und doch berichten andere T-Girls, dass ebendies geschieht. So wie Testosteron das Agressionspotential erhöht, erhöht Östrogen die Intensität des Gefühlsleben.

Und tatsächlich passiert genau dies auch mit mir – so unvorstellbar mir das auch erschien. Vorallem vor dem TV ist es am auffälligsten. Früher war ich schon bei jeder rührenden Szene tief ergriffen, aber mittlerweile nimmt das Ganze doch langsam groteske Ausmasse an. Beispielsweise als ich am Sonntag mit meiner Tochter einen Disney Zeichentrickfilm schaute….. man glaubt es kaum, aber sogar in so einem Film geht in mir die Post ab. Sobald jemandem etwas Gutes widerfährt, drückt es mir auf’s Auge und wenn’s dann noch um Liebe geht, dann vergisst mein Verstand, dass es sich hier ja nur um gezeichnete Figuren geht, da schmelze ich wie Butter an der Sonne.

Noch emotionaler? Ach Du grüne Neune! Mein Leben war unter Anderem deshalb stets so anstrengend, weil ich eben so hyper-sensibel war. Alles was einem nah gehen kann, geht mir tief durchs Herz. Dass diese Wesensart von mir nun noch stärker zur Geltung kommt, macht mein Leben nicht grad einfacher. Vielleicht leide ich gerade deshalb umso mehr unter meiner Beziehungslosigkeit, weil nicht nur schöne sondern auch traurige Gefühle intensiver werden.

Aber das hat auch etwas Gutes. Irgendwann – so hoffe ich – wird auch mir wieder die grosse Liebe begegnen und ich freue mich darauf, dass ich dann auch die Liebe noch intensiver fühlen kann. Ich kann mir zwar auch hier nicht vorstellen, dass Liebe noch intensiver ist, als ich es bisher erlebte – eben weil ich auch diesbezüglich schon immer von ganzem Herzen liebte. Aber ob ich es mir vorstellen kann oder nicht, es wird wohl so kommen, wenn es denn einmal kommt.

Celine Dion – When I need you

Damit es heute wieder wunderschöne Träume gibt, hier eines meiner alten Lieblingslieder -- When I need you von Celine Dion, einer der grössten Stimmen die diese Welt je gehört hat. Das Video ist mit wunderschönen Bildern “verziert”, die einem beim Träumen nur helfen können ;-)

When I need you
Just close my eyes and I’m with you
And all that I so want to give you
It’s only a heart beat away

When I need love
I hold out my hands and I touch love
I never knew there was so much love
Keeping me warm night and day

Miles and miles of empty space in between us
A telephone can’t take the place of your smile
But you know I wont be traveling forever
It’s cold out, but hold out and do like I do

When I need you
I just close my eyes and I’m with you
And all that I so want to give you babe
It’s only a heartbeat away

It’s not easy when the road is your driver
Honey, that’s a heavy load that we bear
But you know I won’t be traveling a lifetime
It’s cold out but hold out and do like I do
When I need you

When I need love
I hold out my hands and I touch love
I never knew there was so much love
Keeping me warm night and day

When I need you
Just close my eyes and I’m with you
And all that I so want to give you
It’s only a heart beat away

*schmelz*…… so long Ihr Mitlesenden und Mitfühlenden, keep on dreaming!

Ohne meine Tochter?

Du brauchst jetzt nichts zu sagen
Brauchst mich nicht zu lieben
Ich habe Hoffnung für uns beide
Denn am Ende stehen wir zwei

Meine Hoffnung soll mich leiten
Durch die Tage ohne Dich
Und die Liebe soll mich tragen
Wenn der Schmerz die Hoffnung bricht.

(Lacrimosa -- Am Ende stehn wir zwei)

Nun scheint das Worst-Case-Szenario eingetreten zu sein und auch der letzte, höchste Preis für meine Selbstverwirklichung wird eingefordert. Meine Tochter, die ich über alles liebe, will nicht mehr zu mir kommen. Vom ersten Tag an wusste ich, dass das passieren kann, dass es vermutlich sogar passieren wird. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt -- einmal mehr vergebens.

Es ist für eine Zwölfjährige einfach zuviel, wenn ihr Vater so einen Weg einschlägt. Ich verstehe, dass sie damit überfordert ist und ich akzeptiere, dass sie vorläufig auf Distanz geht.

Aber für mich ist das der tiefste Fall meines Lebens und alles was bleibt ist die Hoffnung, dass sie irgendwann ihren weiblichen Vater zu akzeptieren lernt. Vielleicht passiert das schon bald, vielleicht dauert es Jahre…. ich werde auf sie warten.

My baby she left me, my baby she’s gone.
My sweet little angel has spread her wings and flown.
Can’t think of a reason for going on.
From this day I will play the blues.

She said it was over, this time it’s the end.
Bad luck and trouble gonna be my only friend.
I still can’t believe it, after all we’ve been through.
Everyday I will play the blues.

Everybody knows what the blues is all about.
It’s a pain you can’t live with.
It’s a woman you can’t live without.
She came from Chicago.
She read me the news.
In the headlines was a story of the blues.

They say a broken heart can always mend.
Time is the healer and sadness will end.
But I’ve done so much crying, when will I laugh again?
Till that day I will play the blues.

Everybody knows what the blues is all about.
It’s a pain you can’t live with.
It’s a woman you can’t live without.
Could have cried me a river
when they told me the news.
On that day was a story of the blues.

(Gary Moore -- Story of the Blues)

Dark Sanctuary – weil mir die Worte fehlen

Mir fehlen die Worte um auszudrücken was ich grad empfinde. Aber Bilder und Lieder sagen mehr als tausend Worte. Vielleicht können diese Videos mit Musik der Gothic-Band “Dark Sanctuary” ausdrücken, was ich nicht mehr zu sagen vermag…….

La Clameur du Silence

L’instant Funebre

Valley of Pain

Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen,
was von selber aus mir heraus wollte.
Warum war das so schwer?
(Hermann Hesse, Demian)

Warum?

Schaut mich nicht an! Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren, einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand?
(Lacrimosa – Fassade 1)

GefangenImFalschenKoerperWarum leben wir in einer Gesellschaft, die Andersartigkeit per Definition als falsch oder krank klassifiziert?

Warum zwingt uns unser modernes, rationales Denken dazu, nur noch in schwarz-weiss Kategorien zu denken und keine Grautöne mehr zuzulassen?

Warum wird ein Individuum nur dann toleriert, wenn es seine Individualität aufgibt und sich in eine dieser schwarz-weissen Schubladen stecken lässt?

Warum wird uns Selbstbestimmung zugesprochen, aber nicht zugelassen?

Warum ist der Druck zur Normalität so gross, dass ein Kind sich für ihren weiblichen Vater schämen muss, nur weil diese(r) weibliche Vater sich selbst ist?

Warum verwechselt der Mensch Andersartigkeit mit Abartigkeit?

Warum schafft Gott oder die Natur eine Frau in einem Männerkörper, wenn solche Wesen so untragbar sind für diese Welt?

Warum stellt uns das Leben soviele Fragen, auf die es keine Antwort gibt?

Vielleicht bin ich nur ein Mensch
Und vielleicht bin ich auch nur ein Argument
Vielleicht bin ich letztlich einer dieser Fragen
Deren Antwort sich die Blösse gibt ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade 3)

Der Stolz einer Trans-Frau

Erneut sehe ich mich mit der Frage konfrontiert, ob ich mich für meine Wesensart schämen müsste oder ob mir Nahestehende sich für mich schämen müssten. Und einmal mehr komme ich zum Schluss, dass genau das Gegenteil der Fall ist, auch wenn diese Gesellschaft das (noch) nicht so sieht.

StolzEinerTransfrauSeien wir doch ehrlich, unsere moderne Gesellschaft hat uns zu kleinbürgerlichen Marionetten gemacht. Wir fragen nicht wer wir sind sondern wer wir sein sollen. Wir fragen nicht was wir sind sondern was wir darstellen sollen. Wir sehen nicht in den Spiegel unserer Seele um zu erkennen was uns ausmacht sondern lassen uns bestimmen durch das Bild das andere von uns haben. Ich bin nur gut, wenn man mich für gut hält. Ich bin nur soviel wert, wie andere mir an Wert zusprechen.

Wieviel Mut braucht es, um seine Selbstbestimmung im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft eingrenzen zu lassen? Wieviel Kraft braucht es, um das zu tun was von uns erwartet wird? Wie schwer ist es, cool zu sein, angepasst gekleidet zu sein, ein schickes Auto zu haben, einen standesgemässen Job……..

Es braucht nicht viel, “normal” zu sein, politically correct wie man so schön sagt. Man erspart sich so, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, man umgeht so Konflikte und Ablehnung. Der moderne Mensch ist so sehr davon abhängig, den anderen genehm zu sein, dass er sich selbst dabei verliert.

Transsexuelle werden für ihre Wesensart und noch mehr für den von ihnen eingeschlagenen Weg von einigen belächelt, von manchen verachtet, von wenigen sogar angegriffen….. weil sie sich erdreisten, wider jeglicher gesellschaftlichen Geschlechterdiktatur sich selbst zu sein. Muss man sich dafür schämen, dass man sich selbst ist und für sich selbst einsteht, obwohl es in den Augen anderer “nicht normal” ist? Oder sollte man nicht stolz darauf sein, zu den wenigen zu gehören, die den Mut dazu haben und sich nicht unterkriegen lassen von den ungeschriebenen Gesetzen dieser uniformen schwarz-weiss-denkenden Welt?

Ich wüsste vieles in meinem Leben, wofür ich mich schämen müsste und vieles, wofür ich mich heute noch schäme. Aber dass ich diesen Weg eingeschlagen habe, nötigt mir einen ungeheuren Respekt vor mir selbst ab. Ich bin stolz auf mich, dass ich zum ersten Mal im Leben so konsequent für mich einstehe. Ich bin stolz darauf, dass ich mein Innerstes nach aussen kehre ungeachtet etwelcher Blicke und Kommentare. Ich bin stolz darauf, dass ich mit erhobenem Haupt durch eine Menschenmenge gehen kann, die in ihrem Konformitätswahn glaubt, in mir etwas Kurioses zu erblicken.

Transsexuelle, die ihren Weg gehen, müssen der Angst ins Auge blicken und ihre Ängste überwinden. Sie nehmen gesundheitliche Risiken in Kauf, sie riskieren Ablehnung und Ausgrenzung, sie riskieren angepöbelt oder angegriffen zu werden. Transsexuelle legen ihren bisherigen sozialen Status und ihr Ansehen ab wie einen alten Mantel, geben das Coolsein und das Normalsein auf zugunsten des Ichseins. Transsexuelle nehmen bewusst in Kauf, dass sie immer in einem Rechtfertigungszwang stecken und nie wirklich verstanden werden. Transsexuelle machen es sich nicht einfach, gehen nicht den Weg des geringsten Widerstands….. sie kämpfen für Ihr Recht auf die Individualität eines Individuums.

Glaubt mir, es braucht verdammt viel Grösse, Mut, Entschlossenheit und Tapferkeit, um diesen Weg zu gehen. Dass ich diesen meinen Weg trotz aller Widrigkeiten gegangen bin und immer noch gehe, das macht mich stolz wie ich noch nie vorher stolz war und es gibt mir eine Form von Würde, die ich vorher nie gekannt habe.

Heute kann ich in den Spiegel schauen und sehe ein Wesen, das weder sich noch anderen etwas vormacht, das zu sich selbst steht, für sich einsteht und sich nicht unterkriegen lässt. Ein Wesen, das so ist wie es ist und nicht so, wie andere es haben möchten.

Wer von diesen vielen “normalen Menschen” da draussen hätte den Mut dazu?

Stand and fight, live by your heart
Always one more try, I’m not afraid to die
Stand and fight, say what you feel
Born with a heart of steel
(Manowar – Heart of Steel)

Doch mit meiner Tochter

so-happy-2Soeben habe ich erfahren, dass meine Tochter nun doch übers Wochenende zu mir kommt. Mir fällt ein Riesenstein vom Herzen. Als sie letzten Sonntag sagte, sie wolle nicht mehr zu mir kommen, ist für mich die Welt zusammengebrochen. Jetzt dreht sich die Welt wieder :-) Aber ich darf mir nichts vormachen, es wird noch einige Zerreissproben geben und die Zukunft ist ungewiss. Fürs Erste bin ich einfach masslos glücklich, dass ich meine Tochter doch nicht verloren habe :-)

Träumende Schmetterlinge

hoffnung-und-traum-1Eigentlich habe ich mir vorgenommen, vorläufig das Träumen zu lassen, weil die Realität Träume früher oder später in Stücke reisst. Ich wollte mich auch nicht in Hoffnungen verstricken, weil der Enttäuschung damit der Boden bereitet wird. Trotzdem tue ich es schon wieder, oder es tut es mit mir…… Liebe macht nicht nur blind sondern irgendwie auch gaga.

Keep on dreaming little girl, but beware of the reality!

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken riechen.
(Novalis)

Erich Fried – Fragen und Antworten

fried-fragen-antworten

Wo sie wohnt?
Im Haus neben der Verzweiflung

Mit wem sie verwandt ist?
Mit dem Tod und der Angst

Wohin sie gehen wird wenn sie geht?
Niemand weiß das

Von wo sie gekommen ist?
Von ganz nahe oder ganz weit

Wie lange sie bleiben wird?
Wenn du Glück hast solange du lebst

Was sie von dir verlangt?
Nichts oder alles

Was soll das heißen?
Daß das ein und dasselbe ist

Was gibt sie dir – oder auch mir – dafür?
Genau soviel wie sie nimmt, sie behält nichts zurück

Hält sie dich – oder mich – gefangen oder gibt sie uns frei?
Es kann uns geschehen, daß sie uns Freiheit schenkt

Frei sein von ihr, ist das gut oder schlecht?
Es ist das Ärgste, was uns zustoßen kann

Was ist sie eigentlich und wie kann man sie definieren?
Es heißt daß Gott gesagt hat, daß er sie ist

(Erich Fried)



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