(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Diana – ein neuer Anfang

Vielleicht bin ich letztlich eine dieser Fragen,
deren Antwort sich die Blösse gibt, ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade)

Hallo, ich bin Diana, eine Trans-Frau am Anfang ihrer Geschlechtsangleichung – mit anderen Worten, ich bin transsexuell.

Seit ich denken kann, empfinde ich mich als ein weibliches Wesen, das durch eine seltsame Laune der Natur in einen männlichen Körper eingesperrt wurde. Anfang dieses Jahres kam der Punkt, an dem ich dieses “Spiel des Lebens” nicht mehr mitspielen konnte, seit da lebe ich offiziell als Frau, futtere fleissig Hormone, geniesse das Leben in meiner wahren Identität….. und trotze der Tatsache, dass die Welt mich deswegen für verrückt hält.

Über dieses Blog

Dieses Blog dient einerseits mir selbst als Tagebuch, anderseits soll es Interessierten, Betroffenen und Bekannten die Möglichkeit bieten, den Transitionsprozess einer transsexuellen Frau zu verfolgen.

Es ist erlaubt und erwünscht, dass die Blogbeiträge von Lesern kommentiert werden, es werden jedoch nur Kommentare zugelassen, die zum entsprechenden Thema ernsthaft Stellung nehmen. Damit das Blog sauber bleibt, werden alle neuen Kommentare zuerst zurückgehalten und müssen von mir authorisiert werden.

Nachtrag – Blogschliessung

Gute zwei Jahre nach diesem Eröffnungsbeitrag ist die Geschichte zuende erzählt. In dieser Zeit habe ich die Hormonbehandlung und genitalangleichende Operation hinter mich gebracht und bin dank erfolgter Vornamens- und Personenstandsänderung nun einfach eine Frau wie viele Andere – vielleicht etwas verrückter als der Durchschnitt, aber mehr auch nicht. Nach meinem Selbstverständnis empfinde ich mich heute nicht mehr als transsexuelle Frau sondern als “Frau mit transsexueller Vergangenheit”. Das und andere Gründe bewogen mich dazu, dieses Blog nun zu schliessen, weil es die Geschichte einer “Geschlechtstransition” erzählen soll und diese Geschichte ist nun zuende. Anstelle dieses Blogs führe ich nun ein zweites Tagebuch in dem ich aus der neuen Perspektive weiter aus meinem Leben erzähle. Wer mehr von mir lesen möchte, ist herzlich eingeladen, hier weiterzulesen:
A girl called Diana – Tagebuch einer Frau mit transsexueller Vergangenheit

Blogtagebuch in Papierform

Die ersten zwei Jahre dieses Blogtagebuchs sind auch in Buchform verfügbar, mehr darüber erfährst Du in der Rubrik “Bücher Transsexualität“.

Die verbeulte Kugel


Sehn Sie mich bitte nicht so an, ich weiss dass ich etwas seltsam aussehe….. nein ich bin kein Würfel, ich bin eine verbeulte Kugel….. ja ich weiss dass ich ähnlich aussehe wie ein sehr seltsamer Würfel, aber das liegt daran dass ich eben kein Würfel bin sondern eine verbeulte Kugel.

Ich weiss das mit Bestimmtheit, ich kam schon als Kugel zur Welt. Schon damals wollte mir das niemand glauben, alle hielten mich für einen unförmigen Würfel. So begannen sie, an mir rumzudrücken, rumzuwürgen, rumzuhämmern, schlugen mir mal links eine, mal rechts eine und so kam es dann, dass aus mir halt mit der Zeit eine ziemlich verbeulte Kugel wurde. Irgendwie schafften sie es in all der Zeit nicht, mich in eine Würfelform zu kriegen. Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja eine Kugel. Wie in aller Welt soll aus einer Kugel ein Würfel werden?

Immer und immer wieder habe ich es ihnen gesagt, bin sogar demonstrativ rumgerollt, damit wirklich auch der hinterst und letzte Depp merkt, dass ich eine Kugel bin. Aber nein, jedesmal nur dieses „Ach jetzt rollt dieser Scheisswürfel schon wieder“ und dann sofort n’paar links, n’paar rechts und dann ab in eine Ecke.

Das Leben als unvollkommener Würfel ist echt anstrengend, fast so anstrengend wie das als verbeulte Kugel. Aber was will man machen, hätten sie mir doch nur von Anfang an geglaubt, dass ich eine Kugel bin. Ich wette, aus mir wär eine richtig schöne Kugel geworden, aber eben, im Nachhinein ist man ja oft schlauer…….. oft, ja aber leider nicht immer.

So ich muss jetzt eins weiter, hab noch n’Termin bei meinem Psychiater. Der behandelt mich weil er denkt, ich würde mich für eine Kugel halten. Irgendwie bin ich froh um meinen Psychiater, das Leben ist manchmal wirklich sehr sehr verwirrend.

Rosenstolz – Zarah in Ketten

Und wenn Zarah lacht
ist sie jung und schön
wenn sie träumt
kann keiner sie versteh’n

Denn sie träumt im Hier wie es ihr gefällt
mit viel Licht und langsam wird sie geh’n
Zarah hat nie die Wirklichkeit geseh’n
das hat sie nie interessiert
im weißen Kleid sah’ man sie oft steh’n
und der Blick war fasziniert

Zarah in Ketten, nicht mal der Wind erzählt ihr Lied
nicht von dem, was nie war und es wird nie sein
Zarah im Dunkeln und es wird nie wieder hell
diese Trauer macht blind, sie erkennt nichts mehr

Und wenn Zarah tanzt, ist sie ganz allein
denn noch nie war sie zum Tanzen aus
nur in ihrer Welt war sie groß und stark
doch sie kam aus ihrer Welt nie raus

Dann hätt’ sie gern die Wirklichkeit geseh’n
doch zu spät die Tür war zu
Im schwarzen Kleid hab’ ich sie geseh’n
und der Blick war ohne Ruh’

Tag der Entscheidung – ich lebe nun als Frau

Hier stehe ich, ich kann nicht anders,
Gott helfe mir, Amen
(Martin Luther)

Vier Jahrzehnte habe ich darunter gelitten, nicht ich selbst sein zu dürfen. Als weibliches Wesen in einem männlichen Körper gefangen zu sein und damit in eine Geschlechterrolle gezwungen zu sein, die dem Innersten radikal widerspricht, das ist kein Leben sondern eine Tortur.

Zwei Jahrzehnte habe ich dagegen angekämpft, versuchte zu verdrängen, zu therapieren, aber erst viel später musste ich anerkennen, dass sich die Geschlechtsidentität nicht ändern lässt. Sie entsteht in frühster Kindheit und ist dann durch nichts mehr veränderbar. Wenn ich also die Diskrepanz zwischen der Geschlechtsidentität und dem biologischen Geschlecht nicht mehr ertragen kann, was anderes kann ich dann noch tun als den Körper der Seele anzupassen?

Seit dem letzten Sommer habe ich mich intensiv diesen Fragen gestellt und es gewagt, selbst das Undenkbare zu denken. Kann ich weiterhin die Lüge meines Lebens weiterspielen? Bin ich stark genug um wider allem gesellschaftlichen Druck mein weibliches Ich zu leben? Bin ich bereit, mich all den Diskriminierungen und dem Gelächter auszusetzen nur um zu sein was ich bin? Bin ich bereit meine Sexualität, meine Beziehungschancen, meinen sozialen Status, meine Gesundheit und vieles mehr aufs Spiel zu setzen? Ist das Ich-Sein so wichtig, dass ich diesen hohen Preis für meine Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung zu bezahlen bereit bin? Habe ich überhaupt noch eine andere Wahl?

In den letzten Tagen fiel der Entscheid, ich verspüre keine Bereitschaft mehr, dieses Spiel des Lebens weiter so zu führen und weitere Jahrzehnte die männliche Maske zu tragen, nur um mein weibliches Ich weiter im Kerker meiner Seele einzusperren. Ich will leben und ich werde leben, selbst wenn es das Letzte ist was ich tun werde.

Ja ich bin bereit diesen Preis dafür zu zahlen und ich bin bereit, die ganze Welt vor den Kopf zu stossen, ich bin bereit die Frau zu leben, die ich innerlich schon immer war. Macht also Platz, ein neues Wesen betritt die Welt und nichts und niemand wird sie noch aufhalten können. Die Zeit ist reif für Diana, öffnen wir das Tor zum Kerker der Seele und lassen sie raus.

Vorbereitung auf den grossen Tag

Ein surreales Gefühl hat mich gepackt, ein Gemisch aus Angst und Euphorie. The point of no return ist überschritten, die Frage ist beantwortet, die Zukunft bestimmt. Es gibt kein zurückblicken mehr, jetzt darf es nur noch ein vorwärts geben.

In wenigen Tagen wird mein neues Leben beginnen, dazu gibt es vieles vorzubereiten. Ein Termin bei der Hausärztin um die Hormonbehandlung einzuleiten. Ein Termin beim Coiffeur, ein Termin zur Bart-Laserepilation und eine Agenda, wann welches Outing stattfindet.

Mein Boss ist leider noch bis zum 20. Januar in den Ferien, bis dahin habe ich Zeit alles vorzubereiten.
Dann beginnt mein erstes richtiges Leben…… ob ich wirklich stark genug bin für diesen Weg?

Das erste Outing und ein verzweifeltes Kind

Ich wusste, dass das Outing bei meiner zwölfjährigen Tochter das Schwierigste sein wird und dass ich alle Kraft brauchen werde, um das durchzustehen. Trotzdem war ich erschüttert, wie schlimm es wirklich wurde. Wenn man ein Kind so liebt wie ich meine Tochter liebe, dann zerreisst es einem das Herz, wenn man dieses geliebte Kind so erschüttern muss. Einem Kind zu sagen, dass der Vater nun eine Frau sein wird, ist unerträglich für Beide.

Die erste Reaktion war, dass sie sagte, sie würde nie wieder zu mir kommen – der Super-GAU war eingetreten – und damit waren wir beide wohl am schlimmsten Tag unseres Lebens angekommen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass weniger meine Veränderung als Solches das Problem war sondern ihre Angst, sich an der Seite einer „Transe“ zum Gespött zu machen. Mir wurde klar, dass ich hier meinen einzigen Kompromiss machen musste, wenn ich sie nicht verlieren wollte, also versprach ich ihr, an den Wochenenden an denen sie zu mir kommt in meiner alten Rolle zu leben. Ich dachte, ich habe ja 40 Jahre lang so gelebt, da werde ich auch 2 Tage in 2 Wochen nochmal so leben können. Wie schwer das wirklich sein würde, wurde erst später klar.

Aber das Wichtigste war, ich verlor meine Tochter nicht und ich kann den Schmerz den ich ihr zufüge auf ein Minimum reduzieren. Nie habe ich sie so verzweifelt gesehen und ich hasste mich für das was ich ihr antue. Aber ich war an einem Punkt, an dem ich keine andere Wahl mehr hatte. Ich hoffe, dass sie das irgendwann verstehen wird.

Die Transformation beginnt, die ersten Hormone

Mein erstes Gespräch bei meiner Hausärztin war ein voller Erfolg. Sie zeigte Verständnis für meine Situation und da klar war, dass ich meine Hormone notfalls im Internet bestelle, gab sie mir gleich das erste Pack Cypestra-35 mit. Schon auf dem Heimweg nahm ich die erste und so verrückt es klingen mag, für mich war dieser Moment die Geburtsstunde meiner Weiblichkeit. Von diesem Tag an würden in meinem Körper Östrogene ihre Arbeit leisten und der Prozess, der meinen Körper meinem Innersten angleicht, hatte heute begonnen. Seit heute bin ich kein Mann mehr sondern eine werdende Frau.

Das Outing im Geschäft

Nach diesem Tag habe ich mich gesehnt, es ist der letzte Tag meines alten Lebens, das letzte Mal, dass ich in meiner alten Rolle leben muss. Mein Boss war endlich aus den Ferien zurück und damit konnte ich endlich die Runde machen im Geschäft und mich sozusagen von allen verabschieden.

Als Erstes gabs das Gespräch mit meinem Teamchef und dem Firmenbesitzer. Ich erzählte ihnen mit ein paar Sätzen, dass ich mein Leben radikal auf den Kopf stellen werde und fortan als Frau leben werde. Zu meiner grossen Überraschung hatten beide damit nicht das Geringste Problem. Wir haben Dich als guten Softwareentwickler geschätzt, also werden wir Dich auch als gute Softwareentwicklerin schätzen.

Dann gings weiter von Büroraum zu Büroraum und überall erklärte ich mit ein paar Sätzen, dass ich von morgen an Diana sein werde. Auch das ging zu meiner Überraschung schmerzlos über die Bühne. Ich erntete zwar als Erstes erstaunte Blicke, aber unter dem Strich begegneten mir meine Mitarbeiter mit verblüffender Akzeptanz.

Das Ganze zog sich über ca 3 Stunden, am Schluss war ich ziemlich „uf dä Schnurre“ aber überglücklich, dass ich nun nichts mehr zu verstecken hatte und dass ich mein altes Ich nun endlich begraben konnte. Der Tod kann eine wunderschöne Sache sein, wenn eine Widergeburt ansteht

Der erste Tag als Frau – hurra ich lebe!

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde… und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

Als ich am morgen aufwachte, wurde ich vom ersten Moment an von einer euphorischen Freude durchflutet, die ich noch nie erlebt hatte. Von heute an bin ich ich selbst, heute ist mein erster Tag als Diana. What a feeling!

Es war mir wichtig, dass ich weder mich noch mein Umfeld überforderte und versuchte schon gar nicht, mich nun als Frau zu verkleiden. Ich habe bisher eine Maske getragen und will diese nun nicht durch eine Neue ersetzen. Also ging ich äusserlich gar nicht soviel anders ins Geschäft als bisher. Das Jäggli wechselte die Farbe von schwarz auf lila, ein paar neue Schuhe die eher androgyn waren kamen dazu und etwas Schmuck. Alles in allem war ich äusserlich eher als feminimer Mann wahrnehmbar.

Als ich das Büro betrat, war ich hinundhergerissen zwischen Angst und Euphorie. Es war als ob ich das erste Mal dort erscheinen würde. Die meisten liessen bei der Begrüssung den Namen weg, ein kurzes „Hoi“ kam und mir war das doch lieber als wenn sie mich mit dem alten Namen angesprochen hätten. Es war für alle wohl ziemlich verwirrend, mich nun plötzlich als Frau wahrzunehmen und anzusprechen. Und so war es dann auch kein Wunder, dass ich im Verlauf des Tages häufiger mit meinem alten Namen angesprochen wurde als mit dem Neuen. Aber das machte mir nichts aus, das habe ich erwartet und ich würde meinem Umfeld noch viel Zeit geben müssen, bis sie da hinein gewachsen sind.

Aber etwas war absolut verblüffend. An diesem ersten Tag war ich so glücklich wie nie vorher, ich fühlte mich unbeschreiblich frei, ich war endlich mich selbst.

Die erste Zugfahrt – wenn Blicke schmerzen

Schaut mich nicht an!
Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren
Einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Bisher habe ich die Öffentlichkeit gemieden wo es nur geht, heute musste ich aber erstmals mit der S-Bahn im Feierabendverkehr nach Zürich zum Therapeuten fahren. Puh das war harte Knochenarbeit. Ich hätte mich am liebsten unter einem Schleier versteckt, wurde von vielen angeschaut als ob ich von einem anderen Planeten käme und mein Körper wurde von Stresshormonen nur so geflutet. Meine Verunsicherung und mein mangelndes Selbstbewusstsein waren so offensichtlich, dass ich erst Recht auffiel wie eine bunte Hündin. Es war ein regelrechter Spiessrutenlauf und als ich dann endlich wieder zuhause war, war ich erschöpft wie nach einem Marathon.

Ich werde noch viel an mir arbeiten müssen um ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Es ist wirklich nicht einfach, selbstbewusst zu sein, wenn einem die Welt belächelt oder gar mit Verachtung begegnet. Aber das war ein Teil des Preises den ich zu bezahlen hatte und den ich bewusst in Kauf nahm, da muss ich einfach durch.

Eine Rose von meiner Tochter

Meine Tochter kam heute zum zweiten Mal seit dem Outing zu mir ins Wochenende und als ich die Tür öffnete, bin ich fast aus den Schuhen gefallen. Sie stand da und streckte mir eine einzelne rote Rose entgegen.

Es war als ob sie damit die Frau in mir begrüsst und ihre Akzeptanz so ausdrückt. Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben, diese Rose würde noch jahrzehntelang an der Wand hängen. Es war das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe.

Das Brustwachstum geht los

Wow, schon wenige Tage nachdem ich die Dosis erhöht habe, geht im Brustbereich heftig die Post ab. Es zieht und kitzelt, die Brustwarzen sind mega empfindlich und ich spüre richtig wie da etwas entsteht. Unter der Brustwarze bildet sich so ein kleiner Knollen und wie mir meine Ex-Freundin versicherte, hats bei ihr genauso angefangen. Niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen, was für Glücksgefühle es auslöst, wenn plötzlich das Brustwachstum spürbar wird. Seit meiner Pupertät habe ich davon geträumt, dass das passiert und nie hätte ich gedacht, dass dieser Traum irgendwann Wirklichkeit wird. Meine zweite Pupertät hat begonnen und diesmal bin ich wirklich glücklich mit den Veränderungen, die die Pupertät mit sich bringt

Neues Selbstbewusstsein als Trans-Frau

Mittlerweile lebe ich seit zwei Monaten als Frau und habe einige Spiessrutenläufe an der Öffentlichkeit hinter mir. Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich in einem vollgestopften Zug sitze und mir keine Gedanken darüber mache, was andere über mich denken.

Es ist eine neue Art Selbstbewusstsein in mir entstanden. Es macht mir nichts mehr aus, dass man mich als Transsexuelle erkennt, im Gegenteil, genau das bin ich und genau darauf bin ich stolz. Ich stelle an mich nicht den Anspruch, von der Öffentlichkeit als biologische Frau wahrgenommen zu werden sondern bin stolz darauf, eine Trans-Frau zu sein. Das war einer der wenigen Punkte vor denen ich mich gefürchtet habe, dass ich nie die Stärke finden werde um damit umzugehen. Umso erfreuter bin ich, dass ich schon nach zwei Monaten mit aufrechtem Gang durch die Welt stöckeln kann und mich dabei gut fühle.

Unterdessen gehe ich auch mal am Samstag Nachmittag an die Zürcher Bahnhofstrasse, vorbei an tausenden von Leuten und shoppe vergnügt von einer Boutique zur Anderen. Je länger desto mehr fühlt sich mein neues Leben einfach normal an, was könnte ich mir da noch mehr wünschen.

Ein unerreichbares Ziel anstreben

Es gibt wohl keine grössere Herausforderung
als ein Ziel anzustreben,
das nie wirklich erreicht werden kann.

(Diana)

Erstgespräch an der Psychiatrischen Universitätsklinik

Die letzten Tage habe ich mir unheimliche Sorgen gemacht, weil ich befürchtete, dass mich die Jungs an der Psychiatrischen Universitätsklinik auf dem Scheiterhaufen verbrennen, weil ich ohne göttlichen äh ärztlichen Segen Hormone nehme. Ausserdem hatte ich auch Angst, dass sie mich nicht ernst nehmen und meine Selbstdiagnose nicht bestätigen. Das ist leider ein bisschen das Elend von uns T-Girls. Transsexualität ist nicht messbar, es ist primär eine Selbstdiagnose und der Arzt kann nur versuchen herauszufinden, wie authentisch diese Selbstwahrnehmung ist und ob irgendwelche Krankheiten vorliegen, die eine Transsexualität in Frage stellen würden.

Zu meiner grossen Überraschung fühlte ich mich dort nicht seziert und zerlegt sondern sehr verstanden und wahr!-genommen. Schlussendlich sagte mir der Oberarzt, er würde Transsexualismus (so nennen die das neuerdings) als „Verdachtsdiagnose“ stellen. Soweit ein grosser Erfolg, scheinbar sieht er in mir dasselbe wie ich selbst.

Aber was die Hormone anbelangt, war er genauso stur wie ich. Glücklicherweise akzeptiert er, dass ich mich nicht an ihren Standard halte und mich selbst therapiere, aber er selbst fühlt sich diesem Standard verpflichtet und wird mir keine Hormone verschreiben bis Ende Jahr. Das ist insofern schade, weil ich mich dadurch Risiken aussetzen muss, die eigentlich nicht nötig wären. Aber was will man machen, wenn die Einhaltung eines Behandlungsstandards wichtiger ist als die Gesundheit der Betroffenen, dann muss ich das halt akzeptieren. Trotzdem bin ich dankbar, dass man meinen Weg respektiert. Ich werde nun einmal pro Monat an der Uni antraben und bin wirklich froh, dass ich wenigstens die therapeutische Unterstützung habe.

Machs gut, meine liebe Tochter

Eigentlich wollte ich heute ein Gedicht veröffentlichen, das ich erhalten habe, das sich an das Kind einer transsexuellen Frau richtet. Aber das Schicksal geht manchmal seltsame Wege, denn heute kam das wovor ich mich solange gefürchtet habe. Meine Tochter will nicht mehr zu mir kommen. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde und bin auch zuversichtlich, dass das nicht für ewig sein wird. Trotzdem zerreisst es mir das Herz. Nicht wegen mir sondern weil es mir einfach so sehr leid tut, dass meine Situation für sie so eine enorme Belastung ist. Wie sehr muss ein Mädchen leiden, bis es nicht mehr zu “ihrem Vater” gehen will, weil sie diese Veränderungen nicht mehr erträgt? Wie verwirrend muss es sein, wenn der Vater, der einst ein Vorbild war, zu etwas wird, wofür man sich schämt?

Diese Situation gab es schon einmal, dass sie sagte, sie wolle nicht mehr zu mir kommen und als “unser Wochenende” wieder vor der Tür stand, änderte sie ihre Meinung doch. Ich wusste, dass diese Trennung auf Zeit nicht aufgehoben sondern nur aufgeschoben war. Ich glaube, dass es diesmal wirklich zum Break kommt.

Ich fühle mich schuldig, obwohl ich weiss, dass ich mir mein Schicksal nicht ausgesucht habe und keine andere Wahl mehr hatte. Trotzdem bin ich Verursacherin dieses Leids. Es ist meine Selbstentfaltung, die meiner Tochter soviel abverlangt. Klar weiss ich, dass sie eigentlich nichts verloren hat. Wäre ich diesen Weg nicht gegangen, gäbe es mich heute nicht mehr. Den Vater hätte sie so oder so verloren. Aber so ist ihr wenigstens etwas erhalten geblieben, etwas Seltsames, etwas Verwirrendes, aber wenigstens etwas, das sie über alles liebt.

Aber ich denke, für sie ist es gut, etwas Distanz zu schaffen. Die Situation ist für sie zu verwirrend. Es wird vielleicht eine Zeit kommen, in der sie lernt zu verstehen und lernt, das Unannehmbare anzunehmen. Ob bis dahin Wochen, Monate oder Jahre verstreichen, bleibt ungewiss. Bis dahin bleibe ich in der Hoffnung, dass diese tiefe Liebe, die uns immer verbunden hat und heute noch verbindet, stark genug ist, dass wir lernen damit umzugehen und wir irgendwann wieder zu einander finden…….. bis dahin werde ich warten, mit der Rose in der Hand, die sie mir einst schenkte.

Das Gedicht werde ich verschieben, weil ich es nicht in den Kontext der Verzweiflung stellen möchte sondern in den Kontext des Trostes und der Hoffnung.

Can you forgive me again?
I don’t know what I said
But I didn’t mean to hurt you

I heard the words come out
I felt that I would die
It hurt so much to hurt you

Then you look at me
You’re not shouting anymore
You’re silently broken

(Evanescence – Forgive Me)

Stay true!

Verändere Dich nie um anderen zu gefallen,
wenn jemand Dich nicht so liebt wie Du bist,
hat er Dich anders auch nicht verdient.

Glücklichsein nur weil man ist

Als ich heute im Geschäft sass, ging mir plötzlich wie angeworfen etwas durch den Kopf, das mich aufs Tiefste erschütterte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass man den ganzen Tag lang einfach glücklich ist, egal was passiert. Früher war ich glücklich, wenn ich mir etwas gönnte, wenn mich die Freundin liebte oder ich in sexueller Ekstase war, wenn ich mit der Harley durch schöne Gegenden fuhr. Aber dass ich glücklich bin, nur einfach weil ich bin was ich bin und wer ich bin, das war für mich bisher unvorstellbar. Wie berauschend es doch ist, wenn das Leben selbst das reinste Glück bedeutet. Endlich spüre ich am eigenen Leib, was nachfolgende Geschichte sagen möchte…

Ein Mann ging zu einem Mönch, als dieser in seinem Dorf Station sagte zu ihm: „Gib mir den Stein, den Edelstein!“
Der Mönch antwortete: „Von welchem Stein sprichst du?“
„Heute Nacht ist mir Gott erschienen und sagte zu mir: Morgen um die Mittagszeit wird ein Mönch durchs Dorf kommen und wenn er dir den Stein gibt, den er bei sich trägt, wirst du der reichste Mann des ganzen Landes. Also, gib mir den Stein!“
Der Mönch kramte in seiner Tasche und zog einen Diamanten hervor. Es war der größte Diamant der Welt, so groß wie ein Kohlkopf! Dann sagte er: „Ist das der Stein, von dem du sprichst? Ich habe ihn im Wald gefunden. Du kannst ihn haben.“
Der Mann nahm den Stein und lief nach Hause. Doch als die Nacht kam und er sich schlafen legte, brachte er kein Auge zu. Am nächsten Morgen, zu früher Stunde, ging er an den Ort zurück, an dem der Mönch friedlich unter einem Baum schlief. Er weckte ihn und sagte: „Da hast du deinen Stein wieder. Gib mir lieber den Reichtum, der es dir so leicht macht, den Reichtum wegzuwerfen.“

Das letzte Outing – wenn der Sohn zur Tochter wird

Outings sind immer schwer, aber bei den eigenen Kindern und Eltern ist es am schwierigsten. Das Gespräch mit meinem Vater musste ich leider umstandsbedingt lange verschieben und heute war es nun soweit. Ich hatte enorme Angst, dass ich ihn mit dieser Nachricht irgendwie in Verzweiflung stürze oder daraus Konflikte und Ablehnung entstehen.

Aber einmal mehr durfte ich zu meiner grossen Überraschung feststellen, dass das persönliche Umfeld viel verständnisvoller mit meiner Veränderung umgeht als ich im Voraus angenommen hätte. Grundtenor war sinngemäss, dass nur eines wichtig ist, dass es mir nun viel besser geht als früher.

Das ist wirklich Ausdruck von Liebe, wenn das Wohl des eigenen Kindes wichtiger ist als dass es irgendwelchen gesellschaftlichen Normvorstellungen entspricht……… thanks, Daddy!

Wenn Worte das Herz in tausend Teile zerschneiden

Und wenn ihr redet
Wessen Geist ist eurer vielen Worte Inhalt?
Wart ihr jemals an dem Abgrund zwischen Herz und dem Verstand?
Könnt ihr sagen: Ich erlerne mich?
Eure schreckliche Einfältigkeit
Zu glauben was man euch erzählt:
Natürlichkeit und Selbstbestimmung
Aber bitte nur im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Heute im Pub kurz vor Torschluss begann meine Sitznachbarin sich darüber auszulassen, dass ihr Ex “plötzlich” eine Geschlechtsumwandlung anstrebt und dass er den Kindern sagte, dass er nun als Frau leben will. Sinngemäss sagte sie: “so öppis machsch doch eifach nöd”.

Nein Dumpfbacke, sowas macht man nicht einfach so, man tut es wenn man ein Leben lang durch die Hölle gegangen ist, sich ein Leben lang verleugnen musste und irgendwann diese Lüge einfach nicht mehr erträgt. Das und vieles mehr hätte ich ihr gerne gesagt, anstelle dessen habe ich fluchtartig mein Zeug zusammengepackt und bin mit meinem blutenden Herz nachhause gelaufen.

Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig Verstand und Einfühlungsvermögen gewisse Mitmenschen haben. Und es wird mir wieder einmal klar, dass ich von dieser Welt kein Verständnis erwarten kann.

Wie dumm und ignorant und gefühlslos muss man sein, um allen Ernstes zu glauben, dass jemand so einen schweren Weg einschlägt auf dem er so einen hohen Preis zahlt und so ziemlich alles verliert was einem lieb sein kann, nur aus einer spontanen Sonntagslaune heraus?

Ich habe diese Welt noch nie verstanden und bin schon immer verzweifelt gewesen über die Oberflächlichkeit meiner Spezies, aber in so Momenten bin ich einfach nur noch traurig, verzweifelt und ratlos.



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