T-Girl Diana

Tagebuch einer transsexuellen Frau

Diana – ein neuer Anfang

Vielleicht bin ich letztlich eine dieser Fragen,
deren Antwort sich die Blösse gibt, ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade)

diana-001Hallo, ich bin Diana, eine Trans-Frau am Anfang ihrer Geschlechtsangleichung – mit anderen Worten, ich bin transsexuell.

Seit ich denken kann, empfinde ich mich als ein weibliches Wesen, das durch eine seltsame Laune der Natur in einen männlichen Körper eingesperrt wurde. Anfang dieses Jahres kam der Punkt, an dem ich dieses “Spiel des Lebens” nicht mehr mitspielen konnte, seit da lebe ich offiziell als Frau, futtere fleissig Hormone, geniesse das Leben in meiner wahren Identität….. und trotze der Tatsache, dass die Welt mich deswegen für verrückt hält

Apropos verrückt: Ich spiele leidenschaftlich Great Highland Bagpipe (schottischer Dudelsack), bin zwar erst Anfängerin, dafür aber umso enthusiastischer. Warum jemand so ein Instrument spielt, lässt sich nicht erklären, man muss es einfach tun, dann weiss man, weshalb man nie wieder damit aufhören kann

In vielerlei Hinsicht bin ich ein sehr leidenschaftliches Wesen, Mittelmässigkeit ist mir ein Gräuel. Alles was ich mit Liebe tue, will ich auch so exzessiv wie möglich tun, egal ob es dabei um Liebe, Sex, Musik oder sonst etwas Wesentliches geht, hier gibt es nur alles oder nichts, voll dabei sein oder es bleiben lassen.

Wenn ich meine Wesensart etwas tierisch umschreiben müsste, würde ich sagen: ich bin kuschlig und zärtlich wie ein Kätzchen, feinfühlig wie eine Schlange, sanftmütig wie ein Reh…. und wenn nötig renitent wie ein Pumaweibchen

Über dieses Blog

Dieses Blog dient einerseits mir selbst als Tagebuch, anderseits soll es Interessierten, Betroffenen und Bekannten die Möglichkeit bieten, den Transformationsprozess einer Trans-Frau zu verfolgen.

Es ist erlaubt und erwünscht, dass die Blogbeiträge von Lesern kommentiert werden, es werden jedoch nur Kommentare zugelassen, die zum entsprechenden Thema ernsthaft Stellung nehmen. Damit das Blog sauber bleibt, werden alle neuen Kommentare zuerst zurückgehalten und müssen von mir authorisiert werden.

Die verbeulte Kugel

die-verbeulte-kugel

Sehn Sie mich bitte nicht so an, ich weiss dass ich etwas seltsam aussehe….. nein ich bin kein Würfel, ich bin eine verbeulte Kugel….. ja ich weiss dass ich ähnlich aussehe wie ein sehr seltsamer Würfel, aber das liegt daran dass ich eben kein Würfel bin sondern eine verbeulte Kugel.

Ich weiss das mit Bestimmtheit, ich kam schon als Kugel zur Welt. Schon damals wollte mir das niemand glauben, alle hielten mich für einen unförmigen Würfel. So begannen sie, an mir rumzudrücken, rumzuwürgen, rumzuhämmern, schlugen mir mal links eine, mal rechts eine und so kam es dann, dass aus mir halt mit der Zeit eine ziemlich verbeulte Kugel wurde. Irgendwie schafften sie es in all der Zeit nicht, mich in eine Würfelform zu kriegen. Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja eine Kugel. Wie in aller Welt soll aus einer Kugel ein Würfel werden?
Immer und immer wieder habe ich es ihnen gesagt, bin sogar demonstrativ rumgerollt, damit wirklich auch der hinterst und letzte Depp merkt, dass ich eine Kugel bin. Aber nein, jedesmal nur dieses „Ach jetzt rollt dieser Scheisswürfel schon wieder“ und dann sofort n’paar links, n’paar rechts und dann ab in eine Ecke.

Das Leben als unvollkommener Würfel ist echt anstrengend, fast so anstrengend wie das als verbeulte Kugel. Aber was will man machen, hätten sie mir doch nur von Anfang an geglaubt, dass ich eine Kugel bin. Ich wette, aus mir wär eine richtig schöne Kugel geworden, aber eben, im Nachhinein ist man ja oft schlauer…….. oft, ja aber leider nicht immer.

So ich muss jetzt eins weiter, hab noch n’Termin bei meinem Psychiater. Der behandelt mich weil er denkt, ich würde mich für eine Kugel halten. Irgendwie bin ich froh um meinen Psychiater, das Leben ist manchmal wirklich sehr sehr verwirrend.

Rosenstolz – Zarah in Ketten

Und wenn Zarah lacht
ist sie jung und schön
wenn sie träumt
kann keiner sie versteh’n

Denn sie träumt im Hier wie es ihr gefällt
mit viel Licht und langsam wird sie geh’n
Zarah hat nie die Wirklichkeit geseh’n
das hat sie nie interessiert
im weißen Kleid sah’ man sie oft steh’n
und der Blick war fasziniert

Zarah in Ketten, nicht mal der Wind erzählt ihr Lied
nicht von dem, was nie war und es wird nie sein
Zarah im Dunkeln und es wird nie wieder hell
diese Trauer macht blind, sie erkennt nichts mehr

Und wenn Zarah tanzt, ist sie ganz allein
denn noch nie war sie zum Tanzen aus
nur in ihrer Welt war sie groß und stark
doch sie kam aus ihrer Welt nie raus

Dann hätt’ sie gern die Wirklichkeit geseh’n
doch zu spät die Tür war zu
Im schwarzen Kleid hab’ ich sie geseh’n
und der Blick war ohne Ruh’

Tag der Entscheidung – ich lebe nun als Frau

schmetterling-01Vier Jahrzehnte habe ich darunter gelitten, nicht ich selbst sein zu dürfen. Als weibliches Wesen in einem männlichen Körper gefangen zu sein und damit in eine Geschlechterrolle gezwungen zu sein, die dem Innersten radikal widerspricht, das ist kein Leben sondern eine Tortur.

Zwei Jahrzehnte habe ich dagegen angekämpft, versuchte zu verdrängen, zu therapieren, aber erst viel später musste ich anerkennen, dass sich die Geschlechtsidentität nicht ändern lässt. Sie entsteht in frühster Kindheit und ist dann durch nichts mehr veränderbar. Wenn ich also die Diskrepanz zwischen der Geschlechtsidentität und dem biologischen Geschlecht nicht mehr ertragen kann, was anderes kann ich dann noch tun als den Körper der Seele anzupassen?

Seit dem letzten Sommer habe ich mich intensiv diesen Fragen gestellt und es gewagt, selbst das Undenkbare zu denken. Kann ich weiterhin die Lüge meines Lebens weiterspielen? Bin ich stark genug um wider allem gesellschaftlichen Druck mein weibliches Ich zu leben? Bin ich bereit, mich all den Diskriminierungen und dem Gelächter auszusetzen nur um zu sein was ich bin? Bin ich bereit meine Sexualität, meine Beziehungschancen, meinen sozialen Status, meine Gesundheit und vieles mehr aufs Spiel zu setzen? Ist das Ich-Sein so wichtig, dass ich diesen hohen Preis für meine Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung zu bezahlen bereit bin? Habe ich überhaupt noch eine andere Wahl?

In den letzten Tagen fiel der Entscheid, ich verspüre keine Bereitschaft mehr, dieses Spiel des Lebens weiter so zu führen und weitere Jahrzehnte die männliche Maske zu tragen, nur um mein weibliches Ich weiter im Kerker meiner Seele einzusperren. Ich will leben und ich werde leben, selbst wenn es das Letzte ist was ich tun werde.

Ja ich bin bereit diesen Preis dafür zu zahlen und ich bin bereit, die ganze Welt vor den Kopf zu stossen, ich bin bereit die Frau zu leben, die ich innerlich schon immer war. Macht also Platz, ein neues Wesen betritt die Welt und nichts und niemand wird sie noch aufhalten können. Die Zeit ist reif für Diana, öffnen wir das Tor zum Kerker der Seele und lassen sie raus.

Vorbereitung auf den grossen Tag

vor-dem-durchbruchEin surreales Gefühl hat mich gepackt, ein Gemisch aus Angst und Euphorie. The point of no return ist überschritten, die Frage ist beantwortet, die Zukunft bestimmt. Es gibt kein zurückblicken mehr, jetzt darf es nur noch ein vorwärts geben.

In wenigen Tagen wird mein neues Leben beginnen, dazu gibt es vieles vorzubereiten. Ein Termin bei der Hausärztin um die Hormonbehandlung einzuleiten. Ein Termin beim Coiffeur, ein Termin zur Bart-Laserepilation und eine Agenda, wann welches Outing stattfindet.

Mein Boss ist leider noch bis zum 20. Januar in den Ferien, bis dahin habe ich Zeit alles vorzubereiten.
Dann beginnt mein erstes richtiges Leben…… ob ich wirklich stark genug bin für diesen Weg?

Das erste Outing und ein verzweifeltes Kind

pain-and-sorrow-1Ich wusste, dass das Outing bei meiner zwölfjährigen Tochter das Schwierigste sein wird und dass ich alle Kraft brauchen werde, um das durchzustehen. Trotzdem war ich erschüttert, wie schlimm es wirklich wurde. Wenn man ein Kind so liebt wie ich meine Tochter liebe, dann zerreisst es einem das Herz, wenn man dieses geliebte Kind so erschüttern muss. Einem Kind zu sagen, dass der Vater nun eine Frau sein wird, ist unerträglich für Beide.

Die erste Reaktion war, dass sie sagte, sie würde nie wieder zu mir kommen – der Super-GAU war eingetreten – und damit waren wir beide wohl am schlimmsten Tag unseres Lebens angekommen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass weniger meine Veränderung als Solches das Problem war sondern ihre Angst, sich an der Seite einer „Transe“ zum Gespött zu machen. Mir wurde klar, dass ich hier meinen einzigen Kompromiss machen musste, wenn ich sie nicht verlieren wollte, also versprach ich ihr, an den Wochenenden an denen sie zu mir kommt in meiner alten Rolle zu leben. Ich dachte, ich habe ja 40 Jahre lang so gelebt, da werde ich auch 2 Tage in 2 Wochen nochmal so leben können. Wie schwer das wirklich sein würde, wurde erst später klar.

Aber das Wichtigste war, ich verlor meine Tochter nicht und ich kann den Schmerz den ich ihr zufüge auf ein Minimum reduzieren. Nie habe ich sie so verzweifelt gesehen und ich hasste mich für das was ich ihr antue. Aber ich war an einem Punkt, an dem ich keine andere Wahl mehr hatte. Ich hoffe, dass sie das irgendwann verstehen wird.

Die Transformation beginnt, die ersten Hormone

transformationMein erstes Gespräch bei meiner Hausärztin war ein voller Erfolg. Sie zeigte Verständnis für meine Situation und da klar war, dass ich meine Hormone notfalls im Internet bestelle, gab sie mir gleich das erste Pack Cypestra-35 mit. Schon auf dem Heimweg nahm ich die erste und so verrückt es klingen mag, für mich war dieser Moment die Geburtsstunde meiner Weiblichkeit. Von diesem Tag an würden in meinem Körper Östrogene ihre Arbeit leisten und der Prozess, der meinen Körper meinem Innersten angleicht, hatte heute begonnen. Seit heute bin ich kein Mann mehr sondern eine werdende Frau.

Das Outing im Geschäft

Nach diesem Tag habe ich mich gesehnt, es ist der letzte Tag meines alten Lebens, das letzte Mal, dass ich in meiner alten Rolle leben muss. Mein Boss war endlich aus den Ferien zurück und damit konnte ich endlich die Runde machen im Geschäft und mich sozusagen von allen verabschieden.

Als Erstes gabs das Gespräch mit meinem Teamchef und dem Firmenbesitzer. Ich erzählte ihnen mit ein paar Sätzen, dass ich mein Leben radikal auf den Kopf stellen werde und fortan als Frau leben werde. Zu meiner grossen Überraschung hatten beide damit nicht das Geringste Problem. Wir haben Dich als guten Softwareentwickler geschätzt, also werden wir Dich auch als gute Softwareentwicklerin schätzen.

Dann gings weiter von Büroraum zu Büroraum und überall erklärte ich mit ein paar Sätzen, dass ich von morgen an Diana sein werde. Auch das ging zu meiner Überraschung schmerzlos über die Bühne. Ich erntete zwar als Erstes erstaunte Blicke, aber unter dem Strich begegneten mir meine Mitarbeiter mit verblüffender Akzeptanz.

Das Ganze zog sich über ca 3 Stunden, am Schluss war ich ziemlich „uf dä Schnurre“ aber überglücklich, dass ich nun nichts mehr zu verstecken hatte und dass ich mein altes Ich nun endlich begraben konnte. Der Tod kann eine wunderschöne Sache sein, wenn eine Widergeburt ansteht

Der erste Tag als Frau – hurra ich lebe!

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde… und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

diana-beginnt-zu-leben

Als ich am morgen aufwachte, wurde ich vom ersten Moment an von einer euphorischen Freude durchflutet, die ich noch nie erlebt hatte. Von heute an bin ich ich selbst, heute ist mein erster Tag als Diana. What a feeling!

Es war mir wichtig, dass ich weder mich noch mein Umfeld überforderte und versuchte schon gar nicht, mich nun als Frau zu verkleiden. Ich habe bisher eine Maske getragen und will diese nun nicht durch eine Neue ersetzen. Also ging ich äusserlich gar nicht soviel anders ins Geschäft als bisher. Das Jäggli wechselte die Farbe von schwarz auf lila, ein paar neue Schuhe die eher androgyn waren kamen dazu und etwas Schmuck. Alles in allem war ich äusserlich eher als feminimer Mann wahrnehmbar.

Als ich das Büro betrat, war ich hinundhergerissen zwischen Angst und Euphorie. Es war als ob ich das erste Mal dort erscheinen würde. Die meisten liessen bei der Begrüssung den Namen weg, ein kurzes „Hoi“ kam und mir war das doch lieber als wenn sie mich mit dem alten Namen angesprochen hätten. Es war für alle wohl ziemlich verwirrend, mich nun plötzlich als Frau wahrzunehmen und anzusprechen. Und so war es dann auch kein Wunder, dass ich im Verlauf des Tages häufiger mit meinem alten Namen angesprochen wurde als mit dem Neuen. Aber das machte mir nichts aus, das habe ich erwartet und ich würde meinem Umfeld noch viel Zeit geben müssen, bis sie da hinein gewachsen sind.

Aber etwas war absolut verblüffend. An diesem ersten Tag war ich so glücklich wie nie vorher, ich fühlte mich unbeschreiblich frei, ich war endlich mich selbst.

Die erste Zugfahrt – wenn Blicke schmerzen

Schaut mich nicht an!
Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren
Einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Bisher habe ich die Öffentlichkeit gemieden wo es nur geht, heute musste ich aber erstmals mit der S-Bahn im Feierabendverkehr nach Zürich zum Therapeuten fahren. Puh das war harte Knochenarbeit. Ich hätte mich am liebsten unter einem Schleier versteckt, wurde von vielen angeschaut als ob ich von einem anderen Planeten käme und mein Körper wurde von Stresshormonen nur so geflutet. Meine Verunsicherung und mein mangelndes Selbstbewusstsein waren so offensichtlich, dass ich erst Recht auffiel wie eine bunte Hündin. Es war ein regelrechter Spiessrutenlauf und als ich dann endlich wieder zuhause war, war ich erschöpft wie nach einem Marathon.

Ich werde noch viel an mir arbeiten müssen um ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Es ist wirklich nicht einfach, selbstbewusst zu sein, wenn einem die Welt belächelt oder gar mit Verachtung begegnet. Aber das war ein Teil des Preises den ich zu bezahlen hatte und den ich bewusst in Kauf nahm, da muss ich einfach durch.

Eine Rose von meiner Tochter

rote-rose-01Meine Tochter kam heute zum zweiten Mal seit dem Outing zu mir ins Wochenende und als ich die Tür öffnete, bin ich fast aus den Schuhen gefallen. Sie stand da und streckte mir eine einzelne rote Rose entgegen.

Es war als ob sie damit die Frau in mir begrüsst und ihre Akzeptanz so ausdrückt. Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben, diese Rose würde noch jahrzehntelang an der Wand hängen. Es war das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe.

Outing in der Pipes and Drums Band

bagpipe-warning-1Seit über einem Jahr nehme ich Unterricht auf der Great Highland Bagpipe (schottischer Dudelsack) bei einer Pipes and Drums Band. Dieses Outing machte mir grosse Sorgen, denn als Band steht man in der Öffentlichkeit und es war nicht absehbar, ob die Bandmitglieder ein Problem damit haben, eine „Transe“ in ihrer Band zu haben. Aber auch hier stiess ich auf verblüffend hohe Akzeptanz. Ich hatte wirklich Angst, dass ich nun nicht mehr als Bandmitglied erwünscht bin, aber man versicherte mir, dass auch für Leute wie mich Platz in dieser Band ist. Das wiederum bedeutet mir sehr viel, denn ich liebe diese Musik über alles und die Band ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen.

Das Brustwachstum geht los

brustwachstumWow, schon wenige Tage nachdem ich die Dosis erhöht habe, geht im Brustbereich heftig die Post ab. Es zieht und kitzelt, die Brustwarzen sind mega empfindlich und ich spüre richtig wie da etwas entsteht. Unter der Brustwarze bildet sich so ein kleiner Knollen und wie mir meine Ex-Freundin versicherte, hats bei ihr genauso angefangen. Niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen, was für Glücksgefühle es auslöst, wenn plötzlich das Brustwachstum spürbar wird. Seit meiner Pupertät habe ich davon geträumt, dass das passiert und nie hätte ich gedacht, dass dieser Traum irgendwann Wirklichkeit wird. Meine zweite Pupertät hat begonnen und diesmal bin ich wirklich glücklich mit den Veränderungen, die die Pupertät mit sich bringt

Neues Selbstbewusstsein als Trans-Frau

selbstbewusste-trans-frauMittlerweile lebe ich seit zwei Monaten als Frau und habe einige Spiessrutenläufe an der Öffentlichkeit hinter mir. Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich in einem vollgestopften Zug sitze und mir keine Gedanken darüber mache, was andere über mich denken.

Es ist eine neue Art Selbstbewusstsein in mir entstanden. Es macht mir nichts mehr aus, dass man mich als Transsexuelle erkennt, im Gegenteil, genau das bin ich und genau darauf bin ich stolz. Ich stelle an mich nicht den Anspruch, von der Öffentlichkeit als biologische Frau wahrgenommen zu werden sondern bin stolz darauf, eine Trans-Frau zu sein. Das war einer der wenigen Punkte vor denen ich mich gefürchtet habe, dass ich nie die Stärke finden werde um damit umzugehen. Umso erfreuter bin ich, dass ich schon nach zwei Monaten mit aufrechtem Gang durch die Welt stöckeln kann und mich dabei gut fühle.

Unterdessen gehe ich auch mal am Samstag Nachmittag an die Zürcher Bahnhofstrasse, vorbei an tausenden von Leuten und shoppe vergnügt von einer Boutique zur Anderen. Je länger desto mehr fühlt sich mein neues Leben einfach normal an, was könnte ich mir da noch mehr wünschen.

Ein unerreichbares Ziel anstreben

blitz-1Es gibt wohl keine grössere Herausforderung
als ein Ziel anzustreben,
das nie wirklich erreicht werden kann.

(Diana)

Erstgespräch an der Psychiatrischen Universitätsklinik

20090412-1aDie letzten Tage habe ich mir unheimliche Sorgen gemacht, weil ich befürchtete, dass mich die Jungs an der Psychiatrischen Universitätsklinik auf dem Scheiterhaufen verbrennen, weil ich ohne göttlichen äh ärztlichen Segen Hormone nehme. Ausserdem hatte ich auch Angst, dass sie mich nicht ernst nehmen und meine Selbstdiagnose nicht bestätigen. Das ist leider ein bisschen das Elend von uns T-Girls. Transsexualität ist nicht messbar, es ist primär eine Selbstdiagnose und der Arzt kann nur versuchen herauszufinden, wie authentisch diese Selbstwahrnehmung ist und ob irgendwelche Krankheiten vorliegen, die eine Transsexualität in Frage stellen würden.

Zu meiner grossen Überraschung fühlte ich mich dort nicht seziert und zerlegt sondern sehr verstanden und wahr!-genommen. Schlussendlich sagte mir der Oberarzt, er würde Transsexualismus (so nennen die das neuerdings) als „Verdachtsdiagnose“ stellen. Soweit ein grosser Erfolg, scheinbar sieht er in mir dasselbe wie ich selbst.

Aber was die Hormone anbelangt, war er genauso stur wie ich. Glücklicherweise akzeptiert er, dass ich mich nicht an ihren Standard halte und mich selbst therapiere, aber er selbst fühlt sich diesem Standard verpflichtet und wird mir keine Hormone verschreiben bis Ende Jahr. Das ist insofern schade, weil ich mich dadurch Risiken aussetzen muss, die eigentlich nicht nötig wären. Aber was will man machen, wenn die Einhaltung eines Behandlungsstandards wichtiger ist als die Gesundheit der Betroffenen, dann muss ich das halt akzeptieren. Trotzdem bin ich dankbar, dass man meinen Weg respektiert. Ich werde nun einmal pro Monat an der Uni antraben und bin wirklich froh, dass ich wenigstens die therapeutische Unterstützung habe.

Classroom Pub – mein neues Zuhause

guinnessEigentlich wusste ich schon länger, dass nur 5 Minuten von zuhause weg ein kleines Pub ist (Classroom Pub). Aber da ich in den letzten Jahren nichts mehr mit der Welt zu tun haben wollte, ging ich da auch nie hin, obwohl ich Pubs eigentlich sehr mag, vorallem das dort ausgeschenkte Guinness.

Aber in letzter Zeit bemerkte ich immer wieder verblüffterweise, dass ich wieder Lust bekomme, an der Welt teilzunehmen und Menschen zu begegnen. In meinem alten Leben konnte mir die Welt nichts mehr bieten, ich hatte kein Bedürfnis, mit der damaligen Identität noch irgendwas irgendwo mit irgendwem zu unternehmen.

Als heute plötzlich wieder so eine Ausgang-Lust aufkam, guckte ich kurz im Web nach ob da im Pub was läuft und zufällig war grad ein Konzert angesagt, ich hatte noch 20 Minuten um mich parat zu machen. Ich staunte wie schnell ich mich schminkte, anzog und losstöckelte.

Dort angekommen wurde ich zwar gleich beim Eintritt mit Hitzewallungen geflutet, aber kaum war ich so richtig angekommen, kam ein seit langem nicht mehr erlebtes gutes Gefühl auf, irgendwie war ich da zuhause. Das Konzert (Calabro) war wahnsinnig schön und hat mich teils tief berührt, noch schöner wurde es aber nach dem Konzert, als ich mit Leuten ins Gespräch kam, obligate Fragen (bist Du n’Männchen oder n’Weibchen) beantwortete und zu spüren bekam, dass man mich da annimmt, so als wärs das Normalste der Welt, dass ein T-Girl dieses Pub betritt. Überhaupt zeigten mir all meine Empathie-Sensoren an, dass rund um mich rum Leute waren, die auch Wesen wie mich akzeptieren.

Als ich bei Torschluss das Pub verliess, war mir klar, dass ich nun regelmässig dort sein würde und dass ich ein neues Zuhause gefunden hatte, in dem es noch viele Freundschaften zu knüpfen gab. Ich und Ausgang? Ich und Freundschaften? Ja das Leben hatte mich wieder und es war erquickend, sich in diesem Leben zu baden.

Bin ich doch nicht lesbisch? Was geht hier vor in mir?

mann-und-frauSo schön der gestrige Pub-Besuch auch war, etwas gabs das mich mehr als nur verwirrt und mein Selbstverständnis in unerwarteter Weise in Frage stellt. Für mich war von Anfang an klar, dass ich in meinem neuen Leben gleich doppelt stigmatisiert sein würde. Ich bin transsexuell und auch noch lesbisch dazu.

Seit ich denken kann, waren mir die Mädels immer lieber als die Jungs und ich verliebte mich auch immer in Mädels und hatte nur mit ihnen Sex. Deshalb war für mich klar, dass sich da nichts ändern würde, was übrigens einer der Hauptgründe war, weshalb ich solange gegen meine Transsexualität ankämpfte. Meine Frauwerdung würde meine Beziehungschancen mit Frauen ziemlich massiv reduzieren, das war stets ein Todschlagargument.

Aber gestern im Pub musste ich mit Befremden Gefühle in mir wahrnehmen, die ich für völlig unmöglich gehalten habe. Es gab plötzlich Jungs um mich rum die mein Interesse weckten. Mir fiel einer auf der ein zuckersüsses Lächeln hatte und überhaupt entdeckte ich ein leises und sanftes Bedürfnis in mir, von einem Mann umworben und erobert zu werden *urks*. Irgendwie kann ich mir absolut nicht vorstellen, mit einem Mann eine Beziehung zu führen und von One-Night-Stands halte ich eh nix. Trotzdem zieht es mich plötzlich in diese Richtung (ich mein Jungs, nicht One-Night-Stands) und ich fühle Dinge, die ich nicht fühlen will und die mich arg verwirren. Bin ich doch nicht lesbisch?

Zum ersten Mal passiert etwas in mir, das ich echt nicht erwartet hatte, als ich diesen Weg einschlug.
Wo das wohl hinführt?

Stay true!

Verändere Dich nie um anderen zu gefallen, wenn jemand Dich nicht so liebt wie Du bist, hat er Dich anders auch nicht verdient. stay-true

Glücklichsein nur weil man ist

frausein-1 Als ich heute im Geschäft sass, ging mir plötzlich wie angeworfen etwas durch den Kopf, das mich aufs Tiefste erschütterte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass man den ganzen Tag lang einfach glücklich ist, egal was passiert. Früher war ich glücklich, wenn ich mir etwas gönnte, wenn mich die Freundin liebte oder ich in sexueller Ekstase war, wenn ich mit der Harley durch schöne Gegenden fuhr. Aber dass ich glücklich bin, nur einfach weil ich bin was ich bin und wer ich bin, das war für mich bisher unvorstellbar. Wie berauschend es doch ist, wenn das Leben selbst das reinste Glück bedeutet. Endlich spüre ich am eigenen Leib, was nachfolgende Geschichte sagen möchte…

Ein Mann ging zu einem Mönch, als dieser in seinem Dorf Station sagte zu ihm: „Gib mir den Stein, den Edelstein!“
Der Mönch antwortete: „Von welchem Stein sprichst du?“
„Heute Nacht ist mir Gott erschienen und sagte zu mir: Morgen um die Mittagszeit wird ein Mönch durchs Dorf kommen und wenn er dir den Stein gibt, den er bei sich trägt, wirst du der reichste Mann des ganzen Landes. Also, gib mir den Stein!“
Der Mönch kramte in seiner Tasche und zog einen Diamanten hervor. Es war der größte Diamant der Welt, so groß wie ein Kohlkopf! Dann sagte er: „Ist das der Stein, von dem du sprichst? Ich habe ihn im Wald gefunden. Du kannst ihn haben.“
Der Mann nahm den Stein und lief nach Hause. Doch als die Nacht kam und er sich schlafen legte, brachte er kein Auge zu. Am nächsten Morgen, zu früher Stunde, ging er an den Ort zurück, an dem der Mönch friedlich unter einem Baum schlief. Er weckte ihn und sagte: „Da hast du deinen Stein wieder. Gib mir lieber den Reichtum, der es dir so leicht macht, den Reichtum wegzuwerfen.“



Copyright © 2010 by: T-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.

Nächstes Kuschelwochenende mit Juliet in 13 Tagen, 11 Stunden, 0 Minuten