Diana – ein neuer Anfang
Vielleicht bin ich letztlich eine dieser Fragen,
deren Antwort sich die Blösse gibt, ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade)
Hallo, ich bin Diana, eine Trans-Frau am Anfang ihrer Geschlechtsangleichung – mit anderen Worten, ich bin transsexuell.
Seit ich denken kann, empfinde ich mich als ein weibliches Wesen, das durch eine seltsame Laune der Natur in einen männlichen Körper eingesperrt wurde. Anfang dieses Jahres kam der Punkt, an dem ich dieses “Spiel des Lebens” nicht mehr mitspielen konnte, seit da lebe ich offiziell als Frau, futtere fleissig Hormone, geniesse das Leben in meiner wahren Identität….. und trotze der Tatsache, dass die Welt mich deswegen für verrückt hält
Apropos verrückt: Ich spiele leidenschaftlich Great Highland Bagpipe (schottischer Dudelsack), bin zwar erst Anfängerin, dafür aber umso enthusiastischer. Warum jemand so ein Instrument spielt, lässt sich nicht erklären, man muss es einfach tun, dann weiss man, weshalb man nie wieder damit aufhören kann
In vielerlei Hinsicht bin ich ein sehr leidenschaftliches Wesen, Mittelmässigkeit ist mir ein Gräuel. Alles was ich mit Liebe tue, will ich auch so exzessiv wie möglich tun, egal ob es dabei um Liebe, Sex, Musik oder sonst etwas Wesentliches geht, hier gibt es nur alles oder nichts, voll dabei sein oder es bleiben lassen.
Wenn ich meine Wesensart etwas tierisch umschreiben müsste, würde ich sagen: ich bin kuschlig und zärtlich wie ein Kätzchen, feinfühlig wie eine Schlange, sanftmütig wie ein Reh…. und wenn nötig renitent wie ein Pumaweibchen
Über dieses Blog
Dieses Blog dient einerseits mir selbst als Tagebuch, anderseits soll es Interessierten, Betroffenen und Bekannten die Möglichkeit bieten, den Transformationsprozess einer Trans-Frau zu verfolgen.
Es ist erlaubt und erwünscht, dass die Blogbeiträge von Lesern kommentiert werden, es werden jedoch nur Kommentare zugelassen, die zum entsprechenden Thema ernsthaft Stellung nehmen. Damit das Blog sauber bleibt, werden alle neuen Kommentare zuerst zurückgehalten und müssen von mir authorisiert werden.

Vier Jahrzehnte habe ich darunter gelitten, nicht ich selbst sein zu dürfen. Als weibliches Wesen in einem männlichen Körper gefangen zu sein und damit in eine Geschlechterrolle gezwungen zu sein, die dem Innersten radikal widerspricht, das ist kein Leben sondern eine Tortur.
Ein surreales Gefühl hat mich gepackt, ein Gemisch aus Angst und Euphorie. The point of no return ist überschritten, die Frage ist beantwortet, die Zukunft bestimmt. Es gibt kein zurückblicken mehr, jetzt darf es nur noch ein vorwärts geben.
Ich wusste, dass das Outing bei meiner zwölfjährigen Tochter das Schwierigste sein wird und dass ich alle Kraft brauchen werde, um das durchzustehen. Trotzdem war ich erschüttert, wie schlimm es wirklich wurde. Wenn man ein Kind so liebt wie ich meine Tochter liebe, dann zerreisst es einem das Herz, wenn man dieses geliebte Kind so erschüttern muss. Einem Kind zu sagen, dass der Vater nun eine Frau sein wird, ist unerträglich für Beide.
Mein erstes Gespräch bei meiner Hausärztin war ein voller Erfolg. Sie zeigte Verständnis für meine Situation und da klar war, dass ich meine Hormone notfalls im Internet bestelle, gab sie mir gleich das erste Pack Cypestra-35 mit. Schon auf dem Heimweg nahm ich die erste und so verrückt es klingen mag, für mich war dieser Moment die Geburtsstunde meiner Weiblichkeit. Von diesem Tag an würden in meinem Körper Östrogene ihre Arbeit leisten und der Prozess, der meinen Körper meinem Innersten angleicht, hatte heute begonnen. Seit heute bin ich kein Mann mehr sondern eine werdende Frau.
Meine Tochter kam heute zum zweiten Mal seit dem Outing zu mir ins Wochenende und als ich die Tür öffnete, bin ich fast aus den Schuhen gefallen. Sie stand da und streckte mir eine einzelne rote Rose entgegen.
Seit über einem Jahr nehme ich Unterricht auf der Great Highland Bagpipe (schottischer Dudelsack) bei einer Pipes and Drums Band. Dieses Outing machte mir grosse Sorgen, denn als Band steht man in der Öffentlichkeit und es war nicht absehbar, ob die Bandmitglieder ein Problem damit haben, eine „Transe“ in ihrer Band zu haben. Aber auch hier stiess ich auf verblüffend hohe Akzeptanz. Ich hatte wirklich Angst, dass ich nun nicht mehr als Bandmitglied erwünscht bin, aber man versicherte mir, dass auch für Leute wie mich Platz in dieser Band ist. Das wiederum bedeutet mir sehr viel, denn ich liebe diese Musik über alles und die Band ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen.
Wow, schon wenige Tage nachdem ich die Dosis erhöht habe, geht im Brustbereich heftig die Post ab. Es zieht und kitzelt, die Brustwarzen sind mega empfindlich und ich spüre richtig wie da etwas entsteht. Unter der Brustwarze bildet sich so ein kleiner Knollen und wie mir meine Ex-Freundin versicherte, hats bei ihr genauso angefangen. Niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen, was für Glücksgefühle es auslöst, wenn plötzlich das Brustwachstum spürbar wird. Seit meiner Pupertät habe ich davon geträumt, dass das passiert und nie hätte ich gedacht, dass dieser Traum irgendwann Wirklichkeit wird. Meine zweite Pupertät hat begonnen und diesmal bin ich wirklich glücklich mit den Veränderungen, die die Pupertät mit sich bringt
Mittlerweile lebe ich seit zwei Monaten als Frau und habe einige Spiessrutenläufe an der Öffentlichkeit hinter mir. Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich in einem vollgestopften Zug sitze und mir keine Gedanken darüber mache, was andere über mich denken.
Es gibt wohl keine grössere Herausforderung
Die letzten Tage habe ich mir unheimliche Sorgen gemacht, weil ich befürchtete, dass mich die Jungs an der
Eigentlich wusste ich schon länger, dass nur 5 Minuten von zuhause weg ein kleines Pub ist (
So schön der gestrige Pub-Besuch auch war, etwas gabs das mich mehr als nur verwirrt und mein Selbstverständnis in unerwarteter Weise in Frage stellt. Für mich war von Anfang an klar, dass ich in meinem neuen Leben gleich doppelt stigmatisiert sein würde. Ich bin transsexuell und auch noch lesbisch dazu. 
