T-Girl Diana

Tagebuch einer transsexuellen Frau

Bin ich doch nicht lesbisch? Was geht hier vor in mir?

mann-und-frauSo schön der gestrige Pub-Besuch auch war, etwas gabs das mich mehr als nur verwirrt und mein Selbstverständnis in unerwarteter Weise in Frage stellt. Für mich war von Anfang an klar, dass ich in meinem neuen Leben gleich doppelt stigmatisiert sein würde. Ich bin transsexuell und auch noch lesbisch dazu.

Seit ich denken kann, waren mir die Mädels immer lieber als die Jungs und ich verliebte mich auch immer in Mädels und hatte nur mit ihnen Sex. Deshalb war für mich klar, dass sich da nichts ändern würde, was übrigens einer der Hauptgründe war, weshalb ich solange gegen meine Transsexualität ankämpfte. Meine Frauwerdung würde meine Beziehungschancen mit Frauen ziemlich massiv reduzieren, das war stets ein Todschlagargument.

Aber gestern im Pub musste ich mit Befremden Gefühle in mir wahrnehmen, die ich für völlig unmöglich gehalten habe. Es gab plötzlich Jungs um mich rum die mein Interesse weckten. Mir fiel einer auf der ein zuckersüsses Lächeln hatte und überhaupt entdeckte ich ein leises und sanftes Bedürfnis in mir, von einem Mann umworben und erobert zu werden *urks*. Irgendwie kann ich mir absolut nicht vorstellen, mit einem Mann eine Beziehung zu führen und von One-Night-Stands halte ich eh nix. Trotzdem zieht es mich plötzlich in diese Richtung (ich mein Jungs, nicht One-Night-Stands) und ich fühle Dinge, die ich nicht fühlen will und die mich arg verwirren. Bin ich doch nicht lesbisch?

Zum ersten Mal passiert etwas in mir, das ich echt nicht erwartet hatte, als ich diesen Weg einschlug.
Wo das wohl hinführt?


 

7 Reaktionen zu “Bin ich doch nicht lesbisch? Was geht hier vor in mir?”

  1. Bad Hair Days

    bei etwa 15 – 30% ändert sich die sexuelle Ausrichtung mit den Hormonen. Ich vermute mal das da bestimmte Hirnareale zum ersten mal überhaupt aktiviert werden. Mir ist es auch passiert :-)

  2. Diana

    *urks*….. falls das eine Abstimmung ist, ich bin dagegen ;-) naja schlussendlich ist’s ja egal, ich will einfach glücklich werden, wenn das der Weg ist, sols das der Weg sein…… aber ich hoff irgendwie immer noch, dass alles beim Alten bleibt, ich fand Mädels schon immer viel netter und einfühlsamer

  3. Svenja-and-the-City

    Ich halte es für völlig ausgeschlossen, dass sich die sexuelle Orientierung ändern kann. Darin war ich mit zweien meiner Therapeuten einer Meinung.

    Ich will nicht ausschließen, dass eine lange verdrängte Neigung schließlich zugelassen werden kann, aber grundsätzlich kann die sexuelle Orientierung sich nicht ändern. Sie ist völlig losgelöst zu sehen von der geschlechtlichen Identität. Das ist doch gerade der Trick bei der Transsexualität. Es hat eben NICHT mit Sexualität zu tun, sondern mit Identität.

  4. Diana

    @Svenja: Dieser Meinung war ich bisher auch und in der Literatur finde ich dasselbe bestätigt. Trotzdem scheint mit mir genau das zu passieren. Na mal sehen wie das weiter geht, vielleicht war da früher auch nur etwas verdrängt. Wie oben gesagt ist mir das relativ egal, es verwirrt mich zwar übelst, aber da wo die Liebe hinfällt, will ich auch sein ;-)

  5. Diana

    Vielleicht ist folgender Gedanke ein Erklärungsmodell: Ich bin der festen Überzeugung, dass unser schwarz-weiss Denken in Genderfragen völlig an der Realität vorbei geht. Niemand ist 100% männlich oder weiblich und niemand 100% hetero- oder homosexuell. Soweit meine persönliche Überzeugung.

    Wenn dem nun so ist, wäre es gut denkbar, dass sich bei jemandem durch einen Wechsel der Geschlechterrolle auch in der sexuellen Orientierung etwas ändert, nicht von schwarz auf weiss sondern von 60% auf 40%.

    Wir alle wurden so konditioniert, dass wir nur auf einer Seite stehen können und dürfen, alle anderen Anteile müssen verdrängt werden. Diese verdrängten Anteile können bei einem Gender-Change aufbrechen.

    Bei mir ist es so, dass ich immer auf Mädels stand, aber die Frage hat sich eigentlich gar nie wirklich gestellt. Auch heute sind mir Mädels eindeutig lieber und es fällt mir schwer, mir etwas anderes vorzustellen. Trotzdem tauchen neuerdings Gefühle in mir auf, die anders gelagert sind. Das nicht im Bezug auf Sex sondern auf Partnerschaft. Was ich davon halten soll, weiss ich bisher nicht, ich hab da noch einiges darüber nachzudenken und werde zu gegebener Zeit mehr darüber schreiben.

  6. kleiner Eisbär

    Liebe Diana

    Ich halte nichts für unmöglich :-) Das Leben ist eine Zauberkiste und Deine Biografie ist der Beweis dafür, wie kompliziert die Natur manchmal sein kann und wie aufrichtig und selbsttreu Menschen ihren Weg suchen und gehen.
    Ich halte auch nicht sehr viel von Männern (*fg), aber auch sie haben ihre Reize und Lust, Zu-Neigung und Phantasien sind meist spontan unkontrolliert, höchstens Dein Umgang damit kannst Du kontrollieren. Ich habe viele schöne Dinge und Überraschungen v.a. dann erlebt, wenn ich auch mal das Risiko einging, Kontrolle abzugeben. Und das sagt ein dominant veranlagter Eisbär ;-)
    Also offen bleiben, eigenen Reaktionen gegenüber neugierig sein und auf Deine Freunde hören kann auch nicht nur schaden.

    All the best kleiner Eisbär

  7. Diana

    Mein lieber Eisbär
    unmöglich ist nichts, das weiss ich spätestens seit Anfang Jahr, trotzdem fehlt einem manchmal die Hoffnung. Aber wenn ich etwas gelernt habe, dann dass ich nie “niemals” sagen sollte. Die menschliche Seele ist viel zu fascettenreich als dass man sich je einreden dürfte, sich oder Andere zu kennen. Die Kontrolle abzugeben ist ein schöner Gedanke, sich einem geliebten Menschen hinzugeben ebenfalls, da lohnt es sich wohl, auf gute Freunde zu hören ;-)

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