(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Bankgeheimnis, Steuerbetrug und politische Schildbürgerei

Ich amüsier mich grad mal wieder köstlich über die Schweizer Politik, über schwerst-demente Politiker und naive Eidgenossen. Die ganze Schweiz regt sich auf, dass die deutsche Regierung eine geklaute Daten-CD kaufen will mit einer Liste von Bankkunden. Schliesslich ist das Bankgeheimnis eine heilige Kuh in der Schweiz, Politiker verteidigen es und das Volk beteiligt sich an diesem Verteidigungskampf als ginge es ums nackte Überleben. Ok, im Rahmen das aktuell hippen Deutschen-Bashings macht es natürlich Spass, auf Deutschland loszuprügeln, aber worum gehts eigentlich?

Das Bankgeheimnis dient eigentlich niemandem, ausser denen, die illegal Geld hier deponieren. Es bräuchte nur wenig Verstand um das zu erkennen, aber wer braucht den schon in der heutigen Zeit, in der wir uns lieber über Kopftücher und Türmchen aufregen als über den Klimawandel oder Working-Poor-Probleme.

Da kommt zum Beispiel ein Politclown namens Hans Kaufmann – ein unbekannter und profilloser SVP-Genosse, der zuuuuuufällig grad im Wahlkampf steckt und bringt die glorreiche Idee, dass man Angela Merkel verhaften müsste wegen Hehlerei mit gestohlenen Daten-CDs.

Würde er ein wenig nachdenken bevor er redet, sollte ihm eigentlich klar sein, dass man eher die gesamte Schweizer Regierung verhaften müsste wegen Begünstigung zum Steuerbetrug. Ob seine verwirrte Denkweise damit zu tun hat, dass er Chefökonom der Bank Julius Bär und Finanzanalyst bei der Zürcher Kantonalbank war, lässt sich nicht abschliessend beurteilen, aber amüsant ist diese Form von geistigem Notstand ja doch irgendwie.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass ein Land, das Steuerflüchtlinge mittels Pauschalbesteuerung anlockt und deckt, sich darüber aufregt, dass die um Steuergelder bestohlenen Länder sich gegen diese Form von staatlich gestütztem Diebstahl wehren.

Ist ja auch eine Sauerei. Was geht die das an, ob wir ihnen Steuergelder klauen? Schliesslich ist die Schweiz der einzige Gottesstaat in Europa, es ist unser Recht, uns an anderen zu bereichern. Wie kommen andere Länder nur dazu, Ermittlungen zu führen nur weil wir illegales Geld horten und Steuerflüchtlingen Zuflucht bieten?

Wer von uns profitiert denn in welcher Form von diesem Bankgeheimnis? Was muss geheim bleiben, wenn es doch rechtmässig sein soll? Das sogenannte Bankgeheimnis ist nichts Anderes als koordinierter und staatlich geschützer Betrug. Dem Volk dient es nicht, wer von uns profitiert schon davon, dass man Geld verstecken kann?

Aber wenn die Stimmbürger eines Landes sogar dafür stimmen, dass die Kantone einander Steuergelder stehlen – was faktisch nur den Reichen dient – dann kann einem nicht mal mehr so ein Schildbürgerstreich wundern.

Nun denn, Steuerflüchtlinge, Diktatoren und mafiöse Organisationen dieser Welt, bringt Euer Geld hierher, wir bieten jedem Kriminellen Unterschlupf, sofern es sich denn für uns lohnt…….. naja für uns ja eigentlich nicht, aber für unsere Banken und die Politiker, die ihren Hintern mit Verwaltungsratsmandaten und Parteispenden vergolden lassen.

Ich liebe politische Real-Satire und das was hier gerade abgeht, ist mal wieder die Krönung politischer Absurdität……. und ein Armutszeugnis für ein Volk, dass nachwievor sogenannt bürgerliche Politiker wählt, die dieses Land so in den Dreck ziehen.

Interne Dokumente der Credit Suisse deuten darauf hin, dass sich in der Vergangenheit der überwiegende Teil deutscher Credit-Suisse-Kunden, die ihr Vermögen in der Schweiz anlegten, vor dem Fiskus versteckt haben könnte.
(Süddeutsche Zeitung)

Die umstrittene Nutzung gestohlener Daten ist selbst in der Schweiz juristisch erlaubt. Das Schweizerische Bundesgericht in Lausanne hat schon im Oktober 2007 einen einschlägigen Fall entschieden – und erklärt, dass die schweizerischen Steuerbehörden im Steuerstrafverfahren gestohlene Daten verwerten dürfen.
(Süddeutsche Zeitung)


 

6 Reaktionen zu “Bankgeheimnis, Steuerbetrug und politische Schildbürgerei”

  1. Morag

    Das ist ein spannendes Thema, das auch bei uns kontrovers diskutiert wird-mit ähnlich hohem Unterhaltungswert wie bei Dir in der Schweiz.

    Ich persönlich sehs ein bisschen differenzierter: klar wird das Bankgeheimnis auch für Geldwäsche und Steuerbetrug mißbraucht-und das muß geahndet werden können.
    Aber auch ich will nicht, daß jeder in Erfahrung bringen kann, wieviel Geld ich wann wem überweise-nicht, weil ich etwas zu verbergen habe, sondern weil ich der Meinung bin, daß es außer mir und dem Empfänger niemanden etwas angeht.

    Wenn der begründete Verdacht auf kriminelle Handlungen besteht, gibt es rechtstaatliche Methoden, diese Daten einzufordern.

    So aber wird mit recht abstrusen Verenkungen versucht, dem ganzen einen legalen Anstrich zu geben. Aber es ist und bleibt illegal beschaffte Information-und moralisch bleibt ein böser Nachgeschmack: “Diebstahl oder Folter sind an sich verboten, aber wenn jemand anders stiehlt oder foltert und uns die dabei gewonnenen Infos dann verkauft, ist nichts dagegen einzuwenden”?!

  2. Diana

    Beim Bankgeheimnis geht es ja nicht darum, dass ohne dies alle Kontobewegungen in der Zeitung veröffentlicht werden. Aber es kann nicht sein, dass Reiche ihr Geld im Ausland parkieren und ein Staat so Steuereinnahmen im dreistelligen Millionenbereich verliert. Denn diese ausgebliebenen Steuern müssen von Leuten wie Dir und mir ausgeglichen werden. So eine Steuerhinterziehung ins Ausland wäre für Otto Normalverbraucher viel zu aufwändig, das lohnt sich nur bei grossen Beträgen und damit wird ein ganzes Volk bestohlen.

    Aber mein Artikel peilte weniger das an als die bizarre Tatsache, dass soviele Schweizer fast durchdrehen wegen diesem Datendiebstahl, aber offenbar kein Problem damit haben, dass “wir” Steuergelder stehlen.

    Die Sache mit dem Datendiebstahl ist sicher fragwürdig, aber so etwas kommt halt davon, wenn die Schweiz jahrelang ihre schützende Hand über die Banken und ihre Steuerdiebe hält. Rechtsstaatliche Methoden helfen hier nichts, weil die Schweiz sich seit je her dagegen sperrt, da verstehe ich Deutschland, dass sie bei so einem Angebot zugreifen.

  3. Morag

    Da hab ich ja wohl grandios an Dir vorbeiargumentiert – ich hätte nicht “über den Gartenzaun” reinquatschen sollen:-/.

    Du als Schweizerin findest die schweizerische Doppelmoral nicht in Ordnung, die den Datendiebstahl verurteilt, aber kein Problem mit der von ihrem Staat gedeckten Steuerhinterziehung von Ausländern hat.
    Daß bei Euch die Wogen so hoch schlagen, ist hier noch nicht recht angekommen-aber in der Sache hast Du vollkommen recht.

    Ich hingegen stör mich mehr an der von unseren Oberen realisierten Idee, ein Unrecht (Steuerhinterziehung) durch ein anderes (Ankauf gestohlener Daten) zu “vergelten” im Sinne von “two wrongs don’t make a right” (mir fällt leider nix deutsches in dieser Richtung ein).

  4. Diana

    ne deine Argumentation stimmt ja, ich hab das vermutlich zuwenig klar betont. Der Einsatz von illegalen Mitteln zur Strafverfolgung ist extrem heikel, wie Du richtig sagst, da könnte man auch Folter erlauben. So gesehen verstehe ich auch, dass man etwas empört ist über diese Sache. Aber wenn man dabei vergisst, dass man selber eigentlich viele mehr Dreck am Stecken hat und dann lauthals loswettert, dann wird das Ganze mehr als ulkig.

  5. Gerd Zimmermann

    danke, Diana
    du hast alles gesagt, was gesagt werden sollte – in der Schweizer Öffentlichkeit aber unterdrückt wird. Hier regt man sich über gestohlene CDs (für 2,5 Miill.) auf, aber nicht über 2 Billionen und mehr ausländische Fremdgelder, die illegal gemäss Gesetzen ihrer Länder-Herkunft, jedoch legal nach Schweizer Recht (geradezu pervers) hier gebunkert wurden. Und dem Volk wird wieder mal suggeriert, alle, v.a. Deutschland/EU, wollten uns an den Kragen. Als profitiere das CH-Volk von Bankgeheimnis u. Pauschal-Besteuerung! Und als seien alle 400 Millionen EU-Bürger dumm, unterjocht, unfrei und gläserne Bürger. Welches Parlament in Europa hat (wenn überhaupt) so viele Unternehmer in seinen Parlamenten? Und von dort sollen Reformen kommen? Diese sind n u r zu erwarten unter ausländischem Druck. Bewarb sich früher ein Lehrer um einen Sitz im NR, wurde ihm gekündigt! Bloss kein Volk im “demokratischen” Parlament. Und was Mörgeli, Blocher, Köppel etc. betrifft, denen ja ständig Foren geboten werden, ihre Hass-Tiraden rauszuschreien – ja, krankhafte/ordinäre Diktion, Demagogen, deren Politik uns in den Abgrund führen würde, voller Hass, voller Abspaltung und Projektion. Die Schweiz wird immer mehr isoliert, sie tut es selber; in einer Welt, wo die anderen auf sich zugehen, um Probleme gemeinsam zu lösen. Wie die Serben Jahrhunderte glaubten, die ganze Welt sei gegen sie (eine Volksneurose), glauben hierzulande die meisten, w i r würden bedroht. Immer sind und waren es Religion und Nationalismus, deren sich die Demagogen bedienten. Köppel suggerierte doch in der ARENA vom 6.08. 2010 gegenüber Eichel, die Deutschen näherten sich dem Verhalten der Nazis gegenüber der Schweiz – welch ein widerlich verdrehtes “Argument”, aber wirksam in unserem Land, weil bei “deutsch” öffentlich alle behaupten, sie mögen Deutsche, aber unter sich ihre Vorurteile einander bestätigen. (obgleich auch uns einige verständlich scheinen…)
    Im Übrigen, Diana, lies vielleicht im BZ-Forum (Berner Zeitung) vom 2.02. 2010 meinen Leserbrief “Kein Zuhälterstaat”.
    Ich zitere aus einer Brief-Reaktion an mich: “Wir danken für Ihren LB … Alle, die zu viel Geld haben, werden krank, und man wundert sich nicht, rebellieren viele Jugendliche. Alle Schulen sollten Erich Fromms “Sein u. Haben” als Pflicht-Lektüre einführen. Die Jungen in der CH werden für dieses Sytem gedrillt. Die psychischen Schäden an der jungen Generation sind enorm … Wenn man die Gesichter der Bonzen studiert, und Menschenkenntnis hat, muss man sagen, viele gehören in die Irrenanstalt. Ihr LB bewegt sich in klaren Wassern.” – Und ihre Ausführungen auch, Diana. Meine Frau und ich danken Ihnen/dir und wünschen nur Gutes.
    Gerd u. Theres

  6. Diana

    Lieber Gerd und Theres

    da hätte ich noch fast vergessen diesen Kommentar zu beantworten. Eigentlich kann ich dazu kaum noch etwas sagen, weil Ihr bereits alles gesagt habt.

    Es ist wirklich erschreckend, wie das Geld in dieser Welt regiert. Das Volk freut sich darüber, dass mittels Pauschalbesteuerung ein Rudel Schwerreiche angelockt werden, stört sich nicht im Geringsten daran, dass die Menschen in den Herkunftsländern dieser Steuerflüchtlinge umso mehr Steuern zahlen müssen und ist dann noch empört, wenn mit illegalen Mitteln versucht wird, gegen diese Illegalität vorzugehen.

    Was die Brandstifter von SVP und Konsorten anbelangt, habe ich schon mehrmals darauf hingewiesen, dass diese Leute das Volk vergiften und in diesem Land eine Stimmung schaffen, die wir bereits vor einem halben Jahrhundert im Nachbarland hatten. Solche Politiker müssten m.E. wegen Volksverhetzung vor Gericht gestellt werden und eingebürgerte SVP-ler wie Blocher müsste nach den von diesen Kreisen so beliebten Methode ausgeschafft werden.

    Gerade ich als Nicht-der-Norm-entsprechende Frau mache mir wirklich Sorgen über die Zukunft dieses Landes. Wenn diese rechten Brandstifter, finanziert durch die von ihnen geschützten Grossbanken, dieses Land ganz übernehmen, werden für Leute wie mich schwere Zeiten anbrechen.

    Umso mehr freut es mich, dass es noch denkende Bürger wie Euch gibt, die sich auch die Mühe machen, in Leserbriefen gegen diesen kollektiven Irrsinn zu sprechen, dafür habe ich Euch zu danken.

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