(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Antirauch-Fundamentalismus unter der Lupe

Diese Woche habe ich mich sehr aufgeregt über eine Antiraucher-Kampagne einer französischen Gruppierung, in der Rauchen mit sexuellem Missbrauch gleichgesetzt wurde. Aufgrund von Reaktionen aus dem privaten Umfeld muss ich befürchten, dass ich da missverstanden wurde. Das ist nachvollziehbar, denn erstens habe ich mich wirklich grausam aufgeregt und zweitens viel zu kurz gefasst, um richtig verstanden zu werden. Dabei habe ich verschiedene Aspekte so eng zusammengefasst, dass kaum durchschaubar war, worauf ich hinauswollte. Das möchte ich nun nachholen und die einzelnen Aspekte einzeln durchgehen.

Nichts gegen Nichtraucher – ich wär es selber gerne
Um das gleich zu Beginn klarzustellen, ich habe nichts gegen Nichtraucher, ganz im Gegenteil, ich beneide sie um ihre Suchtfreiheit und wäre glücklich, auch dieser Gruppe anzugehören. Ich störe mich zwar an dem was ich Schuldprojektion nannte und das ich weiter unten ausführen werde, aber ich habe vollstes Verständnis, dass Nichtraucher nicht mit Rauch belästigt werden und bin auch der Meinung, dass sie ein Recht haben, diesbezüglich im Rahmen der Vernunft geschützt zu werden.

Bagatellisierung von sexueller Gewalt
Thema meines damaligen Beitrags und Grund meiner spürbaren Wut war eine Werbekampagne der DNF (Les Droits des Non-Fumeurs), die ein Foto zeigte, auf dem eine Frau in einer Haltung gezeigt wird, die an erzwungenen Oralsex erinnert, nur dass anstelle eines Penis eine Zigarette aus dem Schoss des Mannes ragte. Bilder sagen mehr als Worte und dieses Bild trägt zwei Botschaften. Zum einen sagt es bildhaft aus, dass Raucher genauso sind wie Vergewaltiger – eine Aussage, die aufs Gröbste ehrverletzend und völlig realitätsfremd ist. Passivrauchen ist ungesund, das will niemand abstreiten. Aber niemand wird lebenslang traumatisiert wegen einer Zigarette, sehr wohl aber wegen sexuellem Missbrauch. Die zweite Botschaft ist, dass Opfer von sexueller Gewalt eigentlich nicht schlimmer dran sind wie Passivraucher und spätens hier wird so eine Bildbotschaft einfach nur noch pervers. Oder glaubt jemand allen Ernstes, dass eine passiv mitrauchende Frau lieber vergewaltigt würde? So eine Gleichsetzung ist eine Bagatellisierung eines der schlimmsten Verbrechen, das von Männern verübt wird. Millionen von Frauen werden vergewaltigt und Millionen von Kindern sexuell missbraucht. Diesen Opfern so zu sagen, dass sie eigentlich nur sowas wie passiv geraucht hätten, ist menschenverachtend. Wer solche Vergleiche zieht, hat offensichtlich jeglichen Realitätssinn verloren oder ist ein gewissenloser Mensch, dem jede Achtung vor der Würde des Menschen fehlt. In meinen Augen ist sexuelle Gewalt eines der schlimmsten Verbrechen das es gibt und bis heute wird es juristisch als Bagatelldelikt behandelt, die meisten sexuellen Gewalttaten werden nicht bestraft, weil sie entweder nicht beweisbar sind oder weil es ja nicht so schlimm war. Und genau so idiotische Verzerrungen wie dieses Bild bestärken diese Tatsache und sie ermutigen Täter gerade dazu, einer wehrlosen Frau bei Gelegenheit “mal eine Zigarette anzubieten”.

Gleichstellung von RaucherInnen und Mördern
Das zuweite Bild meines Beitrags zeigte ein original Foto eines Mafia-Mordes. Ein Mann liegt in einem Restaurant tot in einer Blutlache, ein Mafia-Killer hat gemütlich das Lokal betreten und diesen Mann kaltblütig und vorsätzlich erschossen. Die Fanatiker der Zürcher Lungenliga missbrauchten dieses Bild um zu illustrieren, dass Passivrauchen tödlich sein kann. Aber mit diesem Bild setzen sie RaucherInnen mit Mördern gleich, mit Menschen die für Geld kaltblütig und bewusst andere Menschen töten. Auch hier gilt dasselbe wie oben. Zum einen ist es realitätsfremd und höchstgradig ehrverletzend, RaucherInnen mit kaltblütigen Mördern gleichzusetzen. Zum anderen ist es ein Schlag ins Gesicht aller Erschossenen und Erstochenen dieser Welt, wenn der Mord an ihnen mit dem Rauchen einer Zigarette gleichgesetzt wird. Überzeichnete Bilder sind gut und manchmal wichtig, um die Dramatik von etwas darzustellen. Aber so eine Gleichsetzung ist wirklich völlig jenseits der Realität. Oder wäre es angepasst, auf die Risiken von Autounfällen hinzuweisen mit Bildern von Auschwitz? Sorry aber irgendwo hat jede Überzeichnung ihre Grenzen und da wurde ein Mass überschritten, das nur von sehr kranken und fanatisierten Hirnen stammen kann.

Schuldprojektion und Recht auf saubere Luft – aber bitte mit dem Auto
Vielleicht war es ein Fehler, dass ich mir in der Mitte des Beitrags einen Seitenhieb nicht verkneiffen konnte, indem ich sagte, dass ich das Recht von Nichtrauchern respektiere und selbstverständlich davon ausgehe, dass sie selber kein Auto fahren, weil sie ja sonst als Luftvergifter kaum den Anspruch auf saubere Luft erheben dürften. Aber da ich das aufgeworfen habe, muss ich das jetzt auch etwas genauer erklären. Ich beschäftige mich seit einem Jahrzehnt mit Umweltschutz und erlebe genauso lange, dass diese Gesellschaft zwar zur Kenntnis nimmt, dass wir diese Welt immer mehr in Schutt und Asche legen, aber nicht im Geringsten bereit ist, etwas dagegen zu tun. Niemand will seinen Mobilitätswahn einschränken. Niemand will etwas mehr bezahlen für Autos die weniger Abgase rauslassen. Man empört sich über höhere Benzinpreise oder Umweltsteuern, die unsere Masslosigkeit etwas einschränken könnten. Wir wissen heute, dass der Klimawandel menschgemacht ist und dass nur eine massive CO2-Reduktion verhindern kann, dass die nächsten Generationen abkratzen wie die Fliegen. Es wird geschätzt, dass jährlich weltweit etwa 150 bis 200 Millionen Menschen an den Folgen von Autoabgasen sterben. Asthmakranke vermehren sich von Jahr zu Jahr und jeder Facharzt bestätigt, dass diese Entwicklung mit der Luftverschmutzung zu tun hat. Und was tun wir dagegen? Wir müssten ja etwas an unserem Lifestyle ändern, müssten uns einschränken, jeder von uns. Aber das wollen wir nicht und das löst unbewusste Schuldgefühle aus. Und was tut der Mensch in so einem Fall? Er sucht einen Sündenbock und projeziert die eigene Schuld auf Andere, idealerweise auf eine Minderheit. Es ist interessant zu beobachten, dass die Forderung nach “sauberer Luft” zuuuufällig genau in den Jahren begann, als das Thema Luftverschmutzung in allen Medien war und ins Bewusstsein der Menschen drang. Das Thema Luftverschmutzung ist verschwunden aus dem Alltag der Menschen und die nichtrauchende und autofahrende Mehrheit erfreut sich an rauchfreien Pubs und Bars, auch wenn sie da gar nie hingehen, hauptsache saubere Luft und hauptsache wir können nachwievor mit unseren Autos in diese rauchfreien Beizen fahren. Und einäugige Fundamentalisten von Lungenliga und Konsorten fordern, dass Angestellte in Bars nicht dem Rauch ausgesetzt sind, ignorieren aber alle Strassenarbeiter die 8 Stunden mit Autoabgasen vollgepumpt werden, genauso wie sie Babies in Kinderwagen vergessen, die auf Auspuffhöhe durch Städte fahren und bürgerliche Politiker bekämpfen Russfilterpflicht bei Baumaschinen und in der Landwirtschaft. Bei all dem werde ich den Verdacht einfach nicht los, dass diese Gesellschaft Opfer einer kollektiven Schuldprojektion wurde.
Berliner Zeitung: Autoabgase sind eine häufige Todesursache

Suggestivbotschaften und selbsterfüllende Prophezeiungen
Nebenbei habe ich erwähnt, dass eine Koalition von BAG (Bundesamt für Gesundheit) und Lungenliga und Konsorten RaucherInnen mit Psychoterror zuschüttet und dabei Suggestivbotschaften einsetzt, die zwangsläufig zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. LeserInnen, die auch die Links gelesen haben, die ich an dieser Stelle beigefügt habe, dürften verstehen was ich gemeint habe. Den Anderen sei es hier nochmal erklärt. Jeder Mensch ist empfänglich für Suggestionen, das kann jeder Psychologie bestätigen. Wenn Du einem Kind täglich sagst, dass es nichts taugt, wird es das irgendwann glauben. Und wenn Du auf jedes Zigarettenpack schreibst, dass Rauchen tödlich ist, dann ist es das irgendwann. So etwas nennt man selbsterfüllgende Prophezeiungen, ein Phänomen das in der Psychologie seit Langem bekannt ist. Alle RaucherInnen wissen ganz genau, dass Rauchen schädlich ist, sie wissen dass sie sich die Lunge zukleistern und sie wissen, dass sie ein erhöhtes Risiko haben, aufgrund des Rauchens an etwas zu erkranken oder daran zu sterben. Jeder kann Lungenkrebs bekommen, wer Raucht hat ein erhöhtes Risiko. Aber die Aussage: “Rauchen IST tödlich” ist in dieser Absolutheit nicht wahr. Und was eben das Schlimme daran ist, wenn jemand tagtäglich zwanzig Mal liest, dass er sterben wird, dann erhöht sich das Risiko, dass das tatsächlich passiert, um ein Vielfaches. Mit diesen Sprüchen sagt man RaucherInnen nichts, was sie nicht schon wissen, aber man verhängt Todesurteile, die bei zwanzigfacher Wiederholung täglich zu einem Psychoterror werden. Um ehrlich zu sein, müsste man also auf die Rückseite jedes Zigarettenpakets auch schreiben: “Das Lesen dieser Suggestivbotschften ist tödlich”. Es geht mir dabei nicht darum, dass man nicht vor den Risiken warnen soll, so wie früher auch ehrlich auf den Zigaretten stand: “Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit”. Aber Menschen zig mal täglich mit absoluten Todesurteilen zu zermürben, ist aus psychologischer Sicht nichts anderes, als dass man Menschen in den Tod treibt. Das mag jetzt alles wie dummes Geschwätz klingen, für alle die sich nie mit der Macht von Suggestionen und selbsterfüllenden Prophezeiungen auseinandergesetzt haben. Aber ich habe mich darüber genug informiert, um zu wissen, dass man mit so radikalem Psychoterror die Todesrate von RaucherInnen zwangsläufig erhöht. Wer hierzu widersprechen möchte, sei dazu herzlich eingeladen, aber nicht ohne sich vorher mit diesen zwei Themen auseinanderzusetzen.

Klarstellung
Und um sicher zu sein, dass es wirklich klar ist, ich beneide Nichtraucher um ihre Suchtfreiheit und nichts liegt mir ferner als Rauchen zu befürworten. Ich wünsche mir wirklich, irgendwann aus dieser elenden Sucht aussteigen zu können. Ich habe auch nichts gegen die Lungenliga als Solches, die leistet gute und wichtige Arbeit. Aber das Ausmass an Psychoterror, dem man in letzter Zeit durch solche fanatischen Organisationen ausgesetzt ist, ist meines Erachtens menschenunwürdig – so gut es vielleicht auch gemeint sein mag. Ich spreche mich hier also nicht für das Rauchen aus und nicht gegen Nichtraucher, aber ich protestiere dagegen, dass RaucherInnen derart verteufelt werden.


 

2 Reaktionen zu “Antirauch-Fundamentalismus unter der Lupe”

  1. Ada Frankiewicz

    Und ich denke auch beim Autofahren handelt es sich um psychische Abhängigkeit, die noch dazu von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dazu habe ich mal eine kleine Satire verfasst, die vielleicht ganz erhellend ist “Postmoderne Waschmaschinen” – http://rauchen.gmxhome.de/zigarettenkirchechomsky/auto_mann.htm -.

    Grüße
    Ada

    (nicht rauchende Rauchfreundin)

    PS: Auf der selben Seite findet sich auch ein längerer Text gegen den AntiraucherInnenwahn – http://rauchen.gmxhome.de/zigarettenkirchechomsky/gesundheit.htm -

  2. Diana

    Witzig wirds ja erst, wenn die einen Süchtigen den anderen Süchtigen vorschreiben, wo sie ihrer Sucht fröhnen dürfen. Ich warte immer noch geduldig darauf, dass ich als Fussgängerin nicht mehr Passiv-Autofahren muss. Aber da brauchts wohl wie beim Rauchen erst eine fantatische Mehrheit dazu.

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