(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Am Ende der Stille

Ich hätte nicht gedacht, dass ich irgendwann die Person die ich über alles liebe von mir stossen muss und doch ist es heute soweit. Nachdem ich wieder ein Wochenende lang rumgeheult habe und einer Beziehung nachtrauerte, die seit einem Jahr beendet ist und nachdem ich heute gegen Mittag die Arbeit niederlegen musste, weil ich einfach nix auf die Reihe kriegte, war der Punkt erreicht an dem ich mir eingestehen musste, dass es so nicht geht. Man kann nicht die Liebe seines Lebens einfach mal schnell in die “beste Freundin” umdefinieren.

Wenn man sich so nah ist und dabei doch so fern, dann wird jede Begegnung zu einem zweischneidigen Schwert. Wie soll ein Herz kapieren, dass es sich beziehungstechnisch ausquartieren muss, wenn es ständig die Stimme der Geliebten hört?

Heute habe ich den Kontakt ganz abgebrochen oder zumindest auf Eis gelegt. Damit verliere ich zwar das letzte emotionale Seil, das mich noch gehalten hat und dürfte wohl in nächster Zeit im freien Fall durch’s Universum schiessen, aber eine andere Möglichkeit sehe ich nicht, wer weiss, vielleicht lerne ich so doch noch fliegen.

Aber ich muss gestehen, den Menschen von sich zu stossen, den man über alles liebt, lässt sich an Surrealismus nicht mehr überbieten, das führt die Liebe definitiv ad absurdum.

Deine Worte gleiten in den Morgen
In einen zarten rosa Schleier
Der sich über der Natur erhebt
Verblassen sie und schweigen stille
Nur die Sehnsucht meiner Stimme
Im flehenden Gebet
Entsinnt sich Deiner Worte
Die Du in mich gelegt
So verstummt auch meine Hoffnung
Und die Stille entfacht den Krieg

(Lacrimosa – Am Ende der Stille)

Also fülle ich diese tosende Stille mit “Les Memoires Blessees” von Dark Sanctuary:

Vorhang!


 

4 Reaktionen zu “Am Ende der Stille”

  1. Juliet

    Harter Tobak…aber vermutlich ist das leider im Augenblick die einzige Möglichkeit, dass Du emotional wieder auf die Füsse kommst.
    Es ist immer schwierig, aus einer Beziehung eine Freundschaft zu “basteln”, vor allem wenn einer noch an den anderen hängt.
    Im ersten Moment weiss man nicht was schlimmer ist, sich überhaupt nicht mehr zu sehen oder bei jedem Treffen erneut drunter zu leiden.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Dir der Abstand hilft und eine Freundschaft dann irgendwann vielleicht doch möglich ist.

    P.S. Wenn Dir nach Reden ist, schick Nr, ich ruf Dich an.

  2. Diana

    Danke für Dein Gesprächsangebot, aber mir ist nicht zum reden zumute, jetzt grad jedenfalls nicht. Es tut gut zu lesen, wie Du Dich reinfühlen kannst. Vorallem der Punkt, dass man zuerst nicht weiss, was schlimmer ist, alles zu verlieren oder den wesentlichen Verlust immer wieder vor Augen geführt zu bekommen. Nun weiss ich es, zweiteres tut definitiv mehr weh. Aber das Ver-rückte ist, sie ist wirklich meine beste Freundin, das war sie schon immer, das nun auch noch zu verlieren ist wirklich worst-case. Nun muss ich wirklich beweisen, dass ich mich selber aus dem Morast ziehen kann und ich muss mich auf mich und meinen Weg konzentrieren, weil ich das einzige bin, was geblieben ist.

  3. Juliet

    Das Gesprächsangebot bleibt auf jeden Fall bestehen.
    Als Deine beste Freundin muss sie ja nicht verloren gehen. Ich kenne sie zwar nicht, aber ich hoffe, dass sie versteht, warum Du so handeln musstest, warum Du jetzt erstmal Zeit für Dich und Deinen Weg brauchst und Dir zu gegebener Zeit wieder zur Seite steht.
    Und nicht vergessen, ganz alleine bist Du nicht, wir sind auch für Dich da, zwar nur virtuell, aber da.

  4. Diana

    sie versteht schon, weshalb ich so reagiere, ich glaub sogar, dass es ihr momentan selber lieber ist so. Aber um irgendwann ihre Freundin zu werden, müsste ich aufhören sie so zu lieben, wie ich das nunmal tue. Und nach einem Jahr erfolglosen Entliebens glaube ich nicht mehr so recht, dass ich dieser Frau je begegnen kann, ohne gleich wieder im Liebeselend zu landen. Es war einfach mehr Liebe in unserer Beziehung als ein einzelner Mensch verkraften könnte.

    Ich bin auch froh um die paar Leute, die hier im Web oder sonst im Freundeskreis für mich da sind. Aber das kann kein Ersatz sein, sie war der einzige Mensch, an den ich mich immer und jederzeit wenden konnte, deshalb sprach ich auch von einem emotionalen Halt. Sie war die Letzte, die mir so nah war, wie es nötig ist, um mich im richtigen Moment aufgehoben zu fühlen.

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