(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Als Frau angenommen und akzeptiert

Als Frau angenommen und akzeptiert zu sein, ist wohl eines der grössten Geschenke, die wir T-Girls von unserem Umfeld erhalten können. Der Mensch spiegelt sich nunmal leider in der Gesellschaft und nimmt unbewusst deren Bewertung an. Gerade für T-Girls kann das fatal sein, wie ich schon an anderer Stelle dargelegt habe. Wenn mich Leute aus meinem Umfeld als “Mann der eine Frau spielt” betrachten, dann ist es sehr schwierig, ein stabiles weibliches Selbstbewusstsein aufzubauen. Natürlich versuchen die Leute freundlich zu sein, man spricht uns in weiblicher Form und mit unserem weiblichen Namen an, aber in den Köpfen bleibt man recht lange dem falschen Geschlecht zugehörig und das zeigt sich meist in subtilen Verhaltensweisen, die uns T-Girls natürlich nicht verborgen bleiben.

Umso schöner ist es, wenn sich ebendiese subtilen Verhaltensweisen ändern und das tun sie, wenn auch nur von Fall zu Fall. Aber gerade diese Veränderungen geben uns unvorstellbar viel Kraft und Bestätigung, nur so kann unser endlich nach aussen gekehrtes Ich ein stabiles Selbst werden. In letzter Zeit hatte ich einige Erlebnisse, die genau das hervorbrachten und es war jedes Mal ein tief beglückendes Erlebnis.

Die erste Veränderung war die Art, wie man über mich spricht. Die Leute gewöhnen sich schnell daran, einen “Mann in Frauenkleidern” mit weiblichem Namen anzusprechen. Aber wie sie wirklich darüber denken und fühlen, zeigt sich vorallem in der indirekten Rede. In den ersten Wochen nannte man mich zwar Diana, aber ich war ein “er” wenn man über mich sprach. Unterdessen passiert das nur noch selten, vorallem diejenigen die oft mit mir zusammen sind, reden fast ausnahmslos von “sie” und das wiederum zeigt mir, dass ich in ihren Köpfen eine (Trans-)Frau geworden bin.

Ebenfalls auffällig ist die Art wie Männer eine TransFrau begrüssen. Wenn sich gut bekannte Männlein und Weiblein begrüssen oder verabschieden, tun sie das oft mit einem Dreifachkuss auf die Wangen. Wenn ein Mann eine TransFrau begrüsst, wird er das in der Regel nicht tun, weil dieses Wesen in seinem Kopf ein Mann ist und er will ja schliesslich nicht schwul sein, also gibt man höflich die Hand. Schon vor Monaten passierte es mir das erste Mal, dass Jungs vom Personal meines Pubs mich küssenderweise begrüssten. Beim ersten Mal hat’s mich fast aus den Stöckelschuhen purzeln lassen, ich war total verblüfft und gleichzeitig unbeschreiblich glücklich. Auch als ich mal an einem Pipe-Konzert war und dort Jungs aus der Band traf, wurde ich von einzelnen zur Begrüssung geküsst. Ich war hin und weg! Und grad kürzlich hatte ich Besuch von einem sehr netten Herrn, der mir bei der Begrüssung noch die Hand gab, der sich nach ein paar Stunden Plauderei jedoch küssend verabschiedete. Einmal mehr war ich von aussen betrachtet zur Frau geworden.

Auch Komplimente sind so eine Sache. Kein Mann würde seinem Kumpel sagen: “hey Du hast aber heute ein schönes Shirt an” oder “Du hast wirklich schöne Augen”. Als mir mal ein Mann ein Kompliment machte wegen meiner Augen, war ich für den Rest des Tages in ein anderes Universum gebeamt, es verzückte mich für den ganzen Rest des Tages. Nicht weil ich unbedingt schöne Augen haben will sondern eben, weil ein Mann sowas in der Regel nur zu einer Frau sagen würde.

Eher trivial aber trotzdem aussagekräftig ist auch, wenn man als T-Girl plötzlich einen Drink spendiert bekommt, von jemandem, der sich der Transsexualität der Beschenkten bewusst ist.

Aber auch bei Frauen gibt’s solche Verhaltensweisen, die uns T-Girls zeigen, ob wir nun als Mann oder Frau betrachtet werden. Kürzlich plauderte ich mit einer Kollegin und wir landeteten – wie das bei uns Mädels halt üblich ist – irgendwann bei Kleidern. Da erzählte sie mir freudig, sie hätte einen neuen BH gekauft und der sei mega genial und preiswert und überhaupt…… und plötzlich sagte sie: “Ach Du bist ja jetzt eine Frau, dann kann ich Dir das ja zeigen”, knöpfte die Bluse auf und zeigte mir ihren BH von allen Seiten. Ich war echt sprachlos, sie tat das so ungehemmt, wie es nur unter Mädels üblich ist. Ich glaub das war eins der schönsten Du-bist-eine-Frau-Komplimente das ich je erhalten habe.

Auch bei Gesprächen mit Mädels ist das sehr spürbar. Es gibt Dinge, die Mädels nur unter sich diskutieren, so wie Jungs ja auch. Die Mädels in meinem Umfeld reden mit mir unterdessen eigentlich alle in einer Selbstverständlichkeit über all diese Dinge und spätestens wenn man als T-Girl mit Mädels über Jungs lästert, ist man definitiv im Club der Frauen angekommen.

Also Jungs, wenn Ihr einem T-Girl begegnet und sie als weiblich empfindet, dann zeigt keine Scheu sondern zieht alle Register, knutscht sie, spendiert mal einen Drink, lasst ihr den Vortritt, macht ihr Komplimente und schenkt ihr mal eine Rose, ihr könnt so einen Menschen sehr glücklich machen. Und Mädels, wenn Ihr ein T-Girl als Frau betrachtet, dann redet mit ihr über Frauenthemen, lästert über Jungs und zeigt ihr die neuste Unterwäsche ;-) ………… aber, liebe Jungs und Mädels, tut das bitte erst dann, wenn Ihr dieses T-Girl wirklich als Frau wahrnehmt, wir wollen nicht belogen werden sondern anerkannt.

Und so warte ich nun voller Sehnsucht darauf, dass mir endlich mal jemand rote Rosen schenkt, das dürfte dann sozusagen die emotionale Variante der Personenstandsänderung sein :-)


 

4 Reaktionen zu “Als Frau angenommen und akzeptiert”

  1. Svenja-and-the-City

    Das hast du ganz wunderbar empfunden und sehr treffend formuliert.

  2. Bad Hair Days

    Ich hatte das Pech/Glück, meine Arbeitsstelle wechseln zu müssen. Am neuen Arbeitsort lernten mich alle nur als mich kennen. Dennoch sickerte es bei einigen durch und genau dort kam es dann wieder zu 3. Rede “er”. Allerdiings bedeutete das interessanterweise nicht, dass es sich über die ganze Firma verbreitete. Das erfuhr ich, als ich nach der GaOP zurückahm und ein spezielles, U-Förmiges Kissen benutzte, um meine Wunde zu schonen – eine Kollegin aus der HR, die aufgrunddessen Bescheid wusste fragte mich, ob ich keine Angst hätte, das Kissen würde mich entlarven (ehrlichgesagt, ich denke nicht, dass jemand um so viele Ecken denkt) und ich meinte, dass ich davon ausgehe, dass es eh alle Wissen. Nein, meinte sie, das könne sie mir versichern, die meisten wüssten nicht bescheid. Und tatsächlich, als ich etwas nicht tun konnte (war ja gerade 5 Wochen PostOP) Aufgrund meiner Beschwerden, dachte eine andere Kollegin, ich hätte Besuch von Mutter Natur…

  3. Juliet

    Pech/Glück, was hat den überwogen?
    Ich glaube, ich hätte auch nicht an eine GAOp gedacht, nur weil wer ein Kissen benutzt. ich hätte eher an Rücken (Ischias, Bandscheibe) oder höchstens an eine Unterleibsgeschichte (Zyste z.B.) gedacht.

  4. Diana

    @Svenja: danke für die Blumen, gerade von Dir freut es mich, Du bist schliesslich mein Lieblings-Blog-T-Girl :-)

    @Sarah: cool, endlich mal eine schwangere TransFrau :o) und von wegen er/sie, ich weiss natürlich nicht, wie es hinter meinem Rücken klingt, aber wenn z.b. zwei vom Team über die Arbeit reden und ich zur Sprache komme, dann heissts fast immer “sie”, da jubelt mein Herzchen jedesmal :-)

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