(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Kleine Reportage über Diana auf Perlfrech.de

Ab heute findet man im Frauen-Portal ‘perlfrech‘ einen kleinen Bericht über mich, ich hoffe er gefällt Euch so wie mir. Wie ich dazu kam ist eine lustige Geschichte. Tanja, die Redaktorin, verirrte sich vor einiger Zeit mal versehentlich in mein Blog und blieb dort hängen (scheint ja öfters zu passieren). Sie las sich da quer durch und schrieb mir anschliessend ein wirklich liebes und einfühlsames Mail, in dem sie mir mitteilte, dass sie sich das ganz anders vorgestellt hätte und nun ein ganz neues Bild hätte.

Einige Zeit später fragte sie an, ob ich nicht Lust hätte mich interviewen zu lassen, sie würde für ebendieses Perlfrech-Portal schreiben und fände es wichtig, dass auch so ein Thema da seinen Platz findet. Ich schaute mir das Portal an, fands wirklich perlfrech und so stimmte ich zu. Perlfrech ist ein keckes Mädels-Magazin, das in mal keckem mal frechem Tonfall über all das berichtet, was das Durchschnittsmädel so interessiert, da geht es um Modekram, Beziehungskram und vieles mehr, aber immer mit dieser perlfrechen Note – wie es im Titel so schön heisst: “Perlfrech – Lieb ist anders” – da gehörte ich definitiv auch rein ;-)

Wir mailten einiges hin und her und telefonierten dann mal sicher eine Stunde lang, sie merkte sich mein Geplapper und schrieb dann diesen Text, der mir gut genug gefiel, dass ich nur wenige Korrekturvorschläge anbrachte. Nun denn, hier ist er, viel Spass beim Lesen – und ich empfehle an dieser Stelle, auch sonst mal dort zu stöbern, mir gefällt der perlfreche Stil der dortigen Artikel ;-)

NACHTRAG: Leider sind aufgrund der Umstellung der Internetpräsenz von lebfrech.de alle alten Beiträge verschwunden, deshalb veröffentliche ich hier die Reportage nochmal.

Diana ist eine ganz normale Frau. Heute. Ihr Weg dahin war jedoch lang und steinig: Auf die Welt gekommen ist sie vor 44 Jahren mit männlichen Geschlechtsmerkmalen.

Weibliches Hirn, männlicher Körper

Für die meisten von uns ist es schwer zu verstehen, dass es Menschen gibt, die „im falschen Körper“ stecken. Frau ist Frau und Mann ist Mann. Punkt. Vielleicht lassen wir noch gelten, dass es Männer gibt, die einfach gerne hin und wieder Frauenkleidung tragen – und belächeln es ein wenig. „Transen“ eben. Dabei hat die reine Vorliebe für „Mädchenkleider“ überhaupt nichts mit Transsexualität zu tun – das ist eher Transvestitismus oder einfach ein Fetisch. Transsexualität jedoch ist weder ein Fetisch noch hat es mit der sexuellen Ausrichtung zu tun, sondern mit einem „falschen Körper“, in dem die andersgeschlechtliche Seele gefangen ist. Transsexuell zu sein bedeutet, dass sich das Gehirn nicht demselben Geschlecht entsprechend entwickelt hat wie der Rest des Körpers.

Eine unerklärliche Sehnsucht

Als Kind konnte Diana nicht genau definieren, was an ihr falsch war, doch dass etwas nicht stimmte, stand bereits damals für sie fest: „Meine früheste Erinnerung ist, dass ich schon als Kind – vielleicht auch unbewusst – Theater gespielt habe. Ich habe schnell gemerkt, dass es für andere albern und teilweise befremdlich wirkte, mich als vermeintlichen Jungen mit Puppen spielen oder gar im Kleidchen tanzen zu sehen“, erzählt sie. „Also habe ich mir die Jungs ganz genau angeschaut, sie imitiert und mir alles Mädchenhafte abtrainiert.“ Mit 23 hat Diana schließlich eine Dokumentation über Transsexualität gesehen, danach konnte sie einordnen, was „mit ihr los war“. „Endlich hatte ich einen Namen für die bis dahin unerklärliche Sehnsucht, die all die Jahre in mir war“, erinnert sie sich.

Jahrzehnte langes Leiden

Die Sehnsucht und ihr wirkliches Wesen hat Diana auch danach verdrängt, ist eher in ein männliches Extrem verfallen. „Ich war der knallharte Rockertyp mit Harley Davidson, habe sozusagen jedem Macho-Klischee entsprochen – zumindest optisch. Meine wahre weibliche Persönlichkeit war tief in mir eingeschlossen, musste sich vor der Welt verstecken.“ Für die 44-Jährige folgten Jahre der Selbstverleugnung, Zerrissenheit und des inneren Leidens. „Mein einstudiertes maskulines Verhaltensmuster habe ich über die Jahre perfektioniert, habe quasi immer eine Maske getragen. Ich war nicht wirklich ich selbst, konnte mich nie zulassen.“

Erstes Outing mit 44

Mit 44 outete Diana sich zum ersten Mal gegenüber einem anderen Menschen: Sie gesteht ihre Transsexualität ihrer damaligen Lebenspartnerin. Diese reagierte verständnisvoll. In den eigenen vier Wänden konnte Diana nun also auch äußerlich eine Frau sein, Kleider und Make up tragen. Musste sich nicht mehr verstellen. Doch der Druck, in der Öffentlichkeit eine Maske aufsetzen zu müssen, blieb. Als die Beziehung nach einigen Jahren auseinander ging, nahm Diana sich Zeit zum Nachdenken. Nach etwa einem halben Jahr machte es eines Abends „Klick“ in ihrem Kopf und sie entschied: Schluss mit Maskerade und aufgesetzter Männlichkeit – sie konnte einfach nicht mehr weiter diese Lüge leben.

Verständnis bei Familie, Freunden und Kollegen

Diana beschloss, nun auch öffentlich zu ihrer Weiblichkeit zu stehen – mit allen Konsequenzen. Sie wollte endlich ihr Leben leben, endlich ganz und gar Frau sein – und war bereit, den schweren Weg, der vor ihr lag, zu gehen. Als erstes outete sie sich bei Freunden und Familie, dann in der Firma, in der sie seit einigen Jahren als Programmiererin arbeitete. Sie traf auf weit mehr Verständnis als erhofft. Kollegen, Freunde und Familie hatten überwiegend keine Probleme mit ihrer Offenbarung. Die erste Hürde war genommen.

Extrembelastung Alltagstest

Um am Ende die Zulassung und Kostenübernahme zu einer genitalangleichenden Operation zu bekommen, musste Diana mindestens ein Jahr lang öffentlich als Frau leben – der sogenannte Alltagstest. Dieser Alltagstest ist gerade für transsexuellen Frauen sehr belastend. Der durch jahrelange Testosteronproduktion extrem männliche Körper wirkt in weiblicher Kleidung auf die Umwelt meist etwas befremdlich und teilweise recht belustigend. Bartschatten und andere markante Merkmale verschwinden schließlich nicht über Nacht. Nicht selten wird jeder Gang vor die Haustür so zum Spießrutenlauf. Kommen Optik und Auftreten möglichst perfekt an das wahre Geschlecht heran – in Dianas Fall also weiblich – nennt man das „ein gutes Passing“. Um eben diese gute Passing zu erlangen, begann Diana sofort, Bart- und einige Körperhaare weglasern zu lassen. „Die Angst, plötzlich unfreiwillig als vermeintlicher Mann „geoutet“ oder verspottet zu werden, war immer da“, erinnert sie sich an die Anfangszeit zurück.

Psychische oder biologische Ursachen?

Auch zu einem Therapeuten ging Diana regelmäßig, das ist ebenfalls Pflicht: „Das Entwürdigende ist, dass du dich als gestörten Mann diagnostizieren lassen musst, um als die Frau anerkannt zu werden, die du schon immer warst“, erzählt sie. „Dabei gibt es mittlerweile viele Untersuchungen, die beweisen, dass Transsexualität eben keine Wunschfrage und keine psychische Störung ist, sondern biologische Ursachen hat. Die maßgeblich geschlechtsbestimmenden Hirnregionen einer transsexuellen Frau entsprechen der weiblichen Anatomie“, weiß sie. Um ihr Passing noch weiter zu verbessern, kamen Besuche bei einer Logopädin hinzu. „Die tiefe, testosterongeprägte Stimme und auch die eher männliche Sprechweise, die ich mir in all den Jahren antrainiert hatte, gaben doch immer wieder meine Vergangenheit preis“, ärgert sie sich ein wenig.

Endlich angekommen!

Mittlerweile ist Diana ihren Weg unbeirrbar gegangen – egal, welche Schwierigkeiten ihr auch begegneten. Die genitalangleichende Operation hat sie hinter sich gebracht und ist nun nicht nur mit Seele, sondern endlich auch mit dem Körper ganz Frau. „Jetzt kann ich mich annehmen, wenn ich vor dem Spiegel stehe. Das bin einfach ich! Mein erster Gedanke nach der OP war: Endlich ist es vorbei!“. Sie lebt nun das richtige Leben im richtigen Körper. Sie ist eine attraktive Frau mit viel Stil, Charme, Humor – und Kraft. Mit 44 Jahren endlich angekommen.

Update 14:25 – Der Beitrag ist auf der Frontseite von t-online drin, das dürfte für ziemlich viel Besucher sorgen, uiuiuiuiui, bin ganz aufgeregt :-)

Update 18:00 – Unterdessen sind zweihundert LeserInnen von perlfrech über den dort gebotenen Link hier in diesem Blog gelandet, in dem Sinn, herzlich willkommen hier in diesem etwas ungewöhnlichen Tagebuch :-)

Wieder mit meiner Tochter

Ich bin sowas von glücklich, das kann man sich kaum vorstellen, dieses Wochenende hatte ich nach fast einem Jahr Pause meine Tochter wieder bei mir, wir haben uns definitiv wieder gefunden, ein neuer Anfang hat begonnen :-)

Am Freitag kam überraschend ein Telefon mit der Frage, ob sie bei mir übernachten könne, sie hätte diesen Wunsch spontan geäussert. Meine Antwort liegt auf der Hand, eine Stunde später war sie da – und blieb bis zum nächsten Tag.

Es war so schön, endlich wieder zu zweit DSDS zu kuckn, Spiele zu spielen, zu plaudern, Gute Nacht wünschen………. und es war offensichtlich, dass wir beide es sehr genossen, zwar noch etwas scheu, aber doch glücklich, wiede zusammen auf dem Sofa rumzulümmeln. Wir werden sicher noch unsere Zeit brauchen, bis wir wieder so unbeschwert zusammen sein können wie früher, aber wir nähern uns wieder an und es war spürbar, dass wir immer noch sehr nah sind. Am Abend konnte sie dann auch noch Juliet kurz via Skype begrüssen, was beiden wie mir scheint eine grosse Freude war. Und so freuen wir uns nun alle drei auf Ostern, dann werden beide hier sein und wir können zum ersten Mal zu dritt verbringen.

Wir haben es geschafft, davon bin ich überzeugt :-)

Personenstandsänderung – Ausweis bestellt

Jauuuuuuuhhhhh, meine Personenstandsänderung ist endlich durch, hat alle 7000 Ämter durchlaufen und alle 14000 Stempel drauf und so konnte ich heute auf der Einwohnerkontrolle meinen Ausweis bestellen – in spätestens 10 Tagen soll er ankommen – dann hab ich’s endlich geschafft, diesen ganzen Behördenzirkus. Was für ein Tag das heute doch war, das muss ich einfach genüsslich ausbreiten……..

Gestern hatte ich einen Brief von der Gemeinde im Briefkasten, in dem mir mitgeteilt wurde, dass sie nun den ganzen Kram hätten und nun beim Heimatort einen Heimatschein bestellen würden, sobald der da wäre, würde ich von ihnen einen Schriftenempfangsschein bekommen. Na toll, dachte ich mir, also weiter warten. Weil ich mir Sorgen machte, dass die mir den Schein eingeschrieben auf den neuen Namen schicken und ich den dann nicht abholen kann, weil ich ja noch keinen Ausweis auf den neuen Namen habe (das hatten wir ja schonmal beim Gerichtsurteil), schickte ich heute sicherheitshalber ein Mail und wies darauf hin, dass sie mich doch anrufen sollen und ich den abhole.

Etwa eine Stunde später klingelte das Handy und eine super-freundliche Sachbearbeiterin der Gemeinde war dran und erklärte mir, dass es sich hier nur um den Heimatschein handle, den würde ich nicht brauchen um Reisepapiere zu bestellen, ich könne jederzeit vorbei kommen. Sie sagte auch, dass man dann den Ausweis zuhanden der Gemeinde bestellen könne, sie würden mich dann anrufen und ich könne ihn dort abholen. Na das nenn ich pro-aktives Arbeiten. Echt, sie war mega nett und hilfsbereit.

Das reichte dann natürlich, dass ich völlig aus dem Häuschen war, mein Personenstand ist geändert, hochoffiziell, ich bin jetzt nicht nur gerichtlich sondern auch behördlich anerkannte Diana, wow. Man ahnt es, ich hopste dann ein paar Stunden der Hysterie nah auf dem Stuhl rum und um Drei konnte ich nicht mehr anders, packte meinen Kram und bestellte mir ein Taxi – man gönnt sich ja sonst nix.

Zehn Minuten später sass ich in einem London-Taxi, issja geil, das Einzige weit und breit das so aussieht, so richtig nostalgisch und das brachte mich mit knatterndem Motor zum Gemeindehaus. Dort angekommen ging alles zackig, schnell was im Computer eintippen, Blatt ausdrucken, unterschreiben, bezahlen und tschüss. Ich kontrollierte dann das Formular mit Argusaugen – Name=Diana – Geschlecht=F – jauh :-)

Da ich schon im Dorfzentrum war, ging ich noch in einen Laden und kaufte einiges Leckerzeugs – man gönnt sich ja sonst nix – ausserdem noch Unterwäsche (lag da grad so rum) und Hustensaft (muss mal wieder sein) und Brennesseltee (zum Durchfegen der Harnröhre)…….. und zur Feier des Tages noch ein Cider (irischer saurer Apfelwein), natürlich Marke Strongbow – man gönnt sich ja sonst nix ;-)

Als ich dann aus dem Laden stöckelte und wenig Begeisterung verspürte, nun Bus zu fahren mit all dem Kram und dann noch durch den Regen zu laufen, erblickte mein Argusauge auf der gegenüberliegenden Strassenseite – man glaubt’s kaum – mein London-Taxi. Also liess ich mich zur Feier des Tages grad wieder nachhause chauffieren – Ihr wisst schon: man gönnt sich ja sonst nix :o)

Zuhause angekommen wurde der Tag dann noch so richtig abgerundet, im Briefkasten lag die Kostengutsprache der Krankenkasse für die Korrektur-Op im Juni und ein Päckli mit dem neusten Harry Potter Film und ein Buch von Martin Luther King. Heute wurde ich wirklich reich beschenkt :-)

Und nun bin ich bereits um vier Uhr zuhause, nuckle an meinem Cider, knabbere mein Leckerzeugs, blogge vor mich hin…….. und werde mich nun niederlegen und mit verzücktem Gesichtsausdruck die Süsse des Lebens geniessen.

Achja noch was Erfreuliches gab’s heute, das sogar prima zum Tagesthema passte. In verschiedenen Zeitungen (Tagi, Baz, Bz…) war ein Artikel über einen transMann, in dem im Leadtext stand: “Seit 2009 ist die Frau auch vor dem Gesetz ein Mann”. Abgesehen von der Unlogik dieses Satzes (worauf bezieht sich das ‘auch’ wenn ‘die Frau’ auch ‘ein Mann’ ist), nervte mich die Formulierung natürlich wieder, nicht zuletzt weil im Artikel ansonsten konsequent von “er” gesprochen wurde (seltsamerweise klappt das bei den transMännern meistens im Gegensatz zu uns Frauen. Jedenfalls benützte ich wie schon bei anderen Gelegenheiten die neue Funktion dieser Portale, mit der man “inhaltliche Fehler” melden kann. Bisher hat das nie genützt, aber diesmal war der Text etwa zwei Stunden geändert, nun steht meinem Vorschlag folgend: “Seit 2009 ist er auch vor dem Gesetz ein Mann”. Man kann also doch etwas ändern, das motiviert.

Echt, an so eine Serie von Erfreulichkeiten könnte man sich gewöhnen, nach all dem Ärger den ich hinter mir habe, ist das eine wohl verdiente Belohnung.

Und immer wieder erklingt diese Stimme in meinem Kopf die murmelt………. ich hab’s geschafft – verdammt, ich hab’s wirklich geschafft :-)

Update 13.4. der Heimatschein ist bereits angekommen, Vorname=Diana, Geschlecht=F – jauh :-)

Ausweis da – Identitätsstörung behoben

Ich schwebe seit heute Morgen irgendwo zwischen Himmel und Paradies rum und könnte quietschen vor Freude, denn heute morgen konnte ich endlich meinen neuen Ausweis abholen – spätestens jetzt kann ich ohne jegliche Einschränkungen sagen: Der König ist tot, lang lebe die Königin :-)

Den ganzen Tag war ich völlig übermütig und alle Arbeitskollegen die meinen Arbeitsplatz kreuzten, mussten sich kurz Zeit nehmen um meinen neuen Ausweis zu bestaunen. Auch ich selber musste ihn immer wieder anschauen, konnte es irgendwie nicht fassen, dass diese beschwerliche Weg nun wirklich vollendet ist.

Unglaublich, was so ein kleines Kärtchen für Gefühle auslösen kann, da steht “Diana” drauf und auf der Rückseite hat’s ein “F” für Floh äh Frau. Aber nicht das Kärtchen selbst ist Grund zu grenzenloser Freude, auch wenn mir dieses natürlich viele unangenehme Situationen wie falsch benamste Bordkarten von jetzt an erspart, es geht um viel mehr, einerseits um die offizielle Anerkennung meiner Persönlichkeit und anderseits darum, dass nun wirklich der letzte Akt eines grausamen Schauspiels zuende ist.

Es brauchte eine gehörige Portion Renitenz und Selbstbewusstsein, um zu sagen: “Ich bin eine Frau”, im Wissen, dass die meisten das nicht anerkennen, weil da so unpassende Genitalien sind oder weil ich formal-juristisch ein Mann hätte sein sollen. Nun fühle ich mich widerspruchsfrei. Ich könnte mich nackt ausziehen, könnte meinen Ausweis vorzeigen, man könnte bei Behörden nachfragen, da gibt es einfach nichts mehr, was mir mein Geschlecht abspricht. An sich absurd, ich wusste ja schon immer, welchem Geschlecht ich angehöre, aber gegen die Flut von scheinbar rationalen Argumenten hatte ich immer einen schweren Stand. Damit ist nun Schluss, ein für alle mal.

Es gibt nichts Relevantes mehr, was noch zu tun wäre, es gibt keinen Weg mehr der vor mir liegt, keine Behinderungen, keine Schikanen, keine Ängste dass mir mein Ziel doch verwehrt wird, ich bin wirklich da, existiere als das was ich so lange nicht sein durfte, unwiderruflich.

Vor mir liegen nur noch Banalitäten, Bankkonten ändern, Adressänderungen und im Juni die kleine Korrektur-Op. Aber da ist nichts mehr, was existenznotwendig ist, ich bin wirklich angekommen – wow!

Und damit komme ich auch hier langsam zuende, wie ich bereits früher angekündigt habe. Bis zur Korrektur-Op werde ich hier noch ein paar Beiträge schreiben, wenn es das trans-Thema konkret betrifft, ansonsten schreibe ich in meinem neuen Blog wie hier und hier. Auch trans-Themen habe ich in letzter Zeit teilweise schon im neuen Blog bearbeitet, vorallem grössere Beiträge entsprechen eher dem dortigen und zukünftigen Schreibstil. Dieser Beitrag ist der 489 Beitrag, ich denke ich krieg die 500 noch voll, dann endet das Tagebuch einer transsexuellen Frau definitiv – und macht Platz für eine Frau namens Diana – a girl called Diana ;-)

Ostern – segeln unter neuer Flagge

Unser gemeinsames Oster-Wochenende war so wie immer, kuschelig, glücklich, vergnügt, kindisch, vertraut, nah, halt einfach so wie es ist, wenn Juliet und ich ein paar Tage aneinander kleben. Und doch war es anders, denn nun segle ich unter neuer Flagge, mit neuer Identität, nicht mehr auf dem Weg zu mir sondern unterwegs mit mir – und mit ihr – und mit meiner Tochter – so schön muss es im Himmel sein ;-)

Juliet landete pünktlich und mit einem Caramell-Macchiato aus dem Starbucks gondelten wir heimwärts. Unterwegs hatte ich dann das grosse Glück, dass ich erstmals meine Id zeigen konnte. Ich hab mir ja letzte Woche ein neues Halbtax-Abo (Bahncard-50) bestellt und hatte deshalb erst ein Übergangsabo oihne Foto, das man dann zusammen mit dem Ausweis vorzeigen musste. Jauh, prompt kam eine Ticketkontrolle und ich strahlte wie ein Marienkäfer als ich meine Id überreichen konnte. Seltsamerweise wurde meine Id überhaupt nicht gebührend gewürdigt, kein aaaaahhhhhh und kein ooooohhhhh, nix. Aber ich war trotzdem glücklich, Diana hat sich zum ersten Mal ausgewiesen, wow.

Am Bahnhof angekommen schnappten wir uns noch einen “Kebab ohni Tomaten mit es bitzeli scharf” und trugen unsere Beute im Eiltempo nachhause. Den assen wir dann mit einer Buddel Cider, schmissen uns aufs Sofa und lagen und lagen und lagen und dann war das Wochenende rum. Naja nicht ganz, es gab da noch………..

Am Freitag stiess meine Tochter zu uns und meine zwei Lieblingsmädels konnten sich endlich mal real kennen lernen. Ich hab den starken Eindruck, dass sich die Beiden gut mochten. Zu Dritt lagen wir dann auf dem ausgezogenen Sofa rum, kabberten Zeugs, guckten den neusten Harry Potter und DSDS, machten Brettspiele, kurz, wir verbrachten einen wirklich gemütlichen Tag. Und mir fiel somit ein weiterer Stein vom Herzen, die Hoffnung, dass es mit mir und meiner Tochter wieder gut kommt, stieg deutlich an :-)

Am Samstag Nachmittag verliess sie uns dann wieder wie abgemacht und so lagen wir dann halt wieder – und lagen – und lagen – und wären ständig gelegen, wäre da nicht……..

…… die gute Juliet mit ihrem eichhörnchenartigen Ordnungssinn, denn die Gute stellte mir die halbe Wohnung auf den Kopf. Immer mal wieder, wenn sie mit Unschuldsmine sagte, sie würde jetzt noch duschen gehen oder sowas, dann tat sie das auch und dann schepperte und kesselte es irgendwann, weil sie im Vorbeiweg grad mal schnell das Badezimmer putzt oder umstellt oder was weiss ich. Auf mich wirkte das eher beänstigend, denn wenn Juliet Zeugs ordentlich versorgt, find ich gar nix mehr. Aber schlussendlich machten wir das Wichtige zusammen und nun freue ich mich selber über die neue Ordnung, wo alles nicht einfach irgendwo im Badezimmerschrank liegt sondern an einem sinnigen Ort, so grüppchenweise, echt praktisch.

Die meiste Zeit ernährten wir uns von Schnellkochfutter, also Pizza, Pouletflügel mit Kroketten, Backofen-Food halt. Ausser am Sonntag, da wurde so richtig mit Pfannen gekocht – was für eine Ackerei – aber das Hohrücken Steak vom irischen Rind mit Reis an einer Pfeffersauce war dann doch der Mühe wert.

Am Montag kam dann halt wieder der schmerzliche Abschied und auf dem Weg zum Flughafen gabs nicht mal eine Ticketkontrolle die mich hätte aufheitern können. Und als ob das nicht genug wäre, hatten wir noch Nervenkitzel mit dem einchecken, aber schlussendlich kam halt der Moment an dem sie durch die Schleuse musste und weg war *seufz*

Klug wie ich bin, habe ich sofort eine 1. Hilfe Technik angewandt und hab mir im NewYorker einen beigen Trenchcoat gekauft, sowas such ich schon seit Ewigkeiten, fand aber nie das Richtige – naja hab ich gestern auch nicht, das Richtige, aber es war zur rechten Zeit am rechten Ort ;-)

Zuhause angekommen wartete dann wieder das schwarze Loch, das sich jedes Mal ausbreitet, wenn Juliet gegangen ist. Zwar war nun vieles viel ordentlicher wie vorher, aber es fehlte halt wieder dieses verschmuste Kicherding, das das Leben mit soviel Glück erfüllt. Doch diesmal hatte ich doch Tröstliches, denn in zweieinhalb Wochen flattere ich schon wieder nach Hamburg, so kurz aufeinander haben wir uns noch nie gesehen. Und dann gehts wiederum nur noch dreieinhalb Wochen bis zu den zweiwöchigen Sommerferien – da lacht auch das wehmütige Herz :-)

I love you, Süsskecks

PS: ja ich weiss, dass man Kecks nicht mit ‘ck’ schreibt, ist mir egaaaaahaaaaalllll :o)

Apropos Eichhörnchen……. sind die nicht genial?

Rettet die Wale äh die Satire

Leute, heut geht’s wirklich um eine ernsthafte Sache, sozusagen die Rettung der Welt, etwas genauer genommen die Rettung der Zürcher Satire.

Die Welt ist ja sowas von bekloppt, dass man sie bekanntlich nur mit einer gehörigen Portion Humor ertragen kann, das wusste schon Hesse im Steppenwolf zu berichten. Nun gibt es seit Kurzem ein Zürcher Satire-Magazin mit dem klangvollen Namen “Hauptstadt“, das mit viel Enthusiasmus und noch mehr schrägem Humor das Weltenelend erleichtern möchte und wie so oft bei enthusiastisch motivierten Sachen fehlt es natürlich auch da am schnöden Mamon, gerade die Anfangszeit ist für ein neues Magazin eine harte Feuerprobe. Und nun wirds dort eng und die Fans der Hauptstadt fürchten um ihr wohlverdientes Gekicher am Mittagstisch. Deshalb möchte ich hier dazu aufrufen, diese Sache zu unterstützen, entweder mit einem Abo für lausige 50 Franken oder noch besser indem Ihr Vereinsmitglied werdet für bescheidene 100 Franken oder am besten beides zusammen für 150 Franken. Wer nun staunt, wie gut ich rechnen kann – ich habs auf der Hauptstadt-Website abgelesen. Aber wer oder was ist Hauptstadt überhaupt?

Ins Leben gerufen wurde das Magazin von einem geschätzten Blogger namens “Reda El Arbi”, der in seinem Blog “Redders Welt” durch viel Philosophie, noch mehr Humor und noch viel mehr Direktheit auffällt. Einst schrieb er für den Blick-am-Abend, Ihr wisst schon, eins von diesen Boulevard-Schundblättern die ich so gern zerreisse. Aber ein Engel des Herrn kam über ihn und ermutigte ihn, sich einen anständigen Job zu suchen und so startete er dieses Satire-Magazin. Ich hab bisher erst zwei Ausgaben gelesen, hab mich dabei aber teilweise fast weggeschmissen. Wer einen so bekloppten Humor hat wie ich, der wird das Magazin verschlingen.

Also nichts wie hin – auf dass uns das Lachen trotz aller Lächerlichkeit dieser Welt nie vergeht ;-)

Bestellung Abo oder Vereinsmitgliedschaft

Leseproben:
Interview mit Ulrich Schlüer
Interview mit René Kuhn

Befreiungs-Aktion: Reclaim the Pub

Nach langer Pub-Abstinenz verbrachte ich heute mal wieder einen super gemütlichen Weiberabend im Pub, mit meiner ehemaligen Logopädin und heutigen Freundin – und das war höchste Zeit, denn ohne es zu merken war ich drauf und dran, wieder in die alte Falle zu laufen, aus der ich glaubte, entkommen zu sein, der Falle der Vermeidungsstrategie, dem Ende der Freiheit.

Irgendwie habe ich es gar nicht gemerkt, was in den letzten Monaten abgelaufen ist, dass ich immer weniger raus ging, nie Lust hatte in den Ausgang zu gehen. Ich ging zur Arbeit, ging nachhause, plauderte mit Juliet, guckte TV, genoss mein Leben, aber immer im geschützten Rahmen. Erst in den letzten Wochen wurde mir immer mehr klar, dass ich drauf und dran bin, wieder in alte Fahrwasser zu laufen, dass mich die Angst wieder im Griff hat und mich daran hindert, zu tun was ich tun möchte. Höchste Zeit für eine Befreiungsaktion der transosophischen Art – Reclaim the Pub, so sollte der heutige Kriegsruf lauten.

Als ich vor zweieinhalb Jahren begann, mein Leben zu leben und an der Härte des Alltags fast zerbrach, merkte ich schon bald mal, dass ich mich in Vermeidungsstrategien verstricke. Raus zu gehen war ein Risiko, in der Öffentlichkeit drohten negative Erfahrungen, Menschen die mich belächeln, die Angst vor Übergriffen – und so versuchte ich schnell mal alles zu vermeiden, was mich aus meinem geschützten Umfeld drängte. Als ich mir dessen bewusst wurde und begriff, dass ich damit mein neu erkämpftes Leben in den Eimer schmeisse, wenn ich es nicht lebe, wuchs in mir die Renitenz, der Wille zum Leben und ich begann mich zu überwinden, raus zu gehen, am Leben teilzunehmen, das Negative zu erdulden um das Positive zu erleben. Die Strategie ging auf, immer mehr nahm ich am öffentlichen Leben teil und immer mehr lebte ich das was ich so lange nicht leben konnte.

Dieser ganze Transitionsprozess forderte mich enorm, so schön es auch war und so glücklich ich auch werden konnte, es warf mich doch enorm auf mich selbst zurück, machte mich verletzlich und forderte mich über alle Massen. Auf dem Gipfel des Erfolgs, nach der genitalangleichenden Operation und nach Erhalt der nun endlich richtigen Identität war ich endlich am Ziel angekommen und doch blieb die Gewissheit, dass ich für die Meisten wohl ein gestörter Mensch bleiben werde, dass mich die Meisten niemals verstehen werden, dass ich bis zum jüngsten Tag von Vielen belächelt werde und immer und überall damit rechnen muss, dass ich angefeindet werde weil ich bin wer ich bin.

Und so begann ich ohne es bewusst wahrzunehmen, mich wieder zurückzuziehen und das Risiko zu vermeiden, negative Erfahrungen zu machen. Und damit begann ich, mein Leben wieder auf Eis zu legen, um nur ja nichts negatives erdulden zu müssen. Aber damit bestahl ich mich auch um all des Positiven und die Frage drängte sich auf, warum ich mir all das erkämpft habe, wenn ich es jetzt nicht nutze.

Selbst mein Pub, das für mich wie ein zweites Zuhause wurde, war von einem unsichtbaren Stacheldraht umgeben. In letzter Zeit sind dort nicht wie gewohnt nur Stammgäste sondern immer mehr auch “Neue”, die ich nicht kenne, die mich nicht kennen, die wieder eine Atmosphäre schaffen, in der ich mich als Kuriosum empfinde.

Heute hatte ich endlich mal wieder mit meiner ehemaligen Logopädin abgemacht, die unterdessen mehr Freundin als Ärztin für mich ist. Wir gingen zusammen in mein Pub und eroberten es zurück. Entgegen all dieser irrationalen Ängste wurde es ein toller Abend, wir führten tolle Gespräche, ich fühlte mich von ihr voll und ganz angenommen und wahrgenommen und auch inmitten der anderen Pubgäste fühlte ich mich zuhause.

Es scheint mir, dass dies eines der grössten Probleme für transsexuelle Menschen ist. Wir wissen ganz genau, dass wir mit Ablehnung rechnen müssen, wir wissen genauso, dass wir hie und da auch Spott ernten und wir wissen auch, dass wir einem höheren Risiko von Übergriffen ausgesetzt sind. Aber all das ändert nichts daran, dass wir trotzdem mit erhobenem Haupt ein würdevolles Leben führen können, sofern wir den Mut dazu haben. Nur wenn wir bereit sind, negative Erfahrungen zu erdulden und schmerzliche Erlebnisse auszuhalten, nur wenn wir bereit sind, uns all dem zu stellen, versetzen wir uns in die Lage, in der wir unser Leben auch geniessen können, in der wir wirklich leben können.

Das bedarf einer gehörigen Portion Renitenz und es bedarf eines unerhörten Selbstbewusstseins. All das habe ich mir erarbeitet und erkämpft, sonst würde ich heute nicht mehr leben. Was ich in diesen zweieinhalb Jahren lernen und erkämpfen musste, hat mir die Stärke gegeben, mit der ich auch unter so erschwerten Umständen mit geradem Rückgrat durchs Leben schreiten kann. Aber das gelingt mir nur, wenn ich immer wieder den Mut fasse und immer wieder trotzig aufstehe.

Den Weg der Meisten zu gehen ist einfach, unserer ist schwer – das wusste schon Hermann Hesse in seinem Buch “Demian” zu berichten. Um das zu schaffen, brauchen wir ein mutiges Herz, den Willen unser Leben zu leben und die Bereitschaft das Übel zu erdulden.

Der heutige Abend hat mir mal wieder gezeigt, dass es geht, wenn ich mir nur einen kräftigen Tritt in den Hintern gebe. Er zeigte mir, dass es sich lohnt der Angst ins Auge zu blicken und Risiken einzugehen.

Die Aktion “reclaim the pub” war erfolgreich, mein Pub gehört wieder mir, ich habe es zurück erobert. Das soll mir ein Mahnmal sein und mich ermuntern, weiter für meine Freiheit zu kämpfen. Nächsten Freitag habe ich wieder mit einer Freundin abgemacht, wir werden wieder ins selbe Pub gehen. Und es wartet noch ein spannender Abend auf mich mit einem Freund als alten Greenpeace Zeiten, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe, mit dem ich demnächst mal die Grossstadt erobern werde und weitere Dates die ich schon länger aufgeschoben habe warten – nicht mehr lange – weil mein Wille zum Leben nun ganz erwacht ist.

Give a girl the right shoes and she can conquer the world, sagte Marylin Monroe so schön. Ok, auf die Schuhe kommt’s nicht wirklich an, es ist mehr die richtige Einstellung zum Leben – aber sicherheitshalber kann ich mir ja trotzdem noch ein paar neue Pumps kaufen ;-)

Was ich mit all dem sagen will – was ich vorallem Transsexualitätsbetroffenen laut und deutlich sagen will – passt auf, hütet Euch vor diesen verfluchten Vermeidungsstrategien. Sie bieten zwar Schutz und Sicherheit, aber sie hindern einem am Leben. Gerade wir, die wir uns unser Leben so hart erkämpfen müssen, sind es uns selber schuldig, das Beste aus unserem Leben herauszuholen. Und das geht nicht wenn wir uns des Lebens verweigern, wir müssen die Risikobereitschaft und allenfalls auch die Leidensfähigkeit aufbringen, weil sonst dieser ganze verdammte blutige Krieg umsonst war.

Das erinnert mich an ein Zitat von Arianna Davis, das ich auf meiner Sprüche-Seite habe:

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside

etwas simpel übersetzt:

Sie können mich beleidigen, sie können mich quälen,
sie können versuchen mit meine Würde zu rauben,
sie können mir sogar mein Leben nehmen,
aber sie können mir niemals das nehmen,
was ich tief in mir bin.
Ich werde von Natur aus immer das ausdrücken, was ich bin.

Genau diese Einstellung brauchen wir. Wie auch immer man uns missachten wird, was auch immer man uns antut, wir werden uns nie daran hindern lassen, uns selbst zu sein – das sind wir uns schuldig – weil das Leben selbst das grösste Heiligtum ist und weil die Entfaltung und der Ausdruck des Selbst die wahre Würde des Lebens ist.

Denn eines darfst Du nie vergessen:
DU bist Deine beste Freundin – für immer
Bleib Dir treu – für immer
Steh immer zu Dir selbst – für immer
Sei immer für Dich da – für immer
Gib Dein Leben für Dich selbst – immer
Und Du wirst alles überstehen – für immer



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