(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Gerichtlich bestätigt: Diana ist ein Määääädchen

Eigentlich ein Skandal, dass ich das eingeschriebene Gerichtsurteil ausgehändigt bekommen habe, obwohl der Name auf dem Couvert nicht mit dem Ausweis übereinstimmt und das Foto auf dem Ausweis auch nicht mit meinem heutigen Gesicht vergleichbar ist – aber ich will mich nicht beklagen – näääähääääiiiiin – ich freu mich nur wie blöd, dass ich es jetzt in den Fingern hab und immer wieder lesen kann – schwarz auf weiss:

Der Einzelrichter erkennt:

  1. Es wird festgestellt, dass die Gesuchstellerin weiblichen Geschlechts ist.
  2. Der Gesuchstellerin wird bewilligt, anstelle des Vornamens XXXXX den Vornamen Diana zu tragen. Die Gesuchstellerin heisst somit: Diana XXXXX
  3. Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 500.– angesetzt
  4. Die Kosten werden der Gesuchstellerin auferlegt.

Was für eine Freude. Auch wenn es ulkig ist, dass ein Gericht feststellt, dass “die GesuchstellerIN” (wohlgemerkt ein Feminimum) weiblichen Geschlechts ist, hat schon was Scharfsinniges. Aber mich hätte auch nicht gewundert, wenn gestanden wäre, dass “der Gesuchsteller” sich nun Frau nennen darf, insofern find ich die Formulierung schön und vorallem korrekt. Da steht nichts vom Umwandeln und sonstigem Zauberkram, es wird einfach festgestellt, dass ich n’Mädel bin, that’s it :-)

An dieser Stelle möchte ich dem Gericht auch ein Kränzchen winden. Auch wenn ich mich hier mehrmals geärgert habe, weil es so lange dauert und meines Erachtens einiges speditiver hätte ablaufen können, so war ich wirklich erfreut, dass ich seitens des Richters immer respektvoll behandelt wurde. Obwohl ich formal-juristisch bis zum Abschluss des Verfahrens noch den alten Namen und Personenstand trage, wurde ich sowohl brieflich als auch telefonisch immer in der weiblichen Form mit dem neuen Namen angesprochen. Betroffene werden jetzt einwänden, dass dies doch selbstverständlich sein sollte. Dem ist aber nicht so, es geht hier um eine juristische Sache und da bin ich nunmal formal gesehen noch nicht Diana. Dass man hier Respekt vor Gesetzesnorm stellt, fand ich wirklich angenehm.

Fragwürdig ist, dass das Urteil 14 Tage alt ist, die nun beginnende 30-tägige Einsprachefrist (trotz fehlender Gegenpartei) aber erst nach Versand des Urteils beginnt. Wo das Urteil seit Rechtsprechung bis zum Versand rumgelungert ist, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich freu mich jetzt einfach, dass ich es habe. In 30 Tagen kann ich den Stempel abholen, der das Urteil rechtskräftig macht, ab ins Passbüro stöckeln, den Ausweis bestellen und dann soll’s höchstens 10 Tage gehen bis ich den Ausweis hab – und dann ist Schluss mit all dem Quatsch :-)

Was mir jedoch einmal mehr zu Denken gibt ist die Stelle, an der steht:

Die rechtliche Anerkennung einer Geschlechtsänderung setzt (vernünftigerweise) voraus, dass die körperlichen Merkmale so weit entfernt oder angepasst sind, dass die FORTPFLANZUNGSFÄHIGKEIT im ursprünglichen Geschlecht ausgeschlossen ist.

Dieser Text ist nicht auf dem Mist des Richters gewachsen sondern basiert auf einem St.Galler Gerichtsentscheid von 1996. Mit “Geschlechtsänderung” ist nicht mein wirkliches Geschlecht gemeint (das hat ja nicht geändert) sondern der juristische Personenstand. Mir fehlt jegliches Verständnis, weshalb es dem Staat so wichtig ist, dass transsexuelle Menschen fortpflanzungsunfähig sein müssen. Die oberflächliche Betrachtung, dass ja andernfalls ein Kind zwei Mütter bekommen würde, ist absurd, weil das ja jetzt schon der Fall ist, ich habe bereits ein Kind und muss die ja jetzt auch nicht zur Adoption freigeben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es da eben doch eugenische Gründe gibt und das wiederum ist in höchstem Mass schockierend und wurde vom EU-Menschenrechtskommissar ja auch überdeutlich kritisiert.

Als letztes Kuriosum ist noch zu erwähnen, dass zu Beginn des Gerichtsurteils erklärt wird, dass man ein Einzelverfahren durchführen kann, weil es keine Gegenpartei gibt. Am Schluss des Urteils wird dann eben diese 30-tägige Einsprachefrist ausgesprochen und darauf hingewiesen, dass man eine allfällige Einsprache ans Gericht und alle Gegenparteien geschickt werden soll. Aha, öhm, naja ich muss nicht alles verstehen. Nun muss ich halt 30 Tage darauf warten, ob ich selber Einsprache erhebe und falls ich das tue, muss ich mich schriftlich informieren. Da krieg ich n’Knoten im Hirn, echt ;-)

Doch all das scheint mir nur noch nebensächlich, ich habe jetzt ein amtliches wenn auch noch nicht rechtskräftiges Schreiben, in dem mein Geschlecht bestätigt wird. Da steht nicht, ich sei eine Frau “geworden”, da steht, dass ich eine bin, Punkt. Dass ich n’Mädel bin, ist zwar nichts Neues, das weiss ich seit je her, aber nun auch diese offizielle Anerkennung zu bekommen, das tut sowas von gut, dass ich heulen könnte vor Freude :-)

PS: ich glaub ich muss heut mal wieder ins Pub, Grund zum Feiern hab ich ja jetzt wirklich :-)



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