(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Transsexualität und ganzheitliche Heilung

Es war ziemlich am Anfang dieses Tagebuchs, als ich die Frage, ob Transsexualität heilbar ist, beantwortete mit: Ja man kann Transsexualität heilen……. mittels Hormontherapie und plastischer Chirurgie. Was damals Theorie und Hoffnung war, ist heute für mich erwiesene Tatsache, bei mir hat es sich bestätigt. Das erstaunt mich nicht allzu sehr, hätte ich das nicht erwartet, hätte ich mir diesen schweren Weg erspart und mein Leben damals beendet. Was mich jedoch erstaunt ist der Umfang der Heilung, den ich nur als ganzheitlich bezeichnen kann. Das Leben “im falschen Körper” ist derart belastend, dass es zu einer Vielzahl von Folgeerscheinungen führt, die das eh schon schwere Leben noch belastender machen. All das hat ich aufgelöst, so wie ein Feuer sich auflöst wenn man ihm die Luft entzieht.

Depressionen und Lebenslust
Melancholie und Depression war mein ständiger Begleiter, ich hatte zwar auch viele glückliche Momente, aber die Traurigkeit folgte mir wie ein Schatten und überwältigte mich regelmässig. Es brauchte jeweils viel Kraft, um mich immer und immer wieder selber aus dem Sumpf zu ziehen. Ein Jahrzehnt lang brauchte ich wöchentlich eine Psychotherapiestunde, um einigermassen zu überleben.

Im Verlauf der letzten zwei Jahre brauchte ich diese Stunden immmer weniger und seit meiner genitalangleichenden Operation, die diesen Prozess abgeschlossen hat, bin ich noch nicht einmal dort gewesen. Ich werde zwar demnächst einen Termin abmachen, weil es ein paar Dinge zu besprechen gibt, aber für mein Überleben braucht es keine Therapien mehr. Traurigkeit kenne ich natürlich nachwievor, ich bin ein Sensibelchen und habe auch aufgrund meiner Stigmatisierung als “Transsexuelle” ein doch recht herausforderndes Leben und hie und da schmerzhafte Erlebnisse. Aber Depressionen, also Trauer die aus dem Inneren begründet ist, kenne ich nicht mehr.

Wenn ich früher morgens aufwachte, war da so ein Gefühl im Stil von: “Schon wieder ein Tag? Nimmt das denn nie ein Ende?” Wenn ich heute aufwache, denke ich vergnügt daran, was ich wohl heute anziehen sollte und gehe fröhlich in den Tag hinein.

Psychosomatische Störungen
Arztbesuche gehörten bei mir zum Leben. Wenn irgendwo ein Viirus in der Gegend rumwuselte, erwischte es mich garantiert. Meine jährliche Bronchitis waren mir genauso sicher wie die jährliche Grippe. Der Rekord waren vierzig Krankheitstage in einem einzigen Jahr.

Meine Hausärztin sah ich das letzte Mal vor zwei Jahren als ich wegen den Hormonen vorbei ging, seit da war ich nie mehr so krank, dass ich einen Arzt gebraucht hätte. Mal eine harmlose Erkältung oder eine kleinere Magen-Darm Störung, aber nichts was mich wirklich umhaute. Körper und Geist sind nicht zwei getrennte Dinge, sie interagieren miteinander. Die psychisch-emotionale Belastung war früher so gross, dass mich jeder Käfer umhaute. Heute müssen Krankheitserreger mit Panzern auffahren, damit sie mich kriegen, weil ich eine innere Stärke habe, die mich fast resistent macht gegen äussere Einflüsse.

Die Haut als Schutzschild vor dem Leben
In stressigen Phasen (also meistens) hatte ich überall am Körper Juckreiz, der manchmal unerträglich war. Vorallem im Genitalbereich hate ich die letzten rund zehn Jahre chronischen Juckreiz der mich fast wahnsinnig gemacht hat, es war als wollte ich da alles wegkratzen.

Der Juckreiz am Körper hat sich im Verlauf dieser zwei Jahre immer mehr aufgelöst und der im Genitalbereich endete am Tag nach meiner GaOp – ich habe mich seit der Op nicht ein einziges Mal mehr gekratzt dort. Einzig den Juckreiz an den Beinen habe ich nachwievor öfters, weil die Haut da zu trocken ist und ich zu faul um mich regelmässig einzucremen, aber das ist nichts im Vergleich zu dem was ich früher hatte.

Die Nacht als Massstab für den Albtraum des Lebens
Am Meisten verblüfft mich jedoch mein Nachtleben. Man kann nochsoviel verdrängen oder gutschwatzen im Leben, wie gut es einem wirklich geht, zeigt sich in der Nacht, wenn die Träume das zu verarbeiten versuchen, was einem tagsüber überfordert hat. Ich habe meine früheren Lebenspartnerinnen fast irre gemacht, weil ich mich jede Nacht hinundher gewälzt habe – nicht ohne dabei ständig die Decke zu klauen mit einer eindrücklichen Einrolltechnik – dabei knirschte ich ständig mit den Zähnen so dass die neben mir Liegende aufwachte und war fast jede Nacht patschnass, so dass es echt unangenehm war, so einen nassen Delphin neben sich im Bett zu haben. Oft musste ich mehrmals in der Nacht die Decke wenden weil sie so nass war und in schweren Zeiten sah man sogar meinen nassen Abdruck auf dem Bett, inklusive weissem Salzrand drumrum. Wenn ich aufwachte, war ich meist verstört, nass und erschöpft, was kein Wunder war, weil die Albträume derart grässlich waren, dass ich manchmal Angst hatte, einzuschlafen.

All das hat in den letzten zwei Jahren immer mehr abgenommen und tauchte nur noch auf, wenn ich in einer belastenden Phase war. Seit der GaOp ist das ganz vorbei. Albträume sind selten geworden und selbst wenn, wälze ich mich nicht rum und wache nicht nass auf. Zu meiner Verblüffung sagte mir Juliet, dass ich auch nicht mehr knirsche. Kürzlich realisierte ich sogar in einem Traum, dass ich träume, mir wurde bewusst, dass ich nun da es ein Traum ist alles tun kann und nutzte die Gelegenheit um zu fliegen. Was für ein Unterschied im Vergleich zu früheren Träumen, wenn ich in einer Stadt voll Zombies war oder bewaffnete Männer mich jagten oder ich auf skurilen Gerüsten herumkletterte und Todesangst hatte zu fallen. Gerade die Nächte sind für mich zu einem dramatischen Beweis geworden, wie schlecht es mir früher ging und wie gut es mir heute geht.

Allen Widrigkeiten zum Trotz
All das ist mehr als erstaunlich, wenn man bedenkt, dass mein Leben viel schwieriger geworden ist. Es gibt neue Existenzängste aufgrund von Diskriminierungen, wenn ich beispielsweise zukünftig mal eine Wohnung oder einen Job suchen muss und dabei sehr sehr schlechte Karten habe. Das Risiko von Gewaltübergriffen ist deutlich höher als früher, als mein Rockeroutfit wie eine Schutzweste war und im Gegensatz dazu ich heute eher zur Zielscheibe spätpupertierender Testosterongeschädigter werden kann. Die Hormontherapie birgt gesundheitliche Gefahren und die Harnröhre wird kaum wieder die Zuverlässigkeit von früher erreichen. Ich werde für immer damit umgehen müssen, dass Viele mich für gestört halten und dass selbst jene, die respektvoll mit mir umgehen, mich verkennen, weil sie glauben, ich sei mal ein Mann gewesen. Unverständnis, Respektlosigkeit, Diskriminierung, Angst, all das wird mein ständiger Begleiter sein und immer wieder wird Trauer, Wut oder Verzweiflung aufkommen wenn mir mal wieder bewusst wird, dass elementarste Menschenrechte für mich nicht gelten.

All das ist schwer zu ertragen, aber es ist nichts, überhaupt nichts, im Vergleich zu dem was ich früher durchgemacht habe. Denn früher habe ich darunter gelitten, dass ich kaputt bin, in einer vermeintlich normalen Welt. Heute fühle ich mich ganz, in einer zumindest teilweise kaputten Welt. So kann ich wirklich abschliessend und endgültig sagen: Ich bin geheilt von meiner Transsexualität, ich bin gesund und ich bin ganz.

Ich wünsche der Welt um mich herum, dass auch sie irgendwann geheilt wird von ihrem Schwarzweiss-Denken und der gegenseitigen Ausgrenzung, die uns alle gegenseitig zu Feinden macht. Ich lebe nun in Harmonie mit mir selbst – möge der Welt dieser Segen auch zuteil werden – shalom alechem!

Mein neues Tagebuch – a girl called Diana

Eigentlich wollte ich erst hier abschliessen und dann mein neues Tagebuch beginnen, aber es drängt mich immer mehr, mein neues Leben auch im Internet zu verfestigen und so habe ich nun mein neues Tagebuch offiziell eröffnet. Ich habe mich viel zu lange fast ausschliesslich um das Thema Transsexualität gedreht, es wird Zeit, neue Welten zu betreten. Dieses Tagebuch sollte eben das Tagebuch einer transsexuellen Frau sein, sollte diesen Weg den ich zwei Jahre lang gegangen bin darstellen. Das hat es getan und wird es noch ein paar Monate lang tun, es steht ja noch die Korrektur-Op vor mir und die Personenstandsänderung lässt auch weiter auf sich warten. Aber ich spüre einen grossen Drang zur Spiritualität und Philosophie und diese Energie möchte ich in meinem neuen Zuhause nutzen.

Deshalb eröffne ich nun offiziell mein neues Blog-Tagebuch, das den Namen “A girl called Diana” trägt. Da dieses Blog hier die Adresse diana.tgirl.ch hatte, fand ich es sinnig, da neue Blog auf der Adresse diana.agirl.ch zu eröffnen, eben mit dem trans-losen Titel “a girl called Diana”, weil ich nichts mehr sein will in Zukunft als einfach “a girl”, eine von Vielen, eine die etwas anders ist, aber doch schlussendlich just a girl. Der Untertitel lautet provisorisch mal “Tagebuch einer Frau mit transsexueller Vergangenheit”, weil ich diesen Aspekt nicht ausklammern möchte, aber ich bin noch nicht sicher, ob ich das so lasse.

Auf jeden Fall werde ich dort das Thema Transsexualität nicht mehr zum Mittelpunkt des Blogs machen, in der Mitte stehe ich – eben just a girl – auch wenn dieses Thema natürlich auch in Zukunft dort seinen Platz hat.

Wie Ihr sehen werdet, habe ich wieder dasselbe Layout genommen, weil es mir einfach so sehr gefällt und mir entspricht. Aber ich habe es etwas überarbeitet und breiter gemacht, damit ich etwas mehr Platz hab zum Gestalten.

Vorerst werde ich es so halten, dass ich hier vorallem noch über Dinge berichte, die direkt mit dem Thema zu tun haben, alles Andere wird ab sofort in meinem neuen Blog erscheinen. Ich bin ehrlich gesagt gespannt, wie sich das entwickelt. Vorerst habe ich ein paar Kapitel eingerichtet und zu jedem einen kleinen Einführungstext geschrieben, was aber noch alles für Themen auftauchen und welche Themen wie intensiv beackert werden, kann und will ich noch nicht beurteilen – lassen wir uns überraschen.

In dem Sinn, tschüss und hallo zusammen, wir lesen uns hier und dort:
A girl called Diana



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