(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Das freie Wort – Klartext

Ich mag verdammen, was du sagst,
aber ich werde mein Leben dafür einsetzen,
dass du es sagen darfst.

(Voltaire)

Anlässlich der Ausschaffungsinitiative habe ich nicht zum ersten Mal energisch einen Standpunkt vertreten und bin damit vielen meiner Leser verbal auf die Zehen getreten. Das bin ich mir bewusst und denke, dass das gut so ist.

In einem demokratischen Land wie in diesem hier, entscheidet schlussendlich das Volk, das hat man zu respektieren, solange es nicht höher geordnetes Recht bricht. In einem freiheitlichen Land läuft das so und auch ich stelle mich da nicht dagegen. Aber in einem freiheitlichen Land hat man auch das Recht auf freie Meinungsäusserung. Ich muss beispielsweise einen Volksentscheid anerkennen und respektieren, darf und soll ihn wenn nötig aber auch kritisieren. Mit so einer Kritik kritisiert man zwangsläufig alle, die diesen Gegenstandpunkt vertreten. Das muss erlaubt sein, wer für etwas eintritt, muss auch bereit sein, sich damit Widerspruch zu stellen. Mich darf man auch kritisieren zu allem was ich tue oder sage.

Aber Kritik richtet sich zumindest bei mir nicht gegen Menschen sondern Aspekte. Wenn jemand den ich mag etwas abstimmt, was ich für völlig daneben halte, dann lehne ich nicht den Menschen ab sondern nur einen einzelnen Aspekt, den ich für kritikwürdig halte. Man ist nie in allen Dingen einer Meinung, mit niemandem. Es ist ok, wenn man hie und da mal denkt, ein guter Freund sei ein Idiot, weil er grad etwas idiotisches tut. Aber das macht nicht den Menschen zu einem Idioten, andernfalls wären wir alle nur noch dies.

Ich habe in meinem Leben viel zu viel falsch gemacht, als dass ich mich zur Richterin aufspielen könnte und wollte über die ganze Menschheit. Wenn ich jemanden zu einem Thema anmeckere, dann richtet sich das auf das Thema, auf nichts anderes. Ich habe viele gute Menschen in meinem Umfeld, die hie und da mal Haltungen einnehmen, die ich für völlig daneben halte – es geht ihnen mit mir nicht anders. Das äussere ich dann gegebenenfalls auch. Aber das ändert nichts daran, dass die Kritisierten meine Freunde sind die ich lieb hab und die halt einfach in dieser Frage meiner Meinung nach einen Scheiss gemacht haben – oder ich – oder wir alle.

Also nehmt es mir bitte nicht persönlich, wenn ich auch in Zukunft – gerade rund um Abstimmungen – mal wieder verbale Ohrfeigen austeile. Das ist nie persönlich gemeint, unterschiedliche Standpunkte sind bereichernd, wenn man sie denn zulässt. Deshalb wird hier auch weiterhin Klartext geredet ;-)

Ich fühle mich an nichts von dem gebunden,
was ich geschrieben habe.
Ich nehme aber auch kein Wort davon zurück

(Jean Paul Sartre)

GaOp – Wenn das ‘T’ weg fällt

Eigentlich blogge ich momentan noch bis zu meiner Arbeitsfähigkeit noch in meinem GaOp-Blogtagebuch, aber das gehört doch hier hin……….

Wenn das ‘T’ wegfällt
Schon als ich aus der Narkose erwachte, war ich von dem Gefühl erfüllt, endlich einfach nur noch Frau zu sein, da war nichts transsexuelles mehr zu spüren, die Geschlechtsinkongruenz war aufgehoben, ich war geheilt. Deshalb habe ich nun den Titel und Untertitel des Blogs geändert, aus dem T-Girl wurde ein (t)-Girl und aus einer transsexuellen Frau wurde eine (nicht mehr) transsexuelle Frau. Das als Ausdruck meiner Selbstwahrnehmung. Aber was bedeutet das für die Zukunft dieses Tagebuchs?

Es war von Anfang an das Blogtagebuch einer transsexuellen Frau und die gibt es irgendwie nicht mehr, jedenfalls nicht in dieser transsexuellen/geschlechtsinkongruenten Form. Seit Monaten denke ich darüber nach, wie es mit dem Tagebuch Schreiben weiter gehen kann und soll. Nun habe ich entschieden und somit eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die schlechte Nachricht – dieses Tagebuch endet in wenigen Monaten
Dieses Tagebuch kann nicht mehr über das Leben einer transsexuellen Frau berichten und damit kommt der Punkt, an dem ich es beenden muss, weil die Geschichte ihr Finale erzählt hat und diesen Einblick in einen unvorstellbaren Lebensweg gewährt hat – ich hoffe, es ist mir gelungen, diesen Einblick in ein Wesen dieser Art zu ermöglichen. Vor mir liegen noch Dinge wie die kosmetische Nach-Op und die Personenstandsänderung und sicher auch einiges über das Einleben im neuen Leben, über all das will ich hier noch schreiben. Aber dann wird es Zeit…………….

Die gute Nachricht – das neue Tagebuch löst das Alte ab
………. dann wird es Zeit, dass die transsexuelle Diana der Frau Diana Platz macht, in einem neuen Tagebuch, in dem aus dem Leben einer verrückten, lebenslustigen, philosophischen, informierenden, zeternden, durchgenallten Frau erzählt wird. Da wird weiter humorvoll aus dem Leben geplaudert, rumphilosophiert und sicher auch hie und da mal wieder das Thema Transsexualität aufkommen. Aber es wird nicht mehr Zentrum sein, im Zentrum steht dann eine Frau namens Diana.

Weiter in neuem Gewande
So gesehen bleibt alles beim Alten, aber es geht in einem anderen Buch weiter, mit einem anderen Selbstverständnis. Die Königin ist tot, lang lebe die Königin, könnte man da wohl sagen.

Ich suche bereits nach einer freien Internetadresse und habe da schon ein paar Möglichkeiten gefunden:

  1. diana.weibchen.ch
  2. diana.anastasis.ch (anastasis = Auferstehung)
  3. diana.girlspower.ch
  4. blog.ladydiana.ch
  5. diana.weib.li (li = schweizerische Verkleinerungsform)
  6. diana.catwoman.ch
  7. diana.waldelfe.ch
  8. diana.trallalla.ch (blabla.ch ist leider schon weg)

Hat sonst jemand Vorschläge, was könnte noch passen?

Weitere Projekte
Ungeachtet davon, dass Transsexualität für mich persönlich zukünftig keine wesentliche Rolle mehr spielt, habe ich mir fest vorgenommen, mich in Zukunft für Andere einzusetzen, für all diejenigen, die nach mir kommen. Deshalb werden die anderen Blogs weiterlaufen, sowohl das News-Portal als auch das Fragen-Blog und selbstverständlich werden Juliet und ich weiterhin als DuoInfernale schreiben. Zusätzlich möchte ich die Menschenrechtsorganisation ATME unterstützen und Wege suchen, auf denen ich oder andere Ex-Betroffene als Coachs helfen können, für diejenigen, die noch ganz am Anfang dieses Weges stehen. Es gibt viel zu tun, dafür werde ich in Zukunft Zeit haben, eben gerade weil dieses Thema mir keine Zeit mehr raubt.

Eines verspreche ich Euch, ich werde weiter schreiben, wie könnte ich auch anders ;-)

Den Wert bestimmen meine LeserInnen

Als ich mein Blog-Tagebuch begann, war das Ziel nicht nur, den mir Nahestehenden meine etwas andere Wesensart näher zu bringen sondern auch, anderen Betroffenen oder ihren Angehörigen zu helfen und zu zeigen, was auf einem zukommen kann, wenn man diesen Weg gehen muss. Zu meinem grossen Erstaunen hat vorallem Zweiteres hohe Wellen geworfen und scheinbar viel mehr erreicht als ich mir vorgestellt habe. Immer wieder kontaktieren mich direkt oder indirekt Betroffene via Mail, immer wieder tauchen Fragen auf im Kommentarbereich und immer öfters bekomme ich Komplimente oder Dankeschöns, die mir zeigen, dass dieses eigentlich harmloss gedachte Tagebuch zu einem Leuchtfeuer durch dunkle Zeiten wurde – um die Worte aus untenstehendem Kommentar zu benützen.

Kürzlich bekam ich in meinem Fragen-Blog einen uh schönen Kommentar, der mich fast zu Tränen rührte. Ich liebe es, wenn ich Menschen helfen kann und noch mehr liebe ich es, wenn ich denen helfen kann, die kaum Hilfe finden. Dass mir das mit meinen Blogs gelingt und ich immer wieder Anderen helfen kann mit meinen Gedanken, ist unglaublich schön. Hier nun der Kommentar, der mich so berührt hat………………

Vielleicht muss es einfach einmal wieder gesagt werden – Deine Seiten, liebe Diana, sind das Beste und Hilfreichste unter all‘ den Tausend Seiten, die das weite Web uns so anbietet.

Einfühlsam, informativ und authentisch gechrieben, sorgsam recherchiert und mit selbstkritischem Hinweis, gerade dann, wenn auch Du mal nicht mehr wieter wusstest.

Mich hat das von Anfang an mehr als beeindruckt, hat viel professonelles Psychogeplapper relativiert und auf “lebensechte” Relationen reduziert.

Deine Seiten sind ein Leuchtfeuer auf einer Reise, die oft auch dunkle Passagen hat. Besonders dann bist Du für viele von uns bist das Licht auf dem Weg.

Dafür wollte ich Dir einfach hier mal “Danke” sagen.

Mir fehlen die Worte um auszudrücken, wie schön es ist, ein Licht zu sein auf dem doch öfters dunklen Weg von Betroffenen. Und es gibt mir Kraft und Energie, um mich weiter für all diese Menschen einzusetzen, auch jetzt, wo Transsexualität für mich persönlich nur noch eine Erinnerung ist an eine elend lange aber endlich vergangene Zeit. Wenn ich könnte, würde ich jede einzeln an der Hand nehmen und sie sorgsam durch diesen Weg begleiten, aber das kann ich natürlich nicht. Was ich tun kann, ist weiter von mir erzählen, meine Wege als möglichen Weg darlegen und Ratschläge zu erteilen.

Das bestärkt mich darin, dass ich mich nach meiner vollständigen Genesung ganz diesem Thema widmen möchte. Wie das genau geschehen soll, ist mir noch nicht klar. Klar ist, dass es noch viel zu schreiben gibt und ich viele Ratschläge verteilen kann, die für Manche hilfreich sein können. Aber mir schweben noch ganz andere Ideen im Kopf rum, beispielsweise ein Fragen-Forum in dem “Neulinge” von solchen mit Erfahrung Antworten bekommen können bis hin zu einer Coaching-Gemeinschaft, durch die Neulinge jemand mit Erfahrung als “Patin” bekommen. Es gibt auch viel zu tun, die bestehenden Behandlungsstandards und Diagnoserichtlinien zu kippen.

Natürlich kann ich nicht all das alleine tun, da werde ich Hilfe brauchen und um die werde ich zu gegebener Zeit hier bitten. Es gibt viele Menschen mit transsexueller Vergangenheit, die ihren Weg gefunden haben, die diesen fast ungehbaren Weg gegangen sind. Sie alle haben Erfahrungen gemacht, haben Tricks gefunden wie sie mit dem Unannehmbaren umgehen können. Dieses Kollektiv birgt einen wahren Schatz an Überlebenskunst, die es zu teilen gilt.

Aber vorerst bleibe ich egoistisch und werde mich in den nächsten Monaten vorallem um mich selbst kümmern. Schätzungsweise nächstes Frühjahr dürfte ich dann soweit sein, wieder etwas geben zu können und dann werden wir mal schauen, was wir alle gemeinsam auf die Beine stellen können. Gerade dieser Kommentar da oben hat mich bestärkt darin, es ist notwendig und es kann helfen, also muss es getan werden.

Wegbegleiter für transsexuelle Menschen

Schon seit langem geistert ein Plan in meinem Kopf rum, der nun langsam verwirklicht ist. Als transsexuelle Frau hat man in diesem Prozess der Geschlechtsangleichung unglaublich viele Fragen und Unsicherheiten. Man bekommt zwar mehr oder weniger medizinische Hilfe, aber wie man mit allem Anderen klar kommt, sagt einem niemand. Und dabei sind die Herausforderungen enorm. Viele Hürden müssen genommen werden und vieles muss gelernt sein, sei es das Selbstbewusstsein bis hin zu Kleider- oder Schminkfragen. Ich hätte mir eine Broschüre gewünscht, die einem ein paar Ratschläge gibt für diese ersten Hürden, leider gab es sowas nicht – bis jetzt, zumindest ansatzweise.

Ich habe in letzter Zeit eine Reihe von Beiträgen geschrieben und einige Beiträge aus meinen anderen Blogs kopiert und teils überarbeitet und so eine Art Wegbegleiter für transsexuelle Menschen gebastelt. Das Ganze ist zwar erst ein Entwurf und bedarf noch vieler Ergänzungen, aber fürs Erste dürfte es vorallem für Leute hilfreich sein, die vor oder mitten in diesem Prozess stecken.

Deshalb eröffne ich dieses neue Blog jetzt schon mal und bitte Euch alle, Eure Erfahrungen oder Fragen da einzubringen. Es sollte ein Handbüchlein werden, mit dem Betroffene durch die erste Zeit durchkommen und wenigstens ein wenig Hilfe dabei erhalten. Wer Fragen oder Antworten hat, soll diese bitte entweder über das Kontaktformular im dortigen Blog (Tabulator oben rechts) oder mir ein Mail schicken oder die Ergänzung gleich in einem der bestehenden Beiträge als Kommentar deponieren. Ich werde all das dann verwerten.

Also schaut mal rein und gebt mir Bescheid:
Transsexualität – Informationen für Betroffene



Copyright © 2017 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.