(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Bereit für die letzte Schlacht – GaOp-Tagebuch

Auch wenn ich es nachwievor nicht fassen und glauben kann, aber es ist nun wirklich soweit. Im Gegensatz zu den letzten Tagen war ich heute überraschend ruhig, wie eine Kriegerin die vor der letzten grossen Schlacht ruhig und überlegt ihr Schwert schleift und ihre Rüstung poliert.

Es fühlt sich wirklich irgendwie so an. Vor mir steht die letzte grosse Schlacht, die kriegsentscheidend sein wird. Ich weiss, dass ich gewinne, weiss, dass dann endlich Frieden einkehrt, aber ich weiss auch, dass ich einiges einstecken werde, verletzt werde, durchbeissen muss. All das scheint mir unwesentlich, was zählt ist der Sieg und der Frieden, der sich dann endlich ausbreiten kann.

Letzte Vorbereitungen
Die Taschen sind gepackt, der Abwasch erledigt, a bissrl aufgeräumt hab ich, gebadet und gehaarwascht bin ich. Es zeigte sich, dass ich zuwenig Platz hab, kein Wunder, muss ich doofes Weib doch allen Ernstes Schatzis riesige Kuscheldecke mitschleppen, wie bekloppt ist das denn. Aber ohne geht nicht, wenn Schatzi nicht da ist, brauch ich diese Kuscheldecke.

Nun noch was futtern, das letzte Blabla mit Schatzi, das letzte Mal hier schlafen……. und dann ist Aufbruch. Das Bett neu beziehen, damit ich in zwei Wochen in ein “neues Bett” krabbeln kann, Schminkzeug, Computer und Handy einpacken und dann ans Unispital pilgern – selbstverständlich so richtig angehübst, in mein liebstes rotes Stretchkleid gehüllt, schliesslich ist dann für einige Zeit Schluss mit nett ausschauen, dieses letzte Mal muss mit Stil gegangen werden, bin schliesslich eine richtige Lady ;-)

Die letzten Male
Apropos letztes Mal: Gestern und heute waren echt strange, unzählige Male tat ich irgendwas zum letzten Mal in diesem Zustand. Das letzte mal zur Arbeit laufen, das letzte Mal ackern, mich von allen verabschieden, nachhause gehen, das letzte Mal zuhause ausziehen und mich durch anatomische Kuriositäten erschrecken lassen, das letzte Mal zuhause abschminken, zum letzten Mal meine achsogeliebten Pouletflügeli mit Kroketten knabbern…….. Und all das hatte etwas feierliches, etwas andächtiges, tränenrührendes.

Die ersten Male
Nun sitz ich da, alles ist erledigt, nun noch das letzte Telefon mit Schatzi und das letzte Mal hier schlafen und schon bald beginnen all die ersten Male, auf die ich mich so sehr freue. Alles was ich in nächster Zeit tun werde, werde ich zum ersten Mal tun, selbst wenn ich es schon tausend Mal getan habe, weil ich es zum ersten Mal in diesem mir neuen Zustand tun werde, zum ersten Mal als Ich selbst tun kann. Auch das wird etwas feierliches, andächtiges und tränenrührendes haben – ich freu mich so darauf.

Ich bin nicht allein – Danke für die Glückwünsche
An dieser Stelle möchte ich mich bei all den vielen Menschen bedanken, die mich in den letzten Tagen mit Glückwünschen eingedeckt haben, das hat soooooo gut getan. Nicht nur, dass viele Bekannte und Freunde mir alles Gute gewünscht haben oder bereits Spitalbesuch ankündigten, auch von meinen BlogleserInnen haben sich einige gemeldet, auch solche, die ich bisher nicht kannte. Es ist unheimlich schön, zu wissen, dass Ihr alle in Gedanken bei mir seid an diesem Tag, das bedeutet mir wirklich sehr viel.

Hier geht’s weiter: Das GaOp-Tagebuch
Damit endet hier die Schreiberei erstmal (mit einer Ausnahme am Montag), anstelle dessen nehme ich morgen wenn ich dort ankomme mein GaOp-Blogtagebuch in Betrieb. Vom Dienstag an werde ich erst mal nicht mehr schreiben können sondern lieg mit lustigen Drogen zugedröhnt blöd rum. Juliet wird dann dort immer wieder kurz berichten, wie es mir geht und ob ich das Klinikpersonal schon irre gemacht hab. Sobald es geht, werde ich dann selber kurze Beiträge machen, wann das sein wird, kann ich aber noch nicht beurteilen. Fortan geht es also hier weiter:
Dianas Blogtagebuch einer geschlechtsangleichenden Operation

Und es ward Ruhe – Shalom!
Trotz aller Aufregung macht sich eine unermessliche Ruhe in mir breit, die Auferstehung und damit verbundene Erlösung ist so nah, ich fass es echt nicht. Und trotz des Unfassbaren dieses Augenblicks, durchströmt mich eine wärmende Ruhe – bald ist es vollbracht, bald bin ich frei, bald, ja bald, bin ich nur noch Ich selbst – dann wird meine Seele Frieden finden.



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