(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Die zweitletzte Woche

Diese Woche war ein kunterbunter Haufen an Ereignissen und Gefühlen………..

Op-Termin einen Tag später
Ok, ich geb’s ja zu, a bissrl deppert bin ich ja schon. Weiss der Geier, wie ich auf das Datum kam, aber als ich heute die Spitaleinladung nochmal genauer anschaute, stellte ich verblüfft fest, dass ich nicht am Samstag eintrudeln soll um die Op am Montag zu machen sondern dass ich am Sonntag erwartet werde und die Op am Dienstag dem 16. November stattfindet. Naja einen Tag mehr überleb ich jetzt auch noch, obwohl mein testosteron-gebeuteltes Hirn sich langsam ausklinkt und die ganze Rück-Vermännlichung langsam arg unangenehm ist.

Keine Pub-Party nächsten Donnerstag
Dann musste der Pub-Abend mit meinen Mädels, den wir für nächsten Donnerstag geplant haben, abgesagt werden. Wir machen vermutlich am Mittwoch was zusammen, aber dann hat das Pub zu. Ob ich dann am Donnerstag trotzdem im Pub rumstöckle, weiss ich noch nicht, hab ja noch ne Menge zu erledigen vor der Op.

Diana spielt Op-Gruseln
Der Montag begann eher unangenehm. Als Erstes musste ich die Rückkehr aus Hamburg verdauen, was mich verständlicherweise nicht grad in Partystimmung brachte. Am Abend entstand in meinem Kopf plötzlich ein ulkiges Gesellschaftsspiel, ich nannte es spontan “Op-Gruseln”. Der Tag der Op und der Vorabend geisterten in meinem Kopf rum und das in so fühlbarer Weise, dass es schon etwas grenzwertig war. Wie fühle ich mich, wenn die mich am Morgen wecken und ich weiss, dass ich gleich in Stücke geschnetzelt werde? Was denke ich am Vorabend, wenn ich einschlafen sollte und weiss, dass ich einen Wimpernschlag später im Op-Tag lande? Wie fühle ich mich, wenn ich in den Op-Saal geschoben werde, wo lustig blinkende und piepende Geräte rumstehen und mir unbekannte Leute mit Schläuchen, Spritzen und Macheten äh Skalpellen rumstehen? Werde ich begreifen wo ich bin, wenn ich im Aufwachraum aufwache? Werde ich Schmerzen haben? Gibt es Komplikationen? Mir wurde mehr denn je bewusst, dass ich echt Angst habe vor diesem Eingriff und den möglichen Komplikationen und den Strapazen die der Op folgen. Nicht, dass ich mich deswegen verrückt mache, aber es hat einfach etwas Bedrohliches. So sehr ich mich auch freue auf das Resultat, es bleibt die Tatsache, dass ich sehr Heftiges durchleben werde. Und da ich seit Kleinkindalter nie mehr in einem Op-Saal rumlag, ist das schon ein wenig Horrorfilm im Kopf.

GaOp Vorbereitungen der rationalen Art
Am Dienstag kippte ich dafür in die rationale Seite und begann die Sachen zu erledigen, die ich eh schon lange hätte tun sollen. Wohnung aufräumen und so Spass. Dabei war ich im Gegensatz zum Vorabend kühl und nüchtern, tat einfach eins nach dem Andern, ohne dabei viel zu fühlen. Ausserdem habe ich meine überquellende Mailbox etwas aufgeräumt, rund 500 Spammeldungen beerdigt, aber zum Beantworten der rund 50 offenen Mails kam ich wieder nicht. An der Stelle ein herzliches Sorry an alle, die noch auf eine Mailantwort von mir warten. Es geht nix vergessen, aber ich werde kaum bis zum Spitaltermin alles aufarbeiten können.

Neues Büro mit eigenem Klo und Raucherräumchen
Am Mittwoch kam dann der Umzug im Geschäft und da gabs ein paar ulkige Neuigkeiten. Unsere Firma dürfte wohl die Einzige sein, die ein “for T-Girls only Klo” hat. Echt wahr, ich hab mein eigenes Klo, nur für mich, höhö :-) Der Grund liegt ganz einfach darin, dass ich das einzige Mädel bin in der Software-Abteilung und da nur diese Abteilung in den unteren Stock umgezogen ist, hab ich halt jetzt mein eigenes Häuschen. Und weil ich die Einzige bin im Team, die qualmt, hab ich nun auch noch ein eigenes Raucher-Räumchen. Ich arbeite also so richtig als VIP :-) Ebenfalls neckisch ist, dass ich zum Verlassen des Büros auf eine Glastür zulaufe, in der ich mich leicht drin spiegle und da wir bisher noch keine eigene Kaffeemaschine haben, stöckle ich da im Stundentakt durch um in den oberen Stock zu kommen. Hmmmmm, also ich muss echt sagen, das hat was Berauschendes. Heute hatte ich beispielsweise mein schwarzes und arg kurzes Lieblings-Stretchkleid an, mit schwarzen Stiefeln und hellen Strümpfen. Wow, man mag mir jetzt Eitelkeit vorwerfen, aber ich genoss den Anblick jedes Mal, heute dachte ich mal grinsend: Wenn ich nicht schon in festen Händen wär, würd ich die nehmen ;-) Sowas baut Selbstbewusstsein auf.

Verwuscheltes von der Coiffeuse
Dafür hatte ich am Abend einen Termin bei meiner Coiffeuse. Abgesehen vom normalen Spitzen schneiden, trimmte und verdunkelte sie mir wieder die Augenbrauen, was mich wieder enorm viel aufgepeppt hat, versuchte sie mal einen Wuschelkopf zu föhnen und ich war echt überrascht, wie anders es aussieht so. Mein Schatzi hätte Freudentänze gemacht, weil sie so gern mit meinen Locken spielt – doofes Weib das – jedenfalls werde ich wohl ab und zu in Zukunft so verwuschelt rumlaufen, sofern ich das selber überhaupt hinkrieg.

Freitag = Pub-Tag
Der heutige Tag war arbeitsmässig wie schon gestern enorm spannend, weil ich eine knifflige Aufgabe bekommen habe, diese mit einer glorreich-kreativen Idee umsetze und nun eifrig daran rumschraube. So Kniffel-Jobs mag ich total, da versinke ich richtiggehend in der Problemstellung und die Zeit geht wie im Fluge. Und heute Abend geh ich um Neun wieder mal ins Pub und mein Testosteron etwas ausspühlen ;-)

Weiter geht’s im Catwalk
Morgen werde ich dann ausnahmsweise arbeiten, weil wir noch viel zu tun haben vor meiner Op. Am Sonntag werde ich dann wiederum zuhause ackern und all das erledigen, das eben noch zu erledigen ist. Und weil ich in einer Woche für zwei Wochen in einem Spital rumliege, mit so grässlichen Spitalhemden und ohne anständige Schuhe und weil ich anschliessend noch ne Weile zuhause bleiben muss und wieder nix Schickes anziehen kann, habe ich mir vorgenommen, nächste Woche all meine Lieblingskleider nochmal zu tragen, die Pumps nochmal an die frische Luft bringe und die Süsse des weiblichen Lifestyles so richtig geniesse.



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