(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Weekend, Halloween und ab in den Endspurt

Und da wär ich wieder – leider – ich bin nur mit Zähneknirschen von Hamburg aus zurückgeflogen. Und kaum da, geht der innerliche Endspurt los. Naja wer hätte da schon Anderes erwartet……..

Auf dem Hinflug hatte ich diesmal ein neues Vergnügen des preOp-Daseins. Frei von Schmuck und Stiefeln stöckelte watschelte ich würdelos-entschuht durch den Scanner und wunderte mich darüber, dass es piepst – ich weiss ja unterdessen was ich nicht an mir haben darf. Auf meine verwirrte Frage erklärte sie, ich sei wohl eine 10% Quote. Na toll, bin ich schon in unserem Programmierteam die Quotenfrau resp. das einzige Mädel und nun sowas. Sie nahm mich mit hinter den Vorhang und ging mir an die Wäsche. Aber im Gegensatz zu den Handscanner Kontrollen legte die Gute Hand an, begann beim Busen und endete *tiefluftholt* in Hüfthöhe *tieferluftholt* in der Mitte *urks*…… und machte keine Anstalten, sie hat offensichtlich nicht gemerkt, was da – naja – jedenfalls musste ich mir dann doch nicht ohne Stolz zugestehen, dass meine Bekleidungstechnik echt gut ist :-)

Da ich in so einer menschenunwürdigen Frühe flog, hatten die Flugmädels Mitleid mit uns und wir kriegten anstelle des gewohnten Mäusefutters Croissants (Gipfeli), diese viel Luft Dinger mit etwas kein Brot drum rum oder so. Ansonsten war die Hinreise unspektakulär – ausser natürlich meine Süsse, die verzückt lächelnd da stand als ich aus dem Gate stöckelte. Ach echt, dieser Moment ist immer Wahnsinn. Wie der Start des Flugzeugs, ich muss immer gegen eine Augenbenessungsattacke ankämpfen, echt irre.

Dann folgten vier Tage zusammen mit “unserer” Mama und ihrem Freund und drei Miezen und “der Katze” war auch da ;-) Was haben wir gelacht – und ganz viel Horrorfilme geguckt weil Halloween war :-) Und viel seltsam aussehendes Futter gegessen, das ja bekanntlich je grusliger umso besser ist in Deutschland. Und meine heissgeliebte suppenlose Suppe kriegte ich auch wieder :-)

Unsere kleine Shoppingtour war hart an der Grenze zur Unergiebigkeit. Keine Stiefel, keine Kleider, nur eine Tüte voll Strümpfe brachten wir als Beute heim. Dass mir sowas mal passieren könnte, hätte ich auch nicht gedacht. Aber ich war vorallem auf ganz spezifische Dinge aus und ebendie fand ich nicht. Obwohl – als ich vor den 10cm hohen “Sex and the City” Pumps stand, mit Glitzer dran *verzücktguckt* oder die in Pink – naja habs dann knapp geschafft, mich von Juliet rauszerren zu lassen. Das war klug, jawoll……… und reut mich irgendwie :o)

Einmal gingen wir Abends dann zu Schweinske. Muss man kennen, oder? Juliet hat so davon geschwärmt und Mama zwang mich empfahl mir, ein Duckstein zu probieren. So ein leicht bitteres Bier, irgendwo zwischen einem hellen Bier und Guinness. Hab dann mal zwei Halbliter probiert, war guuuuuuut :-) Und das Essen war zu genial. Schwein ist oft trocken, sehr oft sogar, aber das Ferkel an ner Pfeffersauce war einfach zart wie Butter.

Ansonsten – man ahnt es – klebten wir wie zwei bekloppte Geckos aneinander :-)

Aber eben, nach gefühlten zwei Tagen waren die vier Tage rum und so dackelten wir heute in gewohnter Grabesstille gen Flughafen. Der Abschied ist schon eine heftige Sache, da muss man ne Menge Gefühle verdrängen um da nicht mitten am Flughafen eine Heulattacke zu kriegen. Gerade weil wir ein paar Tage so glücklich sein können, hat der Abschied jedesmal etwas Grausames. Aber nach dem Weekend ist vor dem Weekend und es werden andere Zeiten auf uns zukommen, das tröstet dann doch.

Ich hatte noch einen zusätzlichen Trost, nun sind’s nur noch zwei Wochen bis zur GaOp. Puh ist das nah, ich kann schon den Geruch des Op-Saals riechen. Keine Ahnung wie es dort riecht, aber genau das kann ich riechen ;-) Ich sollte innerlich ruhiger werden, aber die Aufregung ist einfach zu gross um ruhig zu sein.

Das war das letzte Mal, dass ich in diesem Zustand zu Juliet gehe, bei unserem nächsten Wiedersehen werde ich mich zum ersten Mal ganz fühlen können – und ganz frei – das machte den heutigen Abschied auch etwas feierlich, er schliesst etwas ab, das neu geboren wird, das Ende einer alten und der Beginn einer neuen Ära.

Süsse……… liebdischtotaaaaaaaaal :-)

Psssst, so unter uns, ich hätt die pink Pumps doch kaufen sollen, nicht? ;-)

Die zweitletzte Woche

Diese Woche war ein kunterbunter Haufen an Ereignissen und Gefühlen………..

Op-Termin einen Tag später
Ok, ich geb’s ja zu, a bissrl deppert bin ich ja schon. Weiss der Geier, wie ich auf das Datum kam, aber als ich heute die Spitaleinladung nochmal genauer anschaute, stellte ich verblüfft fest, dass ich nicht am Samstag eintrudeln soll um die Op am Montag zu machen sondern dass ich am Sonntag erwartet werde und die Op am Dienstag dem 16. November stattfindet. Naja einen Tag mehr überleb ich jetzt auch noch, obwohl mein testosteron-gebeuteltes Hirn sich langsam ausklinkt und die ganze Rück-Vermännlichung langsam arg unangenehm ist.

Keine Pub-Party nächsten Donnerstag
Dann musste der Pub-Abend mit meinen Mädels, den wir für nächsten Donnerstag geplant haben, abgesagt werden. Wir machen vermutlich am Mittwoch was zusammen, aber dann hat das Pub zu. Ob ich dann am Donnerstag trotzdem im Pub rumstöckle, weiss ich noch nicht, hab ja noch ne Menge zu erledigen vor der Op.

Diana spielt Op-Gruseln
Der Montag begann eher unangenehm. Als Erstes musste ich die Rückkehr aus Hamburg verdauen, was mich verständlicherweise nicht grad in Partystimmung brachte. Am Abend entstand in meinem Kopf plötzlich ein ulkiges Gesellschaftsspiel, ich nannte es spontan “Op-Gruseln”. Der Tag der Op und der Vorabend geisterten in meinem Kopf rum und das in so fühlbarer Weise, dass es schon etwas grenzwertig war. Wie fühle ich mich, wenn die mich am Morgen wecken und ich weiss, dass ich gleich in Stücke geschnetzelt werde? Was denke ich am Vorabend, wenn ich einschlafen sollte und weiss, dass ich einen Wimpernschlag später im Op-Tag lande? Wie fühle ich mich, wenn ich in den Op-Saal geschoben werde, wo lustig blinkende und piepende Geräte rumstehen und mir unbekannte Leute mit Schläuchen, Spritzen und Macheten äh Skalpellen rumstehen? Werde ich begreifen wo ich bin, wenn ich im Aufwachraum aufwache? Werde ich Schmerzen haben? Gibt es Komplikationen? Mir wurde mehr denn je bewusst, dass ich echt Angst habe vor diesem Eingriff und den möglichen Komplikationen und den Strapazen die der Op folgen. Nicht, dass ich mich deswegen verrückt mache, aber es hat einfach etwas Bedrohliches. So sehr ich mich auch freue auf das Resultat, es bleibt die Tatsache, dass ich sehr Heftiges durchleben werde. Und da ich seit Kleinkindalter nie mehr in einem Op-Saal rumlag, ist das schon ein wenig Horrorfilm im Kopf.

GaOp Vorbereitungen der rationalen Art
Am Dienstag kippte ich dafür in die rationale Seite und begann die Sachen zu erledigen, die ich eh schon lange hätte tun sollen. Wohnung aufräumen und so Spass. Dabei war ich im Gegensatz zum Vorabend kühl und nüchtern, tat einfach eins nach dem Andern, ohne dabei viel zu fühlen. Ausserdem habe ich meine überquellende Mailbox etwas aufgeräumt, rund 500 Spammeldungen beerdigt, aber zum Beantworten der rund 50 offenen Mails kam ich wieder nicht. An der Stelle ein herzliches Sorry an alle, die noch auf eine Mailantwort von mir warten. Es geht nix vergessen, aber ich werde kaum bis zum Spitaltermin alles aufarbeiten können.

Neues Büro mit eigenem Klo und Raucherräumchen
Am Mittwoch kam dann der Umzug im Geschäft und da gabs ein paar ulkige Neuigkeiten. Unsere Firma dürfte wohl die Einzige sein, die ein “for T-Girls only Klo” hat. Echt wahr, ich hab mein eigenes Klo, nur für mich, höhö :-) Der Grund liegt ganz einfach darin, dass ich das einzige Mädel bin in der Software-Abteilung und da nur diese Abteilung in den unteren Stock umgezogen ist, hab ich halt jetzt mein eigenes Häuschen. Und weil ich die Einzige bin im Team, die qualmt, hab ich nun auch noch ein eigenes Raucher-Räumchen. Ich arbeite also so richtig als VIP :-) Ebenfalls neckisch ist, dass ich zum Verlassen des Büros auf eine Glastür zulaufe, in der ich mich leicht drin spiegle und da wir bisher noch keine eigene Kaffeemaschine haben, stöckle ich da im Stundentakt durch um in den oberen Stock zu kommen. Hmmmmm, also ich muss echt sagen, das hat was Berauschendes. Heute hatte ich beispielsweise mein schwarzes und arg kurzes Lieblings-Stretchkleid an, mit schwarzen Stiefeln und hellen Strümpfen. Wow, man mag mir jetzt Eitelkeit vorwerfen, aber ich genoss den Anblick jedes Mal, heute dachte ich mal grinsend: Wenn ich nicht schon in festen Händen wär, würd ich die nehmen ;-) Sowas baut Selbstbewusstsein auf.

Verwuscheltes von der Coiffeuse
Dafür hatte ich am Abend einen Termin bei meiner Coiffeuse. Abgesehen vom normalen Spitzen schneiden, trimmte und verdunkelte sie mir wieder die Augenbrauen, was mich wieder enorm viel aufgepeppt hat, versuchte sie mal einen Wuschelkopf zu föhnen und ich war echt überrascht, wie anders es aussieht so. Mein Schatzi hätte Freudentänze gemacht, weil sie so gern mit meinen Locken spielt – doofes Weib das – jedenfalls werde ich wohl ab und zu in Zukunft so verwuschelt rumlaufen, sofern ich das selber überhaupt hinkrieg.

Freitag = Pub-Tag
Der heutige Tag war arbeitsmässig wie schon gestern enorm spannend, weil ich eine knifflige Aufgabe bekommen habe, diese mit einer glorreich-kreativen Idee umsetze und nun eifrig daran rumschraube. So Kniffel-Jobs mag ich total, da versinke ich richtiggehend in der Problemstellung und die Zeit geht wie im Fluge. Und heute Abend geh ich um Neun wieder mal ins Pub und mein Testosteron etwas ausspühlen ;-)

Weiter geht’s im Catwalk
Morgen werde ich dann ausnahmsweise arbeiten, weil wir noch viel zu tun haben vor meiner Op. Am Sonntag werde ich dann wiederum zuhause ackern und all das erledigen, das eben noch zu erledigen ist. Und weil ich in einer Woche für zwei Wochen in einem Spital rumliege, mit so grässlichen Spitalhemden und ohne anständige Schuhe und weil ich anschliessend noch ne Weile zuhause bleiben muss und wieder nix Schickes anziehen kann, habe ich mir vorgenommen, nächste Woche all meine Lieblingskleider nochmal zu tragen, die Pumps nochmal an die frische Luft bringe und die Süsse des weiblichen Lifestyles so richtig geniesse.

Sein letztes Aufbäumen

Vor fünf Wochen habe ich die Hormontherapie wegen der bevorstehenden GaOp abgesetzt und durchlebe nun den erlösenden Prozess der letzten zwei Jahre im Rückwärtsgang.

Als ich damals die HRT begann, erlebte ich eine befreiende Veränderung meines Hormonkreislaufs. Während früher der ganze Hormonprozess im Widerspruch zu meinem Hirn und meiner Seele ablief und mich in ein mir völlig unverträgliches Hormonleben zwang, normalisierte sich alles von Woche zu Woche. Ich wurde ruhiger, dieses ständig aufgedreht sein löste sich auf, die Aggressionen nahmen ab und nichtzuletzt veränderte sich der Körper, der Körpergeruch veränderte sich und schon bald nahm auch das bizarre Eigenleben zwischen den Beinen ein wohltuendes Ende. Nach diesen fünf Wochen ist nun alles wieder auf den Kopf gestellt, es fühlt sich an wie das letzte Aufbäumen dieses männlichen Phantoms, das vierzig Jahre mein Leben lebte und noch einmal aus dem Koma erwacht.

Vieles fühlt sich in mir wieder fremd an, unangenehm fremd. Dieses ständige Aufgekratztsein, als ob ich zuviel Strom abbekommen würde. Gerade jetzt, wo Ruhe für mich so wichtig wäre, koche ich innerlich auf und entferne mich vor mir selbst resp. mein Körper entfernt sich wieder von mir. Ich würd das gerade jetzt echt nicht brauchen, es raubt mir eine Energie, weil dieses Fremdartige das wieder in Erscheinung tritt, das Eigene teilweise verdrängt.

Natürlich ist das alles nur eine selbstverständliche Folge des auf den Kopf gestellten Hormonhaushalts. Aber es fühlt sich an, als ob “er”, dieser Kunstmensch der einst so tat als gäb’s ihn, dass “er” sich ein letztes Mal aufbäumen will, ein letzter vergeblicher Versuch, die Herrschaft über mich zurück zu erobern.

Tausend Dinge müsste ich noch erledigen, unter anderem diese fünfzig offenen Mails und meine – wohlwollend formuliert – chaotische Wohnung aufräumen und putzen und vieles mehr, das ich noch erledigen muss. Aber ich komm zu nix. Dieses Testosteron, mit dem mein Hirn nunmal nicht klar kommt, dreht mich wieder völlig auf, ich will dann soviel tun, dass ich mich für nix entscheiden kann und deshalb gar nix tue.

Da ist wieder diese Spannung, die jeden Muskel im Körper unter Strom setzt, wie ein Raubtier vor dem Sprung, wie der Körper eines Kriegers vor der Schlacht. Dieses ständige Gefühl des Gehetztseins, raubt mir jede Ruhe.

Vier Wochen ohne HRT wär knapp erträglich gewesen, befremdend aber erträglich. Aber seit letzter Woche ist es ein kleines bisschen Horrorshow. Das Gefühl der Entfremdung von meinem eigenen Körper ist echt irrwitzig. Es macht mir mehr den je bewusst, wie richtig mein Hormonhaushalt während der HRT war, wie wohl sich meine Seele im Meer eines östrogen-dominierten Hormonhaushalts fühlte und wie entspannt mein Hirn ohne Testosteronbeschuss war.

Mein Körper, das Haus in dem meine Seele wohnt, ist wieder ein Männerhaus geworden, die Wände wurden wieder von lila auf blau umgestrichen und ich fühl mich da drin überhaupt nicht mehr wohl.

Aber in einer Woche wird wieder umgezogen, dann wird “ihm” die Energiezufuhr gekappt, dann ist Schluss mit diesem Jungskram hier in meinem Ich. Gerade dieses letzte Erscheinen dieser Hormoninkompatibilität und Selbstentfremdung beestätigen mich in diesem Entscheid. Ich habe erlebt, wie wohl es mir in mir drin sein kann, wie harmonisch mein Körper-Geist-Gefüge sein kann – echt, ich ertrag diesen Jungskram nicht mehr.

Treffpunkt Blog-Tagebuch – wer bist Du?

Wer bist Du?
Kennen wir uns?
Wie bist Du hierher gekommen?

Irgendwie ulkig, 37’000 Menschen haben schon hierher gefunden, lasen 225’000 Seiten. Täglich schwirren da rund 200 Personen rum, mindestens 50 davon sind StammleserInnen, alle sehen tief in mich hinein…….. Aber wer seid Ihr alle?

Dieses Tagebuch hatte mehrere Ziele. Zuerst sollte es Angehören und Freunden einen Einblick geben in meine Gefühlswelt, um besser verstanden zu werden. Weiter sollte es andere Betroffenen zeigen, was da so auf einem zukommt. Und es sollte auch ein paar Informationen bieten, die interessierte Aussenstehende aufklären konnten.

Aufgrund der Blogstatistik kann ich entnehmen, dass viele Besucher Betroffene sind, die spezifische Fragen haben. Dann sind natürlich noch die Gruseljungs die nur Schweinkram im Sinn haben. Und es gibt auch viele Anfragen von Leuten die sich ganz einfach informieren möchten.

So kommt es, dass ich auch immer wieder mal Mail-Anfragen bekomme, weil jemand Rat sucht oder eine Frage hat. Naja, das ist einer der Gründe warum noch 50 Mails unbeantwortet sind. Ich bin beispielsweise grad zum zweiten Mal daran, bei einem Schulvortrag mitzuhelfen. Die Letzte kriegte ne glatte Sechs (ist in der Schweiz das Beste). Gerade diese Mails sagen auch ein wenig über meine Leserschaft aus.

Aber mit etwas habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, dass sich unter meinen LeserInnen auch solche finden, die zufällig nach etwas ganz anderem suchend hier landeten, lasen, das Gelesene spannend fanden, weiter lasen…….. und mir dann schreiben, jetzt wüssten sie was Transsexualität wirklich bedeutet. Sie zeigen ein enormes Verständnis und oft bekomme ich Bestätigungen im Stil von “so wie Du schreibst, schreibt nur eine Frau”.

Gerade heute – und das ist der Auslöser für diesen Beitrag – bedankte sich ein Mädchen dafür, dass sie soviel über das Thema lernen konnte hier im Blog und sie hätte grad kürzlich ihren Vater aufgeklärt. Und das ist echt erstaunlich. Es ist ja schon toll, dass ich mit diesem Blog etwas aufklären kann. Aber dass Menschen, die nach etwas völlig Anderem suchen, hier landen und dann trotzdem hängen bleiben und zu StammleserInnen werden, ist ein wunderschönes Kompliment für eine “Schriftstellerin”. Auch dieser Kommentar von heute gehört in diiese Kategorie, diese Leserin fand mich beispielsweise auf der Suche nach “Catwalk Katzen”….. dass Google da an mich verweist, hat schon was berauschendes :o)

Irgendwie fühle ich mich mit meinen LeserInnen verbunden, vorallem mit den StammleserInnen, obwohhl ich kaum eine Ahnung habe, wer sie sind und vorallem, warum sie hier lesen. Aber ein paar habe ich kennen gelernt, ein paar rührende Schicksale miterlebt, einige Male geholfen oder auch mal getröstet……… und eine meiner frühsten Stammleserin kenne ich mittlerweile so gut, dass ich mit ihr verlobt bin. Schon irre, was so ein Tagebuch alles bewirken kann. Danke, liebes Tagebuch :-)

Transsexualität und hormonelle Unverträglichkeit

Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedürfte, wäre die psycho-emotionale Wirkung der Hormone der letzte Beweis dafür, dass eine transsexuelle Frau weiblich ist resp. umgekehrt ein transsexueller Mann männlich.

Das weibliche Hirn einer transsexuellen Frau kommt mit der Wirkung von Testosteron absolut nicht klar. Da werden Signale ans Hirn gesendet, die dieses nicht mal im Ansatz zu verstehen vermag. Gerade die Hormontherapie legt Zeugnis ab über die überwältigende Wirkung der Sexualhormone.

Als ich die Hormontherapie erst mit moderater und mit der Zeit zunehmender Dosierung begann und damit meinen Hormonhaushalt auf meine weiblichen Empfindungen anpasste, kamen die Veränderungen schleichend und so Manches wurde schnell zur Selbstverständlichkeit. Aber das Absetzen der Hormontherapie mit dem rasenden Umsturz zurück in alte Verhältnisse, lässt wirklich aufschrecken. Wie inkompatibel dieser Testosteron-Zustand ist, wird erst von dieser Warte aus in aller Deutlichkeit spürbar.

Schon als Kind hatte ich mit Agressionen zu kämpfen, für die ich keine Reaktionsmuster zur Verfügung hatte. Ich wurde beispielsweise gehänselt, wurde wütend, fand aber nichts womit ich diese Gefühle hätte umsetzen können. Dieses ich-hau-dir-in-die-fresse Muster, das Testosteron von mir forderte, war einfach nicht Teil meiner Wesensart und meines Verhaltensrepertoires. Auch dieses ständig auf Erfolg und Vorwärtsstreben fixierte Denken, das keine Ruhe gönnt, war extrem überfordernd.

Jungs haben eine männliche Hirnstruktur, die zu diesen Hormonen passt, das männliche Gehirn kann damit etwas anfangen. Das war bei mir nie der Fall. In mir drin fühlte es sich immer an, als ob die Leitungen glühen, weil viel zu viel Strom auf der Batterie ist.

Ich staune wirklich Bauklötze, wenn ich wie jetzt erlebe, wie dieses Zuhausefühlen in mir selbst während der letzten zwei Jahre innert weniger Tage wie ein Kartenhaus zusammenbricht und ich plötzlich wieder den Drang hab, Tastaturen zu zerdeppern und so Quatsch.

Es erstaunt vorallem, wie unglaublich passend sich die weiblichen Hormone, die Östrogene, anfühlten. Die Gefühle kamen von da an in verständlicher Weise im Hirn an, es konnte damit etwas anfangen. Und dann, unter plötzlichem Testosteroneinfall, wird alles wieder toxisch, als hätte ich eine Grippe, da durchfluten mich Emotionen und Energien, mit denen ich überhaupt nichts anstellen kann, die einfach nur fremd und überfordernd sind.

Gestern hatte ich am Nachmittag einen halben Blutrausch. Keine Ahnung warum, alles was nicht sofort klappte, brachte mich auf 180. Auf Facebook schrieb ich irgendwann in der mir eigenen Ironie auf Facebook: “ich interessier mich ja aus Prinzip nicht für Sport, aber hat jemand einen Baseball Schläger zur Hand?” und ich bin froh, dass mir niemand einen gebracht hat. Ne echt, diese Gereiztheit war früher schon eine Belastung, aber seit ich mich in harmonischere Gefilde begeben habe, ist das echt grenzwertig.

In aller Deutlichkeit zeigt sich mir, dass ich immer Recht hatte mit der Behauptung, dass ich nichts anderes als eine Frau bin. Wenn männliche Sexualhormone derart beissend empfunden werden und ein weiblicher Hormonhaushalt so harmonisch ist, dann ist diese Frage ein für alle Mal geklärt…….. und dann wirds höchste Zeit, diese Störhormone endlich auszuschalten – heute in einer Woche :-)

Geboren um zu leben!

Der heutige Abend geht in die Annalen meiner Geschichte ein, ohne dass ich je erklären könnte, was er wirklich bedeutet hätte. Seit Stunden sitz ich da, plappere wirres und sinnloses Zeuchs auf meinem Facebook Account, telefoniere mit meiner Süssen und brabble sie voll mit noch wirrerem Zeuchs, ich finde mich in einem Zustand. der alles Erdenkliche übersteigt, alles Aussprechbare übertönt, Fassungslosigkeit, Euphorie, Hoffnung, grenzenloses Glücklichsein…………

Ich drehe wirklich fast durch, jetzt in diesen Tagen, in denen das Unmögliche und Undenkbare Wahrheit wird. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber diese Zeit ist jeder Wiederholung würdig. Wenn man vier Jahrzehnte darauf warten muss, bis man zu Leben beginnen kann, dann ist dieser Beginn des Lebens so einmalig, so unvorstellbar, dass man nicht anders kann als völlig durchzudrehen.

Geboren um zu leben, lautet der Titel eines Lieds der Band “Unheilig”. Das Lied hat nichts mit mir zu tun, es geht eigentlich um den Tod eines Menschen – und doch, es trifft diesen Moment wie nichts anderes. Geboren um zu leben, das ist der Sinn meines Seins, der erst jetzt, in diesen Tagen, sein Ziel erreicht.

Ich bin völlig aufgedreht, halb hysterisch, von körpereigenen Hormonen durchflutet, von unvorstellbarer Euphorie getrieben. Seit 16022 Tagen existiere ich in diesem jämmerlichen Spiel des Lebens, noch lausige 6 Tage, ein 2670el meines bisherigen Lebens, bis das Unvorstellbare, das Unmögliche, das nie Erreichbare, doch Wahrheit wird.

Schon morgen geht es nur noch einen 3004el meines bisherigen Lebens, bis der Sinn meines Lebens, das Fundament meines Seins, sich ausbreitet, wie ein Pilz der seinen Kreis zieht. Zuende ist die Diskrepanz, zuende ist die Zerrissenheit, zuende der Selbsthass, zuende die Verständnislosigkeit meinem eigenen Selbst gegenüber.

Geboren um zu leben, was sonst, sollte der Sinn eines Wesens sein? Geboren wurde ich vor langer Zeit, zu Leben beginne ich erst jetzt wirklich. Aber es zählt nicht die Zeit, es zählt die Tiefe. Egal wie lange ich nicht Ich sein konnte, es spielt keine Rolle, wichtig ist nur, wie lange ich noch Ich zu sein vermag. In 6 Tagen beginnend, bis ans Ende aller Zeit. Morgen noch ein 3204el bis zum Erwachen, übermorgen schon ein 4007el.

Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich trauere um die Menschen, die den Wert des Lebens, den Wert des Ichseins nicht in diesem Ausmass erfühlen dürfen, wie ich es unfreiwillig vermag. Wie wertvoll das Leben ist, wird einem erst klar, wenn es seine Selbstverständlichkeit verliert. Die Dankbarkeit, leben zu dürfen, sich entfalten zu dürfen, sich selbst zu sein, zeigt sich erst dann, wenn die Selbstverständlichkeit dessen sich auflöst. Am Freitag fehlen noch drei Tage, ein 5341el meines bisheriger Existenz, die Summe erstreckt sich ins Unermessliche, geboren um zu leben………..

Wie wertvoll ist doch das Leben, wie edel doch das Ichsein, wie berauschend die Selbstentfaltung. Am Samstag sind es noch zwei Tage, ein 8012el einer sinnentlehrten Existenz, geboren um zu leben, zum Leben neu erwacht.

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde – und eine Stimme sagt: Es werde, ein neuer Tag………… so lautet ein Lied der Gothic-Band Illuminate, das mich seit dem ersten Hören tief bewegte. Irgendwann, wahrscheinlich nie, wird es vielleicht, wahrscheinlich nie, geschehen, das Wunder, wohl nie vollbracht…………… es ist vollbracht.

Noch einen Tag, am Sonntag, ein 16025el meines bisherigen Daseins, zum Beginn meines wahren Lebens…….. Gott steh mir bei, an diesem einen Tag, der mein Leben zum Leben erweckt.

Es mag seltsam klingen, aber so sehr ich mich auch danach sehne, dass dieser bisherige Irrsinn endlich ein Ende hat, irgendwie wünschte ich mir doch, dass dieser Moment der Erwartung und Hoffnung, nie ein Ende finden würde.

Ein hysterisches Dies und das gen Schluss

Leck mich am Arsch, bin ich aufgedreht………. öhm………… *hüstel*……… naja, ok, das war nicht grad lady-like………. aber so verdammt wahr :-)

Diese Woche artet die Euphorie langsam in totalen Irrsinn aus oder so, ich bin sowas von vergnügt und aufgedreht und niemand bringt mir Konfetti die ich rumschmeissen kann. 4 Tage und 7 Stunden, fuck, soviel Serotonin im Blut ist echt kaum auszuhalten :-)

Ackern am Feierabend
Am Dienstag war ich sowas von artig, hab die Wohnung endlich mal wieder ein klein wenig entdreckt geputzt, weil am Mittwoch drei meiner Mädels zu Besuch kommen würden und ich mich nicht allzudoll für meine Chaos-Wohnung schämen wollte und dann hab ich ein dutzend meiner vielen längst pendenten Mails beantwortet – braves Mädel *tätschel* – und mich dabei über bereits wieder neu reinströmende Mails gefreut, in denen mir liebe Menschen alles Gute für die Op wünschen.

Klärendes Gespräch am UniSpital
Dann war auch noch das längst fällige Gespräch mit dem Oberarzt am Unispital. Darüber möchte ich etwas detailierter berichten, was momentan nicht drin liegt und dementsprechend auf die postOp-Zeit verschoben wird. Kurz gefasst war es ein tolles Gespräch, ich verstehe seine Sichtweise etwas mehr, er scheint ebenfalls neue Einsichten gewonnen zu haben und unter dem Strich zeigte sich, dass sich die dortige Haltung langsam aber sicher in die Richtung bewegt, in die es meines Erachtens gehört.

Schwestern feiern die GaOp

Gestern Abend kamen drei meiner Freundinnen zu mir nachhause, um bei Pizza, Sekt und Wein die GaOp vorzufeiern. Im Vorfeld warnte ich die Mädels vor, dass es bei mir nicht grad sehr ordentlich ist und vorallem dass ich Staub sammle, es hiess dann, das sei kein Problem, sie würden mit Atemschutz kommen. Bekloppte Weiber, sie taten das wirklich. Als ich die Tür öffnete, kamen die Drei die Treppe hoch mit diesen medizinischen Gesichtsdingern. Mit dabei hatten sie einen Stuhl (weil ich nur drei hab), eine Flasche Sekt, einen Rotwein und ein Geschenk für mich. Wer meine Mädels kennt, wundert sich nicht wirklich darüber, ich bekam ein goldenes Beauty-Case, gefüllt mit einem Rudel Schminkzeug von Estèe Lauder inklusive einem Necessaire und einem Spiegel, natürlich auch goldig. Die werden mich für total irre halten, wenn ich damit in den Spital geh, einen Grund mehr es zu tun :-) Im Verlauf des Abends schalteten wir mal noch kurz Juliet via Skype dazu, so dass sie alle begrüssen konnte, ansonsten wurde geplaudert, gelacht, gefuttert und angestossen. So eine Frauenrunde ist einfach toll, vorallem mit denen aus dieser Runde :-) Danke fürs Kommen, Ladies, es ist so schön Euch zu haben!

Duo Infernale gibt sich die Ehre
In unserem gemeinsamen Blog geht momenan auch einiges, auf das ich mit Armen fuchtelnd mal hinweisen möchte. Einerseits habe ich hier darüber geschrieben, wie hoch der Preis ist, den Juliet für unsere Liebe bezahlt. Darauf hat sie hier geschrieben, dass der Preis eben nicht zu hoch ist. Und dann hat sie hier über meinen Bruder geschrieben, so nennt sie mein früheres männliches Alter-Ego und gestern kam noch ein Beitrag von ihr über die “perfekte Partnerin“. Alle vier Beiträge sind sehr speziell, sehr intim und in dem über “meinen Bruder” gibt es sogar erstmals ein Foto aus meiner kerligen Zeit, wenn auch in gothisch geschminkter Form. Also nichts wie hin, da gibt’s was zu horizonterweitern ;-)

Tagebuch einer geschlechtsangleichenden Operation
Wie bereits angekündigt, werde ich während des Spitalaufenthalts und der nachfolgenden Zeit bis zum erneuten Arbeitsbeginn ein neues Blog füttern, in dem ich soweit es mir möglich ist fortlaufend berichte, was ich da grad beklopptes treibe, wie ich das Personal in den Wahnsinn treibe und nicht zuletzt wie es mir geht. Dort können die, die daran interessiert sind, täglich mitgucken, wie es mir und dem Klinikpersonal geht. Das Blog ist noch nicht ganz fertig aufgebaut, aber ich werde spätestens am Sonntag hier darauf hinweisen.

Fahrplan der letzten Tage
Und damit geht’s nun definitiv im Sauseschritt gen Himmel.
Freitag: das letzte Mal ackern
Samstag: Aufräumen, Putzen, Packen und so Kram
Sonntag: Spitalbett beziehen, GaOp Blog aufsetzen
Montag: auf dem Klo verbringen wegen der Darmentlehrung
Dienstag………. grosses Reparaturprogramm :-)

Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich es nicht fassen kann? Achja, ich glaub das hab ich :o)

Bereit für die letzte Schlacht – GaOp-Tagebuch

Auch wenn ich es nachwievor nicht fassen und glauben kann, aber es ist nun wirklich soweit. Im Gegensatz zu den letzten Tagen war ich heute überraschend ruhig, wie eine Kriegerin die vor der letzten grossen Schlacht ruhig und überlegt ihr Schwert schleift und ihre Rüstung poliert.

Es fühlt sich wirklich irgendwie so an. Vor mir steht die letzte grosse Schlacht, die kriegsentscheidend sein wird. Ich weiss, dass ich gewinne, weiss, dass dann endlich Frieden einkehrt, aber ich weiss auch, dass ich einiges einstecken werde, verletzt werde, durchbeissen muss. All das scheint mir unwesentlich, was zählt ist der Sieg und der Frieden, der sich dann endlich ausbreiten kann.

Letzte Vorbereitungen
Die Taschen sind gepackt, der Abwasch erledigt, a bissrl aufgeräumt hab ich, gebadet und gehaarwascht bin ich. Es zeigte sich, dass ich zuwenig Platz hab, kein Wunder, muss ich doofes Weib doch allen Ernstes Schatzis riesige Kuscheldecke mitschleppen, wie bekloppt ist das denn. Aber ohne geht nicht, wenn Schatzi nicht da ist, brauch ich diese Kuscheldecke.

Nun noch was futtern, das letzte Blabla mit Schatzi, das letzte Mal hier schlafen……. und dann ist Aufbruch. Das Bett neu beziehen, damit ich in zwei Wochen in ein “neues Bett” krabbeln kann, Schminkzeug, Computer und Handy einpacken und dann ans Unispital pilgern – selbstverständlich so richtig angehübst, in mein liebstes rotes Stretchkleid gehüllt, schliesslich ist dann für einige Zeit Schluss mit nett ausschauen, dieses letzte Mal muss mit Stil gegangen werden, bin schliesslich eine richtige Lady ;-)

Die letzten Male
Apropos letztes Mal: Gestern und heute waren echt strange, unzählige Male tat ich irgendwas zum letzten Mal in diesem Zustand. Das letzte mal zur Arbeit laufen, das letzte Mal ackern, mich von allen verabschieden, nachhause gehen, das letzte Mal zuhause ausziehen und mich durch anatomische Kuriositäten erschrecken lassen, das letzte Mal zuhause abschminken, zum letzten Mal meine achsogeliebten Pouletflügeli mit Kroketten knabbern…….. Und all das hatte etwas feierliches, etwas andächtiges, tränenrührendes.

Die ersten Male
Nun sitz ich da, alles ist erledigt, nun noch das letzte Telefon mit Schatzi und das letzte Mal hier schlafen und schon bald beginnen all die ersten Male, auf die ich mich so sehr freue. Alles was ich in nächster Zeit tun werde, werde ich zum ersten Mal tun, selbst wenn ich es schon tausend Mal getan habe, weil ich es zum ersten Mal in diesem mir neuen Zustand tun werde, zum ersten Mal als Ich selbst tun kann. Auch das wird etwas feierliches, andächtiges und tränenrührendes haben – ich freu mich so darauf.

Ich bin nicht allein – Danke für die Glückwünsche
An dieser Stelle möchte ich mich bei all den vielen Menschen bedanken, die mich in den letzten Tagen mit Glückwünschen eingedeckt haben, das hat soooooo gut getan. Nicht nur, dass viele Bekannte und Freunde mir alles Gute gewünscht haben oder bereits Spitalbesuch ankündigten, auch von meinen BlogleserInnen haben sich einige gemeldet, auch solche, die ich bisher nicht kannte. Es ist unheimlich schön, zu wissen, dass Ihr alle in Gedanken bei mir seid an diesem Tag, das bedeutet mir wirklich sehr viel.

Hier geht’s weiter: Das GaOp-Tagebuch
Damit endet hier die Schreiberei erstmal (mit einer Ausnahme am Montag), anstelle dessen nehme ich morgen wenn ich dort ankomme mein GaOp-Blogtagebuch in Betrieb. Vom Dienstag an werde ich erst mal nicht mehr schreiben können sondern lieg mit lustigen Drogen zugedröhnt blöd rum. Juliet wird dann dort immer wieder kurz berichten, wie es mir geht und ob ich das Klinikpersonal schon irre gemacht hab. Sobald es geht, werde ich dann selber kurze Beiträge machen, wann das sein wird, kann ich aber noch nicht beurteilen. Fortan geht es also hier weiter:
Dianas Blogtagebuch einer geschlechtsangleichenden Operation

Und es ward Ruhe – Shalom!
Trotz aller Aufregung macht sich eine unermessliche Ruhe in mir breit, die Auferstehung und damit verbundene Erlösung ist so nah, ich fass es echt nicht. Und trotz des Unfassbaren dieses Augenblicks, durchströmt mich eine wärmende Ruhe – bald ist es vollbracht, bald bin ich frei, bald, ja bald, bin ich nur noch Ich selbst – dann wird meine Seele Frieden finden.

Abschied von “ihm” – Requiem für ein Phantom

Was nun folgt, dürfte der wohl surrealste all meiner Blogbeiträge werden, aber es ist in dieser Situation angebracht. Leben und Tod gehen Hand in Hand, bei meiner GaOp wird das klarer denn je. Das Eine verschwindet ganz, um dem Anderen den ganzen Platz freizugeben.

Es ist schon merkwürdig, ich nehme Abschied von jemandem, den es eigentlich nie gegeben hat, ein Phantom, das anstelle von mir mein Leben gelebt hat. Auch wenn “er” kein echtes Lebewesen war sondern nur eine Theaterrolle, die glaubwürdig gespielt wurde, so ist “er” mir doch vertraut geworden, in dieser elend langen Zeit. Kein Wunder, war “er” doch mein Geschöpf, geformt nach meinen Wertvorstellungen und Idealen. “Er” hat mein Leben lange Zeit gelebt, zu einer Zeit, in der ich niemals stark genug gewesen wäre um selbst zu leben. “Er” liess sich entwickeln, zum Philosophen, zum Umweltschützer, zum Krieger und zum Helden. Er hatte einen indianischen Geist, stand für Rechte ein, kämpfte für diejenigen die Hilfe brauchten…….. “er” war echt n’cooler Kerl.

Manchmal staunte ich fast ehrfürchtig, wenn “er” sich beispielsweise an Eisenbahngeleise kettete, sich deswegen vor Gericht verantworten musste, mit einer unerhörten Entschlossenheit für das eintrat woran wir glaubten. Oder ich staunte über seine Autarkie, die Fähigkeit, tagelang irgendwo in der Wildnis rumzulungern, nur der Freiheit verpflichtet. Und doch war “er” stets nur ein Phantom. Es gab Zeiten, da wusste “er” das nicht mal mehr, aber irgendwann musste diese sich verselbstständigende Illusion auflösen. Das war ein grosser Schock für ihn. Ich glaub, am meisten erstaunt es mich, wie selbstlos “er” schlussendlich sein Leben aufgab. Sein Dienst war erledigt, sein Sinn erfüllt. Das einzugestehen braucht schon eine gewisse Grösse, vorallem für ein Phantom, das damit seine Nichtexistenz anerkennt.

Irgendwie tut “er” mir fast ein wenig leid. “Er” hat soviel durchkämpft für mich, soviel gelitten, “er” hat sich bis zum totalen Niedergang schützend vor mich gestellt und versuchte mir die Schwere des Lebens zu ersparen. “Er” hat gekämpft, wurde besiegt, stand wieder auf, immer und immer wieder, bis zum bitteren Ende. So wurde “er” zum Wegbereiter, ich konnte viel von ihm lernen. Die Ideale, die ich ihm einst überstülpte, konnten einverleibt werden, in seinem Schatten konnte ich zur Kriegerin werden.

Es gab Zeiten, als ich ihn verflucht habe dafür, dass er anstelle von mir mein eigenes Leben lebte. Ich habe lange nicht begriffen, dass “er” es für mich tat. “Er” hat mich beschützt bis ich stark genug war, um mein Leben selbst zu leben. Dafür bin ich ihm heute dankbar, seinem Vorbild, seinem Mut und seiner Entschlossenheit verdanke ich es, dass ich heute aufrecht zu stehen vermag.

Wenn ich mir vorstelle, was die Psychiatrie mit mir angestellt hätte, wenn ich in den 80ern erklärt hätte, dass ich ein Weibchen bin, dann graut es mir echt. Man hätte mich gehörig durch die Mangel gedreht, mich mit erfolglosen Verhaltenstherapien konditioniert und kaputtgequetscht. Ich hätte als kleines Mädchen schon Ausgrenzungen über mich ergehen lassen, die ich nie durchgestanden hätte. Vor all dem hat “er” mich bewahrt.

Doch morgen endet seine Zeit, die Zeit ist gekommen, ihn in Dankbarkeit zu entlassen und ihm die letzte Ruhe zu gönnen, die “er” sich hart verdient hat. Heute bin ich diejenige, die sich über seinen geschundenen Körper neigt und ihm tröstend ins Ohr flüstert: Wir haben’s geschafft, alles wird gut, flieg kleiner Vogel, an den Ort, an dem Du Ruhe findest.

Vermissen werde ich ihn nicht, er wird nicht mehr gebraucht. Aber vergessen kann ich ihn auch nicht, ich verdanke ihm zuviel.

Morgen ist es soweit, dann kann ich endlich glücklich verkünden…………

Der König ist tot, lang lebe die Königin :-)

Das Ende der Schweiz

Zum zweiten Mal stehe ich fassungslos vor den Abstimmungslagen und schäme ich zutiefst, Schweizerin zu sein. Und zum zweiten Mal habe ich Angst, wie weit sich das Volk von diesen rechten Brandstiftern noch aufhetzen lässt, wieviele Menschenrechte noch mit Füssen getreten werden, wie oft unsere eigene Verfassung noch der Lächerlichkeit preisgegeben wird, bis dieses Land im Feuer untergeht.

Schon mit der Minarett-Initiative hat das Schweizer Völk seine Demokratieunfähigkeit demonstriert und mit einem Schlag die verfassungsmässig garantierte Rechtsgleichheit, Religionsfreiheit und das Diskriminierungsverbot aufgehoben – ironischerweise mit einem Verfassungsartikel, der ebendiesen Verfassungsartikeln widerspricht.

Zum zweiten Mal haben wir dem dritten Reich gleich Rassengesetze eingeführt, wir haben Gesetze für Schweizer und wir haben Gesetze für Ausländer. Das spottet jeglichem Rechtsempfinden und tritt Menschenrechte und alle ethischen Grundsätze mit Füssen. Nur ein Faschistenstaat macht Gesetze für bestimmte Rassen oder Religionen, wir tun es, was wir sind muss jeder selber beurteilen.

Das Minarett-Verbot hat immerhin nicht gross geschadet, es will eh kaum jemand eines bauen, geschadet haben wir nur uns selbst, in dem wir nun in den Augen der ganzen Welt zu einem Rassistenstaat wurden. Diesmal sieht es anders aus, diesmal wird es Opfer geben, die SVP und ihre Lakaien werden eine diebische Freude daran haben.

Heute haben wir nicht nur dem Faschismus Tür und Tor geöffnet, heute haben wir den Rechtsstaat faktisch abgeschafft. Eine der Grundlagen jeder Rechtsstaatlichkeit ist die Verhältnismässigkeit. Wenn jemand Sozialhilfe bezieht und ein paar Stunden schwarz arbeitet, ist das juristisch Sozialhilfebetrug, deshalb wird er/sie nun ausgeschafft, selbst wenn im Heimatland Folter oder Tod warten. Die Strafe ist gleich hoch wie bei einem Mörder. Aber was ist das für eine Justiz, die Mörder gleich hoch bestraft wie diejenigen, die mal eine Versicherung bescheissen?

Der Wahnsinn beginnt jedoch bei der Tatsache, das diese Verurteilten jegliche Rechtsansprüche verlieren, was im Widerspruch steht zu einem Rechtsstaat, in dem man beispielsweise Rekursmöglichkeiten hat. Diese Form von Radikaljustiz kommt einer Inquisition gleich was die Rechtsmittel anbelangt.

Wer nun einwendet, er hätte ja nur etwas gegen die Kriminalität tun wollen, dem muss ich leider erst Recht Demokratieunfähigkeit vorwerfen. Diese Initiative berücksichtigt nur bestimmte Delikte, von Mord bis zum Versicherungungsbschiss. Weder Todesraser noch Steuerbetrüger sind da eingeschlossen, wen wunderts, die SVP bekuschelt Steuerflüchtlinge seit je her und kämpft gegen Radarfallen. Wem es wirklich ernst gewesen wäre mit der Kriminalität, der hätte wenn schon den Gegenvorschlag angenommen, der alle Delikte einschliesst und das Strafmass berücksichtigt. Wir wollen doch Schwerkriminelle los werden und nicht die Putzfrau die sich mit ein paar Putzstunden etwas dazu verdient. Wer abstimmt, sollte sich gefälligst damit beschäftigen und nicht nur der billigen und millionenschweren Propaganda einer Rechtspartei nachplappern.

Heute haben wir ein einst freiheitliches Land zu einem rechtlosen Raum gemacht, heute haben wir die Eidgenossenschaft beerdigt. Zum Glück werde ich eh irgendwann nach Deutschland ziehen, das war schon vorher klar. Aber seit heute weiss ich, dass ich eines Tages die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen werde und meinen Schweizer Pass feierlich verbrenne. Nicht, dass ich glauben würde, es sei in Deutschland besser – aber dort hat das Volk wenigstens nicht die Macht, das ganze Land in den braunen Morast zu karren.

Seit zwanzig Jahren beobachte ich das braune Treiben dieser Partei mit Argusaugen, unzählige Male erlebte ich, wie sie mit polemischem Lug und Trug die ganze Nation vergiftet haben, Jahr für Jahr erlebe ich eine Radikalisierung und Brutalisierung der Politik, erlebe in Diskussionsforen, wie immer mehr SVP-Vergiftete die Wiedereinführung der Körperstrafe bis hin zur Todesstrafe fordern. Hass wird gesäht und die Saat geht auf. Wie weit lässt sich diese Nation noch aufhetzen? Das dritte Reich begann nicht in Auschwitz, es endete dort. Der Anfang lief ähnlich ab wie hier und jetzt. Man sucht schwarze Schafe, ernennt sie zum personifizierten Bösen, hetzt das Volk gegen sie auf, schürt Hass und Nationalismus. Irgendwann ist das aufgehetzte Volk reif, reif für einen Führer, der das vermeintlich Böse ausmerzt mit allen Mitteln.

Dieser Beitrag ist ausnahmsweise nicht für Kommentare freigegeben, es gibt nichts mehr zu sagen. Das Volk hat bestimmt, wenn das Volk die eigenen Werte verraten will und aus dem eigenen Land einen Lumpenstaat machen will, dann darf es das in einem demokratischen Land. Aber solange die SVP noch keine 50% Wähleranteil hat, darf ich noch von meinem Recht auf freie Meinungsäusserung Gebrauch machen und sagen, was ich denke. Das habe ich getan und nun will ich mich wieder meinem Leben widmen. Mein Leben ist mir wichtiger als der Niedergang dieses Landes, früher oder später wird das nicht mehr mein Problem sein.

Hier noch etwas zur Selbstreflektion, ich rate allen sich mal Gedanken zu machen, warum sie sich derart belügen lassen: Was die SVP verheimlicht



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