(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Diana – in Erwartung

Ich muss n’ziemlich bekloppten Gesichtsausdruck haben, denn ich sitze wie völlig zugedröhnt da und grinse dämlich vor mich hin. Diese bisher theoretische Erlösung steht so nah vor mir und ich guck nur verblüfft wie alles vor mir entsteht. Dieses so lang ersehnte Unbekannte, steht einfach da und guckt genauso dämlich zurück. Willkommen in der Zukunft.

Ich zermartere mir das Hirn, wie ich Euch dieses wunderschöne Gefühl erklären könnte, aber es gibt weder Worte noch Bildnisse, die das auch nur annähernd beschreiben könnten. Ausser vielleicht das Bild des Schmetterlings, der den Cocoon verlässt. Aber nicht mal das passt wirklich. Bei Raupen ist es normal, sich so zu entfalten, bei uns, naja…….. lassen wir das.

Wieder wird mir klar, dass der Verstand sich nur vorzustellen vermag, was Teil seines Erfahrungshorizonts ist. Mir fehlt das Vorstellungsvermögen dieses so ersehnten Ganzseins, das nun vor mir liegt. Wie sollte ich dieses Unbekannte beschreiben können? Oder die Freude darauf?

Aber die Erwartung, diese Heilserwartung, die rational nicht begründbar ist, die lässt mich beben beim Gedanken an die endlich nahe Zukunft. Rational gesehen ändert sich wenig, abgesehen von ein paar zusätzlichen Beschwerden vielleicht. Und doch ist es dieses “es stimmt”, das keine Graustufen kennt. Es gibt nicht ein wenig schwanger, ein wenig frei oder ein wenig sich selbst.

Ich fühle mich wie ein kleines Kind, das erstmals vor einem leuchtenden Weihnachtsbaum sitzt und ungläubig auf den Geschenkhaufen blickt, dieses ungläubige Staunen, diese unbeschwerte Freude……

Was der Mensch so an körpereigenen Drogen produzieren kann, ist echt berauschend – im wahrsten Sinn des Wortes. Es fühlt sich wirklich so an als würde ich wenige Zentimeter über dem Boden, sanft tänzelnd auf ein Tor zu schreiten, mit ebendiesem dümmlichen Grinsen im Gesicht………. tief gerührt, ehrfurchtsvoll, fast andächtig……… Himmel, gib mir Worte dafür *seufz*

Es geht einfach nicht, so gern wie ich das teilen würde, aber es geht einfach nicht. Da fällt mir nur noch eines ein, der Beginn eines Gedichts des christlichen Mystikers Johannes vom Kreuz, der das Nichtverstehbare so schön formuliert. Es gab nur wenige Momente in meinem Leben, in dem dieser Text soviel Wahrheit in sich trägt, diese Zeit jetzt jedoch mehr denn alle bisher.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.



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