(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

GaOp Vorbereitung der aussergewöhnlichen Art

Die letzten paar Tage war ich emsig wie n’Bienchen damit beschäftigt, gefühlte tausend Listen zu erstellen, was ich noch alles erledigen oder einkaufen muss. Man will ja schliesslich gut vorbereitet an der eigenen Geburt erscheinen. Hier mal der aktuelle Stand…………..

Besinnliche Bücher

  • Paulo Coelho: Der Alchemist – Coelho ist der König der Alltags-Philosophie, egal was für Sorgen man hat, bei ihm findet man gute Gedanken. Bisher kenne ich nur seine Kurzgeschichten-Sammlungen, dies ist der erste Roman den ich lese. Empfehlen würde ich von ihm fürs Erste Handbuch des Kriegers des Lichts oder Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt
  • Pinchas Lapide: Die Bergpredigt – Lapide ist genial, ein jüdischer Neutestament-Forscher, der die Worte des jüdischen Rabbi Jeshua (hierzulande Jesus) mit jüdischen Augen erklärt, da kommen verblüffende Bilder auf – Häretisch, aber wahrhaftig ;-)
  • Epiktet Handbüchlein der Mora griechisch/deutsch und Das Buch vom geglückten Leben – Epiktet muss man auch kennen und leben, er ist der Guru der Leckmich-Philosophie äh der Stoa Philosophie, gerade für stigmatisierte Menschen höchst hilfreich. Empfehlen würde ich da Wege zum glücklichen Handeln
  • und ein Heft mit gaaaanz viel Sudokus :-)

Bereits eingekauft

  • Sitzring (so ne Art Schwimmring zum draufsitzen)
  • Always Ultra (echt wahr)
  • Bequeme Slips (Strings sollen scheinbar nicht das Gelbe vom Ei sein nach der Op)
  • Eisenpräperat (Floradix)
  • Vitamin-Tabletten (das Zeuchs das Andere in ihrem Gemüse essen *schauder*)

Noch zu kaufen

  • Nicorette Pflaster / Kaugummi (lebensrettende Sofortmassnahmen)
  • Feuchttücher resp. feuchtes Toilettenpapier
  • Kamillebad (ich riech zwar dann bekloppt, aber es ist entzündungshemmend)
  • Kamilletee (keine Ahnung, vielleicht muss ich mal was abtupfen oder so)
  • Miederhosen (für alte Damen wie mich, ne Quatsch, die sind gut wegen dem Stent, dem Platzhalter der dann da so, naja, halt eben, ach Ihr wisst schon ;-)
  • Stützstrümpfe (zum Glück ist nicht Sommer)
  • Vibrator (aus medizinischen Gründen, Jungs, ich schwör)

Homöopathische Mittel

  • Arnica D6 hilft generell bei Wundheilung und Abgeschlagenheit, sollte auch schon vor dem Eingriff eingenommen werden
  • NuxVomica D6 kenn ich vorallem als Mittel gegen den Kater, hilft bei Brechreiz und Abgeschlagenheit, vorallem aber auch bei den Nebenwirkungen der Narkose
  • Staphisagria D4 ist bei allen Schnittverletzungen hilfreich und davon wirds ja einige geben
  • Hypericum D6 hilft bei Nervenverletzungen, was mehr als wahrscheinlich sein wird
  • ChinaRinde D6 ist gut bei Blutarmut, könnte also auch hilfreich sein

Vorbereitungen aller Art

  • Postumleitung resp. Zurückhaltung
  • Unterlagen für Personenstandsänderungen vorbereiten
  • Wohnung aufräumen und putzen, weil ich nach der Op eh nix machen werde
  • Spitalformular ausfüllen
  • GaOp-Blog einrichten – ich hab vor, während der Op eine Art Live-Blogging zu veranstalten, damit Ihr auf dem Laufenden seid, ich hoff das klappt :-)
  • und ganz viel nicht nennenswerter Kleinkram

Packliste

  • Bücher
  • Notebook, Kabel, Headset
  • Kleider, Unterwäsche und so Quatsch
  • Schuhe, Sandalen, Ballerinas (echt wahr)
  • Schminkzeug (will ja auch nett ausschauen)
  • Parfüm (darf 4 Tage nicht duschen, da hilft nur Gaultier)
  • MP3-Player
  • Handy, Ladekabel
  • Digicam, Übertragungskabel, Batterien
  • Sitzring, Always
  • Schoko-Cappucino (muss ich in Hamburg kaufen)
  • Juliets herzchentragendes Plüschbärchen und ein Foto von ihr (nicht von dem Bärchen, von Juliet)
  • Juliets Kuscheldecke (damit ich kuscheln kann, what else)
  • Homöopathische Apotheke (never trust the doctor)

So und damit seid Ihr eingeladen, weitere Tipps zu geben, was ich noch alles kaufen oder organisieren sollte, bin um jeden Vorschlag froh :-)

Man will nicht Frau sein, man ist es

Immer wieder werde ich mit Sichtweisen konfrontiert, die mich vor den Kopf stossen und mich verletzen. Scheinbar gibt es mehr Menschen als mir lieb ist, die allen Ernstes glauben, Transsexualität sei eine Frage des Wunsches. Einmal mehr bedanke ich mich bei den Psychologie-Jüngern, die ein Jahrhundert lang die Lüge vertraten, dass wir nur einfach einen an der Waffel haben.

So sehr ich die Akzeptanz der modernen Gesellschaft auch schätze und so sehr es mich auch rührt, dass Manche mir sogar Respekt entgegen bringen können, es ändert nichts an der Tatsache, dass eine nicht unbedeutende Anzahl an Menschen allen Ernstes glauben, jemand wie ich würde so einen beschwerlichen Weg gehen, nur um sich etwas Lifestyle zu gönnen.

Ich setze mich einem enorm hohen Gesundheitsrisiko aus, sowohl bei der Operation als auch bei der lebenslangen Medikation. Ich setze mich einer gesellschaftlichen Stigmatisierung als “gestörter Mann” aus, gebe mich dem Gelächter der Menschen hin, verschenke jegliche gesellschaftliche Anerkennung. Wer in aller Welt tut so etwas, wer geht so weit, nur um sich etwas Spass zu gönnen?

Selbstverständlich darf ich – so gehört es sich für eine aufgeklärte Gesellschaft – mein Geschlecht “ändern”, aber warum soll die Allgemeinheit mit ihren Krankenkassenprämien für meine Selbstverwirklichung bezahlen? Selbstverständlich darf ich mich all diesen medizinischen Massnahmen aussetzen, aber warum soll das als Krankheit anerkannt werden und beispielsweise der Lohn bezahlt werden während dieser scheinbar freiwilligen Geschlechtsangleichung?

Ich habe mir das verdammt nochmal nicht ausgesucht, ich habe mich nie dazu entschieden, eine Frau zu sein. Ich bin als Frau zur Welt gekommen, nur halt eben mit einer nicht dem Geschlecht entsprechenden Genetik und Genitalentwicklung.

Es geht hier nicht darum, dass ich ein tolles Auto möchte und dafür Kredit brauche, es geht auch nicht darum, dass ich ein paar Pumps sehe die ich mir nicht leisten kann. Es geht um nicht weniger als darum, dass ich ICH sein kann und darf, es geht darum, dass ich als Frau nicht mit männlichen Geschlechtsmerkmalen leben kann. Nicht WILL, sondern KANN.

Immer wieder muss ich kämpfen, muss mich erklären, muss faule Kompromisse eingehen, muss den Menschen begreiflich machen, dass ich mir da keinen Fetisch von der Allgemeinheit finanzieren lasse sondern das Recht auf Gesundheit und Unversehrtheit beanspruche, dass jeder Mensch mit Recht für sich in Anspruch nimmt.

Warum ist es so schwer zu begreifen, dass eine Frau, die in der Tiefe ihres Selbst Frau ist, die eine weibliche Hirnstruktur hat, die einfach nur Frau ist, nicht mit männlichen Geschlechtsmerkmalen leben kann?

Transsexualität ist nach internationalen Diagnoserichtlinien – sowohl ICD als auch DSM – klar als Krankheit deklariert und darf daraus auch den Anspruch auf Behandlung ableiten. Nach einjähriger Begutachtung an einem Universitätsspittal wurde diese Diagnose gestellt und aufgrund derer wurde ich an die Chirurgie überwiesen. Trotzdem muss ich mich rechtfertigen dafür, dass ich medizinische Hilfe in Anspruch nehme, dass ich Arbeitsausfälle habe oder mein Umfeld irgendwie irritiere.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich lebe, entschuldigen Sie, dass ich weiter leben will, entschuldigen Sie, dass ich gesund sein möchte, entschuldigen Sie, dass ich mich selbst sein muss. Es tut mir leid, dass ich existiere, dass ich so ein Balast bin für diese Welt. Aber ich trage daran keine Schuld, ich habe es mir wirklich nicht ausgesucht, habe es mir nie gewünscht. Das einzige was ich wollte, war zu leben, als mich selbst zu leben………….

………… ist das wirklich zuviel verlangt?



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