(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Ein bereichernder Frauenabend im Pub

Nach meinem Testosteronrausch gestern gings am Abend dann wie angekündigt ins Pub. Ums vorwegzunehmen, ich habe zwar so gut es ging das Testosteron mit Guinness rausgeschwemmt, aber nicht einen einzigen Barhocker durchs Pub geschmissen ;-) Das hatte nicht zuletzt auch damit zu tun, dass meine neue Freundin eine tolle Begleitung war. Wir trafen uns um 21 Uhr und sassen dann bis halb Drei im Pub. Fünfeinhalb Stunden zu zweit an einem Tischchen zu sitzen klingt lang, aber uns kams vor wie zwei Stunden.

Ich kenne unterdessen einige transsexuelle Frauen, zu einer Handvolll habe ich regelmässigen Kontakt und tausche mich oft aus, sei es über Blogs, Facebook oder Mail. Aber es gibt’s selten, dass ich mit einer “Gleichartigen” einen ruhigen Plauderabend einlege, in dem wir uns über unsere Wesensart austauschen oder wie in diesem Fall, ich meine Gesprächspartnerin stundenlang mit Fragen bombardiere. Und das tut unheimlich gut. Gerade mit einem Mädel, das wie sie so eine Normalität ausstrahlt, ist es einfach schön, es bestärkt mich selbst in der Gewissheit, dass auch ich aller Nonkonformität zum Trotz eigentlich eine ganz normale Frau bin, die nur eine etwas aussergewöhnliche Geschichte hat.

Eines der Hauptthemen war die GaOp und die darauf folgende Personenstandsänderung. Ich bekam viele tolle Tipps für den Spitalaufenthalt und die Genesungszeit danach. Ausserdem weiss ich nun sehr detailiert, was es alles braucht für die Personenstandsänderung. Dies ist eher enttäuschend, der Prozess dauert doch länger als ich gehofft habe. Ein lustiges Rösschenspiel an Bürokratie muss da durchlaufen werden, das wohl bis Ende Januar oder Februar dauern wird. Sie hat mir ihr Urteil vom Amtsgericht mitgebracht und ich war verzückt ob der Formulierung, in der bestätigt wird, dass sie weiblichen Geschlechts ist. Nichts von wegen “Geschlechtsumwandlung” oder sowas, es wird einfach bestätigt, dass sie n’Mädel ist. Ach wie gut das tut, ich werd heulen wie ne Wölfin wenn ich diesen Wisch in den Händen hab :-)

Wir redeten auch viel über das Leben als transsexuelle Frau und wie schon eine andere liebe Freundin hat auch sie mir eindringlich geraten, dass ich mich in nächster Zeit voll und ganz auf mich konzentrieren soll und mich allein um mich kümmern muss. Wie Recht sie doch hat. Ich habe ein Leben lang gekämpft, für oder gegen was auch immer. Diese Welt zu einer Besseren zu machen ist mir zur Berufung geworden und ein Grossteil meiner Lebensenergie floss da rein. Aber ich bin es meinem eigenen Leben schuldig – gerade in Anbetracht dessen was ich mir nun erkämpft habe – dass ich meinem Leben auch die Aufmerksamkeit zukommen lasse, die es verdient. Das werde ich tun, weil ich es mir wert bin :-) Mehr darüber demnächst.

Zu erwähnen wäre noch kurz, dass Stiefel ganz böse Dinger sein können. Ich trug dasselbe wie auf diesem Foto, nur waren die Strümpfe schwarz und die Stiefel dieselben wie auf dem Foto in schwarz. Diese Stiefel haben so eine hübsche Schnalle an der Aussenseite ganz oben. Und diese führt sich auf als sei sie ein Dosenöffner, denn dieses Miststück hat mir schon zu Beginn des Abends die Strümpfe aufgesäbelt, was dann zu einer weitläufigen Laufmasche wurde und mein Äusseres nicht grad veredelte. Meine Begeisterung über diese zusätzliche Zierleiste hielt sich arg in Grenzen, aber bei einer so guten Gesellschaft kann einem nicht mal das wirklich erschüttern, auch wenn man dann noch so bekloppt ausschaut ;-)

Auf jeden Fall war es ein toller Abend, lehrreich, einfühlsam, bewusstseinserweiternd. Und neben vielen Informationen und neuen Gedanken habe ich nun eine Frau mehr, die ich als wirklich gute Freundin betrachte. Danke für alles!

Zeit für mich selbst – weil ich es mir wert bin!

Der gestrige Abend hat mir definitiv klar gemacht, dass es an der Zeit ist, mich endlich voll und ganz auf mich zu konzentrieren. Vor mir liegt eine enorme Herausforderung, die Vollendung einer Metamorphose, wie es sie kaum gibt auf dieser Welt. Nicht nur, dass ich körperlich hart an die Grenzen gehen werde, auch psychisch und emotional wird eine ganz neue Welt auf mich zu kommen und ich werde viel Zeit und Energie brauchen, um mir all dem klar zu kommen. Diese Zeit muss und will ich mir gönnen – eben weil ich es mir wert bin. Viel zu lange habe ich überall gekämpft wo es ging, habe mich für Gott und die Welt eingesetzt. Das werde ich auch in Zukunft machen, es ist mir zur Berufung geworden. Aber jetzt kommt eine Zeit, in der die Welt mal ohne mich streiten muss. Ich habe mir mein Leben erkämpft und mein Leben hat es verdient, dass es gelebt wird, von ganzem Herzen und aus tiefster Seele.

Die GaOp selber wird sicher hart und die Genesungszeit anschliessend wird mir auch arg zusetzen. So sehr ich mich auch darauf freue und so sehr ich auch glücklich sein werde, es bleibt eine enorme Herausforderung. Von anderen, die diesen Prozess hinter sich haben, weiss ich, dass man sehr viel Zeit braucht um “den neuen Körper” kennenzulernen, sich einzuleben in diese erstmalige Richtigkeit. Ich habe vier Jahrzehnte in einer Spannung gelebt, der Diskrepanz zwischen Innen und Aussen. Diese löst sich bald auf und ich werde mich erstmals ganz fühlen – aller Narben zum Trotz. Aber diese Ganzheit ist mir fremd und es wird viel Selbsterfahrung brauchen, bis ich das alles verinnerlicht habe.

Die Zeit nach der GaOp wird mir sehr zusetzen, das wurde mir von verschiedenen Menschen angekündigt. Die Narkose selbst erschöpft einem nachhaltig und alle neuen Eindrücke müssen verarbeitet werden. Wenn ich mich in dieser Zeit wie mein ganzes Leben lang in Kämpfe verwickle, wenn ich ärgerliche Studien lese, noch ärgerlichere Zeitungsberichte u.s.w. dann werde ich all die Energie verheizen, die ich dringend brauche.

So sehr ich mich auch darauf freue, ich kann nicht leugnen, dass ich enorme Risiken eingehe. Ich kann nicht ausschliessen, dass etwas schief läuft, dass ich vielleicht schwere Komplikationen erlebe, dass ich vielleicht lebenslange Behinderungen ernte, ich kann nicht mal sicher sein, dass ich die Operation überlebe. Ich vertraue zwar auf die Ärzte und vertraue auch auf mich selbst, aber ich müsste mich belügen, wenn ich abstreiten würde, dass diese Risiken bestehen. Gerade deshalb ist nun Vorsicht gefordert. Mein Körper ist massgebend, ob alles gut rauskommt oder nicht. Und mein Körper – das weiss ich mehr als genug – ist so stark wie meine Seele stark ist. Es liegt vorallem an mir, wie dieser Prozess sich entwickelt. Ich habe sehr gute Chancen, dass alles gut kommt, aber nur wenn ich mir wirklich Sorge halte und mich psychisch, emotional und auch spirituell voll und ganz darauf konzentriere.

Deshalb habe ich mich entschlossen, mich in mich selbst zurück zu ziehen und mich von nun an zurückhalte mit Öffentlichkeitsarbeiten und sonstigen Grabenkämpfen. Diese Zeit die kommt, ist enorm wichtig für mich, sie wird wunderschön sein wie eine zweite Geburt, sie wird aber auch schwer sein wie die Wehen die jeder Geburt vorangehen.

Es ist nun kein Monat mehr bis zur GaOp, diese Zeit werde ich nutzen um in mich zu gehen und Kräfte zu sammeln. Es gibt viel nachzudenken und es scheint mir wichtig, dass ich mich wieder vermehrt mit meiner inneren Spiritualität verbinde. Schliesslich ist meine Neugeburt ein höchst spirituelles Erlebnis, das muss auch entsprechend gewürdigt werden.

Diese zwei Jahre waren sehr sehr anstrengend, es war ein permanenter Kampf. Ich musste ein Selbstbewusstsein aufbauen aller Stigmatisierung zum Trotz. Ich musste lernen, mich selbst zuzulassen, allen Gelächters zum Trotz. Ich musste mich durch menschenrechtswidrige Behandlungsstandards pressen lassen ohne dabei zu deformieren. Und ich musste sehr viel lernen, von banalen Schmink- und Kleidungsfragen bis hin zu einer Überlebensstrategie unter erschwerten Umständen. All das habe ich geschafft und darauf bin ich wirklich stolz. Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen. Ich habe es gewagt und das Unmögliche wurde Realität. Aber all das hat mich erschöpft, ich bin des Kämpfens müde und ich bin des Ärgers überdrüssig. Es wird Zeit, mich in den Cocoon zu legen, zu ruhen und mich dieser letzten Metamorphose hinzugeben.

Dementsprechend wird es auch hier in nächster Zeit wieder einen neuen Wind geben. Wie sich das genau auf meine Schreiberei auswirkt, weiss ich selber noch nicht. Aber ich weiss, dass ich es mir die nächsten Monate nicht leisten kann und will, mich weiter mit Menschenrechten und faktenresistenten “Fachleuten” herumzuärgern.

Ich entsage somit für eine begrenzte Zeit der Welt und ihren Problemen, es geht jetzt nur noch um mich. Die nächsten Monate werden das Fundament, auf dem meine Zukunft steht. Wenn ich mich in dieser Zeit verheize anstatt mich um mich selbst zu kümmern, wird meine Zukunft auf wackligen Beinen stehen. Deshalb muss und will ich die Heiligkeit des Lebens würdigen, gerade jetzt in dieser für mich so entscheidenden Zeit.

Egoismus ist in dieser Gesellschaft verpönt, aber es gibt Zeiten, in denen man sich selbst mir Recht in den Mittelpunkt stellt. So eine Zeit steht mir bevor und ich bin es mir schuldig, mir diesen Egoismusmus jetzt zu leisten. Das was ich mir in diesem zwei Jahren erkämpft habe, ist so unsäglich wertvoll, dass es eine Schande wäre, wenn ich das jetzt nicht entsprechend würdigen würde.

Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens! Dieses wunderschöne und sinnreiche Sprichwort will ich nun ernst nehmen und in dieser Haltung verbleiben………. bis hin zur Vollendung meines Seins.



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