(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Drei Mädels, drei Miezen und “der Katze”

Juliet hat hier ja bereits über unser gemeinsames Wochenende berichtet, aber das soll mich ja nicht davon abhalten, selber noch was dazuzugackern

Hysterie am Reisetag
Wenn ich zu Juliet geh, bin ich immer den ganzen Tag total aufgeregt, issja klar, aber diesmal war es echt grenzwertig, was da in mir abging. Ich war sowas von aufgedreht, halb hysterisch, hatte ständig so einen Bewegungsdrang, musste immer gegen die Lust ankämpfen, quietschende Laute von mir zu geben und textete Facebook voll mit wirrem Zeug. Details hierzu findet man als Kommentar in Juliets Beitrag zum Thema.

Im Catwalk nach Hamburg
Nach einem heruntergewürgten Mittagessen gings dann endlich los und kaum unterwegs, legte sich auch die Aufregung ein wenig. Das Reisen lenkt einem seltsamerweise irgendwie ab und weils immer nur kurze Teilstücke sind, ist man da bevor man’s so richtig merkt. Zuerst gings ne knappe Stunde mit dem Zug zum Flughafen. Dort angekommen zog ich stilgerecht den Mantel aus – die Welt musste ja schliesslich mein neustes Strickkleid bewundern – und legte einen Catwalk quer durch den Flughafen hin. Ich hatte ja erwartet dass ich – hysterisch wie ich war – jedem Piloten um den Hals falle und erwartungsvoll gluckse: „Bist Du mein Pilot? Fliegst Du mich zu Schatzi, jajajaja?“. Aber da kam nix Derartiges, zum Glück. Der Flug selbst geht nur ne gute Stunde, mit nem Buch und dem gewohnten Stewardessen-Synchronballet und dem anschliessend verteilten Mäusefutter geht das im wahrsten Sinn des Wortes wie im Fluge.

Eine grosse Familie
In Hamburg angekommen stand dann auch schon dieses süsse Ding bei der Ankunft und wir zogen vergnügt nachhause, wo wir Juliets Mama begrüssten und das Wochenende beginnen konnte. Ebenfalls begrüsst wurden die vier Katzen. Tequila, Juliets unersättliche Kuschelkatze, Baileys, Juliets transsexueller Kater, Mamas Gozilla äh dicker Kater ?????, der von mir gleich den liebevollen Namen „Kugelkatze“ bekam und ihre Prinzessin Tinka, die man eigentlich nie zu Gesicht bekommt, so ein fass-mich-nicht-an Ding.

Schaut’s eklig aus, dann isses gut
Kaum angekommen, wurde ich auch gleich gemästet. Juliets Mama weigerte sich, mir meine geliebte suppenlose Suppe zu kochen, anstelledessen gabs eine Güros-Suppe (phonetisch korrekt, grammatikalisch wohl eher nicht). Fragt mich nicht was es da drin hat, ich will es eigentlich auch nicht wissen, aber es war soooooooooooo gut. Überhaupt ist mir aufgefallen, dass Deutschland eine irritierende Esskultur hat. Je gruseliger etwas aussieht, umso besser ist es. Echt wahr *ganzdollmitdemkopfschüttelt*. Ganz toll waren auch die Frühstücke, ausgedehnter Brunch am frühen Morgen um 14 Uhr oder so. Da gabt’s auch so Wurstzeug, das einen arg bedrohlichen Anschein macht, aber saugut ist. Ich hab mir das jedenfalls gemerkt, in Deutschland ess ich nur noch Zeug das eklig aussieht, das ist immer gut :-) Und Zwiebeln gibt’s da, eieieiei, das Beste waren in Essig eingelegten Zwiebelringe mit Fleischscheiben. Kannste Sandwich machen damit, oooooch hab ich die geliebt. Und eimerweise gab’s das Zeug :-)

Mädelskram und Kicheralarm
Am Abend ging die grosse Tratscherei los, viel Mädelskram und Jux und Quatsch – einfach herrlich. Unsere Mama ist nämlich nicht nur eine gute Köchin sondern auch mit prächtig-skurilem Humor ausgestattet – so wie wir Zwei. Naja dementsprechend gings dann halt auch zu und her, ein aufgeregtes Gegacker, ständig unterbrochen von Gewieher, halt wie auf jedem normalen Bauernhof :o)

Der Katze und die kichernde Philosophin
An einem Abend hatten wir es so lustig, dass wir meinen Super-Kaffee reinschütteten äh tranken, Schoko-Cappucino mit Whiskey und Baileys. Boah ist das gut……… boah haut das rein! So kam es dann halt, dass ich irgendwann völlig ausklinkte und Blödsinn in Zweierkolonne aus mir raussprudelte. Angefangen hat’s ja eigentlich harmlos, ein wirklich blöder Spruch von mir, der irgendwie hängen blieb und mich zu nem Kicher-Karrussell machte. Als die Kugelkatze mal wieder angelaufen kam, sagte ich ohne was dabei zu denken: „Guck, der Katze kommt wieder“. Eine dümmliche Artikel-Verdrehung (der Kater ist ein „der“, also ist es der Katze und nicht die Katze, logo), halt so typisch kleinkindlicher Humor. Und dann war’s vorbei. Immer wenn ich das Vieh wieder sah, gröhlte ich wieder los und weiter gings mit „oh der Katze guckt“ oder so Quatsch. Glücklicherweise sind die Zwei Mädels ja auch so verrückt wie ich und so gröhlten wir halt noch ne Weile rum wegen diesem blöden Katze. „Der Katze“ blieb dann auch den Rest des Weekends ein Running-Gag und ich schmeiss mich jetzt schon weg, wenn ich mir das Gesicht von Mamas Lebenspartner vorstelle, wenn der von der Kur zurück kommt und alle von „der Katze“ reden. Ob ich Hausverbot krieg?

Mädels auf Beutezug
Samstag gabs dann eine kleine Shoppingtour, die wir erfolgreich mit ein paar Beutestücken hinter uns brachten. Kleider, Lippenstifte, Bier, naja was Mädels halt so brauchen :-) Ansonsten lagen wir rum, Juliet und ich klebten natürlich zur Belustigung der Katzen aneinander wie zwei nasse Geckos und wie jedes Mal ist es einfach wunderschön, mit diesem Süssding zusammen zu sein. Sie ist wirklich die Richtige, daran gibt’ nichts zu zweifeln. Und eine coole Mama krieg ich auch noch dazu, genial, nicht?

Nachher ist vorher
Tja und dann war’s natürlich wieder viel zu schnell Dienstag Morgen und es ging im Rückwärtsgang wieder in die Schweiz. Juliet brachte mich an den Flughafen und ich war echt froh, dass es nun nicht mehr so ne Weltreise war, von Delmenhorst aus gings fast drei Stunden länger. Aber einen grossen Trost haben wir, ich flieg Ende Monat wieder zu ihr, zum ersten Mal sind es nur gute drei Wochen, das ist schon fast morgen, so irgendwie. Und dann vier Tage lang anstatt drei wie sonst, jauh..

Und vorher freut man sich
Und darauf freue ich mich sowas von, mit diesen zwei Weibern kann man quatschen, blödeln, philosophieren und gefüttert wird man auch noch, in Paradies ist das :-) Und nächstes Mal werden wir zu Viert sein, uiuiuiui armer Kerl, er allein gegen drei gackernde Weiber und drei Katzen……. da kann ihm wohl nur noch der Katze helfen ;-)

Etwas Aufklärung zum Schluss
So….. abschliessend noch kurz eine kleine grammatiikalisch-biologisch-blödoide Erklärung zu „der Katze“. Alle nennen so einen Katzen „der Kater“. Aber das ist Quatsch, männliche und weibliche Katzen sind Katzen. Wenn also eine männliche Katze eine Katze ist, kann sie nicht plötzlich ein Kater sein. Das ist dieselbe Tiergattung, jawoll. Deshalb heisst es eben nicht „die Katze und der Kater“ sondern „die Katze und der Katze“. Wir wollen hier ja schliesslich korrekt sein und können da nicht einfach aus einem Tier ein Anderes machen. Katzen sind Katzen, es heisst ja auch nicht die Käter, sondern die Katzen. Hmmmm, ob ich das genau genug erklärt habe? Noch Fragen?

Unispital und so Medizin-Zeuchs

Die GaOp nähert sich von Tag zu Tag und ich bin langsam wieder im Zielfieber, noch 38 Tage bis zu meiner Auferstehung :-) ok mit Aufstehen wird dann fürs Erste nix, aber innerlich werd ich garantiert himmelwärts schweben. Auch sonst tut sich so Einiges an der medizinischen Front, deshalb hier mal eine kleine Zusammenfassung.

Dermatologie und Empathie
Heute war der letzte Kontrolltermin in der Dermatologie. Ich hatte jahrelang so ne Art Ausschlag im Vaginalbereich (klingt cool, was?), den ich nie wegbrachte, denn wenn es juckt, dann kratzt man und dann juckts wieder, eine albtraumhafte Spirale. Zweimal war ich bei Ärzten, bekam Cortison, hatte zwei Wochen Ruhe und schon gings wieder los. Als ich beim Chirurgen war für das Infogespräch, erzählte ich ihm davon und er meinte, ich soll das abklären lassen und wurde gleich in die Dermatologie angemeldet. Dort kam’s dann auch zu diesem “erfreulichen” Moment, als ich im Wartsaal als “Herr” aufgerufen wurde. Na jedenfalls schauten die das genau an, machten sogar eine Biopsie, es folgte die Cortisonbehandlung und im Gegensatz zu früheren Ärzten, die damit zufrieden waren, mir zu sagen, dass sie auch nicht wüssten was da abgeht, meinte die Dame vom Unispital, ich hätte da wohl einfach zu trockene Haut. Ich bekam eine rückfettende Creme, die ich seit Abschluss der Cortisonbehandlung nehme und siehe da, alles ist gut.

Kompetenz und Empathie
Einmal mehr zeigt sich die Stärke des Unispitals, man wird bei Bedarf in jede Abteilung weitergeleitet und trifft oft auf tolle Ärzte, die ihren Job wirklich verstehen. Auch die Dermatologin war total einfühlsam, fragte auch neugierig nach wegen der Op und ich viel fast vom Stuhl, als sie wegen dem Cortison sagte, man dürfe das schon öfters nehmen, aber gerade im Vaginalbereich müsse man da vorsichtig sein. Hä? Vaginalbereich? Sie weiss, dass ich die Op erst vor mir hab, sie hat mich ja auch nackt gesehen. Echt, das nenne ich ein ernstnehmen wie es im Buche steht. Für mich ist diese Zone tatsächlich der Vaginalbereich, auch wenn momentan noch alles a bissrl auf den Kopf gestellt ist. Ich war echt gerührt über diese Formulierung.

Hormon-Achterbahn geht los
Nun, sechs Wochen vor der Op, muss ich meine Hormone absetzen, was mich wohl bald mal zum Primaten macht oder so. Mich gruselts echt vor dieser Zeit. Ich nehm zwar nicht an, dass ich nun anfange, hemmungslos zu rülpsen und zu furzen und mir einen Ferrari kaufen will oder nicht mehr auf Stöckelschuhen laufen kann, aber ich mach mir echt Sorgen, ob sich beispielsweise der Körpergeruch wieder verändert. Es war so schön zu erleben, dass ich mich plötzlich riechen kann resp. gar nicht mehr rieche. Naja ich lass mich da mal überraschen, zur Not schütte ich mich eimerweise mit Classique von Gaultier voll :-) Aber es hat auch etwas Schönes. Erstens bin ich endlich diesen Testo-Blocker los, der nunmal wirklich pures Gift ist und den ich nun nie wieder brauche. Zweitens ist es die letzte medizinische Etappe vor der Op. Der Anfang vom Ende beginnt damit, ich roll so langsam zur Startbahn……….. achja, hab diese Woche einen Sitzring bestellt :-)

Zahnärzte sind doof
Morgen habe ich den nächsten Zahnarzt Termin am frühen morgen. Bei der letzten Kontrolle fand er ein sich in die Wurzeln fressendes Loch und begann eine Wurzelbehandlung mit ungewissem Ausgang. Ich hatte schon seit Kindheit eine echt tiefsitzende Angst vor diesen Bohrmenschen. Unterdessen hab ich mich zwar daran gewöhnt, aber dafür ergeben sich in meinem neuen Leben zusätzliche Probleme. Habt Ihr schonmal versucht, nach einem Zahnarztbesuch mit Spritzeneinsatz, Eure Lippen zu schminken? Joh das macht Spass, was? Es ist völlig unmöglich, die Lippen gleichmässig anzumalen. Ausserdem habe ich so ne komische Technik, dass ich mit dem Stift die Farbe nur grob auftrage und dann die Lippen aufeinander schmiere wie man es mit Lippenpommade macht. Geht prima bei mir, alles verteilt sich genau dahin wo es soll…….. Ausser man hat eine Seite betäubt, dann schmiert man sich das Zeuch bis an die Augenränder. Und weils so lustig ist, darf ich nächsten Montag grad nochmal gehn. Vermutlich verarscht der mich nur und macht die Wurzelbehandlung, damit er meine Beine noch ein paar Mal anschauen kann, aber was lassen wir nicht alles mit uns machen, um Andere glücklich zu machen ;-)

Geruhsame Nächte
Meine Schlafprobleme haben sich unterdessen auch gelegt, ich schlaf noch etwas unruhig, aber ohne Albträume und vorallem, ohne am Morgen noch müder zu sein als am Abend. Da bin ich echt froh, denn für die Op sollte ich schon fit sein und ohne ruhebringenden Schlaf wär das übelst.

Gesundungsmerkmal KauFRAUsch :-)
Auch sonst pegelt sich alles wieder ein, ich bin wieder vergnügt den ganzen Tag lang und kauf wieder Kleider wie ne Grosse, was will man da mehr :-) Heute in der Mittagspause habe ich beispielsweise diese Stiefel, die ich schon in beige habe, auch noch in schwarz bestellt. Dann kam irgendwie noch dieser Jupe mit und dieser Jupe wollte auch mit (ich glaub die zwei kennen sich und hängen an einander). Seltsamerweise kam dieses schwarze Strickkleid auch mit, obwohl ich dasselbe erst grad in rot gekauft hab. Aber das ist mein neustes Lieblingskleid, da konnte ich irgendwie nicht anders, als es auch noch in schwarz zu kaufen………….. ihr seht, mir geht’s wieder prächtig :-)

Der letzte Weg zum Feuer des Phönix

In den letzten Tagen macht sich eine Stimmung in mir breit, die schwer zu beschreiben ist. Es hat etwas Unheimliches, Mysteriöses, Bedrohliches, Hoffnungsgeschwängertes, Glückseeligmachendes, etwas Erlösendes.

Vier Jahrzehnte hielt ich es für unmöglich, seit bald zwei Jahren geschieht das Unmögliche tagtäglich, ich durchlebte und durchkämpfte eine äussere Metamorphose, die das einst unmöglich geglaubte Wunder wahr macht.

Nun gehe ich den letzten Weg, die letzte Kreuzung liegt hinter mir. Vor mir – einen guten Monatsmarsch von hier – sehe ich das Feuer des Phönix brennen. Die Vollendung eines ungeglaubten Wunders steht mir bevor und das ist ein unvorstellbares Gefühl.

Der Phönix Mythos……
Der Mythos de Phönix besagt, dass sich der Phönix zur Erneuerung zu gegebener Zeit in selber verbrennt und dann aus der Asche aufsteigt, als neue Emanation seinerselbst. Was für eine schöne Vorstellung. Und wie gut sie doch passt in das was mir bevor steht. Am 15. November werde ich die Augen schliessen und gefühlte 3 Sekunden später wieder öffnen und realisieren, dass das Unmögliche vollbracht ist, dass “er” verbrannt wurde und “sie” – also ich – aus der Asche emporgestiegen ist – unumkehrbar.

….. und die Vollendung einer Metamorphose
Oft habe ich betont, dass nicht die GaOp der entscheidende Moment ist sondern das Outing, wenn man beginnt, sich selbst entsprechend zu leben. Aber die GaOp und die offizielle Personenstandsänderung sind die Vollendung dieses beschwerlichen aber auch beglückenden Prozesses. Und es ist das Ende einer unerträglichen Diskrepanz zwischen Innen und Aussen. Die “Geschlechtsinkongruenz” ist aufgelöst, es gibt keine Diskrepanz mehr.

Das Feuer des Phönix……
Aber dieses Feuer macht auch Angst, vor den zwangsläufigen Beschwerden und den möglichen Risiken. Ich weiss, dass eine harte Zeit auf mich zu kommt, es kommen Schmerzen auf mich zu, wenn etwas schief läuft, kann eine Handvoll Operationen die Folge sein. Es ist echt gruselig, diese Vorstellung. Ich weiss auch genau, was gemacht wird und wie das zu Beginn nach der Operation aussieht. Diese Ängste müssten mich eigentlich ziemlich aufreiben, tun sie aber seltsamerweise nicht, weil sie untergehen in einem Meer anderer Gefühle, die um ein Vielfaches wichtiger sind.

…. im Vergleich mit dem Höllenfeuer
Es ist viel gruseliger, wenn man jedes Mal, wenn man sich an- oder auszieht, wenn man aufs Klo geht, unter der Dusche steht…….. und jedes Mal dieser Irritation ausgesetzt ist, dass man nicht sich selbst entspricht……… oder wenn man mit männlicher Bordkarte fliegt, sich mit männlichen Papieren ausweisen……. und sich jeder Würde beraubt fühlt.

Einssein mit mir selbst
Mein ganzes heutiges Leben ist vollständig meinem weiblichen Selbst entsprechend, ich werde in der Öffentlichkeit meistens als normale Frau wahrgenommen, führe ein normales Leben wie es Frauen in dem Alter tun (abgesehen von meinen kindischen Allüren), werde überall meinem Geschlecht entsprechend angenommen – es stimmt einfach alles, mein Alltagsleben ist frei von “Inkongruenz”, ich bin einfach nur noch mich selbst……. abgesehen von dieser letzten Inkongruenz, die mir bis zuletzt die Identität verweigert.

Am Ende des Krieges steht die Ruhe……
Wenn ich mir die Zeit nach der Op vorstelle, dann emfpinde ich nur noch Ruhe, eine glückseelige Ruhe. Vier Jahrzehnte Flucht und zwei Jahre Kampf ums Leben – und dann, scheinbar plötzlich, ist der Krieg vorbei. Es gibt nichts mehr, das mich an mir selbst irritiert, keine körperliche Besonderheit für die ich mich tagtäglich schäme, die ich sogar vor meiner eigenen Verlobten verberge, weil es mir einfach unerträglich scheint, so gesehen zu werden……….

…… und die Freiheit des Seins
Dann ist alles vorbei, dann muss ich nur noch leben, nichts anderes. Keine Transsexualität mehr, die mich tagtäglich behindert, einfach frei sein, ohne jeglichen Widerspruch, weder mit mir noch mit meinen Ausweisen. Ich weiss nicht, wie das ist, so eine Selbsterfahrung und Selbstentfaltung ist neu in meinem Leben, ich war noch nie widerspruchsfrei mich selbt. Aber ich stelle es mir wunderschön vor. Egal wieviele Probleme das Leben noch stellt – und es werden derer viele sein – bleibt das Unvorstellbare, dass ich mit mir selbst im Reinen bin, nichts Anderes mehr als Diana, wie sie leibt und lebt. Diese Vorstellung rührt mich immer wieder zu Tränen, ich fühle mich wie kurz vor der Erlösung, ein fast schon spirituelles Empfinden.

Wer sucht, der findet….. Ruhe
Ich mag es, bildhafte Zitate in den unterschiedlichsten Kontext zu stellen und finde so immer wieder erstaunliche Gedanken dabei. Im einer apokryphen (ausser-biblischen) christlichen Urschrift, dem Thomas Evangelium, finden sich über hundert Jesus Zitate, eines davon, das in ähnlicher Form auch in der Bibel zu finden ist, lautet in dieser Schrift wie folgt:

Nicht aufhören soll der Suchende zu suchen, bis er findet;
und wenn er findet, wird er betroffen sein;
und wenn er betroffen ist, wird er herrschen;
und wenn er zu herrschen begann, wird er Ruhe finden.
(Papyrus Oxyrhynchos 654 – 2)

  • Ich habe mich gesucht und habe mich, also die Wahrheit meines Selbst, gefunden.
  • Ich war betroffen und erschüttert, in Anbetracht der Herausforderung, die mir dadurch abverlangt wurde.
  • Ich übernahm die Herrschaft über mein Sein, ich begann zu bestimmen, wer ich bin.
  • Und ich fand grosse Ruhe und werde sie noch mehr finden, weil ich ein selbstbestimmtes und authentisches Leben führe, weil ich mich nicht mehr suchen oder finden muss sondern einfach nur noch sein darf – Shalom – im wahrsten Sinne des Wortes.

Aus dem Albtraum aufwachen
Am 15. November, wenn ich die Augen öffne, wache ich zum ersten Mal aus diesem fast 44-jährigen Albtraum auf und weiss, dass er nie mehr kommt, dass ich jetzt wirklich aufgewacht bin und das wahre Leben uneingeschränkt gelebt werden kann. Aber so sehr ich mich darauf freue und sogar zu Tränen gerührt bin wenn ich daran denke, ich muss doch gestehen, dass ich eine Scheissangst hab. Das Feuer macht mir Angst, aber ich gehe trotzdem gerne da durch, eben weil ich endlich aus der Asche aufsteigen muss…….. weil ich auch ohne es zu wissen die tiefe Gewissheit habe, dass ich an diesem Tag zur Ruhe komme, weil ich dann – zum ersten Mal im Leben – grenzenlos glücklich bin, nur weil ich bin.

PS: dieses Bild ist hier schon öfters aufgetaucht, weil es für mich den Weg den ich diese zwei Jahre gegangen bin, besser darstellt als jedes Andere. Die Schwere des Weges zeigt sich deutlich, aber die Entschlossenheit im Blick dieser Frau zeigt auch, dass sie diesen Feuerlauf überstehen wird. Ich liebe dieses ausdrucksstarke Bild, es gibt mir immer wieder Kraft, wenn grad mal wieder die Füsse brennen :-)

Die Entscheidung und der Quantensprung

Meine Transsexualität brachte eine Reihe von Erschütterungen in mein Leben, die jedesmal einen Quantensprung auslösten. Als Kind kam die Erkenntnis, dass mein Körper und damit die mir zugedachte Geschlechterrolle nicht meinem Geschlecht entspricht, im frühen Erwachsenenalter kam die Erkenntnis, dass man das Transsexualität nennt und ich also irgendwie persönlichkeitsgestört sein soll, mit Vierzig kam die Erkenntnis, dass ein Leben in Selbstverleugnung kein Leben ist, mit Dreiundvierzig kam die Erkenntnis, dass es einfach nicht mehr aushaltbar ist und mich nun zwingt, mich aller folgenden Stigmatisierungen zum Trotz, mein Leben einzufordern und den hohen Preis dafür zu bezahlen.

All diese Schlüsselmomente waren wegweisend für das weitere Leben und haben mich intensiv beschäftigt. Manchmal war es ein längerer Prozess, manchmal schlug es ein wie ein Blitz. Es gab viele Schlüsselerlebnisse, die von einer unheimlichen Gewalt waren. Ein Ereignis sticht dabei heraus, es war die Folge eines lebenslangen Prozesses, der Entscheid fiel dann jedoch wie ein Blitz. Es war der schicksalshafteste Tag meines Lebens, der Tag, an dem ich mich definitiv entschloss, diesen Weg zu gehen, fortan als die Frau leben werde, die ich schon immer war und doch nie sein konnte.

Ein halbes Jahr Risikoabwägung und Sinnsuche
Es fällt mir schwer, daran zurückzudenken, weil dieser Moment mir scheint wie in einer tiefen dunklen Höhle. Vorausgegangen war ein halbes Jahr, in dem ich mir täglich stundenlang Gedanken darüber machte, ob es nicht doch einen anderen Weg gäbe, ob ich nicht doch irgendwie dieser Stigmatisierung weichen könnte, ob ich wirklich bereit bin, alles zu verlieren, was mir etwas bedeutet.

Einige Monate vor dem entscheidenden Tag sagte mir eine meiner besten Freundinnen sinngemäss: “Ach komm, Du hast Dich doch schon lang entschieden”. Entschieden, wie ich leben möchte, das war nie eine Frage, die Frage war hier, ob ich diesen hohen Preis bezahlen kann. Ich rechnete damit, sozial wirklich ganz am Abgrund zu landen. Ob ich Verwandte, Freunde, Job, Wohnung, was weiss ich verliere, ob mich die ganze Welt auslacht, ob ich all das ertragen kann………….. all das wusste ich nicht.

Monat für Monat wurde es beengender, eine unfassbare Angst vor einem Leben als Stigmatisierte oder Ausgegrenzte, diese nicht mehr aushaltbare Sehnsucht nach wahrhaftem Leben, die Erkenntnis, dass ich es einfach nicht mehr kann, diese unerträgliche Lebenslüge weiter zu spielen.

Das letzte Ringen um einen längst entschiedenen Entscheid
Die letzten zwei Wochen waren die Hölle. Es war als müsste ich zwischen Galgen und Erschiessung wählen. Ich hatte unglaubliche Angst vor dem was mich erwarten würde, hatte Angst, dass ich nicht stark genug bin, um selbst unter Gelächter die Würde zu bewahren. Ich hatte soviel darüber nachgedacht, es war klar, dass ich durch die Hölle gehe……….. oder in der Hölle bleibe – ich hatte zu wählen.

Der letzte Abend war nur noch ein verzweiufeltes Ringen, es war tatsächlich schon längst entschieden, es war nur noch die Angst, die mich verzweifelt versuchte, davon abzuhalten.

Der Quantensprung der Entscheidung
Und dann, keine Ahnung warum genau dann, war wieder dieser Blitz der Entscheidung, der den grössten Quantensprung meines Lebens auslöste. Inmitten einer düsteren Hoffnungslosigkeit und Angst, stieg eine wilde Entschlossenheit auf. Ja! Ich gehe diesen Weg! Mag die Welt mich deswegen für verrückt halten, mich verachten oder ausgrenzen, ich entfalte mein Selbst und fordere das Recht ein, mein Leben zu leben……….. um jeden Preis.

Die Ruhe nach dem Sturm – endlich frei!
Als dieser Entschluss, der schlussendlich eine Sekunde dauerte, durch meinen Kopf schoss……… wurde ich eingelullt in ein Meer von Erleichterung……….. ich bin frei, verdammt nochmal, ich bin wirklich frei………… und ich heulte mir die Seele aus dem Leib und war so unglaublich glücklich. Endlich habe ich es geschafft, mich überwunden, mich von den Ketten losgerissen. Endlich habe ich JA gesagt zum Leben. Ich glaub, das war der schwerste und glücklichste Moment meines Lebens, diese in Sekundenbruchteilen vollzogene Freisprechung.

Was blieb, war die Angst, die Folgen meines Anspruchs auf Selbstbestimmung nicht tragen zu können, daran zu zerbrechen. Aber das war plötzlich zweitrangig, ich war nun frei, ich würde nun ich sein, mich selbst leben…………. dann kam der Satz, der ganz zu Beginn meines Tagebuchs zu finden ist: “Ich gehe diesen Weg, selbst wenn es das Letzte ist, das ich tue!”…… und ich war tief entschlossen, meinen Weg zu gehen.

Wenn die Welt innert eines Wimpernschlages Kopf steht
Ich würde so gern erklären, wie sich das angefühlt hat, aber es ist unmöglich. Es war als hätte ich in einem Zauberkerker gelebt und hätte dann den Zauberspruch gefunden, mit dem ich den Kerker auflösen kann. Oder eher gar, als wär ich ein Leben lang hinter einer Dornenhecke eingeschlossen gewesen und hätte erkannt, dass diese Grenze eine Illusion ist und ich da doch durchlaufen kann. Ein Satz ging schlussendlich durch meinen Kopf – dieses kurze ‘ja ich will’ – und der Spuk war vorbei.

Dann wurde es still in mir. Ich war erschüttert, bei der Vorstellung, was nun alles auf mich zukommen würde – purer Horror. Und ich war zutiefst ergriffen, weil ich plötzlich so frei war, wie nie zuvor, ich hatte mir die Freiheit zugesprochen, mich selbst zu sein.

Was dann geschah war wirklich seltsam, einem Quantensprung gleich. Das Wesen, das Jahrzehntelang geflohen ist und gerungen hat, das zweifelte und sich fürchtete, stand plötzlich auf, mit der Entschlossenheit einer Kriegerin, die bereit ist für die grosse Schlacht….. und die sich von nichts und niemandem aufhalten lässt.

Der Quantensprung der Vollendung
In einem Monat wird das zweite Mal ein Wimpernschlag einen Quantensprung auslösen. Was der erste Schicksalsmoment ein Beginn war, wird der Zweite zur Vollendung. Und wieder wird innert eines Wimpernschlages alles anders und ein zweites Mal darf ich aufatmen…….. uns sagen: es ist vollbracht.

Transsexualität: Psychologische Sichtweise ohne Scheuklappen

Die Vereinigung ‘Aktion Menschenrecht und Transsexualität’ ATME hat kürzlich den Schweizer Psychiater und Psychotherapeut Dr. phil. Horst-Jörg Haupt interviewt. Er gehört zu den wenigen Psychologen, die auch über ihre eigene akademische Grenze hinausschauen und Fakten aus anderen Fakultäten ernst nehmen. Infolgedessen vertritt Dr. Haupt eine interessante Denkweise, die im Gegensatz zu vielen anderen Psychologen wissenschaftliche Fakten höher gewichtet als ein hundert Jahre alter und längst widerlegter Dogmatismus.

Das ganze Interview kann und sollte hier auf der Website von ATME gelesen werden. Hier ein paar Zitate aus dem Interview und ein paar Gedanken dazu………..

Die Sonderbehandlung transsexueller Menschen ist ein Skandal

Für mich ist – ich formuliere das ganz bewusst so – die „Sonderbehandlung“ transsexueller Menschen durch ein perfides, ausgeklügeltes und zynisches medizinisch-juristisches System, ein Skandal ersten Ranges.

Es ist in der Tat schockierend, dass transsexuelle Menschen eine medizinische und juristische Sonderbehandlung unterlaufen müssen, die Seinesgleichen sucht. Dass medizinische Hilfe ein Jahr lang während eines sogenannten Alltagstests verweigert wird ist ein Unikum. Dass die Anerkennung der Identität an eine irreversible Sterilisierung gebunden ist, ist einmalig in Europa – zumindest seit dem Ende des Hitlerreiches. Nicht umsonst beklagte sich der EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammarberg kürzlich in einem Bericht mit den Worten: “It is of great concern that transgender people appear to be the only group in Europe subject to legally prescribed, state-enforced sterilisation.”……. staatlich geforderte Sterilisierung? Das müsste uns wirklich zu denken geben.

“Penis=Mann, kein Penis=Frau” oder wissenschaftliche Fakten?

Der sexologische Mainstream vertritt die einfache Formel: “Penis=Mann, kein Penis=Frau”. Damit fällt man auf das wissenschaftliche Niveau der Zeit um 1900 bis 1905 zurück, als Freud seine „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ formulierte. 100 Jahre später – im Zeitalter der Neurowissenschaft, der Molekulargenetik und einer sozialwissenschaftlich geprägten Psychologie und Medizin – muten solche Auffassungen reichlich überholt an.

Dieser Glaube scheint nicht erschütterbar, obwohl die Neurowissenschaften und die Genetik in den letzten 10 Jahren klare Hinweise dafür gefunden haben, dass Transsexualität auf einer besonderen, angeborenen, körperlichen „Ausstattung“ beruht – und zwar des Gehirns. Aus neurowissenschaftlich-genetischer Sicht ist Transexualität eine – gar nicht so selten vorkommende – körperliche Normvariante.

Es ist höchst erstaunlich, dass die psychologischen Gilden im Jahr 2010 mit unerhörter Faktenresistenz alle wissenschaftlichen Forschungsergebnisse aus der Endokrinologie, Neurologie und Genetik ignorieren und anstelledessen lieber in ihrem genital-fixierten Denken nach Sigmund Freud sitzen bleiben. Die Welt hat sich bewegt, in den letzten hundert Jahren, ein Grossteil der Psychologen scheinen davon nichts mitbekommen zu haben. Mit Verlaub, aber damit disqualifiziert sich die Psychologie zur okkulten Parawissenschaft, die in anständigen Universitäten nicht gelehrt werden dürfte.

Der Mensch ist kein Genital sondern ein “Selbst”

Neben dem Spitzer’schen „Sie sind Ihr Gehirn!“ gibt es für mich deshalb noch ein „Du bist in der Tat!“ bzw. „Du bist, was Du tust!“. Und für die Verrücktheit/Krankheit des „transsexuellen Tuns“ existieren keine wissenschaftlich fundierten Belege. Bestimmte „Sexologen“ glauben und verbreiten dennoch, transsexuelle Menschen seien psychisch gestört.

Manfred Spitzer gilt als einer der anerkanntesten Neurologen der Neuzeit. Er betont immer wieder, dass das Gehirn allein den Menschen ausmacht. Es gibt nichts im Menschen, das nicht vom Hirn gesteuert ist. Die gesamte Persönlichkeit, das Selbst, ist im Gehirn verankert. Wenn also – wie vielfach erfolgt – der wissenschaftliche Beweis erbracht wurde, dass z.B. transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnanatomie haben, dann ist es einfach absurd, wenn man das Geschlecht trotzdem an Genitalien oder Chromosomen festmachen will. Wer würde auf die Frage: “Was bist Du”, antworten: “Ein Penis mit etwas Mensch dran”? Gerade bei Psychologen ist es mehr als verwunderlich, dass sie in dieser einen Frage plötzlich nicht das Gehirn ins Zentrum stellen sondern die Genitalien.

Recht auf Selbstbestimmung

Grundsätzlich: das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist durchzusetzen. Das bedeutet: Weg mit den Gutachterverfahren, denn transsexuelle Menschen selbst sind die ExpertInnen. Weg mit Zwangsmassnahmen, allem voran die Zwangskastration und die Zwangs“psychotherapie“. Keine obligatorischen entwürdigenden Zwangs-Alltags-Tests mehr!

Sowohl der EU-Ministerrat als auch die Parlamentarische Versammlung des Europarates haben sich klar und deutlich gegen die gängigen Behandlungsstandards ausgesprochen und mit der Resolution 1728 ein Ende der Zwangssterilisierungen und sonstigen medizinischen Zwangsmassnahmen gefordert.

Das Gehirn als Zentrum des Menschen

Es gibt viele Hinweise, dass Transsexualität eine biologisch fundierte Variation des Gehirns, d.h. gesunde Normvariante ist und dass genetische, hormonelle und anatomische angeborene Besonderheiten des Gehirns die Basis von Transsexualität darstellen. Das „Ich bin Mann/Frau“, also die Geschlechtsidentität, ist primär angeboren und dies ist funktionell-strukturell im Gehirn fix verankert.
Gemäss dem Satz von Manfred Spitzer „Sie sind Ihr Gehirn“ ist das Gehirn also das entscheidende Geschlechtsorgan. Diese Aussage hat viel mehr Tiefe, als sie zunächst vermuten lässt. Das Gehirn ist der biologische Träger des „Selbst“, also jener Tiefenschicht unserer Subjektivität, wo die ganz persönlichen, „festen“ Vorstellungen „von mir“ angeboren, verwurzelt und verankert sind, also auch der tiefen inneren Gewissheit, wessen Geschlechts „ich bin“. Dass Teile des Selbst angeboren sind, wird heute auch von der Mehrzahl der PsychoanalytikerInnen akzeptiert.

Transsexuelle Menschen gibt es nunmal, was auch immer der liebe Gott sich dabei überlegt hat, es gab sie immer und wird sie immer geben. Dass es sich hierbei um keine psychische Störung handelt, weder Perversion noch Geisteskrankheit ist, wurde mittlerweile mehr als genug nachgewiesen. Ebenfalls nachgewiesen wurde dank einem Jahrhundert erfolgloser Psychotherapierung, dass die Geschlechtsidentität eines Menschen nicht verändert werden kann. Wenn ich also der festen Überzeugung bin, eine Frau zu sein und man eine Wahnvorstellung ausschliessen kann, dann ist das zu respektieren. Ich bin ein Mensch und kein Genital, ich bin Mensch, habe ein Selbst und eine Persönlichkeit. Wenn also nachgewiesen wurde, dass ich nicht gestört bin, dann gibt es keinen medizinischen und erst Recht keinen ethischen oder moralischen Grund, weshalb man mir meine Identität absprechen dürfte. Und es gibt erst Recht keinen Grund, mich wider aller Erkenntnisse zu psychopathologisieren und die dringend benötigte medizinische Hilfe an Bedingungen zu knüpfen, die gegen internationale Menschenrechte verstossen. Es ist höchste Zeit, dass Psychologen ihren fixierten Blick endlich mal von den Genitalien lösen können und die Fakten anerkennen!

Ärzte – Steht auf und beendet diesen akademischen Irrsinn endlich

Auf jeden Fall ist es erfreulich und überfällig, dass sich Fachärzte zu diesem Thema öffentlich äussern, die nebst ihrem Guru Sigmund Freud auch die Realität ausserhalb ihrer Psychothesen wahrnehmen und anerkennen. Wer auch immer sich als Expert/in sieht in dieser Thematik, flehe ich an: Bitte öffnet endlich Eure Münder gegen den psychologischen Mainstream! Wir sind Menschen, die daran zugrunde gehen oder zumindest ihr Leben in gehörigem Mass beeinträchtigt wird, durch die von Euren Akademien postulierte Gestörterklärung. Psychologen haben die Lüge der “gestörten Transsexuellen” in die Welt gesetzt, Ihr wisst um die Fakten, die diese Psychopathologisierung widerlegen, Ihr allein könnt das wiedergutmachen, was Eure Vorgänger begangen haben.

Wir warten auf Euch, auf all diejenigen, die die Fakten kennen und anerkennen, die immer noch still sind weil es blasphemisch wäre, sich gegen eine dogmatische Mehrheit aufzulehnen. Wenn Ihr es nicht tut, bleiben Menschen wie ich auf der Strecke, die eigentlich ganz normale Menschen mit einer etwas anderen Körperentwicklung sind, die weiterhin als “gestörte Transen” missachtet werden……. solange bis Ihr endlich aufsteht und Euer Wissen teilt.

Testosteron-Alarm: Vorsicht, bissiges Mädel!

Ach Du heilige Sch…………. Ich hoff ja echt, dass dies nur eine kurze Umstellungsphase ist, andernfalls hat mein Umfeld schwere Zeiten vor sich einen Monat lang. Heute war ich den ganzen Tag gereizt wie ein Stier in einem roten Zelt, ich hätte ständig um mich beissen können. Obwohl’s mir eigentlich gut geht und auch im Geschäft alles prima läuft, hab ich mich über alles aufgeregt, was nicht 100% perfekt läuft. Auf viele anständige Fragen gabs von mir nur eine schnippische Antwort zurück und immer wieder knurrte und fluchte ich vor mich hin.

Das kenn ich von früher mehr als mir lieb ist, damals reichte schon Zeitung lesen um zwischendurch ein knurrendes “diese verdammten Arschlöcher” von mir zu geben und wenn mich was bei der Arbeit reizte, hörte man schnell mal eine donnernde Stimme “Gottverdammte Dreckscheisse” rufen. Drei Tastaturen mussten in so Situationen ihr Leben lassen und ein Bildschirm infolge “unerklärlicher Farbfehler” ersetzt werden. Aber damals irritierte das kaum jemanden. Der olle Rocker kocht mal wieder über, dachten sich die Leute wohl, irgendwie verhielt ich mich wenigstens klischeegerecht.

Seit Beginn der Hormontherapie war das nun Vergangenheit. Ich fauche zwar bei Programmabstürzen gelegentlich ein trockendes “Arschlochprogramm” vor mich hin, aber ansonsten bin ich die Ruhe in Person – zumindest legt sich Ärger sofort wieder. Doch wie es scheint, ist der ganze Spass wieder zurückgekehrt, sogar in erhöhtem Masse.

Mein Hirn hatte schon immer seine liebe Mühe mit testosteronbedingten Aggressionen. Es kommt mir vor, als hätte mein Hirn einfach keine Aggressionsbewältigungsstrategien für so hormonbedingte Büffelgefühle. Seit Anfang vorletzer Woche habe ich den Testosteronblocker abgesetzt und seit Anfang dieser Woche auch die Östrogene……. und heute ging voll die Post ab.

Schon zu Beginn der Hormontherapie, als ich bemerkte, um wieviel ruhiger ich wurde, war ich fasziniert von der Wirkung dieser Sexualhormone. Aber da war es ein langsamer Prozess, weil ich erstens die Dosierung langsam steigerte und zweitens zu Beginn noch keinen Testosteronblocker nahm. Aber jetzt geht’s im Rückwärtsgang zurück und das Vollgas. Innert weniger Tage hat sich mein Hormonpegel scheinbar wieder in primatische äh männliche Gefilde begeben und ich komm weder psychisch noch emotional damit klar – so ne Art Selbstentfremdung der endokrinologischen Art oder so.

Wenn das so weiter geht, dann kommt wirklich eine gruselige Zeit auf mich zu – oder eher auf mein Umfeld. Es ist sowas von unangenehm, wenn ich bemerke, wie ich so störrisch auf Anfragen reagiere oder schnippische Antworten gebe auf normale Fragen und ständig alle in den Hintern treten möchte oder wenigstens irgendwelche herumliegenden Gegenstände herumschmeissen. Irgendwie nervt einfach alles und Jeder. Grrrrrr…………….

Tröstend ist einzig, dass heute in einem Monat die GaOp ist und wenn ich dann aufwache, wird mein Körper kein Testosteron mehr ausschütten. Dann bin ich wieder ein ganz liebes und handzahmes Mädel – bis dahin, sorry Leute, werd ich wohl oder übel nochmal n’bisschen ein Ekel sein müssen. Und dementsprechend ein gutgemeinter Rat, geht mir in nächster Zeit nicht auf den Kecks, es wär mir nicht Recht, wenn ich unfreundlich würde……… und falls ich in nächster Zeit ab und zu mal zur Furie werde, habt Verständnis, ich durchlebe grad anstrengende Wechseljahre der unverträglichen Art.

Naja, heute habe ich im Pub mit einer netten TransFrau abgemacht, die mich etwas instruieren wird betreffend der GaOp und Personenstandsänderung. Vielleicht sollte ich mich mal wieder sinnlos zu besaufen wie n’echter Kerl – vielleicht schwämmt Guinness in rauhen Mengen ja das Testosteron raus……. ob man mir es übel nimmt, wenn ich gelegentlich mit Barhockern um mich schmeiss? Ich kann ja schliesslich nix dafür, das Testo ist schuld, ehrlich, ich schwör ;-)

Nachdem ich auf Facebook rumgeblödelt habe: “meine Kommunikationsbereitschaft lässt arg zu wünschen übrig, ob ein kurzes ‘fick dich’ auch reichen würde?”, hat mir eine gute Freundin den Rat, ich soll doch einfach dieses ‘fick dich’ zum temporären Standardgruss erklären. Ich find die Idee genial, ich glaub das würd mir helfen, die Aggressionen etwas abzubauen. Wenn jemand an den Arbeitsplatz kommt, ein freundliches “Fick Dich Hugo, hast Du einen Programmfehler für mich?” oder im Pub ebenso freundlich “Ey Barkeeper, fick Dich und gib mir noch n’Guinness”………… ja ich glaub das würd mir gut tun, ich sollte das heut Abend im Pub mal ausprobieren :o)

Ein bereichernder Frauenabend im Pub

Nach meinem Testosteronrausch gestern gings am Abend dann wie angekündigt ins Pub. Ums vorwegzunehmen, ich habe zwar so gut es ging das Testosteron mit Guinness rausgeschwemmt, aber nicht einen einzigen Barhocker durchs Pub geschmissen ;-) Das hatte nicht zuletzt auch damit zu tun, dass meine neue Freundin eine tolle Begleitung war. Wir trafen uns um 21 Uhr und sassen dann bis halb Drei im Pub. Fünfeinhalb Stunden zu zweit an einem Tischchen zu sitzen klingt lang, aber uns kams vor wie zwei Stunden.

Ich kenne unterdessen einige transsexuelle Frauen, zu einer Handvolll habe ich regelmässigen Kontakt und tausche mich oft aus, sei es über Blogs, Facebook oder Mail. Aber es gibt’s selten, dass ich mit einer “Gleichartigen” einen ruhigen Plauderabend einlege, in dem wir uns über unsere Wesensart austauschen oder wie in diesem Fall, ich meine Gesprächspartnerin stundenlang mit Fragen bombardiere. Und das tut unheimlich gut. Gerade mit einem Mädel, das wie sie so eine Normalität ausstrahlt, ist es einfach schön, es bestärkt mich selbst in der Gewissheit, dass auch ich aller Nonkonformität zum Trotz eigentlich eine ganz normale Frau bin, die nur eine etwas aussergewöhnliche Geschichte hat.

Eines der Hauptthemen war die GaOp und die darauf folgende Personenstandsänderung. Ich bekam viele tolle Tipps für den Spitalaufenthalt und die Genesungszeit danach. Ausserdem weiss ich nun sehr detailiert, was es alles braucht für die Personenstandsänderung. Dies ist eher enttäuschend, der Prozess dauert doch länger als ich gehofft habe. Ein lustiges Rösschenspiel an Bürokratie muss da durchlaufen werden, das wohl bis Ende Januar oder Februar dauern wird. Sie hat mir ihr Urteil vom Amtsgericht mitgebracht und ich war verzückt ob der Formulierung, in der bestätigt wird, dass sie weiblichen Geschlechts ist. Nichts von wegen “Geschlechtsumwandlung” oder sowas, es wird einfach bestätigt, dass sie n’Mädel ist. Ach wie gut das tut, ich werd heulen wie ne Wölfin wenn ich diesen Wisch in den Händen hab :-)

Wir redeten auch viel über das Leben als transsexuelle Frau und wie schon eine andere liebe Freundin hat auch sie mir eindringlich geraten, dass ich mich in nächster Zeit voll und ganz auf mich konzentrieren soll und mich allein um mich kümmern muss. Wie Recht sie doch hat. Ich habe ein Leben lang gekämpft, für oder gegen was auch immer. Diese Welt zu einer Besseren zu machen ist mir zur Berufung geworden und ein Grossteil meiner Lebensenergie floss da rein. Aber ich bin es meinem eigenen Leben schuldig – gerade in Anbetracht dessen was ich mir nun erkämpft habe – dass ich meinem Leben auch die Aufmerksamkeit zukommen lasse, die es verdient. Das werde ich tun, weil ich es mir wert bin :-) Mehr darüber demnächst.

Zu erwähnen wäre noch kurz, dass Stiefel ganz böse Dinger sein können. Ich trug dasselbe wie auf diesem Foto, nur waren die Strümpfe schwarz und die Stiefel dieselben wie auf dem Foto in schwarz. Diese Stiefel haben so eine hübsche Schnalle an der Aussenseite ganz oben. Und diese führt sich auf als sei sie ein Dosenöffner, denn dieses Miststück hat mir schon zu Beginn des Abends die Strümpfe aufgesäbelt, was dann zu einer weitläufigen Laufmasche wurde und mein Äusseres nicht grad veredelte. Meine Begeisterung über diese zusätzliche Zierleiste hielt sich arg in Grenzen, aber bei einer so guten Gesellschaft kann einem nicht mal das wirklich erschüttern, auch wenn man dann noch so bekloppt ausschaut ;-)

Auf jeden Fall war es ein toller Abend, lehrreich, einfühlsam, bewusstseinserweiternd. Und neben vielen Informationen und neuen Gedanken habe ich nun eine Frau mehr, die ich als wirklich gute Freundin betrachte. Danke für alles!

Zeit für mich selbst – weil ich es mir wert bin!

Der gestrige Abend hat mir definitiv klar gemacht, dass es an der Zeit ist, mich endlich voll und ganz auf mich zu konzentrieren. Vor mir liegt eine enorme Herausforderung, die Vollendung einer Metamorphose, wie es sie kaum gibt auf dieser Welt. Nicht nur, dass ich körperlich hart an die Grenzen gehen werde, auch psychisch und emotional wird eine ganz neue Welt auf mich zu kommen und ich werde viel Zeit und Energie brauchen, um mir all dem klar zu kommen. Diese Zeit muss und will ich mir gönnen – eben weil ich es mir wert bin. Viel zu lange habe ich überall gekämpft wo es ging, habe mich für Gott und die Welt eingesetzt. Das werde ich auch in Zukunft machen, es ist mir zur Berufung geworden. Aber jetzt kommt eine Zeit, in der die Welt mal ohne mich streiten muss. Ich habe mir mein Leben erkämpft und mein Leben hat es verdient, dass es gelebt wird, von ganzem Herzen und aus tiefster Seele.

Die GaOp selber wird sicher hart und die Genesungszeit anschliessend wird mir auch arg zusetzen. So sehr ich mich auch darauf freue und so sehr ich auch glücklich sein werde, es bleibt eine enorme Herausforderung. Von anderen, die diesen Prozess hinter sich haben, weiss ich, dass man sehr viel Zeit braucht um “den neuen Körper” kennenzulernen, sich einzuleben in diese erstmalige Richtigkeit. Ich habe vier Jahrzehnte in einer Spannung gelebt, der Diskrepanz zwischen Innen und Aussen. Diese löst sich bald auf und ich werde mich erstmals ganz fühlen – aller Narben zum Trotz. Aber diese Ganzheit ist mir fremd und es wird viel Selbsterfahrung brauchen, bis ich das alles verinnerlicht habe.

Die Zeit nach der GaOp wird mir sehr zusetzen, das wurde mir von verschiedenen Menschen angekündigt. Die Narkose selbst erschöpft einem nachhaltig und alle neuen Eindrücke müssen verarbeitet werden. Wenn ich mich in dieser Zeit wie mein ganzes Leben lang in Kämpfe verwickle, wenn ich ärgerliche Studien lese, noch ärgerlichere Zeitungsberichte u.s.w. dann werde ich all die Energie verheizen, die ich dringend brauche.

So sehr ich mich auch darauf freue, ich kann nicht leugnen, dass ich enorme Risiken eingehe. Ich kann nicht ausschliessen, dass etwas schief läuft, dass ich vielleicht schwere Komplikationen erlebe, dass ich vielleicht lebenslange Behinderungen ernte, ich kann nicht mal sicher sein, dass ich die Operation überlebe. Ich vertraue zwar auf die Ärzte und vertraue auch auf mich selbst, aber ich müsste mich belügen, wenn ich abstreiten würde, dass diese Risiken bestehen. Gerade deshalb ist nun Vorsicht gefordert. Mein Körper ist massgebend, ob alles gut rauskommt oder nicht. Und mein Körper – das weiss ich mehr als genug – ist so stark wie meine Seele stark ist. Es liegt vorallem an mir, wie dieser Prozess sich entwickelt. Ich habe sehr gute Chancen, dass alles gut kommt, aber nur wenn ich mir wirklich Sorge halte und mich psychisch, emotional und auch spirituell voll und ganz darauf konzentriere.

Deshalb habe ich mich entschlossen, mich in mich selbst zurück zu ziehen und mich von nun an zurückhalte mit Öffentlichkeitsarbeiten und sonstigen Grabenkämpfen. Diese Zeit die kommt, ist enorm wichtig für mich, sie wird wunderschön sein wie eine zweite Geburt, sie wird aber auch schwer sein wie die Wehen die jeder Geburt vorangehen.

Es ist nun kein Monat mehr bis zur GaOp, diese Zeit werde ich nutzen um in mich zu gehen und Kräfte zu sammeln. Es gibt viel nachzudenken und es scheint mir wichtig, dass ich mich wieder vermehrt mit meiner inneren Spiritualität verbinde. Schliesslich ist meine Neugeburt ein höchst spirituelles Erlebnis, das muss auch entsprechend gewürdigt werden.

Diese zwei Jahre waren sehr sehr anstrengend, es war ein permanenter Kampf. Ich musste ein Selbstbewusstsein aufbauen aller Stigmatisierung zum Trotz. Ich musste lernen, mich selbst zuzulassen, allen Gelächters zum Trotz. Ich musste mich durch menschenrechtswidrige Behandlungsstandards pressen lassen ohne dabei zu deformieren. Und ich musste sehr viel lernen, von banalen Schmink- und Kleidungsfragen bis hin zu einer Überlebensstrategie unter erschwerten Umständen. All das habe ich geschafft und darauf bin ich wirklich stolz. Nichts ist unmöglich, denen, die das Unmögliche wagen. Ich habe es gewagt und das Unmögliche wurde Realität. Aber all das hat mich erschöpft, ich bin des Kämpfens müde und ich bin des Ärgers überdrüssig. Es wird Zeit, mich in den Cocoon zu legen, zu ruhen und mich dieser letzten Metamorphose hinzugeben.

Dementsprechend wird es auch hier in nächster Zeit wieder einen neuen Wind geben. Wie sich das genau auf meine Schreiberei auswirkt, weiss ich selber noch nicht. Aber ich weiss, dass ich es mir die nächsten Monate nicht leisten kann und will, mich weiter mit Menschenrechten und faktenresistenten “Fachleuten” herumzuärgern.

Ich entsage somit für eine begrenzte Zeit der Welt und ihren Problemen, es geht jetzt nur noch um mich. Die nächsten Monate werden das Fundament, auf dem meine Zukunft steht. Wenn ich mich in dieser Zeit verheize anstatt mich um mich selbst zu kümmern, wird meine Zukunft auf wackligen Beinen stehen. Deshalb muss und will ich die Heiligkeit des Lebens würdigen, gerade jetzt in dieser für mich so entscheidenden Zeit.

Egoismus ist in dieser Gesellschaft verpönt, aber es gibt Zeiten, in denen man sich selbst mir Recht in den Mittelpunkt stellt. So eine Zeit steht mir bevor und ich bin es mir schuldig, mir diesen Egoismusmus jetzt zu leisten. Das was ich mir in diesem zwei Jahren erkämpft habe, ist so unsäglich wertvoll, dass es eine Schande wäre, wenn ich das jetzt nicht entsprechend würdigen würde.

Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens! Dieses wunderschöne und sinnreiche Sprichwort will ich nun ernst nehmen und in dieser Haltung verbleiben………. bis hin zur Vollendung meines Seins.

Die Faszination des Unvorstellbaren

Das menschliche Denken hat seine Grenzen, wenn es um das Vorstellbare geht. Was nicht zu unserem Erfahrungsrepertoire gehört, können wir uns nicht vorstellen, es gibt im Kopf weder Bilder noch Gefühle, die wir abrufen könnten, um uns das Unbekannte vorzustellen. So geht es mir, wenn ich an meine Zukunft denke, die Zeit nach der geschlechtsangleichenden Operation. Ich war ja noch nie ganz, ein Übereinstimmen von Innen und Aussen ist mir völlig fremd. Ich nähere mich seit bald zwei Jahren zwar dieser Aussen-Innen Einheit, aber ich habe nachwievor keine Vorstellung, es ist schlicht unfassbar.

Meine ganze Denk- und Gefühlswelt durchlebt die letzten Tage eine Veränderung. Das für unmöglich Gehaltene, das Unvorstellbare, steht nun vor mir. Ein Leben lang war es ein unmöglicher Traum, eine nicht erfüllbare Sehnsucht. Es geht nicht, es darf nicht sein, es ist nicht……….. und doch wird es.

Irgendwie konnte ich es bis zum Schluss nicht fassen, dass dieses Unmögliche doch möglich sein könnte. Ich folgte dieser Spur einfach, weil ich nicht mehr anders konnte als wider aller Hoffnungslosigkeit das Unvorstellbare anzustreben. Nun gehe ich darauf zu, nichts was es noch aufhalten könnte – das hat etwas unheimlich Surreales.

Die Vorstellung, von diesem “danach”, hat etwas Diffuses, etwas Schemenhaftes, Ungreifbares. So sehr ich es mir erträumt habe, endlich Eins zu sein, ich weiss doch nicht wie sich das anfühlt. Normal? Aber was ist normal? Anders? Das war es bisher. Egal wie oft ich daran denke, mich hineinfühle, es ist als ob ich mir vorstellen würde, ich könnte fliegen. Da fehlt jeder Erfahrungshorizont, um mir das wirklich vorstellen zu können.

Die Gewissheit, glücklich zu sein in diesem mir unbekannten und so lang ersehnten Zustand, ist immens tief. Aber sie beruht nicht auf Erfahrungen, es ist eine Bewertung des Unbekannten und Unfassbaren. Ich glaub, man könnte mir einreden, ich würde nächsten Monat zur Elfe, es wäre nicht unvorstellbarer.

Eigentlich ist es sehr irritierend, wenn jemand um jeden Preis ein unbekanntes Land erreichen will. Aber manchmal zieht es die Seele eines Menschen so sehr an einen bestimmten Ort, dass es dumm wäre, man würde die Seele nicht fliegen lassen. Unser Innerstes spürt wohin es gehört, ihm zu folgen scheint mir der Sinn des Lebens.

Mit Juliet lief das eigentlich genau so, es zog unsere Herzen irgendwann einfach zusammen, aller rationalen Argumente dagegen liessen wir uns auf einander ein, folgten dem Ruf unseres Herzens. Was uns erwarten wird, war uns unbekannt, wir spürten nur einfach, dass wir dahin gehören. Wir bekamen Recht :-)

Auch jetzt vertraue ich dem Ruf meines Herzens oder meiner Seele, wie so oft im Leben……. aber noch nie war das Unbekannte das vor mir liegt unfassbarer als heute……… aber auch der Ruf meiner Seele, der mich vier Jahrzehnte zu diesem Punkt führte, ist stärker als je zuvor.

Ich freue mich so auf dieses mir unbekannte Leben, das nächten Monat vollendet wird, diese Einheit, die so unvorstellbar ist. Und ich freue mich so darauf, dieses Leben zu leben und zu erkunden.

Im gestreckten Galopp zur GaOp?

In nächster Zeit läuft bei mir so einiges, in kurzen Sprüngen hüpf ich von Anlass zu Anlass, ich glaub, diese 26 Tage gehen sehr schnell rum :-)

Diese Woche war schon Waschtag und Zahnarzt angesagt, morgen ist die letzte preOp-Stunde bei meinem Psychotherapeuten, Donnerstag geh ich vermutlich ins Pub und am Samstag grad nochmal, dann spielen “Red Shamrock“, eine Band die irre irische Musik macht, teils sogar mit Dudelsäcken. Die hab ich schonmal gesehen dort, die rocken einem das Dach weg. Prädikat seeeeeeehr empfehlenswert!

Nächste Woche haben wir am Mittwoch eine Firmenparty (Programm-Taufe) an der wir bei Barbeque und Bier die Sau rauslassen die Arbeit der letzten Jahre feiern. In derselben (!) Nacht steh ich um vier Uhr auf *jammer*, hübsch mich an soweit der Zustand es zulässt, rausche an den Flughafen, stöckle wieder mal im gestreckten Galopp zum Gate – im roten Stretchkleid *hüstel* – flieg nach Hamburg und werd um Neun von meiner Süssen abgeschleppt, jauuuuuuhhhhhhhh, dann wird wieder geknuddääääält, bis Montag Morgääääään :-)

Die Woche drauf hab ich – eitel äh schlau wie ich bin – habe ich noch einen Termin bei meiner Coiffeuse, die dann auch gleich wieder die Augenbrauen entwirrt. Die machen mich echt irre, diese Brauen, ich hab da um die Augen n’Pelz wie ne Katze, da zupft man sich n’Wolf. Sonst ist diese Woche noch nicht viel geplant, aber das dürfte sich wohl noch ändern.

Und dann, jajajaja, dann kommt die vierte und letzte Woche, dann kommt erst das überfällige Gespräch mit dem Oberarzt (ich hoff ich hab nicht schon zuviel Testo im Blut für ein anständiges Gespräch) dann heisst’s packen, vorbereiten, nervös gackernd durchs Wohnzimmer flattern, hysterisch diese Listen durchgehen, boah ey…….. Und am Samstag wird ans UniSpital gestöckelt (man muss schliesslich die letzte Gelegenheit noch nutzen), im roten Stretchkleid, jawoll *trötzel*, dann richte ich mein Zimmer ein (Wände lila sprayen und so Zeuchs), guck ob das mit dem Internet klappt………. und dann werd ich erst mal eine Portion Drogen äh Medikamente bestellen, die haben da ja ganz abgefahrenes Zeuchs ;-)

Und dann, ja dann ist Montag – mein Montag – dann ist Dianas Geburt vollendet *verzücktguckt*……. hmmmm, ob das Operationsteam im Aufwachraum nach der Op mit mir ein Guinness trinkt? Anstossen auf die gelungene Geburt? Muss noch Konfetti und Tischbombe auf die Einkaufsliste nehmen :o)

Apropos Geburt, wisst Ihr was das Genialste an dieser Geburt ist? Ich weiss schon die Worte der Hebamme………… “es ist ein Mädchen ;-)” ………… öhm………….. das war als Spass gedacht, aber mir kullern grad Tränen übers Gesicht, sooooooooo schön :-)

PS: Juliet hat einen spannenden Blogbeitrag geschrieben, in der sie beschreibt, wie sie den preOp Zustand einer transsexuellen Frau wie mir wahrnimmt. Ich denke, dieser teils auch intime Beitrag gehört thematisch auch in dieses Tagebuch rein, deshalb hier wenigstens ein Hinweis darauf: Die Hürden des Pre-Op-Daseins

Eine berührende “letzte” Therapiestunde

Heute war meine letzte Therapiestunde bei meinem Psychotherapeuten, der mich jahrelang begleitet hat. Naja nicht wirklich die Letzte, aber die Letzte vor der Op und damit die Letzte, in der ich da kaputt auftauche. Es war für uns beide ein sehr berührender Moment. Jahrelang haben wir gemeinsam gekämpft, versucht mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Unzählige schwere Momente haben wir gemeinsam durchgestanden, mich immer wieder auf die Beine gestellt. Es gab dabei auch einige Zeiten, in denen wir Beide wohl nicht mehr ganz sicher waren, ob ich wieder auf die Beine komme. Gemeinsam suchten wir nach Alternativen, in der Hoffnung, mir diesen Weg ersparen zu können………. und gemeinsam kamen wir zum Schluss, dass halt eben doch nur ein Weg existiert, der mir ein menschenwürdiges Leben bescheren kann.

Wenn ich zurück denke an die dunklen Zeiten dieser Zeit, dann tut er mir fast leid. Ich war manchmal in so desolatem Zustand, dass es sehr anstrengendd sein muss, das auszuhalten. Mein Therapeut gehört zu den Wenigen, die nicht so akademisch konditioniert sind, dass sie sich 100% von ihren Patienten distanzieren. Er fühlt mit und da ich in Gesichtern Emotionen mehr wahrnehme als die Meisten, gab er mir so in dieser Zeit immer das Gefühl, nicht allein zu sein und nicht allein zu leiden, er gab mir das Gefühl, verstanden zu werden, ja fast schon erfühlt zu werden. So wurde aus einem Therapeuten eine Art Weggefährte, der mir beisteht und immer wieder aufhlift.

Und gerade seine Art, Gefühle nicht zu blockieren, hat mir in den letzten zwei Jahren enorm viel Rückhalt gegeben. Von Monat zu Monat wurde ich glücklicher und mein Glück spiegelte sich in seinem Gesicht. In diesem Jahr strahlte er geradezu vor sich hin. Er sah, wie gut es mir ging, wie Recht wir hatten, mir diesen Weg zuzumuten. Und sein Strahlen bestätigte mir, dass ich wirklich auf dem richtigen Weg bin, dass mein Glücksgefühl real ist.

Es gibt nur wenige Menschen, die in Anspruch nehmen können, dass ich ohne sie heute kaum noch leben würde. Mein Therapeut ist einer von ihnen, ohne jeden Zweifel.

Heute war nun eben der letzte Termin vor der GaOp, ich erzählte gerührt wie ich da grad in der Abflugschneise rumwusle und wir strahlten uns eine Stunde lang an. Das hatten wir prächtig hingekriegt, das Mädel :-) Einst am Boden zerstört, ohne Hoffnung, nur noch verzweifelt um Atem ringend……. und nun eine Frau, die allein schon glücklich ist, weil sie ist. Was für ein Wunder.

So fühlte es sich beim Abschied dann sehr feierlich an. Wir haben so einen langen Weg gemeinsam überstanden, der schlussendlich hierhin führt, an diesen Punkt, an dem ich nach fast 44 Jahren endlich ganz und eins sein kann mit mir selbst. Wir haben’s geschafft, gemeinsam, dafür werde ich ihm ewig dankbar sein.

Es drängte mich beim Gehen, es auszusprechen, dieses “wir haben’s geschafft”, aber ich spürte, dass ich losheule wenn ich das jetzt ausspreche und so nahm ich es mir. Ich kämpfte wirklich mit den Tränen…….. und ich hatte den Eindruck, ihm ginge es gleich.

Ja Doc, wir haben’s geschafft, es mag unmöglich sein, aber wir haben’s wirklich geschafft. Danke!

GaOp Vorbereitung der aussergewöhnlichen Art

Die letzten paar Tage war ich emsig wie n’Bienchen damit beschäftigt, gefühlte tausend Listen zu erstellen, was ich noch alles erledigen oder einkaufen muss. Man will ja schliesslich gut vorbereitet an der eigenen Geburt erscheinen. Hier mal der aktuelle Stand…………..

Besinnliche Bücher

  • Paulo Coelho: Der Alchemist – Coelho ist der König der Alltags-Philosophie, egal was für Sorgen man hat, bei ihm findet man gute Gedanken. Bisher kenne ich nur seine Kurzgeschichten-Sammlungen, dies ist der erste Roman den ich lese. Empfehlen würde ich von ihm fürs Erste Handbuch des Kriegers des Lichts oder Sei wie ein Fluss, der still die Nacht durchströmt
  • Pinchas Lapide: Die Bergpredigt – Lapide ist genial, ein jüdischer Neutestament-Forscher, der die Worte des jüdischen Rabbi Jeshua (hierzulande Jesus) mit jüdischen Augen erklärt, da kommen verblüffende Bilder auf – Häretisch, aber wahrhaftig ;-)
  • Epiktet Handbüchlein der Mora griechisch/deutsch und Das Buch vom geglückten Leben – Epiktet muss man auch kennen und leben, er ist der Guru der Leckmich-Philosophie äh der Stoa Philosophie, gerade für stigmatisierte Menschen höchst hilfreich. Empfehlen würde ich da Wege zum glücklichen Handeln
  • und ein Heft mit gaaaanz viel Sudokus :-)

Bereits eingekauft

  • Sitzring (so ne Art Schwimmring zum draufsitzen)
  • Always Ultra (echt wahr)
  • Bequeme Slips (Strings sollen scheinbar nicht das Gelbe vom Ei sein nach der Op)
  • Eisenpräperat (Floradix)
  • Vitamin-Tabletten (das Zeuchs das Andere in ihrem Gemüse essen *schauder*)

Noch zu kaufen

  • Nicorette Pflaster / Kaugummi (lebensrettende Sofortmassnahmen)
  • Feuchttücher resp. feuchtes Toilettenpapier
  • Kamillebad (ich riech zwar dann bekloppt, aber es ist entzündungshemmend)
  • Kamilletee (keine Ahnung, vielleicht muss ich mal was abtupfen oder so)
  • Miederhosen (für alte Damen wie mich, ne Quatsch, die sind gut wegen dem Stent, dem Platzhalter der dann da so, naja, halt eben, ach Ihr wisst schon ;-)
  • Stützstrümpfe (zum Glück ist nicht Sommer)
  • Vibrator (aus medizinischen Gründen, Jungs, ich schwör)

Homöopathische Mittel

  • Arnica D6 hilft generell bei Wundheilung und Abgeschlagenheit, sollte auch schon vor dem Eingriff eingenommen werden
  • NuxVomica D6 kenn ich vorallem als Mittel gegen den Kater, hilft bei Brechreiz und Abgeschlagenheit, vorallem aber auch bei den Nebenwirkungen der Narkose
  • Staphisagria D4 ist bei allen Schnittverletzungen hilfreich und davon wirds ja einige geben
  • Hypericum D6 hilft bei Nervenverletzungen, was mehr als wahrscheinlich sein wird
  • ChinaRinde D6 ist gut bei Blutarmut, könnte also auch hilfreich sein

Vorbereitungen aller Art

  • Postumleitung resp. Zurückhaltung
  • Unterlagen für Personenstandsänderungen vorbereiten
  • Wohnung aufräumen und putzen, weil ich nach der Op eh nix machen werde
  • Spitalformular ausfüllen
  • GaOp-Blog einrichten – ich hab vor, während der Op eine Art Live-Blogging zu veranstalten, damit Ihr auf dem Laufenden seid, ich hoff das klappt :-)
  • und ganz viel nicht nennenswerter Kleinkram

Packliste

  • Bücher
  • Notebook, Kabel, Headset
  • Kleider, Unterwäsche und so Quatsch
  • Schuhe, Sandalen, Ballerinas (echt wahr)
  • Schminkzeug (will ja auch nett ausschauen)
  • Parfüm (darf 4 Tage nicht duschen, da hilft nur Gaultier)
  • MP3-Player
  • Handy, Ladekabel
  • Digicam, Übertragungskabel, Batterien
  • Sitzring, Always
  • Schoko-Cappucino (muss ich in Hamburg kaufen)
  • Juliets herzchentragendes Plüschbärchen und ein Foto von ihr (nicht von dem Bärchen, von Juliet)
  • Juliets Kuscheldecke (damit ich kuscheln kann, what else)
  • Homöopathische Apotheke (never trust the doctor)

So und damit seid Ihr eingeladen, weitere Tipps zu geben, was ich noch alles kaufen oder organisieren sollte, bin um jeden Vorschlag froh :-)

Man will nicht Frau sein, man ist es

Immer wieder werde ich mit Sichtweisen konfrontiert, die mich vor den Kopf stossen und mich verletzen. Scheinbar gibt es mehr Menschen als mir lieb ist, die allen Ernstes glauben, Transsexualität sei eine Frage des Wunsches. Einmal mehr bedanke ich mich bei den Psychologie-Jüngern, die ein Jahrhundert lang die Lüge vertraten, dass wir nur einfach einen an der Waffel haben.

So sehr ich die Akzeptanz der modernen Gesellschaft auch schätze und so sehr es mich auch rührt, dass Manche mir sogar Respekt entgegen bringen können, es ändert nichts an der Tatsache, dass eine nicht unbedeutende Anzahl an Menschen allen Ernstes glauben, jemand wie ich würde so einen beschwerlichen Weg gehen, nur um sich etwas Lifestyle zu gönnen.

Ich setze mich einem enorm hohen Gesundheitsrisiko aus, sowohl bei der Operation als auch bei der lebenslangen Medikation. Ich setze mich einer gesellschaftlichen Stigmatisierung als “gestörter Mann” aus, gebe mich dem Gelächter der Menschen hin, verschenke jegliche gesellschaftliche Anerkennung. Wer in aller Welt tut so etwas, wer geht so weit, nur um sich etwas Spass zu gönnen?

Selbstverständlich darf ich – so gehört es sich für eine aufgeklärte Gesellschaft – mein Geschlecht “ändern”, aber warum soll die Allgemeinheit mit ihren Krankenkassenprämien für meine Selbstverwirklichung bezahlen? Selbstverständlich darf ich mich all diesen medizinischen Massnahmen aussetzen, aber warum soll das als Krankheit anerkannt werden und beispielsweise der Lohn bezahlt werden während dieser scheinbar freiwilligen Geschlechtsangleichung?

Ich habe mir das verdammt nochmal nicht ausgesucht, ich habe mich nie dazu entschieden, eine Frau zu sein. Ich bin als Frau zur Welt gekommen, nur halt eben mit einer nicht dem Geschlecht entsprechenden Genetik und Genitalentwicklung.

Es geht hier nicht darum, dass ich ein tolles Auto möchte und dafür Kredit brauche, es geht auch nicht darum, dass ich ein paar Pumps sehe die ich mir nicht leisten kann. Es geht um nicht weniger als darum, dass ich ICH sein kann und darf, es geht darum, dass ich als Frau nicht mit männlichen Geschlechtsmerkmalen leben kann. Nicht WILL, sondern KANN.

Immer wieder muss ich kämpfen, muss mich erklären, muss faule Kompromisse eingehen, muss den Menschen begreiflich machen, dass ich mir da keinen Fetisch von der Allgemeinheit finanzieren lasse sondern das Recht auf Gesundheit und Unversehrtheit beanspruche, dass jeder Mensch mit Recht für sich in Anspruch nimmt.

Warum ist es so schwer zu begreifen, dass eine Frau, die in der Tiefe ihres Selbst Frau ist, die eine weibliche Hirnstruktur hat, die einfach nur Frau ist, nicht mit männlichen Geschlechtsmerkmalen leben kann?

Transsexualität ist nach internationalen Diagnoserichtlinien – sowohl ICD als auch DSM – klar als Krankheit deklariert und darf daraus auch den Anspruch auf Behandlung ableiten. Nach einjähriger Begutachtung an einem Universitätsspittal wurde diese Diagnose gestellt und aufgrund derer wurde ich an die Chirurgie überwiesen. Trotzdem muss ich mich rechtfertigen dafür, dass ich medizinische Hilfe in Anspruch nehme, dass ich Arbeitsausfälle habe oder mein Umfeld irgendwie irritiere.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich lebe, entschuldigen Sie, dass ich weiter leben will, entschuldigen Sie, dass ich gesund sein möchte, entschuldigen Sie, dass ich mich selbst sein muss. Es tut mir leid, dass ich existiere, dass ich so ein Balast bin für diese Welt. Aber ich trage daran keine Schuld, ich habe es mir wirklich nicht ausgesucht, habe es mir nie gewünscht. Das einzige was ich wollte, war zu leben, als mich selbst zu leben………….

………… ist das wirklich zuviel verlangt?

Frustrations-Domino Tage

Es gibt Tage, die hätte man aus dem Kalender streichen sollen bevor sie eintreffen, gestern war mal wieder so an Tag, an dem Frustrationen wie Dominosteine umfallen.

Listen to the song here in my heart
A melody I start but can’t complete
Listen to the sound from deep within
It’s only beginning to find release

Diese Tage beschäftigt mich etwas, worüber ich nicht sprechen mag, das mir ziemlich zusetzt. Das begleitete mich gestern von früh an durch den Tag und wühlte mich immer wieder auf. Zusätzlich hatten wir in der Firma eine sehr stressige Testphase in der es hecktisch zu und her ging und so manches Nerviges mit sich brachte. All das brachte mich ganz schön zum Kochen. Seit ich wieder mit Testosteron geflutet were, kleb ich wieder schneller an der Decke. Immerwieder unterbrochen durch eher deprimierende Gedanken dieses anderen Themas.

Etwas nach Vier war ich dann am Limit und ging nachhause, ich würde eh noch meine wöchentliche Futterlieferung bekommen. Der kam dann auch und brachte Bier, Kroketten und Eis. Öhm, wo ist der Rest meiner 200 Euro Bestellung? Futter, Zigis, all der Kram den ich für den Spitalaufenthalt bestellt hab? Joh ich hab sonst nix, meinte der Gute und zog vondannen., Ich hatte noch eine Handvoll Zigis, es war Freitag und ich wollte nicht mehr raus……. es reicht echt langsam.

Also rief ich die Hotline des Futterlieferanten an, meldete mich mit Vor- und Nachnahmen, gab Bestellnummer an, sie fragte nach ob das die Bestellung für Diana ist………. und verabschiedet sich mit “Herr”……… ja danke, sonst noch jemand der in meinen Eingeweiden wühlen möchte?

Ich hasse es, am Samstag einkaufen zu müssen, mich nur für einen Kurzeinkauf schminken und anziehen zu müssen. Das musste ich aber jetzt und zwar schon bald nach dem Aufstehen, die Zigis waren ja alle. Glücklicherweise war ich gestern vor dem TV eingeschlafen bevor ich mich abgeschminkt hatte, so konnte ich mir dann heute das Schminken sparen und ging im Gothic-Look in den Lidl. Was für eine tolle Art, den Tag zu beginnen.

Dann beschäftigte ich wieder ausgiebig mit ebendiesem Thema und bin schon jetzt wieder an den Punkt, dass ich den heutigen Tag auch gleich aus dem Kalender schmeissen möchte. Seit Wochen freute ich mich auf das Irish Konzert im Pub heute Abend. Sieht schlecht aus, mir ist die Lust sowas von vergangen. Und vorallem habe ich absolut kein Bedürfnis, dass mir jetzt noch was auf die Birne knallt. Weitere Negativerlebnisse will ich momentan nicht auch noch einsammeln, mir reichts fürs Erste.

Dieses Lied widme ich dieser Welt, die nicht zu verstehen vermag……….

Oh, the time has come for my dreams to be heard
They will not be pushed aside
and turned into your own
all ’cause you won’t listen

Listen, I am alone at a crossroads
I’m not at home in my own home
And I’ve tried and tried to say what’s on mind
You should have known

Oh, now I’m done believing you
You don’t know what I’m feeling
I’m more than what you made of me
I followed the voice you gave to me
But now I’ve gotta find my own

You should have listened, there is someone here inside
Someone I thought had died so long ago
Oh, I’m screaming out and my dreams’ll be heard
They will not be pushed aside on words
Into your own all ’cause you won’t listen

…….. es weint sich so schön zu diesem Lied………..

Diana – in Erwartung

Ich muss n’ziemlich bekloppten Gesichtsausdruck haben, denn ich sitze wie völlig zugedröhnt da und grinse dämlich vor mich hin. Diese bisher theoretische Erlösung steht so nah vor mir und ich guck nur verblüfft wie alles vor mir entsteht. Dieses so lang ersehnte Unbekannte, steht einfach da und guckt genauso dämlich zurück. Willkommen in der Zukunft.

Ich zermartere mir das Hirn, wie ich Euch dieses wunderschöne Gefühl erklären könnte, aber es gibt weder Worte noch Bildnisse, die das auch nur annähernd beschreiben könnten. Ausser vielleicht das Bild des Schmetterlings, der den Cocoon verlässt. Aber nicht mal das passt wirklich. Bei Raupen ist es normal, sich so zu entfalten, bei uns, naja…….. lassen wir das.

Wieder wird mir klar, dass der Verstand sich nur vorzustellen vermag, was Teil seines Erfahrungshorizonts ist. Mir fehlt das Vorstellungsvermögen dieses so ersehnten Ganzseins, das nun vor mir liegt. Wie sollte ich dieses Unbekannte beschreiben können? Oder die Freude darauf?

Aber die Erwartung, diese Heilserwartung, die rational nicht begründbar ist, die lässt mich beben beim Gedanken an die endlich nahe Zukunft. Rational gesehen ändert sich wenig, abgesehen von ein paar zusätzlichen Beschwerden vielleicht. Und doch ist es dieses “es stimmt”, das keine Graustufen kennt. Es gibt nicht ein wenig schwanger, ein wenig frei oder ein wenig sich selbst.

Ich fühle mich wie ein kleines Kind, das erstmals vor einem leuchtenden Weihnachtsbaum sitzt und ungläubig auf den Geschenkhaufen blickt, dieses ungläubige Staunen, diese unbeschwerte Freude……

Was der Mensch so an körpereigenen Drogen produzieren kann, ist echt berauschend – im wahrsten Sinn des Wortes. Es fühlt sich wirklich so an als würde ich wenige Zentimeter über dem Boden, sanft tänzelnd auf ein Tor zu schreiten, mit ebendiesem dümmlichen Grinsen im Gesicht………. tief gerührt, ehrfurchtsvoll, fast andächtig……… Himmel, gib mir Worte dafür *seufz*

Es geht einfach nicht, so gern wie ich das teilen würde, aber es geht einfach nicht. Da fällt mir nur noch eines ein, der Beginn eines Gedichts des christlichen Mystikers Johannes vom Kreuz, der das Nichtverstehbare so schön formuliert. Es gab nur wenige Momente in meinem Leben, in dem dieser Text soviel Wahrheit in sich trägt, diese Zeit jetzt jedoch mehr denn alle bisher.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.

Mit Hüh und Hopp durchs Wunderland

Nachdem ich letzte Woche einen Sturm im Wasserglas erlebte – hab mal wieder etwas in meinem Umfeld falsch interpretiert und bin infolgedessen kurz abgedreht – geht’s nun wieder mit strahlendem Lächeln und dümmlich-glücklichem Blick der Zukunft entgegen.

Heute Nachmittag findet unser Firmen-Event statt, unsere Programm-Taufe, an dem wir zuerst eine Bowling-Bahn schrottreif spielen und ich mal wieder beweisen kann, dass n’Mädel ohne Absätze nunmal nicht gerade werfen kann (dort kriegt man so hässliche Bowlingschuhe). Am Abend geht’s dann ins Restaurant, an dem wir uns sinnlos besaufen und gröhlend mit Fleischstücken um uns werfen bei einem mongolischen Barbeque gepflegt dinieren.

Morgen flattere ich dann in aller Herrgottsfrühe endlich wieder nach Hamburg, vier Tage mit Juliet auf dem Sofa rumliegen, das ist pure Medizin :-) Mamas Mann tut mir jetzt schon leid, der Ärmste wird vier Tage lang von drei bekloppten Weibern umgeben sein und wohl arg irritiert sein darüber, dass wir seinen Kater “der Katze” nennen und uns deswegen kaputt lachen. Auf jeden Fall wird es toll dort, ich hoff, die haben schonmal angefangen, Zwiebeln einzulegen :-)

Wenn ich dann am Montag Morgen zurück fliege, sind es noch lausige zwei Wochen bis zur GaOp und ich bin langsam so aufgeregt, dass mein Hirn fast aussetzt. Es ist echt verrückt, ich kann es irgendwie nicht fassen, dass es nun wirklich geschieht – ich hab noch nie so sehr meine Grenzen gefunden beim Versuch, ein Gefühl in Worte zu fassen, es ist einfach mehr als Worte je ausdrücken könnten, das reine Wunder.

Auch sonst läuft alles recht gut. Die erneute Testosteron-Flutung habe ich überstanden, der Aggressionsschub vor zwei Wochen war wohl doch eher ein Umstellungsphänomen. Ich bin zwar etwas gereizter als sonst, aber es hält sich ziemlich in Grenzen.

Dafür läuft mir langsam die Zeit davon. Es gibt noch viel das ich vor der Op erledigen wollte, Dinge die ich für den Spitalaufenthalt vorbereiten möchte oder sonstiges Zeugs das endlich erledigt werden sollte. Aber eben, die Zeit läuft plötzlich in Siebenmeilenstiefeln und ich komm irgendwie zu gar nix. Wie sollte ich auch, ich bin sowas von aufgeregt, dass ich innerlich schon lang nur noch in der Aufwachstation rumliege und darauf warte, zum ersten Mal die Augen zu öffnen.

Nun denn, das wär’s soweit von meiner Seite, ich werde mich erst nach dem Kuschelwochenende wieder hier melden – dann entsprechend hysterischer :-)

Ey Schatziiiiiiiiiii, noch 21 Stunden und ich bin daaaahaaaaaaa :-)

Nicht dazu gehören gehört dazu

Eigentlich wollte ich vor meinem Schatzi-Weekend nichts mehr schreiben, aber man soll Vorsätze ja nicht bierernst nehmen, trinken kann man sie eh nicht.

Heute war unser Firmen-Event, wir feierten sozusagen die Geburt unseres neuen Programmes. Für mich ein prächtiger Zeitpunkt, weil ich ja in gut zwei Wochen meine eigene Geburt feiere. Der Anlass wär schnell erklärt, drei Stunden bowlen und mir dabei wie schonmal den rechten Daumennagel zerstückeln, dann ein mongolisches Barbeque, interessante Gespräche, gute Laune, es stimmte einfach alles. Aber da war wie so oft dieses gewisse Etwas, das irgendwie nur mich selbst betrifft, das mir so bekannt vorkam und doch so ganz anders war.

Seit ich denken kann, fühle ich mich in grösserer Gesellschaft immer als nicht dazu gehörend. Egal wie gut mich die Anwesenden mögen, da ist einfach ein tief sitzendes Gefühl, dass ich da nicht hineinpasse, dass ich irgendwie falsch bin, das war schon in meiner Kindheit so. Und so ging’s mir auch diesmal, nur war es ganz anders.

Es brauchte Jahrzehnte, bis ich begriff, dass mein Gefühl des Falschseins nichts mit den Anwesenden zu tun hat sondern darin begründet ist, dass ich nie mich selbst war, mir selbst etwas vorspielte und infolgedessen auch von den Anwesenden nicht als Ich wahrgenommen werden konnte. Das, was da jeweils anwesend war, war nicht ich und eben deshalb war es da fehl am Platz, es gehörte da einfach nicht hin.

Und nun wird’s echt skuril. Seit ich als die Frau lebe, die in mir so lang verborgen war, hätte ich eigentlich erst Recht Grund dazu, mich als fehl am Platz zu fühlen. Ein Stück weit fühlt es sich auch so an. Ich schaue um mich und sehe soviele Menschen, die irgendwie unbeschwert sich selbst sind, als ob das Ich-sein und die Unbeschwertheit das Selbstverständlichste wären. Es gibt nichts was man an ihnen kritisieren könnte, nichts was “anders” ist, es sind einfach ganz normale Menschen die ein ganz normales Leben führen und eine ganz normale Rolle spielen im Spiel des Lebens.

Und da bin ich, dieses transsexuelle Kuriosum, das eigentlich niemand so richtig verstehen kann. Eigentlich müsste ich mich jetzt noch viel mehr fehl am Platz fühlen als je zuvor. Seltsamerweise geschah das nicht.

Auch wenn ich mir immer wieder bewusst wurde, dass ich eigentlich ein sehr seltsames Exemplar der menschlichen Spezies bin, so ganz anders als die Anderen, auch wenn ich wusste, dass ich halt doch etwas seltsam wirken muss auf mein Umfeld, nichtsdestotrotz fehlte dieses Gefühl des nicht dazu gehörens.

Ich fühlte mich als etwas Andersartiges, vielleicht auch etwas Irritierendes, aber ich fühlte mich als mich selbst und glaubte auch, dass ich von den Anwesenden auch als dieses Ich-selbst wahrgenommen werde. Vielleicht mit Erstaunen, vielleicht mit Irritationen, aber ich war für alle Diana.

Was blieb, war das Gefühl, irgendwie anders zu sein, es blieb dieses Unerhörte das mir anhaftet. Was sich jedoch änderte war das Gefühl, dass es mich nicht geben dürfte, dass ich da nicht hingehöre, nicht dazu gehören darf.

Und das ist – ganz rational betrachtet – mehr als merkwürdig. Früher war ich für Andere ein mehr oder weniger normaler Mensch. Eigenwillig war ich schon immer, aber ich war doch frei von solchen Irritationen. Heute bin ich das nicht mehr, meine Existenz fordert das Umfeld ganz schön heraus. Eigentlich hätte ich mich früher als normal empfinden müssen, als dazu gehörend. Heute wiederum müsste ich mich als dieser Gesellschaft völlig wesensfremd verstehen.

Aber es fühlt sich nicht so an, irre, nicht? Heute bin ich nur noch Ich, man mag mich dafür lieben oder hassen, respektieren oder verabscheuen, aber ich bin nichts Anderes mehr als ein Individuum, das gerade aufgrund der innewohnenden Individualität aufblüht und gerade deshalb dazu gehört, in diese bunte Welt, in der sogar vermeintlich Gleichartige doch jeder für sich seine Eigenartigkeit bewahrt.

Ich gehöre nicht dazu, werde nie dazu gehören, in dem Sinn, dass ich unauffällig im Meer der Menschen untertauchen könnte und den Anspruch auf “Normalität” erheben dürfte. Und doch gehöre ich dazu, weil ich wie alle Anderen einzigartig bin, durch nichts zu ersetzen, halt eben einfach mich selbst bin.

Es ist schlussendlich die Authentizität meines Lebens und meines Wesens, das mir das Recht zugesteht, mich als dazugehörend zu empfinden – aller Andersartigkeit zum Trotz.

Und so geschieht das Unvorstellbare, dass ich trotz meiner Nichtzugehörigkeit oder vielleicht sogar gerade deswegen, irgendwie dazu gehören darf. Weil ich endlich ehrlich bin, mir selbst gegenüber und vor aller Welt.

Und damit landen wir wieder bei einem Paradoxum. Gerade weil ich nicht dazu gehöre, ist die trotzdem wahrzunehmende Zugehörigkeit ein grosses Geschenk, das man mehr zu schätzen weiss, als wenn man dazu gehören würde. So wird Zugehörigkeit zu etwas, das jenseits aller Selbstverständlichkeit liegt, so entstehen wahre Wunder :-)



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