(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Totalfrustration – GaOp im November

Wenn man mal glaubt, es würde endlich mal alles gut laufen im Leben, vergisst man gerne den Faktor Mensch, der einem zur richtigen Zeit den Haken stellt, so dass man Gesicht voran tief in den Dreck fällt. Aber ich bin scheinbar blöd genug, dass ich diesen Fehler immer wieder mache und immer wieder auf menschliche Versprechen vertraue, so als ob es keine Vergangenheit gäbe, aus der ich hätte lernen können.

Soeben habe ich die Einladung für die GaOp bekommen, per Mitte November!!! Es war Mai, als mir der Oberarzt der Psychiatrie sagte, er würde mich für September in der chirurgischen Abteilung anmelden. Meine Frage ob das kein Problem sei wegen den Wartefristen, negierte er, das sei in der Chirurgie nicht so ein Problem. Ich wunderte mich schon sehr, dass das Infogespräch mit dem Chirurgen erst letzte Woche statt fand. Aber offenbar wurde da im Vorfeld nichts geplant oder terminiert. Die eine Abteilung scheint nicht mehr verantwortlich zu sein und die nächste Abteilung interessiert es auch noch nicht. So wurde nun aus dem abgemachten September Termin November, zwei Monate später. Sage und schreibe sechs Monate nach der Überweisung erfolgt die Op. Ein Wunder, dass Patienten im Unispital nicht wie die Fliegen sterben.

Es hätte alles so schön gepasst, ich werde jetzt dann zwei Wochen lang mit Juliet Ferien machen, wäre also per Anfang September total ausgeruht, emotional in bester Verfassung und überhaupt habe ich momentan so eine Lebensfreude und Energie, es wäre einfach zu perfekt gewesen.

Nun fühle ich mich als hätte man die Strasse vor mir geklaut und ich brettere da grad mit 120 Sachen auf die soeben aus dem Nichts aufgetauchte Baustelle zu. Nichts ausser einem grossen schwarzen Loch, einem zweimonatelangen Nichts, das mich verschlucken wird.

Es gab genug Leute, die mir davon abgeraten haben, mich in die Hände des Universitätsspitals zu begeben. Aber ich wollte es besser wissen. Das ist ja schliesslich ein Kompetenzzentrum, ein Netzwerk aus Fachleuten, die mich in ein Behandlungsnetz flechten können, das beste Voraussetzung bietet. Beste Fachleute habe ich auch angetroffen bisher, aber ein Netzwerk existiert nicht.

Dr. Udo Rauchfleisch, der jahrelang am Basler Unispital transsexuelle Menschen begleitet hat, beschrieb schon vor Jahren in seinem Buch, dass sie dort eng im Team zusammen arbeiten, dass Betroffene schon früh mit allen beteiligten Fachleuten zu tun haben. Dieses Team, das ich in einem Kompetenzzentrum erwartet habe, scheint in Zürich nicht zu existieren. Offenbar gibt es nur Abteilungen, die man durchläuft und jeder sich nur für “sein Ding” interessiert.

Schon die Hormonfrage hat mich damals wirklich geschockt. Man duldete meine Selbstmedikation und verweigerte ein Infogespräch in der Endokrinologie. Monat für Monat hielt ich die Psychiatrie auf dem Laufenden, man notierte in saubere Büchlein, was für Medis ich nehme und wieviel. Niemand fühlte sich verantwortlich, mal schnell in der Endokrinologie anzufragen, was ich da nehme. Die Endokrinologin zeigte sich dann schlussendlich erschrocken darüber, dass ich ausgerechnet Diane-35 genommen hatte, die ein erhöhtes Risiko barg. Die Psychiatrie ist halt nicht für endokrinologische Fragen zuständig. Man ist für sein Fachgebiet verantwortlich und nicht für die Patienten.

Aber das was jetzt passiert ist, ist wirklich ein Witz. Wenn man von der Überweisung bis zur Op sechs Monate braucht, dann läuft da definitiv etwas gröber falsch. Und das ist eines Kompetenzzentrums unwürdig.

Ich kann jetzt wieder schauen wie ich mit dieser erneuten Enttäuschung klar komme. Innerlich war ich bereits am packen, wollte bereits die Behörden kontaktieren wegen der nachfolgenden Ausweisänderung. Ich kenn mich gut genug um zu wissen, wie mein Inneres darauf reagiert, wenn eine so grosse Freude oder Erwartung enttäuscht wird. Das werden harte drei Monate, in denen ich mit riesigen Frustrationen zu kämpfen haben werde, in denen ich mich emotional aufreibe, weil ich mich ausgerechnet von den Leuten verarscht fühle, von denen ich eigentlich Hilfe brauchen würde. Und dann, nach drei Monaten totaler Frustration und dem Gefühl des Alleingelassenseins werde ich genau da hin gehen und irgendwoher wieder genug Vertrauen zusammenkratzen, damit ich mich da unters Messer lege.

Was sind schon zwei Monate mehr, werden sich viele fragen, vorallem an der USZ dürfte das wohl niemand verstehen. Aber wenn man so lange gelitten hat und dann das Ende des Leidens so nah ist, dass man bereits den Duft der Freiheit riechen kann, dann werden aus zwei Monaten gefühlte zwei Jahrzehnte.

Ganz ehrlich, so beschissen wie jetzt grad fühlte ich mich seit langer langer Zeit nicht mehr und es fühlt sich so an als wär das erst der Anfang. Vielen Dank an das Unispital, dass ich jetzt vor der GaOp noch eine dreimonatige Depression einschieben darf. Das wird sich sicher prächtig auf die gesundheitliche Stabilität auswirken.

Ich weiss nicht, wie ich es ausdrücken kann, ich bin einfach fassungslos – total fassungslos.

Nachtrag: mir wird immer mehr bewusst, dass damit der Nullpunkt erreicht ist, an dem ich mich von dieser Institution nicht mehr ernst genommen fühlen kann. Hätte ich die Wahl, würde ich die Op absagen, weil Vertrauen die Grundlage wäre für so eine Sache. Aber wie gut sind die Voraussetzungen für so einen Eingriff, wenn ich den Verantwortlichen nicht traue und nur aus Mangel an Alternativen dort sein werde? Wie soll eine Op gut gehen, wenn ich mich vorher drei Monate lang mit Wut auflade? Ganz ehrlich, ich hatte die besten Voraussetzungen für diese Op. Diese Voraussetzungen wurden heute in Schutt und Asche gelegt und das gute Gefühl, mit dem ich im September mit in den Op-Saal genommen hätte, werde ich im November nicht mit dabei haben. Aber was zählt schon das Wohlergehen der Patienten, hauptsache man hat alles immer schön korrekt gemacht.

Irgendwie kaputt gegangen…… oder gemacht

Gestern ist etwas in mir gröber kaputt gegangen. Ich weiss nicht mal genau was da geschieht, aber es ist alles andere als gut, es ist beängstigend, und es ist so verdammt unnötig. Mein Vertrauen in die Institution, die mein Leben in den Händen hält, ist auf dem Nullpunkt. Die Zuversicht, dass ich die bald stattfindende GaOp trotz aller möglichen Komplikationen gut läuft, ist einem unguten Gefühl gewichen. Und damit wird ein Fundament geschaffen, auf dem die um zwei Monate sinnlos verzögerte Op schon fast mit Sicherheit Probleme bringen wird.

Innerlich war ich bereits am Packen, machte mir schon Gedanken wegen der Post-Zurückhaltung, wollte die Gemeinde kontaktieren wegen der bevorstehenden Personenstandsänderung, ich war voller Tatendrang, voll Zuversicht, das baldige Ende dieses vierzigjährigen Irrsinns der sich Leben nennt, hat mir soviel Kraft gegeben. Ich wurde per September angemeldet, die Op wäre kurz nach den Sommerferien gewesen, der Moment hätte nicht besser sein können…… und vorallem hatte ich mich innerlich total auf diesen Termin eingestellt.

Nun wird es von heute aus noch drei Monate und Zehn Tage dauern, das klingt nach wenig, aber es sind hundert Tage, an denen ich jeden Morgen aufstehe und feststelle, dass dieser Albtraum immer noch nicht zuende ist. Weitere Male werde ich wieder als Frau mit männlichem Pass und männlicher Bordingkarte nach Deutschland fliegen, drei Monate lang weiter bei jeder Ticketkontrolle Blut und Wasser schwitzen, weil ich dem Ding in meinem Ausweis überhaupt nicht mehr ähnlich sehe.

Der gesamte Prozess einer Geschlechtsangleichung dauert ein Jahr. Hier dauert es zwei Jahre, als ob ein zusätzliches Leidensjahr zumutbar wäre. Man stützt sich dabei auf Behandlungsstandards, die völlig veraltet sind, die sogar gegen die europäischen Menschenrechte verstossen. Man fordert zur Anerkennung der Persönlichkeit eine Sterilisation, was ebenfalls gegen die Menschenrechte verstösst. Und bei denen, die diese Sterilisation, also die GaOp, tatsächlich wollen, die bis dahin faktisch dahinvegetieren, die lässt man hängen.

Ab Mitte September werde ich nicht anders können, als jeden Tag daran zu verzweifeln, dass dieser Irrsinn immer noch kein Ende hat, obwohl es so abgemacht war. Diese Tage werden brutaler sein als die Bisherigen, weil sie einfach unnötig sind, einfach eine Folge unmenschlicher Inkompetenz.

Mir wird klarer denn je, dass ich dort am Unispital kein Mensch bin sondern ein Fall, eine Nummer die von Abteilung zu Abteilung gereicht wird, der man den Leidensdruck abspricht. Die Leichtigkeit, mit der diese Leute mein Leiden um zwei Monate verlängern, empfinde ich als zutiefst unmenschlich.

Damit sitze ich nun definitiv in der Falle. Ich werde den schwierigsten Teil dieses Prozesses, da wo Vertrauen und Zuversicht am Wichtigsten wäre, ohne all das durchlaufen müssen. Eigentlich ist es blanker Wahnsinn, diese Op an dem Ort zu machen, an dem ich kein Vertrauen mehr habe. Aber was für eine andere Wahl habe ich? Ich verfüge nicht über das Kapital um die Op im Ausland zu machen. Momentan überlege ich, ob ich die Op evtl ans Basler Unispital verlegen kann, aber ich befürchte, dass die Krankenkasse da quer liegt und dass sich die GaOp so noch mehr verzögern wird.

Es ist wirklich zum verrückt werden. Noch letzte Woche hatte ich Tränen der Rührung in meinen Augen, als ich erstmals durch die Gänge der Chirurgie lief. Da würde mir bald geholfen, hier würde dieser Albtraum endlich zuende sein, bald, bald………….. und heute morgen musste ich nochmal kurz ins Unispital zur Dermatologie…….. und der Anblick des Unispitals löste in mir nur noch Wut und Ekel aus. Da ist nichts Vertrautes mehr, diese Gebäude stehen plötzlich nur noch für den Hort der Ignoranz, der mich einfach nicht ernst nehmen will.

Seit Mittwoch Abend liege ich krank im Bett, halb so wild, husten, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, einfach so n’Krankheitsding, das ein funktionierendes Immunssystem schnell wegfegt. Ich kenne meinen Körper gut, ich habe gelernt auf ihn zu hören und bemerke kleinste Veränderungen. Aus Erfahrung weiss ich, dass ich bei guter emotionaler Lage jeden Käfer aus mir ausmiste. Gerade das gab mir auch die Zuversicht, dass ich auch die Op gut überstehe. Mit der Zuversicht und dem Immunsystem und der emotionalen Lage wäre das ein Klacks. Nachdem ich gestern das Couvert öffnete und diesen Termin las, begann innert wenigen Stunden ein körperlicher Zerfall, der wirklich gruslig ist. Es fühlt sich an, als ob das Immunsystem völlig weggeknickt wäre. Ich krieg keinen Bissen mehr runter, liege trotz extremer Erschöpfung stundenlang wach. Heute morgen war fast ein Quadratmeter meines Bettes patschnass, beide Deckenseiten nass, die Haare waren selbst eine Stunde nach dem Aufstehen immer noch nass. Ich fühl mich wie ausgekotzt.

Das kann ich nicht einfach ein und ausschalten, die Wechselwirkungen zwischen Körper und Geist sind Selbstläufer. So gut wie erst grad noch alles zusammen gespielt hat, so schlecht wirkt jetzt das Eine auf das Andere. Ja, gestern ist wirklich etwas kaputt gegangen und ich befürchte, dass das viel tiefer geht, als man es von lausigen zwei Monaten gestohlenem Leben erwarten würde.

Ich war der tote Winkel
Seit jeher – der tote Winkel
Nicht sichtbar – aber vermeidbar
Unsichtbar – aber vermeidbar
(Lacrimosa – Der tote Winkel)

PS: manchmal wünschte ich mir, ich könnte zaubern und könnte den medizinischen aber auch politischen Verantwortlichen wenigstens für einen Tag lang falsche Geschlechtsteile ranzaubern. Ich wette jeden Betrag, dass von da an transsexuelle Menschen auch die Würde zugesprochen bekämen, die angebracht wäre.

Das Ende einer Versöhnung

Noch vor wenigen Tagen hätte ich nie geglaubt, dass sich alles so entwickelt, dass diese geballte Ladung an Zuversicht, Hoffnung, Vertrauen und Lebensfreude mit einem Schlag zertrümmert wird. Nun sitze ich vor diesem Scherbenhaufen und kann nicht mal erkennen, was diese Scherben ursprünglich waren.

Ich habe mich mit diesem Tagebuch der Wahrheit verpflichtet, es soll ein Spiegelbild meines Lebens sein, in dem kein Aspekt meiner Gefühlswelt und meiner Erfahrungen ausgelassen ist. So wie ich mich fühle – und ich befürchte, dass das nicht nur eine Momentaufnahme ist – wird sich das Gesicht dieses Tagebuchs in den nächsten Monaten drastisch ändern. Es tut mir unendlich leid für meine LeserInnen, mit denen ich nur zu gerne auch immer wieder glückliche Momente teile. Damit wird wohl für einige Zeit Schluss sein, weil das was mein Herz in nächster Zeit bewegen wird, nur wenig mit Lebensfreude und Lebenslust zu tun hat. Abgesehen von den bevorstehenden Ferien mit Juliet, in denen ich hoffentlich die Abgründe dieser Welt für zwei Wochen vergessen kann. Aber dann dürfte eine lange Zeit kommen, nicht lausige zwei Monate sondern elendlange 60 Tage, in denen ich diese Welt täglich verfluchen werde, weil das Leid, das viel zu lange dauerte, nun weiter geht.

In den letzten Monaten habe ich viel hässliches erlebt, die grausame Fratze der Menschheit hat sich in einer unerträglichen Deutlichkeit gezeigt. Darüber war hier einiges zu lesen. Wider aller wissenschaftlichen Erkenntnisse sind Menschen wie ich für viele da draussen einfach Gestörte oder Perverse, wir sind die Art von Menschen, die es nicht geben dürfte, die die Illusion einer Normalität behindern. Menschen wie ich haben keinen Anspruch auf Respekt und Menschenwürde, auch wenn man das zehn mal in irgendwelche Menschenrechtskonventionen schreibt.

Dass ich Kind verloren habe, hat zu grossen Teilen genau damit zu tun, dass sie selber schon in ihrem zarten Alter genau weiss, wie grausam diese Welt ist, weil sie weiss, dass man sie auslachen und ausgrenzen würde, wenn man wüsste, was für einen seltsamen Vater sie hat.

Ja ich meine das verdammt ernst. Diese Gesellschaft ist dafür verantwortlich, wenn Menschen sich für ihre Angehörigen schämen müssen, nur weil diese nicht der postulierten Normalität entsprechen. Sie sind verantwortlich, wenn Menschen wie ich bei Wohnungssuche oder Jobsuche diskriminiert werden. Diese Gesellschaft legt das Fundament, auf dem hirnlose Spinner auf der Strasse Leute wie mich anpöbeln, bis hin zu Gewalt, bis hin zur Tötung.

All das konnte ich abgesehen von gelegentlichen Krisen einstecken, weil im Gegensatz zur grossen Welt da draussen, eine kleine Welt existiert, in der ich im Alltag respektiert werde und angenommen bin, in der man das Unerhörte wagt und mein Ich-sein anerkennt und zulässt. In den Momenten, in denen ich an der grossen Welt da draussen verzweifelte, waren vorallem zwei Dinge, die mir genug Kraft und Energie gaben, dass ich jede Widrigkeit des Lebens durchstehen konnte ohne mein Lachen zu verlieren. Einerseits ist das Juliet, die ich über alles liebe und von ihr geliebt werde, genauso wie ich bin und im speziellen unsere bevorstehenden Ferien. Anderseits war es die Tatsache, dass die GaOp nun so nah war, dass dieser Albtraum bald zuende sein würde und ich endlich sagen kann: ich bin nicht mehr transsexuell, ich bin jetzt nur noch eine Frau mit einer etwas ungewöhnlichen Vergangenheit.

Die Leute vom Unispital waren für mich Verbündete, zumindest versuchte ich mir das immer einzureden, sie waren Teil meiner kleinen Welt, in der Menschen zu mir halten und mich ernst nehmen. Das hat sich spätestens diesen Donnerstag als Illusion herausgestellt und damit bröckelt ein wichtiger Teil meiner kleinen Welt ab. Es lässt mich zweifeln, wieviel von dem Guten in meinem Leben sich irgendwann auch als Illusion entlarvt.

Ein Leben lang habe ich diese Welt, die Menschheit als Solches, als feindlich wahrgenommen. Wir lassen einander verhungern, erschiessen uns in Kriegen, zerstören unsere eigene Lebensgrundlage, die Liste der Grausamkeiten und der Idiotie liesse sich stundenlang fortsetzen. Ober obwohl meine Haltung gegenüber meinen Mitmenschen aus Erfahrungen stammte und täglich in jeder beliebigen Tageszeitung bestätigt werden kann, schaffte ich vor eineinhalb Jahren das Unmögliche und versöhnte mich mit dieser Welt und ihren Menschen. Das war nicht mal ein bewusster Akt, es passierte einfach in dem Moment in dem ich begann als ich-selbst zu leben und feststellte, dass es da tatsächlich Menschen gibt, die mich so annehmen.

Ich glaube, das ist das Schlimmste an dem was da soeben passiert. Diese Versöhnung mit der Welt war für mich eins der grössten Wunder, das unerwartet mein Leben mit Licht erfüllte. Umso mehr macht es mich traurig, dass ich heute da sitze – eben grad noch im Frieden mit der Welt – und feststellen muss: Die Versöhnung ist gescheitert.

Vielleicht – und darauf hoffe ich – wird es irgendwann wieder Friedensverhandlungen geben. Aber nicht hier und jetzt und nicht in absehbarer Zeit.

In diesem Blogbeitrag werden erstmals Kommentare gesperrt, es gibt nichts mehr das ich dazu noch sagen könnte und vorallem nichts, was ich dazu hören will, weil ich jedes nett gemeinte Wort als Zynismus empfinden würde. Es ist wie es ist, ein Leben ohne Illusionen hat etwas von Wahrhaftigkeit, es wird Zeit, die Rüstung wieder aus dem Schrank zu holen und dieser Welt mit der Verbitterung zu antworten, die sie verdient hat – weil Wut die einzige Alternative zu Trauer ist und Verbitterung die einzige Alternative zur Verzweiflung.

Transsexualität: Leidensdruck nicht verstanden

Diese gleichgültige Verschiebung meiner GaOp hat mir definitiv vor Augen geführt, dass die Experten, die uns behandeln, die Dringlichkeit ihrer Patienten nicht annähernd verstanden haben. Sie sind sich offenbar nicht im Geringsten bewusst, wie hoch der Leidensdruck eines Menschen sein muss, bis man sich in ihre Hände begibt, im Bewusstsein, fortan ein geächtetes Leben zu führen. Wer sein Ich-sein um diesen Preis einfordert, muss einem ungeheuren Leidensdruck folgen.

Dass man mich auf September für die GaOp anmeldet und ich dann Mitte November einen Termin bekomme, zeigt in aller Deutlichkeit, dass ich nicht als dringend taxiert werde. Transsexuelle sind ja nur n’bisschen persönlichkeitsgestört und es macht ja nix, wenn ein “Wunsch” etwas später in Erfüllung geht.

Die Fachleute selbst bestätigen zwar, dass ich eine weibliche Hirnstruktur habe, ich denke und fühle mich wie eine Frau, seit ich denken kann…….. aber sie können sich nicht vorstellen, dass es für eine Frau wirklich ein beschissenes Gefühl ist, ständig einen Penis mit sich rumtragen zu müssen. So etwas Surreales kann schon irgendwie zu Leiden führen, ist das so verwunderlich? Es ist auch verdammt erniedrigend, wenn man als Frau am Zoll einen männlichen Ausweis hinlegen muss. Das macht echt kein Spass, da geht man jedes Mal mal kurz durch die Hölle.

Aber die Experten sind der Ansicht, dass so etwas nicht eilig ist. Ich hab ja schon vierzig Jahre gelitten, da sind Monate oder Jahre zusätzlich ja halb so wild. Wie sonst könnte man erklären, dass transsexuelle Menschen die Einzigen sind, die mit einem medizinischen Problem zu Medizinern gehen und diese verweigern erst mal kategorisch ein Jahr lang die Behandlung, weil das so in den Behandlungsstandards steht?

Verweigerte Hilfeleistung als Behandlungsstandard? Was soll denn sowas?

Wenn jemand wie ich – und ich denke ich spreche da für eine Mehrheit – zwei Jahrzehnte bewusst mit allen Mitteln dagegen ankämpft, so zu sein wie man wäre, wenn man dann diesen Kampf aufgibt, ist man in der Regel ziemlich an den Grenzen des Erträglichen angelangt, andernfalls würde man diesen Schritt nicht wagen. Mir in diesem Fall zu sagen, dass ich jetzt erst mal ein Jahr so tun soll als ob man mir hilft, bis man mir dann hilft, ist wirklich menschenverachtend und wie der EU-Ministerrat kürzlich deutlich ausdrückte, ein klarer Verstoss gegen die europäische Menschenrechtscharta.

Ich bezweifle, dass man bei anderen Patientengruppen Menschenrechtsverletzungen zu Behandlungsstandards ernennen würde. Wäre den Verantwortlichen der Leidensdruck der Betroffenen auch nur ansatzweise bewusst, würden sie nicht vor dem einjährigen Behandlungsprozedere ein zusätzliches Jahr Durchhaltetraining fordern, das ist einfach absurd.

Rein aus medizinischer Sicht wäre meine GaOp Anfang 2010 möglich und sinnvoll gewesen. Es gibt kein einziges medizinisches Argument, weshalb das nicht geschehen ist. Aber es wäre geschehen, wenn die medizinische Kaste begreifen würde, wie unerträglich gerade auch dieses Zwischenstadium ist. Eine rechtliche Anerkennung kriegen wir ja nicht vor der Sterilisierung, wir müssen also zwei Jahre lang als Frau das Leben bestreiten, mit männlichen Ausweispapieren und davon das erste Jahr sogar ohne medizinische Hilfe, keine Hormone die mit der Zeit ein unauffälligeres Leben ermöglichen würde………

Leidensverlängerung als medizinischer Lösungsweg? Mann oh Mann!

Ich glaub es ist bald ein Jahrzehnt her, seit die englischen Behandlungsstandards, auf denen die Deutschen beruhen, überarbeitet wurden und anstelle von einem Jahr Alltagstest drei Monate gefordert werden. Aber hierzulande tut man so, als hätte Moses selbst die veralteten deutschen Standards auf Steintafeln vom Berg geschleppt. Zugegeben, man ist mir wenige Monate entgegen gekommen, vorallem weil ich jahrelange Therapie hinter mir hatte. Faktisch dauerte dieser einjährige Heilungsprozess trotzdem ein Jahr und elf Monate. Das waren elf Monate zuviel.

Weil Elf Monate über dreihundert mal aufstehen bedeutet, sich dreihundert mal anziehen, dreihundertmal fehlplatzierte Geschlechtsorgane verpacken, eine Vielzahl an entwürdigenden Ausweis- oder Ticketkontrollen, dreihundert mal einschlafen und hoffen, dass dieser Albtraum endlich zuende ist……….

Es ist schon ein verrücktes Gefühl, wenn man im Wartezimmer auf den Arzt wartet, mit dem man dann ein Gespräch führt, damit er einem dann in einem Jahr – vielleicht – medizinische Hilfe gewährt. Und es ist nicht weniger verrückt, wenn man auf September angemeldet wird und für November einen Termin kriegt, weil man halt irgendwie nicht so wichtig ist.

Halte jetzt die Fackel
An mein Gesicht
Ein Vogel gleitet übers Wasser
Doch er sieht mich nicht

Mein Schiff ist längst gesunken
Ich bin am ertrinken
Ich kenne so viele Hilfeschreie
Doch kein Schiff in Sicht

(Lacrimosa – Seele in Not)

Was sind schon zwei Monate mehr, sind ja nur sechzig Tage, nur noch sechzig Tage weiter schwimmen, bedeutungslos weiter treiben, weiter durchhalten, weiter weinen weil man im Salzwasser ja nicht ertrinken kann…….

Wenn ich abschliessend mal noch schnell zynisch sein darf: Falls das Ganze doch nur eine verdeckte Ausrottungsstrategie ist, dann muss ich die Akteure enttäuschen, egal wie schwer Ihr meinen Weg macht, ich gehe ihn, notfalls krieche ich ihn, aber ich lasse mich nicht davon abbringen. Aber ich glaube eher nicht an eine Strategie, ich glaube es ist einfach Mitgefühlslosigkeit, Empathielosigkeit. Ärzte müssen sich ein Stückweit distanzieren, sonst wäre der Druck zu gross. Das lernt man früh in diesen Akademien. Vielleicht wurde einfach zuviel gelehrt.

Feuerwerk im Kopf

Es ist echt erstaunlich, was in meinem Kopf abgeht, seit ich diese Op-Verschiebung bekommen hab. Irgendwie hat das sowas wie eine chemische Reaktion ausgelöst, Nitro und Gycerin, boooom. Seit da hab ich ein Feuerwerk von Gedanken und Gefühlen in meinem Kopf, da drin geht’s zu und her wie auf einer Achterbahn. All das Negative der letzten Zeit vermischt sich zu einer hässlichen Brühe, die tausende von Fragen und Antworten und Gefühle ausspuckt wie so ein idiotischer Vulkan. Und ich sitz da drin, inmitten dieses Spuks und schnapp nur Fetzen auf die an mir vorbei fliegen, tausend Dinge die es zu denken gäbe, tausend Gefühle die raus müssten, tausend Schreie die diese Stille zerreissen müssten.

Da sind diese Transen-Schlagzeilen der Boulevard-Presse, Politiker die transsexuellen Menschen medizinische Hilfe verweigern wollen, Kommentarschreiber die so intelligente Aussagen machen wie “er wird immer ein Kerl sein, auch wenn er sich seinen Schwanz abschneidet” bis hin zu “die sind ja alle pervers”, abschätzige Blicke, falsche Vorstellungen, medizinische Fakten die nicht laut genug kommuniziert werden……….. und immer mal wieder ermordete Transgender.

Dieses Wochenende wollte ich unbedingt aufräumen und putzen, weil Juliet am Mittwoch kommt. Aber bisher krieg ich überhaupt nix auf die Reihe, das Hirn kocht nur über und die Flut von Gedanken setzt mich ausser Betrieb. Ich hab am Mittwoch zum letzten Mal was gegessen, da geht einfach nix rein, da will nur ganz viel raus.

Irgendwer hat da eine gehörige Sauerei in mir veranstaltet, alle Türen und Fenster aufgerissen und ich steh nun mitten im Sturm, versuch irgendwelche herumfliegenden Papierfetzen aufzufangen, aber bei diesem Durcheinander kriegt man irgendwie nix richtig hin.

Manchmal sind es vermeintlich kleine Dinge, die Grosses bewirken. Hier hat ein kleiner Windstoss einen mächtigen Orkan ausgelöst. Und ich muss jetzt aufräumen, innen und aussen, ich weiss echt nicht wo ich anfangen soll.

Und das mag ich echt nicht. Früher gabs so Zustände ab und zu mal, wenn alles einfach zuviel wurde. In der “Neuzeit” gabs das in dem Ausmass kaum noch, dieses völlige ausser Kontrolle sein des Bewusstseins. Ein Feuerwerk an Gedanken, die jeder für sich wirklich philosophisches Potential hätte, aber nicht greifbar ist, weil ein Gedanke den Anderen jagt, weil dieses doofe Karrussell im Kopf ständig weiter dreht und sich dabei doch immer ums gleiche Zentrum dreht. Die Feststellung, ein Mensch zweiter Klasse zu sein, eine unerwünschte Person oder Wesensart, eine Störung der öffentlichen Wahrnehmung.

Aber am Surrealsten bleibt die Erkenntnis, dass die soeben noch vor der Tür liegende GaOp plötzlich einen Zeitsprung macht. Das hat irgendwie etwas von einem Horrorfilm. Man denkt, man sei endlich am Ziel angelangt, sei gleich in Sicherheit, und schwups, steht der Killer wieder auf und die Flucht geht weiter. Sprung in der Matrix? Selbst am dritten Tag danach sitz ich noch fassungslos da und guck auf dieses Zeitloch, das sich da aufgetan hat. Was für n’Scheiss ist das denn? Man kann doch nicht einfach plötzlich das Leben in eine Warteschleife schicken nach erteilter Landeerlaubnis. Diese Offenbarung der Nicht-Berechenbarkeit dieser Welt ist echt beängstigend.

So bleiben tausend wirre Ängste, lauern wie kleine Teufel hinter jeder Ecke, umschwirren einem wie ein Hornissenschwarm. Was, wenn einer vom Op-Team kurz vor Termin krank wird? Oder ich krank werde? Oder das Scheiss-Spital abbrennt? Welchen Termin bekomme ich dann? Wird die SVP inzwischen in der Herbstsession geschlechtsangleichende Operationen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen nehmen? Wird die Psychiatriesekte schon morgen wieder eine neue lustige These erfinden, mit der man uns zu Irren abstempeln kann? Wie will mein Körper die GaOp gut überstehen, wenn ich jetzt erst noch drei Monate lang eine emotionale Zerreissprobe durchlebe? Sind Hitler und Mengele wirklich tot?

Irgendwie ist alles in Frage gestellt, ein albernes Heirassa im Kopf einer im wahrsten Sinne des Wortes erschütterten Frau, deren Frausein und damit deren Selbst nie respektiert sein wird, als gestört stigmatisiert wider besseren Wissens.

Lustig, wenn man im Internet nach “Transsexuelle” sucht, wird man geflutet mit Pornographie und Prostitution. Da scheint eine riesige Nachfrage zu sein nach “Transsexuellen”, wobei viele dabei eher SheMales suchen….. Ist ja irgendwie schon irre, ficken wollen sie uns, aber Menschenwürde zusprechen ist nicht drin. Krass, nicht? Tagsüber Transenwitze erzählen, transphob durchs Leben schreiten, aber dann am Abend mal schnell eine flachlegen. Man nehme mir dieses Vokabular nicht übel, aber dieser Abschnitt richtet sich vorallem an Männer und ich möchte da auch verstanden werden.

Ja ich weiss, das hat eigentlich gar nix mit dem Thema zu tun, aber genau das ist ja das Problem im Moment, da sind all diese Fragen, Erfahrungen und Gefühle, Gedanken, Wortfetzen, all das Verwirrende das allesamt unnötig wäre. Transsexuelle Menschen beissen nicht, töten nicht, sind nicht ansteckend, es gibt nichts was gegen sie spricht. Was also rechtfertigt, diese Menschen zu verhöhnen und als Menschen zweiter Klasse zu behandeln? Ihnen die Behandlung verweigern oder zumindest zu verschleppen?

Eigentlich wäre alles so einfach, Transsexualität kann man heilen, etwas Endokrinologie und plastische Chirurgie und uns geht’s gut. Uns würd’s gut gehen, würde man uns das auch wirklich zugestehen. Wenn man uns ernst nehmen würde. Aber warum soll man das, wir sind ja irgendwie anders, nicht dem postulierten Normalfall entsprechend.

Was reg ich mich auf, denk ich immer wieder, ich wusste genau was auf mich zukommt. Aber das ändert nicht viel daran, wie es sich anfühlt.

Das und eben diese tausend anderen Dinge, die da auf Papierfetzen durch die Luft flattern, machen mich völlig konfus. Das gesamte Verteidigungssystem, das des Körpers und das des Geistes, liegen darnieder, vergiftet durch Ignoranz. Essen geht nicht, Schlafen kaum noch, auch diese Nacht hat mein Körper wieder das ganze Bett geflutet als ob eine Sintflut in mir stattfinden würde. Alle Systeme sind ausser Kontrolle.

Nehmt es mir bitte nicht übel, wenn ich auf Mails oder Telefone nicht reagiere, ich mag echt nicht darüber reden. In meinem Kopf ist schon so viel Lärm, dass ich keine weiteren Stimmen mehr ertrage. Vorallem brauche ich jetzt grad niemanden, der mir einzureden versucht, zwei Monate seien ja nicht so lang. Egal wie lang oder schlimm das rational gesehen ist, für mich ist eine Welt zerbrochen, für mich ist es ein Drama, das lässt sich nicht schön reden. Jeder Versuch das zu tun zeigt nur, dass man auch nichts verstanden hat und genau das brauche ich jetzt am Wenigsten.

Mein lachendes Gesicht erscheint im Spiegel
Ein Atemzug vergeht
Dann versinkt es in der Dunkelheit
Lautlos – stumm
Figuren im Winter
Ich lecke meine Seele wund
Ein Ruf erhellt die Nacht
In Hoffnung gehüllte Erwartung
Doch mit der Stille folgt die Einsamkeit
Ernüchterung bis hin zur Resignation
Statische Monotonie
Ein zweiter Ruf bleibt aus

(Lacrimosa – Flamme im Wind)

PS: ich habe soeben den Timer umgestellt, der am Ende der Blogbeiträge die anstehenden Termine anzeigt. 35 Tage bis zur GaOp stand da, jetzt sind es 101 Tage. Während dieser 66 Tage werde ich diese Welt verfluchen und den Verantwortlichen von ganzem Herzen ebensoviele Tage Fegefeuer wünschen. 66 weitere Narben werden meine Seele zieren, als hätte ich nicht schon genug davon. Die Zahl 666 gilt gemäss biblischer Apokalypse des Johannes als die Zahl des Teufels. Die Zahl 66 ist nun die Zahl meiner kleinen Hölle, sie wird sich tief in mein Denken einbrennen.

Das lebendig begrabene Kind

Auch wenn das Lied eigentlich etwas Anderes meint, so ist es für mich doch eine Metapher für die Grausamkeit meines eigenen Schicksals. Vorallem die Bilder die diesem Musikvideo hinterlegt sind, passen so sehr, dass es mich fast zerreisst beim anschauen. Der Unterschied ist nur, dass ich schon lebendig begraben wurde, bevor ich das Licht der Welt erblickte, und dass mein Grab mein eigener Körper war. Vielleicht hätte ich lauter klingeln müssen, viel lauter………

Ein kleiner Mensch stirbt nur zum Schein
wollte ganz alleine sein
Das kleine Herz stand still für Stunden
So hat man es für tot befunden
Es wird verscharrt in nassem Sand
Mit einer Spieluhr in der Hand

Der erste Schnee das Grab bedeckt
Hat ganz sanft das Kind geweckt
In einer kalten Winternacht
Ist das kleine Herz erwacht

Als der Frost ins Kind geflogen
Hat es die Spieluhr aufgezogen
Eine Melodie im Wind
Und aus der Erde singt das Kind

(Hoppe, Hoppe Reiter)
Und kein Engel steigt herab
(Mein Herz schlägt nicht mehr weiter)
Nur der Regen weint am Grab
(Hoppe, Hoppe Reiter)
Eine Melodie im Wind
(Mein Herz schlägt nicht mehr weiter)
Und aus der Erde singt das Kind

Der kalte Mond in voller Pracht
Hört die Schreie in der Nacht
Und kein Engel steigt herab
Nur der Regen weint am Grab

Zwischen harten Eichendielen
wird es mit der Spieluhr spielen
Eine Melodie im Wind
Und aus der Erde singt das Kind

Am Totensonntag hörten sie
Aus Gottes Acker diese Melodie
Da haben sie es ausgebettet
Das kleine Herz im Kind gerettet

(Rammstein – Spieluhr)

So bleibt wenigstens die Hoffnung, und eine Spieluhr, die vielleicht irgendwann doch gehört wird.

Körper, Geist und der ganze Scheiss dazwischen

Als mir der Chirurg letzte Woche mal schnell alle möglichen Komplikationen bis hin zu einer abgestorbenen Klitoris um die Ohren schmiss, war ich zwar erschüttert über all diese Möglichkeiten, blieb aber trotzdem gelassen, weil ich auf meinen Körper und meinen Geist vertraute, weil ich in Anbetracht meiner prächtigen psychischen und emotionalen Verfassung schon fast mit Sicherheit garantieren kann, dass mein Körper sogar diesen schweren Eingriff gut übersteht. Diese Gewissheit ist verschwunden, noch schlimmer, ich habe nun eine Scheissangst, dass diese GaOp total in die Hosen geht. Prächtige Voraussetzungen, die man mir da plötzlich untergejubellt hat.

Und da rede ich nicht von irrationalen Ängsten heute oder von rosarotem Traumdenken letzte Woche, beide Gefühle basieren auf Erfahrungen. Ich lebe ich diesem Körper seit vier Jahrzehnten und schlag mich ebensolang mit meiner Psyche herum. Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen habe ich sehr früh angefangen, mich ganz genau zu beobachten, jede Veränderung wahrzunehmen und Wechselwirkungen zu erkennen.

Aus Erfahrung weiss ich, dass mein Immunsystem und meine Selbstheilungskräfte erstaunliches leisten können. Genauso aus Erfahrung weiss ich, dass ebendies nicht geschieht, wenn ich psychisch-emotional angeschlagen bin.

Schon vor zwanzig Jahren erklärte mir mein damaliger Hausarzt, dass ich ein instabiles vasomotirisches Nervensystem hätte. Das ist sozusagen die Schnittstelle zwischen Körper und Geist resp. der Teil des Nervensystems, der Körperfunktionen steuert oder sowas. Wenn es mir schlecht geht, dann schlägt mir das direkt auf den Körper. Das tut es bei allen Menschen, bei mir nur etwas mehr und etwas direkter.

Mehr als meinen Körper kenne ich meine Psyche, zehn Jahre Psychotherapie und zwanzig Jahre Philosophie haben mich zu einer Expertin gemacht, für psychische Vorgänge generell und für meine eigene doch eher ungewöhnliche Psyche im Speziellen. Ich weiss, dass ich friedfertig bin, nicht nachtragend, dass ich vergeben kann. Aber ich weiss auch, dass es eine Grenze gibt, deren Überschreitung ich nicht mehr ertragen kann. Dann wird aus Friedfertigkeit Wut und aus Freunden werden Bedrohungen.

Diese Grenze wurde definitiv überschritten und aufgrund der Erfahrungen mit mir selbst weiss ich, was jetzt kommen wird und das ist sowas von nicht gut, dass mir die Worte fehlen um es adäquat zu vermitteln, ich kann es nur andeuten.

Mein Vertrauen, in behütenden Händen zu sein, ist erloschen. Ernst genommen, wahrgenommen, werde ich nicht. Ich bin wütend, weil man mein Leiden mit erschütternder Leichtigkeit um zwei Monate verlängert und mir damit zeigt, dass mein Leidensdruck nicht verstanden wird. Jeder Tag ab Mitte September wird mich innerlich aufheulen lassen, weil das was jetzt zuende wäre, weiter geht. Hinzu kommen Ängste, dass auch dieser Termin ins Wasser fällt, dass ich keine Grundlage habe um daran zu glauben, dass ich diesmal vertrauen könnte.

66 Tage wütend sein, 66 Tage Ängste haben, das zermürbt jede Psyche, jedes Herz und damit jedes Immunsystem, damit zerstört man das ganze Potential für Selbstheilungskräfte, damit reibt man einen Menschen auf.

Am 66. Tag, wenn die Narben bereits verheilt wären, ich schon wieder quietschvergnügt durch die Gegend stöckeln würde, werde ich dahin gehen, wo mir diese 66 Tage geschenkt wurden. Dahin, wo mir die vorherige Zeit des sogenannten Alltagstest medizinische Hilfe verweigert wurde um der Einhaltung veralteter und nicht menschenrechts-konformen Behandlungsstandards willen, da gehe ich hin, lege mich vertrauensvoll auf den Op-Tisch, lass mich betäuben und jemanden stundenlang mit dem Skalpell an mir rumschnippeln zu lassen.

Ich stell mir vor wie mich der Chirurg beim Eintritt begrüsst und fragt wie’s mir geht. Und ich stell mir vor, wie ich Gift und Galle spucke und mir den Satz verkneiffe: “Mir geht’s prächtig, nach einer über zweimonatigen Depression die ich Euch verdanke”. Noch viele Stätze die ich verkneiffen muss, allesamt solche, die ich hier nicht wiedergeben darf.

Und wenn ich nach der Op aufwache und mich so richtig beschissen fühle und alles weh tut, wird mir vielleicht durch den Kopf gehen, dass ich vielleicht jetzt grad meinen neuen Ausweis auf der Gemeinde abholen würde. Aber ich war nicht dringend, deshalb tut’s jetzt halt weh anstatt………….

Und wenn eine Wundentzündung losgeht, werde ich Tobsuchtsanfälle bekommen, weil ich nicht ausschliessen kann, dass diese Komplikationen im September nicht aufgetreten wären. Weil ich weiss, dass die besten Voraussetzungen, die gegeben waren, aus purer Ignoranz weggenommen wurden.

Man bleibe mir jetzt bitte fern mit Positivem Denken. Ich habe oft betont, wie wichtig positives Denken ist. Aber man sollte das nicht mit Selbstbetrug verwechseln. Diese Ängste sind zwar keine Prophezeiungen, Hellseherin bin ich doch noch nicht, aber es sind begründete Annahmen, die auf vierzigjähriger Erfahrungen beruhen. Das sagt nicht irgend jemand sondern diejenige, die dieses Körper-Geist-und-der-ganze-Scheiss vier Jahrzehnte beobachtet hat und weiss, wie es tickt.

Da kann ich mir jetzt stundenlang ein “es wird alles gut” um die Ohren schlagen, es ändert nichts daran, dass mich dieser Rückschlag aufreiben wird. Die Frage ist nicht ob das geschieht, die Frage ist nur noch, wie vernichtend das geschehen wird und ob mein Körper-Geist-Sonstsozeugs doch das Wunder vollbringt, diese “Höchstleistung unter massiv erschwerten Umständen” zu meistern.

Gerade in diesen Tagen erlebe ich das grad mit voller Härte. Das Krankheitsgefühl, das ich seit Mittwoch Abend habe, war offenbar eine harmlose Sache, ich kenn das Gefühl gut genug und weiss wie erwähnt, was ich von meinem Körper in so ner Situation erwarten kann. Nach dem Öffnen des Couverts gings innert wenigen Stunden abwärts, im Sturzflug. Seit da bin ich nicht nur psychisch sondern auch körperlich völlig derangiert, da geht einfach gar nix mehr. Nachdem ich gestern nix schaffte (ich wollte ja für Juliet putzen und so Kram), habe ich es heute versucht. Bisher habe ich fünf Anläufe geschafft, keiner dauerte über 5 Minuten. Dann kam totale Schwäche (was ohne zu essen kein Wunder ist), Kreislauf sackt ab, Schwindel……. heute hatte ich einmal ein Kribbeln in meiner rechten Hand, als wären da tausend kleine Käfer drin, wie angeworfen. Das hab ich echt noch nie erlebt, harmlos aber irre, eine Art Amoklauf im Nervensystem. Jedenfalls merke ich, dass da keine Selbstheilung mehr funktioniert, dass alles ausgepowert ist, jede Energie draussen. Ja ich weiss, klassische Depression (danke an die Uni, hab das echt langsam vermisst), aber das spielt keine Rolle, Fakt ist, dass ich grad deutlich das Wechselspiel zwischen Körper und Geist erlebe….. und wie der ganze Scheiss dazwischen völlig den Geist aufgibt.

Ist echt verrückt, wenn man sich das mal so bildhaft vorstellt. Ich steh kurz vor der letzten und grössten Schlacht meines Lebens………… und da kommt so ein Idiot und klaut mir die Rüstung.

Lustig, bei diesem Bild muss ich irgendwie grinsen. Aber das Seltsame ist, dass ich trotz dieser düsteren Aussichten eine Gewissheit tief in mir verspüre, die Gewissheit, dass mich nichts aufhalten wird. Es wird mehr Wunden und Narben geben, als nötig gewesen wäre, für die Ignoranz des Unispitals werde ich einen hohen Preis bezahlen. Mein Weg kann verlängert werden, aber niemals verhindert.

Und eine weitere Hoffnung ist mir geblieben. Auch wenn ich das Gesamtsystem dieses Kompetenzzentrums in Frage stelle und da tiefste Vertrauenskrisen habe, so vertraue ich nachwievor an die Professionalität der einzelnen Ärzte – naja mehr oder weniger. Dass ich bei diesen Chirurgen in fähigen Händen bin, bezweifle ich nicht. Ich glaube, dass die Jungs da mit ihren Messern umgehen können und das wird mir helfen, mich schlussendlich doch vertrauensvoll in ihre Hände zu geben.

Und die allergrösste Hoffnung kann man mir nicht mal nehmen, die beste Medizin die es gibt, mein Schatzi :-) Grad jetzt erlebe ich das in aller Deutlichkeit. Mein Sturm im Kopf gestern, legte sich nach einem zweistündigen Telefon mit ihr. Wenn sie mich zuquaselt, ist Ruhe im Kopf, cool was? Ne jetzt ernst, unsere täglichen Telefone tun sowas von gut, selbst in dieser schweren Situation bringt sie mich manchmal noch zum Lachen und vorallem versteht sie mich, wie keine Andere. Sie gibt mir soviel Stärke und Wärme und vorallem auch Willenskraft. Jetzt in drei Tagen werden wir hier zuhause ankommen und für zwei Wochen zusammen sein. Das müsste reichen um Superkräfte zu entwickeln :-) apropos, gute Idee, muss blabla machen.

PS: ich find, auf dem Bild da oben seh ich echt vorteilhaft aus, steht mir gut, so ohne Rüstung, und offenbar siegreich :-)

Kostengutsprache der Krankenkasse

Jauh, etwas Gutes braucht der Mensch! Nach dem emotionalen Chaos und all den frei rumfliegenden Ängsten kann ich nun immerhin eine der grössten Ängste ad-acta legen, heute ist die Kostengutsprache für die GaOp angekommen. Damit fällt auch die zugegebenermassen eher irrationale Angst, die SVP könnte mit ihrer Motion in der Herbstsession noch eine Vollbremsung einleiten, denn meines Wissens sind diese Gutsprachen verbindlich. Somit steht der GaOp nichts mehr im Weg, ausser vielleicht noch ein dutzend Terminverschiebungen bis 2034, weil immer jemand n’Zahnarzttermin hat oder ich wegen Menstruationsbeschwerden nicht operiert werden kann. Ok Zweiteres können wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausschliessen, der Rest bleibt ungewiss bis zur Narkose.

Damit habe ich wenigstens einen ganz grossen Trost, die letzten Formalitäten sind geregelt. So bestätigt sich immerhin ein grosser Vorteil des Unispitalsl. Gutachten von dort werden kaum noch angezweifelt und da die Helsana zwar teuer aber recht kulant ist, musste ich nicht mal zum Vertrauensarzt der KK sondern wurde einfach mit einem Brief durchgewunken.

Ansonsten geht’s hier wieder langsam dem Leben entgegen. Die körperlichen Systeme beginnen sich wieder zu räckeln, heute jedenfalls gings mir körperlich deutlich besser als gestern noch, mal abgesehen von einer erneuten Gruselnacht. Erst lag ich von Zehn bis Ein Uhr wach, dann stand ich wieder auf, trank ne Rindsbouillon (das einzige Nahrungsmittel das ich seit 5 Tagen runterkrieg), guckte Mentalist, heulte mal kurz am Schluss weil der Mentalist weinte und dann gings mit Schlafen, wenn auch wieder in schwer genässter Form. Wenns so weiter geht, kann ich morgen vielleicht wieder zur Arbeit.

Psychisch geht’s auch aufwärts, das Durcheinander beruhigt sich mit jedem Telefon mit Juliet etwas mehr (gestern waren’s sechs Stunden), jedenfalls wirds langsam wieder rationaler in meiner Birne drin und das tut gut.

Nur ändert all das wenig an meiner emotionalen Lage. Irgend ein Tropfen bringt ein Fass zum Überlaufen, bei mir ist es geborsten. Das Vertrauen in diese Institution dürfte am Boden bleiben und die Überzeugung, dort nicht ernst genommen und verstanden zu sein, wird mich nun halt begleiten, genauso wie die verlorene Zuversicht was die GaOp betrifft. Und dass ich immer mal wieder spontan losweine, will auch nicht aufhören.

Aber übermorgen um diese Zeit werde ich mit Juliet hier auf diesem Sofa liegen, ganz fest in ihre Arme reingekuschelt und spätestens dann wird es mir auch emotional gut gehen, selbst wenn die ganze Welt brennen würde :-)

Ruhe nach dem Sturm

Hoffen wir mal, dass der von mir so geschätzte Liedermacher Georg Danzer nicht Recht hat, wenn er singt, dass die Ruhe nach dem Sturm nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Denn ich bin froh, dass langsam Ruhe einkehrt und mein Kopf auch wieder ein wenig Platz lässt für positive Gedanken.

Dass ich die Kostengutsprache für die GaOp jetzt schriftlich vor mir habe, ist eine riesige Erleichterung, das war das Letzte, das noch hätte schief laufen können. Damit ist es definitiv keine Frage mehr ob alles gut wird sondern nur noch wann.

Ebenfalls erfreulich war, dass mein Oberarzt mich von sich aus kontaktiert hat, nachdem er erfahren hat, dass ich mich bei meiner “Betreuerin” beklagt habe und dass er das was passiert ist bedauert. Das ändert für mich faktisch zwar nichts, trotzdem hat es gut getan zu sehen, dass ich doch nicht ganz so egal bin. Er hat mir einen Aussprachetermin angeboten den ich gerne annehme, aber zuerst kommen jetzt mal die Ferien.

Verschiedene Reaktionen haben mich sehr gefreut und so mancher Gedanke (beispielsweise von Tülay) haben geholfen, dieses Durcheinander etwas zu ordnen. Ausserdem haben mich überraschenderweise Leute aus meinem Team kontaktiert und mir sehr stark das Gefühl gaben, eben nicht unwichtig zu sein, etwas mehr als eine Störung der öffentlichen Wahrnehmung. Einmal mehr wird mir bewusst, wie gut ich es da habe und wie selbstverständlich man mich da annimmt. Und mein Chef, der heute noch anrief, hatte nur eine Sorge, ich müsste morgen gesund sein, ich müsse schliesslich meine Ferien mit Juliet geniessen können. Wenn ich bedanke, was andere transsexuelle Menschen an ihrem Arbeitsplatz erleben müssen, könnte ich täglich Dankesgebete in den Himmel rufen.

An dieser Stelle möchte ich mich auch bei allen entschuldigen, die das indirekt miterlebten hier in diesem Tagebuch. Aber wie schon oft betont, so ein Tagebuch ist der Ehrlichkeit verpflichtet, andernfalls ist es nicht das was es sein soll. Hierhin gehört alles, was mich bewegt, egal ob neue Schuhe oder Depressionen. Wenn etwas Bewegendes passiert oder wie in diesem Fall mein ganzes Inneres in sich zusammen kracht, dann gehört das hierhin. Diese Offenheit ist für mich Überlebensstrategie. Würde ich fragen was ich sein, tun oder sagen darf, könnte ich diesen Weg nicht gehen, könnte niemals mich selbst sein. Der Ausweg daraus ist, dass ich nicht mehr entscheide was sein darf sondern einfach bin. Aber für Mitlesende ist es manchmal brutal, wenn einem so Texte entgegen geschleudert werden und man nichts tun kann, so belaste ich mit meinen Problemen viele die mitlesen und mitfühlen. Und doch, wenn jemand an meinem Leben Anteil nehmen will, dann lässt sich das nicht verhindern, weil mein hier dargelegtes Leben sonst eine Lüge wäre.

Ansonsten geht es körperlich recht gut, ausser der Erschöpfung, die doch langsam grenzwertig ist. Gestern Abend habe ich erstmals wieder was gegessen, immerhin ne Packung Aufschnitt und zwei Essiggurken. Aber heute klappte bisher nix, wird echt Zeit, dass Juliet kommt und mich füttert :-) Eigentlich wollte ich heute wieder arbeiten und rein krankheitstechnisch wäre ich wieder soweit. Aber ich habs nicht aus dem Bett geschafft, war einfach zu erschöpft und hab dann bis Mittag geschlafen. Morgen sollte es aber klappen, ich muss ja eh raus und Juliet am Flughafen abholen :-)

Womit wir zum letzten Thema kämen, hier ist voraussichtlich für zwei Wochen Sendepause, ich werd keine Hände frei haben zum tippen, muss Juliet umärmeln :-) Falls etwas weltbewegendes passiert, wird das natürlich hier auftauchen, aber ich rechne eher mit zwei ruhigen und kuschligen Wochen ohne Störung aus der Aussenwelt. Vielleicht werden wir gelegentlich in unserem gemeinsamen Blog berichten, sicher sogar, spätestens in einer Woche, dann haben wir nämlich eine mega Überraschung für Euch…… ne ich bin nicht schwanger, aber sensationell isses trotzdem :-)

Nun denn, ich wünsche Euch allen zwei schöne Wochen, wir lesen uns anschliessend wieder hier. Und einfach weil’s mal wieder gesagt sein muss: Ich bin unbeschreiblich glücklich und dankbar, dass Ihr alle da seid, egal ob die Kommentierenden oder die still Mitlesenden. Täglich sind 150 Menschen hier, Dutzende die regelmässig hier reinschauen. Es gibt viel Kraft, so eine grosse Familie zu haben, gerade dann, wenn man sich mal so heftig alleingelassen fühlt. Danke Euch allen!

Sommerferien und Verlobung mit Juliet

Mein Gott, was waren das für zwei Wochen! Zwei Wochen lang aneinandergekuschelt auf dem ausgezogenen Sofa rumlümmeln, zwei Wochen lang einander so nah sein, soviel knuddeln und soviel knutschen und soviel kichern und sooooooooooviel glücklich sein. Es ist zu schön um wahr zu sein, aber der Verlobungsring an meinen Fingern beweist, dass es tatsächlich kein Traum war. Diejenigen die in unserem gemeinsamen Blog mitgelesen haben, sind ja bereits auf dem Laufenden, für die Anderen eine kurze Zusammenfassung, alles Andere ist hier zu lesen:

Sommerferien – ein kuschliger Anfang
Das Duo Infernale hat sich verlobt
Kleiderschränke und Kochpfannen
Bis bald, Liebste, die Zukunft gehört uns!

Wie gesagt haben wir zwei Wochen lang nichts Anderes getan als aneinander zu kleben, endlich mal soviel Zeit ganz für einander zu haben, ganz für einander da zu sein, das war einfach himmlisch und für uns ein ganz neues Erlebnis. Bisher hatten wir nur drei Tage lange Weekends im Abstand eines Monats, da sind zwei Wochen unglaublich viel – und doch verging die Zeit als hätt’ jemand Tage geklaut. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei denen entschuldigen, die hofften, dass sie Juliet mal kennen lernen. Wir konnten echt nicht anders als unsere Zweisamkeit jede Minute zu geniessen.

Und weil wir uns soooooo lieb haben, haben wir uns während dieser Ferien verlobt. Und gerade jetzt, nachdem ich Juliet zum Flughafen brachte, im Bewusstsein, sie jetzt wieder einen Monat lang nicht sehen und spüren zu können, während ich immer wieder in Tränen ausbreche weil sie mir jetzt schon so sehr fehlt, gerade jetzt ist es ein unbeschreiblich wertvoller Trost, unseren Verlobungsring an meinem Finger zu spüren – und die Gewissheit, dass dieser Traum weiter gehen wird.

Auch wenn es sich grad so anfühlt, das ist nicht einfach nur das Ende unserer Ferien, es ist der Anfang unserer gemeinsamen Zukunft. Und das macht mich – aller Tränen zum Trotz – unglaublich glücklich. Diese zwei Wochen haben bestätigt, was wir schon nach unseren ersten Weekends gespürt haben: Wir Zwei gehören zusammen, bis ans Ende aller Zeit und dann noch mindestens 300 Jahre länger.

Miles and miles of empty space in between us
a telephone can’t take the place of your smile
ooh but you know I won’t be travelling forever
it’s cold out but hold out and do like I do

When I need you I just close my eyes and I’m with you
and all that I so want to give you baby
it’s only a heartbeat away

(Celine Dion – When I Need You)

Das Schwert der Wahrheit

Schon am ersten Tag nach den Ferien zeigt sich, dass meine Befürchtung richtig war, der Frust von Anfang August, der durch die Verschleppung meines GaOp-Termins eskaliert ist, beisst sich bereits wieder in mein Genick. Da kommt einiges auf mich zu. Aber jahrzehntelange Erfahrung mit emotionalen Grenzerfahrungen haben mich gelehrt, dass Verzweiflung und Wut stürmische Energien sind, die einem entweder zerreissen, oder von einem genutzt werden können. Entweder kämpft diese Energie gegen mich oder ich setzte sie gegen etwas ein. Ich hab mich für Zweiteres entschieden. Psychologen mögen mir jetzt Projektion vorwerfen…..
…..na und? Hauptsache konstruktiv ;-)

In nächster Zeit versuche ich, diese “Energie” vom Herz in den Verstand zu verschieben, sozusagen das Schlachtfeld wechseln. Ich will nicht mehr in mich hineinschreien und verzweifeln an “Behandlungsstandards”, die gegen ratifizierte Menschenrechte verstossen. Es wird Zeit es laut zu sagen – und deutlich – sehr deutlich. Es ist Zeit, mal etwas mit dem Schwert der Wahrheit rumzufuchteln und furchteinflössende Laute auszustossen ;-)

Betrachten wir also in nächster Zeit mal Behandlungsstandards, Alltagstest, Diagnosemythos und akademische Faktenresistenz. Betrachten wir die dahinterliegenden Denkfehler. Und fragen wir uns, weshalb diese Denkfehler wider besseren Wissens weiter praktiziert werden.

Obwohl wissenschaftlich erwiesen ist, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, werden Betroffene von Medizin und Politik weiterhin als identitätsgestört klassifiziert, nachwievor werden Behandlungsstandards auferlegt, die nicht diesen wissenschaftlichen Fakten folgen, nachwievor wird ein “Wunschgeschlecht” postuliert, obwohl dieser “Wunsch” eine tiefsitzende Überzeugung ist, nachwievor ist die Anerkennung des Geschlechts an eine Sterilisation geknüpft…………. und und und und………. da gibt es viel intellektuellen Irrsinn, den es zu zerlegen gilt.

Ich geh jetzt mal das Schwert schleifen, Rüstung polieren und so Quatsch, mal schaun was man mit diesem vom Unispital spendierten zweimonatigen Energieschub so alles anstellen kann…….. noch 81 Tage….. ;-)

Ich bin der brennende Komet
der auf die Erde stößt
der sich blutend seine Opfer sucht
Ich bin der lachende Prophet
der eine Maske trägt
und dahinter seine Tränen zählt

(Lacrimosa – Der brennende Komet)

Janis und ich

Während unserer Sommerferien haben wir eine TV-Dokumentation über die legendäre Sängerin Janis Joplin gesehen. Sie war die Ikone der 68er Flower-Power Bewegung, mit einer Stimme, die bis heute unerreicht ist. Leider verstarb die schon in zartem Alter aufgrund ihrer Drogen Exzesse – eine Lebensgeschichte, die in ihrer Tragik kaum zu überbieten ist. Ihr kurzes Leben lang kämpfte sie um Anerkennung, wurde in ihrer Kindheit oft verspottet, wegen ihrer burschikosen Art. Höhepunkt all der Demütigungen, die sie erdulden musste, weil sie nicht den gängigen Geschlechtsstereotypen folgte, war eine Scherz-Wahl an ihrem College, an dem die Studenten “den hässlichsten Mann” wählten. Es reichte nicht, dass sie dafür nominiert wurde, sie gewann diese Wahl sogar…… und konnte diese Demütigung nie überwinden. Sie schrie ihren Schmerz hinaus, in einer Intensität, die Seinesgleichen sucht, aber schlussendlich zerbrach sie doch an der Härte dieser Welt.

Ihre Lebensgeschichte war mir nicht neu, neu war einzig, dass mir die Parallelen zwischen uns bewusst wurden. Und das gleich in doppeltem Sinn.

Einerseits durchlebte ich selber eine Kindheit und Jugendzeit, in der ich wegen meiner doch nicht ganz zu verbergenden Feminimität oft verspottet wurde. Die in mir verborgene Weiblichkeit machte mich immer wieder zum Gespött, weil ich als “der weiblichste aller Jungen” galt, man belächelte mich für die durchscheinende Weiblichkeit, die eigentlich das einzig Wahre an mir war.

Heute muss ich diese Weiblichkeit nicht mehr verstecken sondern darf zu mir selbst stehen. Aber bezüglich der öffentlichen Wahrnehmung bin ich vom Regen in die Traufe gekommen – oder besser gesagt, mitten ins Gewitter.

Die meisten meiner Mitmenschen – auch die mir Nahestehenden – werden in mir immer den Mann sehen, der ich nie war. Nur, dass die einst nur schemenhaft erkennbare Weiblichkeit nun mein ganzes Sein ausmacht. Wenn eine als “feminimer Junge” wahrgenommene transsexuelle Frau schon derart belustigen ist, um wieviel lächerlicher muss dann eine als Frau lebende transsexuelle Frau sein, in den Augen derer, die in ihr “einen ehemaligen Mann” sehen? Die Trophäe für “den hässlichsten Mann” wird weiter gereicht.

Im Gegensatz zu Janis bin ich nicht daran zerbrochen – jedenfalls nicht ganz. Ich konnte mich befreien und mir mein Daseinsrecht erkämpfen. Das ist wichtiger als alles Andere. Aber es ändert wenig daran, dass es schmerzhaft bleibt, von der Welt derart verkannt zu werden, dass selbst die Ausweisänderung nichts daran ändern wird, dass ich für eine überwältigende Mehrheit immer dieser “persönlichkeitsgestörte Mann” sein werde.

Zu Verdanken habe ich das einerseits einer westlichen Denkweise, die abseits ihrer gerade postulierten Norm keine Abweichungen duldet, ohne sie als abartig zu klassifizieren. Mehr als das verdanke ich es einer psychiatrischen Religionsgemeinschaft, die Menschen wie mich jahrzehntelang als Gestörte hingestellt hat und mich wider aller wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht aus der Gestörten-Schachtel rauslassen will.

“Früher, als Du noch ein Mann warst”, lautet eine Redewendung, die ich gelegentlich zu hören kriege. Es ist nie böse gemeint, aber es zeugt davon, dass niemand wirklich zu verstehen vermag, dass eine transsexuelle Frau nie ein Mann war sondern immer nur einen spielte. An diesem falschen Verständnis von Transsexualität wird sich nichts ändern, zumindest solange nicht, wie die Götter in Weiss in ihren Kristallschlössern sitzen und ihr Wissen um die biologischen Ursachen von Transsexualität für sich behalten. Jahrzehntelang haben sie laut hinaus geschrien, dass transsexuelle Menschen persönlichkeitsgestört seien. Nachwievor werden wir in ihren Diagnose-Bibeln DSM und ICD als Männer klassifiziert, die lieber eine Frau wären – wider besseren Wissens! Solange die Psychiatriegläubigen ihren jahrzehntelangen Irrtum nicht bekennen, werden transsexuelle Frauen weiterhin als “die hässlichen Männer” wahrgenommen und Betroffene werden nie die Würde erhalten, in den Köpfen ihrer Mitmenschen dem Geschlecht zugehörig zu sein, das sie sind.

Es ist unsäglich entwürdigend, als Frau zum “hässlichen Mann” ernannt zu werden. Als hässlich zu gelten wäre verkaftbar, aber dem anderen Geschlecht zugewiesen werden, ist unendlich grausam, weil einem damit die Kernidentität und damit das Selbst abgesprochen wird. Dabei ist es egal, ob das infolge einer burschikosen Art wie bei Janis, oder ob es infolge anatomischer Merkmale wie bei mir geschieht, in beiden Fällen wird man zu etwas gemacht, das man nicht ist, was faktisch die Verleugnung meiner Existenz bedeutet.

Janis und ich, wir haben viel gemeinsam. Wir beide werden belächelt oder verspottet, nur weil wir so sind wie wir sind, weil wir das sind was wir sind, weil wir uns nicht zurecht biegen lassen sondern unseren Weg gehen und uns treu bleiben. Wir beide schreien unseren Schmerz heraus, sie singend, ich schreibend.

Nur in einem unterscheiden wir uns: Ich lasse mich nicht kaputt machen. Ich missgönne der Welt diesen letzten Triumph, diesen Sieg über die Andersartigkeit. Janis konnte mit gesellschaftlichem Anpassungsterrorismus gebrochen werden, bei mir wird das nicht gelingen – nicht zuletzt, weil ich es Janis schuldig bin, ihr und all den Millionen von Menschen, die in irgend einer Form von der “Norm” abweichen und um ihrer Selbst willen verachtet oder ausgegrenzt werden.

Man kann uns, die Andersartigen und Nonkonformen verachten, belächeln, ausgrenzen und dezimieren – aber man wird uns nie ausrotten können, weil “das Andersartige” die Achse der Evolution ist, weil die Natur ohne Vielfalt nicht Natur wäre……… Und vielleicht – nur vielleicht – wird diese Einheitsmensch-Welt irgendwann sogar begreifen, dass die Welt ohne uns “Evolutionsvarianten” eine viel ärmere Welt wäre.

http://www.youtube.com/watch?v=JjD4eWEUgMM

Transsexualität ohne Identität?

Einige dürften sich langsam wundern, weil ich so oft betone, wie wichtig mir der Ausweis ist, der offizielle Identitätsnachweis mit korrekter Geschlechtsangabe und richtigem Namen. Wichtig ist ja vorallem, dass ich als die Diana leben kann, die ich bin. Aber der Ausweis ist eben weit mehr als eine Plastikkarte, es bedeutet, offizielle und anerkannte Identität. Und vorallem bedeutet ein “falscher Ausweis” unzählige Situationen, die von unangenehm bis entwürdigend empfunden werden.

Ein Prachtexemplar einer entwürdigenden Situationen erlebte ich gestern ausgerechnet am Zürcher Universitätsspital in der Dermatologie. Während ich mit einem Rudel anderer Leute im Wartsaal sass, erklang eine Stimme, die mich ins Behandlungszimmer ruft – mit männlicher Ansprache. Genial, was? Da wird ein “Herr” aufgerufen und n’Mädel steht auf und stöckelt davon. Besten Dank auch, so Outings machen ne Menge Spass, vorallem wenn man endlich soweit ist, dass man relativ unauffällig durch den Alltag gehen kann und einfach nur noch als eine von vielen Frauen wahrgenommen wird. Die Ärztin ist noch mehr erschrocken als ich, sie entschuldigte sich sofort und sehr freundlich und erklärte, sie sei über das “m” auf meiner Karte gestolpert. Dort steht nämlich immer noch der alte Vorname und das falsche Geschlecht, mit Diana in Klammer. Die Dermatologie dürfte nicht oft Mädels wie mich haben, das gehört nicht zum “Standard-Programm”. Deshalb verstehe ich auch, dass man da nicht so sehr drauf achtet wie z.B. in der Psychologen-Abteilung, wo täglich so Exemplare wie ich reinspazieren. Aber das macht so eine Situation für mich nicht wirklich angenehmer.

Und so gibt es unzählige weitere Beispiele. Unterdessen falle ich in der Öffentlichkeit so wenig auf, dass ich z.B. beim Grenzübertritt im Falle eines Piepsers beim Scanner ohne zögern zur Frau gewunken werde, damit sie die Körperkontrolle macht. Selbst da hatte ich nicht den Eindruck, dass ihr etwas an mir auffiel. Umso grotesker ist es dann, wenn man eigentlich so weit wäre und dann verwirrte Blicke erntet, wenn man der Stewardess die Bordkarte von einem Mister in die Hand drückt. Dasselbe Spiel läuft auch bei jeder Fahrausweiskontrolle in Zügen, weil mein Halbtax-Abo (wie Bahncard-50 in Deutschland) auf so n’Kerl lautet, der mir nicht im Geringsten ähnlich sieht. Eingeschriebene Briefe und Pakete auf der Post abholen ist ebenfalls spassig ohne zum Gesicht passende Ausweispapiere.

Ausserdem lautet das Bankkonto auf diesen Kerl, die Kreditkarte gehört auch nicht Diana und ihr Einsatz kann vielleicht sogar zu rechtlichen Problemen führen, benutzen einer fremden Kreditkarte……. apropos, im Falle so eines Justizirrtums käme ich für die U-Haft in ein Männergefängnis, da wär ich sogar ohne Ausweis im Mittelpunkt…….. und falls ich morgen vom Blitz getroffen werde und überlebe, wache ich im Spital auf, umgeben von Männern.

Irgendwie ist das schon bizarr. Die Diagnose wurde gestellt, man hat meine Weiblichkeit aus medizinischer Sicht anerkannt. Ich musste ein Jahr lang “Frau spielen” in diesem sogenannten Alltagstest. Aber meine Identität wird mir weiter verweigert, bis zur endgültigen Sterilisation. Bis dahin bleibe ich inexistent und führe ein Leben, das nicht ich bin, zumindest nicht offiziell. Ich würd mich wirklich riesig freuen, wenn mir einer dieser allwissenden Fachleute erklären könnte, weshalb ich als transsexuelle Frau diagnostiziert bin, somit also medizinisch gesehen weiblich bin, aber die Anerkennung meines diagnostizierten Geschlechts nicht anerkannt wird……….. mich persönlich überfordert das rational komplett. Aber ich hab ja auch nicht studiert, mit Studium wüsste ich sicher vom Nutzen solch entwürdigender Erfahrungen.

Gedankensturm geht weiter

Schon wenige Tage nach Ferienende geht in meinem Kopf wieder der Punk ab. Manchmal nervt es echt, wenn man Recht bekommt, beispielsweise als ich befürchtet habe, dass diese Frustration nach den Ferien wieder auf mich lauern wird. Das hat wenig mit selbsterfüllenden Prophezeiungen zu tun als mehr mit Selbsterfahrung – jedenfalls hatte ich leider mal wieder Recht.

Und es steht hier – das Kind – mit Tränen im Gesicht
Tränen der Stille – Masken im Gesicht
Lichter werfen Schatten und halten es im Licht
Verführt sich zu erklären während es zerbricht

(Lacrimosa – Tränen der Sehnsucht)

Geplauder im Kopf
In meinem Kopf fühlt es sich an, als würde mein Hirn permanent irgendwelchen nicht existierenden Menschen zu erklären versuchen, was Transsexualität ist. Oder es fragt Ärzte, warum man uns nicht ernst nimmt. Oder fragt Wissenschaftler, weshalb man uns wider besseren Wissens immer noch als gestört erklärt. Oder fragt Politiker, weshalb Menschenrechte ratifiziert aber nicht gewährt werden………. Antworten tut niemand, mein Hirn erklärt sich nur wild gestikulierend, versucht verzweifelt, das Unvorstellbare verständlich zu machen. Ein buntes Feuerwerk aus Angst, Trauer, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Verbitterung und Wut…….. Versuch da mal jemand einzuschlafen, unmöglich. Oder zu essen, buäk. Nur wenn ich mit Juliet telefoniere, wirds schnell still in meinem Kopf, unglaublich, wie gut sie mir tut :-)

Schreiben bei dem Lärm?
Gestern wollte ich erstmals meine letzte Woche angekündigte *Kritik an der Behandlung transsexueller Menschen” beginnen, aber ich find da irgendwie keinen Anfang. Die Denkfehler und Fehlbehandlungen sind zuviele und ihre Wechselwirkungen zu vielfältig. Es scheint mir wie ein gordischer Knoten. Egal was ich erklären möchte, es setzt immer voraus, dass bereits Anderes erklärt wurde. Was für ein idiotisches Spiel ist das denn? Ausserdem ist auch da diese Sache mit dem Gedankensturm, mein Hirn hat sicher schon ein hundertseitiges Buch ausgespuckt, aber so schnell, dass es nichts aufs Papier schafft. Ich krieg immer mehr den Eindruck, dass das, was ich da schreiben möchte, eher Buchumfang hat als ein Blogartikel und dass ich zum Schreiben Monate und nicht Tage brauche. Mal sehn, vielleicht gehe ich vorerst doch nur auf ein paar Einzelaspekte ein wie z.B. der Alltagstest.

Psychotherapie tut Not
Bei meiner letzten Psychotherapie vor den Ferien hatte ich mich schon fast feierlich von meinem Therapeuten verabschiedet. Da es mir im Verlauf dieses Prozesses immer besser ging, reduzierte sich das Pensum von ursprünglich einmal pro Woche auf einmal pro Monat. Mit jedem Mal wurde die Stunde vergnügter, es war für ihn und mich einfach schön, zu erleben, wie ich aufblühte. Da ich den für September erwarteten Op-Termin noch nicht kannte, machte ich bei ihm keinen neuen Termin ab. Es war toll, zu wissen, dass ich in unserer nächsten Stunde endlich am Ziel bin, endlich frei, aus diesem Albtraum erwacht……… Naja, in Anbetracht meiner Verfassung habe ich ihn gestern angerufen und für heute einen Termin abgemacht und fühlte mich dort, als hätte mich ein Zeitloch ein paar Jahre zurück katapultiert. Anstelle des prachtvoll aufgeblühten Mädels von eben erst noch, sass vor meinem Therapeuten ein Häufchen Elend, um Erklärung ringend, mit Tränen kämpfend……. Es ist echt erschreckend, wenn ich meine Verfassung von letztem Monat mit heute vergleiche, unglaublich, dass man mit ein wenig Ignoranz einen so glücklichen Menschen so demolieren kann, all die Zuversicht ist verschwunden, zerstört mit einem kurzen Brief. Jedenfalls teilte er meine Meinung, dass ich mich in die Schreiberei verbeissen soll, dass ich versuchen muss, das was emotional in mir abgeht, rational zu verwerten. Hoffentlich schaffe ich das, andernfalls steht wirklich die Hölle vor meiner Tür. Den nächsten Termin habe ich gleich abgemacht, ich brauch jetzt echt Unterstützung, um mich in den nächsten zwei Monaten nicht völlig irre zu machen.

Ein Projekt muss her
Ich werde mir nun Gedanken machen, in was für ein Projekt ich mich die nächsten Zwei Monate stürze. Es muss mit dem Thema Transsexualität zu tun haben, weil die zu überdeckende Frustration damit zu tun hat. Und es muss möglichst rational sein. Also keine Emotionen mehr, keine Alltagsphilosophie, nackte Fakten sind nun gefragt. Ob das hier im Blog in Stücken erscheint oder ob ich etwas Grösseres schreibe, das dann irgendwann irgendwo auftaucht, wissen die Götter, ich weiss momentan ganz nach Sokrates nur, dass ich überhaupt nix mehr weiss. Faktisch bedeutet das, dass mein Tagebuch hier eine Pause einlegt. Mein Tagebuch macht nur Sinn, wenn meine Emotionen darin Platz haben und die dürfen vorläufig nicht mehr sein. Es wird also in nächster Zeit eher sachlich zu und her gehen hier, oder es wird Ruhe sein, lassen wir uns mal überraschen.

שָׁלוֹם עֲלֵיכֶם – shālôm ʻalêḵem

Shalom ist der Friede, der allein versöhnt und stärkt, der uns beruhigt und unser Gesichtsbild aufhellt, uns von Unrast und von der Knechtung durch unbefriedigte Gelüste frei macht, uns das Bewusstsein des Erreichten gibt, das Bewusstsein der Dauer, inmitten unserer eigenen Vergänglichkeit und der aller Äusserlichkeiten.
(Claude J. G. Montefiore)



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