(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Alles wird kompliziert: Kleiderschränke mit nix drin

Es hat schon etwas Surreales, diese Sache mit den Schränken und Schuhgestellen – egal wie voll sie sind – da ist nie was drin. Der Schrank kann wie bei mir randvoll sein, aber wenn ich da reinguck und etwas such, dann find ich nie das, was ich jetzt eigentlich irgendwie anziehen möchte. Das hat vorallem damit zu tun, dass man ja Kleider, Schuhe und Schminke farblich irgendwie passend kombinieren muss. Da lässt sich nicht einfach alles aneinander hängen im Stil von: zu dieser Jeans passt jedes T-Shirt. Das ist echt eine herausforderung für uns Mädels.

Man glaubt es nicht, seit einer Woche grüble ich immer wieder mal kurz der Frage nach, was ich anziehen soll, wenn ich zu Juliet ins Weekend geh morgen. Es wird sauheiss sein, also ist alles Warme schon mal ausser Konkurenz. Dann geh’n wir Samstag vermutlich shoppen, in einem Kaff, das mit Kopfsteinpfklaster zugekleistert ist, also fallen die meisten Schuhe auch gleich weg. Nur die beigen Pumps mit den Mini-Absätzen würden so eine Tour überleben. Aber ich möcht eigentlich das neue Schwarze anziehen, sieht aber scheisse aus mit beigen Pumps. Nur helles Sommerzeuchs wäre da gut, aber das ist meist sehr luftanfällig (sprich es zieht einem fast nackt aus wenn eine Windböe kommt), das geht also alles auch nicht für den norddeutschen Raum. Seit Tagen stehe ich also vor diesem leeren Schrank, völlig ratlos, auf ein Wunder hoffend……..

Und da komm ich gestern Abend heim und in meinem Briefkasten liegt ein Paket von Heine. Da kauf ich sehr selten, weil die mir einiges zu teuer sind. Aber da war ein elegantes, knallrotes Kleid drin, eins das ich schon in schwarz hab. Schön, elegant, der Figur schmeichelnd, ist echt ein Prachtsding. Aber ein rotes Kleid und beige Minipumps? Grrrrrrrr…….. ich sollte dringend mal wieder Schuhe kaufen.

Naja schweren Herzens hab ich mich heute dann endlich entschieden und das neue rote Kleid angezogen, mit den nicht dazu passenden beigen Pumps. Aber was soll’s, nobody is perfect, nicht mal ich. Hauptsache ich kann n’hübschen Fummel anziehen, vielleicht find ich dort ja noch passende Schuhe ;-)

In dem Sinn wünsch ich Euch allen mal wieder ein paar schöne Tage, ich werd mich in wenigen Stunden auf den Weg machen und endlich, endlich, endlich wieder in den Kraken äh Armen meiner Liebsten landen, mich da einkuscheln und drei Tage lang das wahre Leben geniessen :-) Wir lesen uns, frühstens am nächsten Dienstag Abend, bis dahin, have fun!

Ein heisses Wochenende mit Juliet

Jungs dürften sich jetzt vergeblich gefreut haben, mit “heisses Wochenende” ist kein Schweinskram gemeint, das bezieht sich einzig auf die Sauhitze die wir erleiden musste und die hatte es in sich :-)

Die Einen dürften den Bericht von Juliet hier bereits gelesen haben. Sie ist natürlich schneller als ich, weil ich nach der Rückreise und der anschliessenden Ackerei zu müde bin um zu schreiben. Aber lieber spät als nie, deshalb: here we go……..

Schon der Hinweg war ein wahrer Albtraum und zwar gleich in doppelter Hinsicht. Eine halbe Stunde in einem nicht-klimatisierten Zug reichte, um mir das Aussehen eines Delphins zu verpassen, patschnass und innerlich glühend kam ich am Flughafen an. Das ganze Checkin Prozedere lief wie geschmiert, ich hab da langsam echt Übung drin und stöckle vom Bahnhof bis ins Flugzeug wie Andere durch n’Aldi.

Massenvernichtungsmittel im Flugzeug
Aber als wir dann im Flugi sassen, kam die Mitteilung, wir müssten ne halbe Stunde warten bis wir Starterlaubnis hätten. Halb so wild, wäre es nicht sauheiss gewesen und was noch viel schlimmer war, irgendwo in meiner Nähe sass eine wirkliche Drecksau, der furzte im Minutentakt als ob er ein wandelndes Massenvernichtungsmittel wäre. Es roch nach Tod und Verdammnis, jede Minute. Ihr fragt Euch sicher, weshalb ich davon ausgehe, dass es n’Kerl war. Ganz einfach, Mädels sind rücksichtsvolle Wesen, die würden lieber Bauchkrämpfe kriegen als die Umgebung zu verpesten. Jungs sind da anders, die sind da in der Regel richtiggehend hemmungslos. Jedenfalls verbrachte ich eineinhalb Stunden in einer geruchstechnischen Hölle, die wirklich abartig war.

Deutsche Bahn kann echt überfordern
In Hannover stürmte ich dann in den Zug und suchte mir einen Platz, was bei der deutschen Bahn echt schwierig ist. Fast über allen Plätzen steht auf einer Digitalanzeige “Hannover-Bremen” oder sowas, womit angezeigt wird, dass der Platz reserviert ist. Als ob das nicht schon anstrengend genug wäre, stand dann teilweise auch “Bahn Comfort” drauf. Häääää? Wat’n das? Ich fragte dann mal n’herumsitzendes Mädel und die klärte mich auf, dass es irgend so ne Bahnkarte gibt (für VIP-Schnösel oder so) und diese Plätze sind für diese Leute reserviert. Na toll. Und bei den Plätzen die nicht reserviert sind, sitzt meist jemand und auf dem Platz neben ihm sitzt seine Tasche. Da sind Deutsche echt unanständiger als Schweizer, bei uns würden die Meisten die Tasche auf den Boden stellen, aber Germanen haben da eine andere Vorstellung von territorialem Besitzanspruch. Irgendwann fand ich dann doch noch einen Platz ohne Reservierung und kaum sass ich da, kam der Bahnmensch und informierte uns, dass in diesem Wagen die Klimaanlage am Arsch kaputt ist *urks*. Also ging die Sucherei wieder los, aber unterdessen waren alle eingestiegen und ich stöckelte durch die Abteile, bis ich einen freien Platz neben nem Mädel fand. Ich sitz immer neben Mädels wenn es geht, bei Jungs – wir kennen das vom Flugzeug – riskiert man unterwegs zugefurzt zu werden und davon hatte ich für heute definitiv genug.

Zwei süsse Blondinen
Unterwegs kühlte ich dann langsam ab, füllte seitenweise Sudokus aus und so kam ich einigermassen heil bei Schatzi an, die mich in einem wunderschönen Kleid am Bahnhof abholte. Wow muss das ein Anblick gewesen sein, wir zwei Blondinen und beide in so nem schönen Kleid :-) Zu diesem Kleid trug Juliet neue Ballerinas (des Teufels Schuhwerk) und – man glaubt es kaum – sie lief dann die Hälfte des Weges barfuss, weil ihre Ferse aufgesäbelt war. Ich sags ja, Ballerinas sind ganz böse Schuhe, wirklich wirklich böse. Die Gute hatte bereits Futter erbeutet (türkische Pizza mit allem drauf) und die hauten wir dann zuhause in uns rein. Der Abend war leider kurz, weil Juliet am nächsten Tag ackern musste, aber immerhin war ich endlich wieder da, an dem Ort, an dem das wahre Leben stattfindet.

Ein heisses Wochenende
Am Samstag musste Juliet in aller Herrgottsfrühe ackern gehn und ich konnte bis Elf ausschlafen. Die geplante Shoppingtour fiel dann im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser. Bis um zwei Uhr war ich bereits wieder nass wie n’Delphin und so shoppen zu gehen wäre echt kein Vergnügen mehr gewesen. Also kam sie nachhause, mit ihrer Mama und deren Freund Lars im Schlepptau. Wir tratschten ne Menge, während Lars im Schlafzimmer den Fussball-Match guckte und sich dabei die Seele aus dem Leib brüllte. Issja krass, was Jungs da so für Geräusche von sich geben können, wenn ein Ball in ein Netz fällt. Da versteht man die Römer, die volller Furcht berichteten, wie Germanen laut brüllend auf sie zurannten und sie niedermetzelten. Germanen sind ein Kriegervolk, ein ganz grausames, das merkt man heute noch, wenn sie Fussball kucken :o)

Die Zwei gingen dann am Abend an ein Familienfest, an dem wir ursprünglich auch teilnehmen wollten, aber weil wir aufgrund von Juliets Ackerei auch noch Zeit für uns wollten (Knuddelentzug und so), blieben wir zuhause. Aber aus der gewohnten Endlosknuddelei wurde nicht viel, es war sowas von heiss (über 35 Grad), dass wir nie lange aneinander kleben konnten, ohne Gefahr zu laufen, dabei zu schmelzen.

Am Sonntag blieben Juliets Mama und Lars noch n’bisschen bei uns und zogen dann Anfang Nachmittag los. Aber auch am Sonntag waren wir öfters hitzebedingt auf Distanz, jedenfalls mehr als wir es uns gewohnt sind. Die obligate suppenlose Suppe, die ich über alles liebe, gönnten wir uns erst am Abend, weil wir tagsüber einfach nix Warmes reinkriegten. Sogar der von uns so geliebte Whiskey-Baileys-Cappucino kam kaum zum Einsatz.

Der Montag war dann etwas menschenfreundlicher, wäre eigentlich ideal gewesen zum shoppen, aber weil wir sooooo wenig kuscheln konnten bis dahin, haben wir halt das gemacht und assen eimerweise Gurkensalat. Das ist mega lustig, eine grosse Schüssel, ein Suppenlöffel und ich stopf löffelweise Salat abwechslungsweise in Juliets und in meinen Mund. Schatzi füttern ist lustig, ist wie im Streichelzoo, wenn man den Ziegen Rübenstücke verfüttern kann :o)

Abschied tut weh, trotz allem Trost
Aber irgendwann wars halt doch wieder soweit und der Wecker (der Teufel soll ihn holen) lärmte nach drei Stunden Schlaf los und hetzte uns aus dem Paradies. Juliet musste zur Arbeit, ich an den Flughafen. Irgendwie ist das schon ein trauriger Moment und wir beide sind dann irgendwie neben den Schuhen. Wenn sich zwei Menschen so sehr lieben und es so schön zusammen haben, ist es im wahrsten Sinn des Wortes herzzerreissend, wenn man wieder von einander gehen muss und weiss, dass man sich jetzt wieder einen Monat lang nicht sieht.

Tröstend war einzig, dass unser nächstes Wochenende Ferien bedeutet, dann kommt Juliet zwei Wochen zu mir. Wir waren noch nie mehr als vier Tage zusammen, zwei Wochen dürften sich wie eine Ewigkeit anfühlen. Und ein zweiter kleiner Trost waren die Schuhe, die mir Juliet gekauft hatte. Eigentlich hat sie sich solche für sich selbst gekauft, fand die aber so schön, dass sie nochmal in den Laden stürmte und mir auch noch ein Paar ergatterte. Diese Schuhe hab ich heute an, zusammen mit meinem neusten Lieblingskleid, das rote Etuiding. Die Schuhe sind echt schön und bequem, einzig die vielen Katzenhaare passen nur bedingt da drauf. Schatziiiiiiii? Wenn Du mir mal wieder Schuhe kaufst, dann gib die bitte nicht mehr den Katzen zum spielen, geht ja gar nicht, sowas ;-)

Das kleine Durcheinander von Moses

Als konfessionslos Gläubige könnte mir eigentlich egal sein, was in “heiligen Schriften” steht und was Gläubige daraus ableiten.

Aber es gibt zwei Gründe, weshalb ich mich doch immer wieder mit so Fragen beschäftige. Der erste Grund ist der, dass ich die jesuanische Ethik für so vollkommen halte, dass ich glaube, dass die ganze Welt Frieden finden könnte, würde sie denn nach diesen wenigen klaren Regeln leben. Der zweite Grund ist der, dass ich immer wieder selbsternannte Heilige erlebe, die anstelle des jesuanischen Liebesgebot lieber ein Schwert aus der Bibel schmieden, um damit die Köpfe ihrer Nächsten vom Rumpf zu trennen. Solange die jesuanische Predigt derart pervertiert wird, dass diese Religion zur Ausgrenzung und Diskriminierung von Anderen dient, solange fühle ich mich zum Widerspruch genötigt, im Speziellen wenn es um das Thema Homosexualität oder Transsexualität geht.

Sie verbieten zu heiraten und Speisen zu geniessen,
die doch Gott geschaffen hat,
damit sie mit Danksagung gebraucht werden
von denen, die gläubig sind und die Wahrheit erkennen.
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut,
und nichts ist verwerflich,
wenn es mit Danksagung empfangen wird;
denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und Gebet.
(1.Tim 4,3-5)

Da ich mich jahrelang mit diesen Schriften sehr intensiv beschäftigte, staune ich immer wieder über die Dreistigkeit, mit der gewisse Fundamentalisten aus der Bibel einen Selbstbedienungsladen machen und alles aus dem Zusammenhang zerren um es bei nächster Gelegenheit jemandem um die Ohren zu hauen. Gerade die angebliche Sünde der Homosexualität ist ein Prachtbeispiel für selektive Wahrnehmung. Um das zu verstehen, müssen wir uns ein wenig mit Moses beschäftigen und der Frage nachgehen, was für ein seltsames Durcheinander der Gute vollbracht hat.

Zehn oder sechshundertdreizehn Gebote?

Gemäss den Schilderungen der Torah, die wir als das “Alte Testament” kennen, gab Gott Moses auf dem Berg Sinai Steintafeln mit zehn Geboten. Du sollst nicht töten, sollst nicht stehlen u.s.w. Aber irgendwie hielt sich Moses für klüger als Gott, ihm reichten diese klar definierten Gebote nicht. Es gibt ja auch Beschränkte unter uns, da kann man das nicht präzis genug formulieren. Also bastelte der übereifrige Moses und seine Nachfolger 613 Gebote, die für jeden Juden bindend waren. Und dabei zeigte er eine Detailverliebtheit und einen Surrealismus, der hier und heute, zweitausend Jahre später in einem völlig anderen Kulturkreis, doch sehr befremdend wirkt.

Und genau in diesen 613 Geboten und nur dort, findet sich eine Stelle, in der steht, dass es Gott ein Gräuel ist, wenn ein Mann neben einem Knaben liegt. Interessant dabei ist, dass es nicht um einen Mann geht der neben einem Mann liegt sondern neben einem Knaben. Ob damit Homosexualität gemeint ist oder Pädophilie, lässt sich aus dem hebräischen Text meines Erachtens nicht eindeutig herauslesen. Noch weniger lässt sich ablesen, ob das auch für Frauen gilt. Aber das spielt keine Rolle, wesentlich ist etwas ganz Anderes.

Biblische Gesetze: such Dir was aus

Und richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet;
verurteilt nicht, so werdet ihr nicht verurteilt;
sprecht los, so werdet ihr losgesprochen werden!
(Lukas 6,37)

Diejenigen, die homosexuellen Menschen so gern Bibelstellen um die Ohren hauen, ignorieren dabei störrisch, dass sie selber wohl keine 13 dieser 613 Gebote einhalten. Es ist beispielsweise verboten, Schweine, Meeresfrüchte, Geckos oder Fledermäuse zu essen, trotzdem tun sie es, naja vielleicht keine Fledermäuse, aber zumindest Schweine und Meeresfrüchte. Es braucht nur wenig Vernunft um sich die Frage zu stellen, gelten diese mosaischen Gebote für uns oder nicht? Auf jeden Fall spottet es jeder Vernunft, wenn man selber 600 Gebote missachtet, Andern aber eines als Sünde vorwirft.

Aus 10 mach 613, aus 613 mach 1

Für Bibelforscher und Historiker ist der Fall klar, diese mosaischen Gebote waren ein Gesetzeswerk für die Juden der damaligen Zeit, so wie wir hier auch eine Unzahl an Gesetzen und Geboten haben und auch Jesus war offensichtlich nicht der Ansicht, dass dieses mosaische Regelwerk das Gelbe vom Ei war, denn er machte genau das Gegenteil von dem, was Moses tat. Moses machte aus 10 Geboten 613 Gebote, Jesus machte aus diesen Zehn ein Einziges: Liebe Deinen Nächsten so wie Dich selbst.

Geht so mit den Menschen um,
wie ihr selbst behandelt werden möchtet.
Denn darin besteht das ganze Gesetz und die Propheten.
(Matthäus 7,12)

Denn Du kannst niemanden töten oder bestehlen, wenn Du ihn liebst. Wer sich vom jesuanischen Liebesgebot leiten lässt, das selbst Feindesliebe mit einschliesst, der kann die zehn Gebote nicht brechen, wohl aber Meeresfrüchte essen und am Samstag sein Auto waschen. Wer liebt, lebt gottgemäss, hätte Jesus wohl gesagt – egal welches Geschlecht er/sie liebt.

Gesetz oder Liebe? Wähle!

Denn das ganze Gesetz wird in einem Wort erfüllt, in dem:
Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!
(Gal 5,14)

Als der Apostel Paulus in Griechenland das “Heiden-Christentum” gründete und bei der Gelegenheit aus dem jüdischen Rabbi Jeshua den Gottessohn Jesus zimmerte, fanden hitzige Streitereien statt. Viele der jerusalemer Judenchristen vertraten den Standpunkt, dass ein Heide, der sich zu Jesus bekennt, nicht nur alle mosaischen Gesetze einhalten muss sondern sich auch beschneiden lassen muss. Nach langen Grabenkämpfen konnte sich Paulus durchsetzen und man einigte sich darauf, dass diese Gebote bis hin zur Beschneidung nur für Juden gelten. In unzähligen Textstellen setzt sich Paulus vehement dafür ein, dass man den griechischen Christen “das Joch des Gesetzes” nicht auferlegen dürfe, dass der Glaube allein entscheidend ist.

Intermezzo: An den Früchten wird man erkennen

Denn ich bin von Gottes Art und komme von ihm her.
Nicht im eigenen Auftrag bin ich hier,
sondern als Gottes Gesandter
(Johannes 8,42)

Ich persönlich glaube, dass auch Paulus irrte, denn wenn man die überlieferten Sprüche von Jesus genau studiert, wird klar, dass er nie den Glauben an sich selbst predigte sondern sich als Wegweiser zu Gott verstand und mehr als das stellte er mehrfach fest, dass man sich noch soviel bekennen kann, es sind die Taten und die Gedanken die dahinter liegen, die entscheidend sind. An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen! Wer also glaubt, er könne ein Bekenntnis ablegen und dann ein Leben lang auf seinen Nächsten herumhaken und beispielsweise Homosexuelle ausgrenzen, der wird wohl eines Tages dumm aus der Wäsche schauen, wenn ihm sein Bekenntnis vor die Füsse geworfen wird mit den Worten: “Wer bist Du, ich kenne Dich nicht” (Mt 25,31). Aber das nur als Zwischenbemerkung, gehen wir zurück zum Thema.

Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder angetan habt,
das habt ihr mir getan!
(Matthäus 25,40)

Bibel ernst genommen: Alles oder Nichts

In einem hatte Paulus sicherlich Recht. Wenn man sich unter das “Joch des Gesetzes” stellt, dann muss man jedes Gebot, immer und jederzeit einhalten. Wer also glaubt, er könne Schweinefleisch und Meeresfrüchte essen und dürfe am Samstag (Sabbath) einkaufen gehen, wer all das tut und gleichzeitig Homosexuelle verteufelt, ausgrenzt und diskriminiert, der treibt Schindluder mit der ihm angeblich heiligen Schrift.

Wer aber Jesus nachfolgt, nicht ihn anbetet sondern ihm wahrhaft nachfolgt, wer seinen Nächsten bis hin zu seinen Feinden liebt, wer nicht über Andere richtet und Anderen vergibt, der kann nicht plötzlich kleingeistig eines dieser 613 mosaischen Gebote herauspicken und damit Anderen das Fegefeuer androhen.

Ich rede aber nicht von deinem eigenen Gewissen,
sondern von dem des anderen;
denn warum sollte meine Freiheit
von dem Gewissen eines anderen gerichtet werden?
Und wenn ich es dankbar geniesse,
warum sollte ich gelästert werden
über dem, wofür ich danke?
(1.Kor 10,29-30)

Wer das tut, macht sich zum Pharisäer, der ein einst postuliertes Reinheitsgebot über die Nächstenliebe stellt. Gott ist Liebe, verkündet der Apostel Johannes kurz und bündig. Wann auch immer zwei Menschen sich lieben und ein Dritter kommt hinzu und verdammt sie um ihrer Liebe willen, immer dann wird ein weiterer Nagel in den Körper von Jesus getrieben, immer dann wird die Liebe Gottes verspottet………… immer dann, legt er Zeugnis ab, dass er nicht im Geringsten verstanden hat, was Jesus predigte und wofür er gestorben ist.

Du hast Glauben?
Habe ihn für dich selbst vor Gott!
(Röm 14,22)

Der sinnlose Kampf für eine bessere Welt

Mein ganzes Leben lang war ich getrieben, kämpfte jahrzehntelang einen Krieg der scheinbar nicht gewonnen werden kann. Vom klein an glaubte ich, dass man diese Welt verbessern kann, Jahrzehnte habe ich damit verbracht, genau das zu tun. Und je länger desto mehr fühle ich mich als würde ich versuchen, Schildkröten das Seiltanzen beizubringen. Nachwievor finde ich mich in einer Welt, die in ihrer Grausamkeit und Idiotie selbst die Hölle zu einem Kaffeekränzchen macht und ich beginne aufzugeben, weil ich an diese einst erträumte bessere Welt nicht mehr zu glauben vermag. Die Frage drängt sich auf, ob ich diesen Irrsinn beenden soll und anstelle dessen wie die Meisten einfach mein Leben führe, die Welt um mich herum verrecken lasse und einfach mein kleines bisschen Egoismus lebe.

In den letzten zwanzig Jahren habe ich kaum etwas ausgelassen, um meinen Irrglauben an eine besser Welt aufrecht erhalten zu können. Ich schrieb mindestens eine Hundertschaft an Leserbriefen, engagierte mich in Abstimmungen, schrieb geschätzte zwei bis drei tausend Forumbeiträge, kettete mich an Eisenbahngeleise und liess mich dafür vor Gericht zerren. In dieser Zeit entstanden eine Unzahl an Internetseiten, in denen ich versuchte aufzuklären, über Umweltzerstörung, über die politische Vergiftung dieses Landes und vieles mehr.

Das Einzige was ich dabei sichtbar erreichte, waren Morddrohungen von SVP-Sympathisanten, die nicht einsehen konnten, dass jemand in einer Leserbriefspalte seine Meinung kundtut, ich wurde vor Gericht verurteilt, weil ich versuchte zu verhindern, dass illegale Gentech-Soja ins Land gebracht wurde oder Atommüll widerrechtlich ins Ausland verschoben wurde. Und nun, als Höhepunkt dieses Irrsinns, wird eine alte Website von mir systematisch angegriffen und ich habe damit mal schnell rund tausend Dollar verloren und wenn ich nichts unternehme, werde ich von nun an scheinbar jeden Monat tausend Dollar ausgeben müssen, damit ich das Recht auf freie Meinungsäusserung weiterhin wahrnehmen darf. In was für einer Scheisswelt leben wir eigentlich?

Etwa zwei Jahre lang habe ich ein öko-politisches Blog geführt, in dem ich zugegebenermassen mit harten Bandagen kräftig Ohrfeigen verteilt, vorallem an Umweltverschmutzer, deren Lobbyorganisationen und an politische Brandstifter vom Schlage einer SVP. Genau diese Website wird scheinbar seit über einem Monat attackiert. Rund zwei Millionen Seitenzugriffe erfolgten seit Anfang letzten Monats, was 4000 Gigabyte Datenverkehr verursachte, was mich so an die 1500 Dollar kostet. Die Angriffe dauern bis heute an. In Anbetracht der Themen auf diesem Blog muss ich davon ausgehen, dass Leute der politischen Rechten mich ins Visier genommen haben und ob ich will oder nicht, ich kann mir das einfach nicht leisten, monatlich tausend Franken zu verlieren, weil irgendwelche rechten Spinner vor nichts zurück schrecken.

Allein in meinem öko-politischen Blog haben 200’000 Menschen über 300’000 Seiten angeschaut und aufgrund der Verweildauer und der teils umfangreichen Kommentiererei kann ich annehmen, dass da so Manches aufgenommen wurde. Aber was habe ich damit bewirkt?

Der Klimawandel geht weiter, wie ich schon vor Jahren durch umfangreiche Recherchen nachweisen konnte, es interessiert einfach keine Sau. Nachwievor vergiften politische Rechte in aller Welt das Volk und das wiederum lässt sich liebend gern vergiften, man mag es ja, wenn einem irgendwelche schwarz-weissen Feindbilder auf den Tisch gelegt werden. Täglich werden unzählige Kinder sexuell missbraucht und unzählige Frauen werden Opfer von Gewalt. Krieg ist nachwievor die einzige Argumentationsweise, die all die von Männern dominierten Gesellschaften verstehen. TAGTÄGLICH VERHUNGERN 10’000 KINDER UND 25’000 ERWACHSENE, in einer Welt die in Überfluss ersäuft, während wir uns hier über Kopftücher, Billigsprit und Sushi-Saucen Gedanken machen. Amerika foltert weiter in Guantamo Menschen, während Israel mit militärischen Mitteln Hilfslieferungen (Nahrungsmittel und Medikamente) blockieren. Was für ein Irrsinn hat die menschliche Spezies erfasst, dass wir derart entartet sind? Und wie blöd muss ich sein um mir einzureden, dass irgend eine Macht daran etwas ändern könnte? Und wie komme ich auf die Idee, dass ich das verändern kann, was nicht mal Nobelpreisträger verändern können?

Wie oft will ich mich noch über grenz-debile Zeitungskommentare und diesen ganzen politischen Irrsinn ärgern? Wielange will ich noch die einsame Ruferin in der Wüste spielen, wo ich doch offenbar von Taubstummen umgeben bin?

Das Verrückte ist: Ich weiss, dass wir unseren Strom problemlos aus Alternativenergien fördern können und auf all diese dreckigen Risikotechnologien verzichten könnten. Ich weiss, dass wir gar keine Nahrungsmittelknappheit haben sondern nur alles Essen ungerecht verteilt ist. Ich weiss, dass man(n) Konflikte auch ohne Waffen lösen könnte. Ich weiss, dass die Politik sich ändern würde, wenn wir anstelle von lobbyierenden Wirtschaftsvertreter endlich Volksvertreter in die Parlamente wählen würden. Ich weiss, dass die postulierten Menschenrechte reichen würden, damit alle Menschen ein menschenwürdiges Leben führen können. Und ich weiss es nicht nur, ich schreie es laut in die Welt hinaus, seit zwei Jahrzehnten. Und wozu?

Wenn ich alle Internetseiten addiere, dürfte etwa eine halbe Million Menschen schon von mir gelesen haben. Vermutlich ist es nochmal eine halbe Million, die Forenbeiträge von mir las. Und es sind mehr als eine Million Menschen, die schon in Zeitungen Leserbriefe von mir gelesen haben. Bewirkt habe ich damit nichts. Ich reihe mich nur ein in die lange Liste derer, die der Illusion folgten, die Menschheit könnte sich verbessern.

Bis jetzt war nur die Frage, wie lange ich diesen ganzen Scheiss noch ertragen kann. Vielleicht war auch die Frage, wie lange es geht, bis ich eines Tages aus dem Haus geh und den Schädel eingeschlagen bekomme. Nun hat sich diese Frage erweitert um die Frage, wie lange ich noch rechtsmilitante Hackerangriffe finanzieren kann – ein paar Monate, dann bin ich bankrott.

Ich werde mir nun gründlich überlegen müssen, wie es mit meiner Weltverbesserei weiter gehen soll. Vermutlich werde ich all diese Webseiten löschen, weil ich solche Angriffe nur so verhindern kann und weil ich nicht mehr daran glaube, dass der Mensch noch dazulernt, bevor wir uns selbst und alles was uns umgibt in Schutt und Asche legen. Damit zerstöre ich sozusagen mein gesammtes Lebenswerk. Alles woran ich geglaubt habe, alles wofür ich kämpfte, wird mit wenigen Delete-Tasten verschwinden. Und die Frage, wozu ich überhaupt hier war und all das ertragen habe, wird zur kafkaesken Groteske.

Auch in diesem Blog ging es vorallem darum, aufzuklären und so für transsexuelle oder sonstwie andersartige Menschen ein klein wenig Verständnis und Menschenwürde zu erkämpfen. Ob ich das noch weiter führe, kann ich momentan nicht wirklich beurteilen. Ein klein wenig Glauben an die Menschheit würde es brauchen, um mir weiterhin die Energie zu geben, das Unmögliche anzustreben, aber dieses Wenige fehlt mir langsam aber sicher.

Vielleicht wäre es an der Zeit, die Welt aufzugeben, so wie es Gott scheinbar schon vor langer Zeit getan hat. Vielleicht sollte ich einfach mein kleines, unbedeutendes Leben leben und Andern gleich, warten auf die Sintflut, die wir uns selbst bereiten.

PS: wie bestellt zu diesem Beitrag erscheint mal wieder ein Blick-Artikel, dessen Titel all das was ich hier geschrieben habe schon fast theatralisch unterstreicht:
Richter begnadigt Transe – zu gefährlich
Mir ist übel, ich geh ins Bett!

Weiter mit Vernunft

Ein Krieger des Lichts braucht nichts mehr zu fürchten,
hat er seine Pflicht erfüllt
und aus einer Absicht eine Bewegung werden lassen:
Er hat getan, was zu tun war.
Er hat sich nicht von der Angst lähmen lassen –
selbst wenn der Pfeil das Ziel nicht getroffen hat,
wird ihm eine neue Gelegenheit gegeben werden,
denn er ist nicht feige gewesen.

Paulo Coelho
Sei wie ein Fluß, der still die Nacht durchströmt, Nr. 6

Mein mich so prägendes Bedürfnis, aus dieser Welt eine Bessere zu machen, scheint mir mehr Berufung als Leidenschaft zu sein. Auf jeden Fall gehört es zu mir, ist mir irgendwie angeboren. So stellt sich die erst grad gestellte Frage eigentlich nicht. Ich muss weiter kämpfen, fragt sich nur wofür, wogegen und vorallem wozu.

Die letzten Wochen haben mich ziemlich aufgerieben. Ich erzählte hier von diesen zwei Welten, von der kleinen Welt die mein persönliches Umfeld ist und von der grossen Welt, in der meine kleine heile Welt liegt.

Seit mein Leben sich einpegelte und ich wieder Kapazität bekam, um auch in die grosse Welt zu schauen, bin ich mit Hässlichkeiten konfrontiert, die einfach unter die Haut gehen. Es gibt “da draussen” soviel, das man ändern müsste und da habe ich einfach dieses nötigende Bedürfnis, mich dagegen aufzulehnen, oder aufzuklären.

Aber dabei reibt man sich irgendwann völlig auf. Jahrelang habe ich das getan, bis an die Grenzen des Erträglichen. Seit ich begann, als das weibliche Ich zu leben, das ich solange verborgen hatte, habe ich mit mir selbst soviel zu tun, dass ich mich nur noch auf mich selbst konzentrierte. Aber nun merke ich, dass es sozusagen wieder losgeht.

Ich glaube, jeder Mensch hat eine Berufung, man könnte es auch Lebenssinn nennen. Ich scheine eine Art Missionarin mit Pfeilbogen zu sein ;-) Das werde ich nicht los, das ist nunmal sozusagen mein Job hier auf Erden.

Doch nach den Hackerattacken war ich so tief erschüttert, weil ich plötzlich vor der Frage stand, ob ich sozusagen mein Lebenwerk einstampfen muss, dass ich irgendfwie “des Kämpfens müde” wurde.

Diese Geschichte hat sich vorerst beruhigt. Die Attacken konnten beendet werden – vorerst – und ich konnte die Hostingfirma dazu bewegen, dass sie mein Minuskonto wieder zurückstellen, ich also diese über tausend Dollar nicht zahlen muss. Ich werde von nun an täglich die Statistiken kontrollieren und die Webseiten laufen lassen. Falls es irgendwann wieder zu Angriffen kommt, werde ich die Seiten schliessen. Soviel zu meinem Werken in der Vergangenheit.

Da sich die Frage ja offenbar nicht stellt, ob ich meiner Berufung folge und weiter versuche, die Welt zu einer Besseren zu machen, muss ich mich fragen, welche “Schlachtfelder” ich wählen soll. Und dabei muss ich mich der Krieger-Philosophie bedienen – einmal mehr :-)

Irgendwo habe ich mal eine Philosophie gelesen, ich glaub fast bei Paulo Coelho, ich bin nicht mehr sicher. Jedenfalls lautete der in etwa:

Der Krieger weiss, wenn er gewinnen kann und kämpft.
Er weiss auch wenn er nicht gewinnen kann und meidet den Kampf, um an günstigerer Stelle oder Zeitpunkt zu kämpfen.

Ich kann nicht überall sein und mich überall einsetzen, also muss ich Prioritäten setzen, sprich Themenfelder wählen. Ich kann mich nicht mit politischen, ökologischen und was weiss ich beschäftigen.

Deshalb habe ich mir nun vorgenommen, mich von jetzt an nur noch auf das Thema konzentrieren, das mein Leben am meisten prägt und das ist die Transsexualität. Ich versuche mich fortan bewusst zu hüten, mich mit der grossen Flut hirnloser Kommentarschreiber herumzuschlagen oder mich in jeden Irrsinn einzumischen, der mir begegnet.

Somit geht es hier weiter, hier bin ich schliesslich Expertin ;-) und ich muss lernen, wieder öfters die grosse Welt zu vergessen während ich in meiner kleinen Welt bin, damit ich diese geniessen kann und Kraft tanken kann………. um dann auch gestärkt zwischendurch mal rauszugehen und ein paar Köpfe abzuschlagen ;-)

Weil er an Wunder glaubt, geschehen auch Wunder.
Weil er sich sicher ist,
daß seine Gedanken sein Leben verändern können,
verändert sich sein Leben.
Weil er sicher ist, daß er der Liebe begegnen wird,
begegnet ihm diese Liebe auch.

(Paulo Coelho, Handbuch des Kriegers des Lichts)

PS: ich find übrigens, dass mir das Kriegerinnen Outfit und der Pfeilbogen auf dem Bild da oben gut steht :o)

Im gestreckten Galopp von Glück zu Glück

Uiuiuiui jetzt geht aber die Post ab in nächster Zeit, ein Glücksmoment jagt den Anderen und einer ist grossartiger als der Andere. Von nun an werde ich ungefähr im Zweiwochentakt beglückt und es sind jedes Mal Dinge, nach denen ich mich schon lange gesehnt habe – oder eher, die für mich essentiell sind.

Infogespräch mit der (Re)Konstruktionsmedizin
In weniger als zwei Wochen (am übernächsten Freitag) habe ich mein Informationsgespräch mit dem Mechaniker äh Chirurgen, der meine Erstinstandstellung (GaOp) als Garantieleistung durchführen wird. Dann werde ich nicht nur erfahren, was er da genau wie repariert an mir sondern auch, wann er das tun wird. Dass ich jetzt schon ganz aufgeregt bin, kann man sich vorstellen.

kichern, kuscheln, knutschen
Dann geht’s wieder etwas weniger als zwei Wochen bis Juliet zu mir in die Ferien kommt, zwei unglaubliche Wochen stehen bevor, in Küsse umgerechnet würde das jeden Computer überfordern :-) Wenn man sich nur einmal im Monat sieht und dann auch nur drei Tage, dann sind zwei Wochen ungefähr eine Ewigkeit und ein paar Tage dazu.

GaOp – endlich mal Ordnung schaffen hier
Und nun kommt die Überraschung des Tages. Mein Boss hat mir heute die Wahl überlassen, ob ich die Op doch im September mache. Ich bin zeitlich recht gut dran (hab halt geackert wie n’Muli) und deshalb spielts keine Rolle, ob ich im September oder Oktober weg bin. Offiziell bin ich in der Chirurgie auf September angemeldet. Falls die dann wirklich Zeit haben, könnte es also dann schon klappen. Das wiederum werde ich dann beim ersten hier beschriebenen Glücksmoment aushandeln müssen. Es ist also gut denkbar, dass ich ungefähr zwei Wochen nach unseren Sommerferien nochmal a bissrl rumliegen kann. Ok ganz so gemütlich wie mit Juliet wirds garantiert nicht, aber ich freu mich aus verständlichen Gründen nicht weniger drauf. Denn dann ist sie endlich und unwiderruflich beendet, diese unerträgliche und doch so lange ertragene Diskrepanz zwischen Innen und Aussen, zwischen Schein und Wahrheit, die man zukünftig nach DSM-5 Geschlechts-Inkongruenz nennt……… dann bin ich kongruent :-)

Belämmertes, nerviges Mädchen
Dort werde ich dann etwa zwei Wochen rumliegen in unglaublich hässlichen Klamotten, die glaub sogar gegen die Genfer Konventionen verstossen. So wie ich das verstanden habe, werde ich dann erst ein paar Tage mit coolen Drogen zugedröhnt und werd den ganzen Tag nur “Määädchen, Määäädchen” vor mich hinbrabbeln. Dann folgen Tage an denen ich auch ohne Drogen verzückt in die Welt rausschau und singe “Määäädchen, Määäädchen”. Und dann folgen noch ein paar Tage, in denen ich dem Personal tierisch auf den Kecks geh, weil ich völlig aufgedreht bin und endlich korrekt bekörpert das Spital verlassen will.

Home – sweet home
Ergo, zwei Wochen nach der Op (falls alles gut geht) geh ich nachhause und lieg wieder rum. Ich hoffe, dass ich dann schon von zuhause aus ein wenig arbeiten kann, damit ich die wichtigsten Dinge im Geschäft lösen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass das klappt, ob meine Hoffnung berechtigt ist, erfahre ich beim Infogespräch. Oder hat jemand der LeserInnen eigene Erfahrungen, die sie teilen möchte?

Zurück in die Welt
Und wenn meine Hoffnungen weiter erfüllt sind, kann ich etwa zwei Wochen später wieder ackern gehen. Ich arbeite nur 5 Minuten von zuhause und sitz eh nur rum und tu nix äh programmiere Computer. Ok das Sitzen ist zugegebenermassen grad der Schwachpunkt nach der GaOp, aber ich bin ja n’zähes Mädel, Wikingerinnen spüren keinen Schmerz, naja, oder so.

Ich bin, was ich bin ….. in meinem Ausweis steht
Und dann folgt das Finale. Ob das zwei Wochen später schon soweit ist, darf bezweifelt werden, sollte aber nicht unmöglich sein. Ich habe von Jemandem gehört, der sie das in einem Monat durchbrachte. Wenn ich das allenfalls vorbereiten kann oder gleich nach der Op machen (lassen) kann, dann könnte das sogar hinkommen mit dem Zweiwochentakt. Jedenfalls wird es nicht sehr lange gehen und dann wird ein Buch geschlossen und ein neues Buch beginnt. Es wird der Tag sein, an dem ich meine neue Identitätskarte in den Händen halte. Von dem Tag an wird Diana offiziell existieren, an dem Tag werde ich zur Tauf-Feier einladen :-)

Schluss mit der Zweiwochen-Glücksserie
Dann ist Schluss mit diesem Zweiwochen-Marathon, dann sind diese scheinbar plötzlich in meinem Leben stehenden Glücksmomente vorbei. Seltsamerweise habe ich nicht im Geringsten den Eindruck, dass da was fehlt. Es braucht keine solchen Momente mehr. Natürlich werde ich weiterhin Wünsche haben und hoffen, dass sie sich erfüllen. Aber es gibt nichts mehr, das sein muss. Und vorallem nichts mehr, was ich sein muss. Ich kann einfach nur noch sein.

Wie immer, das Wichtigste zum Schluss
Naja, ok, ich gebs zu, ich hab ein wenig geflunkert. Einen Glückstag brauche ich noch. Vorerst brauchts noch Geduld, aber ich bin davon überzeugt, dass auch dieser letzte Wunsch in Errfüllung geht. Das wird der Tag sein, an dem ich bei Juliet einziehe. Dann ist alles gut :-)

Rundschau: Transsexuelle, Krankenkasse, Behörden und ein ulkiger Polit-Clown

Die gestrige Rundschau Sendung auf SF1 war einmal mehr eine verpasste Chance, einmal mehr haben alle Beteiligten trotz guter Absichten versagt. Der Titel “Transsexuelle: Ihr Hürdenlauf gegen Krankenkassen und Behörden” klang vielversprechend und die Ankündigung der Sendung liess hoffen, dass wirklich mal darüber geredet wird, dass transsexuelle Menschen Diskriminierungen ausgesetzt sind, bis hin zur systematischen Zwangssterilisierung. Aber allem Optimismus zum Trotz kams einmal mehr zum Desaster.

Keine Krankenkassendeckung für Geschlechtsumwandlungen, fordert die SVP. Keine Zivilstandsänderung ohne den Nachweis der vollständigen Fortpflanzungsunfähigkeit, sagt das Zivilstandsamt. Transsexuelle kämpfen in der Schweiz um soziale und behördliche Anerkennung. Die Rundschau besucht zwei Frauen und einen Mann, die ihr Geschlecht gewechselt haben. Sie erzählen vom neuen Leben und dem Kampf um ihre neue Identität.
(SF1 Ankündigung zur Rundschau Sendung)

Falsche Terminologien bedeuten Desinformation
Die Rundschau ist an sich bekannt für relativ fundierte Berichte, trotzdem wurden so ziemlich alle Terminologien verwendet, die der Realität spotten. Es wurde über eine transsexuelle Frau gesagt: “er wollte schon immer eine Frau sein”. Dabei stützen sich die Moderatoren auf “offizielle Denkweisen”, die von einem “echten Geschlecht” und einem “Wunschgeschlecht” ausgehen. Das steht zwar in den überholten Diagnosebibeln so drin, widerspricht aber radikal den Erkenntnissen der letzten zehn Jahre. Eine transsexuelle Frau ist kein Mann, der so verblödet ist, dass er lieber eine Frau wäre. Eine transsexuelle Frau ist ein weibliches Wesen, das eine weibliche Hirnanatomie hat, das weiblich denkt und fühlt, aber in einem Körper leben muss, der sich aus unerfindlichen Gründen ins falsche Geschlecht entwickelt hat. Das sind wissenschaftliche Fakten, der Rest ist Mythos, eine Art Mythos, die uns Betroffenen im wahrsten Sinn des Wortes das Genick brechen kann.

Man kann auch informieren ohne zu Wissen
Bereits in der Einführung plapperte Urs Leuthard über eine transsexuelle Frau konsequent in der männlichen Form und demonstrierte damit, dass er sich mit dem Thema nicht im Geringsten auseinander gesetzt hat. Nicht besser war die Redaktorin Vanessa Nikisch, die den Rest der Sendung als unsichtbare Stimme im Hintergrund moderierte, die mit Aussagen im Stil von “beide waren früher mal Männer” jegliches Verständnis für Transsexualität missen lässt.

Ungeachtet dessen, der Unterton der Rundschau Moderation zeigte für mich klar, dass die Macher keineswegs auf einen Verriss von transsexuellen Menschen aus waren, ganz im Gegenteil. Man spürte, dass sie unsere Anliegen ein Stück weit vertreten, man spürte das Unverständnis, dass transsexuelle Menschen die einzige Menschenart ist, von der man eine Sterilisierung verlangt – es scheint mir, als ob diese Leute den Schatten der Eugenik spürten. Aber sie haben es sich zu leicht gemacht und suhlten sich in Oberflächlichkeit und Unwissen.

Da muss man der Redaktion einen Vorwurf machen. Wer wie die Rundschau den Anspruch erhebt, seriös zu informieren, muss auch informiert sein und zwar so, dass sein Wissen über das eines Wikipedia Eintrags geht. Da hilft aller guter Wille nicht. Wenn man transsexuelle Frauen als Männer darstellt, die halt lieber Frauen sind, dann hat man seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Sich selbst repräsentieren will gelernt sein
Mehr als der Redaktion mache ich aber denen einen Vorwurf, die sich für diese Sendung zur Verfügung gestellt haben. Auch sie taten das mit guter Absicht, aber mit einer Naivität und Sorglosigkeit, die mich schon so oft verblüfft hat.

Wer sich für so eine Sendung zur Verfügung stellt, müsste wissen, dass 99% der Menschen und somit auch die Reporter, keine Ahnung haben, was Transsexualität nach aktuellem Stand des Wissens ist. Es wäre enorm wichtig, dass man einerseits bereits im Vorfeld diese Leute informiert, so dass eine vernünftige Moderation möglich ist. Es wäre aber genauso wichtig, dass man seine eigenen Hauptargumente vorbereitet und diese bei der ersten Gelegenheit darlegt.

Wenn also – wie bei einer anderen Sendung mal geschehen – ein Moderator eine transsexuelle Frau sinngemäss fragt, ob sie schon immer eine Frau sein wollte, dann wäre es ein absolutes Muss, dass sie widerspricht und erklärt, dass sie nie eine Frau sein wollte sondern immer eine war, dass sie nur nicht mehr weiter ertragen konnte, trotz weiblicher Wesensart mit männlichen Genitalien herumzulaufen und eine gesellschaftliche Geschlechterrolle spielen muss, die ihrem Wesen radikal widerspricht. Wer auf so eine Frage einfach “ja” sagt, hat sich selbst versenkt.

Interessenvertretung und Verantwortung
Am meisten Ratlosigkeit löste in mir jedoch die Tatsache aus, dass “Transpersona” als Transgender-Interessenvertretung beteiligt war und es offenbar versäumt hat, die Rundschau Reporter im Vorfeld zu coachen. Die Rundschau ist nicht der Blick, die wollen nicht um jeden Preis einen Verriss bringen, die wollen vorallem Informationen bieten. Hätte man bei der Anfrage, ob man zu Filmaufnahmen bereit sei, sinngemäss gesagt: “Cool, machen wir eine informative Reportage, aber damit Ihr informieren könnt, müsst Ihr erst selber informiert sein, wir erklären Euch gerne mal was mit uns los ist”, wäre aus dieser Sendung vielleicht wirklich was Gutes geworden. Würde man einer Rundschau-Redaktion die wichtigsten Fakten auf den Tisch legen, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass eine transsexuelle Frau eine anatomisch weibliche Hirnstruktur hat, dass niemand “dem anderen Geschlecht” angehören will, dass wir eigentlich ganz normale Frauen sind, die halt leider einen dem anderen Geschlecht entsprechenden Restkörper haben, würde man diese paar Fakten erklären, wäre die Moderation ganz anders gelaufen. Und gerade von einer Organisation, die unsere Interessen wahren will, erwarte ich das.

Öffentlichkeitsarbeit erfordert Strategie
Ich bin auch keine PR-Expertin, habe aber genug im Bereich Öffentlichkeitsarbeit getan um zu wissen, dass Journalisten nur gute Arbeit leisten können, wenn sie gute Informationen haben. Nur wir können das Fundament legen, auf dem sie gute Arbeit machen können. Solange man den Journalisten nicht klar macht, dass Transsexualität keine Frage des Wunschgeschlechts ist sondern eine Tragödie, in der ein Mensch im “falschen Körper” dahinvegetiert, dann muss man schon gar nicht mit Interviews anfangen, dann ist alles vergebliche Müh.

Das einzige, was Zuschauer heute gelernt haben, ist die Tatsache, dass Zwangssterilisierungen nach dem zweiten Weltkrieg doch nicht endeten. Über das Phänomen Transsexualität haben sie nichts dazu gelernt und wer wir sind und was wir fühlen, wurde ihnen nicht näher gebracht.

Allem Gemotze zum Trotz, es gab auch gute Wortmeldungen, eine ist mir speziell geblieben: “Früher hatte ich Job, Geld, alles….. heute habe ich mein Leben, das hatte ich früher nicht“.

Peter Föhn – ein ethisch-religiöser Polit-Komiker
Aber immerhin konnte die Rundschau diesen ganzen Leerlauf ein wenig auflockern mit dem real-satirischen Interview mit SVP-Kreuzritter Peter Föhn, der letzten Sommer eine parlamentarische Motion einreichte, mittels der “Geschlechtsumwandlungen” aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen werden sollten. Schon die Motion selbst demaskiert ihn als einen Narren, denn wie in aller Welt kommt ein Politiker auf die abstruse Idee, es sei Sache eines Parlaments anstelle medizinischer Fachstellen, darüber zu urteilen, welche “Krankheit” behandlungsbedürftig sei. Wirklich ulkig war aber das Interview, in dem gut rauszuspüren war, dass Peter Föhn keine Ahnung hat worum es geht und was er mit dieser Motion eigentlich will. Man könnte viel darüber schreiben um diesem Dämagogen zu entlarven, aber kein Argument wäre besser, als seine eigene Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet transsexuelle Menschen keine medizinische Betreuung mehr haben dürfen:

Die Geschlechts…….äh…. Umwandlungen streiche ich vorallem auch….. dann…….. nach ähmä???…… pffff, ja vielleicht….. ein ethischer Hintergrund….. ein…… religiöser Hintergrund für mich haben…… bei dem ich sage: ist das wirklich notwendig……. und ich stelle als Politiker jetzt einfach diese Frage laut in den Raum.
(Nationalrat Peter Föhn)

Aha……. ähhhhh…….. naja, was auch immer Nationalrat Föhn uns da sagen will, werden wir wohl nie verstehen – macht nix, er auch nicht.

Trotzdem lohnt sich eine kleine philosophische Nachfrage. Wenn die medizinische Behandlung und faktische Heilung transsexueller Menschen aus religiösen Gründen abgelehnt werden muss, ist dann eine Chemotherapie bei Krebs nicht auch wider Gottes Willen? Was für eine Art von Zynismus will uns dieser Polemiker da lernen? Und wenn er dann auch noch ethische Gründe geltend macht, kann man nur noch ratlos zuhören. Denn die medizinische Behandlung von transsexuellen Menschen ist eine Forderung internationaler Menschenrechte, sie entspricht internationalen medizinischen Empfehlungen. Wenn unterlassene Hilfeleistung und Missachtung von Menschenrechten für die SVP ethisch sind, sollte uns das wirklich langsam Sorgen bereiten.

Das und vieles mehr hätte thematisiert werden können und sollen – alle Beteiligten haben die Chance verpasst – einmal mehr!

PS: die Reportage kann hier angeschaut werden. Für Liebhaber grotesker Comedy empfehle ich gleich auf 6:00 Minuten zu beginnen, die heisse Luft, die Nationalrat Peter Föhn hier in wenigen Sekunden ausstösst, reichen für den Lacher des Monats :-)

Das Fundament der Menschenwürde

Um die Menschenwürde zu schützen, wurden eine Vielzahl von Menschenrechten postuliert. Niemand darf gefoltert oder diskriminiert werden und vieles mehr, wurde in Menschenrechtskonventionen festgelegt und die meisten Staaten haben diese Grundrechte jedes Menschen angenommen. Unter diesen vielen Menschenrechten gibt es eines, das für mich das Herz der Menschenrechte ist und damit das Fundament der Menschenwürde. Es ist das Recht auf Selbstbestimmung. Es ist ein bisschen wie die jesuanische Nächstenliebe, ein Gesetz das alle Anderen mit einschliesst.

Das Recht auf Selbstbestimmung garantiert mir, dass ich in allen Fragen die mich betreffen, stehts vollunfänglich entscheiden kann. Das schliesst jede Freiheitsberaubung geschweige denn Folter mit ein. Das Recht auf Selbstbestimmung spricht mir zu, dass ich lieben kann wen ich liebe, egal welchen Geschlechts. Dass ich allein zu beurteilen habe, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Dass ich entscheide wie ich aussehe, wie ich mich verhalte, solange ich niemanden damit beeinträchtige. Und es verlangt, dass Andere meine Selbstbestimmung respektieren müssen, egal ob es ihnen “in den Kram passt”.

Wir leben hier in einer einigermassen aufgeklärten und freiheitlichen Gesellschaft, Meinungsfreiheit und vieles mehr sind für uns eine Selbstverständlichkeit. Deshalb ist Vielen auch nicht bewusst, wie sehr sie vom Recht auf Selbstbestimmung abhängig sind. Es gibt kaum etwas, was wir nicht sein oder tun dürfen. Hinzu kommt, dass die Meisten so sehr im Rahmen des Systems dieser Gesellschaft funktionieren, dass sie zwischen Selbstbestimmung und Alltag gar keine Diskrepanz spüren.

Für alle, die in irgend eine Form “andersartig” sind, ist das keine Selbstverständlichkeit. Eine abweichende sexuelle Orientierung oder noch mehr eine nicht der Norm entsprechenden Geschlechtsidentität zu haben, führt nachwievor zu Diskriminierungen bis hin zu Gewalttaten, weil es heute noch genug Menschen gibt, die zwar unbewusst Menschenrechte beanspruchen, sie aber selbst nicht gewähren. Es gibt nachwievor genug transsexuelle Menschen, die beispielsweise unter Kündigungsandrohung im falschen Geschlecht zur Arbeit müssen. Das Recht auf Selbstbestimmung, das uns via Menschenrechte garantiert ist, wird hier mit Füssen getreten.

Aber wie schon bei anderer Gelegenheit geschrieben, Menschenwürde ist wie Schwangerschaft, da gibts keine Zwischenstufen, man ist schwanger oder ist es nicht, man hat Menschenwürde oder nicht.

Ich besitze das schriftlich verbürgte Recht, über mich selbst zu bestimmen, zu sein wer, was und wie ich will, solange ich die Selbstbestimmung Anderer nicht einschränke. Solange ich bei einer Jobsuche oder Wohnungssuche aufgrund meiner Selbstbestimmung diskriminiert werde, solange ich in der Öffentlichkeit mit Beleidigungen oder Übergriffen rechnen muss, solange auch nur ein einziger Mensch sich über mich lustig macht, solange ist mir das Recht auf Selbstbestimmung zwar zugesprochen, aber nicht gewährt.

Vielleicht geht’s uns hierzulande einfach zu gut. Der Schutz der Menschenwürde ist hier so sehr Alltag, dass wir uns gar nicht mehr bewusst sind, wieviel Freiheit wir da eigentlich geniessen dürfen. Es gibt Länder, wo jedes falsche Wort zu Gefängnis oder Folter führen kann, in denen nicht mal die körperliche Integrität respektiert wird. Für uns ist das alles selbstverständlich. Das scheint uns blind zu machen für die Aspekte des Lebens, in denen wir Anderen die Menschenrechte verweigern, die wir selbst beanspruchen.

Ich möchte meine LeserInnen mal dazu anhalten, darüber nachzudenken, wieviel sie tun, das sie nur dank dem Schutz der Menschenrechte tun dürfen, das Anderswo fatale Konsequenzen hätte, wie beispielsweise die Meinungsäusserung. Und dann, wenn Ihr seht, wieviel Gutes Euch das Recht auf Selbstbestimmung gebracht hat, möchte ich Euch anhalten darüber nachzudenekn, wo Ihr selbst dieses Recht nicht gewährt. So Gedanken können die Welt zu einer Besseren machen ;-)

Denn erst wenn wir alle lernen, dass wir Alle respektieren, egal ob wir ihre Wesensart verstehen oder gut heissen, erst dann wird die Mutter aller Menschenrechte endlich gewahrt und aus einem vor langer Zeit gegebenes Versprechen wird eingelöst.

GaOp Infogespräch mit dem Chirurgen

Heute wars endlich soweit und ich konnte das Informationsgespräch mit dem Chirurgen führen, in dem er mir grob erklärte was er an mir herumschrauben wird, was für Komplikationen möglich sind u.s.w. Das Wichtigste vorab, den Termin habe ich leider nicht bekommen, der muss noch abgeklärt werden und wird nächste Woche mitgeteilt. Wenns noch Platz hat, wird das wie geplant im September sein. Falls das nicht geht, kann es sogar November werden, weil die im Oktober ziemlich ausgebucht sind. Dementsprechend bin ich nachwievor aufgedreht, September wäre einfach zu genial, die zweite Augusthälfte habe ich ja Ferien mit Schatzi, dann könnte ich sozusagen gleich anschliessend zur GaOp antraben. Nun zu den Details des heutigen Ausflugs.

Ortskenntnisse für Fortgeschrittene
Langsam kenn ich diesen Irrgarten des Zürcher Universitätsspitals von allen Seiten, ich könnte bald mal Führungen veranstalten, weil ich im Verlauf dieses Prozesses von einer Abteilung zur Anderen pilgere. Zuerst war ich in der psychologischen Abteilung, dann gings in die Phoniatrie und Logopädie, dann zur Endokrinologie in der Frauenklinik und nun auch noch in die Rekonstruktionschirurgie. All diese Abteilungen sind über verschiedene Gebäude verteilt, auch heute durfte ich wieder ein neues Gebäude betreten.

Sentimentalität im “Geburtshaus”
Als ich reinkam, sah ich durch ein Fenster einen wunderschönen kleinen Park und bekam mal kurz feuchte Augen, weil ich mir vorstellte, dass ich nach der Op früher oder später auch mal da rumhängen kann. Es war schon ein tolles Gefühl, durch das Haus zu laufen, in dem bald mal das Wunder meines Lebens vollendet wird, ich wurde richtiggehend sentimental.

Anmeldung mit Irritationen
Die Anmeldung war ulkig, im Gegensatz zu den bisherigen Abteilungen sind in der Chirurgie T-Girls nicht grad alltäglich. Am Schalter sass dann n’junges Mädel, ich denke die macht eine Lehre dort. Stolz legte ich meine Einladung auf die Theke, auf der ich zum ersten Mal in der Uni korrekt als Frau angesprochen war, dazu überreichte ich ihr noch die Krankenkassenkarte, die einen männlichen Namen trug. Sie fand mich dann aber im Computer und fragte, ob es um eine kosmetische Operation ginge. Ich grinste dann und erklärte, es ginge um eine geschlechtsangleichende Operation. Offenbar habe ich damit die Grenze ihrer bisherigen Erfahrungen überschritten, sie drehte sich um und fragte eine Dame hinter ihr: “geht eine Geschlechtsumwandlung unter kosmetische Operationen” und dann lief sie rot an. Ich ersparte ihr die Aufklärung, dass es keine Geschlechtsumwandlungen gibt, sie war ja schon verlegen genug. Jedenfalls bekam ich dann eine neue Karte, in der skurilerweise wieder der alte Name drin stand und durfte ins Wartezimmer.

Technisches Geplauder
Als mich der Chirurg dann ins Zimmer führte, erklärte er als Erstes, wie meine Reparaturarbeiten in etwa ablaufen. Die GaOp selbst dauert zwischen 3.5 und 5 Stunden (die werden immer schneller *staun*), dabei wird sozusagen der Rohbau gemacht, also alles Unnötige entfernt und der Rest an die richtige Stelle gebracht. Wenn ich anschliessend aufwache, sind Vagina, Schamlippen und Klitoris im Wesentlichen “gemacht”. Die Zweit-Operation, von der ich dachte, die sei erst ein Jahr später, wird schon etwa drei Monate nach der grossen Op gemacht. Dort wird dann in weniger als einer Stunde die Feinarbeit erledigt.

Risiken und so Gruseliges
Weiters klärte er mich über Risiken und mögliche Komplikationen auf. Da kam zwar wenig was ich nicht schon wusste, aber wenn man so Horrorszenarien aneinander pappt, wird das ein gehöriges Gruselkabinett. Grundsätzlich ist es eine “grosse Operation”, damit verbunden sind alle Risiken, die man bei jeder grossen Op hat. Schlechte Wundheilung, Wundentzündung, Blutverlust, Nervenverletzungen und so weiter sind Dinge, die bei jeder grossen Op passieren können. Dann gibts noch GaOp-spezifische Risiken, der SuperGAU, wenn auch sehr selten, wäre ein Absterben der Klitoris. Das ist extrem selten, kann aber wie alle anderen Risiken nie ausgeschlossen werden.

Zeiten und Fristen
Wie lange der gesamte Prozess geht, ist extrem abhängig von allfälligen Komplikationen. Falls etwas gröber schief läuft, kann das zu mehreren Folgeoperationen führen, da ist die Wahrscheinlichkeit aber eher klein, so um die 10%. Kleinere Komplikationen gibt es bei etwa 30%, die sind aber nicht sooo tragisch. Falls alles gut läuft, kann ich zwei Wochen nach der GaOp das Spital verlassen und sollte relativ schnell wieder arbeitsfähig sein. Das macht das Ganze psychisch schon ein wenig belastend. Der Idealfall wäre gut erträglich, zwei Wochen Spital wär ja keine Weltreise. Aber mehrere Folgeoperationen im Worst-Case Fall wären dann doch hart, für mich und für meinen Arbeitsplatz. Aber mein Immunsystem war immer recht fit und da ich mich riesig darauf freue, wird sich auch das positiv auswirken. Also hoffe ich einfach mal, dass ich zu denen gehöre, die Glück haben.

Ich bin nicht fett genug
Dann wollte er noch wissen, ob ich eine Brustvergrösserung wolle. Die würden sie in der Regel in der kleinen Nach-Op machen. Ich liess mich dann etwas aufklären und mein bisheriger Vorsatz bestätigte sich, ich will keine synthetischen Beutel in mir drin, nicht zuletzt, weil die irgendwann ersetzt werden müssen. Für mich ist die GaOp der Abschluss eines Prozesses, ich will nicht alle zehn Jahre wieder auf den Op-Tisch liegen. Aber da ich kürzlich im TV gesehen habe, dass man neuerdings auch kleinere Brustvergrösserungen mit Eigenfett machen kann, sprach ich ihn darauf an und tatsächlich würden sie das auch machen. Keine Fremdkörper, kein Plastik, keine Unverträglichkeit, keine regelmässigen Erneuerungen, es wäre einfach zu prächtig. Aber diese für mich einzige Option geht nicht. “Wo wollen Sie denn das Fett hernehmen”, fragte er mich sichtlich amüsiert. Ich zeigte dann auf meinen Bauch, da ist meines Erachtens eindeutig mehr Material eingepackt als nötig. Er winkte nur ab, mit so wenig Fett können wir nix machen. Wenig Fett? Ich mag ja Komplimente, aber in diesem Fall hätt ich gern darauf verzichtet ;-) Naja, vielleicht wächst es ja von alleine noch etwas und sonst seh ich halt so kindlich aus, wie ich innerlich auch bin, hat ja auch was Gutes.

Typisch Jungs
Aber ich muss echt n’tolles Weibsbild sein, denn am Schluss wollte dieser Schelm, dass ich mich nackig ausziehe, damit er Nacktfotos von mir machen kann. Meine Begeisterung hielt sich arg in Grenzen, denn erstens will ich mich nicht vor nem Kerl ausziehen und zweitens will ich im jetzigen Zustand von niemandem nackt gesehen werden. Aber was tut man nicht alles, wenn es für eine gute Sache ist und in diesem Fall hatte das von ihm gewünschte Foto medizinische Gründe. Ich hätt ja gern ein wenig rumposiert um schöne Bilder zu machen, aber wie Jungs nunmal sind, wollte er nur ein einziges Bild von der Zone, die Jungs immer so magnetisch anzieht. Die Frage, ob meine Haare schön sind so, erübrigte sich somit und mein erste Nackt-Fotoshooting dauerte keine zehn Prozent der Zeit die ich brauchte, mich auszuziehen. Versteh einer die Männer ;-)

Summasummarum
Alles in Allem war es ein interessantes Gespräch mit einem freundlichen Chirurgen. Ich für meinen Teil werde jetzt erst mal ein paar Tage rumfiebern, weil ich echt nicht bis November warten möchte. Dementsprechend werde ich nun täglich den Briefträger abpassen und ihn abknutschen, falls er mir einen Op-Termin für September bringt oder ihn halt an die Wand nageln, wenn er einen Termin für November bringt :-) Ausserdem werden die Gruselgeschichten sicher noch ne Weile in mir rumgeistern. Was da vor mir liegt, ist wirklich eine heftige Geschichte, bei der ich alles gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Wenn ich ehrlich sein soll, ich hab ne Scheissangst. Aber diese GaOp gehört zu den Dingen im Leben, bei denen sich die Frage nicht stellt, ob man will oder nicht. Es gibt für mich nur diesen Weg – einmal mehr ist die Kriegerin gefragt – für die im wahrsten Sinn des Wortes blutigste Schlacht meines Lebens. Aber im Gegensatz zu vielen Kämpfen in meinem Leben, ist diese letzte Schlacht kriegsentscheidend. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Und so gross die Angst auch ist, ich freue mich darauf wie ich mich noch nie auf etwas gefreut habe, weil ich dann zum ersten Mal im Leben ganz im Reinen sein werde mit mir selbst.



Copyright © 2017 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.