(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Und wieder geht’s zu Juliet

Jauuuuhhhh morgen flieg ich los, es wird wieder gekuschelt von Freitag Abend bis Dienstag Morgen. Wie sehr wir uns aufeinander freuen, muss ich wohl nicht speziell betonen. Juliet knabbert seit Tagen die Schokoherzen, die sie eigentlich für mich gekauft hat, obwohl sie die gar nicht mag, nur weil’s halt Meine sind. Und ich bin seit ner Woche völlig aufgedreht, wie ein Kleinkind vor ihrem ersten Weihnachtsfest.

Aber es fängt ja schon mal gut an. Ich hab diesmal gleich zwei Flüge gebucht, den für dieses Wochenende und den in einem Monat. Diesmal flieg ich über Hamburg, nächstes Mal über Hannover. Das eine Mal fliege ich früh und komm um Sieben an, das andere Mal erst um Zehn. Naja, blond, zwei Flüge, soviele Zahlen, das kann n’Mädel wie mich ganz schön überfordern. Juliet hat jetzt für morgen Spätdienst eingegeben, damit sie mich um Zehn am Bahnhof gleich einsammeln kann. Naja, seufz, ich hab heute noch die Tickets ausgedruckt und dabei gesehn, dass ich nicht diesmal spät fliege sondern nächstes Mal, ergo bin ich morgen um Sieben dort und nicht um Zehn. Kann man so bekloppt sein? Joooohhhhhh das geht, ich kann das :-)

Tja so beginnt mein Kuschelweekend wohl erst mal mit einer dreistündigen Shopping-Tour in Hamburg oder Bremen. Na wenn das nur gut kommt. Drei Stunden in ner fremden Stadt? Soviel Zeuchs kann ich gar nicht tragen. Ich komm dann wohl um Zehn mit drei Koffern in Bremen an. Muss dringend noch Euros holen, die werd ich morgen brauchen :-)

Aber das grösste Problem ist nachwievor ungelöst: Was in aller Welt zieh ich an? Ich wollte endlich mal anständige Schuhe tragen, damit Juliet sieht, was für n’tolles Mädel sie da hat, also Pumps. Bisher war ich winter-bedingt immer mit Stiefeln unterwegs. Aber der Delmenhorster Asphalt macht mir da arg Sorgen, ausserdem wollen wir am Montag zusammen shoppen gehn…….. und jetzt noch ne dreistündige Shoppingtour am Freitag? Ich werd ne schlaflose Nacht haben nur deswegen, ich seh’s schon kommen *seufz*

Das wär’s also vorerst, zurück bin ich erst wieder Dienstag, aber am Montag gibt’s hier noch einen kleinen Blogbeitrag, ansonsten ist bei mir jetzt Funkstille. Die Kommentare dieser Woche, die ich noch nicht beantwortet habe, werde ich nächste Woche nach nachholen. Nun denn, ich wünsch Euch Allen ein schönes Wochenende, wir lesen uns :-)

UPDATE: Beim Nachhausekommen fand ich eine Einladung der “Klinik für Wiederherstellungschirurgie” im Briefkasten. Am 30. Juli habe ich dort mein erstes Gespräch mit dem Chirurgen. Es ist mir zwar ein Rätsel, weshalb das erst in 2 Monaten stattfindet, weil ich froh wäre um ein paar frühzeitige Infos wegen meinem Arbeitgeber, aber da der Brief an Frau Diana gerichtet ist, verzeih ich denen sogar das ;-)

Der 1. Geburtstag meines Blogtagebuchs

Ich hätt mir ja auch nicht erträumen lassen, dass ich eines Tages an einem Weekend an dem ich endlich mit meinem Schatzi zusammen sein kann, die Finger von ihr lasse und anstelle dessen mein Blog bediene. Aber was will ich machen, mein Blog hat heute Geburtstag und das kann ich ja nicht einfach unkommentiert lassen.

Na denn, happy birthday liebes Tagebuch. Du warst mir ein Jahr lang so nah, hast alles mit mir geteilt, hast mit mir gelacht und geweint. Ich bin so froh, dass es Dich gibt………. und das schliesst alle LeserInnen und erst Recht die KommentatorInnen die durch ihr Teilnehmen dem Blog ein Leben einhauchen. Ist toll, mit Euch hier in dieser meiner kleinen Welt zu sein, auf ein neues spannendes Jahr :-)

So und bevor ich mich jetzt zurück aufs Sofa werfe und mich an das klammere, was so dringend geklammert sein sollte, gibts ein ganzes Rudel statistischer Informationen.

Rund 20’000 Besucher kamen zusammen 34’000 mal hier vorbei und betrachteten 112’000 Seiten. Bei einer durchschnittlichen Lesezeit von dreieinhalb Minuten bedeutet das, dass hier insgesamt über 82 Tage lang gelesen wurde. Issja bekloppt :-)

50% kamen über Google hierher, 35% über andere Seiten die auf das Blog verweisen und 15% durch direkte Aufrufe der Adresse. Die häufigsten Stichworte waren in dieser Reihenfolge:

  1. T-Girl Diana
  2. Transsexualität
  3. tgirl
  4. Transformation Frau
  5. Transfrau
  6. Kim Petras Homepage
  7. Transfrau Diana…….

So und nun könnt Ihr hier feiern, virtuell anstossen, jubeln – aber benehmt Euch ;-) Ich für meinen Teil kann nicht an der Feier teilnehmen, auf dem Sofa warten drei ungeduldige Miezen auf mich, also schmeiss ich mich da in die Mitte und geniesse das Leben so wie es sein muss, denn für uns ist das ein besonderer Tag, ohne dieses Tagebuch hätten wir uns nie kennengelernt :-)

Kuscheln mit der Frau meines Lebens

Das Wochenende war wie erwartet wunderschön und hat soooooo gut getan. Juliet hat hier bereits darüber geschrieben, viel mehr kann ich dazu gar nicht beitragen. Wie sie selbst schon sagte, unsere Weekends können mit einem Satz beschrieben werden, rumliegen, kuscheln, knutschen und ganz viel Blödsinn brabbeln.

Unterdessen gibt es für uns Beide keine Zweifel mehr, wir gehören zusammen, bis zum jüngsten Tag und noch ein paar Jahre länger. Es ist wirklich faszinierend, wir brauchen nichts, einfach gar nichts ausser uns selbst, um glücklich zu sein. Beisammen sein und einander spüren ist mehr als man mit den verrücktesten Unternehmungen erleben könnte. Mit Juliet rumzuliegen ist als würde man von Engeln durch unbekannte Sphären getragen, abgesehen davon, dass das olle Gekicher irgendwie nicht zu diesem Bildnis passt.

Jedenfalls ist sie für mich definitiv die Frau meines Lebens, die geb ich nie mehr her, never!

http://www.youtube.com/watch?v=HyljL3MmLTw

Lookin’ out on the mornin’ rain
I used to feel uninspired
And when I knew I had to face another day
Oh it made me feel so tired
Before the day I met you
Life was so unkind
But your love was the key to my peace of mind

Cause you make me feel
You make me feel
You make me feel
Like a natural woman

When my soul was in the lost and found
You came along to claim it
And didn’t know just what was wrong with me
Oh till your kiss helped me name it
Now I’m no longer doubtful
Of what I’m livin’ for
Cause if I make you happy
I don’t need to do more
Cause you make me feel
You make me feel
You make me feel
Like a natural woman

Oh baby what you’ve done to me
You make me feel so good inside
Good inside
And I, I just wanna be close to you
Because you make me feel so alive
Oh what you’ve done to me
Close to you because you make me feel so alive
You make me feel
You make me feel
You make me feel
Like a natural woman
Woman
You make me feel
You make me feel
You make me feel
Like a natural woman
You make me feel
Oh baby what you do to me
Can make me feel so good inside
I just wanna be, I just wanna be
Oh what you’ve done
Natural woman

You Make Me Feel Like A Natural Woman
(Celine Dion)

Verwelkende Rosen

Himmel und Hölle sind einander nah, das musste ich ja schon mehrmals feststellen. Nachdem ich ein traumhaftes Wochenende mit Juliet verbringen konnte und mit Liebe vollgetankt den Himmel verliess, landete ich auch gleich wieder in meiner kleinen surrealen Hölle.

Eine Rückfrage bei der Mutter meiner Tochter ergab, dass sie definitiv nicht mehr zu mir kommen will, weder in die Wochenenden noch in die Sommerferien. Und mein Bauch sagt mir, dass das wirklich der grosse Knall ist. Ich war mir von Anfang an im Klaren, dass dies passieren könnte, dass es höchstwahrscheinlich sogar passieren wird – dieses Worst-Case-Szenario war einer der Hauptgründe, weshalb ich so lange dagegen ankämpfte und mir so das Recht auf Leben verweigerte. Und doch, jetzt vor dem Scherbenhaufen stehend, blicke ich nur ratlos in eine Welt die ich nicht verstehe. Es fühlt sich an als hätte es mich in ein Bild von Salvador Dali katapultiert.

Nicht, dass ich für sie kein Verständnis hätte, ganz im Gegenteil, ich bin froh, dass sie sich so ernst nimmt und sich so zu schützen versucht. Sie kommt einfach nicht damit klar und das verstehe ich nur zu gut. Wenn man als Kind erfährt, dass der Vater eine Frau ist, wird man selber in ein Dali-Bild geworfen, da wird die Welt zu einem surrealen Zerrbild, in dem man nur noch Bahnhof versteht. Und in Anbetracht der nachwievor hohen gesellschaftlichen Stigmatisierung und der Vorstellung in den Köpfen der breiten Öffentlichkeit, transsexuelle Frauen seien gestörte Männer, ist es schon fast undenkbar, dass ein Mädchen im Beginn der Pupertät zu so etwas stehen kann.

Aber es tut so unsagbar fest weh, wenn ich versuche mir vorzustellen, was für ein Schmerz und was für eine Verzweiflung in ihr sein muss, dass dieser Schritt notwendig ist. Das ist eine Schuld, die kaum zu tragen ist, wenn man sein eigenes Kind, das man so sehr liebt, derart überfordern muss.

Müssen, nicht Wollen! Ob sie das irgendwann versteht? Wäre es eine Frage des Wollens gewesen, hätte ich ihr das erspart, um jeden Preis. Aber ich war nicht mehr in der komfortablen Lage, dass ich mir aussuchen konnte, ob ich diese Lüge meines Geschlechts noch weiter leben kann. Ich stand mit dem Rücken zur Wand. Die Frage war nicht mehr, ob ich so oder so lebe, dies oder das darstelle, es war einzig noch eine Frage des Überlebens. Das Spiel des Lebens, das ich so lange aufrecht erhalten habe, war zuende gespielt.

Ein Zurück gibt es nicht, für diesen Weg gibt es nur Einwegtickets. Der Preis ist hoch, viel zu hoch, aber wenn es ums Überleben geht, bezahlt man jeden Preis. Zu Beginn sagte ich, dass ich diesen Weg gehen muss und gehen werde, selbst wenn es das Letzte ist, das ich tue. Damit wollte ich dagen: Selbst wenn ich diesen Weg nicht überlebe, selbst wenn ich alles was mir lieb ist verliere, selbst wenn ich deswegen belächelt werde, kann ich nicht mehr anders als endlich mich selbst zu sein…………

……….. Es ist seltsam, da sind soviele Gefühle über die ich schreiben möchte, aber ich kenne keine Worte um sie auszudrücken. Die Surrealität hat ein Ausmass, das vermutlich nicht mal gezeichnet werden könnte, nicht mal von Dali selbst. Ich finde sonst selbst für die abgründigsten Gefühle irgendwelche Worte, ich glaub das ist das erste Mal, dass ich es nicht mehr ausdrücken kann, weil mein Verstand das irgendwie nicht auf die Reihe kriegt, weil es das Vorstellbare und damit auch das Ausdrückbare einfach übersteigt.

Die Leichen der Rauchfrei-Sektierer

Man möge es mir verzeihen, wenn ich jetzt grad ein wenig rabiat bin, aber ich bin stinksauer über die grasierende Rauchfrei-Sektiererei und die totalitäre Abschaffung der freien Marktwirtschaft.

Heute war ich wieder in meinem Pub hinter der Theke. Wozu ich da war, bleibt jedoch ein Rätsel, denn Gäste bleiben neuerdings aus. Seit dem 1. Mai, seit die nichtrauchende Mehrheit dieses Landes die freie Marktwirtschaft abgeschafft hat und fordert, dass selbst Kneipen rauchfrei sein müssen, in denen sie nie sind, geht es da kräftig den Bach ab.

Sektierer rund ums BAG, Lungenliga und all die anderen Fanatiker beteuern zwar ständig, dass es wegen dem Rauchverbot nicht zu einem Beizensterben komme, aber die Realtität ausserhalb manipulierter Statistiken spricht eine andere Sprache.

Das Pub in das ich regelmässig gehe, ist ein ganz unkommerzielles Lokal, indem vorallem Stammgäste ein und aus gehen und die rauchen grösstenteils. Wir waren ein kleiner Haufen von Bekannten, die es immer wieder schön hatten miteinander. Man ging gern hin, trank eins, rauchte zwei und lachte dreimal. Aber seit dem 1. Mai ist das Geschichte. Obwohl das Pub ein Fumoir (besser als Raucher-Ghetto benannt) bietet, sind die Besucherzahlen drastisch eingebrochen. Der Umsatz hat sich rund auf einen Viertel reduziert, womit kaum noch die Raummiete finanziert werden kann. Ausserdem ackern dort Leute einfach um des Spasses willen, ohne gross Geld machen zu wollen, sie wollen ihren Gästen einfach etwas bieten, dürfen das aber nicht mehr.

Ich habe unterdessen von verschiedenen Wirten gehört, dass sie nah am Ende sind. Für grosse Schickimicki-Lokale ist das kein Problem, aber die ganz einfachen Kneipen, gehen im Eiltempo dem Abgrund entgegen.

Wenn zwei Leute vier Stunden hinter dem Tresen stehen, um 100 Franken Umsatz zu machen, dann ist die Weiterführung so eines Lokals schlicht Irrsinn. Und damit läuft – wenn nicht noch ein Wunder geschieht – mein Pub schnurstracks in den Abgrund……… und damit verliere ich mein zweites Zuhause, nur weil irgendwelche Komiker, die gar nie da hin gehen, nicht wollen, dass da geraucht wird. Was für ein absurdes Affentheater!

Ich habe dort selten Nichtraucher gesehen und wenn es da welche gab, dann waren sie freiwillig dort. Nun ist es so, dass diejenigen, die das Pub getragen und finanziert haben, nicht mehr kommen, weil die Diktatur der Mehrheit für sie einfach nicht mehr anreizend ist.

Die Nichtraucher werden nichts davon haben, denn sie sind entgegen aller Beteuerungen nicht aufgetaucht und sie werden nie auftauchen. Dafür hat man die Stammkundschaft verscheucht und führt dieses Pub und viele Andere auf direktem Weg ins Jenseits. Und damit bahnt sich das Ende eines Pubs an und die Nichtraucher können weiterhin zuhause sitzen, weil das nun rauchfreie Pub ganz einfach nicht mehr existiert.

Ich habe schon mehrfach betont, dass ich den Schutz von Nichtrauchern befürworte. In Speiselokalen soll nicht geraucht werden und an Orten, die man sich nicht aussuchen kann wie beispielsweise dem Arbeitsplatz, sollen sie ebenfalls geschützt werden. Aber wenn die nichtrauchende Mehrheit so totalitär ist, dass sie selbst da Rauchfreiheit fordert, wo sie selbst gar nie anwesend ist, dann wird Demokratie zu einem Machtinstrument, das dieses Land zu einem intoleranten Haufen von Extremisten verkommen lässt.

Und – ich kann nicht oft genug darauf hinweisen – dass diese nichtrauchende Gesellschaft rauchfreie Räume fordert, aber mit dem Auto dahin fahren will, ist einfach nur noch grotesk und zeugt von einer Schildbürgerei, die einzigartig ist in der Geschichte der Neuzeit.

Es wäre höchste Zeit, dass man in dieser Frage einen Kompromiss findet, in dem Nichtraucher geschützt sind ohne dass Raucher ausgegrenzt werden.

Alles wird kompliziert: Ballerinas des Todes

Als frischgeborenes Mädel steht man in Sachen Schuhwerk ja von heute auf morgen im Paradies und genau so führt man sich dann auch erst mal auf. Alles, was man bisher nicht tragen durfte, wird nun getragen, tut’s noch so weh. Also stöckelt man erst mal ein Jahr lang höhergelegt durch die Welt, nimmt chronische Fussschmerzen mit stoischer Ignoranz hin und lernt dabei ne ganze Menge. Enge Pumps zerquetschen den Fuss. Nicht-enge Pumps geben keinen Halt und man torkelt rum wie Harald Juhnke in seinen besten Zeiten. Compeed-Pflaster gehören in jede Handtasche……..

Und während man da so lernt und leidet und lernt, sieht man immer wieder Mädels mit bequemen Schuhen, beneidet sie irgendwie, schafft es aber doch nicht, sich im wahrsten Sinne des Wortes herunter zu lassen, auf das Geh-Niveau von flachen Schuhen.

Bis einem irgendwann das passiert, was mir passierte am letzten Kuschelwochenende in Nord-Germanien. Zum ersten Mal wollte ich mit Pumps zu Schatzi gehen, die soll mich schliesslich auch mal in Prinzessinnen-Variante sehen und nicht nur immer mit diesen Stiefeln. Aufgrund beschränkter Hirnleistung meinerseits hatten wir ja ein Termindurcheinander und ich durfte drei Stunden in Hamburg shoppen gehn. Spätestens da hätte die Vernunft einschreiten müssen, Pumps zum shoppen ist nicht wirklich gut. Vorallem, müssen es unbedingt die neuen Grauen sein, die noch so brutal eng sind? Nein das ist nicht wirklich eine gute Idee, aber erklär das mal diesem Mädel *seufz*

So kam ich denn in Hamburg an, eine verfluchte Scheisshitze ein strahlender Sonnentag erwartete mich in Hamburg und meine Füsse begannen langsam, aus den Pumps zu quellen. Ich müsste es ja von den Ringen her kennen, Hitze macht den Menschen irgendwie voluminöser. Jedenfalls wurden die Pumps immer enger und ich kriegte langsam hysterische Anfälle, ich musste da irgendwie raus.

Ok endlich im erstbesten Schuhgeschäft angekommen, stolperte ich verzweifelt durch die Regale und fand einfach nix was mir gefiel, in meiner Grösse noch da war und vorallem fussschonend ist. Vorallem Letzteres ist echt nicht einfach bei meinem Geschmack.

Irgendwann – der Verzweiflung nahe – stand ich vor so lila Ballerinas. Ich – Ballerinas – warum nicht gleich Croqs? Es begann ein Zweikampf, mein Stolz gegen meine Füsse, die Füsse gewannen schlussendlich und man glaubt’s nicht, Dianchen kommt mit nem Paar Ballerinas aus nem Deichmann raus *staun*.

Ein Hechtsprung aufs erste Bänkchen, raus aus den Pumps, rein in diese seltsam aussehenden Schuhe und auf zu den ersten Probeschritten. Wow wie schön, die waren nicht mehr eng um den Rist rum, totale Freiheit………. wenn da mein grosser Zeh nicht wär. Der ist nämlich ne gehörige Spur grösser als der Rest dieser kleinen Schaar und weil Ballerinas vorne rund geschnitten sind, hat’s für den kein eigenes Plätzchen und das wiederum drückt den Zeh nach hinten – mit jedem Schritt mehr – nach 50 Metern begann ich diese Treter zu verfluchen. Ich war vom Regen in die Traufe gekommen.

Da kauf ich mir ein paar angeblich so bequeme und so harmlos aussehende Schuhe und runinier mir die Füsse noch mehr? Da ich mittlerweile eh nicht mehr in die Pumps rein gekommen wäre, quälte ich mich den Rest meiner Shopping Tour in Ballerinas durch Hamburg…….. mit einem schwarzen eleganten Trenchcoat, üüüüübelst sowas.

Aber das Schlimmste war das Laufen. Ey auf so Flachtretern kannste nicht laufen, unmöglich, ich hatte bei jedem Schritt das Gefühl, dass ich gleich hinten raus kippe und auf den Hinterkopf falle. Mein Schritt dürfte ausgesehen haben wie eine Mischung aus Alf und den Teletubbies. In so Schuhen läuft man etwa so graziös wie eine Giraffe in Schwimmflossen. Geht echt gar nicht, sowas. Und so zu laufen ist unglaublich anstrengend, irgendwie ist da aller Schwung aus dem Schritt raus und man stapft nur noch schwerfällig durch eine viel zu heisse Zeit.

Apropos schwerfällig – ich hatte drei Tage lang Muskelkater in den Waden *grmpf*…….. bequem, jaja, total bequem *knurr*………

Aber so lernt man in der Welt des Komplizierten halt immer wieder dazu. Frauenschuhe müssen ein wenig in einen Spitz verlaufen, so wie bei klassischen Pumps, naja so wie halt jeder Schuhe aussehen sollte……… und weibliche Fersen müssen erhöht sein um richtig laufen zu können.

Dianas Ballerina-Protest

Ha, das wäre doch gelacht, ich lass mich von so würdelosen Schuhen-ohne-Absätze doch nicht irre machen – jedenfalls nicht irrer als ich eh schon bin. Nachdem ich mir Ballerinas gekauft hab und mir damit die Füsse samt Selbstbewusstsein ruiniert habe, gabs nur eine Lösung, Rache den bösen bösen Ballerinas.

Als ich heute in der Therapie war und auf dem Heimweg noch gaaaanz kurz Zeit hatte, bis der Zug kam (ihr ahnt es wohl), lag da so ein Schuhladen rum, wie immer, wenn ich auf den Zug warte, immer an derselben Stelle *staun*. Naja, hab den nächsten Zug dann auch verpasst wie sonst bei so Gelegenheiten, aber dafür hab ich zwei Glückskeckse für meine Füsse gefunden, uiiiiiihhhhhhh.

Seit Anfang Frühling such ich helle Pumps, weil meine Stöckelschuhe fast alle schwarz oder todgetreten sind, aber ich fand nie was ich suchte. Eigentlich möchte ich beige Pumps, ist fast wie weiss, passt zu allem Hellen aber wird nicht so schnell dreckig. Solche hab ich nicht gefunden, logo, man findet nie was man sucht, nur ständig Sonstiges.

Aber dafür standen da plötzlich welche in lila vor mir und lächelten mich verliebt an. Ey lila *kreisch*, ich liebe lila ja so, das war einfach zu perfekt. Und nachdem mir ja in Hamburg die Füsse aus den grauen Pumps gequollen sind, war ich diesmal schlau wie n’Gecko und hab mir die in Grösse 41 gekauft, anstatt wie sonst in 40. Ok ich werd vermutlich jetzt ständig aus den Latschen kippen, aber die Füsse werden hellbegeistert sein. Lila lila lila, jajajaja, ich hab lila Puuuuhuuuuumps……. ääääääääätsch ihr doofen lila Ballerinas, ihr seid Geschichte *triumphierendlacht*.

Und auf dem Hinausweg aus dem Schuhladen – naja – da standen dann plötzlich diese schneeweissen Sandalen, die ich letztes Jahr idiotischerweise mal in Grösse 39 gekauft hab und die mir ebenfalls die Füsse stranguliert haben. Diesmal gabs die aber in Grösse 40. Hätte ich da widerstehen können? Ey der Sommer steht vor der Tür.

Und das Genialste, beide waren zum halben Preis, boah, bin ich krrrass Geschäftsfrrrau oderrr wasss? So hab ich durch den Kauf von zwei paar Schuhen 50 Euro gespart…. *grübel*….. hmmm, wenn ich zwanzig Paar Schuhe kaufen würde, gäb das n’Gewinn von 500 Euro….. *scharfsinnigguckt*…… Hmmmm, wenn ich zweihundert Schuhe pro Monat kaufe, muss ich nicht mehr arbeiten *jubel*……… ja, das isses :o)

So, nun kann der Sommer kommen und die Ballerinas schenk ich dem nächsten Hund der am Haus vorbeiläuft, als Kauknochen taugen die sicher was. Apropos verschenken, Schatzi, möchtest Du die weissen Sandalen? Kannst meine vom letzten Jahr haben, in denen hab ich mich wundgeklaufen, ich glaub sogar das war der Kaufgrund für die ersten Compeed Pflaster. Aber in unserem Jupe den wir uns gekauft haben gäb das den perfekten Partnerlook, die halten uns garantiert für Schwestern. Ey und wir können Wetten abschliessen, wen es als Nächstes auf dem glatten Pub-Boden auf die Fresse haut, jauh das wird lustig :-)

Mist, soeben ist mir wieder ein Fingernagel gebrochen, hört das denn nie auf? Ich glaub ich sollte zum Trost mal wieder Schuhe kaufen gehn :o) ………. lila ……….. jajajajaja……… lila Pumps…… ob ich mir noch ein Diadem zulegen sollte? Und ein Prinzessinnenkleid? So für zur Arbeit? *irrguckt*

Die hässliche Wut aus dem Dunkeln

Irgend etwas läuft überhaupt nicht gut, in letzter Zeit. Wo ich auch hinschaue, worüber auch immer ich nachdenke, ich reg mich dabei sinnlos auf und weiss nicht mal recht warum. Ich fühl mich extrem gereizt und alles geht mir total auf den Wecker.

In den letzten Tagen habe ich eine Handvoll teils grosse Blogbeiträge geschrieben, keiner davon wurde veröffentlicht, weil mir mein Geschriebenes schlussendlich zu bissig war.

Früher war bei mir diese Stimmungslage normal, Abscheu vor dieser Welt und der widerlichen Art wie wir Menschen miteinander umgehen, führten bei mir zu einem permanenten Zustand von Abneigung. Erst als ich vor eineinhalb Jahren mein richtiges Leben begann, viel Positives im Umgang mit dieser Welt erlebte und vorallem endlich die Lust am Leben kennenlernte, veränderte sich all das. Aber momentan fühl ich mich genauso wie früher, Zynismus scheint momentan die letzte Waffe zu sein, die ich einer mich erstickenden Welt entgegen bringen kann.

Aber warum reg ich mich überhaupt ständig auf? Was steckt dahinter, wenn mir jede Bagatelle so auf den Kecks geht? Ist es die kollektive WM-Hysterie, die mich jedes Mal von Neuem nervt? Ist es die Dummheit meiner Mitmenschen, die mir in Kommentarspalten von Blick, Bild und Konsorten immer wieder Brechreiz auslöst? Liegt es daran, dass ich bei meinem Schatzi sein will und anstelle dessen in einem Land herumhänge, in dem ich nicht sein will und das mich nicht brauchen würde, nur weil ich mir die Auswanderung bisher einfach nicht leisten kann? Oder ist tief dahinterliegend der Verlust eines über alles geliebten Menschen, der mich in Ratlosigkeit versetzt und die Wut nährt auf eine Gesellschaft, die Andersartigkeit mit Abartigkeit verwechselt? Ist es weil ich ständig News lese wie beispielsweise, dass die Anzahl Gewalttaten an Homosexuellen und Transgendern deutlich zunehmen? Oder weil gewisse religiöse Kreise ihren Glauben als Freipass für Menschenrechtsverletzungen betrachten? Oder weil ich tagtäglich die Folgen spüre von der Volksverhetzung, die braune und ultra-religiöse Parteien hierzulande seit Jahren betreiben? Oder liegt es daran, dass ich nicht mehr auf meine GaOp warten mag, dass ich sie aus beruflichen Gründen einen Monat länger hinausschieben muss?

Mir fällt auf, dass ich zunehmend wieder über politische und gesellschaftliche Fragen schreibe. Im letzten Jahr konnte ich mich nur noch um mich selbst kümmern, die Welt da draussen hatte keine Priorität mehr. Je mehr ich wieder Kapazität habe um in die Welt hinaus zu schauen, umso mehr sehe ich wieder all die Grässlichkeiten, die meinen Artgenossen Gewohnheit sind. Ich sehe die zunehmende Brutalisierung und Radikalisierung dieses Landes, lese unzählige Texte von Menschen die mir schwerstgestört zu sein scheinen, zunehmende Desozialisierung, abnehmende Toleranz, der Ruf nach Prügelstrafe, der Drang nach Ausgrenzung……. die Welt ist voll von Dingen, die dem Wort “Menschlichkeit” spotten und all das macht mich wieder traurig, verzweifelt und zunehmend wütend. So gut es auch läuft im persönlichen Umfeld, so unerträglich ist diese Welt ganzheitlich gesehen.

Zum Glück gibt es nicht nur all das, es gibt auch Juliet, die mir jeden Tag Sonne ins Herzen schickt und mich auch an den schlimmsten Tagen zum Lächeln bringt. Und es bleibt die Tatsache, dass ich nun endlich mich selbst sein kann und nichts und niemand das noch verhindern kann. Und der Sommer beginnt und damit werde ich wieder zum kleinen Kind, das vor lauter kleidungstechnischer Experimentierfreude ganz vergnügt ist.

Trotzdem nervt alles Andere, egal wie belanglos es ist. Und ich möchte das nicht. Es war so eine schöne Zeit, in der ich meine Wut und Verbitterung auf diese Welt ablegen konnte. Hoffentlich ist das nur eine Phase, ich will diese Welt ja mögen, auch wenn sie es einem manchmal fast unmöglich macht.

Ich werde in nächster Zeit sehr zurückhaltend sein beim Schreiben, meine Empfindungen sind irgendwie zu destruktiv, als dass ich daraus etwas Konstruktives machen könnte. Das was mich in letzter Zeit beschäftigt hat wenig mit mir selbst zu tun, es sind gesellschaftliche Fragen, die mich zum Schreiben drängen. Doch wenn ich das zulasse, verkommt dieses Tagebuch zu einer politischen Kampfschrift und das war nie die Idee davon. Deshalb werde ich mir vorläufig sehr gut überlegen, ob ich das was ich schreibe auch publiziere oder ob es nicht besser in der Entwurfskammer verrotten soll…….. und ich muss mir langsam die Frage stellen, ob ich nicht endlich schweigen sollte und aufhören sollte zu versuchen, aus einer unverbesserlichen Welt eine Bessere zu machen.

Die kleine und die grosse Welt

Ich glaub, das was mich momentan so konfus macht, hat damit zu tun, dass diese Welt nicht eine Welt ist sondern dass es zwei Welten gibt, eine ganz Kleine und eine Riesengrosse. Die kleine Welt ist die in der wir leben und uns täglich bewegen. Es sind die Freunde, die Verwandten, die Nachbarn, die Arbeitskollegen, Stammgäste in der Lieblingskneipe und sonstige Menschen, die uns regelmässig begegnen. Die andere, grosse Welt, ist die gesamte Gesellschaft, die gesamte Menschheit. Und die unterscheiden sich zumindest bei mir radikal.

In meiner kleinen Welt gefällt’s mir mittlerweile unheimlich gut, ich fühl mich daheim, angenommen, akzeptiert und respektiert. Hier kennt man mich, hier kann ich Ich sein, ohne Fragen aufzuwerfen. In dieser kleinen Welt werden Menschen aufgrund von Erfahrungen beurteilt, nicht aufgrund vorgefasster Vorstellungen. Wenn Du ok bist, dann bist Du ok, selbst wenn Du Dir Hörner wachsen liessest. Hier wurde ich enorm überrascht, ich hätte nie gedacht, dass ich je so eine schöne kleine Welt haben werde, nach all den Jahrzehnten, in denen ich das nur aus Träumen kannte.

Ich durchwanderte die Kriege,
sah die Angst und das Verderben.
Und ganz gleich ob Krieg – ob Frieden,
Egoismus – blinder Hass,
war doch immer hier zu gegen.

(Lacrimosa – Strasse der Zeit)

Aber dann gibt’s die grosse Welt, die Kalte und Grausame. Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht über einen meiner unzähligen News-Kanäle von irgendwelchen Vorfällen lese, von Gewalttaten gegenüber Homosexuellen, Angriffen auf Transgender, Diskriminierungsprozesse von transsexuellen Menschen. Ständig neue Widerwärtigkeiten in den Medien, die eine transsexuelle Frau schnoddrig als “Transe” betiteln, Kommentarschreiber die ohne Zuhilfenahme etwelcher Hirnzellen menschenverachtende Statements abgeben können, über ein Phänomen von dem sie überhaupt nichts wissen, über Menschen die sie radikal ablehnen, einfach weil sie sie nicht verstehen. Endlos ist die Liste an Vorstössen von religiösen Gruppierungen, die homosexuelle und transsexuelle Menschen ausgrenzen und bekämpfen. Oder ich lese, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung kein Verständnis hat für transsexuelle Menschen und Betroffenen keine medizinischen Leistungen zusprechen würde.

Und ich betrachte diese grosse Welt mit staunenden Augen, nehme zur Kenntnis, dass in diesem Land Demokratie ein höheres Gewicht hat als Menschenrechte, höre Stimmen die Menschenrechtskonfentionen aufkünden möchte, beobachte über Jahre hinweg eine Desozialisierung der ganzen Gesellschaft, lese staunend, dass eine überraschende Anzahl Schweizer die Prügelstrafe einführen würde, selbst bei Bagatelldelikten……. welch beängstigende Entwicklungen.

Und so reiht sich Albtraum an Albtraum, in dieser grossen kalten Welt. Es wird kühler, bissiger, hier in dieser grossen Welt. Und egal wie schön es in meiner kleinen Welt ist, man befindet sich doch immer auch gleichzeitig in der grossen Welt. Und so bleiben alle Ängste, egal wie überwunden man sie hat, doch irgendwo im Genick hängen. Ich weiss nie, ob ich morgen Opfer von Diskriminierung oder Gewalt werde, spätestens wenn ich die kleine Welt verlasse, steigt das Risiko, dass ich in irgend einer Form zum Opfer werde. Sozusagen ein Leben auf dem Minenfeld.

Eines Tages werden wir offiziell zugeben müssen,
dass das was wir Realität getauft haben,
eine noch grössere Illusion ist, als die Welt des Traumes

(Salvador Dali)

Manchmal ist es echt schwierig, das auf die Reihe zu kriegen. Diese zwei Welten sind einander so fern und doch ist die Eine Teil der Anderen. Ganz ehrlich, ich kann das rational nicht begreifen, diese Diskrepanz zu erklären, übersteigt meine Vorstellungskraft bei Weitem.

Man sagt, nur was im Kleinen möglich ist, wird auch im Grossen möglich sein. Die kleinen Welten, in denen transsexuelle Menschen leben, scheinen mir in den letzten Jahren viel wärmer geworden zu sein. Im Kleinen geht es offenbar – mehr oder weniger – aber es geht. Und wenn es im Kleinen geschieht, dann darf man auch hoffen, dass es irgendwann auch in der grossen Welt wärmer wird, auch wenn die “Entwicklung” der Gesellschaft momentan nicht gerade dafür spricht.



Copyright © 2017 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.