(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Dauerknuddeln als olympische Disziplin

Hach, was soll ich da schreiben, wie in aller Welt soll man so Gefühle in Worte ausdrücken? Wenn sich zwei Menschen so sehr lieben und sich einen Monat nicht sehen und dann drei Tage aneinanderkleben wie liebestrunkene Tintenfische, dann übersteigt das einfach die Grenzen der Wortgewalt. Ich versuch trotzdem, es wenigstens andeutungsweise zu beschreiben.

Die Art wie wir zusammen kamen war ja mehr als merkwürdig, da trafen sich zwei Seelen die so einzigartig-eigenartig sind, dass scheinbar nur sie zusammen passen. Ein paar Monate im Internet brabbeln, ein gemeinsames Wochenende, ein paar Telefone und Mails und schon planten wir unsere Zukunft. Das klingt verrückt, das ist verrückt und wir Zwei sind die Personifizierung des Verrücktseins. Noch nie habe ich mit einem Menschen soviel und so herzhaft gelacht und was noch viel schöner ist, noch nie habe ich ein Wesen kennen gelernt, dass mindestens so zärtlich, verschmust und kuschelbedürftig ist wie ich. Abgesehen von Klogängen gabs einfach keinen Moment an dem wir uns nicht irgendwie berührten. Den Rest könnte man sich ausmalen, wenn es denn soviele Farben gäbe, aber das kriegt man nicht mal mit einem Regenbogen hin.

Dementsprechend fühle ich mich heute erschöpft (von Schlafmangel und Herumreiserei) aber bis in die letzte Pore getränkt mit Liebe und Zärtlichkeit, das fühlt sich körperlich etwa so an wie wenn man einen nassen Waschlappen an die Wand schmeisst……. oder so……. naja…… ich sag’s ja, das kann man nicht wirklich beschreiben.

Die geplante Grillparty am Samstag fiel aus gesundheitlichen Gründen des Gastgebers ins Wasser. Das war zwar schade, weil es für mich wieder mal ein eher ungewöhnliches Sozialexperiment gewesen wäre, anderseits hatten wir so ein paar Stunden mehr an denen wir auf dem Sofa rumliegen konnten und da nutzten wir natürlilch jede Minute.

Selbstverständlich bekam ich wieder meine achsogeliebte suppenlose Suppe, dieses Hackfleisch-Lauch-Käse-Suppenzeuchs und natürlich guckten wir wieder ne Menge TV, resp wir taten so und lenkten uns ständig davon ab. Und wir alberten rum – man höre und staune – und zwischen den Küssen und Streicheleinheiten tauschten wir immer wieder so liebevoll-romantische Wortfetzen aus wie “Doofes Weibsbild Du”, ach es war einfach zu schön :-)

Die Rumreiserei war diesmal nicht allzu spektakulär, ich wurde auf beiden Wegen wieder um mein geliebtes Stewardessen-Synchron-Tanzen gebracht und wurde wieder mit Mäusefutter (Käsesandwich) abgespeist, dafür war aber auf dem Hinflug eine Kamera unter dem Kinn des Flugzeugs angebracht und wir konnten die Landung auf dem TV mitverfolgen, sah echt ulkig aus, als wir auf der Landebahn aufsetzten. Der Rückweg war dann etwas stressig. Ich flog erstmals via Hamburg anstatt Hannover. Der Hamburger Flughafen ist viel grösser als der Flugi-Spielplatz in Hannover und so hetzte ich dann durch ein Gewirr von Terminals und Gates. Die Zeit war knapp, ich hatte nur eine halbe Stunde bis zum Boarding und frei nach Murphys Gesetz klappte es am Ticketautomat nicht und ich musste an den Service-Schalter, an dem ein Rudel Leute davor wartete. Ich bin fast gestorben vor Panik, dass ich den Flug verpasse, aber 5 Minuten vor Boarding war ich dann doch am Gate und alles lief wie geplant.

Apropos Hamburg, ich hab auf dem Hinweg mal kurz rauchenderweise aus dem Bahnhof gekuckt und was ich da sah, war echt cool. Alles war voll mit gaaaanz vielen Leuten im Ausgang, unzählige Futterläden und Shops und was weiss ich, alles wirkt sehr alt und bunt und irgendwie fröhlich. Juliet zieht ja im September dahin und ich freu mich nun doppelt, erstens wird die Reiserei viel kürzer, weil die stundenlange Zugfahrerei nach Bremen wegfällt zweitens ist Hamburg einfach irgendwie toll, zumindest dieser kurze Rundumblick machte diesen Eindruck.

Und Hamburger scheinen auch wenig Berührungsängste zu kennen. Als ich zum Rauchstopp rausging, lief n’Kerl an mir vorbei, quatschte grinsend was im Stil von “ja man hat’s nicht leicht”, ich grinste zurück und antwortete, dass man das wirklich nicht hat. Dann dackelte er mir hinterher und die Plauderei ging los. Was ich hier mache, ob ich weiterreise u.s.w. und dann, völlig unerwartet und mit genausolcher Selbstverständlichkeit fragt er: “Du bist ein Mann, stimmts?”. Ich klärte ihn mit zwei Sätzen kurz auf und schon wollte er wissen, ob ich die Op gemacht hätte und der Busen und die Haare echt seien. Ich hab geglaubt ich spinn, so direkt hat mich echt noch nie jemand sowas gefragt. Und das tat er mit bübisch-frecher Art, die irgendwie sympathisch war, es war einfach so ne direkte Offenheit, die entwaffnend wirkt. Wir tauschten noch ein paar Worte, er wünschte mir einen schönen Abend und dackelte davon. Na wenn alle Hamburger so direkt sind, kann ich mich da ja echt auf was gefasst machen.

Zur Begrüssung bekam ich von Juliet übrigens einmal mehr so süsse Comics-Karten, auf der Rückseite der Einen hat Juliet eine Blume gemalt, resp. eher ein roter Kleks mit etwas Grün drunter, was mit etwas Fantasie wie eine Blume aussah und darüber hat sie das da geschrieben:

war extra noch beim Nachbarn Blümchen klauen…. nur für Dich…… aber das Arschloch hatte keine Rosen………

Soviel zum Thema, wie bekloppt die Gute ist…….. und wie gut sie zu mir passt :o)

Voraussichtlich flattere ich Anfang Juni wieder nordwärts, bis dahin sollten die Lippen wieder auskuriert und die Zärtlichkeitstanks leer sein…….. und mein Schatzi wird dann sicher wieder die Zutaten für die suppenlose Suppe bereithalten :-)

Transsexualität: Klartext in der Leserbriefspalte

Leider findet man in Zeitungen und Zeitschriften nahezu nie Artikel zum Thema Transsexualität, die auch nur ein klein wenig Fakten liefern. In der Regel sind es entweder Artikel die nichts aussagen oder im Fall von Boulevardblättern irgendwelche transphoben Hetzschriften, die jeglicher Realität fern sind.

Der Tages-Anzeiger hat vor einigen Tagen einen Artikel der ersten Art über einen Trans-Mann publiziert, mit dem tiefsinnigen Titel “Vielleicht auch mal im Stehen pinkeln“. Der Bericht ist relativ umfangreich und wenigstens nicht so despektierlich wie man es von Boulevard-Zeitungen gewohnt ist, aber es wird auch da von “Umwandlung” gesprochen, dass Georges früher ein Mädchen gewesen sei und die Themen kreisen mehr um Genitalien als um medizinische Fakten. Trotzdem ein wenig interessant, man erfährt von den Veränderungen durch die Hormontherapie und dass transsexuelle Menschen ein ganz normales Leben führen können.

Aber zum Glück gibts nicht nur Redakteure sondern auch Leser – und vorallem Leser die denken und schreiben. So war die Leserbriefseite des heutigen Tages-Anzeigers mit einigen guten Beiträgen von Betroffenen und Angehörigen gefüllt, einer davon von einer Gynäkologin, die mit wenigen Worten aussprach, was endlich in allen Zeitungen gedruckt werden müsste: Transsexualität ist keine psychische Störung sondern ein biologisches Phänomen. Die ganzen Leserbriefe können durch klicken des obigen Bildes gelesen werden, die wichtigsten Zeilen dieser Fachärztin möchte ich hier wiedergeben………

Tatsächlich ist auch heute (noch) diese Diagnose unter den psychischen Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (das heisst Störung der Geschlechtsidentität) aufgeführt. Dies, obwohl die Forschung der letzten Jahre eindeutig darauf hinweist, dass sich die sexuelle Identität bereits vor der Geburt, also noch im Mutterleib ausbildet, möglicherweise gesteuert durch äussere hormonelle Einflüsse, welche direkt auf das Gehirn des Embryos einwirken………… Es wäre für die Betroffenen von Vorteil, wenn man von einer hormonellen Störung mit somatischer Auswirkung sprechen würde………. Das Problem eines transsexuellen Mannes liegt demnach bei der Ausbildung falscher somatischer Geschlechtsmerkmale und nicht bei der psychischen Identifizierung als Mann.

Bettina Flütsch, Zug
Fachärztin Gynäkologie und Geburtshilfe FMH

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis auch die Redaktionen von Ringier und Konsorten diese Fakten auf den Tisch legen. Solche Statements von Fachleuten geben Hoffnung, dass die Stigmatisierung von transsexuellen Menschen irgendwann ein Ende haben wird.

In einer Zeit, in der nachgewiesen wird, dass transsexuelle Frauen eine weibliche Hirnstruktur haben, in der Presseräte Boulevardmedien ermahnen wegen diskriminierender Berichterstattung, in der Länder wie Frankreich Transsexualität von der Liste der Geisteskrankheiten streichen, in der der EU-Ministerrat und die Parlamentarische Versammlung des Europarates die Einhaltung von Menschenrechten bei transsexuellen Menschen verlangt…… in so einer Zeit kann man wirklich anfangen zu hoffen, auch wenn gleichzeitig die amerikanische Psychiatriesekte APA wider aller Fakten weiter an der Psychopathologisierung von biologischen Phänomenen festhält.

Niemand muss verstehen, was es heisst, transsexuell zu sein.
Aber akzeptieren kann man es.
(Georges)

Nachtrag: hätt ich’s doch fast vergessen, diesen Samstag hält mein Oberarzt vom Uni-Spital einen kleinen Vortrag zum Thema. Ich werde zu 99% dort sein und bin gespannt, ob er auch so kluge Dinge erzählt wie diese Leserbriefschreiberin………….. Antrittsvorlesung von Bernd Krämer, Oberarzt an der psychiatrischen Poliklinik des Universitätsspitals Zürich: «Vertauschte Rollen – Tootsie oder Transsexualismus», 8. Mai, 10 Uhr in der Aula der Universität Zürich.

Diana als Barkeeperin

Auuuuutsch, meine Füsse…….. eigentlich hätte ich ja nicht damit gerechnet, dass meine Füsse nach einem dreistündigen Pub-Aufenthalt vierstimmig Blues singen, ich wurde ja hingefahren und zurückgekarrt und hatte bloss sinnlos auf dem Stuhl zu sitzen. Wäre da nicht dieser eine Satz gewesen von Bea, meiner Lieblingsbarkeeperin und super Freundin: “Hättest Du Lust, ab und zu als Aushilfe hinter der Bar zu helfen?”…… ich hab mal durchblicken lassen, dass ich daran evtl noch Spass haben könnte, mein Wunsch wurde offenbar erhört. Und tüchtig und todesverachtend wie ich nunmal bin, wusste ich nix Gscheiteres als mich gleich mal anzubieten. Als Bea das erste Mal eine Rauchpause machte (by the way, diese Rauchfrei-Diktatur der Mehrheit ist echt daneben), stellte ich mich hinter den Tresen und sah die Welt resp. das Pub erstmals mit neuen Augen. Und den Rest des Abends durfte Bea dann an der Bar sitzen, weil Dianchen nicht mehr hinter dem Tresen hervor wollte. Ausser zum Rauchen (by the way, diese Rauchfrei-Diktatur ist einer aufgeklärten Welt echt unwürdig).

Normalerweise hab ich im Pub ja diesen Tunnelblick. Wenn ich nicht grad mit meine(r/m) Nachbar(in) quatsche, guck ich gradaus und seh eimerweise Flaschen und Gläser. Aber hinter der Bar sieht man das ganze Pub und all die Leute. Die kommen immer mal wieder zu einem, bestellen irgendwelche Durstlöscher und man kann sich daran erfreuen, dass man sie damit erfreut, ihnen gefüllte Gläser mit kostbaren Flüssigkeiten zu überreichen. Cool sowas, echt. Und man plaudert auch mehr mit den Leuten, weil man an dem Ende dieses Tunnels steht, in den man sonst selber guckt.

Aber das ist nicht alles, denn als Barkeeperin kann man sich auch gehörig in Narzismus üben. Man steht im Blickfeld von diesen Leuten, ist Plaudermittelpunkt, ist Manna-Geberin, irgendwie fühlt man sich als würd man auf der Bühne stehen und würde Kekse verteilen. Ab und zu muss/darf man Getränke an die Tische servieren. Das führt zwangsläufig zu einem pub-internen Catwalk. Vorallem wenn man wie ich heute im kleinen Schwarzen auf schwarzen Pumps in Seidenstrümpfen nett aussieht. Damit man um die Tische gondeln kann, braucht es einen guten Hüftschwung und so catwalked man da quer durchs Pub und balanciert Getränke. Irgendwie war das berauschend :-)

Etwas Sorgen machte mir die Getränkekarte. Die Kaffeemaschine bedienen, Cola oder Bier abzufüllen, ist ja keine grosse Sache, aber da sind auch Drinks drauf die man mixen muss und davon hab ich soviel Ahnung wie n’Kamel vom Rollschuhlaufen. Zwei dutzend verschiedene Gläser, vier dutzend verschiedene Flaschen, all das ist ziemlich verwirrend für den Anfang. Aber lernfähig wie wir Blondinen nunmal sind, hatte ich das schon bald mal einigermassen im Griff – mit Betonung auf einigermassen.

Jedenfalls habe ich es in vollen Zügen genossen. Für die Gäste da zu sein ist ein schönes Gefühl und durch’s Lokal zu stöckeln ist ebenfalls atemberaubend. Aber meine Füsse fanden das Ganze nicht halb so toll wie ich. Drei Stunden lang rumstöckeln in neuen Pumps ist die Hölle…….. aber irgendwie halt doch berauschend :-)

Daran kann ich mich gewöhnen – und das werd ich auch tun. Bei mir sind Wochenenden leider arg überlastet. Zwei von vier Weekends bin ich familienhalber besetzt und eins von vier Weekends bin ich bei meinem Schatzi, ergo bleibt noch eins pro Monat. Aber dann wird man mich zukünftig wohl im Pub antreffen, nicht mehr auf dem Barhocker sondern getränkeverteilend hinter dem Tresen oder quer durchs Pub stöckelnd :-)

Nebenbei habe ich noch Beas Mutter kennengelernt, eine wirklich tolle Frau, mit der ich sehr viel plauderte und die mir einmal mehr zeigte, dass es auf dieser Welt eine Menge Menschen gibt, die so Wesen wie mich annehmen als wär’s das Selbstverständlichste der Welt. Ich freu mich jetzt schon drauf, sie hoffentlich bald mal wieder zu sehen :-)

Aber wie’s im Leben von T-Girls nunmal ist, gabs dann auch noch eine eher hässliche Episode zwischendurch – hässlich, aber doch lehrreich, ein kurzer Lehrgang in positivem Denken der anderen Art……… das aber wird eine andere Geschichte, demnächst, oder vielleicht auch jetzt gleich………… wir werden sehen.

Positives Denken als transsexuelle Frau?

Als transsexuelle Frau erlebt man halt hie und da schmerzhafte Momente, in denen dumme Menschen ihre geistige Armut kundtun und mit ihrer Empathielosigkeit ihre eigene Kleinheit entblössen. Auch wenn idiotische Bemerkungen viel mehr über den Sprechenden aussagen als über die Besagte, tut es trotzdem manchmal weh, wenn man spürt wie sehr man verkannt oder belächelt wird oder wenn Menschen in ihrer gelebten Ignoranz Grenzen überschreiten, die ein Mensch mit ein wenig Anstand eigentlich nie überschreiten dürfte. Aber manchmal, an guten Tagen, gelingt es einem doch trotz aller Widrigkeit des Moments, auch das Positive darin zu sehen. So ging es mir heute, an meinem ersten Abend als Barkeeperin.

Es waren Bruchteile einer Sekunde, ein Moment der versehentlichen Aufmerksamkeit, als an einem Tisch im Pub der Satz ausgesprochen wurde: “Sie ist ein Er”. Vier so kleine Worte, die doch eine so grosse Bedeutung haben. Sie zeigen, dass man komplett verkannt wird und dass einem nicht der geringste Respekt entgegengebracht wird. Ausgesprochen wurden diese Worte von einem Mädel, das ich eigentlich schätze, die ansonsten sehr sympathisch ist aber scheinbar doch sehr wenig Einfühlungsvermögen und Anstand besitzt.

Nein honey, diese “Sie” ist kein “Er”, diese “Sie” war nicht mal früher ein “Er”, diese “Sie” ist ein ganz normales Mädel mit einer kleinen anatomischen Sonderbarkeit, sie hat Gefühle wie Du selber auch, sie versucht stets ein guter Mensch zu sein, versucht selbst denen mit Liebe und Respekt zu begegnen, die lieblos und respektlos sind. Sie ist eine der Menschen, die Andere akzeptieren und respektieren und annehmen genau so wie sie sind, mit all ihren Fehlern und Unvollkommenheiten. Sie ist sich ihrer eigenen Unvollkommenheit sehr wohl bewusst, steht aber trotzdem zu ihrer Andersartigkeit. Diese “Sie” ist kein “Er”, war es nie und wird es nie sein, auch wenn Du nicht dazu in der Lage bist, das zu begreifen.

Im ersten Moment machte mich diese lapidare Äusserung traurig, vielleicht auch ein wenig wütend, irgendwie auch verzweifelt. Die Tonlage hatte etwas belustigendes und klugscheisserisches, sie schien etwas korrigieren zu wollen, musste demonstrieren dass sie mehr weiss als Andere. Armut, die da aufleuchtet, soweit nichts Schlechtes, aber es war Armut, die auf dem Rücken eines anderen Menschen kompensiert wird.

Doch bald mal klickte es in meinem ach so andersartigen Köpfchen. Wenn dieses Mädel etwas korrigierte, dann muss es auch etwas zu korrigieren gegeben haben. Diese kleingeistige Bemerkung war ein Widerspruch und wo ein Widerspruch ist, muss ein Gegensatz sein. Dieser Satz macht nur dann Sinn, wenn jemand vorher etwas gesagt hat, das mir eben diese Weiblichkeit attestierte, die sie mit diesem Satz zunichte machen musste. Hoppala, dann war also vorher jemand, der mich als die Frau gesehen hat, die ich wirklich bin?

Ich werde nie erfahren, was ihr Gegenüber sagte, das sie zu diesem Einspruch veranlasste, aber es muss ein Attest gewesen sein, da musst ein Zuspruch dieser Weiblichkeit gewesen sein, den sie zu widerlegen musste. War es ein Kompliment? War es eine Frage? Das wissen nur die am Gespräch Beteiligten und es wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Aber da musste offenbar jemand gewesen sein, der/die mich so gesehen hat wie ich wirklich bin. So gesehen war ihr despektierlicher Einwand ein Kompliment, ein sehr Grosses sogar, weil es zeigt, dass ausser ihr selbst doch irgendwelche Leute mich so wahrnehmen, wie ich wirklich bin.

So wird eine Niederlage zum Sieg und eine Beleidigung zum Kompliment. So verhilft das, was uns klein machen will, schlussendlich zu wahrer Grösse.

Dieses Ereignis hat mich noch einige Zeit beschäftigt und es hat mich darin bestätigt, dass ich mich respektieren darf. Wenn ich mich selbst betrachte, sehe ich eine Frau, die ein verdammt hartes Los gezogen hat, die trotz aller Widrigkeiten ihr Leben meistert, die stark genug ist um mit erhobenem Haupt durch Menschenmengen zu gehen, die sie teilweise belächeln, vielleicht sogar verachten. DAS braucht wahre Grösse und ich bin stolz auf mich, dass ich dieses schwere Leben so souverän meistere.

Vielleicht ist es einfach nur der Neid der Besitzlosen, der gewisse Menschen zur vermeintlichen Demontage nötigt. Schlussendlich ist es egal. Was zählt ist die Frage, wie ich selbst über mich denke, wie ich zu mir stehe und wie ich mich selbst respektiere.

Und ja, ich liebe und schätze diese Frau die ich bin, auch wenn manchmal Menschen auftauchen, die “Sie” für ein “Er” halten.

They can verbally abuse me, they can torture me,
they can try to strip me bare of my dignity…
they can even take my life,
but they can never ever snatch who I am at my core…
I will always naturally express who I am on the outside,
Trans phobic social oppressors be damned!

(Arianna Davis)

Vortrag – Tootsie oder Transsexualismus

Heute morgen war ich mit meinem Vater, seiner Frau und meiner Logopädin zusammen am Vortrag von Dr. Bernd Krämer an der Universität Zürich. Der Titel lautete “Tootsie oder Transsexualismus” und meine Hoffnung wurde bestätigt, dass diese zwei Worte im Titel ein bewusster Kontrast sein sollen. Der Vortrag war interessant und gut vorgebracht und ich hoffe, dass irgendwelche Medien dort waren und das, was m.E. die zentrale Aussage war, auch irgendwie in ihre Arbeit einfliessen lassen. Es gab zwar wie erwartet auch Dinge die mir nicht in den Kram passten, aber gesamthaft gesehen war es in meinen Augen eine tolle Sache. Dr. Krämer ist der Oberarzt der psychiatrischen Abteilung am Zürcher Universitätsspital und er ist derjenige, der meine Transition sozusagen leitet, deshalb war es für mich spannend zu hören, was seine öffentliche Haltung in dieser Frage ist.

Erst mal meckern: psychische Störung?
Beginnen wir kurz mit dem was mir nicht so passte, weil das auch nicht Zentrum des Vortrags war. Einerseits war ich ein wenig enttäuscht, weil ich hoffte, etwas vertieftere wissenschaftliche Neuigkeiten zu erfahren. Aber das war mehr mein Fehler, dieser Vortrag war kurz und für die breite Öffentlichkeit gedacht, da war mehr als ein Überblick gar nicht möglich. Das Zweite was ich bedauerte, war die Tatsache, dass für ihn Transsexualität “zweifellos” eine psychische Störung ist. Ich hätte mir gewünscht, dass er wenigstens darauf hinweist, dass diese Sichtweise nicht erwiesen ist und dass es genauso gut möglich sein könnte, dass es sich hier um eine körperliche Veränderung handelt (vgl. Harry Benjamin Syndrom).

Transsexualität hat biologische Ursachen
Der Grund, weshalb ich trotzdem begeistert war, liegt darin, dass er sehr sehr deutlich klarstellte, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, sprich körperlich bedingt ist. Er sagte, dass transsexuelle Menschen über messbare genetische Marker verfügen, die klar zeigen, dass man nicht einfach so transsexuell wird sondern dass diese “Andersartigkeit” sozusagen in den Genen liegt und dass hormonelle Einflüsse im embryonalen Zustand vermutlich die Auslöser sind. Ferner erzählte er über die von mir bereits mehrmals erwähnte Tatsache, dass man nachweisen konnte, dass das Hirnareal BSTc, das für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen so ist wie bei nichttranssexuellen Frauen. Die Neuronendichte dieses Areals, also die anatomische Dichte dieses “Zellhaufens” entspricht bei transsexuellen Frauen der einer Frau und nicht eines Mannes. Ziemlich wörtlich sagte er:

Wenn man einem Hirnspezialisten einen Hirnquerschnitt einer transsexuellen Frau zeigt, wird er aufgrund dieses Hirnareals eindeutig darauf schliessen, dass er ein weibliches Gehirn vor sich hat.

Summa summarum sagte Bernd Krämer vorallem zwei Dinge in aller Deutlichkeit:

Transsexualität hat körperliche Ursachen und hat nichts mit anderen rollenspezifischen Spielereien zu tun.

Aufweichung von Geschlechtergrenzen
Um das zu verdeutlichen, begann der Vortrag mit Schilderungen, wie sich Geschlechterrollen und Attribute im Laufe dieses Jahrhunderts verändert haben. Die einst hart abgegrenzten Rollenmuster haben sich enorm aufgeweicht. Frauen tragen Hosen, Männer lange Haare oder zwei Ohrringe, Männer schminken sich, Frauen übernehmen Führungspositionen in Firmen und vieles mehr. Weiter erwähnte er Themen wie DragQueens, die Geschlechtergrenzen überschreiten und vieles mehr.

Transsexualität ist etwas ganz Anderes als Tootsie
Nach weiteren Beispielen kam er dann auf Transsexualismus, erwähnte die oben beschriebenen biologischen Ursachen und unterstrich deutlich, dass Transsexualismus nichts, einfach überhaupt nichts mit dieser Aufweichung von Geschlechtsstereotypen zu tun hat die er zu Beginn beschrieben hat.

Transsexuelle Menschen haben nicht einfach mal Lust Röcke zu tragen oder haben grad Spass daran etwas Frau zu spielen. Sie folgen nicht irgendwelchen kurzlebigen Trends sondern haben eine fixierte Geschlechtsidentität die biologisch begründet ist – gestern, heute und morgen.

Transsexuell wird man nicht, man ist es
Er zitierte zwei Studien, in der herauskam, dass 93% aller transsexuellen Menschen sich schon vor dem 16. Lebensjahr dem “anderen Geschlecht” zugehörig empfanden. Die zweite, neurere Studie zeigte, dass 78% von ihnen schon vor dem 14. Lebensjahr diese Überzeugung hatten. Aus Gesprächen mit anderen Betroffenen und eigener Erfahrung gehe ich davon aus, dass nicht viel weniger von diesen Menschen diese Überzeugung schon viel früher hatten, dazu gibt es bisher aber keine Studien.

Fazit – Kernaussage
Fazit des Vortrags sind zusammengefasst folgende Punkte:

  1. Transsexualität wird nicht anerzogen oder herangewünscht sondern ist biologisch (körperlich) begründet.
  2. Transsexualität hat nichts mit trendiger Metrosexualität zu tun sondern damit, dass die Betroffenen eine fixierte und unveränderbare Geschlechtsidentität haben.
  3. Transsexualität wird bereits im Mutterbauch in der pränatalen Phase determiniert.

Aufklärung – ein guter Anfang
Wer diesen Vortrag gehört hat, wird uns zwar nachwievor in der Ecke der “psychischen Störungen” einordnen, aber – und das ist für mich das Wertvollste – er wird nicht mehr glauben, transsexuelle Frauen seien Männer die es geil finden Röcke zu tragen (oder umgekehrt) sondern weiss jetzt, dass wir im embryonalen Zustand so geworden sind wie wir sind und dass wir uns das nicht ausgesucht haben. Transsexuelle Menschen wollen nicht transsexuell sein, sie sind einfach so zur Welt gekommen.

Damit fällt eine der zwei grossen Stigmatisierungen, diesem “der Kerl spinnt ja, tut so als wäre er eine Frau” hat er klar widersprochen. Die zweite Stigmatisierung, dass wir eine psychische Störung haben, bleibt vorläufig aufrecht erhalten, auch wenn es durch die nachgewiesenen biologischen Ursachen relativiert wird. Für mich ist das ein riesengrosser Fortschritt im Vergleich zu dem, was man früher über uns sagte.

Auch wenn ich nicht in allem einig war, der grösste Teil war wertvolle Aufklärung. Wenn die Öffentlichkeit nur schon das begreift, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und nicht einfach eine Spinnerei im Umgang mit Rollenklischees ist, dann haben wir viel erreicht.

Danke, Herr Krämer, möge die Welt das zur Kenntnis nehmen.

Weiterführendes:
Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität – eine psychische oder Störung?

Anlässlich des gestrigen Vortrags mache ich mir mal wieder Gedanken über die Frage, ob Transsexualität eine psychische Störung (Geschlechtsidentitätsstörung / gender-identity-disorder) ist wie es in den offiziellen medizinischen Diagnosebibeln dargestellt wird oder ob es sich hier um eine körperliche “Fehlentwicklung” handelt, wie es vor langer Zeit als “Harry Benjamin Syndrom” beschrieben wurde.

Fakten – da ist was schief gelaufen
Beginnen wir erst mal mit dem was wir wissen, bevor wir zu dem kommen, was wir glauben. Unbestritten ist die Tatsache, dass Transsexualität nicht einfach irgendwann entsteht oder irgend eine Spinnerei ist sondern, dass Transsexualität bereits im Mutterbauch entsteht – wenn nicht sogar früher. Man weiss heute, dass transsexuelle Menschen genetische Marker haben, die einen Einfluss auf Androgen- und Östrogen-Rezeptoren haben, was zu einer verminderten Fähigkeit führt, Testosteron aufzunehmen. Weiter weiss man, dass die Hirnregion BSTc, die für die Geschlechtsentwicklung zuständig ist, bei transsexuellen Frauen dieselbe Neuronendichte hat wie bei nichttranssexuellen Frauen. Jeder Hirnspezialist würde ein aufgeschnittenes Hirn einer transsexuellen Frau als weiblich einordnen. Ausserdem weiss man, dass hormonelle Einflüsse im pränatalen Zustand Transsexualität auslösen können, was in Tierversuchen mit Ratten sogar reproduzierbar ist. Und nicht zuletzt weiss man, dass die Geschlechtsidentität spätestens im Alter von drei Jahren unmöglich verändert werden kann.

Wer liegt hier falsch?
Man weiss also, dass es Menschen gibt, deren Fühlen und Denken samt Hirnstruktur nicht dem biologischen Geschlecht entspricht. Man weiss, dass es Fälle gibt, in denen sich Körper und Geist (Seele) nicht in dasselbe Geschlecht entwickeln und das bereits im embryonalen Zustand. Jemand hat sich da wohl geirrt, aber wer? Hat sich das Hirn resp. die Psyche fehlentwickelt, was dann zu einer sogenannten Geschlechtsidentitätsstörung führt oder hat sich der Körper fehlentwickelt?

Intersexualität als Denkvorlage
Ohne intersexuelle Menschen (Zwitter) zu vereinnahmen, sollte in dieser Frage die Tatsache berücksichtigt werden, dass es sehr wohl möglich ist, dass der Körper sich zumindest partiell ins falsche Geschlecht entwickelt. Intersexuelle Menschen kommen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt und werden dann auch meist “zurechtgeschnipselt”, was faktisch eine grässliche Menschenrechtsverletzung ist. Aber spätestens durch das Phänomen der Intersexualität wissen wir und können nicht leugnen, dass der Körper nicht das absolute Mass ist, das geschlechtsbestimmend ist.

Harry Benjamin Syndrom
Bereits zu Beginn der Transsexualitätsforschung vertrat Harry Benjamin, ein Pionier dieses Forschungszweiges den Standpunkt, dass Transsexualität eine Art Unterform von Intersexualität sein könnte. Etwas vereinfacht folgte er dem Gedanken: Wenn der Körper sich partiell ins Gegengeschlecht entwickeln kann, dann kann er das möglicherweise auch ganz. Das würde erklären, dass beispielsweise Menschen mit weiblicher Hirnstruktur vollständige männliche Geschlechtsmerkmale entwickeln können.

Reparative Verhaltenstherapien
Doch die Psychiatrie entschied sich anders, man konstruierte eine Geschlechtsidentitätsstörung. Diese Denkweise ist nicht per Definition falsch, es ist nachvollziehbar, dass man eher dem Körper Recht gibt als dem Geist und wenn ein Körper so klar einem Geschlecht zuweisbar ist und der Geist so diametral entgegenliegt, dann scheint der Geist halt ziemlich verdreht sein. So begann man transsexuelle Menschen wie schon früher homosexuelle Menschen mit allen erdenklichen Mitteln umzuprogrammieren, zumindest versuchte man dies, sei es mit Elektroschocks oder sei es mit “reparativen Verhaltenstherapien” bei Kindern. Doch bis zum heutigen Tag wurde nicht bei einem Menschen die Geschlechtsidentität umgekehrt. Wenn Transsexualität eine psychische Störung ist, dann offenbar eine Unheilbare.

Widersprüchlichkeit der Psycho-These
Charakteristisch für Transsexualität ist, dass Betroffene sich entgegen den dümmlichen Formulierungen der medizinischen Diagnosebibeln IDC und DSM nicht “den starken Wunsch” verspüren, dem “anderen Geschlecht” anzugehören, sondern, dass sie “der festen Überzeugung” sind, im falschen Körper zu stecken. Wenn jedoch jemand beispielsweise ein Mann ist und der der festen Überzeugung ist, er sei eine Frau, dann ist das nicht einfach eine neurotische Irritation sondern eine handfeste Psychose. Neurotiker denken sich Manches aus, aber nur Psychotiker sind der festen Überzeugung, dass ihr Ausgedachtes Realität ist. Wäre Transsexualität eine psychische Störung, könnte es sich nur um eine Psychose handeln, weil nur das diese feste Überzeugung erklären würde. Und damit wird das Ganze absurd. Denn jeder Psychologe kann bestätigen, dass sich ein Psychotiker seines Zustands nicht bewusst ist, er würde wohl glauben, er hätte tatsächlich eine Gebärmutter in sich oder würde glauben, man hätte sein Geschlecht wegoperiert. Aber bei transsexuellen Menschen fehlen sämtliche Anzeichen einer Psychose, sie wissen genau wer sie sind, was sie tun u.s.w. Kein Psychologe würde heutzutage Transsexualität zu den Psychosen zählen, aber was soll es dann sonst sein, wenn diese Überzeugung derart fixiert und nicht änderbar ist?

Widersprüchlichkeit der Bio-These
Also müsste man mit ein wenig Vernunft annehmen, dass es sich doch um eine biologische Veränderung handelt, dass der Körper sich aus was auch immer für Gründen ins falsche Geschlecht entwickelt hat. Aber da würden Wissenschaftler und im Speziellen Genetiker einwenden, dass ich als TransFrau ein XY-Chromosom, das zu Beginn meines Lebens im Mutterbauch festgelegt war, von der ersten Zellteilung an, körperlich bin ich also 100% Mann. Wie soll so eine Fehlentwicklung erklärbar sein, wenn ich von Anfang an beide Chromosomen hatte?

Letzte Ausfahrt: Seelen-These
Ich persönlich sehe nur ein Erklärungsmodell, das widerspruchsfrei ist. Eine rein psychische Störung kann es wie oben gezeigt unmöglich sein. Eine rein körperliche Fehlentwicklung scheint ebenfalls unglaubwürdig. So stellt sich die Frage, wann und wodurch das Geschlecht eines Menschen festgelegt ist. Es mag Leute geben, für die ein Lebewesen einfach ein sich fortpflanzender Zellklumpen ist oder eine Art Bio-Reaktor der laufen kann. Die Meisten dürften das wohl anders sehen, viele glauben, dass ihr “Ich” nicht einfach eine Projektion einer Bio-Maschine ist sondern etwas, was unser Selbst ausmacht. Man spricht von einer Seele, von einem Geist. Wenn der Mensch aber einen Geist oder eine Seele besitzt, die Voraussetzung dafür ist, dass diese Zellteilung und daraus resultierend dieses Leben entsteht, weshalb sollten wir dann davon ausgehen, dass diese Seele oder dieses Ich ein geschlechtsloses Neutrum ist? Wenn der Körper unsere Identität bestimmen würde, wäre unser Ich tatsächlich eine Projektion dieser Bio-Maschine, können und wollen wir das wirklich glauben? Ich persönlich glaube, dass mein Ich ein Selbst ist und nicht Projektion biochemischer Reaktionen. Dann kann mein Ich auch weiblich sein und dann ist es auch nicht ausgeschlossen, dass bereits bei der ersten Zellteilung “versehentlich” ein falsches Y-Chromosom mitkommt und von da an alle biologischen Prozesse fehlleitet werden.

Im Zweifel für die Angeklagten
Ich kann die Psycho-These meines Erachtens klar widerlegen und die Bio-These scheint auch sehr unglaubwürdig. Aber wer kann “meine” Seelen-These widerlegen? Im Zweifel für die Angeklagten, lautet ein weltweiter juristischer Kodex. Wenn die Psycho-These zu Stigmatisierung und Diskriminierung führt, also faktisch eine grausame Bestrafung bedeutet, wäre es da nicht angebracht, aufgrund der berechtigten Zweifel die einzige These anzunehmen, die nicht jeglicher Vernunft spottet? Ich bin eine Frau, war es immer und werde es immer sein, vor meiner Geburt und nach meinem Tod. Da könnte ich von mir aus auch noch ein Z-Chromosom haben, es würde nichts daran ändern, dass ich “ICH” bin.

Respekt vor dem ICH
Dann aber wäre es Zeit, meinem “Ich” den nötigen Respekt entgegen zu bringen, diese Seele ernst zu nehmen und das Geschlecht meines Selbst zu anerkennen, ungeachtet körperlicher Merkmale. Die Frage ist einfach, sind wir wandelnde Zellklumpen oder sind wir mehr als das. Wenn wir mehr als Zellklumpen sind, dann gebührt diesem “Mehr” auch der nötige Respekt, dann erübrigt sich jegliche Pathologisierung, dann bin ich einfach, was “ICH” bin – eine Frau, deren Körer nicht ganz dem Normalfall entspricht.

Transsexualität nach ICD – Der Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören?

Es gibt kaum etwas, das mich mehr aufregt, als die Formulierung der medizinischen Diagnose-Bibel ICD 10, in der Transsexualität unter F64 definiert wird als:

Der Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

Wer auch immer diesen Text geschrieben hat, demonstriert seine Inkompetenz und zeigt, dass er absolut keine Ahnung von Transsexualität hat – bereits die ersten zwei Worte zeugen von vollständigem Unwissen und Unverständnis.

Transsexualität als Wunsch? Wer in aller Welt wünscht sich, ein Leben unter Diskriminierungen zu leben, schwere chirurgische Eingriffe über sich ergehen zu lassen, lebenslang Medikamente zu nehmen u.s.w.?

Ich wünschte mir, ich hätte Flügel (mein ich ernst), trotzdem halte ich mich nicht für einen Vogel oder Engel. Ich wünschte, ich wäre reich, das gibt mir aber nicht das Recht Banken zu überfallen. Jeder Mensch hat tausend Wünsche und jeder Mensch kann damit leben, dass ein Grossteil dieser Wünsche nie in Erfüllung gehen.

Aber genau das ist der Punkt, dem “anderen Geschlecht” anzugehören ist kein Wunsch sondern eine feste Überzeugung. Genau das macht das Leben eines transsexuellen Menschen so unerträglich. Wäre es nur ein Wunsch, würde ich lernen damit zu leben, dass dies halt nicht möglich ist. Aber ich weiss seit meiner Kindheit – mit absoluter Bestimmtheit – dass ich eine Frau bin, dass ich eine weibliche Seele habe, weiblich denke und fühle…… und es ist einfach unsäglich grausam, als Frau in einem männlichen Körper leben zu müssen – oder umgekehrt.

Ich wünschte mir ein B-Körbchen, krieg aber (noch) nicht mal ein A-Körbchen voll. Was solls, damit kann ich leben, ein Wunsch mehr der nicht in Erfüllung geht. Aber ich kann nicht damit leben, als Frau in einem männlichen Körper zu stecken, ein männliches Leben zu führen und männliche Rollenmuster zu übernehmen. Weil es eben kein Wunsch ist sondern eine Gewissheit.

Es ist nicht so, dass ich einfach lieber eine Frau wäre, ganz im Gegenteil. Jahrzehnte lang habe ich mir gewünscht, ich könnte endlich damit klar kommen, diesen Körper zu haben und diesem Geschlecht anzugehören, ich hätte alles gegeben für ein normales Leben. Ich hielt die Diktatur meines Körpers für unumstösslich, wie schön wäre es gewesen, wenn sich mein Innerstes dem untergeordnet hätte. Aber das geht einfach nicht, das Ich passt sich nicht einfach irgendwelchen anatomischen Formen an, es existiert in sich selbst – unumstösslich.

Deshalb ist es nicht mein Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören, es ist meine Überzeugung, Frau zu sein und das nötigt mich, den nicht mit meinem Geschlecht korrespondierenden Körper meinem Selbst anzugleichen.

Mir kommt jedes Mal die Galle hoch, wenn ich von diesem angeblichen Wunsch lese. Ich wünschte mir nie, eine Frau zu sein, ich war stets eine, ich wollte nur ein Leben führen, in der mein Körper dieser Welt nicht ständig vorlog, dass ich keine Frau sein soll.

Solange die Fachwelt diese Sichtweise nicht begreift und ihre Diagnosebibeln weiterhin solchen Unsinn beschreiben, werden sie uns auch nie verstehen, nicht mal ansatzweise. Wirklich verstanden werde ich mich erst dann fühlen, wenn in ICD 10 unter F64 steht:

Die feste Überzeugung, in einem nicht der Geschlechtsidentität entsprechenden Körper zu leben. Der Wunsch Die Notwendigkeit, als Angehöriger des anderen wirklichen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Dieser geht meist zwangsläufig mit Unbehagen oder dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit zum eigenen nicht dem wirklichen Geschlecht entsprechenden anatomischen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch die Notwendigkeit nach chirurgischer und hormoneller Behandlung, um den eigenen nicht geschlechtskonformen Körper dem bevorzugten wirklichen Geschlecht soweit wie möglich anzugleichen.

So müsste der Text unter Anlehnung an ICD klingen, aber wenn man es genau nehmen will, ist sogar dies falsch und müsste eher so lauten:

Transsexualität ist eine körperliche Fehlentwicklung, bei der sich der anatomische Körper nicht der Geschlechtsidentität entsprechend entwickelt. Aufgrund des daraus resultierenden Leidensdrucks sind chirurgische und hormonelle Behandlungen notwendig.

Aber ich persönlich wäre schon mit der ersten Variante zufrieden und da sehe ich auch grössere Chancen, dass die Götter in Weiss dem irgendwann zustimmen.

Dianas Auferstehung – GaOp im September

Uiiiiiii bin ich aufgedreht, es ist echt erstaunlich, was Euphorie so an körpereigenen Drogen aufbieten kann :-) Heute war ich am Zürcher Universitätsspital um den Op-Termin zu besprechen und meine kühnsten Hoffnungen wurden erfüllt. Mein Oberarzt wird mich per September für die GaOp anmelden. Wann das genau sein wird, kann ich dann mit den Chirurgen ausdiskutieren, aber geplant ist es auf September und das sollte auch klappen.

Nach offiziellem Fahrplan hätte ich noch ein halbes Jahr länger warten müssen, aber man kam mir zeitlich entgegen. Der Grund für dieses Entgegenkommen liegt vorallem darin, dass ich schon jahrelang in einer Psychotherapie war und ich bei der Uniklinik sozusagen bereits mit einem Gutachten eintrudelte. Mein langjähriger Therapeut bestätigte darin, dass ich ein Trans-Mädel bin und dass wir alles nur Erdenkliche ausprobiert haben, um das “loszuwerden” und dass wir beide zum Schluss kamen, dass nur dieser Weg wirklich ins Licht führen kann.

Im August kommt Juliet eine Woche zu mir in die Ferien und knuddelt mich so voll, dass ich die Op sogar stehend über die Runden bringe. Klar habe ich auch Angst, vor möglichen wenn auch unwahrscheinlichen Komplikationen und vor den Strapazen, die es in sich haben dürfen. Aber all das ist völlig unbedeutend, im Vergleich zu der Freude die ich habe. Nicht, weil die GaOp das Wichtigste ist sondern weil es der letzte Schritt ist, der eine lange Leidensgeschichte beendet. Es wird der Anfang eines Lebens sein, in der das Äussere mit dem Inneren übereinstimmt und nicht zuletzt ist es der Anfang eines Lebens mit einem Ausweis, in dem ich endlich korrekt als Frau ausgewiesen werde.

Ich bin sowas von glücklich, das könnt Ihr Euch nicht vorstellen. Erst noch war es ferne Zukunft, jetzt sind es vier Monate, lausige 120 Tage, noch zweimal zu Schatzi fliegen, einmal mit ihr Ferien machen und fertig ist das Mädel :-) Es hat schon was surreales, so ein langes Leben träumte ich von dieser Kongruenz zwischen Innen und Aussen und genauso lange hielt ich es für unmöglich und verzweifelte daran. Nun steht es direkt vor der Tür…….. und ich werd mir wohl bald mal ein Bikini kaufen dürfen :-)))

Sarah hat grad heute in einem Forum geschrieben, dass der neue Begriff für Transsexualität nach DSM-V nicht mehr gender-identity-disorder heissen wird sondern gender-incongruence, also sozusagen ein Nichtübereinstimmen des Geschlechts mit dem Körper. Sie sagte, das Gute an dieser Neuformulierung ist, dass diese “Krankheit” nur solange besteht, wie die Inkongruenz besteht. Das erinnert mich an ein Interview mit einer Trans-Frau, deren Namen ich leider nicht mehr weiss. Auf die Frage, ob sie transsexuell sei, antwortete sie: Nein, seit meiner GaOp nicht mehr :-)

PS: ich hab mal einen provisorischen Termin (21. September) in meinen Countdowntimer eingebaut (siehe am Ende jeder Seite dieses Blogs), momentan gehts 24 Tage bis zum nächsten Kuschelwochenende, 94 Tage bis zu unseren gemeinsamen Sommerferien und 132 Tage bis zur GaOp :-)

Endlich Ich – Der richtige Körper für mein Leben (Spiegel-TV Dokumentation über Transsexualität)

Diesen Samstag 15. Mai bringt der TV-Sender VOX um 20:15 eine mehrstündige Dokumentation mit dem Namen “Endlich Ich – Der richtige Körper für mein Leben“. Wenn man die bisherigen Dokus von RTL, VOX und Konsorten als Massstab nimmt, wird es wohl einmal mehr eher reisserisch als informativ sein, aber ich bin ja Optimistin und geb die Hoffnung nicht auf, dass endlich mal ein Sender beispielsweise darüber berichtet, dass transsexuelle Menschen nicht “dem anderen Geschlecht” angehören WOLLEN sondern nur einen Körper brauchen, der ihrem INNEREN Geschlecht entspricht.

Der Ankündigungstext klingt einerseits gewohnt fehlinformierend, im Stil von “wollte schon immer eine Frau sein”, aber ein paar Ankündigungen klingen doch spannend, mal schauen was Spiegel TV daraus macht:

  • Was bedeutet es “Mann” zu sein, was “Frau”?
  • Wie festgelegt sind wir in unserer Rolle?
  • Wie sehr vom Geschlecht bestimmt?
  • Wer ist metrosexuell, was bedeutet intersexuell?

SPIEGEL TV dokumentiert in der großen Samstags-Ddokumentation die Geschichte der Transsexualität, berichtet über die unterschiedlichen Lebenswege von Menschen, die sich im falschen Körper gefangen fühlen und gibt Einblicke in das Leben von Männern und Frauen, die sich nur für Momente aus den starren Rollenklischees befreien, in dem sie bewusst abtauchen in die Welt des anderen Geschlechts.

Nachtrag: Aufgrund der Dauer von vier Stunden und dem Erfolgsdruck aufgrund des neuen Sendekonzepts, wage ich zu hoffen, dass VOX diesmal nicht bloss die üblichen Trans-Geschichten bringt sondern mit wirklich explosiven Facts aufwartet. Wenn dieses neue Konzept die Zuschauer fesseln soll, dann müssen sie Fakten bringen, die den Zuschauern neu sind und das wiederum müsste zwangsläufig zu unseren Gunsten laufen. Es wäre beispielsweise sehr spektakulär, wenn VOX über die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft berichtet, über die Entdeckung, dass Transsexualität biologische Ursachen hat, dass beispielsweise eine transsexuelle Frau ein anatomisch weibliches Gehirn hat und dass Transsexualität (vermutlich aufgrund von Hormoneinflüssen) bereits im Mutterbauch entsteht. Es wäre ein Meilenstein in der Mediengeschichte, wenn beispielsweise Themen wie diese thematisiert würden:
Transsexuelle Frauen haben eine weibliche Hirnstruktur
Transsexualität in Frankreich keine Geisteskrankheit mehr
Transsexualität – eine psychische oder Störung?
Vortrag – Tootsie oder Transsexualismus

Ich kann mich (nicht) riechen

Man sagt ja mit Recht, dass man jemanden riechen kann oder eben nicht. Was ursprünglich ein volkstümmliches Sprichwort war, wurde unterdessen auch wissenschaftlich nachgewiesen. Der menschliche Geruch führt zu Sympathie oder Antipathie, ohne dass wir uns das bewusst sind. Ich kann das bestätigen, denn ich kann mich neuerdings (nicht) mehr riechen………….

Von anderen Trans-Mädels habe ich schon davon gehört, dass die Hormontherapie auch den Körpergeruch verändert. Ich konnte mir das nur schwer vorstellen, anderseits, die hormonelle Umstellung verändert so Vieles am Körper, warum nicht auch das?

In den letzten Monaten fiel mir immer öfters auf, dass ich mich nicht mehr riechen kann. Natürlich werde auch ich irgendwelche Körpergerüche verströmen, aber ich nehm’s nicht mehr wahr. Selbst wenn sich mein Körper erhitzt und ich mal probehalber an mir rumschnüppfle wie ein bekloppter Köter, nehme ich da rein gar nix war.

Früher war das anders, spätestens wenn sich mein Körper erhitzte, nahm ich einen Geruch war, den ich nicht mochte, der mir irgendwie fremd und doch so vertraut war. Es war ein männlicher Geruch und den konnte ich nicht riechen, wenn ich ihn roch (verdrehte Welt).

Aber neuerdings ist da einfach gar nix mehr, selbst wenn ich schwitze, nehme ich nichts war – abgesehen von den Füssen, wenn sie in Kunstleder-Stiefel gepackt sind *schauder*. Offenbar hat die HRT da tatsächlich alles auf den Kopf gestellt.

Wer nun denkt, meine Nase sei einfach rauchenderweise in Trümmer gelegt, liegt falsch. Andere Menschen und im speziellen Jungs kann ich riechen, obwohl ich sie eigentlich nicht riechen kann äh mag oder so. An denen stört mich dieser testosterongeschwängerte Geruch auch nicht, er passt zu ihnen, aber an mir hat es mich immer gestört.

Frauen riechen dezenter, wenn ich das mal so sagen darf und das dürfte auch ein Stück weit erklären, dass ich nun testosteronfrei und östrogengefüllt ebenfalls etwas unauffälliger vor mich hindünste. Aber das was mich so fasziniert daran, ist die Tatsache, dass ich mich selbst geruchstechnisch nicht mehr wahrnehme.

Das lässt sich kaum mit dem wirklichen Geruchsgrad erklären, es dürfte viel mehr zu tun haben, dass mein Körpergeruch nun mir selbst entspricht. Man sagt ja, dass man sich selbst nicht riecht. Das war bei mir früher definitiv nicht der Fall, selbst frisch geduscht war da was, das ich nicht riechen konnte, wenn ich es roch.

Es ist einmal mehr ein Zeichen dafür, dass die hormonelle Veränderung meines Körpers meinem Innersten absolut entspricht. Mein Körper verändert sich von Monat zu Monat und wird meinem Inneren immer gleicher. Der Widerspruch zwischen Innen und Aussen löst sich immer mehr auf, Harmonie macht sich breit, ein Gefühl des Einsseins mit mir selbst.

Ja, langsam kann ich mich riechen – das zeigt sich daran, dass ich mich nicht riechen kann :-)

PS: das Parfüm auf dem Bild ist Classique von Jean-Paul Gaultier, das mich seit eineinhalb Jahren begleitet, hat aber nichts mit dem hier beschriebenen Geruchsphänomen zu tun. Aber ich liebe es über alles und es entspricht mir fast so sehr wie mein eigener neuer Körpernichtgeruch ;-)

Blogs lesen für Profis und Faultiere

Diejenigen, die mit der Blogwelt vertraut sind und bereits einen Blog-Reader oder sowas benützen, können sich den Rest des Lesens sparen, dieser Artikel richtet sich an diejenigen, die damit noch nicht so vertraut sind. Seit Kurzem führe ich ja mehrere Blogs und für StammleserInnen wird es so etwas mühsam, immer an verschiedenen Orten nachzulesen, ob was Neues angekommen ist. Aber das ist nicht nötig, weil Blogs die liebenswürdige Eigenschaft haben, dass sie sich von aussen einlesen lassen und von speziellen Programmen oder Webseiten eingesammelt werden können. Das Prinzip funktioniert so, dass man sich in so einem Programm alle Blogs abonniert die man mag. Dieses Ding liest dann regelmässig ob was Neues angekommen ist und stellt es einem mehr oder weniger übersichtlich zur Verfügung.

Google Reader
Ich selbst benütze seit Jahren den Google Reader. Hier läuft es so, dass man bei Google hier einen Account eröffnet, was ganz einfach und kostenlos ist. Dann geht man auf die Seite dieses Programms (http://www.google.de/reader/), gibt dort die Mailadresse und das Passwort ein, gibt faulerweise noch an, dass sich die Seite das Passwort merken kann und dann geht’s los. Oben links hat’s einen Knopf der “Abonnement hinzufügen” heisst. Es erscheint ein kleines Fensterlein in dem man die Webadresse des gewünschten Blogs eingibt. Meist ist es einfach die Startseite eines Blogs, also bei mir beispielsweise http://diana.tgirl.ch – manchmal muss man aber auch den sogenannten RSS-Feed angeben. Diesen findet man bei den Blogs meist irgendwo rechts unten. Dort raufklicken, die Webadresse aus dem Browser kopieren und diesen im GoogleReader einfügen. Von da an weiss der GoogleReader, dass Ihr mich oder sonstwen mögt und wenn Ihr da reingeht, seht Ihr sogleich die neusten Blogbeiträge aller Blogs die Ihr abonniert habt. Links von jedem Beitrag hat’s ein Sternchen, wenn Ihr das drückt, markiert Ihr den Beitrag. Die markieren Beiträge können in einem speziellen Menüpunkt links namens “Markierte Artikel” aufgelistet werden, so kann man sich gute Beiträge “merken”. Probiert einfach rum, man kann da suchen und sonst lustiges Zeuchs machen. Aber das Wichtige, Ihr seid hier immer auf dem Laufenden.

Outlook
Für diejenigen die es lieber einfach und bescheiden mögen und die Outlook als Mailprogramm verwenden, für die gibt’s eine andere Möglichkeit, die jedoch wie üblich bei Microsoft keinen Komfort bietet. Dazu geht man in seinem Postfach auf das Kapitel “RSS-Feeds” oder so ähnlich, drückt dort die rechte Maustaste und wählt dann im aufgeklappten Menü “Neuen RSS-Feed hinzufügen”. Je nach Outlook-Version können die Texte variieren, aber sinngemäss sollte so etwas in der Art stehen. Im nächsten Fenster dann wie auch beim GoogleReader einfach die Adresse eingeben.

Google Blog Search
Wer gar nix Derartiges nutzen möchte, kann mit nachfolgender Adresse direkt auf BlogSearch von Google zugreifen und kriegt alle Beiträge meiner Blogs (ausser das Satireblog) mit absteigendem Datum.
http://blogsearch.google.ch/blogsearch?as_q=&num=100&bl_url=tgirl.ch&scoring=d

Spiegel-TV Dokumentation über Transsexualität: Endlich Ich – der richtige Körper für mein Leben

Ich war mir ganz sicher:
Lieber sterbe ich,
bevor ich dieses Leben im falschen Körper weiter lebe
(Balian Buschbaum)

Mit einem Tag Verspätung konnte ich nun die Spiegel-TV Reportage “Endlich Ich – der richtige Körper für mein Leben” sehen, die im Rahmen der Serie “Grosse Samstagsdokumentation” auf VOX gesendet wurde. Darüber möchte ich hier schreiben, kann dies aber aufgrund des grossen, vierstündigen Umfangs, nur in reduzierten Mass tun.

Bereits in der ersten halben Stunde hatte ich mehrmals Tränen in den Augen und war teils zutiefst gerührt. Einerseits weil all das, was Betroffene schilderten, schmerzhafte Erinnerungen in mir wach riefen, weil all diese Schilderungen mir einen Spiegel vorhielten und mich an all den Schmerz erinnerten, den ich ein Leben lang zu ertragen hatte. Auf der anderen Seite war ich tief berührt, weil ich zum ersten Mal eine Dokumentation über Transsexualität sah, in der ich mich im wesentlichen repräsentiert fühlte, in der meine etwas andersartige Wesensart nicht psychopathologisiert wurde sondern die Macher der Reportage offenbar ihre Hausaufgaben gemacht haben und uns nicht als völlig Gestörte darstellten sondern der Sache etwas tiefer auf den Grund gingen, als ich bisher gewohnt war.

Klar, es gab auch hier falsche Sichtweisen und Formulierungen, es war die Rede vom “Zwang, als Frau leben zu wollen” oder dem “Wunsch, Frau zu sein” und sonstigen Falschbildern. Aber im Gegensatz zu anderen Dokumentationen über Transsexualität wurde beispielsweise korrekt von einer “geschlechtsangleichenden Operation” gesprochen und die Betroffenen wurden zumindest in der Gegenwart meist in der korrekten geschlechtsspezifischen Form tituliert. Teilweise wurden Betroffene sogar in der Vergangenheitsform korrekt benannt. Ebenfalls schön war, dass alle Betroffenen auf mich sehr authentisch wirkten. Die transsexuellen Frauen wirkten von ihrer ganzen Wesensart als Frau und die transsexuellen Männer wirkten so männlich, wie man sich das nur vorstellen kann.

Eine kleine Zwischenepisode streifte das Thema Alltagstest, die Praxis, in der transsexuelle Menschen wider aller Vernunft gezwungen werden, vor einer medizinischen Betreuung erst mal mindestens ein Jahr lang in der korrekten Geschlechterrolle zu leben. Dass ein Leben als Frau in einem männlichen Körper schlicht unmöglich ist, wird von Fachleuten konsequent ignoriert. Man will die Ernsthaftigkeit testen und riskiert dabei, dass die Betroffenen aufgrund dieser unterlassenen Hilfeleistung unterwegs drauf gehen. Die Moderatorin Erika Berger brachte diese Problematik deutlich auf den Punkt:

Ich glaube, der Alltagstest, bevor Du überhaupt zur Tat schreiten kannst, ist das Schlimmste was jemandem passieren kann. Weil – es hilft Dir übrigens auch keiner wie Du Dich kleiden kannst – man sagt Dir dann einfach, ok, Du gehst jetzt heute mit dem Bus oder mit der Bahn oder gehst zum Einkaufen und ziehst Dich so an wie Du glaubst, dass Du als Frau wirkst – eine Katastrophe! Weil Dich jeder anglotzt. Da würd ich jetzt auch schau’n.
(Erika Berger)

Auch der Leidensdruck, den ein Leben im falschen Körper verursacht, der bei Vielen zu selbstverletztendem Verhalten oder Alkohol- oder Drogenmissbrauch führt, wurde verschiedentlich thematisiert und von Carola Kretschmer, der Gitarristin von Udo Lindenberg, in geradezu spürbarer Weise ausgedrückt:

Ich habe 48 Jahre innerlich gelitten und äusserlich hatte ich meine Ruhe. Und wenn ich jetzt innerlich meine Ruhe habe, dann kann ich vielleicht auch mal äusserlich leiden, wenn ich irgendwie komisch angekuckt werde oder was auch immer da passiert.
(Carola Kretschmer)

Noch deutlicher beschrieb es der klinische Sexualpsychologe Dr. Christoph J. Ahlers:

Das erlebt man wie ein Gefängnis, als wenn man gefangen ist im falschen Körper. Das löst extremes Leid aus! In jeder Situation, in der ich mit einem anderen Menschen in Kontakt trete und aufgrund meiner von mir als falsch erlebten Körperlichkeit als Mann oder Frau angesprochen werde, eigentlich aber das Gefühl habe: Ich bin das gar nicht! Immer dann tritt diese Verzweiflung auf, dieses Hoffnungslose, dieses “wie komm ich da nur raus”.
(Dr. Christoph J. Ahlers)

Im weiteren Verlauf der Sendung kamen Themen zur Sprache wie DragQueens und Transvestiten, jedoch nicht ohne darauf hinzuweisen, dass der “Spass am Geschlechterwechsel” wie bei diesen Gruppierungen nichts mit Transsexualität zu tun haben. Weiters wurde über Intersexualität berichtet, ohne zu verschweigen, dass Zwitter in der Regel wider aller Menschenrechte chirurgisch verstümmelt werden. Die Abstecher zu diesen Themen dienten meines Erachtens vorallem der Abgrenzung, um zu zeigen, dass Transsexualität, die Gewissheit, im anderen Körper zu stecken, nicht verwechselt werden darf mit anderen geschlechtsübergreifenden Phänomenen. Vorallem das Thema Intersexualität wurde eindrücklich thematisiert, aber dazu möchte ich hier und jetzt nichts schreiben, weil diese Form medizinischer Barbarei eines gesonderten Blogbeitrags bedarf.

Ich bin unbeschreiblich dankbar, all den Betroffenen die sich in dieser Dokumentation präsentiert haben und einen Einblick ermöglichten, in das Denken, Fühlen und Leiden von transsexuellen Menschen. Und ich bin Spiegel-TV und VOX dankbar, dass sie dieses schwer zu begreifende Thema doch ein wenig begreifbar machten.

Einziger Kritikpunkt meinerseits ist, dass vorallem wissenschaftliche Fakten fehlten, die in den letzten zehn Jahren beweisen konnten, dass Transsexualität biologische Ursachen hat und transsexuelle Menschen eine anatomische Hirnstruktur haben, die dem sogenannten “Gegengeschlecht” entspricht. Das möchte ich hier noch ergänzen mit folgenden Links:
Transsexuelle Frauen haben eine weibliche Hirnstruktur
Transsexualität in Frankreich keine Geisteskrankheit mehr
Transsexualität – eine psychische oder Störung?
Vortrag – Tootsie oder Transsexualismus

Meine Transsexualität ist seit 30 Jahren begraben.
Ich bin eine heterosexuelle Frau
und möchte auch weiter so leben.
(Romy Haag)

PS: falls jemand von den Betroffenen, die an dieser Doku mitgearbeitet haben, dies lesen, bitte kontaktiert mich, ich finde Euch ausnahmsweise toll, bin Euch allen dankbar für Eure Öffentlichkeitsarbeit und würde mich gerne mit Euch austauschen.

Erfolgsbarometer Psychotherapie

Diese Woche war ich nach längerer Pause wieder mal bei meinem Psychotherapeuten, der mich seit Jahren betreut. Wie so oft, nein wie ständig in letzter Zeit, waren wir beide verblüfft und erfreut, über die Art, wie sich diese Stunde verändert hat. Mein Doc hat mich jahrelang begleitet, hat mich unzählige Male ganz am Boden erlebt und mich wieder aufgebaut. Manchmal hat er mir richtiggehend leid getan, dass ich ihn immer wieder mit meinen Depros und meiner Verzweiflung zuschüttete. Es war ein sich ständig wiederholender Ritus, in dem ich immer wieder zerbrach und wir mich immer wieder auf die Beine stellten. Es war eine Art Sisyphus Arbeit, man stellt auf, in der Gewissheit, dass es gleich wieder zusammenkracht. da war wenig Hoffnung, worauf denn auch? In dieser – meiner kleinen Hölle – gab es keinen Ausgang.

Schon zu Beginn meines “sozialen Geschlechterwechsels” vor eineinhalb Jahren, verändert sich alles in wundersamer Weise. Zu Beginn gab es zwar noch eine Menge Arbeit für meinen Doc. Ich stand vor riesigen, schier unlösbaren Herausforderungen, musste von Null beginnend ein neues Selbstbewusstsein aufbauen, in einer Lebensphase, in der mich die Meisten spürbar für völlig irre hielten und ich von Vielen belächelt wurde. Aber schon vom ersten Tag an hatte sich etwas verändert. Ich war glücklich, einfach unsäglich glücklich, dass ich diese grässliche Maske ausziehen konnte und endlich meine wahre Identität leben konnte. Und ich hatte etwas, das zu Kämpfen sich lohnte, die Befreiung meinerselbst. Allein schon die Tatsache, dass ich nun als Ich leben konnte und die Gewissheit, dass mich nichts und niemand mehr davon abhalten würde, gab mir soviel Lebensfreude und Kraft, dass es von da an ständig aufwärts ging, von Monat zu Monat, es wollte kein Ende nehmen.

Seit Monaten beobachte ich, dass unsere Therapiestunde immer mehr zu einer glücklichen Plauderstunde wird. Klar habe ich nachwievor Probleme, es gibt heute noch vieles an dem ich zu Beissen habe, der Weg einer transsexuellen Frau in einer doch teilweise intoleranten und von Diskriminierung geprägten Gesellschaft ist nunmal hart. Aber egal was gerade passiert, egal ob etwas weh tut, es wird immer überdeckt durch diese unbändige Lebensfreude.

Ich glaube, selbst wenn heute jemand mit einer Waffe stehen würde, hätte ich noch ein Lächeln im Gesicht, weil ich die Gewissheit hätte, wenigstens als die Frau zu sterben, die ich so lange verbergen musste. Ich bin Ich, egal was passiert, egal was man mir antut, egal wie schwer das Leben ist, ich bin und bleibe Ich. Das kann mir niemand mehr wegnehmen.

Selbstentfaltung ist der Sinn des Lebens, davon war ich seit je her überzeugt. Diese Überzeugung hatte etwas Bitteres, weil ich mir so sicher war, dass mir dies für immer und ewig versagt bleiben würde.

Heute ist es Realität, es ist mein Leben. Ich habe mich aus dem Kerker meiner Seele ausgegraben, mir dabei die Finger blutig gekratzt, Meere aus Tränen geweint, aber nun bin ich draussen, da wo das Licht scheint, wo die Sonne die Seele wärmt, Tag für Tag. Heute stehe ich hier, mitten in dieser, meiner Welt……. und selbst wenn rund um mich heraum alles in Schutt und Asche liegen würde, hätte ich doch dieses Lächeln im Gesicht, das Lächeln eines befreiten Menschen.

Das erfüllt mich wie so oft wenn ich über diese Entwicklung nachdenke mit grosser Dankbarkeit, denn diese Befreiung ist keine Selbstverständlichkeit und noch mehr ist es keine Selbstverständlichkeit, dass rund um mich herum nicht alles in Schutt und Asche liegt. Viele transsexuelle Menschen gehen durch die Hölle. Sie finden keinen Job, keine Wohnung, verlieren Freunde, werden von der Familie ausgestossen, andere werden angepöbelt, verprügelt, getötet…….. Vielen geht es schlecht, manchen sogar sehr schlecht, aber nicht weil ihr Weg falsch ist sondern, weil sie in ein Umfeld eingebettet sind, das der menschlichen Grausamkeit die Krone aufsetzt. Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen sind Alltag im Leben von vielen transsexuellen Menschen. Ich hatte soviel Glück, als Informatikerin bin ich in einem beruflichen Umfeld, in dem vorallem die Fähigkeit zählt und “anders sein” völlig irrelevant ist. Meine Familienangehörigen stehen zu mir, meine FreundInnen werden von Monat zu Monat zahlreicher, ich habe das Glück, relativ gute körperliche Voraussetzungen zu haben, die mir heute ein einigermassen gutes Passing ermöglichen…………

……….und ich werde von einer Frau geliebt, die mehr ist und mir mehr gibt, als ich mir in meinen kühnsten Träumen erhofft hätte. Süsse, Du kannst Dir nicht vorstellen, wie glücklich ich bin, dass wir Zwei uns gefunden haben, Du bist die Vervollkommnung meines Lebens, das ich nun endlich leben kann.

Mit blutverschmierten Händen
Mit einer Träne im Gesicht
Einem Lächeln auf dem Lippen
Und der Hoffnung tief im Blick
Aufzustehen auch aus dem Dreck
Tief beschmutzt und stolz im Herz
Dem Leben neu erwacht
Und erwacht ganz neu im Leben
(Lacrimosa – Stolzes Herz)

Transsexualität und positives Denken

Erst kürzlich habe ich hier aus gegebenem Anlass über dieses Thema geschrieben, ich denke es wäre angebracht, diese Gedanken nochmal etwas zu vertiefen………….

Alle kennen wohl das Bildnis vom halbvollen Glas. Für den Pessimisten ist es halbleer, für den Optimisten halb voll. Der negativ-Denkende trauert darüber, dass er nur noch die Hälfte hat. Der positiv-Denkende freut sich, dass immer noch die Hälfte übrig ist. Es braucht wenig Phantasie um sich vorzustellen, welcher von Beiden glücklicher ist. Positives Denken hat nichts mit Zweckoptimismus zu tun, wenn etwas Scheisse ist, lässt sich das nicht schön reden. Es geht um die Frage der Sichtweise die man einnimmt. Gerade für transsexuelle Menschen ist positives Denken überlebensnotwendig, denn viele von uns haben kein halbvolles oder halbleeres Glas sondern bestenfalls einen Schluck im Glas. Trotzdem ist das Glas nicht leer und daran müssen wir uns festhalten und uns daran erfreuen, wenigstens an dem Bisschen, das wir haben…….. denn manchmal ist auch scheinbar Weniges überraschend viel.

Positives Denken gehört für transsexuelle Menschen nicht grad zum Standard-Repertoire, was auch kein Wunder ist. Ein Leben lang versteckten wir uns vor der Welt und uns selbst, schämten uns für unsere Wesensart, wir unterdrückten jegliche Selbstentfaltung und verhinderten unser Ichsein. Wir taten das bis ans Ende unserer Kräfte. Als wir uns entschieden, für uns einzustehen und unser Ich zu entfalten, ernteten wir dafür Hohn und Spott, wir wurden belächelt, manche ausgegrenzt und wir waren mit unzähligen Diskriminierungen konfrontiert. Ein künstlich verlängerter Transitionsprozess musste gegangen werden, man verweigerte uns im Rahmen eines sogenannten Alltagstest mindestens ein Jahr lang medizinische Hilfe und all das was wir auf uns nahmen, ertrugen wir im steten Bewusstsein, dass wir äusserlich nie 100% das sein werden, was wir innerlich sind, dass wir einem Ziel folgen, das nie ganz erreicht werden kann und dass wir all das, was wir im bisherigen Leben verpasst haben, nie nachholen können. Da fällt es schwer, das Positive zu sehen.

Und doch ist es da, wir müssen es nur vor Augen halten und es so wertschätzen, wie es eben wertvoll ist. Alle sprechen mich mit Diana an und anerkennen damit meine Identität. Immer mehr werde ich mit “Frau” angesprochen und damit wird mein Personenstand anerkannt. Von Monat zu Monat verändert sich mein Körper und gleicht sich immer mehr meinem Inneren an, die Zerrissenheit zwischen Innen und Aussen nimmt immer mehr ab. Der Riss wird nie ganz gekittet sein und es werden mich nie alle so respektieren, wie ich es verdient hätte, aber das Glas wird immer voller, von Tag zu Tag.

Wenn ich am morgen aufstehe, im Bewusstsein, wieder einen Tag als die Frau zu leben, die ich so lange nicht sein durfte, wenn ich mich schminke und mein Gesicht mir selbst angleiche, wenn ich mich anziehe, so wie es mir immer gefallen hätte, wenn ich meinem inneren Geschlecht entsprechend in diese Welt treten kann, was spielt es da noch für eine Rolle, ob ein paar geistig zurückgebliebene Mitmenschen das belustigt?

Ich habe heute eine Freiheit, die ich noch nie in meinem Leben hatte, die Freiheit mich selbst zu sein. Mehr als das, ich habe sogar Narrenfreiheit, weil ich nicht mehr unter dem Bann stehe, zu sein was andere glauben, ich sei es oder ich hätte es zu sein. Welcher sogenannt Normale kann das von sich behaupten? Wer ist so frei, dass er sich dermassen entblössen kann, wer hat die Grösse, seinen Weg zu gehen und die Leute lachen zu lassen?

Ja, unsere Gläser werden immer mal wieder ausgeschüttet, aber in leere Gläser passt noch mehr neuer Wein und – das wusste schon Jesus zu predigen – der neue Wein ist besser als der Alte und er ist nicht durch den Alten verunreinigt ;-)

Ich werde nie so feminim aussehen wie eine biologisch korrekt geborene Frau, ich werde mich immer rasieren müssen, mein Busen wird alles andere als üppig werden, meine Hüften werden nie die Weiblichkeit darstellen, die meinem Innersten entspricht, es werden mich immer wieder Leute als transsexuelle Frau wahrnehmen und belächeln oder als “Transe” verspotten, es wird schwerer einen Job oder eine Wohnung zu finden, ich werde immer Pillen schlucken müssen um einen mir entsprechenden Hormonpegel zu haben……… aber all das ist nichts im Vergleich zu der Freiheit, die wir uns mit diesem Weg erkämpft haben.

Glaubt mir, die meisten Menschen sind nicht annähernd so frei. Sie kaufen ein bestimmtes Auto, weil man damit angeben kann, sie wählen einen Job, weil er ihnen Ansehen verschafft, sie kaufen Kleider, weil “man” das halt diese Saison trägt, viele wählen sogar ihre Freunde und Lebenspartner danach aus, ob sie ihrem Ansehen nützen. Das ist die alltägliche Prosititution, der Viele nachgehen ohne es zu merken. Sie machen sich keine Gedanken, was sie selbst wollen, sie fragen nur danach, was man von ihnen erwartet. Sie kämpfen nicht für ihr Selbst sondern für die Illusion eines perfekten Lebens, das ihnen Ruhm einbringen soll und werden so zu Sklaven ihres Umfelds.

Wir transsexuellen Menschen mögen in vielem benachteiligt sein, in sehr vielem sogar, aber wir haben das Wichtigste erkannt, dass unsere Selbstentfaltung jeden Preis wert ist und wir haben uns durchgerungen, für unser Ichsein einzustehen und für unser Ich zu kämpfen. Wir gehen unseren Weg und lassen uns weder durch Gelächter noch Diskriminierung davon abbringen, uns selbst treu zu bleiben.

Wenn ich ehrlich sein soll, ich finde, unser Glas ist übervoll, es wäre wirklich angebracht, dass wir den Inhalt geniessen ;-)

Wenn man eine strenge Wanderung macht und einen steilen Berg hinauf läuft, kann man sich ständig auf die Anstrengung konzentrieren, sich über schmerzende Füsse ärgern, immer wieder hoffnungslos die weit entfernte Bergspitze ansehen und so den ganzen Weg zum Albtraum machen. Oder man bleibt immer mal wieder stehen, betrachtet die Blumen am Wegrand, blickt zwischendurch zurück ins Tal und erfreut sich daran, wieviel des Weges man schon hinter sich gebracht hat und geht dann weiter, den Weg den man gewählt hat, weil es eigene Weg des Herzens ist, weil egal ist wie strapaziös er ist, weil er einfach gegangen werden muss, weil es der eigene Lebensweg ist………. und weil der Weg das Ziel ist……. und der Weg uns zu uns selbst führt……. und weil wir bei uns selbst, in uns selbst, die einzig wahre Freiheit finden, die Freiheit zur Selbstentfaltung.

Vor ein paar Tagen ging ich in den Zoo
Die Sonne schien, mir war ums Herz so froh
Vor einem Käfig sah ich Leute stehn
Da ging ich hin, um mir das näher anzusehn

Nicht Füttern stand auf einem großen Schild
Und bitte auch nicht reizen, da sehr wild
Erwachsene und Kinder schauten dumm
Und nur ein Wärter schaute grimmig und sehr stumm

Ich fragte ihn, wie heißt denn dieses Tier?
Das ist die Freiheit, sagte er zu mir
Die gibt es jetzt so selten auf der Welt
Drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt

Ich schaute und ich sagte, lieber Herr
Ich sehe nichts, der Käfig ist doch leer
Das ist ja gerade, sagte er, der Gag
Man sperrt sie ein und augenblicklich ist sie weg

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
Und manche Menschen haben Angst vor ihr
Doch hinter Gitterstäben geht sie ein
Denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.

(Georg Danzer – Freiheit)



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