(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

T-Girl in der Kleider-Euphorie

Heute wurde ich von einer Leserin auf etwas angesprochen, sie fragte sich, weshalb Kleider, Schuhe und sonstige Äusserlichkeiten so eine grosse Rolle spielen. Da ich die Frage spannend finde, möchte ich versuchen, das hier auch zu erklären.

Regelmässige LeserInnen haben vorallem Anfang letzten Jahres erlebt, mit welcher Begeisterung ich mich in Kleiderläden gestürzt habe, dass ich hochhakige Schuhe sammelte wie Eichhörnchen Nüsse und dass sich vieles hier im Blog um Äusserlichkeiten drehte. Die Frage, wie ich auf Andere wirke, wie ich aussehe, was ich optisch aus mir machen kann, war sehr present und war wie alles hier im Blog Ausdruck dessen, was mich beschäftigt und bewegt. Gerade StammleserInnen dürfte auch aufgefallen sein, dass sich das in letzter Zeit deutlich gelegt hat. Der Grund für die anfängliche Euphorie und für das Abflauen desselben möchte ich nun erklären…….

Eigentlich sind es zwei Gründe, die Äusserlichkeiten in meinem neuen Leben so wichtig machten. Zum einen hat es damit zu tun, dass ich eben vier Jahrzehnte in ein männliches Äusseres gezwungen war und das löste eine riesige Sehnsucht nach einem weiblichen Äusseren aus. So kompensierte ich gerade in dieser ersten Zeit vieles, was ich früher verpasst habe. Dabei geht es weniger um Röcke und Schuhe als mehr darum, dass diese Dinge weibliche Attribute repräsentieren und es für mich eine wahre Wohltat ist, nach so langer Leidenszeit endlich anziehen zu dürfen, was ich möchte und endlich so aussehen zu dürfen, wie ich mich innerlich immer fühlte. Es ist wie wenn jemand aus einer armen Familie kommt und nie gutes Essen bekam, wenn er das irgendwann hat, wird er fürs Erste masslos sein. Das legt sich in der Regel, aber gerade in der ersten Phase geniesst man einfach die neue Freiheit. Schon jetzt nach einem Jahr hat meine anfängliche Euphorie in Kleidersachen deutlich abgenommen, weil das einst Aussergewöhnliche einfach zur Normalität wurde, aber ich geniesse es natürlich nachwievor, dass ich nun so in die Welt treten kann, wie ich mich auch fühle.

Der zweite Punkt ist der, dass ich durch betont weibliche Kleidung oder Schminke viel weniger auffalle. Das menschliche Gehirn funktioniert so, dass es sich an markanten Punkten orientiert um etwas einzuordnen. Wenn ich in T-Shirt, Hosen und Turnschuhen heraumlaufe, ist das Gesicht fast der einzige Punkt an dem ich geschlechtlich klassifiziert werden kann und da dürfte ich eher schlecht abschneiden, vorallem ungeschminkt. Wenn ich aber auf hohen Absätzen, mit Rock, langen Haaren und Lippenstift herumlaufe, werde ich von allen, die nicht sehr genau hinschauen, automatisch als Frau einsortiert und falle so nicht mehr auf. In meiner Anfangszeit vor einem Jahr war das noch nicht so und es war sehr anstrengend, ständig diese prüfenden Blicke über mich ergehen zu lassen und nur zu oft sah ich den Blicken an, dass da Gedanken aufkamen im Stil von: “was ist denn das für ein Kerl”. Betont weibliches Äusseres ist für eine transsexuelle Frau ein grosser Schutz, um einfach unauffällig sich selbst zu sein.

Sowohl die körperlichen Veränderungen als auch Kleidung u.s.w. sind schlussendlich auch Mittel zum Zweck, sie dienen vorallem dem, dass ich in dieser Welt als die Frau leben kann, die ich innerlich schon immer war, ohne ständig blöd angeguckt oder angepöbelt zu werden. In dieser Gesellschaft wird eine Frau mit männlichem Körper nicht respektiert und so sind all diese Äusserlichkeiten enorm wichtig, um ein einigermassen ruhiges und ungestörtes Leben zu führen.

Und schlussendlich ist es auch eine Frage der Selbstwahrnehmung. Wenn man sich voll und ganz als Frau empfindet, nicht weil man sich das einbildet oder einfach lieber eine Frau wäre sondern weil man eine weibliche Hirnstruktur und sozusagen “eine weibliche Seele” hat, fühlt man sich einfach verkrüppelt, wenn das Äussere dem Inneren derart widerspricht. Da tut es einfach gut, sich betont feminim zu zeigen, egal ob der Öffentlichkeit oder sich selbst im Spiegel. Als transsexuelle Frau muss ich damit leben, dass viele mich als Mann betrachten, der halt lieber eine Frau wäre. Je feminimer das Wesen wirkt, das ich im Spiegel sehe, umso mehr kittet dieser Anblick die Risse im Selbstbewusstsein, die Bewertungen von aussen verursachen können.

Last but not least sind auch körperliche Aspekte, die meine Begeisterung für weibliche Kleidung verstärken. Auf hochhakigen Schuhen verändert sich die ganze Haltung, der Rücken biegt sich, der Hintern streckt sich mehr raus, die Hüpften schwingen automatisch mehr und der ganze Gang wird katzenhafter, das fühlt sich unglaublich weiblich an (das bestätigen mir auch Bio-Mädels). Das TicTac Geräusch von Pumps erinnert mit jedem Schritt daran, dass ich jetzt in meiner wahren Geschlechterrolle lebe. Ein Rock oder Jupe streichelt die Beine bei jedem Schritt und jedem Windstoss und erinnert mich wieder daran, was für ein Wunder da geschehen ist. Und die morgentliche Gesichtsbemalung wird zu einem Ritual, mit dem ich meine Metamorphose täglich neu inszeniere. All das gibt mir immer wieder, mit jedem Schritt, jedem Windstoss und jedem Pinselstrich die Bestätigung……….. ja, ich habe es geschafft………. ich bin Ich!

Laser, Doppelwach und lila Computer

Heut war wieder mal Laser-Termin *urks*. Ich lieb das so, erst muss ich ungeschminkt und unrasiert Zug fahren, dann werd ich mit fiesen Laserstrahlen beschossen als ob Ausserirdische angreifen würden, dann mit abgefackeltem Gesicht wieder heimfahren. Vorallem Letzeres ist immer spassig, so ungeschminkt mit angebrutzeltem Gesicht fällt man üüüüüüüberhaupt nicht auf, ne, nicht im Geringsten. Und da ich heute mal wieder Eulenaugen hatte wie doof und die nicht überschminken konnte, sah ich echt übel aus. Aber Schönheit muss halt leiden und die Bartschattenproblematik drängte mal wieder so ne Quälerei auf. Eigentlich hab ich’s ja mega gut mit meinen blonden Haaren. Ich hab eigentlich nie Bartschatten, selbst wenn da schon was rausspriesst, das ist farblich so schön der Haut angepasst, dass das nicht auffällt. Aber an der Oberlippe hats in den letzten Monaten wieder zugenommen und so musste ich heut mal wieder.

Zweimal aufwachen ist ganz schön schräg
Vor einer Laserbehandlung wird einem die zu lasernde Stelle mit so nem Anästhesie-Gel eingeschmiert, den man eine Stunde einwirken lassen muss. Weh tut’s trotzdem noch, aber es ist doch etwas erträglicher so. Heut war ich mal wieder grausam müde unterwegs und so kam was kommen musste, ich schlief in kürzester Zeit dort ein und pennte ne Stunde lang. Was dann kam, war echt surreal. Ich wachte auf, als der Arzt reinkam, er begrüsste mich und schob mich auf der Liege in den Laser-Raum. Ich wunderte mich arg, weil er mich nie dahin gekarrt hat, ich musste immer laufen. Und während ich mich da so wunderte, gabs irgendwie eine Bildstörung und ich lag wieder im Warteraum, der Arzt kam rein, begrüsste mich, lief voraus in den Laser-Raum und ich dackelte wie ferngesteuert hinter ihm her. War das jetzt ein Zeitsprung? Oder hab ich das erste Aufwachen nur geträumt? Oder träum ich jetzt auch? Oder lieg ich zuhause im Bett? Ne echt, ich war für n’Moment völlig neben den Schuhen und kapierte überhaupt nix mehr. Nach einer knappen Stunde Schlaf ist man in der Tiefschlafphase und das jähe Aufwachen in Kombination mit dem vorhergehenden Aufwachtraum war echt zuviel für mein Hirn. Erst als die ersten Laserstrahlen meinen Schädel durchbohrten, war mir klar, dass dies doch kein Traum war – leider. Aber ich war für den Rest der Behandlung in so nem Zustand, als wär ich mit Drogen vollgepumpt, irgendwie war dieses vermeintlich zweimal aufwachen zuviel für einen einzelnen Verstand. Für diejenigen, die den Horrorfilm “Nightmare on Elmstreet” kennen, ja so ähnlich fühlte sich das an ;-)

Verbrutzeltes Gesicht macht kein Spass
Dass ich sowohl auf dem Hinweg als auch auf dem Rückweg einem Arbeitskollegen begegnete und mich in diesem gesichtstechnischen Super-GAU zeigen durfte, erhöhte die Ironie dieses frühen Morgens in ungeahnte Höhen.

Dann ging ich nachhause, rasierte die verbrutzelte Haut, was ein wirklich bewusstseinserweiterndes Gefühl war, klatschte MakeUp drauf, was grad nochmal ein spezielles Gefühl war und stellte dann fest, dass das alles nicht viel nützte, es sah immer noch aus als ob ich grad aus Vietnam käme. Na denn, alle sehn mal Scheisse aus, heut bin ich dran……. und so ging ich halt ins Geschäft, mit deutlich gedrosselter Begeisterung.

Mädels brauchen lila PCs
Aber dort angekommen gabs dann wieder was Erfreuliches. Gestern hab ich n’neuen PC gekriegt, so ein richtiges HighSpeed-Monster. Der hat 4 Prozessorkerne, 6GB Speicher und Windoof 7 drauf. *urks*. Ich weigere mich sonst eigentlich, irgend ein Produkt von der Deppenfirma Microsoft zu nutzen, bevor die nicht mindestens 5 Korrekturupdates (Service Packs genannt) nachgeliefert haben, weil die einfach nix Vernünftiges auf die Reihe kriegen. Aber diesmal war ich positiv überrascht. Abgesehen davon, dass alles prima lief (sogar mein uraltes Mailprogramm, dass ich seit Windows-95 Zeiten nutze), hat W7 vorallem eine bildschöne Oberfläche. Und wie Mädels nunmal sind, habe ich als Erstes das Outfit von dem Ding getunt und n’richtigen Mädels-PC daraus gebastelt. Nun ist alles in zartes Lila getaucht, sieht einfach unbeschreiblich weiblich aus und da lila meine Lieblingsfarbe ist, passt das Ding zu mir wie Arsch auf Eimer (würd mein Schatzi jetzt sagen). Ach ich liebe Lila, das ist die ultimative Mädchen-Farbe, zumindest für Mädchen die die Vierzig überschritten haben. Jedenfalls hab ich mega Spass an meiner neuen Kiste. Sie ist über doppelt so schnell wie mein Alter und eben, ist farblich endlich mal meinem Inneren angepasst. Nur das Gehäuse ist leider schwarz. Ich lieb Schwarz zwar auch, aber ich hätt schon gern einen PC in Lila oder Purple, vielleicht find ich ja einen flauschigen Plüschüberzug in einer anständigen Farbe ;-)

Das Tagebuch-Buch ist fertig
Dann gings weiter mit den Hochgefühlen, ich hab – man glaubt’s gar nicht – endlich mein Buch fertig. Eigentlich lags nur noch am Buchumschlag, da fand ich einfach nicht das richtige Layout resp das passende Foto dazu. Aber jetzt ist alles finito und dieses Wochenende werd ich das ganze Zeuchs hochladen und den Startschuss geben. Wie lang es dann noch geht, bis man das Buch bestellen kann, weiss ich nicht, aber auf jeden Fall wird der ganze Spass dieses Wochenende losgehen.

Krieg der Akkus
Ja und grad vorhin hatte ich noch ein Erfolgserlebnis. Ich hab Juliet im Telefonieren besiegt, genaugenommen ihren Akku. Normalerweise ist der Akku meines Telefons nach gut zwei Stunden am Ende, aber heute hat Ihrer ausgepiepst bevor meiner aufgab, jauuuuuuu, ich bin Siegerin :-) Und bald kommen harte Zeiten auf die Gute zu, ich hab ein neues Telefon, das angeblich zehn Stunden Sprechzeit hat, Juliets Telefon wird somit zur ewigen Verliererin :-) …………. apropos Juliet, in 26 Tagen, 17 Stunden und 50 Minuten bin ich bei ihr und dann werd ich sie 4 Tage lang knuddeln, bis sie mit den Ohren flattert. Ich wette, das sieht saulustig aus ;-)

Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Ich habs zwar kürzlich bereits mitgeteilt, aber Werbung kann man bekanntlich nicht oft genug wiederholen, um Leute nachhaltig zu ärgern, also tu auch ich das. Seit Kurzem führe ich nebst diesem Tagebuch ein SatireNews-Blog. Dort werde ich mich in idiotischer, primitiver und ironischer Weise über all das lustig machen, über das man eigentlich nicht lachen sollte, es aber trotzdem gern mal tut. Wer noch nicht genug hat von meinen geistigen Albernheiten, der ist herzlich eingeladen, gelegentlich hier reinzuschauen:
Satire-News Schweiz – Dianas Lästerecke

Nun den, gute Nacht, frohe Ostern (möge sie bald kommen) und bis zum nächsten Mal ;-)

Nachtrag: Eigentlich war mein Vergleich zu “Nightmare on Elmstreet” mehr ein Joke, aber als ich den Trailer suchte um ihn da oben zu verlinken, fand ich zuerst diesen hier und erfuhr so ganz nebenbei, dass es ein Remake gibt zu NoE :-) wow, NoE ist die Mutter aller Horrorfilme, ich hab jahrelang so Filme geguckt und keiner konnte mich wirklich packen, bis dann NoE kam, da sass ich auf dem Sofa und meine Finger krallten sich in dasselbe, ich hab mir fast in die Hosen gepinkelt. Es gab weder vorher noch nachher etwas wie NoE, selbst Saw 1-5, die deutlich härter sind, haben nicht die Spannung erreicht, die NoE schafften, da kann sogar der gute alte Hitchcock einpacken. Remakes sind meist miese Kopien, aber wenn jemand so grössenwahnsinnig ist, diesen Klassiker neu zu verfilmen, dann ist er entweder total bekloppt……. oder das wird der totale Hammer…….. ich bin jetzt schon gespannt wie Dianas Pfeilbogen auf Sommer 2010, wenn dieser Film erscheint :-)

Gretchenfrage: transsexuell oder transident?

Wie in der Serie “Macht der Worte” angetönt und demnächst vertieft, ist die Wahl der Worte oft ausschlaggebend für das Verständnis des Hörenden. Worte portieren Bildwelten und wer falsche Bilder verwendet, wird missverstanden.

Seit einem Jahr kämpfe ich mit mir herum, ob ich mich selbst als transsexuell oder transident bezeichnen soll. Als ich mein Blog begann, lief es unter dem Untertitel “Tagebuch einer transidenten Frau”. Ich entschied mich deshalb für diese Bezeichnung, weil das “sexuell” im Wort “transsexuell” klingt als ob ich ein sexuelles Problem hätte. Aber Transsexualität hat nichts mit sexuellen Vorlieben zu tun, es geht nicht um die sexuelle Ausrichtung sondern um die Geschlechtsidentität. Im Englischen wird unterschieden zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und der Geschlechtsidentität (gender). Deshalb hat im Englischen die Bezeichnung “Transsexual” auch nicht diesen sexuellen Aspekt, jedenfalls nicht nur. Aber im Deutschen ist “sexuell” halt eben klar mit Sexualität gleichgestellt und dementsprechend ist das Wort “transsexuell” sehr irreführend.

Trotzdem habe ich mich kürzlich umentschieden, den Untertitel des Blogs geändert auf “Tagebuch einer transsexuellen Frau” und werde auch das Blogtagebuch unter dieser Bezeichnung drucken lassen. Damit nehme ich zwar das Anrüchige wieder auf, bin aber der Ansicht, dass ich mit dem Wort “transident” noch viel falscher liegen würde, auch wenn es besser klingt.

Nach meinem Verständnis würde Transidentität bedeuten, dass meine Identität “trans” ist, also verschoben oder falsch. Das Wort “Transidentität” wurde auch deshalb eingeführt, weil man unsere Andersartigkeit im Englischen als “gender identity disorder” klassifizierte, was später hierzulande als “Geschlechtsidentitätsstörung” diagnostiziert wurde. Aber ich habe nicht im Geringsten den Eindruck, dass meine Identität gestört ist, ich bin der Auffassung, dass ich unter einer Fehlentwicklung des Körpers leide. Würde ich mich als transident bezeichnen, würde ich einerseits die meines Erachtens falsche Diagnose der amerikanischen Psychiatriesekte übernehmen und anderseits damit aussagen, dass ich eine Identitätsstörung habe.

Das hat mich dazu bewogen, nun doch das leider nach sexueller Andersartigkeit klingende Wort “transsexuell” zu verwenden. Möglicherweise schade ich mir damit, weil ich mich damit in den Köpfen der Menschen in die Ecke von sexuellen Andersartigkeiten stelle, was in vielen Köpfen mit Perversion gleichgesetzt ist. Aber ich glaube, dass ich andernfalls Selbstverleugnung betreiben würde und hoffe darauf, dass es uns gelingen wird, den deutschsprechenden Menschen klar zu machen, dass nicht alles, was das Wort “sexuell” beinhaltet, zwangsläufig etwas mit Sex zu tun haben muss.

Und doch tue ich mich schwer damit. Sich als transidente Frau vorzustellen, klingt einfach harmloser. Aber es entspricht nicht meiner Selbstwahrnehmung und so würde ich einmal mehr mich selbst verleugnen, nur um dem Druck falscher Vorstellungen in der Gesellschaft zu entgehen. Und dazu bin ich einfach nicht mehr bereit. Ich habe mich lange genug versteckt und angepasst, heute stehe ich zu mir als das was ich bin, eine transsexuelle Frau, die als Ebendiese stolz der Welt entgegen tritt und sich für ihre Andersartigkeit nicht zu maskieren bereit ist.

Transsexualität und Anpassungsdruck

Transsexuelle Menschen stehen von frühster Kindheit an vor einem unlösbaren Problem. Sie können nicht sich selbst sein, was jede Selbstentfaltung im Keim erstickt. Es sind ganz kleine Zeichen, die ein transsexuelles Kind von Anfang an empfängt. Als Junge spielst man doch nicht mit Puppen – nein so Farben sind für Mädchen – ein Junge weint doch nicht….. und Viele laufen dadurch schneller in die Falle als sie verstehen, wie ihnen geschieht. Ein kleines Kind lernt durch Nachahmung und es lernt durch Feedback. Es tut etwas, beobachtet wie die Welt darauf reagiert und passt dann gegebenenfalls das Verhalten an. Es gibt zwar diese beneidenswerten Ausnahmen, die mit einer ungeheuren Renitenz sich selbst treu bleiben und für ihre geschlechtliche Identität einstehen. Aber den Meisten dürfte es so gehen wie mir, sie wollen nicht abnormal sein, sie wollen Erwartungen erfüllen und lernen sich anzupassen.

Es war zumindest bei mir nicht so, dass ich von meinem Umfeld umkonditioniert wurde, ich zeigte keinerlei Anzeichen, dass mit mir etwas anders ist. Ich war sehr lernfähig und bemerkte schnell, wie ein Junge zu sein hat und habe das auch von klein an erfüllt. Ein Kichern vor dem Puppenhaus reichte, damit ich kapierte, dass ich da nix zu suchen hatte. Es gab zwar eine Unzahl von Momenten, bis in die Pupertät hinein, in denen ich zwischendurch auflief und mich in einer Weise verhielt, die mir Spott einbrachte und meinen Selbstverleugnungs-Lernprozess optimierte, aber in der Regel war ich bemüht, den Rollenvorstellungen zu entsprechen.

Schlussendlich hatte ich das “Spiel des Lebens” perfektioniert, ich spielte meine Rolle als Junge, erfüllte alle Klischees die man sich nur vorstellen kann, war unartig, frech, lernte gehörig zu fluchen, Streiche zu spielen und all das tat ich stets ein wenig überzogen. Cowboys im TV waren die grosse Vorlage, fluchen und auf den Boden spucken war angesagt. Und auch im Erwachsenenalter lief diese Anpassung weiter. Der “Höhepunkt” meiner Entwicklung war, dass ich in Leder gekleidet auf einer Harley durch die Gegend fuhr, Mitglied eines Motorradclubs war, dort den starken Mann spielte, Securitydienste leistete und alles tat um den harten Kerl gut zu spielen.

Das Verblüffendste war jedoch, dass sich meine Anpassungsfähigkeit so verselbstständigte, dass ich irgendwann nur noch Rollen spielte, auch wenn es gar keine geschlechtsspezifischen Aspekte waren. Ich wurde wie ein Chamäleon, das seine Farbe immer dem Umfeld anpasste. War ich mit intellektuellen Menschen zusammen, klugscheisserte ich genauso versnobbt. War ich mit Rockern zusammen, wurde ich zum coolen Macker. Begegnete ich einem Schwiegervater, war ich vernünftig und verantwortungsbewusst. Mich selbst, gab es nie, es gab immer nur die Idealvorstellung meines Gegenübers. Und das wirklich Verrückte daran war, dass ich all das nie bewusst steuerte, es passierte einfach mit mir.

Natürlich hatte ich auch Ausbrüche, teils sogar heftige, war in der Jugendzeit mal in der Punk-Szene um den nirgends ausgesprochenen und doch stets unsichtbaren Vorstellungen zu entgehen, kettete mich im Greenpeace-Overall an Eisenbahngeleise um endlich aufzubegehren. Ich tat vieles und doch rutschte ich ständig in diesen Anpassungsautomatismus zurück. Ich wollte, dass man mich mag, dass ich von der Welt für ok befunden werde. Und so verbrachte ich vier Jahrzehnte ohne mich selbst.

Ein Leben lang fühlte ich mich von der Welt unverstanden und ich verübelte es dieser Welt aufs Tiefste. Aber ich wusste selbst nicht mal, was die Welt denn hätte verstehen müssen, weil es mich gar nie gab. Und die Welt hatte auch keine Chance, mich wahr!zunehmen, weil ich mich der Welt nie zeigte. Ich sass tief in mir verborgen im Kerker meiner Seele und zog die Fäden, führte Regie in einem absurden Theater, dessen Handlung ich nicht verstand.

Aber ich wusste, wie ich Menschen zum Lachen bringe, auch wenn ich traurig war. Ich konnte stark wirken, auch wenn ich schwach war. Und die Tragik daran war, dass ich nicht nur Anderen etwas vorspielte, ich spielte mir selbst etwas vor, wie ein Schauspieler, der glaubt er wäre seine Rolle.

Erst in den letzten Jahren, ich glaub fast, Auslöser war mein Burnout, begann ich zu begreifen, dass ich gar nicht existiere. Und ich begann mich zu suchen und auszubuddeln, mich kennen zu lernen und zu akzeptieren…… und das brachte mich an den Punkt, an dem ich vor einem Jahr stand, der Punkt an dem es so nicht mehr weiter gehen konnte, an dem die Lüge meines Lebens demaskiert war und ich nicht mehr anders konnte und wollte als endlich mich selbst zu sein, selbst wenn ich all mein Ansehen damit verliere.

Als ich vor einem Jahr dieses Spiel beendete und begann, mein Leben zu leben, war das intensivste Gefühl das mich von Anfang an durchströmte ein Gefühl von totaler Freiheit. Es war als ob ich mich aus einer Zwangsjacke befreit hätte. Ich hatte Angst, alles zu verlieren, aber ich war endlich frei. Und schnell wurde mir klar, dass es kein Zurück gibt. Ich fühlte mich wie ein Schmetterling der aus dem Cocoon heraus kam, es schien mir als ob ich die Welt zum ersten Mal wirklich sehe und jeder Tag war voll mit Überraschungen, zu erleben, wie ich mich immer mehr entfaltete und all das aus mir herausbrach, das so lange Zeit verschüttet war.

Seit diesem Tag, als ich zum ersten Mal ohne Maske die Welt betrat, kann ich nicht mehr lügen und ich kann nicht mehr spielen – es geht einfach nicht mehr. Das ist der Grund, weshalb ich mit so hemmungsloser Offenheit über alles rede und hier im Blog mein Innerstes offenbare, meine Seele sozusagen nackt auf die Bühne des Lebens stelle. Gerade weil ich mich so lange verleugnet habe, kann ich heute nicht mehr anders als zu sein was ich bin und dazu zu stehen, wie ich denke, fühle und lebe. Und seltsamerweise macht es mir nichts aus, dass meine LeserInnen mich so nackt sehen, dass sie den Geruch meiner Seele geradezu riechen können. Es gab für mich nur zwei Wege, weiter ein Leben zu spielen oder mich selbst zu sein und kompromisslos zu mir selbst zu stehen.

Heute bin ich soweit, dass es unwichtig ist, was andere von mir halten, ob ich mich korrekt verhalte oder so bin wie man es von mir erwartet. Natürlich macht mich das nicht zur Soziopathin, die über Leichen geht, ich folge nachwievor ethischen Grundsätzen und versuche beispielsweise, meine Mitmenschen nicht zu verletzen. Aber wenn es um mich geht, wie ich bin, denke und fühle, da gibt es keine Maskierungen mehr, keine Zensur und keine Selbstbeschneidung. Es gibt nur noch mich, mit all meinen guten und schlechten Seiten, ein Individuum das ganz eigen ist, das man lieben oder ablehnen kann, aber das immer und jederzeit sich selbst treu ist.

Vielleicht waren diese vier Jahrzehnte Selbstverleugnung notwendig, um zu erkennen, wie wichtig und wertvoll es ist, sich selbst zu sein und zu erkennen, wie gefährlich es ist, wenn man sich aufgrund von Vorstellungen Anderer anpasst. Vermutlich hätte ich diese grenzenlose Freiheit nie errungen, wenn ich nicht solange gefangen gewesen wäre, weil ich den wahren Wert der Selbstentfaltung nie begriffen hätte.

Wenn ich sehe, wie glücklich ich heute bin und wie sehr ich mein Ich-sein schätze, komme ich nicht umhin dankbar zu sein, für diese harte Schule die ich durchlief. Wirklich schätzen kann man etwas nur wenn man es begehrt hat. Ich glaube nicht, dass ich mich, mein Selbst und mein Leben so schätzen würde, wenn ich nicht so lange Zeit ohne mich hätte auskommen müssen. Und ich bezweifle, dass ich je in der Lage gewesen wäre, so für mich einzustehen, wenn ich mich nicht so lange unterdrückt hätte.

Man kämpft erst dann für seine Freiheit, wenn man seine Unfreiheit erkannt hat. Dazu hatte ich lange genug Gelegenheit, das war das Fundament, auf dem ich den Wert der Freiheit erkennen konnte. Das war der Ursprung der Erkenntnis, wie wichtig meine Selbstentfaltung ist. Das war der Grund weshalb ich die Ketten der Anpassung zerreissen konnte und heute ein wirklich freier Mensch bin.

Wikingerblut – Die Kriegerin in mir

Seit je her hatte ich einen Hang zu Kriegermetaphorik. Das Leben ist ein Kampf, diese Welt ein Schlachtfeld, das Leben erfordert Stärke, Widerstand, Tapferkeit, Mut………. Weshalb mir so Bilder wichtig waren, weiss ich nicht mit Sicherheit. Vielleicht war das Kriegertum einfach das einzige “männliche Ideal”, das ich in mir nachvollziehen konnte, vielleicht lag es auch daran, dass ich in meinem Leben viel zu kämpfen hatte….. vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass Wikingerblut in mir fliesst.

Noch heute benutze ich gerne Metaphern aus diesem Themenbereich und in vielen meiner Blogbeiträge findet man Bilder von Kriegerinnen (meist von Vallejo oder Royo), die Frauen in heldenhaften Posen zeigen. Diese Bilder stehen stets im Zusammenhang mit dem Text und wollen bildhaft darstellen, was nach meinem Empfinden die Essenz des Geschriebenen ist. Und diese Bilder geben mir Kraft, mit ihnen kann ich mich identifizieren, gerade wenn ich mich schwach fühle, erinnern sie mich daran, dass eine Kriegerin in mir steckt, die selbst das Unmögliche möglich machen kann.

Kindheitsträume – tapfere Krieger
Als Kind war ich immer fasziniert von tapferen Menschen, Indianer die mit dem Kriegsruf Hokahe (heute ist ein guter Tag zum sterben) in eine aussichtslose Schlacht zogen, Ritter die für die Schwächsten einstanden, alle die für Ideale kämpften und notfalls zu sterben bereit waren, ernteten meine Bewunderung. Damals waren das wohl vorallem kindliche Fantasien eines Mädchens, das ein Junge sein sollte und in der “Männerwelt” nur wenig fand, das erstrebenswert war. Aber das war erst der Anfang, der Kriegermythos würde mich ein Leben lang begleiten und ein grosses Stück weit formen.

Der Pfad des friedvollen Kriegers
Ich war gute zwanzig Jahre alt, als ich irgendwo in der Eso-Ecke eines Buchladens das Buch “Der Pfad des friedvollen Kriegers” von Dan Millman fand. Ein wunderschönes Buch, eine Geschichte voll von Philosophie. Dort fand ich die Kriegermetapher erneut, erstmals jedoch in einem kriegslosen Kontext. Ein Krieger ist jemand, der seinen Weg konsequent geht, der sein Ziel verfolgt und Widrigkeiten aushält. Es würde den Umfang dieses Beitrags sprengen, wenn ich mehr über dieses tolle Buch erzählen würde, die Kriegermetaphorik dort drin ging viel weiter. Aber im Wesentlichen vermittelte mir dieses Buch den Weg des Kriegers, dessen Schlachtfeld das eigene Ich ist, der sich selbst treu ist und für das einsteht, wovon er überzeugt ist. Dieses Buch prägte mein Denken enorm und war wohl auch das Fundament dafür, dass ich später jahrelang für Umweltschutz und gegen “faschistoide Politik” kämpfte.

Regenbogen-Krieger
Fast ein Jahrzehnt später, als ich mich entschloss, einem Kind das Leben zu schenken, war mein erster Gedanke, dass es eigentlich unverantwortlich ist, ein Kind in diese zerstörerische Welt zu setzen. Wenn ich ein Kind in diese Welt stelle, dann bin ich auch verpflichtet, alles zu tun um diese Welt zu verbessern. Das war der Anfang meines aktiven Kriegertums, ich meldete mich bei Greenpeace als Aktivistin und wurde zur Regenbogen-Kriegerin. Jahrelang kämpfte ich im weissen Overall für eine bessere Welt, kettete mich an Eisenbahngeleise, liess mich vor Gericht stellen, schrieb eine Hundertschaft von Leserbriefen, unterstützte Abstimmungskommitees und tat alles, um die Zerstörung der Umwelt zu verhindern und damit die Zukunft meines Kindes zu verbessern.

Eines Tages erfuhr ich von einer indianischen Prophezeiungen, die der Urspriung war für den Namen des ersten Greenpeace Schiffes, der legendären Rainbow Warrior, die später durch einen terroristischen Bombenanschlag vom französischen Geheimdienst samt einem Fotografen gesprengt wurde.

There will come a time when the Earth grows sick
and when it does a tribe will gather
from all the cultures of the World
who believe in deeds and not words.
They will work to heal it…
they will be known as the “Warriors of the Rainbow.”

etwas frei übersetzt:

Es wird eine Zeit kommen, in der die Erde erkrankt
und ein Stamm sich vereinigen wird
bestehend aus allen Kulturen der Welt
die an Taten und nicht an Worte glauben.
Sie werden daran arbeiten, die Erde zu heilen
man wird sie “Krieger des Regenbogens” nennen.

Mit diesem Mythos identifizierte ich mich sehr, ich folgte einem Ideal, das alle Entbehrungen wert ist und ich war auch irgendwie stolz darauf, eine dieser Regenbogen-Kriegerinnen zu sein, die sich für Mutter Erde einsetzten. Doch nach jahrelangem Kampf folgte die Resignation. Viel zu oft unterlagen wir, weil unser Gegner nicht nur ein paar geldgierige Konzerne waren sondern schlussendlich die gesamte Welt, in der jeder nur sich selbst am Nächsten ist. Es ist eine Sache, Konzerne in die Knie zu zwingen, aber das Denken der Menschen zu verändern, schien eine Unmöglichkeit zu sein. Resignation ist der Tod jedes Kriegers, damit lässt sich nichts mehr gewinnen und so zog ich erstmals besiegt aus einer Schlacht, in der ich jahrelang gekämpft hatte. Ich engagierte mich zwar weiter, erstellte eine Unzahl von Webseiten zu solchen Themen, aber es waren eigentlich nur noch Rückzugsgefechte.

Krieg gegen politische Brandstifter
Wiederum Jahre später wurde die Schweiz erschüttert durch das Grosswerden einer meines Erachtens rechts-populistischen Partei, die sich frecherweise Volkspartei nennt. Ich war überzeugt, dass diese Partei, die vorallem durch Volksverhetzung und Brandstiftung gross wurde, eine Bedrohung für dieses Land darstellt. So begann der nächste Krieg und ich investierte wieder Jahre darin, im Internet sozusagen eine Gegenpropaganda aufzubauen. Einmal mehr schrieb ich unzählige Leserbriefe, für die ich dann von SVP-Sympathisanten mit Morddrohungen bedacht wurde, schrieb in Diskussionsforen und vielem mehr. Doch ich verlor auch die Schlacht, an den nächsten Wahlen legten sie 10% zu und seither geht es mit diesem Land immer mehr den Bach runter. Das einst soziale Land wird immer asozialer, Sündenbockmentalität breitet sich aus, es ist ein wahrer Graus was hier passiert und niemand scheint zu bemerken, wie verludert das Denken hierzulande mittlerweile ist. Aber ich war langsam des Kämpfens müde und beendete auch diesen Krieg.

Dianas Wikinger-Blut
Als ich vor einigen Jahren eher zufällig mal eine Woche in Schottland in den Ferien war, musste ich verblüfft feststellen, dass ich mich mit diesem Land, der Kultur, Musik und den Menschen so verbunden fühle, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Es war als sei ich nachhause gekommen. Als ich zum ersten mal eine Great Highland Bagpipe hörte (schottischer Dudelsack), war klar, dass ich dieses Instrument lernen musste, was ich dann zuhause angekommen auch gleich in Angriff nahm. Aber die Frage, weshalb ich von dieser Kultur so berührt wurde, liess mich nicht mehr los. Hatte ich vielleicht schottische Wurzeln? Das Ganze beschäftigte mich so sehr, dass ich eines Tages einen DNA Test machte, der ermitteln sollte, was für genetische Wurzeln ich habe. Das Resultat liess mir das Blut in den Adern gefrieren und mein Dad dürfte beim Lesen der nächsten Zeilen vom Stuhl fallen *grins*. Mütterlicherseits war ich Germanin, das war soweit ja kein grosses Wunder hierzulande. Aber väterlicherseits stamme ich von einem Wikingergeschlecht ab, das sich irgendwann in Schottland breit machte und sich dann über England bis in die Schweiz ausbreitete. Ich stamme also nicht nur von Wikingern ab sondern habe tatsächlich Vorfahren in Schottland und Skandinavien. Manchmal denke ich mir spasseshalber, dass ich vielleicht deshalb mit XY-Chromosomen zur Welt kommen musste, weil diese Welt dringend Wikingerfrauen braucht. Ohne Y-Chromosom hätte ich kein Wikingerblut in mir. So hat doch alles irgendwie sein Gutes ;-)

Der letzte Kampf – für mich
So verbrachte ich also vier Jahrzehnte im Kampf. Zuerst gegen mich selbst, dann gegen Umweltverschmutzung, dann gegen politische Brandstifter……. aber der grösste und schwerste Kampf stand noch vor mir, der Kampf für mich selbst. Vielleicht brauchte ich all diese Kämpfe um stark zu werden, auf jeden Fall war es wohl gut, dass ich bis zum vierzigsten Lebensjahr zu einer erprobten Kriegerin gewachsen war. Nun war ich bereit für den Kampf aller Kämpfe, gegen den Feind in mir, gegen die Angst, gegen die Abhängigkeit, gegen die Feigheit, gegen die Eitelkeit. Ich würde einen Weg gehen, der mir keinen Ruhm einbringt, den ich vielleicht nicht überlebe, der mich möglicherweise um Freunde beraubt – eine Schlacht die aus damaliger Sicht nicht zu gewinnen war. Aber – und das ist eben der Geist des Kriegers – ob man einen Krieg führt ist nicht eine Frage des Erfolgs sondern eine Frage der Notwendigkeit. Und wenn etwas sein muss, dann wird es auch getan, ohne Rücksicht auf Verluste. Und auch wenn ich es nie erwartet hätte, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht nur eine Schlacht gewonnen sondern den gesamten Krieg.

Zum ersten Mal im Leben habe ich einen Kampf geführt, der Frieden brachte, Frieden in mir, mit mir selbst – und mit dem Rest der Welt.

Die Kraft des Kriegermythos
Der Mensch ist nicht geboren um besiegt zu werden, er ist geboren um zu siegen. Zu Leben bedingt zu Überleben und dazu bedarf es des Kampfes, manchmal gegen Andere, manchmal gegen sich selbst, manchmal gegen das Schicksal. Wir alle haben den Kriegergeist in uns, ohne diesen hätten wir uns in der Evolution niemals durchsetzen können. Der Kriegermythos hat mir ein Leben lang Kraft und Mut gegeben. Wenn ich schwach bin und mich an die Kriegerin in mir erinnere, gibt mir das Wissen um ihre Existenz Kraft. Bin ich hoffnungslos, gibt sie mir Mut. Bin ich verwundet, heilt sie mich. Bin ich ängstlich, gibt sie mir Mut. Sie ist immer da, ich muss sie nur ins Bewusstsein rufen, damit sie ihre Kraft entfalten kann.

Ihr alle habt einen Krieger oder eine Kriegerin in Euch, der/die nur darauf wartet, für Euch eintreten zu können. Seid Euch dieser kraftvollen Energie bewusst und lasst sie zu, wenn sie benötigt wird. So seid Ihr unbesiegbar. Vielleicht verliert Ihr die eine oder andere Schlacht, aber man wird Euch nie auf die Knie zwingen können, weil eine Kriegerin immer wieder aufsteht ;-)

Stand and fight
Live by your heart
Always one more try
I’m not afraid to die
Stand and fight
say what you feel
Born with a heart of steel

(Manowar – Heart of Steel)

Alles wird kompliziert: Sinnentleertes in der Frauenwelt

Als Frau ist das Leben ja viel komplizierter, wir müssen oder wollen tausend Dinge tun, die uns das Leben ja eigentlich nur schwer machen. Meist liegt ein Sinn dahinter, aber manchmal nicht mal das.

Wir kaufen uns sauteure Stöckelschuhe, die unsere Füsse zertrümmern und im gleichen Einkaufsbummel gleich noch Compeed-Pflaster dazu, aber wir sehn in diesen Fussfolterdingern halt toll aus, da beissen wir uns doch gern mal durch. Oder wir rasieren uns die Beine, damit wir mit Alabaster-Stelzchen auf diesen fussfolternden Schuhen so richtig hübsch aussehen, obwohl das Haarzeuchs eh gleich wieder nachspriesst und das Bein kratziger macht als vorher. Wir zupfen uns die Augenbrauen und keine von uns weiss eigentlich, weshalb das soviel schöner sein soll, wir tun’s trotzdem. Und jeden Morgen schmieren wir uns MakeUp, Kajal, Eyeliner, Lidschatten, Wangenrouge und Lippenstift ins Gesicht, als ob wir heute in den Krieg gegen die Bleichgesichter ziehen, aber auch das macht uns halt hübscher.

Irgendwie ist das ja alles ganz schön sinnentleert – hübsch, aber sinnentleert. Aber weil wir uns irgend ein positives Resultat wünschen, tun wir’s halt trotzdem. Fragwürdig wirds dann, wenn wir uns beispielsweise Abends wieder abschminken. Das ist fast so zeitraubend wie das Schminken, die Augen brennen vom Makeup-Entferner und mit jedem Arbeitsgang sieht man wieder beschissener aus. Warum tun wir das? Das ist überhaupt nicht befriedigend! Es ist ja nachvollziehbar, so Torturen über sich ergehen zu lassen, um besser auszusehen, aber warum tun wir so Dinge, bei denen wir anschliessend weniger hübsch sind?

Irgendwie ist das mindestens so idiotisch, wie wenn 22 erwachsene Jungs in kurzen Hosen und Kniesocken einem Lederbeutel nachrennen, nur um ihn, sobald sie ihn erwischen, wieder wegzutreten. Oder dass dieselben sich für 50’000 Franken ein Sportauto kaufen, mit dem sie dann hinter dem 5000 Franken teuren Kleinwagen der Nachbarin im Stau stehen. Aber sie tun’s. Und wir tun’s. Und niemand weiss, warum.

Aber auch wenn Jungs und Mädels beide da irgendwie einen an der Waffel haben, ich glaub, der Rekord im sinnentleerten Handeln steht uns Mädels zu, für das Abschminken. Das kann man nicht mal mehr mit Fussball toppen ;-)

Audiovisuelle Selbstbetrachtung

Gestern war ich wieder mal in der Logopädie und kam erstmals in den “Genuss”, mich filmen zu lassen und was noch schlimmer war, das Ganze auch noch anzusehen. Schon das gefilmt-werden ist ein Graus für sich. Das führte bei mir schon zu Greenpeace Zeiten zu Gänsehaut. Ich werde nervös, verkrampft und möchte am liebsten im Boden versinken. Filme sind grausam, sie lassen nix aus und eine einmal gemachte Aufnahme bleibt wie sie ist. Damals hatte ich nur die Pflicht, cool und ernsthaft dreinzublicken, was auch in verkrampftem Zustand relativ gut geht. Diesmal sollte ich ganz natürlich sein, um zu sehen, wie ich von aussen her betrachtet wirke. Und dabei erstarrt man natürlich noch mehr als vor dem Spiegel. Gerade wir T-Girls haben so eine Zerrbrille, wenn wir uns betrachten, sehen wir immer diesen Kerl, der eigentlich nie existiert hat und uns doch ein Leben lang begleitet. Die Angst, dass Andere uns so sehen, drückt uns ebendieses Bild aufs Auge. Aber es kam ganz anders, als ich gedacht hätte.

Zuerst war ich zwar wie erwartet irritiert und mochte das was ich da im TV sah nicht so richtig. Ich sah mir zu, hörte was ich sagte, wie ich es sagte, wie ich mich bewegte oder eben auch nicht. Zuerst gabs nur ne Menge zu meckern. Aber nach ner Weile veränderte sich dieser Eindruck. Irgendwie gelang es mir, die Zerrbrille loszuwerden und das Wesen da vor mir anzuschauen, ohne meine Ängste in sie hinein zu projezieren. Plötzlich sah ich da eine Frau, mit wunderschönen Haaren, der ganze Gesamteindruck wär der einer netten Lady. Die Stimme war zwar tief – viel zu tief – aber irgendwie war sie mir sympathisch. Zwischendurch bemerkte ich Gesten, die absolut mädchenhaft waren, beispielsweise als ich mal die Haare aus dem Gesicht wischte. Ich war mir dieser Bewegung während der Aufnahme nicht mal bewusst, aber als ich es sah, grinste ich breit vor mich hin und sagte: “ach ist die süss, ne richtige Lady”.

Es blieb der Eindruck, dass ich eine zu tiefe Stimme habe, sanfter als früher aber eben doch zu tief. Und es blieb der Eindruck, dass mein Gesicht zu starr war. Aber wenn ich während dem Plaudern mal lächelte und mich vergass, dann veränderte sich alles, dann war da einfach ein nettes Mädel, bei der eigentlich nichts daran erinnerte, wie sie früher mal aussah oder wofür man sie früher gehalten hat. Das starre Gesicht dürfte auch damit zu tun haben, dass ich mich durch das gefilmt-werden stark verkrampfte. Aber gesamthaft gesehen war ich mir viel sympathischer als ich angenommen hätte. Und der Grad der Weiblichkeit, den ich ausstrahlte, war weit über dem was ich mir erhofft hatte.

Diese audiovisuelle Selbstbetrachtung hat im Gegensatz zu meiner Erwartung mein Selbstbewusstsein gehörig aufgepeppt. Ängste, die mich immer ein bisschen begleiten, wurden relativiert. Die Art wie ich rüberkomme ist mir sympathisch und ich wirke auf mich sehr feminim. Das hat mega gut getan und es wird mir in Zukunft helfen, an mich zu glauben – resp. daran zu glauben, dass Andere in mir doch das sehen, was ich bin – eine ganz normale Frau.

Talentshows und ihre Superstars

Ok ich gebs zu, ich bin bekennende Talentshow-Liebhaberin. Auch wenn die ganze Welt darüber meckert, ich liebe diese Sendungen. Zuerst kann man sich über all die Idioten todlachen, die glauben sie könnten singen, die sich aber nur vor einem Millionenpublikum zum Affen machen……. und dann kommt man in den Genuss, wirkliche Supertalente zu erleben, die wohl nie jemals den Durchbruch geschafft hätten, die nur dank so einer Sendung berühmt werden und mit etwas Glück sogar eine Karriere dadurch starten können. Ich nehme die aktuelle DSDS Staffel zum Anlass, mal über ein paar so Supertalente zu schwärmen.

Also heisst’s mal wieder: Bier und Popcorn auspacken und alle Links anklicken und jedes Lied ganz anhören, es lohnt sich wirklich…..

Menowin Fröhlich
Menowin Fröhlich ist einer meiner zwei Top-Favoriten und ich hoffe von Herzen, dass er gewinnt. Er hat ein wirklich hartes Leben hinter sich, hatte eine schwere Kindheit, dann rutschte er in die Kriminalität ab – er hat wirklich viel Übles erlebt. Aber er singt und tanzt als ob er von Gott nur dafür geschaffen wäre. Er war schonmal bei DSDS dabei, kam weiter und wurde eines Tages verhaftet und landete im Knast, für Dinge die er früher angestellt hat. Aber er gab nicht auf, sass seine Strafe ab, übte weiter und stand dieses Jahr wieder auf der Bühne. Er hat eine Stimme, die durch Mark und Bein gehen, singt mit einer Gefühlstiefe, die einem erschüttern kann. Und er bewegt sich zur Musik, dass einem klar wird, dass dieser Kerl die Musik im Blut hat.
I’ll be there (Jackson Five)
Billie Jean (Michael Jackson)
Maria Maria (Carlos Santana)

Mehrzad Marashi
Mehrzad Marashi hat eine unglaubliche Stimme, die von einer Wärme erfüllt ist, die einem tief berührt. Er ist der zweite meiner Top-Favoriten und wenn das abstimmende Publikum auch nur einen Funken Verstand hat, wird es im Finale einen Kampf der Giganten geben zwischen diesen zwei begnadeten Sängern. Auch er bewegt sich zur Musik als ob er die in die Wiege gelegt bekommen hätte.
Wenn ein Lied (Söhne Mannheims)
Fresh (Kool & The Gang)
Beggin (Frankie Valli)

Sarah Kreuz
Sarah Kreuz war letztes Jahr bei “Supertalent” und sang sich bis ins Finale. Sie verlor leider die letzte Entscheidung gegen den “Mundharmonikaspieler” – meines Erachtens ungerechtfertigt – aber unterdessen hat sie trotzdem ihre erste CD “One moment in time” herausgegeben. Sie ist für mich in all den Jahren in denen ich so Shows sehe eindeutig die beste Stimme. Sie kann sich locker neben Celine Dion, Beyonce oder andere “Divas” stellen, diese Frau hat wirklich Zukunft.
Listen (Beyonce)
If one bird sings

Yosefin “Yoyo” Buohler
Die 13-jährige Yosefin Buohler war ein Mädel, das in der Talentshow “Supertalent” mit einer Soul-Stimme aufwartete, die einfach nur noch offene Münder hinterliess. Dass jemand in diesem Alter so singt, war kaum zu glauben.
Halbfinale Supertalent
If I ain’t got you (Alicia Keys)
Mercy

Richard Istel
Für richtige Gänsehaut sorgte der 10-jährige Richard Istel, der nach seinem ersten Auftritt nur noch “der Junge mit der Engelsstimme” genannt wurde – zu Recht wie ich meine.
I’ll be there (Jackson Five)
Halleluja

Caroline Costa
Die 12-jährige Caroline Costa ist eines der grössten Stimmwunder und war in einer französischen Talentshow zu sehen. Als ich sie erstmals sah, glaubte ich, meinen Ohren nicht zu trauen. So eine Stimme und soviel Gefühl in einem so schwierigen Lied (Hurt), ich bin heute noch jedes Mal erschüttert, wenn ich es höre. Auch von ihr wird man eines Tages viel zu hören kriegen, davon bin ich überzeugt.
Hurt (Christina Aguilera)

Susan Boyle
Manchmal erscheinen auch Menschen vor der Jury, denen weder die Jury noch das Publikum etwas zutraut und die dann den ganzen Saal in totale Begeisterung stürzen. Susan Boyle ist eine von diesen wundervollen Sängerinnen, die aufgrund ihres Äusseren enorm unterschätzt wurde und heute ganze Konzertsäle füllt.
Britains Super Talent 2009

Paul Potts
Auch Paul Potts gehört zu denen, die zuerst belächelt wurden, wenn sie die Bühne betreten. Das Lachen blieb dem Publikum im Hals stecken, als er zu singen begann und auch er füllt heute ganze Konzertsäle. Auch er ist ein Beispiel dafür, dass man Menschen nicht aufgrund von Äusserlichkeiten unterschätzen sollte.
Nessun Dorma

Stavros Flatley
Und wie bereits zu Beginn erwähnt, gibt es in so Shows nicht nur Supertalente sondern auch Leute, die einfach ein Talent haben, das Publikum zu unterhalten – manche freiwillig, manche unfreiwillig. Zu denen die sich absichtlich zum Affen machen und darin auch genial sind, gehört Stavros Flatley und sein Sohn, die mit einer genialen Tanzeinlage den legendären “Lord of the dance” verarschen. Vorallem wenn man das Original kennt, lacht man sich dabei fast weg :-)
Irish Dance (Lord of the dance)

Fazit
Ich könnte noch stundenlang weitere Talente aufzählen, die ich dank so Sendungen sehen und hören durfte. Wer also weiterhin über so Shows meckert, soll es bitte erst mal besser machen ;-) Abgesehen davon, dass diese Shows purer Komerz sind und die Juroren oft personifizierte Deppen, aber man kriegt hier wirklich Erstaunliches ins Wohnzimmer portiert und das weiss ich sehr zu schätzen.

Duo-Infernale – Juliet und Diana eröffnen ein gemeinsames Blog

Regelmässige LeserInnen wissen ja, dass Juliet und ich seit Februar ein Paar sind – ein ganz verrücktes Paar. Diejenigen, die manchmal auch Kommentare mitlesen, dürften auch wissen, dass Juliet mindestens so bekloppt ist wie ich. Wir haben beide einen extrem schrägen Humor und wenn wir zusammen sind, sind wir humortechnisch das Duo Infernale……. und das ist unseres Erachtens von öffentlichem Interesse ;-) Und weil Ihr ja eh nicht genug kriegen könnt von all den Blödeleien, haben wir uns entschlossen, ein gemeinsames Blog zu eröffnen unter dem Namen “DuoInfernale – wir teilen alles, nur nicht uns“.

Wie sich dieses neue Blog entwickeln wird, steht noch in den Sternen resp. in den Abgründen unserer verknorksten Hirne. Aber fürs Erste ist geplant, dass wir dort einerseits lustige Geschichten und sinnloses Blabla zum Besten geben, dass man weiters etwas mehr von unserer doch etwas merkwürdigen Beziehung erfährt und last but not least wird Juliet dort auch das Thema Transsexualität aus Sicht einer nicht-transsexuellen Indirekt-Betroffenen beschreiben.

Die gute Nachricht daran ist, dass Ihr nun noch mehr zu Lesen kriegt. Juliet hat wie ich eine bildhafte Fantasie und kann auf äusserst witzige Weise Geschichten aus ihrem Leben erzählen. Ich amüsier mich täglich über ihre Schilderungen am Telefon und kann Euch versprechen, dass Ihr da einiges zum Kichern kriegt – zumindest wenn Euer Humor annäherend so skuril ist wie der Unsrige.

Die schlechte Nachricht ist, dass Ihr nun halt an zwei Orten lesen müsst. Meine Textereien werden sich nun also auf zwei Blogs verteilen, wobei dieses Tagebuch für mich nachwievor der Hauptplatz ist. Im neuen Blog werde ich meinerseits eher beziehungstechnische Themen oder irgendwelche Blödeleien beitragen. Juliet wird dort also voraussichtlich häufiger schreiben als ich.

Und die schlechte Nachricht für mich ist, dass ich nun erstens noch mehr zu tun kriege und zweitens ständig vor der schweren Entscheidung stehe, ob etwas was ich rausplaudern möchte, eher hier oder oder dorthin gehört.

Es ist eigentlich in der Blogosphäre verpönt, Blogbeiträge zu duplizieren. Ich habs trotzdem gemacht, ich darf das, ich bin die Webmasterin ;-) Damit LeserInnen des neuen Blogs einen kleinen Einblick bekommen, wie Juliet und ich zusammen gefunden haben, habe ich eine Handvoll Beiträge von hier dorthin kopiert, die Bloggötter mögen mir dies verzeihen.

Nun denn, machts wie die Eichhörnchen vor dem Winter, legt Euch grosse Vorräte an Bier und Popcorn an (ja ich weiss, Eichhörnchen sammeln eher Nüsse), es wird zukünftig also noch mehr zu Lesen geben. Viel Spass dabei wünschen Euch………….
Juliet und Diana – das Duo Infernale :o)

Dianas Blogtagebuch 2009 ist jetzt im Buchhandel

Seit heute ist mein Blogtagebuch 2009 im Buchhandel erhältlich und ich bin nun ganz aus dem Häuschen deswegen, jetzt bin ich nämlich offizielle Autorin, jawoll. Eigentlich war das ja früher geplant, aber die Überarbeitung dauerte doch ne ganze Weile und da ich von meiner Süssen ständig telefonisch von der Arbeit abgehalten werde ;-)

Aber nun ist es draussen und kann in jedem anständigen Buchladen unter der ISBN-Nummer 978-3-8391-4217-2 oder dem Buchtitel “T-Girl Diana – Blogtagebuch 2009″ bestellt werden. Der offizielle Verkaufspreis ist ungefähr Fr. 26.– oder 15 Euro, im Schweizer Exlibris wird es sogar mit 15% Rabatt für Fr. 22.50 angeboten.

Falls jemand in meinem persönlichen Umfeld ein Exemplar möchte, ich habe ein paar bestellt und kann sie für Fr. 20.– abgeben. Diejenigen, denen ich eines als Geschenk versprochen habe, bekommen es natürlich gratis.

Wer sich ein Exemplar bestellen möchte, kann dies beispielsweise bei diesen Online Bücherläden bestellen:

ExLibris Schweiz für Fr. 22.50
Libri Deutschland für Euro 15.–
Orell Füessli Schweiz für Fr. 27.90

Das Buch beinhaltet auf 224 Seiten alle Blogbeiträge des letzten Jahres, deshalb ist der Untertitel des Buches auch “Das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau”. Die Bilder, mit denen ich meine Blogbeiträge jeweils verziere, sind aus rechtlichen Gründen nicht im Buch. Dafür hat es 8 meist ganzseitige Fotos von mir drin.

Für diejenigen die selber mal sowas machen möchten, das ist ganz einfach. Man eröffnet einen Account bei Books on Demand, wählt dort ein Layout aus, erstellt ein Word-Dokument mit dem entsprechenden Ausmass, exportiert es als PDF, lädt es hoch, bastelt sich online ein Buchcover zusammen und publiziert das Ganze – entweder für sich privat, dann zahlt man nur den Buchpreis oder man veröffentlicht es für Fr. 70.– mit ISBN-Nummer.

So und von nun an möchte ich nur noch mit Frau Autorin oder Frau Schriftstellerin angesprochen werden ;-)

Freiheit für Schuhe – Pumps reloaded

Ach wie lange haben wir auf diesen Moment gewartet, ich und meine Pumps. Ok die Füsse sehen das anders, die haben sich vor diesem Tag gefürchtet. Aber ich und meine Lieblings-Pumps waren heute hocherfreut, denn heute gings zum ersten Mal wieder in anständigen Schuhen auswärts. Was für ein berauschendes Gefühl, endlich wieder diese niedlichen halb-hochhakigen Dinger zu tragen, verziert mit Feinstrumpfhosen, die entgegen dieser Din70 Dingern im Oma-Stil endlich den Frühling einleuten. Das Leben zeigt sich wieder von seiner lieblichen Seite – seid herzlich willkommen, oh Ihr Quähler aller Füsse, oh Ihr Glücksbringer der holden Weiblichkeit.

Man mag mich für verrückt erklären und man mag auch recht damit haben, aber ich hab echt monatelang darauf gewartet – nein gelauert darauf – bis ich endlich wieder meine geliebten Pumps tragen kann. Nicht, dass die beabsatzten Stiefel nicht auch schön wären, aber nichts macht den weiblichen Fuss zierlicher und das ganze Weib damit weiblicher, wie diese so wohlgeformten Pumps. Die letzten Tage haben sie jeden Morgen nervös im Schuhgestell rumgeklappert und ich brauchte alle Kraft um mich dagegen zu wehren, sie endlich wieder zu tragen. Aber heute war alle Vernunft hinfällig und ich stöckelte endlich wieder mit Pumps und den dazu passenden Feinstrumpfhosen gen Pub.

Ok das mit den Strumpfhosen war mal wieder eine Misere für sich. Drei dieser Mistdinger zog ich an, um festzustellen, dass sie entweder heimtückisch hinter dem Bein eine Laufmasche versteckten oder etwas weniger versteckt an den Seiten Rapsmuster von Stiefeln trugen. Aber die vierte Strumpfhose passte dann doch, zwar nicht wie gewünscht schwarz sondern braun, aber nach drei Fehlschlägen werden wir Mädels überraschend nachsichtig.

Was folgte war ein Abend im Pub wie er im Buche steht. Ein keckes Mädel in endlich wieder anständigen Klamotten und ein Rudel netter Leute, die mich so behandelten, wie eine Lady eben behandelt werden möchte. Ach ich liebe dieses Pub und ich liebe diese Leute dort, und diese Schuhe, und diesen Jupe und überhaupt liebe ich die ganze Welt………….. mehr als das liebe ich aber mein Juliettchen, das ich heute einmal mehr vermisste……… und auf die ich mich freue wie doof, weil ich heute in zwei Wochen in ihren Armen liegen werde.

Eins ist klar, wer die richtigen Schuhe hat und vom richtigen Mädel geliebt wird, ist einfach vom Glück gesegnet – ach wie schön, dass ich dazu gehöre :-)

Sich nicht verstanden fühlen

Es will mir nicht einfallen, wann dieses Gefühl zum ersten Mal auftauchte oder ob es sogar schon immer in mir war. Auf jeden Fall war es spätestens in der Schulzeit spürbar und verfolgte mich wie mein eigener Schatten. Das Gefühl, dass mich niemand versteht, dass ich ständig missverstanden werde. Es war mehr als ein Gefühl, es war eine Gewissheit. Was an mir nicht verstanden wurde, wusste ich selber nicht. Vielleicht, weil es keine einzelnen Missverständnisse waren sondern ein allumfassendes Gefühl, das im alltäglichen Leben gar keine Bestätigung braucht, das einfach aus sich heraus gefestigt ist.

Jedes Kind fühlt sich da und dort missverstanden, die Kluft zwischen dem Denken von Jugendlichen und Erwachsenen ist so gross, dass das Missverstandenfühlen ein wesentlicher Aspekt der Pupertät ist. Aber dieses Missverstandensein beruht auf unterschiedlichen Werten und begründet sich in alltäglichen Konflikten. Eltern verstehen nicht, weshalb Kids bis um zwölf im Ausgang sein wollen und Kids verstehen nicht, weshalb sie so früh ins Bett müssen nur weil sie morgens wieder zur Schule gehen. Ihr versteht mich nicht, dürfte einer der weit verbreitesten Sätze sein, die von Jugendlichen ausgesprochen werden. Aber es geht hier immer nur um Momente und einzelne Ansichten.

Diese Art der Missverständnisse kannte auch ich, aber das, was dieses allumfassende Gefühl des Missverstandenseins in mir so betonierte, hatte nichts mit all dem zu tun. Ich wusste in all der Zeit nicht mal ansatzweise, was denn falsch verstanden wird und wie es richtig hätte verstanden werden sollen. Es gab keine rationale Erklärung für dieses Gefühl.

Ich war gute achtzehn Jahre alt, als ich zuhause auszog und mit meiner damaligen Freundin ein kleines Häuschen mietete. Mein Auszug war gleichzeitig ein Bruch mit der gesamten Vergangenheit. Ich brach den Kontakt zu Verwandten und ehemaligen Freunden ab und begann ein neues Leben. Der bewusste Gedanke sagte mir, dass ich einfach neu anfangen will. Heute weiss ich, dass es um etwas ganz anderes ging, ich wollte dieser Gewissheit entfliehen, dass mich niemand versteht. Hätte ich wenigstens gewusst, was die Leute denn an mir richtig verstehen müssten, hätte ich die Möglichkeit gehabt, mich zu erklären und Verständnis zu erarbeiten. Aber ich wusste ja selber nicht, was ich hätte erklären wollen, ich war auf eine mir völlig unverständliche Art anders, anders als alle Anderen, wusste selber nicht was, wer oder wie ich bin, wie hätte ich da etwas erklären können?

Etwa im dreiundzwanzigsten Altersjahr sah ich eher zufällig im TV die Dokumentation “Traum-Frau” über Coco, eine transsexuelle Frau hier aus Zürich. Ich glaub es war das erste Mal, dass ich mich nicht mehr alleine fühlte. Und ich begann zu erahnen, was an mir nie verstanden wurde, weder von all den Menschen die um mich herum waren noch von mir selbst. Kein Wunder, war diese Flucht vor den Menschen meiner Vergangenheit eine Illusion, das Unverständnis war ja vorallem Meinerseits und mir selbst konnte ich nicht entfliehen. Da sass nun diese Coco in meinem TV, so ganz anders als alle Anderen und so gleich wie ich selbst. Ich verstand sie bei jedem Satz den sie sagte und spürte, dass sie die Erste wäre, die mich verstehen würde.

Das war der Moment, als mir klar wurde, dass ich eine transsexuelle Frau bin. Diese Erkenntnis empfand ich alles andere als bereichernd, mir wäre lieber gewesen, ich wär diesbezüglich unwissend geblieben. Ich begann zu ahnen, dass mir ein Weg vorbestimmt war, den ich keinesfalls gehen wollte. Was Andere über mich denken war mir viel zu wichtig, wie in aller Welt käme ich dazu, einen Weg zu gehen, der mich in den Augen dieser Welt zum Freak macht? Ich hoffte, dass das alles nur ein böser Traum war und begann zu verdrängen und zu vergessen und zu leugnen, was nicht zu leugnen ist.

Doch ich begriff zu dem Zeitpunkt nicht, dass mein Gefühl des Nichtverstandenseins genau darauf beruht. Ich war eine Frau, gefangen im Körper des anderen Geschlechts, maskiert als etwas was sie nicht ist. Wie könnte jemand eine Frau als Frau wahrnehmen, wenn man ihr das wahre Geschlecht nicht ansieht? Ich begriff nicht, dass ich bis zum jüngsten Tag dazu verflucht wäre, nicht verstanden zu werden – oder bis zu dem Tag, an dem ich beginne mein wahres Selbst zu entfalten.

Zwei Jahrzehnte kämpfte ich vermeintlich erfolgreich dagegen an und genauso lange blieb die Überzeugung des Nichtverstandenseins an mir hängen. Dieses Gefühl war irgendwann so stark, dass ich der ganzen Welt den Rücken kehrte. Ich hatte noch eine Lebenspartnerin und ein Kind, dem Rest der Welt sprach ich jegliche Bedeutung ab. Ich bin anders als Ihr und Ihr werdet mich nie verstehen, was will ich dann noch von Euch? Meine Trauer über dieses innere Alleinsein wurde immer grösser und die Abneigung gegenüber meiner eigenen Spezies wurde immer mehr zu Verbitterung.

Selbst als ich vor einem guten Jahr meine Selbstentfaltung begann und mich der Welt erstmals so zeigte wie ich wirklich bin, war ich mir nicht bewusst, dass mein Gefühl des Nichtverstandenseins etwas mit all dem zu tun hatte.

Nun, ein Jahr später, blicke ich zurück auf dieses letzte Jahr und stelle verblüfft fest, dass ich mich seit einem Jahr verstanden fühle. Vielleicht nicht vollumfänglich, weil ich in den Köpfen vieler Menschen ein Mann bin, der jetzt halt eine Frau sein möchte. Ein völlig falsches Verständnis und dennoch werde ich getragen von einem Gefühl, dass Menschen mich nun sehen wie ich bin. Und dass sie jetzt erstmals die Gelegenheit haben, mich zu verstehen, wahrzunehmen wer und was ich wirklich bin.

Immer öfters in den letzten Monaten ertappe ich mich dabei, dass ich mir wünsche, Menschen von früher wieder zu sehen, Menschen denen ich vor zwanzig Jahren davongerannt bin und sie aus meinem Kopf und Herz verbannt habe. Ich spüre, dass sie mir nachwievor viel bedeuten. Und ich spüre, dass das, was mich solange von ihnen ferngehalten hat, nicht mehr existiert.

Und das ist irgendwie seltsam. Denn kaum jemand wird wirklich verstehen, dass ich wahrhaftig eine Frau bin, schon immer war und immer sein werde. Dass ich eine anatomisch weibliche Hirnstruktur habe, eine weibliche Seele und nur mein Körper vier Jahrzehnte die Lüge verbreitet hat, ich hätte ein männliches Geschlecht. Die Chance, rational korrekt verstanden zu werden, ist schlechter denn je. Trotzdem fühle ich mich nicht mehr missverstanden, jedenfalls nicht in so allumfassenden Ausmass wie bisher. Die Vorstellung, diesen Menschen irgendwann wieder zu begegnen, ohne diese männliche Fratze, die mein Ich solange verborgen hat, ist eine wunderschöne Vorstellung. Zum ersten Mal im Leben bin ich mich selbst und so gebe ich der Welt zum ersten Mal die Chance, mich wahrhaftig zu erleben und zu verstehen, wer und was ich bin.

Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mit Sätzen konfrontiert werde wie “früher als Du ein Mann warst” oder “heute wo Du eine Frau bist”. So Sätze zeugen von grossem Unverständnis und doch fühle ich mich dabei verstandener denn je. Vielleicht verstehen Leute nicht was Transsexualität wirklich bedeutet oder sie glauben, ich hätte früher ein anders Geschlecht gehabt. All das ist jedoch zweitrangig. Was für mich heute zählt ist, dass sie mich jetzt im hier und heute als eine Frau wahr!nehmen und mich so behandeln. Damit geben sie mir mehr Verständnis als ich es je vorher hatte, weil sie mir zumindest im hier und jetzt mein Ichsein zugestehen, es anerkennen……….. und mir damit etwas geben, was Allen zusteht……. die Würde des Menschen.

So stehe ich heute erstmals an einem Punkt, an dem ich mein Leben mit Würde tragen kann, an dem ich mich zumindest im Kern verstanden und respektiert fühle, als das was ich bin. Und das ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, weil es dem grössten Schmerz meines Lebens ein Ende bereitet.

Deutscher Presserat rügt “Focus” wegen diskriminierender Berichterstattung betreffend einer transsexuellen Frau

Anlässlich eines Skandals um den italienischen Mafiosi Politiker Silvio Berlusconi berichtete das deutsche Magazin “Focus” wie viele andere Boulevard-Medien über den Tod einer transsexuellen Frau. Es war wie immer in so Fällen ein Genuss für trivialdenkende Journalisten, dass sie einen Politiker im Zusammenhang mit einer transsexuellen Frau darstellen konnten. Aber “Focus” war das nicht genug, um der Sache etwas Würze zu geben, berichteten die Schreiberlinge wie viele andere Schundmedien trotz des Namens “Brenda” und eines Bildes das diese Frau offensichtlich als Frau erkennbar machte, in der männlichen Form von ihr.

Die Menschenrechtsorganisation ATME (Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.) hat darauf Beschwerde beim deutschen Presserat eingereicht und diese hat nun “Focus” einen Hinweis erteilt. “Focus” verteidigte sich mit der für Journalisten doch eher lächerlichen Ansicht, sie hätten ja nur die Formulierung der Depechenagenturen DPA und Konsorten nachgeplappert. Aber der deutsche Presserat sah das anders. In Anbetracht des Namens und des Bildes wäre es eine Frage der journalistischen Sorgfaltspflicht gewesen, das Hirn doch mal kurz einzuschalten.

Das Positivste an diesem Urteil ist die Tatsache, dass der Ausschuss des deutschen Presserates diesen Fall zum Anlass nicht, auch die Depechenagenturen diesbezüglich anzuschreiben und um etwas mehr Korrektheit zu bitten. Denn erfahrungsgemäss schreiben gerade niveaulose Medien gern so DPA-Meldungen ab ohne dabei nachzudenken. Diese Agenturen sind oft die Wurzel der breit gestreuten Ignoranz.

Einmal mehr muss ich darauf hinweisen, dass Medien durch solche Berichterstattungen mitverantwortlich sind für diskriminierende Vorstellungen in der Bevölkerung und damit sind sie mitverantwortlich für Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Hate-Crimes – also faktisch für den Tod von rund hundert Transgendern jährlich.

Auch der Blick schrieb zu diesem Thema unter dem Titel: “Nach Sex-Skandal: Transe Brenda ist tot” und zeigte wie schon oft, dass man sich in der Blick-Redaktion auch über Opfer von Gewalt oder über Verstorbene gern mal lustig macht, weil Ethik dort ja bekanntlich keinen Stellenwert hat und überbordende Dummheit und Ignoranz jährlich von der Geschäftsleitung prämiert wird.

So ein Urteil macht Mut und es zeigt, dass es höchste Zeit ist, dass wir uns gegen die mediale Hirnlosigkeit wehren. Ich werde Blick und Konsorten weiterhin auf die Finger schauen und zu gegebener Zeit dem Vorbild von ATME folgen und beim Schweizer Presserat Beschwerde einreichen. Es wird höchste Zeit, auch hierzulande ein Exempel zu statuieren.

Nachhilfe für Journalisten: Transsexualität – für Journalisten ein Tabu?

Erfreuliches, Liebendes und Göttliches

Momentan bin ich wieder quietschvergnügt und das hat verschiedene Gründe…….

Heute Nachmittag hätte ich meinen monatlichen Termin in der psycho-sozialen Abteilung des Zürcher Universitätsspitals gehabt. Und ich bin schon seit Tagen aufgeregt deswegen, weil die mich betreuende Ärztin in Aussicht stellte, dass sie den nächsten gemeinsamen Termin mit dem Oberarzt abmachen würde. Dieser Termin soll vorallem dem dienen, dass wir besprechen, wie oder wann es mit meiner GaOp losgeht. Die Chirurgen haben in der Regel mindestens drei Monate Wartefristen und dementsprechend möchte ich natürlich so bald wie möglich die Anmeldung machen lassen. Heute morgen bekam ich ein Telefon von meiner Ärztin die mir sagte, sie müsse den heutigen Termin leider absagen, aber dafür hätte sie den Termin mit dem Oberarzt. Wir treffen uns am 10. Mai um “die Op-Anmeldung zu besprechen”. Natürlich heisst das noch nix, vielleicht besprechen wir, dass die Anmeldung erst im Herbst erfolgt. Aber ich habe Grund zur Hoffnung, dass es schneller geht. Man hat signalisiert, dass in dieser Fristenfrage auch berücksichtigt wird, dass ich seit Jahren therapeutisch behandelt werde und mein eigener Therapeut meine Diagnose bestätigt hat. Falls also alles gut läuft, könnte es im Spätsommer oder Frühherbst soweit sein :-)

Apropos Spätsommer, Juliet und ich haben unsere Sommerferien geplant, sie wird voraussichtlich die dritte Augustwoche zu mir kommen und wir haben neun Tage für uns :-) Ich freu mich wie doof, so lange am Stück können wir uns sonst nie sehen, das wird unsere erste ganze Woche, die wir aneinanderkleben können :-) Und weil die Götter mit uns sind, ist dieser Termin grad mehrfach gut gefallen. Mein Stammpub hat im Sommer immer Sommerpause (Sauerei sowas *schmoll*) und es öffnet ausgerechnet in dieser Woche. Ich kann mein Schatzi also mal dahin schleppen und sie kann ein paar meiner FreundInnen kennenlernen. Aber das Verrückteste habe ich erst grad vorhin entdeckt. Voraussichtlich wird sie am Freitag dem 13. August hier ankommen. Der Freitag der 13. ist für uns Gruselfans schon ein Festtag für sich, aber das Irre ist, dass der 13. August das Sommerfest der Göttin Diana ist. Ist das nicht verrückt? Juliet geht zu ihrer Diana in die Ferien, genau am Tag von Dianas Sommerfest. Na wenn das nicht genug Gründe zum feinern sind :-)

Apropos Juliet, nach zwei Monaten Wartezeit und etwa hundert Stunden Telefonieren ist’s nächste Woche wieder soweit, in 6 Tagen und 4 Stunden resp. am Donnerstag um 17 Uhr steh ich bei Juliet am Bahnhof und wir können uns endlich wieder umärmeln. Ich werd bis Dienstag morgen früh bei ihr bleiben, somit haben wir vier ganze Tage und fünf Abende Zeit, um all die Küsse und Streicheleinheiten nachzuholen, die wir in den letzten acht Wochen vermisst haben. Wir sind beide schon völlig aus dem Häuschen und freuen uns wie kleine Kinder auf Weihnachten :-) Juliets Mama wird uns dann am Samstag mit ihrem Mann besuchen, ich lern also meine Schwiegermama kennen, so cool :-)

Apropos Weihnachten, trotz stapelweise Kleiderkatalogen hab ich seit Monaten nix bestellt, nur diese Woche zwei soooooo süsse Jupes und einem BH. Ey das ist ne Leistung, etwas mehr Verwunderung bitte :-) Das eichhörnchenartige Kleidersammeln scheint wirklich erträgliche Masse angenommen zu haben. Und weil Juliet einer der Jupes so gefallen hat, hab ich ihn für sie grad auch bestellt. Wir können also in den Sommerferien im Partnerlook rumstöckeln. Wow das muss ja ein Anblick sein, die gleichen Haare, der gleiche Jupe, ich stell mir das echt prächtig vor. Hmmm, jetzt bin ich plötzlich unsicher, Duuuuu Süsse, wolltest Du eigentlich den hier auf dem Bild da oben oder den hier? *grübel*.

Apropos bestellen, die von mir bestellten Bücher sind endlich unterwegs, ich werd also Anfangs Woche endlich im Besitz meines gedruckten Blogtagebuchs sein. Speziell erfreulich ist das, weil ich Juliet und ihrer Mama an Ostern je ein Buch mitschleppen kann :-)

Apropos Blog, unser frischgeschlüpftes, gemeinsames Blog, entwickelt sich zu einer spassigen Sache und gesellt sich fröhlich zur Gruppe der Zeitfresser. Juliets Erzählungen und Geschichten lassen erahnen, dass wir Zwei wirklich wesensgleich sind. Beide haben eine lebhafte Fantasie und beide sind völlig verrückt – halt eben ein Duo Infernale :-)

Der Tod der Tänzerin

Die meisten Menschen kennen so Momente, in denen einem einfach spontan die Decke auf die Birne knallt. Ein kleiner äusserer Reiz reicht und schon kommt etwas hoch, das irgendwo tief in einem modert. Oft sind es Dinge die seit Langem im Kerker der Seele vor sich hinfaulen, sie sind einem nur allzu gut bekannt, weil sie im Verlauf des Lebens immer mal wieder auftauchen, wie Schatten die man nicht los wird. Und dann ein kleiner Impuls, irgend etwas was einem daran erinnert und schon geht ein Feuerwerk von Gefühlen los. Man sagt solchen Auslösern “Trigger”, das englische Wort für “Auslöser”. Bei mir hat’s grad mal wieder getriggert und ich fühl mich wie zugebombt, eine Detonation nach der Anderen, eine Welle nach der Anderen….. Gut zu wissen, dass so Trigger-Tsunamis nur kurz andauern und schon bald wieder vergessen sind. Dumm nur, dass man die Gewissheit hat, dass man ihnen früher oder später wieder begegnen wird.

Und wenn Zarah tanzt, ist sie ganz allein
denn noch nie war sie zum Tanzen aus
nur in ihrer Welt war sie groß und stark
doch sie kam aus ihrer Welt nie raus
(Rosenstolz – Zarah in Ketten)

Begonnen hat es wie so Trigger nunmal sind, durch ein ganz harmloses Ereignis. Ich sass im Wohnzimmer und guckte DSDS, genoss den Gesang, die Auftritte und immer mal wieder beobachtete ich die Background-Tänzerinnen, die im Hintergrund für Ambiente sorgen. Normalerweise sind sie im Hintergrund, der Sänger absorbiert den grössten Teil der Aufmerksamkeit. Doch heute sah ich einen Moment lang nur noch eine Tänzerin im Hintergrund, die im Takt der Musik ihren wunderschönen Körper zu einem noch schöneren Kunstwerk verbog. Da war er wieder, dieser verfluchte Trigger – und die Achterbahn der Erinnerungen ging los.

Seit ich denken kann, war Musik für mich das Grösste was es gibt. Musik geht durch Mark und Bein, Musik kann die Seele streicheln oder sie erschüttern. Musik ist die Königin der Künste. Musik kann man hören, man kann sie auch selbst machen, oder man kann sich von ihr durchströmen lassen. Tut man Letzteres, beginnt der Körper sich zur Musik zu bewegen und daraus entsteht Tanz.Ich glaube, es gibt nichts Erfüllenderes als sich von Musik mitreissen zu lassen, nicht nur im Kopf sondern mit dem ganzen Körper. Tanz ist Ekstase, in ihrer reinsten Form. Ich glaube, dass dem so ist, aber ich weiss es nicht wirklich, weil mir der Zugang dazu nie vergönnt war.

Wann genau es war, weiss ich nicht mehr, ich weiss nur noch wie ich mich gefühlt habe, als ich zum ersten Mal in einer Schülerdisco stand, mich zur Musik gehen liess, die Musik meinen Körper durchströmte und ihn in Bewegung versetzte…….. und ich anschliessend ausgelacht wurde. Du tanzt ja wie ein Mädchen, hahaha, ach wie lustig. Ich war total irritiert. Ich hatte mich ja nur zu dieser Musik bewegt, mir nicht überlegt wie ich das tun soll sondern es dem Körper überlassen, was er damit anfangen will. Ich war mir nicht bewusst, etwas Weibliches zu machen, ich hörte einfach Musik und die bewegte mich. Dafür wurde ich ausgelacht, so wie ich schon viel zu oft für andere Sachen ausgelacht wurde. Dass ich irgend etwas tat das für einen vermeintlichen Jungen zu weiblich war, dürfte wohl der häufigste Grund gewesen sein, dass ich ausgelacht oder verspottet wurde.

An diesem Tag endete meine Tanz-Karriere. Im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, Verhaltensweisen u.s.w. kann man Tanz nicht vom Kopf aus steuern. Entweder man lässt sich tanzen oder man tut es gar nicht. Da gibt es keine Zwischenstufen, jedenfalls nicht für mich. Ich wollte nicht ausgelacht werden, wollte aber auch nicht Bewegungen zur Musik machen, die ich rational eintrainiert habe. Dazu war mir Musik viel zu wertvoll. So hörte ich auf, mich zur Musik zu bewegen, für sehr sehr lange Zeit.

Erst viele Jahre später, in der Pupertät, hatte ich eine Freundin, die fürs Leben gerne tanzte. Sie überredete mich, mit ihr an einen Tanzkurs zu gehen, indem man so Standardschritte lernt wie Foxtrott und so Quatsch. Tanzen lernen und koordinierte Schritte zu üben scheinen mir in totalem Widerspruch zu stehen zu dem, was ich unter Tanzen verstehe. Aber ich machte mit und überwand damit auch diese Angst, die mich soviele Jahre gefesselt hatte. In der ersten Tanzstunde, nach etwa einer Viertelstunde, schnauzte mich meine Freundin mitten im Tanzsaal an. Du bewegst Dich ja wie eine Frau. Du musst führen und nicht Dich führen lassen. Ich war fassungslos. Im Anschluss an diese Tanzstunde, die mal so nebenbei zum Albtraum wurde, drückte ich ihr unseren Ring in die Hand und beendete unsere Beziehung. Das Messer, das sie mir in dieser Stunde ins Herz rammte, war zu scharf, als dass ich da noch etwas hätte retten können.

Das war das Ende, bis zum heutigen Tag – und wohl bis zum Ende meines Lebens. Ich kann es nicht mehr, so sehr ich es mir wünschte. Immer wenn ich im TV Menschen tanzen sehe, bin ich total fasziniert, fühle eine unbändige Sehnsucht und gleichzeitig zerreisst es mir fast das Herz. Die Angst ist viel zu gross, als dass ich da je wieder ernsthaft einen Zugang finden würde. Auch wenn es noch so irrational ist, ich bekomme fast panische Zustände, wenn ich mir vorstelle, dass ich tanzen würde. Ich kann das nicht mal wenn ich alleine bin, weil ich mich dabei so doof fühlen würde.

Und das ist speziell irrational, denn heute dürfte ich mich ja weiblich bewegen. Aber das was mich hemmt, diese tiefsitzende Angst, ist nicht mehr eine Frage von männlich oder weiblich sondern die feste Überzeugung, dass ich mich lächerlich mache, wenn ich mich zur Musik bewege. Ich weiss, dass es nicht so wäre, aber die Angst sitzt viel zu tief, so tief, dass sie jeglichen Verstand auslöscht und für rationale Argumente nicht mehr erreichbar ist.

Es gibt viele Dinge, denen ich nachtraurere, weil ich sie verpasst habe und nie wieder nachholen kann. Aber es dürfte nur wenig Verluste geben, die so schmerzhaft sind, wie der Tod der Tänzerin in mir. So gross, wie die Sehnsucht danach ist und so gross wie die Bewunderung ist, denen gegenüber die wirklich tanzen können, bin ich der festen Überzeugung, dass ich eine leidenschaftliche Tänzerin geworden wäre. Vermutlich hätte ich lateinamerikanische Tänze gemacht, vielleicht wäre ich auch als Backgroundtänzerin in einer Band gewesen, vielleicht hätte ich einfach nur jedes Wochenende in irgendwelchen Schuppen getanzt. Aber auf jeden Fall wäre das Tanzen etwas ganz Zentrales in meinem Leben geworden.

Es sind Momente wie dieser jetzt, in denen ich zutiefst trauere, um diese Tänzerin, die sterben musste, bevor sie zu leben beginnen konnte.
R.I.P. my sweet little dancing queen

Die Sammelwut eines seltsamen Eichhörnchens

Es war irgendwann Anfang des letzten Sommers, als ein kleines, vorwitziges Eichhörnchen ein Geschäftshaus in Zürich betrat. Es guckte um sich, spitzte die Öhrchen, ganz kurz erzitterte ihr buschiger Schwanz, es liess ein kurzes und freudiges tztztztz erklingen und verschwand in der Menge. Das Eichhörnchen hiess Diana und genau genommen ist sie kein richtiges Eichhörnchen sondern ein Menschenweibchen. Aber an diesem Tag fühlte sie sich wie eins und verspürte diesen unbändigen Sammeltrieb, den Eichhörnchen jeden Herbst verspüren und der sie dazu anregt, alles im Wald einzusammeln, was irgendwie essbar ist. Aber dieses Eichhörnchen sammelte keine Nüsse und keine Beeren, es sammelte Röcke und Schuhe. Es war auch nicht Herbst, aber weil Diana ein etwas seltsames Eichhörnchen ist, kümmerte sie auch das nicht wirklich.

Von steten tztztz Lauten begleitet, hüpfte das kleine Ding von Gestell zu Gestell, ihr Blick huschte eifrig durch die Regale, nichts entging diesem aufmerksamen Geschöpf. Hier und da blieb es stehen, spitzte wieder die Öhrchen, schaute ganz genau an eine bestimmte Stelle, um nach erneutem freudigem tztztztz zum nächsten Gestell zu springen. Das seltsame an diesem Tierchen war, dass es gar nichts einsammelte, es wuselte nur emsig durch die Regale, bleibt hi und da stehen und rannte sogleich weiter.

Es schien die sonst im Laden herumlaufenden Menschen gar nicht zu bemerken, sprang quirrlig zwischen diesen Zweibeinern hindurch und arbeitete sich systematisch durch das ganze Sammelgebiet. Es fühlte sich dort scheinbar ganz alleine und es schien tausend Dinge zu geben, die ihre Aufmerksamkeit anziehen.

Dann, plötzlich, niemand weiss genau warum, rannte es schnurstracks zum Eingang und hüpfte denselben Weg den es vorhin genommen hatte, nochmal entlang. Bei diversen Gestellen hielt es kurz an, zitterte aufgeregt mit dem Schwanz, machte wieder erfreute tztztztz Laute, zerrte ein Kleidungsstück aus dem Regal und rannte weiter den Weg entlang. Innert wenigen Minuten hatte das kleine Ding einen ganzen Stapel Kleidungsstücke eingesammelt. Offenbar verfügen Eichhörnchen über einen enormen Orientierungssinn, es wusste genau, wo es bei der vorigen Entdeckungstour leckere Dinge gefunden hat und diese sammelt sie nun zielstrebig ein.

Ein letzter Blick in die Runde, ob noch was vergessen wurde und schon hüpfte es sichtlich vergnügt zur Kasse. Die Kassiererin wirkte etwas irritiert, man sieht nur selten Eichhörnchen in diesem Laden und auf die Frage, ob sie die Sachen einpacken soll, kam nur wieder so ein begeistertes tztztztz.

Als das Eichhörnchen den Laden verliess, eine prall gefüllte Einkaufstüte hinter sich herschleppend, sah man dem kleinen Ding auf den ersten Blick an, dass es unbeschreiblich glücklich war und seine Beute nun stolz nachhause trug, um alles zuhause in ihrem Kleiderschrank zu verstecken, damit es in nächster Zeit genug zu essen äh anzuziehen haben würde.

Noch heute sieht man dieses kleine Tierchen gelegentlich zwischen Regalen von irgendwelchen Kleider- und Schuhläden hopsen, nicht mehr so heufig wie damals, aber nachwievor mit dieser offensichtlichen Begeisterung…… und dem bei den Verkäuferinnen unterdessen so bekannten tztztztz Lauten.

Osterhasensuche in Deutschland

Es ist kaum zu glauben, aber bald haben wir’s geschafft, in weniger als einem Tag treffen Juliet und ich uns am Bremer Bahnhof. Es wird wohl einige Irritationen auslösen, wenn zwei bekloppte Mädels wie doof aufeinander zurennen und ich meinen Lippenstift in ihrem Gesicht verteile, aber wir dürfen das, wir sind das Duo Infernale :-)

Nach zwei Monaten Abstinenz sind wir Beide langsam völlig am durchdrehen. Bei soviel Liebe und soviel Sehnsucht sind zwei Monate eine unheimlich lange Zeit. Umso mehr sind wir nun halb hysterisch, weil wir uns endlich wieder umärmeln können. Von Donnerstag 17 Uhr bis Dienstag gegen 7 Uhr wird geknuddelt, dass in Deutschland Bebenwarnungen zu erwarten sind.

Nachdem mein Buchverlag meine Bestellung irgendwie versifft hat, konnte ich denen doch noch Beine machen und man glaubt’s kaum, heute konnte ich die Bücher endlich auf der Post abholen. Heute war die letzte Chance, damit ich Juliet und ihrer Mama ein Exemplar mitbringen kann. Nachdem ich schon fast nicht mehr daran gelaubt hab, dass die Bücher noch rechtzeitig ankommen, freu ich mich nun wie blöd, dass ich doch welche mitschleppen kann.

Das Buch ist einfach genial, aus fototechnischen Gründen habe ich ein weisses Cover gewählt (es sollte ursprünglich dunkelrot sein), aber das war ein genialer Entscheid, es sieht richtig edel aus und es ist ein tolles Gefühl, sein eigenes Buch in den Fingern zu halten. Jetzt bin ich wirklich Autorin :-)

Als ich die Bücher auf der Post abholte, gab’s zum ersten Mal ein Identitätsproblem. Ich schob den Abholzettel und meinen Ausweis rüber, sie guckte den Ausweis an, dann mich, dann den Ausweis, dann mich……. und sagte etwas ratlos: “Aber das sind gar nicht Sie, da auf dem Foto”………. ich erstrahlte innerlich wie die aufgehende Sonne, weil das für mich einfach ein umwerfendes Kompliment war. Wenn ich nicht mehr als der Kerl auf dem Ausweis betrachtet werde, dann kann ich wirklich mehr als glücklich sein. Ich grinste dann und antwortete: “Doch das ist schon mein Foto, aber es ist halt nicht mehr so aktuell”. Sie dachte noch n’Moment nach und ich hatte den Eindruck, dass sie das im Kopf überhaupt nicht mehr auf die Reihe kriegte. Darauf folgte die Kapitulation, sie holte das Paket, das im Gegensatz zum Ausweis auf “Diana” lautete und übergab mir das Ding.

So stolzierte ich aus der Post raus, als Besitzerin ihrer eigenen Bücher und als eine Frau, der man die einstige männliche Erscheinung nicht mehr abnimmt :-)

Tja und jetzt muss ich noch packen, baden, Haare waschen und mich ein paar Stunden hysterisch mit der Frage beschäftigen, dass ich doch sicher irgendwas Wichtiges vergessen habe. Und dann, falls ich denn schlafen kann, werde ich morgen aufwachen und mit dem Flugzeug in den siebten Himmel fliegen. Auf die Synchron-Ballett-Vorführungen des Kabinenpersonals freu ich mich jetzt schon, auf ne kurze Shopping-Tour in Hannover ebenfalls, auf die kuschelfreudige Miezekatze Tequila natürlich auch, aber viel mehr als das freue ich mich auf mein Süssding, das ich endlich wieder festhalten kann…….. gaaaaaanz fest.



Copyright © 2017 by: (t)-Girl Diana • Template by: BlogPimp Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.