Wieder mal ein abenteuerlicher Tag
Es gibt ja so Tage, an denen ein tolles Erlebnis das Andere jagt, gestern hatte ich mal wieder so einen Tag – also holt Bier und Popcorn – here we go :-)
Logopädie und Automatismus
Der Morgen begann mit einer weiteren Stunde Logopädie, der Ort an dem brummende Mädels wie ich lernen zu reden. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, geht es nicht darum, seine Stimme nun fortwährend zu kontrollieren sondern darum, durch bestimmte Übungen den Automatismus der Sprechweise zu verbessern. Dabei ist es weniger die Frage wie hoch die Stimme ist als die Frage, wie man etwas ausspricht und betont. Dabei sind die Veränderungen für einem selbst kaum bemerkbar, weil man eben nicht einfach von heute auf morgen anders spricht sondern diese Übungen das Sprechen langsam verändern. Ich hatte umstandsbedingt mehrere Wochen Pause und wurde dann von der Logopädin mit der Aussage überrascht, dass meine Stimme deutlich sanfter geworden ist. Na sowas hört man gern, vorallem wenn man selbst davon nix mitkriegt. Es scheint also etwas zu bringen und das ohne dass ich mein Sprechen bewusst kontrollieren muss. Darüber habe ich mich riesig gefreut.
Barttragen im Auftrag von Amnesty
Wieder am Computer angelangt, ereilte mich eine Meldung von Amnesty International, die zu einer Solidaritätsaktion auf Facebook aufrief, für den in Lybien als Geisel gehaltenen Max Göldi. Dazu sollte man einerseits eine Online-Petition unterschreiben und anderseits das eigene Profilbild auf Facebook für einen Tag durch ein Bild von ihm ersetzen. Brav wie ich bin, hab ich natürlich beides gemacht. Aber ich muss ehrlich gestehen, dass es gerade für mich irgendwie ein grusliges Gefühl war, ein bärtiges Gesicht als Profilbild zu verwenden. Aber was tut man nicht alles für Amnesty ;-)
Flug gebucht – Ostern verlängert
Ende Nachmittag ging ich dann mal wieder die Flugpreise für Ostern durch und stellte fest, dass die Preise stetig steigen. Irgendwann kam mir die Idee, mal frühere Hinflüge resp. spätere Rückflüge in die Suche mit einzubeziehen und dann fand ich eine Kombination, die nicht nur bezahlbar war (150 Euro) sondern mein Weekend mit Juliet in wundervoller Weise erweiterte. Anstatt Freitag morgen bis Montag Abend, was faktisch Freitag Mittag bis Montag Ende Nachmittag hiess, hatte ich da eine Variante von Donnerstag Mittag bis Dienstag Morgen, was faktisch Donnerstag Ende Nachmittag bis Dienstag Morgen bedeutete. Trotz blonder Haarfarbe konnte ich da ausrechnen, dass wir somit zwei Abende mehr hatten und die Anzahl ganzer Tage von zwei auf vier anstieg. Rein stundemässig ist es nicht sooooo viel mehr, aber die gefühlte Zeit wurde damit deutlich höher. Jauuuuu, da war Dianchen natürlich ganz aus dem Häuschen, freute sich wie bekloppt und buchte sofort diesen Flug.
Blond + hysterisch = doof
Aber eben, wenn ein blondes Mädel sich sooooo freut, dann bewegt sich der Geisteszustand schnell mal irgendwo zwischen Hysterie und völliger Idiotie und so kam was kommen musste. Nachdem die Bestellung durch war, stand da am Bildschirm, dass ich ne Bestätigung via Mail krieg. Ich guckte nach, fand aber nix. Also zurück auf die Website, alles nochmal lesen……….. hmmmmm………. da bemerkte ich, dass ich als Mailadresse gmx.ch anstatt gmx.net angegeben hatte. *kreisch*. Damit wurde aus totaler Begeisterung erstmal totale Panik. Denn bei diesen Ticketreservationen kriegt man nix per Post sondern nur eine eTicket Nummer via Mail, damit kann man am Flughafen die Bordkarte einlösen. Könnte man – hätte man denn diese eTicket Nummer. Zwei Stunden lang ging dann eine Mailerei zwischen mir und dem Support los und kurz vor einem Nervenzusammenbruch kriegte ich dann meine eTicket Nummer an meine richtige Mailadresse. Die Welt war gerettet, fünf Abende mit Juliet, wow wie schön das Leben doch sein kann :-)
Endlich Volumen im Haar – nieder mit den Augenbrauen
Und dann gings auch gleich schon weiter, denn meine neue Coiffeuse hat mich kurzfristig aufgeboten, um die Stufung meiner Haare zu erweitern, damit ich endlich etwas Volumen in die Haare krieg. Die sind einfach zu schwer und zu lang und ohne rechte Stufung sieht das einfach nach nix aus, alles hängt da nur blöd rum. Ausserdem sollten meine Augenbrauen endlich mal ein wenig in Form gebracht werden. Und so kams dann auch und zu meiner grossen Begeisterung hat das Mädel meine Haare sowas von aufgelockert, dass ich heute morgen grad mal kurz mit der Bürste durchging, einmal die Birne schüttelte und ne prächtige Frisur hatte. Die Augenringe auf dem Bild da oben bitte ignorieren ;-) Endlich sieht das aus wie ich mir das vorstelle. Und auch die Augenbrauen sind deutlich feminimer geworden, obwohl wir da erst mal nur wenig trimmten. Alles in Allem war es ein voller Erfolg und ich freute mich heute den ganzen Tag über meinen neuen Kopfschmuck :-) Ahja und erneut durfte ich stolz die Antwort geben: Ja die Haare sind echt und ja, die Farbe auch *stolzerhebtihrhaupt*
Vier Mädels und ein transologisches Gespräch
Die ganze Haarerei fand im Studio einer Freundin von ihr statt, die ich letzte Woche am Despite Konzert kennenlernte. Ausserdem kam dann noch ihre Mutter dazu, die ich wiederum schon lange kenne und die auch an meiner ersten Ladies-Night war und so hatten wir zu Viert schnell mal einen Riesenspass zusammen und – man ahnts – gingen anschliessend in die benachbarte Bar (oder sowas) und quaselten miteinander.
Unter Anderem gings einige Zeit über das Thema Transsexualität und ich erfreute mich einerseits daran, dass ich mal wieder meine Sicht der Dinge zum Thema kundtun konnte, noch mehr erfreute ich mich aber einmal mehr darüber, dass meine Mitmenschen unglaublich offen und verständnisvoll sein können. Und spätestens, als meine neuste Freundin in dieser Runde mir sagte, dass ich sehr weiblich aussehe, war ich wirklich gerührt und beglückt. Gerade in dieser Frauenclique ist es wirklich unglaublich, ich kam da als fremdes T-Girl in die Runde und wurde von allen absolut ernst genommen. Das tut sowas von gut, das können sich Aussenstehende gar nicht vorstellen.
Der Kebab-Mann und die hübsche Madame
Aber damit nicht genug, der Tag hatte noch mehr Komplimente für mich vorbereitet. In Wetzikon angekommen wollte ich an meinem Stamm-Kebabladen ein Dönertier aufladen, aber da der Laden mit spätpupertären Jungs überfüllt war und so Gruppen um diese Zeit für T-Girls wie mich nicht grad die ideale Umgebung sind, habe ich den zweiten Kebab-Stand unter Beschlag genommen. Dort wurde ich von einem freundlichen, grauhaarigen Mann begrüsst mit “Madame, was wünschen Sie” und ich war sogleich beglückt über diesen Umgang. Wenn mich jemand mit Madame begrüsst, schmelze ich einfach weg. Ich bestellte dann wie es sich gehört einen “Kebab im Fladenbrot mit chli scharf und ohni Tomate”. Er legte das Fladenbrot in den Ofen und während er wartete, guckte er mich an und sagte plötzlich unvermittelt und mit ehrlicher Stimme: “hübsche Madame”. Ich strahlte sogleich wie ein frisch explodiertes AKW und eine Stimme in meinem Kopf meckerte: “Schätzchen, grins nicht so bekloppt wenn Dir Jungs Komplimente machen, bleib cool Mädel”, aber da bin ich irgendwie wehrlos, bei Komplimenten kipp ich einfach weg, das ist echt Honig für mein Selbstbewusstsein. Jedenfalls dackelte ich dann schon bald mit nachwievor stolzem Gesichtsausdruck und meiner Kebab-Beute nachhause. Ausnahmsweise ass ich den unterwegs, was eigentlich ein absolutes no-go ist, weil man sich dabei vollkleckert, aber es war bald zehn Uhr und ich sehnte mich schon so nach dem täglichen Blabla mit Juliet, dass einfach jede Minute zählte.
Aufrüstung in Sachen Blabla
Apropos Blabla mit Juliet….. mein Akku hindert uns ja täglich an ausgiebigen Gesprächen, weil der nach gut zwei Stunden schon den Geist aufgibt (kann ja nix sein für Mädels, sowas). Als ich zuhause den Briefkasten öffnete, war ein gelber Zettel von der Post drin, der mich darüber informierte, dass ich mein neues Telefon abholen kann, dass ich am Wochenende bestellt hab. Zehn Stunden Sprechzeit soll das Ding haben, ich denk nun sind wir gerüstet, um die Deutsche Telekom zu ruinieren. Vier Euro zahlt Juliet monatlich für ne Flatrate in die Schweiz, dafür telefonieren wir nun monatlich so an die 50 Stunden. Das können wir noch toppen, wetten? Also kauft vorläufig keine Aktien bei der Deutschen Telekom, die gehn bald den Bach runter :o)
Juliets Outing-Spass
Kaum zuhause gegekommen, ging unser daily-blabla los und wie so oft in den letzten Tagen erheiterte sie mich mit Erzählungen von ihren “Outings”. Es hatte ja schon bei mir was real-satirisches, Freunden und Bekannten zu erzählen, dass ich gar kein Kerl bin wie sie immer meinten und fortan Diana heisse. Aber bei ihr ist das fast noch ne Spur kurioser, weil Juliet eigentlich gar nicht auf Mädels steht, ich bin das erste Mädel bei der sie eine Ausnahme macht…. und wie ich hoffe, auch das Letzte :-) Und so ergeben sich dann Gespräche wie beispielsweise dieses (etwas frei nachgeplaudert):
Sie: An Ostern seh ich mein Schatzi
Er: Oh schön, kommt er Dich besuchen?
Sie: Nicht er – sie!
Er: Ah Sie………. *denkpause*….. (3….2….1….) *funkensprüht*….. SIE?
Sie: Ja *schelmischgrinst*
Er: Oh ich wusste gar nicht, dass Du auf Mädels stehst
Sie: tu ich auch nicht, ich liebe nur Diana
Er: ????? *sicherungdurchbrennt*
Und wie auch ich, erlebt auch sie, dass Menschen überraschend offen sind. Die Meisten Reaktionen gehen in Richtung: Wo die Liebe hinfällt, da will sie halt hin…… wenn Ihr Euch liebt, dann spielt weder Geschlecht noch Distanz eine Rolle…,….
Letztes Jahr habe ich hier ja mal meine Sorge kundgetan, dass LebenspartnerInnen von Transfrauen die gesellschaftliche Stigmatisierung zwangsläufig teilen müssen. Aber einmal mehr darf ich zur Kenntnis nehmen, dass Menschen vorallem im persönlichen Umfeld extrem offen sind. Dafür möchte ich der ganzen Welt einfach mal kollektiv danke sagen :-)
Übrigens, auch meine zukünftige Schwiegermama weiss unterdessen, dass ihre Tochter ihr eine transsexuelle Schwiegertochter beschert hat und auch sie hat das wirklich toll aufgenommen. Sie und ihr Freund werden uns an Ostern besuchen und ich hab den Eindruck, sie freut sich genauso wie ich, dass wir uns endlich mal kennenlernen, nachdem wir über Juliet soviel Gutes von einander gehört haben.
Diana wird Germanin
Und weil wir’s grad von meiner Süssen haben und von unseren Telefonen….. etwas sehr Seltsames passiert da in letzter Zeit mit mir. Als Software-Bunny guck ich ja den ganzen Tag in den Bildschirm und quatsch eher wenig mit meinen Jungs im Geschäft. Wir haben zwar immer mal zwischendurch Spass zusammen und müssen ab und zu auch was programmtechnisches beratschlagen, aber in der Regel red ich da nicht soooo viel, muss ja schliesslich ackern. So kommt es, dass ich unterdessen die meisten Zeit meines Alltags – eben diese täglichen zwei Stunden am Abend – mit Juliet plappere und das tu ich natürlich in Hochdeutsch, sonst versteht die ja nix. Dass das mittlerweile recht fliessend ist und schon fast so maschinengewehrartig wie bei ihr, war ja soweit anzunehmen. Aber das Verrückte ist, dass ich unterdessen öfters auch hochdeutsch denke und manchmal im Gespräch mit Schweizern fast ins Hochdeutsche rutsche. Als ich kürzlich an der Uni bei meiner Psychologin war, die selber Deutsche ist und mit der ich immer Schweizerdeutsch geredet hab, bemerkte ich nach einer halben Stunde, dass ich die ganze Zeit im Rattertempo hochdeutsch auf sie eintextete. Echt strange, es scheint als ob Hochdeutsch langsam zu meiner Hauptsprache wird, ich werd also immer mehr zur Germanin. Das ist soweit auch korrekt, meine mütterliche DNA stammt aus dem germanischen Raum, ich bin also mütterlicherseits eh Germanin. Aber dass ich eines Tages hochdeutsch denke, hätt ich nun doch nicht erwartet.
So das wars mal wieder, die Tasten glühen, ich bin todmüde, es ist gleich ein Uhr und ich bin immer noch nicht abgeschminkt, ich denk das wars dann mal wieder, schlaft gut und bis zur nächsten Bier-Popcorn-Plauderei ;-)
