(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Dein Engel sein

und so wie das Jahr endete, soll das Jahr beginnen, geben wir das Wort an die gute Celine Dion ab, die wie immer besser ausdrücken kann, was ich nicht zu sagen in der Lage bin. Weil Träume wahr werden können und weil ich nie aufhören will, das Unvorstellbare für möglich zu halten…….

No mountain’s too high for you to climb
All you have to do is have some climbing

No river’s too wide for you to make it across
All you have to do is believe it when you pray
And then you will see the morning will come
And every day will be bright as the sun
All of your fears cast them on me
I just want you to see

I’ll be your cloud up in the sky
I’ll be your shoulder when you cry
I’ll hear your voices when you’re calling
I’m your angel
And when all hope is gone I’m here
No matter how far you are I’m near
It makes no difference who you are
I am your angel
I’m your angel

I saw your teardrops and I heard you cry
All you need is time
Seek me and you shall find
You have everything and you’re still lonely
It don’t have to be this way
Let me show you a better day
And then you will see the morning will come
And all your days will be bright as the sun
So all of your fears just cast them on me
How can I make you see?

And when it’s time to face the storm
I’ll be there by your side
This place will keep us safe and warm
And I know we will survive
And when it seems as if forever’s drawing near(the end is drawing near)
Don’t you dare give up the fight
Just put your trust beyond the sky

(Celine Dion – I’m your angel)

Selbstentfaltung und der Schatz im Acker

siehe, das Reich Gottes ist innerhalb von euch. (Lk 17,21)

(ιδου γαρ η βασιλεια του θεου εντος υμων εστιν)

Jesus pflegte in Gleichnissen und Metaphern zu reden, denn er wusste, dass die bildhafte Rede den Höhrer viel mehr zum Nachdenken bringt als klugscheisserische Faktendrescherei. Und er wusste, dass Bilder zeitlos sind, während Worte im Sog der Zeit sich verändern. Jesus-Gleichnisse haben für mich immer eine doppelte Bedeutung. Einerseits geht es primär um Vergleiche im Bezug auf das Reich Gottes, seine Vorstellung, dass wir hier auf Erden durch gelebte Nächstenliebe einen himmlischen Zustand hervorbringen. Das Reich Gottes ist innerhalb von Euch (Lk 17,21), sagt er an einer zentralen Stelle und er verweist damit auf die Tatsache, dass wir nicht auf die Ruhe und den Frieden warten dürfen sondern den Frieden in uns emporsteigen lassen sollen. Auf der anderen Seite haben seine Worte auch immer eine Paralelle zum normalen Alltag. Wenn er davon redet, dass wir uns nicht sorgen sollen, dann ist sowohl unser spirituelles Heil gemeint als auch so alltägliche Dinge wie Essen oder Kleidung (z.B. HighHeels von Manolo).

Eines seiner Gleichnisse nennt man den “Schatz im Acker” oder die Paralelle “Die kostbare Perle”. Dabei geht es darum, dass jemand in einem Acker einen Schatz findet und weil er sich des Wertes von diesem Schatz bewusst ist, verkauft er alles was er hat, gibt alles was ihm lieb ist weg, um diesen einen, unschätzbar wertvollen Schatz zu erlangen. Auf spiritueller Ebene ist die Deutung klar, wer den Weg hin zu Gott gehen will, muss alles hinter sich lassen. Aber auf der Ebene des Alltags findet man ganz andere Deutungen, die meines Erachtens genauso im Sinne des Nazareners sind, wie die spirituellen Werte. Denn wahre Spiritualität wird im Alltag gelebt, alles andere ist theologische Klugscheisserei.

Das Reich der Himmel ist gleich einem im Acker verborgenen Schatz, welchen ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. (Mt 13,44)

(ομοια εστιν η βασιλεια των ουρανων θησαυρω κεκρυμμενω εν τω αγρω ον ευρων ανθρωπος εκρυψεν και απο της χαρας αυτου υπαγει και πωλει οσα εχει και αγοραζει τον αγρον εκεινον)

In meinem Fall bekommt dieses Gleichnis eine ganz neue Dimension. Seit meiner Kindheit bin ich davon überzeugt, dass der Sinn des Lebens darin liegt, sich selbst zu entfalten. Jedes Lebewesen hat seine ganz eigene Wesensart und jedes Wesen ist verpflichtet, seine ganz eigene Wesensart zu entfalten und der Gesamtheit aller Lebensformen eine weitere Fascette zu verleihen.

Ich habe ein Leben lang versucht, meine mir eigene Wesensart zu verleugnen und zu unterdrücken, ich wollte nicht sein was ich war, weil ich die gesellschaftliche Ächtung fürchtete. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich nicht mehr leugnen konnte, was meine ureigene Wesensart ist und ich konnte mich der Verpflichtung nicht mehr verweigern, diese mir eigene Art zu entfalten und zu verwirklichen.

Das zu sein, was von Natur aus in mich gelegt war, bedeutete, so ziemlich alles zu verlieren, alles zu investieren und alles zu opfern, für diese einzige Sache, mich selbst zu sein. Aber was gäbe es Schöneres und was gäbe es Edleres als sich selbst zu sein, so wie man von Gott geschaffen wurde? Und damit meine ich nicht irgendwelche anatomischen Sonderbarkeiten sondern die innere Wesensart, die tief in der Seele verwurzelt ist.

Anfang Jahr überschritt ich diese Grenze, legte mein gesamtes Leben in die Waagschale, opferte alles was mir am Herzen lag, für diesen einen Schatz, der “Ich” heisst.

Ja, mein lieber Rabbi Jeshua aus Nazareth, Du hattest Recht mit allem was Du gesagt hast und mein Leben gibt Zeugnis ab für Deine Worte. Ich habe alles gegeben, jeden Preis bezahlt und ich habe das Reich Gottes in mir gefunden. Wo einst Verbitterung war, ist nun Liebe, wo einst Verzweiflung war, ist nun Harmonie und Frieden – Frieden mit der Welt, und Frieden mit mir selbst.

Ich habe den Schatz im Acker meines Lebens gefunden und ich werde ihn nicht mehr loslassen, weil meine unsterbliche Seele nicht anders kann, als sich selbst zu sein, um jeden Preis.

Schmerz bedeutet Kraft

Ich glaub ich seh dieses Video nun zum hundertsten Mal und ich kann mich daran nicht satt sehen. Celine Dion singt in diesem Lied für ihren krebskranken Mann und es zerreisst sie während dieses Liedes. Aber sie gibt nicht auf, sie wischt sich trotzig ihre Tränen aus den Augen und schreit ihren ganzen Schmerz hinaus, nimmt die ganze Energie wieder in sich auf und singt weiter, mit aller Kraft ihrer Seele.

Das ist das, was mich im Leben weiter bringt und es ist das, was ich meinen Lesern vermitteln möchte.

Es gibt diese Momente, in denen es einem zerreisst, in denen man in tausend Stücke gerissen wird. Und es sind genau diese Momente, die einem ungeheure Energie geben können, wenn man in der Lage ist, diese Verzweiflung und diesen Schmerz umzusetzen.

Man beachte die Sequenz um 1:50 Minuten, da kommt der grosse Riss und darauf zeigt uns Celine, wie man mit Schmerz umgeht – ihn einverleibt, umsetzt, lebt!

Ich glaub es gibt keine Möglichkeit, auch mit tausend Worten auszudrücken und zu vermitteln, was Celine uns hier vorlebt, das ist der Weg der Kriegerin, das ist der Weg der Renitenz gegen die Widrigkeiten des Lebens, das ist wahrlich gelebtes Leben!

Seit ich dieses Video gesehen habe, ist Celine Dion für mich die Botschafterin der Überlebenskunst, da wo Andere aufgeben, da erstrahlt sie erst in ihrer wahren Grösse. Folgen wir ihr nach, Mädels!

Das ist die Stärke von uns Frauen, wir können Schmerz ertragen und wir können ihn umsetzen und in etwas Positives verwandeln, daran müssen wir uns festhalten und wir werden diese Welt überwinden.

Seit ich dieses Video gesehen habe, ist Celine Dion für mich die stärkste Frau aller Zeiten, für diese Tränen werde ich sie ewig lieben.

Die verpasste Jugend eines T-Girls

Die Tatsache, dass ich vier Jahrzehnte im falschen Körper verbrachte, raubte mir in meinem Leben viele Dinge, viele Zeiten gingen vorüber ohne dass ich sie in mir entsprechender Art hätte leben können. Am meisten traure ich um meine Jugendzeit, die Jahre in denen aus Mädchen Frauen werden, die aufregend sind und neue Erfahrungen im Multipack bringen, die Zeit in der man sich sucht, findet und präsentiert. Ich glaube, keine Zeit des Lebens ist so abenteuerlich, es ist die Zeit der geschlechtlichen Entfaltung – sofern einem dies erlaubt wird.

Bei uns Transsexuellen ist das definitiv nicht der Fall. Wir haben in der Regel bis dahin längstens verstanden und gelernt, wie wir sein müssen. Aber ein Mädchen kann sich nicht zum Mann entfalten und sie kann sich auch nicht zur Frau entfalten, sie bleibt irgendwie stehen. Für mich war es die Zeit, in der ich anfing mich mit Computern zu beschäftigen. Die stellen keine Geschlechternormen auf, da gibt es nur klare Fakten und als Programmiererin habe ich die Kontrolle über diese kleine Welt – ganz im Gegensatz zur Welt da draussen, die mir mit der pupertären Entfaltung ein unlösbares Problem stellt.

Was wäre aus diesem Mädchen geworden, wenn es damals schon Diana hätte sein können, was hätte sie erlebt, wie hätte sie sich entfaltet? Wir werden es nie erfahren.

Auch heute, als ich im Kino “Alvin and the Chipmonks 2″ schaute, rutschte ich trotz des lustigen Films zeitweise ab. Der Film spielte an einem College, in der Zeit die ich am meisten vermisse, die Zeit an dem mein Leben innerlich stehen blieb. Wenn ich in solche Welten hinein blicke, öffnet sich ein Tor zu meinem Inneren, des eine Leere zeigt, eine Lücke die nie wieder gefüllt werden kann und es entsteht eine ungeheure Sehnsucht nach dieser verpassten Zeit – ich wünschte mir, ich hätte wenigstens einmal an einem Schüllerball tanzen können.

Auch wenn ich mich heute des Öfteren pupertär fühle wie verrückt und auch wenn ich teilweise pupertäre Gefühlswallungen habe, kann diese Lücke nie wirklich gefüllt werden. Jede Zeit ist einmalig, man kann die Jugend nicht nachholen, jedenfalls nicht vollumfänglich.

Ich habe gelernt mit Verlusten umzugehen, was verloren ist, wird losgelassen. Nur in ganz seltenen Fällen gelingt mir das nicht, weil der Verlust einfach zu gross ist um loszulassen. Meine verpasste Jugend gehört definitiv dazu.

Also wenn ich wieder mal eine girlige Phase habe, habt Verständnis, da ist einfach zu viel was verpasst wurde…… und deshalb halte ich es nachwievor für ok, dass ich mich auch mit 43 Jahren noch T-Girl nenne, weil etwas in mir diesen Sprung zum Frausein nie schaffte und nie schaffen wird…… und auf eine gewisse Weise schätze ich das sogar. Das was ich nie wirklich hatte, geht mir dafür im Gegensatz zu Anderen auch nie verloren – hat ja irgendwie auch was Schönes.

Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, ich sei ein “ewiges Kind”, wie Recht ich habe und weshalb dem so ist, wird mir erst jetzt so richtig klar.

Wenn ein Vogel singt

Ich hab mich ja schon öfters als Fan von Talentshows geoutet und als Sarah Kreuz bei DSDS 2009 nur zweite wurde, brach es mir fast das Herz, weil sie meines Erachtens das grösste Gesangstalent ist, das im deutschsprachigen Raum je zu sehen war. Sie ist eine wunderschöne Frau und hat diesen lady-liken Diva Stil und mehr als all das hat sie eine Stimme, die sich weder von Celine Dion noch von Whitney Houston verstecken muss. Seit damals hoffte ich, dass sie irgendwann trotzdem den Durchbruch schafft und eine CD herausgibt. Das hat sie nun getan und darauf ist unter anderem diese wunderschöne Ballade zu hören. Enjoy it….. a new star is born :-)

If one bird sings night is over
And I can´t dream you anymore
If one bird sings it´s tomorrow
And the dream of you is broken like before

I can see the city from my window
I can hear the footsteps in the dawn
And the sunlight kisses every little flower
There´s a petal in the dark that´s lying torn

If one bird sings night is over
And I can´t dream you anymore
If one bird sings it´s tomorrow
And the dream of you is broken like before

Didn´t wanna be the one who´s waiting
Waiting for the shadows to turn less
But the road to you is feeling so familiar
And another appetite of going back

If one bird sings night is over
And I can´t dream you anymore
If one bird sings it´s tomorrow
And the dream of you is broken like before

I don´t wanna spend the night without you
So I´m – dreaming as long as I can
Oh I need – trying many many words to write about you
But I sleep and you´re here – holding my hand

If one bird sings night is over
(And I can´t dream) but I can´t hold you anymore
If one bird sings it´s tomorrow
And the dream of you is broken like before

But I dream you like I dream you´re here before…

(Sarah Kreuz – If one bird sings)

Ein fröhliches dies-und-das

Es ist mal wieder Zeit für ein paar Jubelzeilen und Spass am Leben, ich fass da mal wieder ein paar Sachen zusammen. Zur Einstimmung gibts ein Lern-Video über lady-like Haltung, Stil und den Umgang mit Jungs ;-)

Kitzeln für Fortgeschrittene
Seit ich vor einigen Wochen die Hormontherapie umgestellt habe, kitzelt und spannt es im Brustbereich, dass ich langsam weisse Mäuse sehe ob der ewigen Kitzelei. Ich kann zwar optisch keinen Fortschritt erkennen, weil das nicht so explosionsartig passiert, aber anfühlen tut es sich als ob ich demnächst explodiere :-)

Mail vom Götti (Pate)
Mein Gotti hat mir ein uh liebes Mail geschickt. Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, aber er hat durch meinen Vater von meinen Veränderungen gehört und auch in meinem Blog gelesen. Er zeigte sehr viel Verständnis und Akzeptanz, einmal mehr jemand, der mir das Recht zugesteht, mich selbst zu sein. Ich hab mich total darüber gefreut.

Wieder eine tolle Frau im Freundeskreis
Ebenfalls gefreut hat mich, dass ich wieder mal auf Facebook von einem BioMädel angefreundet wurde. Es zeigt sich immer wieder, dass Mädels uns T-Girls viel leichter als Frau annehmen können. Ich glaub echt, das liegt daran, dass Frauen mehr auf innere Werte achten. Wenn sie spüren, dass da drin eine Frau steckt, kann diese noch so viele anatomische Unkorrektheiten vorweisen, sie ist trotzdem mein Mädel.

Geburtstagsparty einer Freundin
Apropos Mädels, eine süsse Lady aus der Clique in der ich kürzlich diese tolle Ladies-Night erlebte, hat mich zu ihrer Geburtstagsparty nächsten Samstag eingeladen. Es ist schon seltsam, jahrelang habe ich mich immer mehr zurück gezogen, wollte mit niemandem zu tun haben und nun, seit ich als Mädel lebe, vermehren sich die Frauen in meinem Freundeskreis wie Karnickel. Und das tut soooooo gut :-)

Gut geflogen ist halb gelacht
Vor wenigen Tagen hab ich die Flugtickets geordert um Anfang Februar Juliet zu besuchen. Ich glaub ich spinn, da sagte ich doch ständig, dass ich nicht mehr über die Grenze geh bevor ich keinen korrekten Ausweis hab und dann sowas. Dieses Luder bringt mich dazu, die verrücktesten Dinge zu tun.

Telefonieren für Wahnsinnige
Apropos Juliet und verrückt, sie hat sich nach unserem gemeinsamen Weekend eine FlatRate für 4 Euro besorgt und seit her telefonieren wir – fast täglich – jeweils zwischen ein und zwei Stunden. Wenn Zwei so durchgeknallt sind, geschehen wirklich seltsame Dinge.

Es darf wieder gestöckelt werden
Morgen bin ich wieder ganz ich und darf ins Geschäft stöckeln. Ok von stöckeln dürfte man eigentlich nicht reden bei lausigen 5.5cm, aber in dieser Jahreszeig geb ich mich ja schon mit Wenigem zufrieden. Hmmmm, ich muss echt wirr sein, ich freu mich auf den nächsten Arbeitstag, ist mir noch zu helfen?

Shoppen für Fortgeschrittene
Ebenfalls übermorgen werde ich voraussichtlich die grösste Shoppingtour in der Geschichte der Frauen vornehmen und all das Zeuchs einsammeln, das ich diese Woche gefunden hab. Endlich gibts ein Pailettenkleid für Lady Diana, das fehlt wirklich dringend für die nächste Ladies-Night……… apropos, wann ist die eigentlich?

Erlebnis-Marathon für mich und Euch
Überhaupt werden die nächsten Wochen tausend Dinge passieren, mehrmals Logopädie, einmal Psychostunde an der Uni, erster Termin bei der Endokrinologie, Coiffeuse Termin, Beratung durch eine Visagistin, obige Geburtstagsparty, Pub-Besuche, Shoppingtouren, dann will ich ja noch eine eigene 1-Jahr-Diana Party organisieren und Anfang Februar geht’s ab zu Juliet…… mir wirds vorläufig garantiert nicht langweilig und Euch dementsprechend auch nicht, es wird viel zu berichten geben :-)

Der G-Punkt, die universitäre Naivität und der sexuelle Autismus von Männern

Ich liebe diese FastFood-Medien, die einem tagtäglich mit nachrichtentechnischem Sperrmüll versorgen und uns Dinge erzählen, die uns eigentlich nicht wirklich interessieren und dabei auch noch unreflektiert Bockmist nachplaudern und in jubilierende Schlagzeilen packen. Und ich liebe auch Wissenschaftler, die des Öfteren aller Intelligenz zum Trotz eine Naivität an den Tag legen, die jede Fruchtfliege zur Intelligenzbestie macht. Und das coole ist, diese Zwei arbeiten zusammen. Was auch immer für akademischer Schwachsinn veröffentlich wird, stürzen sich Medien drauf und schon wird das Ganze zur weltweit gelebten Realsatire.

Heute war’s mal wieder soweit. “Der G-Punkt ist ein Märchen“, titelt 20minuten-Online in einem jubilierenden Ton, der erahnen lässt, wie hoch die Männerquote in der Redaktion ist. Es klingt fast irgendwie mit, dieses “Gott sei Dank, kann ich die Sucherei endlich aufgeben”. Jungs wollen den Sex ja nicht zur intellektuellen Disziplin erheben – wenn simples rein-raus irgendwo hinführt, was will man sich denn da noch Gedanken machen über Punkte, von denen man ja nicht mal weiss, ob es sie gibt.

Wirklich witzig wird das Ganze jedoch, wenn man betrachtet, durch was für glorreiche Forschung dieser “Beweis” nun erbracht wurde. Diese Schlaumeier befragten tausend Frauen, 56% sagten sie hätten diesen Punkt, also haben ihn 44% nicht. Also doch alles nur eingebildet? Aber wenn jemand etwas nicht kennt, beweist das die Nichtexistenz des Gesuchten? Haben die Anderen überhaupt danach gesucht und vorallem, hatten sie Männer, die sich für erogene Zonen einer Frau interessieren?

Der geistige Kurzschluss kommt dann aber wie so oft mit Zwillingsstudien. Wenn 100% der Gene identisch sind, müssten auch beide diesen Punkt haben oder eben nicht. Nun waren die aber nicht immer gleich, also muss es Einbildung sein. Boah ey…….. Haben genetisch identische Menschen dieselben Partner? Dasselbe Interesse am eigenen Körper? In denselben Stellungen Sex gehabt? Dabei gleich gelaunt und entspannt gewesen? Ich glaube, die Banalität eines Denkvorgangs kann da kaum noch überboten werden.

Eigentlich wäre diese ganze Fragestellung ja überflüssig, sollte es zumindest sein. Ich habe mir nie Gedanken über Punkte und Koordinatensysteme gemacht, ich habe einfach mitgefühlt und beobachtet, welche Berührung welcher Körperstelle welches Gefühl auslöst. Aber das erfordert, dass man sich wirklich auf die Partnerin einlässt, sich hineinfühlt und vom Wunsch beflügelt ist, diese Frau in Ekstase zu versetzen – nicht sich und den schon im Anfang begonnen Endspurt ins Zentrum stellt sondern die Gefühle der Partnerin. Das ist etwas ganz Anderes, als diese Art von sexuellem Autismus, den viele Frauen erleben.

Um es noch deutlicher zu sagen: Solange sich Männer im Bett benehmen wie der Specht an der Eiche, können sie sich solche Fragen sparen. Wenn sie aber lernen sich wirklich auf eine Frau einzulassen und sie zu erkunden, werden sie staunen, was für Welten sich da auftun…… dann erübrigt sich auch die Frage nach dem hohen G.

Ist ja irgendwie schon seltsam, da machen sich Jungs Gedanken über G-Punkte, könnten aber nicht sagen, an welchen Stellen ihre Liebste zu welchem Zeitpunkt in welcher Weise am liebsten berührt wird. Ich glaub fast, ich sollte mal ein paar Aufklärungsbeiträge schreiben….. da scheint mir Not am Mann ;-)

Transsexuelle Frau in Obamas Regierung

Soooooooooooooo genial, Obama hat eine transsexuelle Frau in die Regierung aufgenommen. Amanda Simpson gilt als hochqualifziert (so sind TwoSpirits halt), arbeitete bisher als Direktorin von “Raytheon Missile Systems” in Tucson und wird nun und wird nun technische Beraterin im Handelsministerium. Beim Amtsantritt sagte sie:

Als erste transsexuelle Regierungsbeauftragte hoffe ich, dass ich bald eine von Hunderten bin

(Amanda Simpson)

Nun denn, da hoffe ich mit, wenn Transsexuelle solche Posten einnehmen, wird das sicher auch das Image von uns allen verändern. Wer sich nachwievor am Mythos festbeisst, dass Transsexuelle eh alle im Rotlicht-Milieu arbeiten, dürfte da langsam in einen Argumentationsnotstand rutschen.

Aber natürlich gehen christliche Hassprediger Fundamentalisten bereits auf die Barrikaden und verschmutzen mit ihrem pervertierten Denken die Landschaft. Peter LaBarbera, Präsident einer rechtskonservativen Organisation namens «Americans for Truth», ereifert sich bereits öffentlich und fragt: “Wie weit soll diese Politik des homosexuellen Aktivismus gehen?”. Damit entlarvt sich einmal mehr eien christlicher Fanatiker und zeigt, dass er erstens dumm wie Brot ist, weil Transsexualität nichts mit Homosexualität zu tun hat und zweitens, weil er zeigt, dass er von der selbst gepredigten Nächstenliebe überhaupt nichts hält.

Schön an dieser Sache ist auch, dass 20minuten-Online diesen Artikel korrekt wiedergegeben hat, ohne hämischen Unterton oder beleidigende Wortwahl. Da können wir mal gespannt sein, wie derselbe Artikel im Blick erscheinen wird, es graut mir jetzt schon.

Ich werde mal die Medien im Auge behalten und hier allfällige Beiträge veröffentlichen:
20min: Erste Transexuelle in Obamas Regierung
Heute.At: Obama holt Transsexuelle in US-Regierung
Welt.de: Die Transsexuelle im Ministerium
Wienerzeitung: Simpson – Harter Kerl und zarte Frau

Auf Facebook entsteht soeben eine Unterstützungsgruppe, ich bin die 38. die mit von Partie ist :-)
Amanda Simpson Support Group

PS: jetzt erobern wir die Welt und wenn wir die Weltherrschaft an uns gerissen haben, verbieten wir Testosteron und Kopfsteinpflaster, jawoll :o)

Frauenklinik – for girls only :-)

Heute wars endlich soweit und ich durfte zum ersten Mal in die Frauenklinik am Universitätsspital in die Endokrinologie. Das Ganze lässt sich wie folgt kurz zusammenfassen:

Es war ein berauschendes Gefühl, erstmals die Frauenklinik zu betreten, der Ort im Unispital, an dem nur Mädels ein und ausgehen…… Ich wurde wegen meiner bisherigen medikamentösen Selbstversorgung wider Erwarten nicht öffentlich hingerichtet….. Demnächst werde ich mein Rezept kriegen und werde von da an offiziell mit Hormonen versorgt….. Die Verantwortlichen der Psychiatrischen Polyklinik hätte ich heute am liebsten gevierteilt und in heissem Öl gebadet….. So in etwa ist die Kurzfassung, aber Ihr kennt mich ja, dabei kann ich’s nicht lassen, also alles der Reihe nach…….

Nur Frauen dürfen in die Frauenklinik
Als ich durchs Portal in die Frauenklinik stöckelte, war ich den Tränen nah, einfach weil es so ein unbeschreiblich schönes Gefühl ist, da rein zu dürfen, wo nur Frauen reingehen – sozusagen eine medizinische Frauwerdung der akademischen Art. Mir war zwar mulmig, weil ich mit einem Zusammenschiss rechnete, aber dass ich nun da hingehöre, war einfach umwerfend und nicht zuletzt ist das der erste Schritt in die offizielle Behandlung. Bei der Anmeldung wimmelte es von Frauen und ich war eine davon, wow, man muss echt transsexuell sein um sich vorstellen zu können, wie sich das anfühlt.

Doch keine Hinrichtung
Als ich dann zur Hinrichtung äh zum Gespräch berufen wurde, war ich hocherfreut, dass meine Endokrinologin eine Frau ist, denn Frauen sind meistens verständnisvoller und Verständnis brauchte ich jetzt, wenn ich erklären musste, warum ich mich selbst mit Medis versorgt habe. Und genauso kam es dann auch. Sie war zwar wenig begeistert ob meiner einjährigen Selbstversorgung, aber sie ersparte mir eine Standpauke, informierte sich über ein paar medizinische Fragen und erklärte dann, wie es weiter geht.

Die offizielle Hormontherapie geht los
Und weiter gehts folgendermassen. Nächsten Dienstag morgen muss ich zur nüchternen Blutabnahme, ich darf also an diesem Morgen keinen Whiskey in den Kaffee schütten oder so ähnlich. Falls die Blutwerte ok sind und nichts gegen die Hormontherapie spricht, kriege ich einen Folgetermin und kann mein Rezept abholen. Von da an werde ich alle drei Monate wieder kontrolliert und die HRT allenfalls angepasst. Beim Testosteronblocker Androcur meinte sie, dass sie ansonsten auch die doppelte Dosis abgeben, als ich mir verordnet habe, aber da mein Testosteronpegel zumindest beim letzten Check auf nahezu null war, scheint das bei mir nicht nötig zu sein.

Östrogene versus Nikotin
Bei den Östrogenen wird sie mir aber nur die Hälfte geben von dem, was sie sonst abgeben, weil ich Dummchen halt immer noch nicht aufhören konnte zu rauchen. Das dürfte nicht soooo schlimm sein, weil die dort eh ziemmlich heftig dosieren, somit wäre auch die Hälfte noch relativ viel. Anderseits will ich natürlich dass es vorwärts geht und somit habe ich nun ein gutes Argument mehr um diese idiotische Sucht endlich zu überwinden. Sie sagte, dass sie die Dosis erst erhöhe, wenn ich deutlich weniger rauche, also nicht unbedingt aufhören muss aber zumindest reduzieren. Das wär mir selber lieb und mit dieser Motivationshilfe klappt es vielleicht endlich, zumindest das Reduzieren. Mir gehts eh seit einiger Zeit mega gut, da traue ich mir langsam wieder zu, meinen ärgsten Feind niederzumachen.

Diane-35 hätte mich mein Leben kosten können
Soweit also das Erfreuliche und Bejubelnswerte, nun aber das, was mich heute verdammt wütend gemacht hat. Als ich ihr erzählte, dass ich die Antibabypille Diane-35 ein Jahr lang genommen habe und das auch noch grosszügig dosiert, verdrehte sie die Augen und erklärte mir, dass ich damit so ziemlich die schlechteste Wahl getroffen habe. Auf Diane-35 kam ich, weil diese Pille bei TransFrauen vorallem in der Anfangszeit sehr beliebt ist, weil sie ein klein wenig Testosteronblocker drin hat. Aber da ich ja Androcur nehme, brauchts das eh nicht. Aber das grosse Problem dabei ist, dass Diane-35 eine Östrogenvariante beinhaltet, die ein deutlich höheres Tromboserisiko hat als andere Östrogenarten. Und da ich rauche, war der ganze Spass brandgefährlich und hätte mich das Leben kosten können.

Im Dezember habe ich Diane-35 abgesetzt, weil mir eine Freundin erklärte, dass das Östrogen in dieser Pille für eine wesentliche Verweiblichung des Körpers gar nicht taugt. Ich hab dann auf Östrogenpflaster umgstellt und prompt fing das Ziehen in der Brust wieder an, das diesen Sommer nach dem ersten Entwicklungsschub stagnierte.

Lieber eine tote Patientin als ein nicht eingehaltener Standard
Mit anderen Worten, ich habe ein Jahr lang ein Medikament geschluckt, das nicht das brachte, was ich mir erwünschte, das mich aber hätte umbringen können. Und damit war ich an dem Punkt, an dem ich wirklich sauer wurde. Ich habe dem Oberarzt der Psychiatrischen Uniklinik von Anfang an gesagt was ich nehme und wie hoch ich dosiere, ich habe ihn mehrfach fragen lassen, ob ich nicht wenigstens mal ein informelles Gespräch in der Endokrinologie haben kann um sicherzustellen, dass ich da nichts falsch mache. Aber nein, die Einhaltung eines veralteten Standards ist ja viel wichtiger als die Frage, ob ich aufgrund ihrer unterlassenen Hilfeleistung abkratze. Es hätte ihn ein kurzes Telefon gekostet um darüber informiert zu werden, dass ich mit dieser Pille meinen Hintern riskiere. Was zum Teufel ist das für eine idiotische Einstellung für jemanden, der mal geschworen hat, kranke Menschen zu heilen?

Der Alltagstest als Endlösung der Transsexuellenfrage?
Der von dem USZ geforderte einjährige Alltagstest ist menschenverachtend und sinnlos, er verlängert das Leiden der Betroffenen in unnötiger Weise. Ich habe akzeptiert, dass man mir die Medikamente ein Jahr lang verweigert, solange sie akzeptieren, dass ich mich selbst versorge. Aber die Verweigerung eines informellen Gesprächs mit Hormonfachleuten ist meines Erachtens grobfahrlässig und verantwortungslos.

Kriegserklärung an die Schweizer Standards of Care(less)
Momentan habe ich weder Zeit noch Energie für weitere Kämpfe, aber soviel ist klar, wenn mein Prozess mal abgeschlossen ist und ich wieder genug Freiraum habe, werde ich alles daran setzen, um die gängige Praxis auszuhebeln, selbst wenn ich diese Frage bis nach Strassburg ziehen muss. Diese Hinhaltetaktik des Alltagstests ist hochgradig suizidfördernd und da viele TransFrauen das nicht mit sich machen lassen und zur Selbstversorgung greifen, ist es auch noch massiv gesundheitsschädigend. Und wozu das Ganze? Mir fehlt wirklich jeglisches Verständnis für diese menschenverachtende und gefährliche Praxis.

Und doch ein dickes Lob an das Unispital
So nun hab ich mich genug darüber ausgelassen – fürs Erste. Trotzdem bin ich nachwievor froh darum, dass ich meinen Weg über das USZ gehe. Ich werde dort von wirklich guten Fachleuten betreut, habe eine tolle Psychologin, eine ebenfalls tolle Logopädin und nun auch noch eine fähige Endokrinologin und schlussendlich auch einen Chirurgen mit jahrelanger Erfahrung. Ich fühl mich nachwievor dort gut aufgehoben und kann allen nur empfehlen, diesen Weg zu gehen. Aber eben, diese Standard-Einhaltungs-Manie muss ein Ende haben und dafür werde ich eines Tages sorgen.

PS: um Missverständnissen vorzubeugen, das niedergemachte Monster auf dem Bild soll kein Arzt sein sondern steht symbolisch für diese Praxis, die ich zu gegebener Zeit abmurksen werde.

Mal wieder gesammeltes dies-und-das

Die letzten Tage gings mal wieder strub zu und her und so kam ich nicht dazu, das Tagebuch zu füttern. Also pack ich mal wieder alles in einen Beitrag……..

Ackern wie ein Maultier
Seit ich hier in dieser Firma arbeite (1.5 Jahre), programmieren wir an einem Programmpaket rum, von dem nun der erste Teil langsam fertig ist. Da diese Woche der Bauverband eine Messe veranstaltet, wollten wir dort natürlich unser Programm vorstellen. Dementsprechend gabs letzte Woche argen Termindruck und so arbeitete ich Mittwoch und Donnerstag je 11 Stunden, am Freitag hatte ich noch den Termin in der Endokrinologie, am Samstag war ich krank, am Sonntag arbeitete ich wieder 6 Stunden und gestern als ich in Zürich beim Therapeuten sass, kam ein SMS, dass doch noch was an der Berechnung nicht stimmt, ergo gings anschliessend wieder zur Arbeit. Nun bin ich langsam aber sicher ausgepowert, aber so Zeiten gibts halt auch mal. In diesem Job kann ich ansonsten ohne Zeitdruck arbeiten und das ist extrem befriedigend, wenn Qualität stets vor Quantität geht. Aber vor so Terminen geht halt auch mal die Post ab.

Krank statt Party
Als ich am Samstag aufwachte, hatte ich mega Kopfschmerzen. Zuerst dachte ich, ich hätte am Freitag doch ein Guinness zuviel getrunken im Pub, aber im Verlauf des Tages breitete sich der Schmerz übers Genick aus und dann kam auch noch Fieber dazu. Meine Begeisterung hielt sich arg in Grenzen, denn an diesem Abend war ich an die Geburtstagsparty einer lieben Freundin eingeladen und hätte dort einige Freundinnen aus meiner neuen Frauenclique getroffen. Mann ich hab mich sowas von gefreut, im Gegensatz zu den letzten Jahren geh ich ja plötzlich liebend gern unter die Leute und lerne gern neue Leute kennen. Aber bis am Abend gings mir so übel, dass ich die Party absagen musste. So doooooooooof. In der Nacht schwitzte ich dann wie eine Eisbärin in ner Saune, wachte am Sonntag patschnass auf, war aber wieder relativ fit – fit genug um wieder zur Arbeit zu gehen. Irgendwie setzt mein Körper falsche Prioritäten, aber was solls.

Mein erstes Buch
Seit einiger Zeit arbeite ich fieberhaft daran, alle Blogbeiträge des letzten Jahres in ein Word-Dokument zu packen, weil ich wie bereits erwähnt mein Blogtagebuch in Buchform drucken lassen möchte. Das geht bei books-on-demand (bod.ch) ohne grossen Aufwand. Aber das bedeutete, dass ich alle Beiträge neu formatieren musste (Schriftarten, Abstände u.s.w.) was sicher 20-30 Stunden Arbeit erforderte. Am Schluss hatte ich dann ein PDF mit 236 Seiten und 8 ganzseitigen Bildern. Das wiederum habe ich nun hochgeladen und so Gott will, werde ich in wenigen Tagen das gedruckte Buch im Format 17x22cm im Briefkasten haben. Dann muss ich alles durchlesen, allfällig Unverständliches korrigieren, alles nochmal neu formatieren und dann wird der Spass veröffentlicht. Das Buch kann dann in allen Buchläden oder über Amazon und Konsorten bestellt werden für einen Preis von ca 35 Franken. Das ist für die Buchgrösse relativ viel, aber bei books-on-demand ist das halt so, dafür gibts keine Mindestauflage. Jedes Buch wird erst bei der Bestellung gedruckt und so gibts keine Grundkosten, ausser 70 Franken für die ISBN Nummer. So hoffe ich nun, dass das Buch im Verlauf des Februars erhältlich sein wird.

Ich bin eine Bereicherung, jawoll :-)
Als ich mich am Montag bei meinem Therapeuten verabschiedete, sagte er plötzlich zu mir: “Sie sind eine Bereicherung für mich” und ich war ganz verzückt über diesen Satz. Dabei ging es ihm nicht um die Schönheit meiner Beine oder die Verrücktheit meines Wesens sondern – wie ich vermute – geniesst er es sehr, zu erleben, wie ich in diesem Jahr aufgeblüht bin. Ein Psychotherapeut hat einen schwer verdaulichen Job. Den ganzen Tag sitzen Leute bei ihm, denen es oft nicht gut geht. Gerade mit mir hat er wirklich harte Stunden erlebt in den letzten Jahren. An den meisten Sitzungen war ich im Elend und es dürfte einige Momente gegeben haben, in denen er sich ernsthaft Sorgen um mich machte. Aber seit Anfang Jahr blühe ich auf wie eine Wüstenblume im Regen, von Monat zu Monat geht alles besser und unterdessen betrete ich die Praxis schon mit einem Lächeln und erzähle eine Stunde lang wie gut es mir geht (abgesehen von gelegentlichem Gejammer wegen meiner Beziehungslosigkeit). Ich habe den Eindruck, dass er es sehr geniesst, eine Patientin zu erleben, die nach jahrelangem Leiden und endloser Verzweiflung eines Tages so nachhaltig glücklich wird. Einmal mehr dachte ich auf dem Heimweg: Der Erfolg gibt mir Recht. Der Weg den ich vor einem Jahr eingeschlagen habe mag für viele unverständlich sein, für einige sogar verrückt, aber wer mich wirklich kennt und sieht, um wieviel besser es mir heute geht, der wird keine Sekunde daran zweifeln, dass dieser Entscheid richtig und notwendig war.

Hormon-Rezept als Geburtstagsgeschenk?
Heute morgen war ich dann nochmal kurz im Unispital um mir Blut klauen zu lassen. Falls alle Werte ok sind, werde ich beim nächsten Termin das Rezept bekommen und werde von da an also offiziell die Hormonbehandlung durchführen. Als wir heute den nächsten Termin abmachten, schlug sie mir den 22. Januar vor, das ist der Tag, an dem ich am Abend meine erste Geburtstagsparty feiere. Na wenn das kein Volltreffer ist, das wird das schönste Geburtstagsgeschenk das ich je bekam :-) Ok, es könnte natürlich auch ganz anders kommen und dieser Tag wird zum Beginn meines grössten Albtraums, falls meine Blutwerte nicht ok sind und ich deswegen kein Rezept kriege, aber die Chance ist extrem klein und als ich im Sommer mal alle Werte bei der Hausärztin checken liess, war trotz Selbstmedikation alles in Ordnung. Ich rechne also fest mit diesem Geschenk und werde voraussichtlich an diesem Abend einen zusätzlichen Grund haben zu feiern.

Ist der Blick lernfähig?
Heute war auf Blick online ein kleiner Artikel über die berühmt-berüchtigte Transsexuelle Lorielle London, die sich in den TV-Sendungen DSDS und Dschungelcamp zum Affen gemacht hat und der Welt das Bild präsentierte, dass Transsexuelle komplett gestört sind. Dieses Mädel scheint extrem publicity-geil zu sein und nutzt jede Gelegenheit um in die Schlagzeilen zu kommen und damit betoniert sie so ziemlich jedes Vorurteil, das über Transsexuelle herumgeistert. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Was mich an besagtem Artikel so freut ist die Tatsache, dass Blick sie im Gegensatz zu früher nicht mehr “Dschungel-Transe” nennt sondern “DSDS Transsexuelle” und dass über sie im Wesentlichen in der weiblichen Form geschrieben wird. Ob man meinen offenen Brief an die Blick-Redaktion doch ernst genommen hat? In mir wächst die Hoffnung, dass der Blick zukünftig vielleicht doch darauf verzichtet, uns mit Schimpfworten zu betiteln.
Lorielle London liebt FDP Politiker

Respekt oder Passing? Nachbarschaftsbegegnung der netten Art
Als ich vorhin nachhause kam, stand eine ältere Frau vor der Hauseingangstür und wartete darauf, abgeholt zu werden. Obwohl ich sie nicht kannte, begrüsste Sie mich mit Frau X. (Nein ich heisse nicht X, das ist nur ein Platzhalter ;-). Im ersten Moment nahm ich natürlich an, dass sie auch gehört hat, dass da eine TransFrau im Haus wohnt, sowas spricht sich ja schnell mal rum. Aber dann war ich immer mehr unsicher, denn sie begann freundlich mit mir zu plaudern und das tat sie in einer Art und Weise, dass ich den Eindruck hatte, ich sei das Normalste was einem vor der Haustür so begegnen kann. Ich bin nachwievor unsicher, ob Sie nichts davon gehört hat und mich für eine BioFrau hält oder ob sie es weiss und so gut akzeptiert. Mir persönlich wäre Zweiteres lieber. So sehr ich gutes Passing schätze, aber es ist für mich immer noch das wertvollste Gefühl, wenn mich jemand im Wissen um meine Eigenart akzeptiert.

FeedReader graben altes Zeuchs aus
Für diejenigen, die einen FeedReader benützen um hier mitzulesen, noch ein kleines Info. Da ich mein Blog entgegen sonstigen Blogs chronologisch führe, sind FeedReader langsam überfordert mit der Datenmenge. Die meisten benützen wie ich den von Google und der liest meine neuen Beiträge nun nicht mehr ein. Deshalb muss ich bei jedem neuen Beitrag im Blog die Sortierfolge kurz umstellen, dann den Reader aktivieren und dann die Sortierung wieder zurücksetzen. Neuerdings habe ich dabei aber den Nebeneffekt, dass Google manchmal noch irgend einen alten Beitrag ausgräbt und diesen auch für neu hält. Also wundert Euch nicht, wenn in Eurem FeedReader vermeintlich neue Beiträge erscheinen, die uralt sind.

So und jetzt gibts mal wieder die heissgeliebten Pouletflügeli und dann wird blabla mit Juliet gemacht :-)

Selbstbetrachtung über ein Buch – Teil 1

hmmmmmm, wie erklär ich jetzt sowas……. stellt Euch vor, Ihr wacht eines morgens auf und rund um Euch wuseln ein dutzend Elfen rum, die Euch den Kaffee ans Bett bringen, lustige Lieder singen, kreischend auf der aufgescheuchten Katze reiten, eine spielt schottischen Dudelsack…….. hat was surreales, nicht?

Etwa so fühle ich mich jetzt grad, nur wuselt und singt niemand, dafür habe ich ein Buch in der Hand, auf dem Cover lächle ich mir entgegen, darunter steht

T-Girl Diana
Blogtagebuch 2009
das erste Lebensjahr einer transsexuellen Frau

Das bin ich…….. in einem Buch……….. das kann nicht sein! Wenn man Bücher liest, dann begegnet man anderen Menschen, aber sich darin zu sehen, ist echt schräg.

Das Gefühl in mir ist irgendwie euphorisch, andächtig, verzückt, erschüttert……. als ob die Welt eine fünfte Dimension bekommen hätte, mein Leben auf Papier. Ich hab da das wichtigste, spannendste und schönste Jahr meines Lebens in den Händen. Und dann hats auch noch acht Bilder drin, das ist ja vielleicht ein Gefühl, wenn man umblättert und glaubt man würde in den Spiegel gucken.

Irgendwie ist es erschütternd zu lesen, was für eine Entwicklung ich da durchgemacht habe, was für Gefühlswelten sich da auftaten und wie sich alles in so wundersamer Weise veränderte, sich von Monat zu Monat verschönerte. Da ist wirklich aus einer Raupe ein Schmetterling geworden, aber es war ein harter Kampf durch diesen Cocoon. Beim Lesen flattere ich manchmal mit den Flügeln und es wird mir wieder klar, wie erbärmlich das Leben doch einst war.

Durch all das bin ich hindurch gegangen, geht mir durch den Kopf, wenn ich das Buch in den Händen halte. Das war die Entscheidung meines Lebens und der Befreiungsschlag für meine Seele. Dieses Jahr hier in meinen Händen hat meinem Leben Sinn gegeben und hat Glück in mein Leben gebracht. In diesem Jahr habe ich mir dieses Leben, das ich nun so geniesse, hart erkämpft…… und ich habe gesiegt – ich bin jetzt Ich.

Ich bin gespannt, was nun auf mich zu kommt, wenn ich im Kino meines Lebens sitze und den Film meiner Selbstentfaltung betrachte. Wer wird mir da begegnen – und wie wird sie sich entwickeln? Ich glaub, mir stehen ein paar sehr sentimentale Stunden bevor.

So ich les mich mal weiter durch mein Leben, mehr dann demnächst, hier auf diesem Kanal ;-)

Selbstbetrachtung über ein Buch – Teil 2

Den ersten Drittel meines Buches habe ich nun gelesen und bin damit in der Mitte des letzten Jahres gelandet – was mal wieder zeigt, dass Mathematik nix mit dem realen Leben zu tun hat. Aber was ich dabei durchlebt habe, ist wirklich dicke Post. Wenn ich Blogbeiträge schreibe, dann sind es Momentaufnahmen, die ich so aus mir heraus spucke und dann hinter mir lasse. Diese schwierige Anfangszeit in diesem papierenen Kino meines Lebens nochmals zu durchleben, ist wirklich erschütternd. Weil das was mir da begegnet, so fern ist von dem, was ich heute im Alltag erlebe.

Ich begegne einer transsexuellen Frau, die traurig und verzweifelt ist, die ungeheure Angst hat vor einer Welt, von der sie erwartet, mit Füssen getreten zu werden weil sie es wagt, sich selbst zu sein. Angst vor der Öffentlichkeit, Unsicherheit, kein Selbstbewusstsein, Zweifel ob sie stark genug sein wird – beim Lesen merke ich, dass sie mir unheimlich leid tut. Das einzige was beim Lesen Hoffnung gibt ist zu spüren, dass dieses ängstliche Wesen vom Mut der Verzweifelten getrieben ist und mit einem renitenten Kampfgeist das Unmögliche schaffen will. Aber ganz ehrlich, wüsste ich den Schluss des Buches nicht, ich wäre sehr skeptisch, dass sie es wirklich schafft.

Doch schon nach 4-5 Monaten kommt Licht in diese Lebensgeschichte, das Mädel erzählt plötzlich davon, wie glücklich sie neuerdings ist. Es fällt einem schwer das zu glauben, kann man glücklich sein, wenn man so von Angst und Verzweiflung getrieben ist? Scheinbar geht das. Man bemerkt, wie langsam Selbstbewusstsein entsteht, das sich dann in einem Akt des Aufbäumens im Kapitel “Der Stolz einer TransFrau” manifestiert.

Immer wieder bin ich fassungslos, kann irgendwie nicht glauben, dass aus diesem Bündel Unsicherheit das geworden ist, was heute dieses Buch liest. Der Unterschied von damals zu heute scheint unüberbrückbar.

Manchmal denke ich noch weiter zurück und stelle fest, dass ich seit Jahren nichts mehr von der Welt wissen wollte, kaum noch Kontakt zur Aussenwelt hatte. Hätte mir vor zwei Jahren jemand erzählt, wie ich mich heute fühle und verhalte, wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen. FreundInnen, Ausgang, Lebensfreude – so ein Quatsch, ich doch nicht, wozu auch?

Und so wende ich mich wieder diesem Buch zu, das die Geschichte meines Lebens erzählt, das mir vor Augen hält, wie ich das Unmögliche geschafft habe. Diese Geschichte meiner Befreiung, die in eine Selbstentfaltung mündet, an die ich nie zu glauben gewagt hätte.

Es werden sich noch viele Tränen in meinen Augen sammeln, während ich hier weiter lese, weil die Schmerzen von damals noch einmal auftauchen um sich zu verabschieden und weil es mir immer wieder vor Augen hält, wie weit ich gekommen bin und wieviel glücklicher ich nun bin. Ein schmerzhafter Akt des Selbststudiums der mich immer wieder in Verzückung versetzt…… ich habe es wirklich geschafft, mir mein Glück zu erkämpfen, dafür werde ich mir ewig dankbar sein.

Happy Birthday Diana – Willkommen im Leben

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde… und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

Unglaublich, ich bin heute ein Jahr alt und ich bin die erste die mir gratuliert, was für ein Gaudi – man möge mit dem Fanfarengeläut beginnen :-)

Ich habe Geburtstage nie gemocht, abgesehen von erhaltenen Geschenken gabs nichts was ich wirklich feiern mochte. Ganz anders ist es mit diesem Geburtstag, der mich irgendwie fast ehrfürchtig werden lässt.

Mein erster Geburtstag, ein Jahr lang lebe ich nun als Frau, ja das ist etwas was ich feiern möchte. Diesmal brauche ich auch keine Geschenke, weil das erkämpfte Leben mir Geschenk genug ist.

In den letzten Monaten ist unheimlich viel in mir passiert, ich bin wirklich angekommen und fülle mein Leben ganz aus. Es ist schön, den ersten Geburtstag zu feiern und zu sagen, dieses Jahr hat sich wirklich gelohnt.

Zum ersten Mal werde ich am Freitag meinen Geburtstag feiern und den Grund der Feier wirklich bejubeln. Und wenn ich mir vorstelle, dass dieses Jahr trotz allen Herausforderungen das schönste Jahr meines gesamten Lebens war, dann freue ich mich von ganzem Herzen auf das zweite Lebensjahr.

Als ich ein passendes Zitat als Einleitung für diesen Beitrag auswählte, drängte sich dieser Songtext von Illuminate auf. Weil ich wusste, dass ich ihn schon hier verwendet habe, schaute ich mal nach wo das war. Ich zitierte diesen Text zum ersten Mal heute vor einem Jahr, an dem Tag, an dem ich als Frau die Welt betrat. Wie Recht ich doch damals hatte – Wunder geschehen wirklich.

Happy birthday little girl – keep on dreamin’

Nichts ist unmöglich,
denen, die das Unmögliche wagen.

Verwirrendes aus der Blogstatistik

Ach wir lieben sie doch so sehr, die idiotischen Suchanfragen bei Google und dank meiner Blogstatistik kann ich Euch mal wieder auf dem Laufenden halten, was für Fragen die Welt so bewegen – einmal mehr mit den Gedanken die mir bei so Gelegenheiten spontan auftauchen.

  1. fassadenverzierung: ich sollte mit meiner Wortwahl etwas vorsichtiger umgehen, ich lock da ja Leute bei Themen an, die mir wirklich nur im weitesten Sinn verständlich sind ;-)
  2. transsexuellen ausbildung: häää? jetzt sag bloss, das kann man lernen *staun*
  3. strümpfe zerfetzen: wozu der Aufwand, das tun sie früher oder später von alleine, für sowas haben die Hersteller da Laufmaschen eingebaut
  4. ich liebe eine trans-frau: mich?
  5. brief für ein neues badezimmer: hast Du schon konkrete Vorstellunge, was Du Deinem neuen Badezimmer schreiben möchtest? Obwohl, ich befürchte, dass Badezimmer gar nicht lesen können, Du solltest lieber vorbei gehen und es persönlich vortragen.
  6. elegante weiber in sexy röcken: wow, Google hat’s echt drauf, danke fürs Kompliment :-
  7. wir können ja mal telefonieren: das dürfte schwierig sein, Du hast ja meine Telefonnummer nicht
  8. sklave eines tgirl: bist Du gut im Einkaufstüten schleppen? falls Du auch noch gern putzt, bist Du willkommen :-)
  9. dominante transen: auf die Knie, unwürdiger Sklave – und sprich mir nach: “ich soll nicht Transe sagen”
  10. überfahrene plüschtiere: na Du bist ja vielleicht fies
  11. der grösste schwanz einer transe: steckt in Deinem Kopf, geh sofort zum Arzt. Hmmm, man kommt nicht umhin, eine gewisse Verständnislosigkeit gegenüber dem männlichen Geschlecht zu entwickeln
  12. suesses blondchen svenja: danke Schätzchen, aber ich heiss Diana…. ach egal, das süsse Blondchen lass ich mal so stehen :o)
  13. mädchen pinkeln im schnee: hab ich schon mal erwähnt, dass Jungs teilweise sehr seltsame Vorstellungen von Erotik haben?
  14. suche putzfrau die nackt putzt: ist mir nachwievor ein Rätsel, warum Jungs denken, es würde sauberer wenn die Putzfrau nackt putzt.
  15. tgirl bremen: ja Anfang Februar ist mindestens eins dort, ich besuch dann nämlich mein Juliet-Schätzchen :-)
  16. transgender will im sitzen pinkeln: hab ich schon mal erwähnt….. achja hab ich
  17. weihnachten ich hasse meine frau: na wenn Du sie nur an Weihnachten hasst, schmeiss einfach den Christbaum aus dem Fenster
  18. sexuelle punkte des mannes: korrekterweise solltest Du da in der Einzahl reden :o)
  19. erforderlich oder nicht zu tragen röcke jungen: ähm…… was war nochmal die Frage?
  20. trans diva diana: ich hab ja schon ein paar nette Komplimente bekommen, aber Diva schlägt alles *knutsch*
  21. seltsame wesen: Du willst Ärger mit mir, stimmts? *empörtguckt*
  22. η βασιλεια του θεου εντοσ υμων εστιν: dass ich jemals eine griechische Suchanfrage krieg, hätte ich echt nicht erwartet *staun*
  23. malerkostüm selber machen: melde Dich bei Greenpeace als Aktivist, klau den Overall und nimm den Schriftzug ab, so einfach ist das
  24. anzeichen brustwachstum geräusche: also wenn das Brustwachstum Geräusche verursacht, würde ich echt mal beim Arzt vorbeischauen.
  25. sind transsexuelle frauen: nein, es handelt sich hier um eine ausserirdische Bakterienform die in der Lage ist, eine beliebige Körperform anzunehmen. Sie versuchen gerade, die Menschheit zu unterwandern und die Weltherrschaft zu übernehmen. Aber sonst sind sie ganz nett.
  26. transsexuell pervers: Nein pervers ist beispielsweise, wenn jemand Andere als pervers verurteilt ohne sich mit ihrer Wesensart auseinanderzusetzen. Transsexuelle schaden niemanden, also kann ihre Wesensart auch nicht pervers sein.
  27. plötzlich im anderen geschlecht erwacht: ja den Traum kenne ich, aber so schnell gehts nicht
  28. transe umwandeln: willst Du ein Pferd aus ihr machen oder was?
  29. transgender permanent geschminkt: ne die meisten von uns schminken sich ab vor dem ins Bett gehen
  30. transsexuelle eher männlich oder weiblich: Auch Du willst Ärger mit mir, stimmts?
  31. transvestiten markt: bist Du sicher, dass man Transvestiten kaufen kann? Ich bin oft an Märkten, aber bisher fand ich niemanden, der TVs anbietet, halt uns da auf dem Laufenden
  32. das leben mit einer transfrau: … ist das Beste was einem passieren kann, jawoll ;-)
  33. juliette zürich suche dich lesbisch: hey honey, seit wann schreibst Du Dich Juliette, Du bist doch Juliet, biste inkognito unterwegs?

Vielleicht sollten wir uns doch langsam Gedanken machen über die Zukunft des Menschen, ich krieg langsam den Eindruck, es steht echt übel um das bischen Restverstand das uns noch geblieben ist.

Geburtstage machen wirr im Kopf

So aufgedreht wie heute war ich seit langem nicht mehr, ich glaub das reicht mal wieder für einen Sammelbericht…….

Mein erster Geburtstag
Schon den ganzen Tag bin ich mega sentimental, ständig erinnere ich mich an meinen ersten Tag als Diana, kanns kaum fassen, dass das schon ein Jahr her ist und kanns noch weniger fassen, dass es mir heute soviel besser geht als damals. Es ist unglaublich, was so ein Tag an Gefühlen und Gedanken heraufbeschwört.

Meine erste Geburtstagsparty
Ständig kreisen meine Gedanken um die Party von morgen. Ich bin sowas von aufgeregt, man könnte meinen, es sei mein erster Geburtstag. Ach ja, stimmt, isses ja auch. Aber wer wird alles kommen? Muss ich da so ne Art Ansprache halten? Reicht das Knabberzeug? Werde ich eine vernünftige Frisur hinkriegen? Finden die Leute das Pub überhaupt? Was zum Teufel zieh ich morgen an? Werde ich völlig aufgedreht sein oder heule ich dann einfach n’Abend lang weil ich so glücklich bin? Soll ich sicherheitshalber wasserfesten Mascara verwenden? Reichen die Guinness Vorräte des Pubs? Und wer liegt als Erstes unter dem Tisch? Und was in aller Welt haben die verrückten Weibsbilder meiner neuen Frauenclique ausgeheckt (ich rechne da mit dem Schlimmsten)……..

Die Endokrinologie – Das jüngste Gericht
Und immer wenn die Gedanken mal gradausfliegen anstatt zu kreisen, lande ich in der Endokrinologie. Kriege ich morgen das Rezept für meine Hormone und damit das tollste Geburtstagsgeschenk? Oder wird mir morgen erklärt, dass ich aufgrund meiner Blutwerte keins krieg und damit mein Leben in Schutt und Asche gelegt ist?

Diana als Catwoman

Der Film “Catwoman” wird neu verfilmt. Für Banausen die ihn nicht kennen, da spielt Halle Berry eine Frau die von Verbrechern ermordet wird. Da tauchen Katzen auf und in einem rituellen Akt pusten sie ihr die 7 Leben einer Katze ein und sie lebt wieder. Dann zieht sie sich ein ultraheisses klatschenges Kostüm an, eine Maske mit ulkigen Katzenöhrchen, schnappt sich eine sooooooo lange Peitsche und geht auf Verbrecherjagd. Cooooool, das Mädel zeigt uns wie man Jungs erzieht und es dürfte einer der wenigen Filme sein, in denen eine Frau die Heldin ist. Na jedenfalls finde ich, dass ich die perfekte Besetzung bin für diese Rolle, den Catwalk krieg ich sicher auch noch so gut hin…….. Weiss jemand wo ich mich da bewerben kann?

Kampf der Giganten – Juliet gegen Kylie
Ha – jetzt muss sich Juliet aber warm anziehen. Die olle Kuh lässt sich einfach nicht überreden, in die Schweiz zu ziehen und machte mir noch nicht mal einen Heiratsantrag. Aber jetzt kriegt sie Konkurenz, pah, denn heute informierte LGBT-News darüber, dass Kylie Minogue auf Frauen steht, jawoll. Da guckste blöd, was Juliet? Ich werd Kylie jetzt grad ein Mail schreiben und ihr sagen, dass sie bei mir einziehen kann. Und wenn die mal da ist, glaub mir, dann hats garantiert keinen Platz mehr im Schrank, ätsch…… ob Dita von Teese auch auf Mädels steht? Jetzt musste Dich aber beeilen, Schätzchen :o)

Neue Kleider braucht das Land
Diese Woche kam wieder ein Paket, zweimal dasselbe Kleid, einmal in Pflaume und einmal in Schwarz. Warum die mir zugeschickt werden, ist mir einmal mehr ein Rätsel *staun*. Aber ich frag mich schon, wer in aller Welt eigentlich Stretchkleider mit Rollkragen und kurzen Ärmeln erfindet. Klingt nach männlicher Logik? Noch mehr frage ich mich aber, warum ich sowas kaufe und mitten im Winter anziehe. Das muss dann wohl weibliche Logik sein? *verwirrtguckt*

Aber ich sollte doch noch……
…… Zahlungen machen, aufräumen, putzen, unzähligen Papierkram erledigen, Augenbrauen in Form bringen, Laser-Termin abmachen, beim Zahnarzt anmelden, Abfälle entsorgen, das Rauchen aufhören, mein Buch endlich fertig machen……. und woher soll eine Einjährige die nebst einem Vollzeit-Job noch ein Blog führt die Zeit und Energie nehmen für all so Scheiss? Also falls ich den Job für Catwoman krieg, leiste ich mir eine transsexuelle Putzfrau und einen Einkaufstaschen-Schlepp-Sklaven, jawoll.

Rezept für Hormonbehandlung – was für ein prächtiges Geburtstagsgeschenk

Yessssssssss ich habs geschafft, der heutige Besuch in der Edokrinologie am Uni-Spital war ein voller Erfolg. All meine Blutwerte sind ok und so steht der Hormontherapie nun nix mehr im Weg.

Meine Endokrinologin gab mir ein Rezept für die nächsten vier Monate und die Dosierung liegt sogar etwas höher als bei meiner letztjährigen Selbstmedikation. Sie sagte mir ja beim letzten Gespräch, dass sie nicht hoch dosiert solang ich soviel rauche. Naja, wenn ich jetzt schon mehr krieg als ich mir selbst verschrieben hab, was in aller Welt geben die mir dann wenn ich mal nicht mehr rauche?

Vom Testosteronblocker Androcur krieg ich weiterhin 50mg pro Tag. Normalerweise geben sie 100mg aber da meine Testosteronwerte schon bei dieser Dosierung in den Keller sackten, scheint das zu reichen. Östrogene habe ich bisher maximum 6mg täglich genommen, nun krieg ich 8mg Estrofem Tabletten. Pflaster wären zwar besser für die Leber, aber wenn sie mich nun endlich offiziell behandeln, halte ich mich auch an ihre Empfehlungen.

Auf dem Heimweg habe ich dann gleich mal die Apotheke gestürmt und die Dame war glaub etwas irritiert ob der Menge die ich da abholen wollte. Androcur hab ich nun für 1.5 Monate aber Estrofem hatten sie nur noch zwei Packungen, was bei meiner Dosierung grad mal 2 Wochen hält. Aber ein kleiner Dämpfer kam dann noch. Ich sagte ihr, das würde über die Krankenkasse abgerechnet, so wie die bisherigen Behandlungen am Unispital. Als ich im Geschäft ankam, klingelte das Handy und man teilte mir mit, die Krankenkasse hätte es zurückgewiesen, ich müsse ein Arztzeugnis bringen. Scherzkeckse, da kriegen sie Rechnungen vom psychiatrischen Dienst der Uni, dann welche von der Logopädie, dann werd ich an die Endokrinologie überwiesen und die wollen ein Zeugnis? Naja die Uni wirds wohl richten.

Letzte Nacht hatte ich echt Albträume, ich nahm zwar an, dass mein Blut zu 99% sicher in Ordnung war, aber wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte das eine Vollbremsung für meine Transition bedeutet und das war schon eine gruselige Vorstellung. Aber alles ist gut gekommen und so hab ich heute tatsächlich das tollste Geburtstagsgeschenk gekriegt.

Nun bin ich definitiv in Partylaune und freue mich mega auf die kleine Feier heute Abend :-)

Dianas erste Geburtstagsparty

(alle Bilder und Links sind mit Bildern verlinkt, einfach drauf clicken)

Ach Leute, wo soll ich nur anfangen und wie soll ich nur in Worte fassen, was die gestrige Party für mich bedeutet. Ich bin immer noch völlig verzückt und glücklich und irgendwie fassungslos. Wo fang ich da nur an zu erzählen? Hmmmmmm………

Die gestrige Party war für mich ja nicht nur einfach eine Geburtstagsparty, es war das Freudenfest für die einjährige Diana und so gesehen mein erster Geburtstag. Es war mein Wunsch, dass ich diesen Tag mit denen feiern kann, die mir in diesem Jahr beigestanden oder nah gestanden sind.

Ich war wirklich etwas unsicher, ob dieses Festchen gut rauskommt. Würden meine FreundInnen überhaupt kommen? Würde es ihnen gefallen? Würden sie bleiben? Würden alle gelangweilt rumsitzen? Oder sitz ich alleine dort? Wen interessiert schon, dass ein verrücktes T-Girl einen Tag feiert, der nur ihr soviel bedeutet…….. und sie kamen, es gefiel ihnen und sie blieben, die meisten bis tief in die Nacht hinein und Langeweile kam definitiv nicht auf, ganz im Gegenteil :-)

Als ich heute morgen ein dickes Pack Fotos in meiner Mailbox fand, bekam ich feuchte Augen beim durchblättern, ein unvergesslicher Abend lag hier vor mir, soviele Leute die mir soviel bedeuten und alle feiern mit, es ist einfach unbeschreiblich, wie gut sich das anfühlt für ein Mädel, das vor einem Jahr noch befürchtete, von dieser Welt abgelehnt zu werden. Eigentlich habe ich es ja im letzten Jahr oft genug erlebt, aber spätestens seit gestern Abend bin ich mir sicher, dass es in dieser Welt auch Platz für T-Girls wie mich hat und dass auch eine TransFrau akzeptiert, respektiert und geliebt wird. Und es wurde mir auch klarer denn je, dass ich wundervolle Freunde und Freundinnen habe.

Begonnen hat alles ganz ruhig. Um 18 Uhr holte ich meinen Vater mit seiner Frau und meine ehemalige Lebenspartnerin am Bahnhof ab und wir gingen gemeinsam ins Pub, wo uns Ueli bereits hinter der Bar erwartete. Das Pub war wie immer in ein Kerzenmeer getaucht und es war schön für mich, meinen drei Gästen endlich mal zu zeigen, wo ich mich so oft rumtreibe. Wir verteilten Knabberzeugs auf den Tischen, plauderten etwas und warteten auf die Gäste.

Gleich zu Beginn erzählte mir mein Vater, dass mein Götti (Pate) mir alles Gute zum Geburtstag wünscht und sämtliche Getränke bis zur offiziellen Bareröffnung um Neun bezahlen würde. Na wenn das kein guter Partybeginn ist? Herzlichen Dank, Götti, für diese Riesenüberraschung :-)

Um 18:30 trudelten die Jungs von meiner Firma ein und ich war erfreut, dass ein Grossteil meines Teams da war. Ich habe hier ja schon oft geschwärmt, in was für einem tollen Team ich arbeiten darf und wie viel mir meine Jungs gegeben haben, indem sie mich so angenommen haben, wie ich kurioserweise “plötzlich” war. Aber sie setzten dem noch die Krone auf und überraschten mich nicht nur mit einer lieben Geburtstagskarte und einem Rudel Geldnoten drin (damit ich mir endlich anständige Schuhe kaufen kann) sondern brachten auch noch einen Kuchen mit und einen pink Cowboy Hut – weil wir Mädels schliesslich standesgemäss angezogen sein müssen ;-)

Es gab eine Reihe von Überraschungen an diesem Abend, es tauchten Gäste auf, bei denen ich nicht wusste ob sie kommen und entsprechend erfreut war, als sie auftauchten, aber es gab sogar welche von denen ich nicht mal vermutete, dass sie auftauchen würden. Da war beispielsweise Sarah vom BadHairDays Blog, die ich sehr schätze und die auch öfters mal hier kommentiert. Es tauchte aber auch Werni, der beste Freund meines Vaters auf , was sogar für meinen Vater eine Überraschung war. Vreni, eine Mitschülerin vom Pipe-Unterricht kam mit ihren zwei Töchtern, Bea, meine Lieblingsbarkeeperin und gute Freundin war dabei………

Irgendwann nach 19 Uhr ging dann die Post ab, denn da kam meine Girls-Clique und wenn die einen Raum betreten, dann wird jedes Fest zum Freudentaumel. Die Mädels sind einfach Klasse Ladies und ihre Lebensfreude und Festlaune würde selbst eine Beerdigung zum Jubelfest machen. Ich habe es Anna-Maria zu verdanken, diese wirklich tollen Weibsbilder zu kennen und auch wenn ich die Mädels erst seit Kurzem kenne, kann ich doch sagen, dass ich diese Ladies mega lieb hab und glücklich bin, zu Ihnen gehören zu dürfen. Es wird hier wohl noch öfters in Zukunft zu lesen geben über diese Frauenrunde, die nächste Party ist jedenfalls bereits geplant – eine Ladies-Poker-Night im 20er Jahre Stil *urks*

Irgendwann im Verlauf des Abends wurde ich dann irritiert, weil plötzlich alle begannen, im Takt der Musik zu klatschen. Ich befürchtete schon, dass ich jetzt auf dem Tisch tanzen oder im Catwalk über den Bartresen stöckeln muss. Es dauerte eine Weile, bis ich kapierte worums ging. Als das Intro des Lieds vorbei war und der Gesang von Stevie Wonder begann und alle mitsagen “Happy Birthday to you”, war ich mal wieder den Tränen nah und hätte alle umarmen können. Auch jetzt beim Schreiben dieser Zeilen drückts mir wieder aufs Auge, es war einfach sooooooo schön. Und dann überreichte mir mein Teamchef einen Kuchen, auf dem eine Kerze brannte, die die Form einer Eins hatte und Diana durfte ihre erste Geburtstagskerze auspusten.

Um 21 Uhr öffnete das Pub dann offiziell und es kamen noch ein paar Stammgäste hinzu. Auch sie waren im letzten Jahr eine grosse Hilfe für mich. Das Pub war der erste Ort an dem ich sozusagen die Öffentlichkeit erprobte und es war abgesehen vom Personal vorallem auch wegen der Stammgäste, dass ich den Mut fand, dieser Welt zu vertrauen. Ich wurde da wirklich herzlich aufgenommen und so war es mir eine grosse Freude, dass auch mein Lieblingsbarkeeper Claude, mein Lieblingspianospieler Thise mit seiner Freundin, Thöme und Susanne sich zu uns gesellten.

Im Vorfeld dieser Party habe ich mich ja besorgt gefragt, ob die Leute überhaupt kommen, ob es ihnen gefallen wird oder ob sie bei der ersten Gelegenheit wieder gehen. Meine Ängste waren einmal mehr unberechtigt, ganz im Gegenteil, je später der Abend umso ausgelassener wurde die Stimmung und schlussendlich wurde gelacht, geblödelt, getanzt, fotografiert und ich war einfach verzückt darüber, dass all diese mir lieben Menschen diesen Anlass so geniessen konnten. Sich selbst zu feiern mag etwas narzistisch sein, aber für mich war es der Höhepunkt meines schwersten und schönsten Lebensjahres.

Noch immer bin ich tief berührt und unbeschreiblich glücklich, dass Ihr den Abschluss meines ersten Lebensjahres so versüsst habt mit Eurer Anwesenheit. Das war das schönste Geschenk, das ich mir hätte wünschen können. Danke, danke und nochmals danke, für alles was Ihr mir in diesem Jahr gegeben habt und dafür, dass Ihr diesen für mich so symbolträchtigen Abend zu einem der schönsten Tage meines Lebens gemacht habt. Ich hab Euch alle mega lieb!

Nie hätte ich gedacht, dass ich eines Samstags stundenlang an den vorherigen Abend zurückdenke und mir immer wieder Tränen runterlaufen, weil ich einfach so glücklich bin.

Geschlechtsumwandlung aus der Grundversicherung der Krankenkassen streichen?

Heute lancierten “christlich”-konservative Kreise eine Volksinitiative, die Abtreibungen aus der Grundversicherung der Krankenkassen entfernen will. Bei dieser Gelegenheit wurde angekündigt, dass das erst der Anfang sei und dass als Nächstes “Geschlechtsumwandlungen”, unnötige Kaiserschnitte und ähnliches aus der Grundversicherung gestrichen werden soll. Soweit nichts Neues, SVP-Nationalrat Peter Föhn hat bereits 2009 eine Motion eingereicht, die zur Endlösung der Transsexuellenfrage beitragen soll.

Allein schon die Tatsache, dass der SVP-Polemiker von “Geschlechtsumwandlung” spricht, zeugt von totaler Unwissenheit. Das Geschlecht lässt sich nicht umwandeln, aber man kann einer Frau, deren Körper sich im embryonalen Stadium ins falsche Geschlecht entwickelt hat, mittels geschlechtsangleichenden Massnahmen ein einigermassen würdiges Leben ermöglichen. Leute die sich in diesem Thema auskennen, reden von Transsexualität, Transidentität oder Transsexualismus. Aber wer seinen Denkhorizont auf Blick-Niveau hat und trotzdem versucht zu politisieren, der spricht halt von Geschlechtsumwandlungen, weil das viel reisserischer und vorurteilsbelasteter ist.

Die Frage, ob geschlechtsangleichende Massnahmen nötig sind, werden von Wissenschaft und Medizin gestellt und beantwortet. Wer sich wie Herr Föhn nie damit auseinander gesetzt hat, kann nicht beurteilen, ob solche Massnahmen notwendig sind. Wie in aller Welt kommen Politiker auf die Idee, dass sie nun darüber bestimmen, welche Krankheiten mit welchen Mitteln behandelt werden? Sollen wir alle zukünftig anstatt zum Arzt ins SVP-Parteisekretariat gehen und dort um Hilfe bitten? Wie dreist muss jemand sein, um sich über alle medizinischen Fakten und internationalen Behandlungsstandards hinwegzusetzen, ohne auch nur einen Funken Fachwissen zu haben?

Natürlich geht es dabei nicht um Transsexuelle und auch nicht um die Kosten von geschlechtsangleichenden Operationen. Diese sind sehr selten und kosten keine 20’000 Franken – weit weniger als jahrelange Psychotherapie infolge einer verweigerten Geschlechtsangleichung. Aber den bürgerlichen Wirtschaftsvertretern geht es um etwas ganz anderes. Jahrelang haben sie ihre fetten Hintern in den Verwaltungsräten der Pharmaindustrie gebadet und jahrelang haben sie im Dienste der Pharma Parallelimporte verhindert, die Unsummen eingespart hätten. Das ist einer der Hauptgründe für die hohen Kassenprämien heutzutage und das muss nun verschleiert werden.

Also tut man so als ob man sparen würde, ein paar Fränkchen bei der Alternativmedizin, ein paar Fränkchen hier und dort und wenn man dann auch noch ein kleines Grüppchen von Menschen findet, die keine Lobby haben und eh schon gesellschaftlich stigmatisiert sind, lässt sich mit denen prima ein Exempel statuieren. Seht her, wir tun was, möchten die Wirtschaftslakaien jubeln und sich zum Retter der Nation aufspielen. Auf der Strecke bleiben Betroffene, für die es nur diese eine Möglichkeit gibt und denen mit so einem Vorstoss faktisch ein menschenwürdiges Leben verweigert wird.

Welche Beschwerden behandelt werden müssen und in welcher Form diese Behandlung am erfolgversprechendsten ist, das entscheiden auf der ganzen Welt Mediziner. Klar, die SVP spart seit Jahren auf dem Buckel von Invaliden und sozial Schwachen, das ist nichts Neues. Aber wenn diese politischen Brandstifter nun auch noch über medizinische Fragen regieren wollen, dann sehe ich schwarz für das Schweizer Gesundheitssystem. Und ich sehe schwarz für transsexuelle Menschen, die damit jeglicher medizinischer Unterstützung beraubt werden.

Wenn ich bedenke, wie dreckig die SVP stets ihre Abstimmungskampagnen führt, dann graut es mir wirklich davor, dass Transsexuelle wie ich eines Tages ein Visier auf der Stirn haben, zum Abschuss freigegeben werden und von den Strategen dieser Partei mit Dreck zugedeckt werden. Ich befürchte, es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Transsexuelle haben in dieser Gesellschaft schon mehr als genug Vorurteile die sie ausbaden müssen, wenn die SVP eines Tages zum grossen Hallalli gegen Transsexuelle ruft, dürfte die gesellschaftliche Akzeptanz ganz am Boden sein und dann darf die SVP wirklich jubeln, weil sie mittels Erhöhung der Suizidrate unter Transsexuellen Geld gespart hat.

Ursachen von Transsexualität

Die Ursachen von Transsexualität sind bis heute nicht bewiesen. Aber im Gegensatz zu früher wird Transsexualismus in der Regel nicht mehr als psychische Erkrankung verstanden sondern als eine Folge biologischer Veränderungen. Transsexuelle bilden sich nicht ein, im falschen Körper zu sein, es sind tatsächlich körperliche Merkmale nachweisbar, die de-facto ausschliessen, dass es eine psychische Krankheit ist.

Im BadHairDays Blog ist schon vor einiger Zeit gut recherchierter Beitrag über “Körperliche Ursachen von Transsexualität” erschienen, der unter Anderem dutzende von Berichten und Forschungsresultaten bietet. Wer es wirklich genau wissen will, soll sich dort austoben, der Beitrag ist sehr informativ und mit den Links kann man wirklich in die Tiefe gehen. Hier möchte ich einfach mal einen einfachen Überblick geben, wie sich die Suche nach Ursachen entwickelt hat und wo wir heute stehen.

Ist Transsexualität eine psychische Krankheit?

Dass Transsexualismus eine psychische Erkrankung sein soll, war den Forschenden der Anfangszeit von Anfang an klar, ungeachtet der Tatsache, dass ihre Klassifizierung, Transsexualität sei eine Persönlichkeitsstörung, nie nachgewiesen werden konnte. Es taten sich bald massive Argumentationsnotstände auf. Wenn Transsexualität wie angenommen eine Art Wahn wäre, wären sich Transsexuelle ihres Zustands nicht bewusst, das heisst, sie würden glauben, wirklich vollumfänglich weiblich zu sein. Aber wie das bei Wissenschaften und Kirchen nunmal ist, wenn etwas mal aufgeschrieben und zum Dogma ernannt wurde, wird dieses “Fakt” zur Denksperre.

Geschlechtsidentität ist nicht änderbar

Doch man musste feststellen, dass man die vermeintlich defekte Geschlechtsidentität nicht ändern kann, weder mit Therapie, Medikamenten oder Elektroschocks. So kam man irgendwann zum Schluss, dass eine Verbesserung des Zustandes nur dann erreicht werden kann, wenn man den Körper dem Selbst anpasst. Und so begann man geschlechtsangleichende Massnahmen, wenn auch nur deshalb, weil halt das angeblich Kaputte nicht geflickt werden kann.

Transsexualität als Variante von Intersexualität?

Doch schon früh stellte der renomierte amerikanische Psychiater Harry Benjamin die Frage, ob Transsexualität nicht eine Variante von Intersexualität sein könnte. Intersexualität bedeutet, dass sich das Geschlecht teilweise in die falsche Richtung entwickelt hat. Früher entschied man sich bei der Geburt für eines der Geschlechter, operierte alles “korrekt” um und hatte somit eine 50% Chance, dass man dem Kind das falsche Geschlecht einoperiert hat. Heute findet hier langsam ein Umdenken statt – zum Glück. Jedenfalls ist die Frage berechtigt: Wenn der Körper in der Lage ist, den Körper teilweise dem falschen Geschlecht entsprechend zu entwickeln, dann kann er das auch ganz. Intersexuelle sind der Beweis dafür, dass ein Körper sich trotz eindeutiger Geschlechtsidentität anders entwickeln kann. Aber Benjamin versank in der Mehrheit, die sich an der Persönlichkeitsstörung festgebissen hatten.

Genetische Merkmale bei Transsexuellen

Weitere Forschungen ergaben, dass es verschiedene genetische Marker gibt, die ein Grossteil der Transsexuellen gemeinsam haben. Dass eine Persönlichkeitsstörung die DNA umprogrammiert, wird niemand behaupten, der auch nur annähernd ganz bei Trost ist. Spätestens hier müsste die Thema, Transsexualität sei eine psychische Erkrankung, fallen gelassen werden.

Hormone im Mutterleib als Ursache von Transsexualität?

Weitere Studien konnten nachweisen, dass Hormone während der Schwangerschaft die Geschlechtsentwicklung massiv verändern können.
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Hormone im Mutterleib beeinflussen Transsexualität

Die weibliche Gehirnstruktur von transsexuellen Frauen

Der meines Erachtens klarste Hinweis kommt von den Forschern J.-N. Zhou, M.A. Hofman und D.F. Swaab, die in ihrer Arbeit mit den Gehirnen verstorbener TransFrauen nachweisen konnten, dass die Stelle im Hirn, die für die geschlechtliche Entwicklung zuständig ist, bei TransFrauen und anderen Frauen gleich beschaffen sind. Die von ihnen ermittelte Neuronendichte ist eine organische Messung, es geht nicht darum was im Kopf vorgeht sondern wie er physikalisch beschaffen ist. Wenn das Zentrum für die Geschlechtsentwicklung bei TransFrauen gleich ist wie bei sonstigen Frauen, dann braucht es ein gehöriges Mass an Faktenresistenz, um dann noch von einer psychischen Erkrankung auszugehen.
NATURE, 378: 68-70 (1995) : Ein Geschlechtsunterschied im menschlichen Gehirn und seine Beziehung zur Transsexualität

Fazit

Transsexuelle bilden sich nicht ein, dem anderen Geschlecht zugehörig zu sein. Transsexuelle haben tatsächlich eine körperliche Anomalie.

Milton Diamond: Medizinische Ursachen für Transsexualität (Kapitel 2)

Transsexualität, Nazidenken, unterlassene Hilfeleistung und Menschenrechtsverletzungen

Manchmal haben wir uns schon so an menschenverachtende Dinge gewöhnt, dass wir gar nicht mehr merken, wie verdreht diese Welt ist. Dann hilft nur noch eine Analogie, um das zubetonierte Denken ein wenig aufzulockern. Mit solchen Analogien möchte ich heute beginnen, weil man das Absurde im Leben manchmal erst sieht, wenn es ad-absurdum geführt wurde.

  1. Jemand kommt zum Arzt und ein Hirntumor wird diagnostiziert. Der Arzt sagt, ja wir können Ihnen helfen, dieses krankhafte Gewebe zu entfernen. Aber dazu muss ich bei Ihnen Schizophrenie diagnostizieren. Aber ich bin ja gar nicht schizophren, antwortet der irritierte Patient. Ja das stimmt schon, das wissen wir auch, antwortet der Arzt, aber krankes Gewebe passt nicht in unser Denkmodell und deshalb müssen wir sie halt als persönlichkeitsgestört deklarieren, um Ihnen zu helfen.
  2. Ein anderer Krebspatient erhofft sich eine Chemotherapie. Das Problem ist, erklärt der Arzt, dass Ihnen nach der Chemotherapie die Haare ausfallen und das Herumlaufen mit einer Glatze kann eine schwere Belastung sein. Um sicher zu sein, dass Sie damit klar kommen, müssen Sie jetzt erst mal ein Jahr lang mit einer Glatze herumlaufen und wir beobachten, ob es Ihnen dabei besser geht. Falls es Ihnen in einem Jahr sichtlich besser geht, werden wir die Behandlung einleiten.
  3. Ein Ausländer beantragt die Einbürgerung, er spricht wie ein Schweizer, verhält sich wie ein Schweizer, alles an ihm ist schweizerisch, ausser der Hautfarbe und dem Pass. Ja klar, antwortet das Einwohneramt, wir können Sie einbürgern lassen, sie sind ja offensichtlich fast vollständig schweizerisch. Aber die Einbürgerung kann erst nach Ihrer Sterilisation resp. Kastration erfolgen. Wir müssen sicher stellen, dass Ihre Reproduktionsfähigkeit eingestellt ist.
  4. Nach einem Autounfall hat jemand ein verbranntes Gesicht und hofft auf medizinische Hilfe. Die Krankenkasse stellt sich auf den Standpunkt, dass es sich hier um ästhetische Massnahmen handelt und Schönheitsoperationen nicht kassenpflichtig sind.

Natürlich wird kein Tumorpatient als geisteskrank diagnostiziert, kein Krebspatient muss ein Jahr Probezeit absolvieren bis zur Chemotherapie und kein Ausländer wird vor der Einbürgerung kastriert – so Sachen gibts nicht mehr im Jahr 2010 – ausser bei Transsexuellen.
Also nochmal das Ganze von vorn, diesmal ohne Analogie:

  1. Obwohl Transsexualität nach neustem Stand der Forschung biologische Ursachen hat, obwohl die anatomische Hirnstruktur ihrem “empfundenen Geschlecht” entspricht und obwohl es genetische Faktoren für Transsexualität gibt, wird eine Behandlung nur ermöglicht, wenn man sich eine Persönlichkeitsstörung “gender identity disorder” diagnostizieren lässt. Zwangspathologisierung nennt man das und damit setzt man Transsexuelle einer gesellschaftlichen Stigmatisierung aus, die wohl einigen das Genick bricht. Die Krankheit ist eine körperliche, die Behandlung verändert den Körper, aber für krank erklärt wird der Geist – wie geistlos muss man sein für so eine Haltung?
  2. Bevor Transsexuelle auch nur die geringste Hilfeleistung erhalten, müssen sie ein Jahr lang einen sogenannten Alltagstest absolvieren, in dem sie das “weibliche Leben” erproben. Ohne hormonelle Veränderungen, ohne Bartepilation, einfach mal ein bisschen Frau spielen, sich der vollen Bandbreite gesellschaftlicher Ächtung aussetzen und ein weiteres Jahr leiden, bis vielleicht – und nur vielleicht – eine Behandlung eingeleitet wird.
  3. Eine Namens- resp. Personenstandsänderung wird nur gewährt, wenn “die Fortpflanzungsfähigkeit” zerstört wurde. Im dritten Reich wurden rund dreihunderttausend Menschen zwangssterilisiert. Heute wird das nur noch in seltenen Fällen gefordert. Transsexuelle dürften die einzigen sein, die eine körperliche Erkrankung haben und zu einer Zwangskastration gezwungen werden, um als das anerkannt zu sein, was sie sind.
  4. Transsexuelle haben – sofern sie Alltagstest und sonstige Schikanen überleben – das Recht auf eine medizinische Behandlung. Diese beschränkt sich auf das Umoperieren des Geschlechtsteils (weil der Mensch ja nur ein Geschlechtsteil mit ein bisschen Persönlichkeit dran ist) sowie die Hormontherapie. Logopädie, Bartepilation u.s.w. werden als ästhetische Behandlung bewertet, ungeachtet dessen, dass eine Frau mit Bart(schatten) sich in dieser Gesellschaft zum Gespött macht.

Warum, fragt sich wer zu fragen wagt, gelten für Transsexuelle Regeln, die sonst in der medizinischen Welt seinesgleichen suchen? Wie kann es sein, dass eugenisches Denken im Stil des dritten Reiches, hier und heute in diesem Land praktiziert wird? Diesen und vielen anderen Fragen geht ein Bericht nach, den die “Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V.” zuhanden der UNO geschrieben hat. Ein erschütterndes Dokument, das nicht nur aufzeigt, dass Transsexuelle in hohem Masse Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind sondern auch aufzeigt, dass das dahinterliegende Denken seine Wurzeln direkt im dritten Reich hat und das diejenigen, die für Hitler damals die Rassenreinhaltung übernahmen, die Väter derer sind, die heute Transsexuellengesetze schustern. Und es wird aufgezeigt, dass im speziellen die deutsche Psychoanalyse eine biologische Faktenresistenz betreibt, um entgegen aller Beweise weiterhin an ihrem im Nazireich entstandenen Denken festzuhalten.

Der Bericht ist umfangreich, umso mehr ist er lesenswert:
Menschenrechtsbericht von ATME e.V. zur Situation transsexueller Menschen in Deutschland

Das ganze Thema ist viel zu weitläufig, um es in einem einzelnen Blogbeitrag abzuhandeln und doch interessieren mich einzelne Themenbereiche darin genug, dass ich in nächster Zeit ein paar Artikel schreiben werde, die einzelne von ATME aufgeworfene Aspekte thematisieren.



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