(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Testosteron und Hirnschwund – Teil 1

Nach allem was ich in diesem Jahr mit Jungs im Internet so erlebt habe, scheint es mir an der Zeit, auf das Phänomen von testosteronbedingtem Hirnschwund hinzuweisen. Wenn Frauen Männern erzählen, sie würden plump und idiotisch angebaggert, dann denken Männer natürlich, das sei übertrieben. Isses nicht. Um das zu beweisen, werde ich in nächster Zeit gelegentlich Fallbeispiele darlegen und hoffe, damit den Friedensnobelpreis zu erhalten oder wenigstens lebenslang Gratisschuhe oder irgend sowas zu kriegen.

Beginnen wir dieses wissenschaftliche Abenteuer mit einem Kontaktmail. Es gibt im Web Transgender-Communities, die auch Kontaktmöglichkeiten bieten. Dort kann man ein Profil erstellen, in dem man sich vorstellt und sagt, was man sucht. Ich bin da an einem Ort angemeldet und in meinem Profil ist angekreuzt, dass ich nur an einer festen Beziehung oder an neuen Freunden interessiert bin. Man könnte auch One-Night-Stand und so Sachen ankreuzen, hab ich aber nicht. Auch im Text weise ich darauf hin, dass ich nur ernsthafte Freundschaften welcher Art auch immer suche. Umso mehr verwundert es dann, was man da alles so für Mails kriegt. Nachfolgendes Exemplar eines Testosterongeschädigten dürfte als ersten Eindruck erhellend sein:

hallo
würde dich gerne besammen.bin 184,47,17×4
wohne in zürich stadt.
melde dich
gruss *****

Gehen wir dieses epische, inhaltsschwere und tief philosophische Mail mal der Reihe nach durch……

hallo
ja hallo, wenn Du mich nun auch noch namentlich angesprochen hättest, könnte ich wenigstens im Ansatz hoffen, dass ich dasselbe Mail von Dir in 2 Monaten nicht wieder kriege

würde dich gerne besammen
Also erstens schreibt man besamen mit einem ‘m’, zweitens bin ich keine Zuchtkuh, drittens bist Du mit 17×4 kein Zuchtstier und viertens ist der Bauer in den Ferien

bin 184,47
hmmm, mit 184 Höhe dürfte 47 kaum das Gewicht sein, aber wenn ich Dein Mail so betrachte, könnte 47 als IQ ungefähr hinkommen

17×4
na jetzt kann ich mir ja wirklich etwas unter Dir vorstellen. Weisst Du, ich finds wichtig, dass man einander etwas kennt bevor man so rumbesamt und so. Ich mein, ich muss ja nicht gleich wissen, wer Du bist, was Du liebst, woran Du glaubst, was Dich glücklich und was traurig macht oder was Du für einen Charakter hast, Hobbies oder all das Zeuchs. Unter diesen 17×4 kann ich mir soviel vorstellen, auch wenns noch so wenig ist, dass in mir schon fast die grosse Liebe ausbricht

wohne in zürich stadt.
nachdem was ich bisher von Dir gelesen habe, könntest Du im selben Haus wohnen wie ich und ich würd Dein Mail nicht beantworten

melde dich
Yes Sir…… und merke, wenn Du einer Dir fremden Person etwas befiehlst, dann gehört da ein Ausrufezeichen dahinter, verstanden? Jetzt bist Du dran, sag “Yes Ma’am”!

gruss *****
ach so romantische Grussfloskeln sind einfach umwerfend, ja auf Dich habe ich ein Leben lang gewartet.

Es ist ja schon erstaunlich, dass gewisse Männer allen Ernstes glauben, sie würden mit so einer Anfrage Mädels rumkriegen. Aber sie erhöhen immerhin mit ihrer grenzüberschreitenden Dummheit den Unterhaltungswert des Internets :-)

Liebe, Einsamkeit und eine nicht beantwortbare Frage

In den letzten Monaten habe ich hier ja zu Genüge über Sehnsucht nach Liebe und Hoffnungslosigkeit in Beziehungsfragen gejammert. Das Thema war meistens, dass ich niemand zum lieben habe und befürchte, dass das auch so bleiben wird.

Aber in den letzten Monaten tauchte auch oft eine ganz andere Frage auf, nämlich die, ob ich jetzt überhaupt eine Beziehung will oder ob ich meinen jetzigen Weg nicht alleine gehen sollte.

Eine Frage, die ich bis jetzt nicht beantworten konnte, weil es mir scheint als müsste ich zwischen Erschiessen und Ersäufen wählen.

Einmal mehr stehe ich am Abgrund zwischen Herz und Verstand.

Auf der einen Seite gibt es gute Gründe, die gegen eine Beziehung sprechen

  • Momentan bin ich emotional mehr als genug belastet, ich kann mir das Risiko nicht leisten, auch noch im empfindlichsten Bereich verletzt zu werden.
  • Mir fehlt die Zeit um eine Beziehung wirklich zu pflegen. Am meisten Zeit brauche ich, um mit meiner Metamorphose klar zu kommen und die Fragmente meiner weiblichen Seele auszugraben, die tief in mir verschüttet sind. Das Blog braucht seine Zeit, gute Freunde brauchen Zeit, ich bezweifle wirklich, dass ich da noch genug geben könnte.
  • Gerade das nächste Jahr wird ziemlich heftig werden. Ungefähr nächsten Herbst dürfte die GaOp sein und die wird mich wohl arg beuteln. Kann ich jemandem zumuten, das mit zu durchleben? Es wird eine Zeit sein, in der ich nur nehmen würde und kaum geben könnte, in der ein Partner mehr mitleidet als gesund ist.
  • Vieles in mir verändert sich stetig und ich weiss nicht, wie ich mich als Nächstes entwickeln werde. Ich habe mein Selbst zum Leben erweckt und es entfaltet sich so wie es ihm bestimmt ist. Ich weiss weder was ich eigentlich will noch wo es mich hinführen wird, ich weiss ja nicht mal ob ich einen Mann oder eine Frau suche, irgendwie gehts mir da wie Sokrates, der sagte: “Ich weiss nur, dass ich gar nichts weiss”.
  • Eine Beziehung erfordert mit Recht eine gehörige Portion Aufmerksamkeit. Aber momentan muss ich alle Aufmerksamkeit auf mich richten.
  • Ich halte mich jetzt in dieser Übergangsphase für zu “unvollkommen” als dass ich mich jemandem zumuten möchte. Irgendwie fühle ich mich wie in einem Cocoon, nicht mehr Raupe und noch nicht Schmetterling.

Auf der anderen Seite gibt es mindestens soviele Gründe, die dafür sprechen, dass ich weiterhin auf eine Beziehung hoffe.

  • Der transsexuelle Weg ist kein gemütlicher Spaziergang sondern ein harter Kampf in dem man sich das Recht zu Leben erkämpft, es braucht oft viel Kraft um mit allem klar zu kommen. Aber niemand hat unerschöpfliche Kräfte und das einzige, was einem wirklich stärken kann, ist die Liebe eines geliebten Menschen.
  • Wenn ich zwischendurch in Trauer oder Verzweiflung falle, dann ist es fast ausnahmslos wegen meiner Beziehungslosigkeit. Das Fehlen von Geborgenheit und Zärtlichkeit zermürbt mich so sehr, dass es mir eine Menge Energie abzieht, Kraft die ich dringend für mich brauchen würde.
  • Ich glaube, dass ich gerade wegen meiner Doppelwesenhaftigkeit jemanden in einer Beziehung extrem glücklich machen könnte und es würde mich wiederum sehr glücklich machen, wenn ich das jemandem schenken könnte.
  • und last but not least, ist die Sehnsucht nach Geborgenheit und Zärtlichkeit in mir so gross, dass ich machmal fast durchdrehe, wie ein Vakuum das mich zu verschlingen droht.

Egal wie ich mich entscheide, es kann gehörig ins Auge gehen, sowohl eine Beziehung als auch Beziehungslosigkeit können mir das Genick brechen. Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust! Die eine ist die Kriegerin, die wild entschlossen allein ihren Weg gehen will und sich voll und ganz auf diesen Weg konzentriert. Auf der anderen Seite ist dieses zerbrechliche Mädchen, das lautlos um Hilfe ruft weil ihr die Stärke der Kriegerin fehlt.

Es gäbe soviel was ich brauchen würde und soviel was ich geben möchte, aber kann ich es mir leisten, es zu riskieren? Oder kann ich es mir leisten, es nicht zu riskieren? Zweimal ein klares Nein! Einmal mehr, Schach Matt.



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