(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Brüste sind seltsame Wesen

Spätestens seit Otto so köstlich geschildert hat, was die Organe in einer Kneipe so alles treiben, wissen wir, dass unsere Organe selbstständige Wesen sind. Und viele von ihnen, beispielsweise die Milz, sind sogar sehr seltsame Wesen. Guckt am besten erst mal das Video an, damit Ihr den Rest versteht…….

Dank meiner Hormontherapie komme ich nun zu dem seltenen Vergnügen, im Alter von 42 (ach sagen wir 40) Jahren zwei neue Wesen zu erhalten. Und auch wenn die Zwei noch im Kindesalter sind, so kann ich doch jetzt schon sagen: Brüste sind noch viel seltsamerer Wesen als die, die sich sonst so im Körper tummeln. Und ich kann auch abschliessend sagen, dass es zwei ganz unterschiedliche Wesen sind.

Meine linke Brust ist ein ganz strebsames Mädel, sie wächst schneller und zeigt ein grösseres Bedürfnis nach Grösse als die rechte Brust, denn die ist eher eine Penntüte. Von Anfang an wuchs die Linke mehr als die Rechte, sie kribbelte mehr und hat auch ein grösseres Auge, das man seltsamerweise Warze nennt, obwohls gar keine Warze ist. Das sieht ein bisschen deppert aus, wenn ich das mal trotz meiner Liebe zu ihnen sagen darf. Wenn zwei Gleichaussehende unterschiedlich gross sind und unterschiedlich grosse Augen haben, sieht man ihnen gar nicht an, dass es Zwillinge sind.

Und sie fühlen sich auch ganz unterschiedlich an. Die Linke kribbelt und zieht immer mal wieder um ihr Streben nach Wachstum auszudrücken, während die Rechte eher vor sich hindöst. Ok viele Mädels werden jetzt sagen, dass das normal ist, Brüste sind bei Vielen unterschiedlich gross. Nun, das mag sein, aber wenn die Grosse noch nicht mal das kleinste Körbchen richtig füllt, ist ein bisschen weniger schnell mal ein Viertel des Ganzen. Und das ist doof, das muss einfach mal gesagt sein, ich sollte wirklich nochmal die Garantieabteilung kontaktieren.

Aber sie haben auch viele Ähnlichkeiten. Beide sehen süss aus, haben eine verblüffend zarte Haut, sind sehr sensibel und mögen jede Art von Berührungen. Ok, blöd wenn niemand da ist der ihnen da beisteht, aber lassen wir das mal. Beide mögen es auch nicht, wenn man sich auf sie legt. Zumindest nicht wenn ich das tue. Vielleicht würden sie es mögen, wenn sich jemand anders auf sie liegt, aber wenn ich mich auf den Bauch leg, sprich auf sie leg, dann meckern sie mittels Schmerzsignal los.

Sprachlich konnten wir uns auch noch nicht koordinieren, egal was sie sagen, ich hör nix. Sie ebenfalls nicht. Der Rechten hab ich schon oft gesagt, sie soll sich mit dem Wachsen etwas mehr bemühen, aber sie guckt dabei nur dümmlich in den Spiegel und sagt nix, blinzelt nicht mal, guckt mich einfach nur fragend an. Manchmal glaub ich, die verarschen mich, die verstehen mich ganz genau, aber es sind einfach faule Weiber, zumindest die Rechte.

Niur manchmal, ganz selten, höre ich sie nachts flüstern, irgend etwas von Liebe und Zärtlichkeit, aber vielleicht hab ich das ja auch nur geträumt.

Ist ja irgendwie auch egal, man soll alle Wesen so nehmen, wie sie sind. Egal ob sie klein sind oder unterschiedlich gross oder anders empfinden, egal ob sie mit mir reden oder ich sie verstehe, ich liebe dieses ungleiche Paar unbeschreiblich :-)

Hmmm, da bin ich ja gespannt auf den nächsten Neuzugang, etwa in einem Jahr zieht nochmal n’Mädel ein, eine Wohnung wird frei von so nem Kerl, der hier jahrelang widerrechtlich wohnte. Bin echt gepannt, wie’s mit der Neuen klappt in Sachen Konversation. Mit dem Kerl reden wir nicht mehr, seit ihm gekündigt wurde, aber von der Neuen haben wir nur Gutes gehört, ich glaub die wird prächtig in diesen Haufen ver-rückter Organe passen…… aber das ist eine andere Geschichte die in einem Jahr erzählt wird :-)

Erfreulichkeiten für Zwischendurch

Wir hätten da mal wieder ein paar frei fluktuierende Erfreulichkeiten, die ich da einfach mal verstreue……

Diana geht ans Depeche Mode Konzert
Uiiiiiiiiuiuiuiui, es ist gute zwanzig Jahre her, als ich mich trotz Treue zu Heavy Metal dazu überreden liess, an ein Depeche Mode Konzert zu gehen. Eigentlich wollte ich nur meinen Kollegen verarschen, der hat mit meiner Freundin gewettet, dass sie mich da nicht hinkriegt, der Wetteinsatz war ein Ticket. Also habe ich das von ihm bezahlte Ticket einkassiert und mal schnell nebenbei sein Weltbild zertrümmert. Aber dann kam der Hammer, kaum ging das Konzert los, war ich hin und weg. Diese Musik zieht einem irgendwie den Boden unter den Füssen weg und lässt einem schweben, versetzt fast ein wenig in Trance – es ist einfach wunderschöner Düster-Sound vom Feinsten. Als es nun hiess, überlegte ich ob ich die nochmal sehen will als altes Weib, überlegte mit wem ich da hin könnte und schwups war alles ausverkauft. Doch die Wege des Herrn sind unergründlich und so kam kürzlich ein Mail von Anna-Maria, der Lady die kürzlich bei mir zum Nachtfuttern kam, sie könne mir noch eins auftreiben zum normalen Preis. Und siehe und staune, am 7. Dezember werd ich wieder im gleichen Stadion stehen und staunen, einmal mehr mit pupertären Gefühlen im Bauch :-)

In Kleidern und Schminke schwimmen
Dieselbe Lady die mich mit DM-Tickets beglückte, brachte mir ja beim oben erwähnten Abendessen Sackweise Kleider, Schminkzeug und Schmuck mit. Ich bin heute noch dran den Überblick zu kriegen, es gab soviele schöne Sachen und mit der Schminke kann ich jetzt n’Laden aufmachen. Nun kann ich immer wenn ich Lust hab am morgen eine neue Lippenstiftfarbe auswählen oder mir mit Lidschatten das Auge verkleckern. Und ich glaub da sind noch einige Freudenmomente, die mich in nächster Zeit bespringen werden, wenn ich wieder mal des frühen Morgens eine neue Farbe finde, die mir steht. Thanks honey, Du bist wirklich ein mega Schatz.

Treffen der verrückten Weiber
Diesen Donnerstag Abend kommt Juliet in die Schweiz und besucht mich drei Tage lang. Sie ist das Mädel, das in den letzten Monaten über tausend Kommentare hier illegal entsorgte und sie ist mindestens so durchgeknallt wie ich – einfach bluna die Gute :-) Wir gehn dann an den Stammtisch des Transensyndikats, einmal in mein Stamm-Pub, dann kaufen wir noch halb Zürich leer, erschrecken Leute in öffentlichen Verkehrsmitteln und lachen uns Krämpfe in den Bauch. Ich freu mich seit Langem, das erste mal sehen wir uns und das gleich drei Tage lang. Man sollte Zürich dieses Wochenende also grossräumig meiden ;-)

Celine ist nicht von dieser Welt
Nachdem ich erst grad das Lied Alone von Celine Dion hier darbot, hat mich ihre Stimme wieder so verzaubert, dass ich mir die CD bei iTunes runtergeladen habe, auf der Alone drauf ist. Es ist einfach unglaublich, diese Frau kann so gefühlsvoll singen, dass es mir immer wieder durch Mark und Bein geht. Und so hör ich nun den ganzen Abend Celine zu und immer wieder kräuselt’s mir alle Nervenzellen auf einmal. Celine muss von den Göttern geschickt worden sein, soviel Gefühl ist einfach nicht von dieser Welt.

Arbeit macht Spass
Immer wieder wird mir klar, was für ein Glück ich habe, in dieser Firma ackern zu dürfen. Nicht nur, dass der Job selbst extrem spannend und kreativ ist, es ist vorallem das Team das diesen Job so wertvoll macht. Ok Informatiker haben des Öfteren n’Knall, aber bei uns klingts als ob ein Feuerwerk abgeht. Ein Rudel total humorvoller Jungs, mit denen man nicht nur gut zusammenarbeiten kann sondern auch täglich kleine Lachattacken spendiert kriegt, weil man sich immer wieder gegenseitig anzündet. Und nicht zuletzt ist es wie schon öfters erwähnt für mich ein Planschbecken für meine Weiblichkeit. Da lebe ich täglich acht Sunden und fühle mich akzeptiert, so ist es kaum ein Wunder, dass ich mich zum ersten Mal im Leben wirklich auf die Arbeit freue. Ich hab schon immer gern programmiert, aber dass es an der Arbeit so angenehm sein kann wie in der Freizeit, das ist echt ein Geschenk.

Oversexed? So what?
Das mit dem Stretchkleid gestern läuft mir immer noch nach. Zugegeben, für ein 42-jähriges Weibchen könnte das ein klein wenig oversexed sein, zumindest für zur Arbeit. Aber Himmel, erklär mal einer halb Verdursteten, sie solle jetzt nicht 8 Liter Wasser trinken, das geht einfach nicht. Ich werd sicher weiterhin in der Regel etwas dezenter rumlaufen, aber manchmal tut es einfach soooo gut, halt eben doch a bissrl oversexed zu sein. Ich werde nie wie n’Model aussehen, aber das sollte mich nicht daran hindern, mich auch mal kleidungstechnisch auszutoben und meine gefühlte Weiblichkeit so exzessiv darzustellen, dass ich spüre wie ich lebe. Das gestern hat mir wirklich gut getan, auch wenn ich vielleicht die Einzige war, der es gefallen hat, ich habs genossen und ich habs mir auch verdient :-) Und weils so gut getan hat, hab ich heute auch eins meiner Lieblingskleider angezogen, zwar dezenter und länger, aber doch eins meiner feminimsten Kleider. Ich brauch unbedingt mehr so Fummel, eindeutig ;-)

Manderinen oder Indimani, weg damit
Seit meiner Kindheit liebe ich Mandarinen – Manderindli wie wir hierzulande zu sagen pflegen. Das heisst, ich sagte ihnen als Kind Indimani. Niemand weiss warum und es will’s glaub auch niemand wissen, aber mir gefällt Indimani irgendwie besser als Manderindli. Wie dem auch sei, bei der letzten Futterbestellung hab ich nun meine ersten Indimani bestellt. Sie sind noch etwas zu sauer, die wirklich Guten kommen erst noch, aber es ist für mich jedes Jahr ein HighLight, wenn diese süssen orangen Dinger wieder im Laden rumstolpern. So wie Osterhasen, oder Glühwein, oder SpareRips. So saisonales Zeugs hat was Belebendes, man kann sich immer wieder von Neuem darauf freuen.

Flügellose Hühner
Ich hab noch drei kalte Pouletflügel von meiner gestrigen Braterei und die werd ich mir jetzt mit einem Feldschlösschen Bier zu Gemüte führen und Dexter gucken….. Prost, en Guete…… und gute Nachht

Liebe und Wahrscheinlichkeit

In einer Kommentar-Plauderei mit Juliet und Morag kam ich grad auf die Wahrscheinlichkeitsrechnung im Bezug auf Beziehungschancen. Weil ich gern mit Zahlen spiele, gucken wir uns das jetzt mal genauer an.

  • Hier in der Schweiz leben so um die 8 Millionen Menschen, wollen wir mal schauen was da für mich so rumwuselt.
  • Etwa ein Viertel dürfte altersmässig inkompatibel sein, also 2 Millionen.
  • In meiner Altersgruppe sind 90% in festen Händen, also bleiben 200’000 übrig.
  • Davon sind 90% deshalb noch zu haben, weil niemand sie haben will, ich also auch nicht, bleiben 20’000.
  • Für mich beziehungsmässig vorstellbar dürften höchstens 5% sein, das wären dann 1’000.
  • Da 99% kaum eine Beziehung mit einer Transfrau wollen, sind es nur noch 10.
  • Davon ausgehend, dass nur 50% der Bevölkerung auf Mädels stehen, bleiben 5.
  • Von denen dürften mindestens zwei im Knast sein und jemand in der Klapsmühle, da wären nun noch 2.

So gesehen habe ich mega Glück, das dürfte ein Mann und eine Frau sein und da ich diesbezüglich scheinbar flexibel bin, habe ich immer noch die Wahl.

Aber zum Glück sind Wahrscheinlichkeitsrechnungen nur theoretischer Blödsinn von nicht in dieser Welt lebenden Akademikern, die in ihren lustigen Universitäten noch lustigere Welten erfinden. Spätestens seit Tschernobyl wissen wir ja, dass solche Rechnungen eben nur im Kopf der Erfinder funktionieren.

Also wird es sicher heute noch an der Tür klingeln und mir fällt jemand um den Hals….. oder das AKW Beznau explodiert….. oder ich finde endlich die perfekten Schuhe :-)

PS: Hey, Ihr Zwei, könntet Ihr mich gelegentlich kontaktieren?

Sleepless in Switzerland

Wenn zwei Mädels sich zum ersten Mal sehen und gleich drei Tage ohne Unterbruch zusammen sind, wenn sie in diesen drei Nächten insgesamt rund zehn Stunden geschlafen haben, wenn sie all ihre Pläne für dieses Wochenende über den Haufen geworfen haben weil sie vor lauter plaudern und lachen einfach für nichts mehr Zeit fanden, dann kann man sicher sein, dass sich da ein Wunder ereignet hat und sich eine Freundschaft entfaltet, die das Vorstellbare bei Weitem übersteigt. Und man kann sicher sein, dass die Zwei eine Freundschaft fürs Leben gefunden haben, selbst wenn sie tausend Kilometer von einander entfernt sind.

Freundschaft zwischen den Zeilen
Vor ein paar Monaten tauchte Juliet hier im Blog auf, begann Blogbeiträge zu kommentieren und es entstanden teils epische Plaudereien. Über tausend Kommentare hat sie hier hinterlassen, wir haben uns unzählige Male fast Tränen gelacht und unzählige Male miteinander gefühlt. Es entstand eine Freundschaft, die nur aus geschriebenen Buchstaben bestand, die sich zwischen den Zeilen entfaltete, weil zwischen eben diesen Zeilen so viele Gefühle flossen. So drängte es sich immer mehr auf, dass wir uns endlich einmal sehen können und wir nahmen uns vor, mal ein Wochenende zusammen zu verbringen.

Donnerstag

Ankunft in Zürich
Diesen Donnerstag Abend kam Juliet am Zürcher Flughafen an und zum ersten Mal standen wir uns gegenüber, konnten uns erstmals herzlich in die Arme nehmen. Zwei sich unbekannte und doch so vertraute Menschen begaben sich gemeinsam im Zug zu mir nachhause.

Erste Plauder- und Lach-Nacht
Kaum zuhause angekommen, ging das plaudern los, mal aus dem Leben gegriffen, mal philosophisch und oft, sehr oft, lachten wir uns den Bauch wund. Um sechs Uhr morgens schafften wir dann doch den Weg ins Bett, erschöpft und erfüllt. Juliet drohte mir bereits am Abend, dass sie in der Regel um Zehn aufwacht, egal wie spät sie ins Bett ging. Aber wenn wir erst um Sechs ins Bett gehen, dürfte das ja kaum der Fall sein……..

Freitag

Der morgen danach
…… war es aber. Um Zehn stand die Gute bei mir im Wohnzimmer und ich blickte ungläubig mit verschwommenem Blick unter der Decke hervor. Für normale Leute wär das dann wohl der Zeitpunkt gewesen um zu frühstücken. Aber da waren weit und breit keine normalen Leute, nur diese zwei verrückten Mädels. Und verrückt wie die Zwei sind, gings dann mit Kaffee vor der Nase auch gleich weiter mit plaudern und rumblödeln – unter dem Einfluss des Schlafmangels nun noch eine Spur verrückter.

Reduziertes shoppen
Wir hatten vor, am Freitag eine ausgiebige Shopping Tour zu machen und dann an den Stammtisch des Transensyndikats zu gehen. Naja, irgendwie ist es ein Rätsel wie das kam, aber es lief dann doch etwas anders ab. Ich glaub es war um ein Uhr Nachmittags, als wir mal auf die Idee kamen, wir könnten was futtern, also würde gefrühstückt. Oder eher gefrühstückplaudert oder so. Zur Verdauung wurde dann weiter geredet und weiter und weiter und irgendwann war es etwa vier Uhr. Wir begannen die Fassadenrenovation und kamen dann irgendwie so um sechs Uhr in Zürich an. Das “ausgedehnt” unserer Shopping Tour war also schon mal verplaudert.

Flucht an den Stammtisch
Aber ein Meer aus Menschen und Regen schmälerte unsere Kauflust doch deutlich und so entschieden wir uns, halt früher an den Stamm zu gehen, dann können wir ja noch a bissrl quatschen miteinander, bis die anderen Transgender Leute eintrudeln. Ich glaub das ist das erste Mal, dass ich ohne Kleider oder Schuhe von einer Shopping Tour zurück kam, aber immerhin eine neue preiswerte DigiCam fand den Weg in meine Handtasche und ein Headset damit wir endlich über Skype gratis telefonieren können.

Gemütlicher Abend am Transgender-Stammtisch
Auf dem Weg zum Stamm trafen wir zufällig eine andere Transfrau vom Stamm im Tram (reimt sich coll, hä?). Also gings zu Dritt zum Stamm und wir (man ahnt es), quatschten eine Stunde zusammen. So gegen Acht trudelten ein Dutzend Transgender ein und wir verbrachten einen gemütlichen Abend mit feinem Essen und endlosen Gesprächen. Auch Sarah vom Bad Hair Days Blog war mit von Partie und so konnten sie und Juliet sich auch gleich im sogenannt realen Leben kennen lernen.

Zweite Plaudernacht – wer braucht schon Schlaf?
Gegen Mitternacht kamen wir wieder zuhause an, todmüde, vergnügt….. und was tun vergnügte Mädels? Genau, sie plaudern und blödeln noch ein wenig und gucken sich zwischendurch Filme an (z.B. Transamerica). Um halb Sieben war dann der letzte Film durch. Ich drehte den Kopf und hatte n’schlafendes Mädel neben mir. Ich war selber schon im Halbschlaf, löschte das Licht, schloss die Augen, dachte noch kurz, dass die Gute doch wohl nicht schon wieder nach vier Stunden wach sein würde…… Man glaubt es kaum, wieder vier Stunden später, diesmal um halb Elf, war das Mädel wieder wach. Zweimal hintereinander vier Stunden Schlaf ist nicht wirklich vernünftig, aber wir haben uns ja auch nicht um der Vernunft Willen getroffen.

Samstag

Planänderung – Nix mit Fotos und Pub
Wir hatten noch vor, Schminkexperimente zu machen und eine Fotosession mit n’paar schönen Kleidern von mir, aber kaum richtig wach wurde wieder geredet und wieder gelacht, beide waren müde und erschöpft, aber quietschvergnügt. Tja und so wars dann plötzlich wieder zwischen vier und fünf Uhr und es war klar, dass unsere Pläne vom Schicksal vereitelt wurden – also wollten wir uns wenigstens in die Malkästen schmeissen, Thai Nudeln-Gemüse-Poulet-Dingsbums im Wok zu kochen um dann um Neun ins Pub zu gehen. Als uns klar wurde, dass wir beide ziemlich träg drauf sind, entschlossen wir uns aber, das Pub zu streichen, der Rest war eh gestrichen, ausser dem Wok. Ohne die Schminkerei und das Pub hatten wir eine Unmenge mehr Zeit um – naja – mal etwas zu plaudern und blödeln.

Thai Wok Kocherei, Gummibärchen und Plauder-TV
Ich glaub es war so etwas nach Acht als wir den Wok zur Weissglut trieben und darauf folgte eine Nacht mit weiterer Plauderei und Gröhlerei, wir fütterten uns gegenseitig kichernd mit Gummibärchen, unterbrachen ständig die Filme weil jemand was loswerden musste, was erneute Rede- und Lachexzesse auslöste. Um Vier fanden wir, das würde ja noch reichen für einen letzten Film. Wir sind uns ja jetzt gewohnt um Sechs ins Bett zu gehen, man soll den Kreislauf ja nicht mit Unregelmässigkeiten belasten. Also guckten wir Thelma & Louise und irgendwo in der Mitte gabs mal wieder eine Plauder Unterbrechung, die sich so hinzog, dass wir um Acht fertig waren mit dem Film. Es stellte sich langsam die Frage, ob wir wirklich für drei Stunden schlafen sollten oder gleich Freinacht machen. Aber langsam waren unsere Systeme echt am Arsch, also schliefen wir noch ne Runde.

Sonntag

Katzen Weckdienst
Zweieinhalb Stunden später, um halb Elf, wurde ich von einer Katze geweckt, die dann eine halbe Stunde lang versuchte, mich in den Wachzustand zu versetzen. Ich wurde mit meinen Haaren im Gesicht gekitzelt, mit den Fingern in den Rippen, ich flüchtete unter die Decke, es nützte einfach alles nix. Die Katze, die lustigerweise auch Juliet hiess, zeigte eine freudige Verspieltheit, die darin bestand, mich in den Wahnsinn zu treiben. Ich war hin und her gerissen zwischen aufwachen, wieder einschlafen, mich verstecken, kichern, meckern, einschlafen……. nach einer halben Stunde gab ich auf und es ging mit Kaffee los.

Delirium für Fortgeschrittene
Zum ersten mal waren wir etwas ruhiger, was irgendwie kein Wunder war, beide (vorallem ich) guckten etwas belämmert in die Welt hinaus, alle Systeme liefen nur noch mit Notstrom und so gabs nochmal einen gemütlichen Morgen – natürlich nicht ohne weitere Plauderkichereien.

Wer hat an der Uhr gedreht?
Uns wird es Beiden wohl ein ewiges Rätsel bleiben, wie drei Tage so schnell vorüber sein können, jedenfalls mussten wir uns dann wieder tageslichttauglich machen und um drei Uhr gingen wir Richtung Flughafen, beide mit deutlich eingeschränkter Begeisterung. Aber wir hatten keine Wahl, Flugzeuge sind doofe Vögel, die warten nicht und ausserdem hätte uns eine weitere Vierstundennacht vermutlich ins Koma versetzt.

Zeit – steh still!
Im Flughafen war mir dann definitiv nicht mehr wohl und das lag wider Erwarten nicht an meinem Schlafmangel sondern weil der Abschied vor uns stand. Aber ich wollte doch gar nicht, dass sie geht, ich wollte dass sie nie mehr geht, dass dieses Wochenende nie mehr aufhört und wir bis ans Ende aller Zeit weiter reden können und uns weiter todlachen können mit unserer so wesensgleichen Verrücktheit. Und auch Juliet war äusserst abgeneigt, nun mit diesem doofen Flugzeug wieder wegzufliegen.

Das Wunder geniessen
Ich glaube nicht, dass ich jemals drei Tage lang soviel gelacht habe und über soviel geredet habe und ich glaube nicht, dass ich mich je so verausgabt habe, um jede Minute zu geniessen, mit diesem wundervollen Wesen zusammen zu sein, die mir schon mit ihrer Schreiberei so vertraut wurde und mir nun um soviel näher war denn je.

Ein schmerzlicher Abschied
Der Abschied war brutal. Drei Tage voll von soviel Lebensfreude und die Nähe dieser wundervollen Frau und nun musste sie in dieses doofe Flugzeug steigen. Ich musste die Tränen zurück halten und das gelang mir auch bis ich zuhause ankam.

Die leere Wohnung
Ich trat in eine leere Wohnung, in der etwas fehlte, das soviel Wärme hier hinein gebracht hat, dessen Abwesenheit irgendwie unvorstellbar war, erfüllt von der Erinnerung an drei der schönsten Tage meines Lebens und an einen der liebenswertesten Menschen die mir das Schicksal je auf dem Weg gegeben hat. Es war, als ob das Wertvollste aus dieser Wohnung verschwunden wäre, nur das lautlose Echo unseres Lachens hallte durch diese Leere.

Traurig und Glücklich
Ich bin traurig, weil ich Juliet jetzt schon vermisse wie die Hölle. Aber mehr als das bin ich glücklich, diese Freundschaft gewonnen zu haben, von der ich überzeugt bin, dass sich unsere Wege nie trennen werden….. und ich bin mega froh, dass wir am Samstag ein Headset für mich gekauft haben und von nun an soviel wir wollen via Skype telefonieren können.

Hey Juliet, danke für alles, ich freu mich wie verrückt darauf, Dir hoffentlich bald wieder mal zu begegnen….. und bleib wie Du bist, Du bist ein unglaublich liebenswertes Wesen…… und komplett bluna ;-)

Willkommen im Gottesstaat Schweiz

Seit gestern Abend stehe ich unter Schock und kann es immer noch nicht fassen, Bürgerin eines Landes sein, das durch Rechtsparteien und christliche Fanatiker dermassen radikalisiert wurde. Das ist der Anfang vom Ende dessen, was einmal Grundwerte dieses Landes waren. Toleranz, Rechtsgleichheit, Religionsfreiheit und Vernunft wurden bachab geschickt. Die volksaufhetzenden Brandstifter der SVP haben es im Schulterschluss mit den christlichen Fundamentalisten der EDU geschafft, dieses Land in einen Dreckhaufen zu verwandeln. Die Trennung von Kirche und Staat wurden aufgehoben und wir können uns nun mit Ländern wie dem Iran in eine Reihe stellen.

Nun steht in unserer Bundesverfassung, dass vor dem Gesetz alle gleich sind und etwas weiter unten steht nun, dass nur Muslime keinen Turm auf ihre Gebetshäuser stellen dürfen. Das Minarett-Verbot steht im Widerspruch zu unserer eigenen Verfassung und es steht im Widerspruch zu internationalen Menschenrechten. Dass so etwas von einer Mehrheit der Schweizer Wähler angenommen wurde, ist ein Armutszeugnis für das Schweizer Stimmvolk.

Vor fünfzig Jahren schaffte es eine Partei, ein ganzes Land so gegen eine Religionsgemeinschaft aufzuhetzen, dass es im Holocaust endete. Die SVP und ihre Lakaien sind auf dem besten Weg, dass sich die Geschichte wiederholt.

Die Braunen dieses Landes und die christlichen Fundamentalisten haben es geschafft, der Schweiz weltweit die Fratze einer rassistischen Nation aufzusetzen, der Erfolg wird sie weiter treiben und wenn nicht noch ein Wunder passiert, werden diese Kreise den Ruf dieses einst angesehenen Landes in Schutt und Asche legen…… und es vielleicht irgendwann sogar schaffen, aus diesem Land ein neues Nazi-Reich zu machen.

Zum ersten Mal in meinem Leben schäme ich mich abgrundtief dafür, Schweizer Bürgerin zu sein….. und ich habe Angst davor, was diese politischen Brandstifter als Nächstes machen und wie weit sich das Schweizer Volk von diesen Wahnsinnigen noch fanatisieren lässt.

Stoeps hat einen sehr guten Kommentar in seinem Blog geschrieben, den ich hier gerne weiterempfehle:
La Suisse n’existe plus!

Und wer wissen möchte, was für ein Bild die Welt von nun an über die Schweiz und ihre Bewohner hat, der kann sich hier mal ein Bild verschaffen:
Spiegel: Die Schweiz wählt die Islam-Angst
Berliner Tagesspiegel: Minarett-Abstimmung: Mit dem Rücken zur Welt
Stuttgarter Zeitung: Eine Schande für die Schweiz
Welt online: Die Schweiz fällt hinter die Aufklärung zurück
Zeit online: Ein schwarzer Tag
Süddeutsche Zeitung: Wut und Frust in der Schweiz
Times: Intolerance of Islam
Guardian: Switzerland: Hatred beneath the harmony
Washington Post: Switzerland votes to prohibit the building of mosque minarets
Los Angeles Times: Swiss voters OK ban on minarets

UPDATE 2.12.2009: Weil mich diese Entwicklung so beschäftigt, habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht:
Wer Verstand hat, der möge nachdenken

UPDATE 3.12.2009: Die Menschenrechtsorganisation AVAAZ ruft zum Online Protest auf. Wer mit seinem Namen einstehen möchte, kann sich hier eintragen:
AVAAZ.org: Minarett-Ban – not in my name



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