(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Brüste sind seltsame Wesen

Spätestens seit Otto so köstlich geschildert hat, was die Organe in einer Kneipe so alles treiben, wissen wir, dass unsere Organe selbstständige Wesen sind. Und viele von ihnen, beispielsweise die Milz, sind sogar sehr seltsame Wesen. Guckt am besten erst mal das Video an, damit Ihr den Rest versteht…….

Dank meiner Hormontherapie komme ich nun zu dem seltenen Vergnügen, im Alter von 42 (ach sagen wir 40) Jahren zwei neue Wesen zu erhalten. Und auch wenn die Zwei noch im Kindesalter sind, so kann ich doch jetzt schon sagen: Brüste sind noch viel seltsamerer Wesen als die, die sich sonst so im Körper tummeln. Und ich kann auch abschliessend sagen, dass es zwei ganz unterschiedliche Wesen sind.

Meine linke Brust ist ein ganz strebsames Mädel, sie wächst schneller und zeigt ein grösseres Bedürfnis nach Grösse als die rechte Brust, denn die ist eher eine Penntüte. Von Anfang an wuchs die Linke mehr als die Rechte, sie kribbelte mehr und hat auch ein grösseres Auge, das man seltsamerweise Warze nennt, obwohls gar keine Warze ist. Das sieht ein bisschen deppert aus, wenn ich das mal trotz meiner Liebe zu ihnen sagen darf. Wenn zwei Gleichaussehende unterschiedlich gross sind und unterschiedlich grosse Augen haben, sieht man ihnen gar nicht an, dass es Zwillinge sind.

Und sie fühlen sich auch ganz unterschiedlich an. Die Linke kribbelt und zieht immer mal wieder um ihr Streben nach Wachstum auszudrücken, während die Rechte eher vor sich hindöst. Ok viele Mädels werden jetzt sagen, dass das normal ist, Brüste sind bei Vielen unterschiedlich gross. Nun, das mag sein, aber wenn die Grosse noch nicht mal das kleinste Körbchen richtig füllt, ist ein bisschen weniger schnell mal ein Viertel des Ganzen. Und das ist doof, das muss einfach mal gesagt sein, ich sollte wirklich nochmal die Garantieabteilung kontaktieren.

Aber sie haben auch viele Ähnlichkeiten. Beide sehen süss aus, haben eine verblüffend zarte Haut, sind sehr sensibel und mögen jede Art von Berührungen. Ok, blöd wenn niemand da ist der ihnen da beisteht, aber lassen wir das mal. Beide mögen es auch nicht, wenn man sich auf sie legt. Zumindest nicht wenn ich das tue. Vielleicht würden sie es mögen, wenn sich jemand anders auf sie liegt, aber wenn ich mich auf den Bauch leg, sprich auf sie leg, dann meckern sie mittels Schmerzsignal los.

Sprachlich konnten wir uns auch noch nicht koordinieren, egal was sie sagen, ich hör nix. Sie ebenfalls nicht. Der Rechten hab ich schon oft gesagt, sie soll sich mit dem Wachsen etwas mehr bemühen, aber sie guckt dabei nur dümmlich in den Spiegel und sagt nix, blinzelt nicht mal, guckt mich einfach nur fragend an. Manchmal glaub ich, die verarschen mich, die verstehen mich ganz genau, aber es sind einfach faule Weiber, zumindest die Rechte.

Niur manchmal, ganz selten, höre ich sie nachts flüstern, irgend etwas von Liebe und Zärtlichkeit, aber vielleicht hab ich das ja auch nur geträumt.

Ist ja irgendwie auch egal, man soll alle Wesen so nehmen, wie sie sind. Egal ob sie klein sind oder unterschiedlich gross oder anders empfinden, egal ob sie mit mir reden oder ich sie verstehe, ich liebe dieses ungleiche Paar unbeschreiblich :-)

Hmmm, da bin ich ja gespannt auf den nächsten Neuzugang, etwa in einem Jahr zieht nochmal n’Mädel ein, eine Wohnung wird frei von so nem Kerl, der hier jahrelang widerrechtlich wohnte. Bin echt gepannt, wie’s mit der Neuen klappt in Sachen Konversation. Mit dem Kerl reden wir nicht mehr, seit ihm gekündigt wurde, aber von der Neuen haben wir nur Gutes gehört, ich glaub die wird prächtig in diesen Haufen ver-rückter Organe passen…… aber das ist eine andere Geschichte die in einem Jahr erzählt wird :-)

Erfreulichkeiten für Zwischendurch

Wir hätten da mal wieder ein paar frei fluktuierende Erfreulichkeiten, die ich da einfach mal verstreue……

Diana geht ans Depeche Mode Konzert
Uiiiiiiiiuiuiuiui, es ist gute zwanzig Jahre her, als ich mich trotz Treue zu Heavy Metal dazu überreden liess, an ein Depeche Mode Konzert zu gehen. Eigentlich wollte ich nur meinen Kollegen verarschen, der hat mit meiner Freundin gewettet, dass sie mich da nicht hinkriegt, der Wetteinsatz war ein Ticket. Also habe ich das von ihm bezahlte Ticket einkassiert und mal schnell nebenbei sein Weltbild zertrümmert. Aber dann kam der Hammer, kaum ging das Konzert los, war ich hin und weg. Diese Musik zieht einem irgendwie den Boden unter den Füssen weg und lässt einem schweben, versetzt fast ein wenig in Trance – es ist einfach wunderschöner Düster-Sound vom Feinsten. Als es nun hiess, überlegte ich ob ich die nochmal sehen will als altes Weib, überlegte mit wem ich da hin könnte und schwups war alles ausverkauft. Doch die Wege des Herrn sind unergründlich und so kam kürzlich ein Mail von Anna-Maria, der Lady die kürzlich bei mir zum Nachtfuttern kam, sie könne mir noch eins auftreiben zum normalen Preis. Und siehe und staune, am 7. Dezember werd ich wieder im gleichen Stadion stehen und staunen, einmal mehr mit pupertären Gefühlen im Bauch :-)

In Kleidern und Schminke schwimmen
Dieselbe Lady die mich mit DM-Tickets beglückte, brachte mir ja beim oben erwähnten Abendessen Sackweise Kleider, Schminkzeug und Schmuck mit. Ich bin heute noch dran den Überblick zu kriegen, es gab soviele schöne Sachen und mit der Schminke kann ich jetzt n’Laden aufmachen. Nun kann ich immer wenn ich Lust hab am morgen eine neue Lippenstiftfarbe auswählen oder mir mit Lidschatten das Auge verkleckern. Und ich glaub da sind noch einige Freudenmomente, die mich in nächster Zeit bespringen werden, wenn ich wieder mal des frühen Morgens eine neue Farbe finde, die mir steht. Thanks honey, Du bist wirklich ein mega Schatz.

Treffen der verrückten Weiber
Diesen Donnerstag Abend kommt Juliet in die Schweiz und besucht mich drei Tage lang. Sie ist das Mädel, das in den letzten Monaten über tausend Kommentare hier illegal entsorgte und sie ist mindestens so durchgeknallt wie ich – einfach bluna die Gute :-) Wir gehn dann an den Stammtisch des Transensyndikats, einmal in mein Stamm-Pub, dann kaufen wir noch halb Zürich leer, erschrecken Leute in öffentlichen Verkehrsmitteln und lachen uns Krämpfe in den Bauch. Ich freu mich seit Langem, das erste mal sehen wir uns und das gleich drei Tage lang. Man sollte Zürich dieses Wochenende also grossräumig meiden ;-)

Celine ist nicht von dieser Welt
Nachdem ich erst grad das Lied Alone von Celine Dion hier darbot, hat mich ihre Stimme wieder so verzaubert, dass ich mir die CD bei iTunes runtergeladen habe, auf der Alone drauf ist. Es ist einfach unglaublich, diese Frau kann so gefühlsvoll singen, dass es mir immer wieder durch Mark und Bein geht. Und so hör ich nun den ganzen Abend Celine zu und immer wieder kräuselt’s mir alle Nervenzellen auf einmal. Celine muss von den Göttern geschickt worden sein, soviel Gefühl ist einfach nicht von dieser Welt.

Arbeit macht Spass
Immer wieder wird mir klar, was für ein Glück ich habe, in dieser Firma ackern zu dürfen. Nicht nur, dass der Job selbst extrem spannend und kreativ ist, es ist vorallem das Team das diesen Job so wertvoll macht. Ok Informatiker haben des Öfteren n’Knall, aber bei uns klingts als ob ein Feuerwerk abgeht. Ein Rudel total humorvoller Jungs, mit denen man nicht nur gut zusammenarbeiten kann sondern auch täglich kleine Lachattacken spendiert kriegt, weil man sich immer wieder gegenseitig anzündet. Und nicht zuletzt ist es wie schon öfters erwähnt für mich ein Planschbecken für meine Weiblichkeit. Da lebe ich täglich acht Sunden und fühle mich akzeptiert, so ist es kaum ein Wunder, dass ich mich zum ersten Mal im Leben wirklich auf die Arbeit freue. Ich hab schon immer gern programmiert, aber dass es an der Arbeit so angenehm sein kann wie in der Freizeit, das ist echt ein Geschenk.

Oversexed? So what?
Das mit dem Stretchkleid gestern läuft mir immer noch nach. Zugegeben, für ein 42-jähriges Weibchen könnte das ein klein wenig oversexed sein, zumindest für zur Arbeit. Aber Himmel, erklär mal einer halb Verdursteten, sie solle jetzt nicht 8 Liter Wasser trinken, das geht einfach nicht. Ich werd sicher weiterhin in der Regel etwas dezenter rumlaufen, aber manchmal tut es einfach soooo gut, halt eben doch a bissrl oversexed zu sein. Ich werde nie wie n’Model aussehen, aber das sollte mich nicht daran hindern, mich auch mal kleidungstechnisch auszutoben und meine gefühlte Weiblichkeit so exzessiv darzustellen, dass ich spüre wie ich lebe. Das gestern hat mir wirklich gut getan, auch wenn ich vielleicht die Einzige war, der es gefallen hat, ich habs genossen und ich habs mir auch verdient :-) Und weils so gut getan hat, hab ich heute auch eins meiner Lieblingskleider angezogen, zwar dezenter und länger, aber doch eins meiner feminimsten Kleider. Ich brauch unbedingt mehr so Fummel, eindeutig ;-)

Manderinen oder Indimani, weg damit
Seit meiner Kindheit liebe ich Mandarinen – Manderindli wie wir hierzulande zu sagen pflegen. Das heisst, ich sagte ihnen als Kind Indimani. Niemand weiss warum und es will’s glaub auch niemand wissen, aber mir gefällt Indimani irgendwie besser als Manderindli. Wie dem auch sei, bei der letzten Futterbestellung hab ich nun meine ersten Indimani bestellt. Sie sind noch etwas zu sauer, die wirklich Guten kommen erst noch, aber es ist für mich jedes Jahr ein HighLight, wenn diese süssen orangen Dinger wieder im Laden rumstolpern. So wie Osterhasen, oder Glühwein, oder SpareRips. So saisonales Zeugs hat was Belebendes, man kann sich immer wieder von Neuem darauf freuen.

Flügellose Hühner
Ich hab noch drei kalte Pouletflügel von meiner gestrigen Braterei und die werd ich mir jetzt mit einem Feldschlösschen Bier zu Gemüte führen und Dexter gucken….. Prost, en Guete…… und gute Nachht



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