(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Viel auf’s Mal – Diana als Gastgeberin, Logopädie, Laserbeschuss, Rauchschlacht und gaaanz viel Kleider und Schminke

Nachdem ich mich am Mittwoch über den Zwang zum Starksein beschwerte, gings dann die darauf folgenden Tage drunter und drüber, glücklicherweise aber im positiven Sinn. Ich fasse hier alles mal “kurz” zusammen, am besten holt Ihr Bier und Popcorn und macht es Euch gemütlich……..

Phoniatrie und Logopädie
Am Donnerstag stand ich wieder auf und die Stärke war einmal mehr über Nacht wieder regeneriert – spätestens bei der Orakelstunde vor dem Kleiderschrank begann es in mir wieder zu leuchten. Am Nachmittag hatte ich meinen ersten Termin bei der Logopädie am Uni-Spital. “Hä, kann das Mädel etwa nicht reden”, wird sich der eine oder andere nun fragen, doch seyed beruhigt, ich kann, mehr als meinem Umfeld lieb ist ;-)

Spass beiseite, mir wurde von anderen T-Girls Logopädie empfohlen, weil man damit die Stimme ein klein wenig erhöhen kann, vorallem aber weil man “das weibliche Sprechen” lernen kann. Jungs und Mädels reden nicht gleich, Wortwahl, Satzmelodie und vieles mehr unterscheidet sich in der Regel.

Zuerst gings zu einer sehr freundlichen und hübschen Lady in die Phoniatrie. Dort filmte sie meine Stimmbänder während ich seltsame Laute von mir gab. Nun weiss ich, weshalb ich so seltsam bin, da ist ein lebendiges Alien in meinem Hals, ein ganz grusliges, das alles verschlingt was in seine Nähe kommt. Zumindest sieht’s so aus.

Dann gings zu einer schon wieder hübschen und sehr einfühlsamen Lady in die Logopädie. Sie erklärte mir, was wir nun mit mir anstellen werden, die nächsten ca 12 Lektionen. Dann montierte sie mir einen Heiligenschein mit einem Stängeli vorne dran an dem ein Mikro angebaut war. Erneut musste ich seltsame Laute von mir geben und sie mass meinen Tonumfang und weiss der Geier was noch.

Unter dem Strich wars ein spannendes Erlebnis und ich fühlte mich enorm verstanden und angenommen. Diese Logo-Mädels sind nicht einfach technokratische Akustikerinnen sondern verfügen über viel Einfühlungsvermögen für uns T-Girls. Nächsten Dienstag habe ich meine erste Lektion.

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Frauenabend – Diana als Gastgeberin
Anschliessend hatte ich noch eine Stunde Psychotherapie bei meinem privaten Therapeuten, dann musste ich noch kurz was einkaufen, ging nachhause und schnipselte Gemüse, denn um Acht sollten zwei Freundinnen zu Besuch kommen, Anna-Maria und Gina, die zwei Ladies, mit denen ich schon vor Monaten meinen ersten Frauenabend erlebte. Das war nicht nur seit Jahren das erste Mal, dass ich überhaupt jemanden eingeladen habe, es war auch das erste Mal, dass ich für meinen Besuch kochte. Als die Mädels ankamen, war das ganze Grünzeug zerlegt, das Fleisch lag in der Thai-Paste und der Wok wartete geduldig auf dem Herd. Aber eine ganz so gute Gastgeberin war ich wohl nicht grad, das Gespräch begann dann etwa so:

  • Hey sorry, mir ist grad vorhin in den Sinn gekommen, dass ich gar keinen Wein hab.
  • Waaas, keinen Wein, na zum Glück haben wir eine Buddel Prosecco mit.
  • Öhm, ich hab übrigens auch keine Prosecco-Gläser, aber ich hätte zwei Weingläser.
  • Keine Prosecco-Gläser? Nur zwei(!) Weingläser?
  • Tja ich trink halt immer Bier, davon hätt ich aber genug, sogar mit Biergläsern.
  • Bring mal eine Vase für die Rose die wir mitgebracht haben.
  • Ich hab keine Vasen, geht eine leere Kaffee-Büxe aiuch?
  • Waaaaas, keine Vase? Na dann trinken wir den Prosecco schnellstmöglich aus und stellen sie da rein.

Aber meine Besucherinnen zeigten sich geduldig und so gings dann los mit Prosecco schlürfen und plaudern und plaudern und plaudern. So um Zehn kam uns dann in den Sinn, dass wir eigentlich was futtern wollten, also wurde schnell gekocht und dann gegessen (es war überraschenderweise geniessbar)…… und weiter geplaudert und geplaudert.

Ich fühlte mich im 7. Himmel, weil es für n’T-Girl einfach berauschend ist, stundenlang nur noch über Frauenthemen zu reden, da spürt man wieder, wie sehr man als Frau angenommen ist. Als mein Besuch dann so um Eins ging, war ich mehr als vergnügt, nur um eines sorgte ich mich. Anna-Maria hat angekündigt, sie hätte ihren Schrank ausgemistet und würde mir n’paar Sachen mitbringen. Nun standen 6 Migros-Säcke voll Kleider und Schminkzeug bei mir rum und ich hatte keine Ahnung, wo ich mit all dem Zeugs hin soll, der Kasten ist ja bereits am überquillen. Ich freute mich jedenfalls wie blöd auf den folgenden Abend, wenn ich dann in Ruhe all die Sachen anprobieren konnte.

Laser-Epilation für das hässliche kleine Entlein
Am nächsten Morgen gings dann gleich mal unrasiert und ungeschminkt nach Zürich zur Laser-Epilation, weil sich bei der Oberlippe der Bartschatten zurück gemeldet hat. Unrasiert und ungeschminkt in einen Zug zu sitzen, ist die Königsdisziplin für masochistische T-Girls, es ist die totale Entwürdigung und die lässt sich nur überstehen, indem man in totaler Gleichgültigkeit versinkt.

Auf dem Heimweg wurde es dann noch angenehmer, weil ich nun zusätzlich noch knallrote Haut hatte oberhalb der Lippe, was betont unauffällig ist und ebenfalls nur mit gleichgültiger Kaltschnäuzigkeit zu überleben ist. Dann ging ich kiurz nachhause, rasierte mich, schmiss Conceiler auf die verbrutzelten Stellen, dann Makeup drüber – vergeblich, es sah weiterhin Scheisse aus. Also ab ins Geschäft und einfach weiter gleichgültig bleiben: “heut seh ich scheisse aus, so what?”

Am Abend wühlte ich erstmals a bissrl in den Kleidertüten rum und war fassungslos, was die Gute mir da alles reingepackt hat. Kleider, Jacken, wahnsinnig viel Schminkzeug und sogar Schmuck – verrücktes Weibsbild :-) Aber ich war irgendwie zu müde und so legte ich mich vor den TV und dachte nach, vorallem über das Thema Rauchen.

Rauch-Exorzismus für Fortgeschrittene
Mein Versuch des Rauchentzugs hatte langsam die Grenzen der Sinnlosigkeit überschritten. Trotz Nikotinpflaster rauchte ich zu Beginn 2 Zigis am Tag (darauf war ich noch stolz), dann wurden es fünf und dann an die zehn. So machte das Ganze einfach keinen Sinn mehr, zehn Zigis plus Nikotinpflaster war definitiv kein Erfolg mehr. Ein lieber Freund trat mir dann am Freitag noch kräftig aber liebevoll in den Hintern und stärkte damit meinen Willen so sehr, dass ich mir vornahm, dem Rauchdämon von morgen an die Luft ganz abzudrehen und ihn ein für alle Mal aus mir zu exorzieren oder so. Ob ich das überleben würde war unklar, aber es war einfach die Zeit zu kommen, um – einmal mehr – stark zu sein……. und den einzigen Gegner, den ich nie besiegen konnte, platt zu machen.

Mit Kleidern, Schminke und Gummibärchen gegen den Rauchdämon kämpfen
Gestern morgen war’s dann soweit, ich stand auf, erfreute mich vor dem Spiegel an meinem verbrutzelten Gesicht, das ein allfälliges Shopping für heute gleich im Keim erstickte, begann Kaffee zu schlürfen, Joghurt und Aufschnitt zu futtern, Fisherman’s Friend zu lutschen, saure Gummibärchen in mich reinzustopfen, Giott und die Welt zu verfluchen……… und irgendwann war es Abend und ich war nachwievor rauchfrei. Und das wohlgemerkt in der Königsdisziplin, denn mein Rauchzwang ist weitaus am stärksten, wenn ich alleine zuhause vor dem TV liege und nichts anderes habe ich gestern getan.

Das heisst, doch, etwa zwei bis drei Stunden sortierte ich diese 6 Kleidertüten aus, probierte alles und war gänzlich überfordert beim Anblick von dutzenden von Lippenstiften, Lidschatten und tausend Dingen von denen ich nicht mal wusste was man damit macht. Ich fühlte mich, als ob es heute Glück regnen würde und rund um mich türmten sich unzählige Dinge, die ich mir nicht leisten könnte oder würde, plötzlich war all das Zeugs einfach da……. thanks honey :-)

Sonntag
Tja und jetzt ist es Sonntag Nachmittag, seit vier Stunden bin ich wach und rauche immer noch nicht, die Familienpackung Gummibärchen ist fast alle, ich verfluche weiterhin die Schaffung des Universums, aber irgend etwas ist erwacht in mir, der Wille zur Freiheit. Jedes Mal wenn wieder dieses ich-will-jetzt-eine-Zigi in mir aufkommt, erklingt eine laute Stimme in mir die ruft: “Diana!…. Nein!!!” und obwohl ich ansonsten nicht grad allzu folgsam bin, diese Stimme bremst mich jedes Mal aus. Weil diese Stimme Recht hat, weil ich es wert bin, nicht mehr vergiftet zu werden.

Trotzdem könnte ich manchmal die Wände hoch kllettern und verspüre das dringende Bedürfnis, meine Fingernägel tief ins Fleisch von jemandem zu graben. Falls jemand sowas mag, bitte bei mir melden ;-)

Wenn das Herz mitsingt

Celine Dion ist seit Langem eine meiner Lieblingssängerinnen. Nur wenige erfüllen ihren Gesang mit soviel Gefühl wie sie. Eher zufällig fand ich vorhin beim youTube-zappen einen Fernseh-Auftritt bei dem sie das Lied “Alone” mit soviel Gefühl singt, dass ihr dabei Tränen kommen. Mir würde spätestens da die Stimme versagen, aber sie zeigt was eine toughe Lady mit Schmerz macht, sie nimmt ihn auf und setzt ihn ein, in ihrem Fall schreit sie ihn hinaus. Für mich wird Musik erst dann zur Magie, wenn Musiker Gefühle übertragen können, die ich selber fühlen kann. Celine zeigt hier, was das wirklich bedeutet.

Die Textfragmente, die ich beim ersten Lesen verstehe, sprechen mir kräftig aus dem herzen. Aber der Gesamtkontext ist mir bisher nicht klar, vorallem was “How do I get you alone” bedeutet. Da würd mich etwas Aufklärung freuen.

I hear the ticking of the clock
I’m lying here the room’s pitch dark
I wonder where you are tonight
No answer on the telephone
And the night goes by so very slow
Oh I hope that it won’t end though
Alone

Till now I always got by on my own
I never really cared until I met you
And now it chills me to the bone
How do I get you alone
How do I get you alone
you don’t know how long i have wanted
to touch your lips and hold you tight
You don’t know how long I have waited
and I was going to tell you tonight
But the secret is still my own
and my love for you is still unknown
Alone

Till now I always got by on my own
I never really cared until I met you
And now it chills me to the bone
How do I get you alone
How do I get you alone
How do I get you alone
How do I get you alone
Alone, alone



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