(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Ich will nicht immer stark sein

Alle Menschen müssen manchmal stark sein, manchmal mutig und manchmal tapfer. transsexuelle Menschen müssen das ständig, egal ob sie stark, mutig und tapfer sind. Sie müssen es einfach sein, weil sie anders nicht überleben können.

Die häufigste von allen positiven Reaktionen, wenn eine transsexuelle Person ihr öffentliches Geschlecht auf den Kopf stellt, ist Respekt vor dem Mut, den dieser Schritt erfordert. Es braucht tatsächlich unglaublichen Mut, mehr als ich vorher in meinem Leben je aufbringen musste. Man könnte fast meinen, dass wir T-Girls unglaublich toughe Frauen sein müssen, weil wir so einen Weg so kompromisslos gehen. Wer sein öffentliches Geschlecht wechselt, muss auch Berge versetzen können.

Als TransFrau muss ich tatsächlich stark sein, weil dieser Weg uns enorm viel abverlangt. Ich muss ständig den Mut aufbringen, einer Welt zu begegnen, in der mich viele für verrückt halten und muss meine Angst davor überwinden, belächelt oder angepöbelt zu werden. Und ich muss tapfer genug sein, alle negativen Reaktionen immer wieder wegzustecken.

Aber es gibt Tage wie heute, da will ich nicht stark sein, da will ich einfach mal schwach sein und jemanden an meiner Seite haben, der mich stützt. Da möchte ich nicht mutig sein, sondern ängstlich in die Arme eines Beschützers flüchten. Und ich möchte auch mal feige sein und mich hinter einem starken Rücken verstecken. Ja es gibt wirklich Tage, da möchte ich so schwach sein, wie ich innerlich immer war, so scheu und schutzbedürftig wie ich mich eigentlich fühle.

Doch als T-Girl kann ich mir das einfach nicht leisten. Ich muss den Mut aufbringen, die Gedanken und Wertungen zu ertragen, die in den Blicken meiner Mitmenschen lautlos ausgesprochen werden. Und ich muss den Schmerz einstecken, immer wieder verkannt zu werden. Und ich muss stark sein, in einer Welt, in der die Schwachen aufgefressen werden.

So wird aus einem kleinen Mädel irgendwann eine Kriegerin, die mit wilder Entschlossenheit ihr Leben meistert, Widerstände aus dem Weg räumt, weder Tod noch Teufel fürchtet, keinen Schmerz verspürt….. und doch ein kleines Mädchen bleibt – in einer viel zu grossen Rüstung – mit einem viel zu schweren Schwert – vor einer Unzahl von Gegnern umgeben…….. mit zusammengekniffenen Lippen.

Irgendwie ist es schon verdammt viel Stärke, Mut und Tapferkeit, die einem kleinen Mädchen abverlangt wird, das eigentlich nie stark, mutig oder tapfer sein wollte. Da sollten wir Gott preisen dafür, dass wir Mädels wenigstens auch eine hohe Leidensfähigkeit haben….. und diese herrliche Trotzigkeit, die jede Widrigkeit des Lebens zum Anlass nimmt, weiter zu gehen.



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