(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Wenn Emanzipation und Feminismus zum Rohrkrepierer werden

Seit längerem wollte ich etwas schreiben über Emanzipation und – wie ich es nenne – Radikal-Feminismus. Aus aktuellem Anlass drängt sich mir das Thema heute auf, also scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, auch wenn sich das Thema teils mit meinem letzten Beitrag über Klischees kreuzt und ich mich teils widerholen muss.

Emanzipation war dringend nötig und der Feminismus verhalf diesem bitter nötigen Menschenrecht zur Geburt. Es liegt in der Natur der Sache, dass man, wenn man etwas Festgefahrenes aufbrechen will, radikale Forderungen stellen muss, um wenigstens kleine Fortschritte zu machen. Aber man kann damit auch über’s Ziel rausschiessen.

Ich selber habe mal schockiert von einer gleichaltrigen Freundin hören müssen, dass ihr Vater heute noch den Stimmzettel seiner Frau ausfüllt, weil “Frauen eh nix von Politik verstehen”. Es gab Zeiten, da waren Frauen schon fast Unmündige vor dem Gesetz, kein Wahlrecht, keine Politikerinnen, keine Karriere, tiefere Löhne und vieles mehr. Die Notwendigkeit von Veränderungen zugunsten der Frau dürften heute kaum von jemandem bestritten werden. Aber wie weit soll sich diese Emanzipation ausweiten und was soll vom Feminismus bekämpft oder erkämpft werden?

Heute noch gibt es Lohnunterschiede und heute noch sind Frauen in Geschäftsleitungen und in der Politik in der Minderheit. Aber es wurde schon viel erreicht, es gibt Geschäftsleiterinnen, hierzulande haben wir Bundesrätinnen und in Germanien herrscht Angela Merkel. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel. Aber in meinen Augen hat der Feminismus oder wie ich es zu nennen pflege, der Radikal-Feminismus, Grenzen gesprengt die nicht gesprengt werden sollten.

Männlein und Weiblein sind nunmal nicht gleich, es gibt nicht nur Rollenmuster, die indoktriniert wurden sondern auch Rollenmuster, die tatsächlich Aspekte der Geschlechter sind. Wäre dem nicht so, gäbe es keine Transsexuellen, sie sind der lebende Beweiss, dass alle Indoktrination und aller Rollenzwang nichts daran ändert, dass Mädels tendenziell eher so fühlen und reagieren und Jungs auf ihre Weise. Vieles wird gesellschaftlich zur Norm und zum Zwang erhoben, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es tatsächlich Geschlechterunterschiede gibt. Diese sind nicht in Stein gemeiselt, auch Männer können weinen und auch Frauen können fluchen, aber sie tun’s tendenziell weniger oder mehr, je nach Geschlecht. Das gilt es zu respektieren.

Kürzlich las ich in einem anderen Blog eine Geschichte: An einer Bar sitzen ein Mann und eine Frau. Er will sie einladen, sie besteht darauf, sie könne selber bezahlen. Nach langem hin und her sagt plötzlich der Barkeeper zur Frau: “Ach jetzt lass ihn doch endlich zahlen, mit Eurer Gleichberechtigung zerstört ihr noch das letzte bisschen Romantik”.

Wie Recht er doch hat. Warum sollte ich als Frau ein Problem haben, wenn mir jemand charmant den Hof macht oder mich zu einem Drink einlädt? Wenn mir jemand die Tür aufhält, sich an den Ladies-first-Kodex hält? Wenn mir ein Mann die schwere Tasche trägt? …… Wenn mir jemand die Autotür aufhält, nehme ich nicht an, dass er mich für zu blöd hält um sie selber zu öffnen, es ist Ausdruck seiner Wertschätzung. Und wenn er mir Rosen schenkt, ist auch das eine Form der Anerkennung, die mir nicht im Geringsten schadet und nichts, einfach gar nichts mit Emanzipation zu tun hat resp dagegen spricht.

Ich selbst erlebte noch Zeiten, in denen Frauen gelegentlich auch mal Komplimente bekamen. Heute traut sich kein Mann mehr, einer Teamkollegin zu sagen: “hey Du siehst ja super aus in diesem Kleid” oder “wow das sind ja Hammer-Schuhe”. Sie befürchten, mit der Emanzipationskeule erschlagen zu werden oder gleich einen Prozess wegen sexueller Belästigung zu erhalten. Ich persönlich bedaure das ganz ehrlich.

Emanzipation darf nicht in Gleichmacherei ausarten, aber in den Köpfen gewisser Leute passiert genau das. Wenn ich als Frau keinen kurzen Rock tragen darf, nur weil wir Frauen früher Röcke tragen mussten, dann hat die Gleichberechtigung nichts geschenkt sondern gestohlen, dann wird Emanzipation zum Rohrkrepierer.

Ich will nicht gleich sein wie ein Mann, ich will nur gleiche Rechte, das ist ein ganz grosser Unterschied.

Ein Morgen mit Diana

Wenn man bedenkt, dass ich um 8 Uhr zur Arbeit sollte und dazu den Wecker auf 6:30 stelle, wirft das vorallem für Jungs doch irgendwie Fragen auf. Nun denn, das Rätsel soll gelüftet werden, gucken wir mal was Diana so am frühen Morgen treibt……..

Irgendann wird es geschehen,
das Wunder – hier auf dieser Erde.
Und eine Stimme wird sagen:
Es werde…… ein neuer Tag!
(Illuminate – Ein neuer Tag)

6:30 Der CD-Wecker beginnt in dezenter Lautstärke loszuträllern, momentan grad “the Veronicas”, als erstes Lied, wie könnte es anders sein, “Untouched”….. das Mädel schläft meist ohne etwas davon zu bermerken

6:35 Das Handy piepst los, ein zerknittertes Gesicht öffnet schmale Schlitzaugen, eine Hand tastet sich Richtung Handy, Knopfdruck, Ruhe, weiterdösen

6:40 Das olle Handy piepst wieder, das tut’s nun alle 5 Minuten. Diana, zerknittert wie eine Eule die in n’Ventilator geflogen ist, torkelt in die Küche, stellt den Wasserkocher ein, geht zurück ins Bett und schläft wieder ein

6:45 Das dritte Handyklingeln aktiviert den Koffein-Junkie-Modus, Diana hieft sich erneut vom Bett, stolpert in die Küche, 3 Löffel Kaffee, zwei Zuckerwürfel, Wasser, zurück ins Schlafzimmer, Kaffee aufs Nachttischli, den feinen Duft einatmen, hinlegen, weiterschlafen

6:50 Das Handy hat gewonnen, Diana scheitert beim Versuch die Augen ganz zu öffnen, grabscht nach dem Kaffee, nimmt ein paar Schlücke und zündet sich ne Zigi an (jaaaaahhhh, im Bett, ich weiss, das ist voll daneben, aber ich geniesse es doch so und solang ich alleine schlafe, darf ich das auch, jawoll)

6:50-7:00 Diana führt abwechslungsweise Zigi und Kaffeetasse an den Mund und grübelt, was sie heute denn nettes anziehen möchte

7:00 Diana gibt ein paar verzweifelte Grunz- und Pfeifflaute von sich und begibt sich dann im Faultiertempo ins Badezimmer, guckt in den Spiegel und zweifelt arg daran, dass sie heute aus dieser Waldkäuzin noch ne Lady hinkriegt, also gehts erst mal ab aufs Klo, die Gedanken kreisen weiter um die heute zu tragenden Kleider

7:05 kommt der entwürdigendste Moment im Alltag eines T-Girls, Gesichtsrasur *grmpf*, die Kleine ist sichtlich demotiviert

7:10 putzt sie die Zähne, mit einem elektrischen Zahnvibratordingsbums ist der Kopf frei für wichtige philosophische Gedanken, beispielsweise was man heute anziehen sollte

7:10 langsam wach, klettert Madame ins Bad, putzt sich wie ein Spatz in ner Pfütze, darauf steht sie minutenlang auf einem Bein wie ein Flamingo und kämpft mit der Rasierklinge gegen die haarigen Widrigkeiten die einem die Natur unsinnigerweise beschert hat

7:20 nun hellwach und mit geschärften Sinnen geht Diana zum Kleiderschrank, einer der entscheidensten Momente im Alltag einer Frau, da entscheidet sich, ob sie den Rest des Tages scheisse ausschaut oder nicht. Das will also gut überlegt sein und Diana überlegt seeeehr gut. Hier kommt es des Öfteren zu massiven Verzögerungen und an Spitzentagen zieht die Gute ein dutzend Kleidungsstücke an, nur um festzustellen, dass das nun wirklich nicht zusammenpasst. Irgendwie wirkt sie etwas verloren mit all diesen Farben, trotz all der Ackerei ist sie dabei aber quietschvergnügt wie eine Taube beim futtern. Nach 40 Jahren kleidungstechnischer Monotonie und Lethargie ist sie in dem Moment seelisch im 7. Himmel, der Blick in den Spiegel hat meist etwas erstaunlich Andächtiges

7:30 geht sie vor den Spiegel und beginnt mit der Malerei. Conceiler unter die Augen (Anti-Waldkäuzin-RepairKit), Makeup aufs ganze Gesicht verteilt, Mascara auf die Wimpern (dabei schmiert sie unten so saumässig im Zeug rum, dass sie sich dafür den Kajal sparen kann), ein letzter kritischer Blick, ok ein eher verzweifelter Blick, dann geht sie wieder ins Schlafzimmer, mit etwas Glück hat sie sich nun für die Kleidung entschieden

7:45 schlüpft Diana genüsslich in die nun hoffentlich endlich auserkorenen Kleider, geht ins Badezimmer, öffnet die zusammengebundenen Haare und ordnet das ganze Durcheinander, sucht den passenden Schmuck, Lippenstift auf die Lippen, noch ein kritischer Blick….. Zeit zu gehen

7:50 zieht sie die Schuhe an (auch hier kann es zu Verzögerungen kommen), ein letzter Blick in den Spiegel, Handtasche packen und tschüss

7:55 stöckelt Diana quietschvergnügt durchs Quartier in Richtung Office, beschwingt von diesem schönen Tagesanfang, beglückt ob der Zeit die sie mit sich verbrachte und voller Vorfreude auf den vor ihr liegenden Tag, an dem sie wieder als Ich an der Welt teilnehmen kann. Es gibt Gerüchte, wonach sie an gewissen Tagen ein wenig über dem Boden schwebt, aber ich halte das eher für einen Mythos. Obwohl, manchmal fühlt es sich schon ein wenig so an.

8:00 (oder je nach Verzögerung in den vorigen Etappen eine Viertelstunde später) gallopiert sie durchs Geschäft, begrüsst all ihre Jungs vergnügt und erfreut sich an jedem einzelnen “Hoi Diana” das ihr entgegenschallt.

Und öfters kommt es zu Verzögerungen, weil sich Diana in irgend einer dieser Phasen in Gedanken verliert und immer mal wieder staunt, wie sehr sich doch der Morgen verändert hat. Aus dem einstigen “Scheisse, schon wieder ein neuer Tag?” ist ein “Wow, schon wieder ein neuer Tag” geworden. Aus einem Leben, das mehr erduldet als gelebt wurde, ist ein Leben geworden, das alleine schon um des Lebens willen geliebt wird.

Und öfters wird ihr bei so Gedankengängen wieder klar, wie glücklich sie doch ist und wie schön es doch ist, wenn man sich selbst mag so wie man ist und jeder Tag vorallem eine weitere Entfaltungsmöglichkeit ist, eine Chance mehr, das Innere in die Welt hinauszutragen, die Flügel auszustrecken, die Farben schillern zu lassen und in die grosse weite Welt hinauszufliegen.

Obskures aus der Blogstatistik

Meine Nerven, was da alles in Suchmaschinen eingegeben wird, hält keine Sau aus. Aber immerhin löst das in mir jeweils genauso tiefgründige Fragen aus, wie bei den teils obskuren Leuten, die bei Google so Quatsch eingeben.

  1. erziehung tgirl: ich befürchte, das kannst Du Dir abschminken, wir T-Girls sind sowas von renitent, da ist jeder Erziehungsversuch vergeblich
  2. wie bekomme ich meinen mann in frauenkleider: ach Honey, wenn wir uns doch nur vor 20 Jahren kennen gelernt hätten ;-)
  3. kebab und maden: also ich mag Kebab am liebsten ohne Tomate mit viel scharf, aber Du musst selber wissen, was Du isst
  4. klobürste tupper: und warum denkst Du, ich könne Dir da weiter helfen?
  5. transfrau 40 jahre: Passt, wann und wo treffen wir uns?
  6. transsexuelle sucht schweiz: hallo Transsexuelle, Du findest Die Schweiz eingeklemmt zwischen Frankreich und Österreich resp zwischen Deutschland und Italien, auch wenn’s ein kleines Land ist, das kannste nicht verfehlen
  7. tierisches: wow und mit dem Stichwort bin ich bei Google auf Platz 9, hey ich mag vielleicht ein etwas eigen-artiges Wesen sein, aber tierisch?
  8. wo steckt ihr euren schwanz hin wen ihr frauenkleider tragt: na was meinst Du wozu wir so grosse Handtaschen mit uns rumschleppen? Aber sag mal, hast Du keine anderen Interessen als Dir so tiefgründig philosophische Fragen zu stellen? Da tun sich ja Abgründe auf, Mann oh Mann
  9. transsexuelle hormone movies: willst Du zusehen wie n’T-Girl Medis schluckt? Soll ich das mal auf Video aufnehmen? Ihr Jungs habt echt seltsame Vorlieben.
  10. wie ist transsexuelle liebe: ich glaub Du hast da was kräftig missverstanden. Es gibt Menschen, die Transsexuelle lieben und es gibt Transsexuelle, die wen auch immer lieben. Aber es gibt keine transsexuelle Liebe, Liebe ist geschlechtslos, die kann echt nicht transsexuell sein
  11. girls in kniesocken: ne also das geht jetzt überhaupt nicht, Ladies tragen Strümpfe oder sind nackt, aber Kniesocken? *schauder*
  12. man sah ihre strümpfe unter dem rock: *urks* warst Du der Kerl hinter mir auf der Rolltreppe? Könnten wir das für uns behalten?
  13. was machen wenn das t-shirt zu gross ist: wasch es einfach 90 Grad, dann passts, entweder Dir oder Deinem Goldhamster
  14. post op transvestiten: Transvestiten sind weder preOp noch postOp, die oppeln gar nicht. Oppeln tun nur Transsexuelle wie ich. Ok es gibt noch Banker, die ospeln, aber das ist grad nochmal ein anderes Thema
  15. ich suche trans frau: Gratulation, der Wanderpokal für TransFrau-Fündige geht nun an Dich, schickst Du mir einen Strauss Rosen?
  16. bild transfrau: oben rechts auf “Fotos” drücken. Bist Du der, von dem ich demnächst Rosen krieg? Der mit dem Pokal?
  17. auster zwei männliche: das ist nicht Dein Ernst, oder? Du suchst zwei männliche Austern? Nein, ich will nicht wissen, wozu Du die brauchst, das würd ich glaub nicht verkraften
  18. ich suche eine transe zum lieben: wenn Du jetzt nicht “Transe” geschrieben hättest, hätten wir uns kennen lernen können, selber Schuld Du Tröte
  19. i feel myself: Die Stones würden jetzt singen: keep your hands from yourself
  20. tgirl hochzeit: ist das ein offizieller Antrag? Ok aber nur in weiss, da bin ich sehr konservativ. Bist Du der mit Pokal und Rosen?
  21. transsexualität jesus: ne ich glaub nicht, dass Jesus transsexuell war. Er war jüdischer Rabbi, nur Männer dürfen Rabbi werden. Aber frag sicherheitshalber den Papa-Ratzi, der ist allwissend und unfehlbar – ok er ist auch homophob und transophob und hat eine menschenverachtende Haltung, aber vielleicht weiss er ja trotzdem mehr über die jesuanische Geschlechtsidentität
  22. wie lieben transsexuelle: mit dem Herzen? Hey Mann, wir sind keine Ausserirdischen und keine Bakterien, wir sind ganz normale Frauen die nunmal leider das falsche Chassis bekommen haben. Und wenn demnächst einer fragt, wie wir T-Girls atmen, krieg ich die Krise
  23. leidensdruck transsexuell zu sein: soviel Zeit hast Du nicht, um Dir all das anzuhören, aber lies Dich hier einfach mal durchs Blog, das gibt mal einen kleinen Einblick
  24. klosterfrau diana: grööööööhhhhlllll……. ich befürchte, da muss eine Verwechslung vorliegen, wie in aller Welt kommt Google dazu, mich bei dieser Suchanfrage zu empfehlen? Ok ich bin Jungfrau aber ob das wirklich fürs Kloster reicht?
  25. transsexuelle sucht partner: aber Du bist hier richtig, es sei denn Du suchst eine transsexuelle Klosterfrau, dann müsstest auch Du Dich an den Papa-Ratzi wenden
  26. brüste transvestit diana: also erstens bin ich kein Transvestit und zweitens gehen Dich meine Brüste gar nix an – also echt, Sachen gibts *empörtguckt*
  27. ich werde dich für immer lieben: Du würdest mir das auch besser ins Ohr flüstern als bei Google einzugeben *seufz*

Orientierungslos herumspazierende Gedanken über Uni-Termine, rauchende IdiotInnen, Trivialfaschismus, Dexter, wahrwerdende Träume, betrügerische Mathematik und bettdeckenkompatible Haustiere

Wenn ich blogge, ist der Grund meines Schreibens meist ein Gedanke oder ein Gefühl, das mich beschäftigt. Heute gibt es keinen bestimmten Gedanken, nur derer Viele die irgendwie verirrt durch die Gänge meines Geistes rennen. Alles geht irgendwo hin und doch kommt keiner ans Ziel. Ich leg sie mal der Reihe nach hier hin, damit sie etwas zur Ruhe kommen.

Heute war wieder Uni-Termin angesagt und geplanterweise hätte das mit dem Oberarzt sein sollen um zu besprechen, ob ich nun universitär anerkannt bin und wie es weiter gehen soll. Aber irgendwie gabs eine Terminverwirrung und ich hatte das Gespräch ohne ihn, ergo weiss ich nicht was weiter läuft. Aber dafür hab ich nächsten Dienstag wieder einen Termin, dann zu dritt. Ich hab ein gutes Gefühl, man nimmt mich da ernst, das sollte eigentlich gut gehen. Für mich ist es irgendwie belastend bis es richtig losgeht. Solange die Therapie nicht offiziell beginnt, fühle ich mich “in Abklärung” und nicht “in Behandlung” und ich brauche nunmal Zweiteres, Ersteres ist für mich kalter Kaffee.

Rauchen ist von Idioten für Idioten. Ich rauche seit der Pupertät wie ein Kamin und bin nach diesem Dreck süchtig wie ein Junkie. Mehrmals versucht, stets gescheitert. Ich verfluchte den Tag an dem ich mit diesem Scheiss angefangen habe und dem Erfinder des Tabakrauchs wünsche ich, dass er drei Ewigkeiten in der Hölle schmort. Ok ich neige zu Suchtverhalten, wenn ich etwas mag, dann krieg ich nicht genug davon, egal ob es Schokolade, Zärtlichkeit, Sex, Schuhe oder eben Zigaretten sind. Aber abgesehen von Zärtlichkeit kommt nichts auch nur annähernd an das Suchtpotential des Rauchens heran. Ich weiss nicht was es ist, der Nikotin selbst ist schnell entzogen, aber die Gewohnheit, die Möglichkeit, jederzeit unabhängig ein kleines Glückshormon-Flash zuzuführen, wird mit der Zeit ein Zwang, der einem in Ketten legt. Ich glaube, es wäre einfacher, fortan keusch zu leben, als ohne dieses Zeugs zu sein. Und doch muss und will ich mich dieser Ketten entledigen, das dürfte der härteste Kampf meines Lebens werden. Und irgendwie hab ich echt Angst davor, wenn ich mir vorstelle, am Abend alleine auf dem Sofa zu sitzen, niemanden küssen zu können und dann nicht mal dieses Trost-Flash zu haben, das die Leere mit etwas Sinnlosigkeit auffüllt. Es mag verrückt klingen, aber in dieser Vorstellung fühle ich mich grad noch etwas einsamer. Tja, einmal mehr, ein hoher Preis für ein hohes Ziel. Meinen Gender-Change habe ich auch trotz des hohen Preises und all der Mühe geschafft, wie lächerlich wirkt da doch dieses kleine rauchende Tabak-Röllchen. Klein, unscheinbar, wie die schwarze Witwe.

Einer der schönsten Sprüche, dessen Author ich nicht mal kenne, lautet: “Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt – und sie Dir vorsingt, wenn Du sie vergessen hast”. Ob ich ihn Freund nennen darf, weiss ich nicht, aber er hat die Melodie gesungen und die Melodie klang vertraut – fern, aber vertraut.

Die Verfassung, unser höchstes Gesetz, verlangt für alle Rechtsgleichheit und Religionsfreiheit. Wir Schweizer, dieser Verfassung verpflichtet, stimmen allen Ernstes demnächst darüber ab, ob einer einzigen Religion der Bau eines Turmes verboten werden soll – und kippen damit nicht nur unsere eigene Verfassung sondern auch gleich noch ein paar internationale Menschenrechte auf den Müll. Eine baurechtliche Frage wird von politischen Brandstiftern benützt, um gegen eine Religion zu hetzen. Jeder Dritte hier auf der Strasse soll angeblich für diese Minarett-Verbotsinitiative sein. Jeder Dritte scheisst auf Rechtsgleichheit, Religionsgleichheit und bevorzugt es, eine ganze Religion bis aufs Blut zu provozieren. Es wäre nicht das erste Mal, dass rechts-populistische Kreise ein ganzes Land aufhetzen und fanatisieren, bis sie eines Tages aufwachen und erstaunt sagen: “Wir haben das nicht gewusst”.

Ich guck grad meine Lieblings-Serie Dexter, von diesem sympathischen Profiler der Mörder jagt und selber ein Serienkiller ist, der “böse Menschen” um die Ecke bringt. Verrückte Geschichte mit genug Humor und Spannung. Irgendwie sind mir Menschen sympathisch, denen man von aussen nicht ansieht, was sie innerlich sind. Ich war vier Jahrzehnte so ein Trugbild und niemand ahnte, dass er eigentlich den Schatten eines Wesens betrachtet. Dexter lebt zurückgezogen, empfindet beneidenswerterweise nicht das Geringste, Gefühle sind ihm fremd. Nun hat er eine Frau kennengelernt, wollte sie irgendwann von sich stossen weil sie ihm nicht glauben wollte, dass er “böse” ist. Darauf nimmt er sie mit ins Leichenschauhaus und zeigt ihr Leichen (die er selber umgebracht hat), will ihr damit zeigen, dass es “das Böse” wirklich gibt (ohne zu sagen, dass er der Mörder ist), doch sie ist von diesem Anblick fasziniert und bleibt dabei, dass jeder Mensch gut und böse ist. Darauf hört man seine Gedanken sagen: “Ich hatte mich von dem Gedanken verabschiedet, dass mich jemand als der erkennt, der ich bin. Aber diese Frau kann das. Sie weiss es zwar nicht, aber sie sieht hinter die Maske – und sie wendet sich nicht ab.“. Das muss ein wunderschönes Gefühl sein.

In derselben Dexter-Folge sagt ein FBI-ler nach einem missratenen Date: “Jeder hat irgendwann eine richtig gute Beziehung, ich hatte meine schon“. “Ich auch”, denke ich – und spüre eine Angst in mir, dass dieser Kerl wirklich Recht hat und was noch unangenehmer ist, ich spüre, dass ich derselben Ansicht bin.

Können Träume wahr werden? Und hätten wir den Mut, sie zu leben? Nichts ist unmöglich, denen die das Unmögliche wagen. Doch wer wagte noch zu träumen, geschweige denn zu wagen? Und was vermag Träume zum Leben zu erwecken?

Mathematisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass zweimal hintereinander dieselben Lottozahlen kommen, eins zu zig Millionen. Real gesehen ist die Chance genauso hoch wie dass irgend eine der anderen Zahlenkombinationen kommt. Wen wollen Mathematiker hier bescheissen? Könnte aus der AXPO-Küche kommen. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Super-GAUs sei so hoch, dass nur alle 10’000 Jahre mal ein AKW hochgeht. Innert 50 Jahren hatten wir Harrisburg und Tschernobyl, die haben sich unartigerweise nicht an die Wahrscheinlichkeit gehalten. Mathematik lügt also. Auch negative Werte gibt es in der Mathematik, im realen Leben kann man etwas haben oder nicht haben, negativ haben ist eine Erfindung der Schuldenwirtschaft, es bleibt eine Illusion. Wenn Du drei Äpfel hast und vier davon verschenkst, musst Du Dir einen kaufen damit Du keinen Apfel hast. Mach mir das mal bitte einer vor.

Ich sollte mir wieder eine Katze zulegen, meine letzte kam sogar unter die Decke und half schnurrender- und vibrierenderweise beim Wärmen der Decke. Oder Schildkröten. Die sind zwar blöd für ins Bett, aber ich könnte denen stundenlang zusehen wie sie ein Salatblatt essen. Sie brauchen auch Stunden für ein Salatblatt. Es gibt kaum was Beruhigerndes als salatfressende Schildkröten. Eichhörnchen sind so nervös, dass man beim Zugucken schon fast hysterisch wird, aber sie sind das Süsseste seit der Erfindung von Ohren. Und das Schönste seit der Erfindung der Schwänze. Ich mein, so Pelzige, die die hinten drang hängen, stehen oder wedeln. Füchse haben auch schöne Schwänze und ein süsses Gesicht, nicht so süss wie Waschbären, aber doch süss genug um verzückt zu sein. Pumas sind auch mega schön, aber zum Knuddeln glaub noch weniger geeignet als Igel, die ebenfalls süss sind, vorallem wenn sie rennen. Nur überfahrene Igel sehn Scheisse aus, hab mal live miterlebt wie einer unter einem fahrenden Lastwagen explodiert ist, der war dann nicht mehr süss sondern eher weit rum verteilt und sehr flach. Flacher als ein Rochen, der ja auch süss ist. So einen hab ich mal gestreichelt, ui sind die sanft zum anfassen, aber für unter die Decke sind sie zu nass. Fische sind auch beruhigend, aber wenn man sie aus dem Wasser nimmt und unter die Decke nimmt, zappeln sie ganz hektisch rum, ist auch nix. Eine Giraffe wäre auch beruhigend und und süss und gäb warm im Bett, aber ich müsste der drei Knoten in den Hals machen bis sie im Bett Platz hat. Eulen wären noch viel beruhigender, wären aber eher irritiert, wenn man sie unter die Decke packt und Federvieh ist eh nicht so kuschlig. Plüschtiere wären kuschlig, sind ruhig, fressen nix und scheissen nirgendwo hin…… ich glaub ich habs :-)

Hmmm, wenn ich sehe, was ich da grad geschrieben habe, drängt sich mir der Verdacht auf, dass ich wohl grad alleine sein muss. Sonst käme ich sicher auf andere Gedanken. Ich glaub ich guck jetzt lieber wieder Dexter weiter, sonst hab ich bald n’ganzen Zoo im Kopf und das Stroh ist schneller weggefressen als ich Piep sagen kann und dann ist der Kopf hohl und nur noch ein Rudel wilder Tiere streifen durch die leeren Hallen auf der Suche nach Nahrung. Genau, Dexter gucken, das hilft ;-)

Transsexualität – Geschlechtstransformation und Lebensfreude

Als ich vor bald einem Jahr mein Leben radikal änderte und als die Frau zu leben begann, die vier Jahrzehnte in mir dahin vegetierte, wusste ich zwar dass eine Geschlechtstransformation oder Geschlechtsangleichung der einzige Weg ist, aber ich wusste weder ob mich dieser Weg glücklich macht noch ob ich stark genug bin dafür. Heute kann ich definitiv sagen, dass ich mein Glück so gefunden habe – der Erfolg gibt mir Recht.

Und das ist alles andere als selbstverständlich. Es geht gehörig an die Substanz, von seinen Mitmenschen angegafft und belächelt zu werden. Man muss grosse Ängste überwinden, wenn man die gesundheitlichen Risiken einer Hormonbehandlung oder noch mehr einer geschlechtsangleichenden Operation (GaOp) auf sich nimmt. Es braucht ungeheure Courage, seine Andersartigkeit allen Freunden und Verwandten mitzuteilen. All das und viel mehr brauchen enorme Energie und eine enorme Renitenz dem Leben gegenüber, um diesen Weg zu gehen und die Spannung auszuhalten, die Transsexuelle in der Gesellschaft auslösen. Und es ist unsäglich traurig, damit klar zu kommen, dass man seine Beziehungschancen nah an den Null-Punkt bringt und vielleicht lange, vielleicht sogar für immer alleine sein wird.

Doch wenn ich zurück schaue und mein neues Leben vergleiche mit dem, was ich früher als “Spiel des Lebens” bezeichnete, dann ist es geradezu erschütternd festzustellen, dass die Lebensqualität und Lebensfreude Ausmasse angenommen haben, die für mich vorher schlicht unvorstellbar waren.

Das Leben war für mich nie etwas das ich wollte, es war etwas das ich durchstehen musste. Unzählige Male stand ich an einem Punkt an dem ich mich frage, wozu ich diese Scheisse noch weiter ertragen sollte. Mir fiel nie ein Grund ein. Das einzige was mich hielt, war meine mir angeborene Renitenz, der Wille, nie aufzugeben und die Einstellung, dass ich nicht bereit bin von hier zu gehen, bevor ich nicht endlich auch glücklich sein kann. Alles Erduldete und alles Erlittene wäre sinnlos gewesen, wenn ich aufgegeben hätte, also kämpfte ich weiter und wartete auf ein Wunder, an das ich selber nie glaubte. Es ging mir wie im Lied “Halt mich” von Lacrimosa, in dem gesungen wird: “Solange sich die Zeit noch dreht, die Zeiger sich noch drehen, solange dreh auch ich noch meine Runden. Doch des Lebens süsse Lust hat mich verlassen.”. Nein sie hat mich nie verlassen, sie existierte gar nie.

Heute wache ich morgens auf und spüre eine erquickende Lebensfreude. Es macht Spass aufzustehen, mich für den Tag bereit zu machen, zur Arbeit zu gehen, mit meinen Mitmenschen zu reden, an ihrem Leben teil zu haben und sie an meinem Leben teilhaben zu lassen.

Früher musste ich das Glück ausserhalb von mir suchen, musste mir etwas kaufen, mich lieben lassen, Sex haben, Tiere beobachten oder sonst etwas tun, was meinen Körper mit Glückshormonen flutete. Von alleine kam da nichts, da war nur eine gähnende Sinnlosigkeit.

Heute ist allein die Tatsache meiner Existenz und das Leben meiner wahren Identität Ursprung grenzenloser Lebensfreude. Mit meinem Namen angesprochen zu werden ist ein Geschenk, das mit täglich hundert Mal gemacht wird. Mich im Spiegel als Frau zu sehen ist trotz begrenzter Begeisterung ob meines Aussehens jedes Mal ein Freudentaumel. Zum ersten Mal im Leben kann ich sagen: Ich bin!

Ich schaue zurück und erschrecke, wie wenig mir mein Leben doch bedeutete. Ob ich mich zu Tode rauche oder mich sonstigen Risiken aussetze, war für mich völlig unbedeutend. Als ich beispielsweise mal wegen einer schweren Bronchitis die Lunge röntgen musste, ertappte ich mich bei der Hoffnung, dass man mehr als das findet und der Arzt endlich das Todesurteil ausspricht und eine Erlösung in Aussicht stellt. Heute mache ich mir Sorgen wegen der Trombosegefahr, will das Rauchen aufhören, sorge mich dass ich Brustkrebs bekommen könnte oder sonst etwas Schlimmes passiert. Angst kann so etwas Schönes sein, wenn sie Ausdruck von Liebe ist, Liebe sich selbst gegenüber.

Ein mir bisher unbekannter Lebenswille durchströmt mich und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass ich noch lange Zeit weiter leben darf, leben als das was ich jetzt endlich sein kann und darf, leben als die Frau die meine Seele ausmacht. Und egal wieviele Steine noch auf meinem Weg liegen, egal wieviel Trauer und Verzweiflung ich noch erleben werde, ich freue mich auf jeden zukünftigen Tag, was auch immer er bringen mag.

Ja, der Erfolg gibt mir Recht, es hat sich gelohnt…… und auch wenn meine Transformation für die meisten meiner Mitmenschen unverständlich ist und manche mich für noch so verrückt halten mögen, heute weiss ich, dass ich den richtigen Weg gegangen bin. Und ich bin überzeugt, dass ich ein Recht dazu habe, die Welt mit meiner Andersartigkeit zu irritieren, weil Transsexuelle genauso wie alle anderen ein Recht haben auf ein glückliches Leben und ein Recht darauf haben, ihr Innerstes zu entfalten.

Für die Meisten dürfte dieses Glücklichsein eine Selbstverständlichkeit sein, für mich ist es ein grosses Wunder, das Wunder eines Schmetterlings, der den Cocoon endlich verlassen kann, seine Flügel ausbreitet und in die Luft steigt.



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