(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Orientierungslos herumspazierende Gedanken über Uni-Termine, rauchende IdiotInnen, Trivialfaschismus, Dexter, wahrwerdende Träume, betrügerische Mathematik und bettdeckenkompatible Haustiere

Wenn ich blogge, ist der Grund meines Schreibens meist ein Gedanke oder ein Gefühl, das mich beschäftigt. Heute gibt es keinen bestimmten Gedanken, nur derer Viele die irgendwie verirrt durch die Gänge meines Geistes rennen. Alles geht irgendwo hin und doch kommt keiner ans Ziel. Ich leg sie mal der Reihe nach hier hin, damit sie etwas zur Ruhe kommen.

Heute war wieder Uni-Termin angesagt und geplanterweise hätte das mit dem Oberarzt sein sollen um zu besprechen, ob ich nun universitär anerkannt bin und wie es weiter gehen soll. Aber irgendwie gabs eine Terminverwirrung und ich hatte das Gespräch ohne ihn, ergo weiss ich nicht was weiter läuft. Aber dafür hab ich nächsten Dienstag wieder einen Termin, dann zu dritt. Ich hab ein gutes Gefühl, man nimmt mich da ernst, das sollte eigentlich gut gehen. Für mich ist es irgendwie belastend bis es richtig losgeht. Solange die Therapie nicht offiziell beginnt, fühle ich mich “in Abklärung” und nicht “in Behandlung” und ich brauche nunmal Zweiteres, Ersteres ist für mich kalter Kaffee.

Rauchen ist von Idioten für Idioten. Ich rauche seit der Pupertät wie ein Kamin und bin nach diesem Dreck süchtig wie ein Junkie. Mehrmals versucht, stets gescheitert. Ich verfluchte den Tag an dem ich mit diesem Scheiss angefangen habe und dem Erfinder des Tabakrauchs wünsche ich, dass er drei Ewigkeiten in der Hölle schmort. Ok ich neige zu Suchtverhalten, wenn ich etwas mag, dann krieg ich nicht genug davon, egal ob es Schokolade, Zärtlichkeit, Sex, Schuhe oder eben Zigaretten sind. Aber abgesehen von Zärtlichkeit kommt nichts auch nur annähernd an das Suchtpotential des Rauchens heran. Ich weiss nicht was es ist, der Nikotin selbst ist schnell entzogen, aber die Gewohnheit, die Möglichkeit, jederzeit unabhängig ein kleines Glückshormon-Flash zuzuführen, wird mit der Zeit ein Zwang, der einem in Ketten legt. Ich glaube, es wäre einfacher, fortan keusch zu leben, als ohne dieses Zeugs zu sein. Und doch muss und will ich mich dieser Ketten entledigen, das dürfte der härteste Kampf meines Lebens werden. Und irgendwie hab ich echt Angst davor, wenn ich mir vorstelle, am Abend alleine auf dem Sofa zu sitzen, niemanden küssen zu können und dann nicht mal dieses Trost-Flash zu haben, das die Leere mit etwas Sinnlosigkeit auffüllt. Es mag verrückt klingen, aber in dieser Vorstellung fühle ich mich grad noch etwas einsamer. Tja, einmal mehr, ein hoher Preis für ein hohes Ziel. Meinen Gender-Change habe ich auch trotz des hohen Preises und all der Mühe geschafft, wie lächerlich wirkt da doch dieses kleine rauchende Tabak-Röllchen. Klein, unscheinbar, wie die schwarze Witwe.

Einer der schönsten Sprüche, dessen Author ich nicht mal kenne, lautet: “Ein Freund ist jemand, der die Melodie Deines Herzens kennt – und sie Dir vorsingt, wenn Du sie vergessen hast”. Ob ich ihn Freund nennen darf, weiss ich nicht, aber er hat die Melodie gesungen und die Melodie klang vertraut – fern, aber vertraut.

Die Verfassung, unser höchstes Gesetz, verlangt für alle Rechtsgleichheit und Religionsfreiheit. Wir Schweizer, dieser Verfassung verpflichtet, stimmen allen Ernstes demnächst darüber ab, ob einer einzigen Religion der Bau eines Turmes verboten werden soll – und kippen damit nicht nur unsere eigene Verfassung sondern auch gleich noch ein paar internationale Menschenrechte auf den Müll. Eine baurechtliche Frage wird von politischen Brandstiftern benützt, um gegen eine Religion zu hetzen. Jeder Dritte hier auf der Strasse soll angeblich für diese Minarett-Verbotsinitiative sein. Jeder Dritte scheisst auf Rechtsgleichheit, Religionsgleichheit und bevorzugt es, eine ganze Religion bis aufs Blut zu provozieren. Es wäre nicht das erste Mal, dass rechts-populistische Kreise ein ganzes Land aufhetzen und fanatisieren, bis sie eines Tages aufwachen und erstaunt sagen: “Wir haben das nicht gewusst”.

Ich guck grad meine Lieblings-Serie Dexter, von diesem sympathischen Profiler der Mörder jagt und selber ein Serienkiller ist, der “böse Menschen” um die Ecke bringt. Verrückte Geschichte mit genug Humor und Spannung. Irgendwie sind mir Menschen sympathisch, denen man von aussen nicht ansieht, was sie innerlich sind. Ich war vier Jahrzehnte so ein Trugbild und niemand ahnte, dass er eigentlich den Schatten eines Wesens betrachtet. Dexter lebt zurückgezogen, empfindet beneidenswerterweise nicht das Geringste, Gefühle sind ihm fremd. Nun hat er eine Frau kennengelernt, wollte sie irgendwann von sich stossen weil sie ihm nicht glauben wollte, dass er “böse” ist. Darauf nimmt er sie mit ins Leichenschauhaus und zeigt ihr Leichen (die er selber umgebracht hat), will ihr damit zeigen, dass es “das Böse” wirklich gibt (ohne zu sagen, dass er der Mörder ist), doch sie ist von diesem Anblick fasziniert und bleibt dabei, dass jeder Mensch gut und böse ist. Darauf hört man seine Gedanken sagen: “Ich hatte mich von dem Gedanken verabschiedet, dass mich jemand als der erkennt, der ich bin. Aber diese Frau kann das. Sie weiss es zwar nicht, aber sie sieht hinter die Maske – und sie wendet sich nicht ab.“. Das muss ein wunderschönes Gefühl sein.

In derselben Dexter-Folge sagt ein FBI-ler nach einem missratenen Date: “Jeder hat irgendwann eine richtig gute Beziehung, ich hatte meine schon“. “Ich auch”, denke ich – und spüre eine Angst in mir, dass dieser Kerl wirklich Recht hat und was noch unangenehmer ist, ich spüre, dass ich derselben Ansicht bin.

Können Träume wahr werden? Und hätten wir den Mut, sie zu leben? Nichts ist unmöglich, denen die das Unmögliche wagen. Doch wer wagte noch zu träumen, geschweige denn zu wagen? Und was vermag Träume zum Leben zu erwecken?

Mathematisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass zweimal hintereinander dieselben Lottozahlen kommen, eins zu zig Millionen. Real gesehen ist die Chance genauso hoch wie dass irgend eine der anderen Zahlenkombinationen kommt. Wen wollen Mathematiker hier bescheissen? Könnte aus der AXPO-Küche kommen. Die Wahrscheinlichkeit eines atomaren Super-GAUs sei so hoch, dass nur alle 10’000 Jahre mal ein AKW hochgeht. Innert 50 Jahren hatten wir Harrisburg und Tschernobyl, die haben sich unartigerweise nicht an die Wahrscheinlichkeit gehalten. Mathematik lügt also. Auch negative Werte gibt es in der Mathematik, im realen Leben kann man etwas haben oder nicht haben, negativ haben ist eine Erfindung der Schuldenwirtschaft, es bleibt eine Illusion. Wenn Du drei Äpfel hast und vier davon verschenkst, musst Du Dir einen kaufen damit Du keinen Apfel hast. Mach mir das mal bitte einer vor.

Ich sollte mir wieder eine Katze zulegen, meine letzte kam sogar unter die Decke und half schnurrender- und vibrierenderweise beim Wärmen der Decke. Oder Schildkröten. Die sind zwar blöd für ins Bett, aber ich könnte denen stundenlang zusehen wie sie ein Salatblatt essen. Sie brauchen auch Stunden für ein Salatblatt. Es gibt kaum was Beruhigerndes als salatfressende Schildkröten. Eichhörnchen sind so nervös, dass man beim Zugucken schon fast hysterisch wird, aber sie sind das Süsseste seit der Erfindung von Ohren. Und das Schönste seit der Erfindung der Schwänze. Ich mein, so Pelzige, die die hinten drang hängen, stehen oder wedeln. Füchse haben auch schöne Schwänze und ein süsses Gesicht, nicht so süss wie Waschbären, aber doch süss genug um verzückt zu sein. Pumas sind auch mega schön, aber zum Knuddeln glaub noch weniger geeignet als Igel, die ebenfalls süss sind, vorallem wenn sie rennen. Nur überfahrene Igel sehn Scheisse aus, hab mal live miterlebt wie einer unter einem fahrenden Lastwagen explodiert ist, der war dann nicht mehr süss sondern eher weit rum verteilt und sehr flach. Flacher als ein Rochen, der ja auch süss ist. So einen hab ich mal gestreichelt, ui sind die sanft zum anfassen, aber für unter die Decke sind sie zu nass. Fische sind auch beruhigend, aber wenn man sie aus dem Wasser nimmt und unter die Decke nimmt, zappeln sie ganz hektisch rum, ist auch nix. Eine Giraffe wäre auch beruhigend und und süss und gäb warm im Bett, aber ich müsste der drei Knoten in den Hals machen bis sie im Bett Platz hat. Eulen wären noch viel beruhigender, wären aber eher irritiert, wenn man sie unter die Decke packt und Federvieh ist eh nicht so kuschlig. Plüschtiere wären kuschlig, sind ruhig, fressen nix und scheissen nirgendwo hin…… ich glaub ich habs :-)

Hmmm, wenn ich sehe, was ich da grad geschrieben habe, drängt sich mir der Verdacht auf, dass ich wohl grad alleine sein muss. Sonst käme ich sicher auf andere Gedanken. Ich glaub ich guck jetzt lieber wieder Dexter weiter, sonst hab ich bald n’ganzen Zoo im Kopf und das Stroh ist schneller weggefressen als ich Piep sagen kann und dann ist der Kopf hohl und nur noch ein Rudel wilder Tiere streifen durch die leeren Hallen auf der Suche nach Nahrung. Genau, Dexter gucken, das hilft ;-)



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