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Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Sind Klischees für eine “richtige Frau” tabu?

Aus aktuellem Anlass mache ich mir grad Gedanken über Klischees, im speziellen Geschlechter-Stereotypen und die Frage, ob eine “richtige Frau” resp eine “richtige TransFrau” diese Klischees erfüllen darf oder muss oder sollte.

Gerade Geschlechtsstereotypen sind Klischees, die das Leben von Transsexuellen extrem erschweren. Es ist schon grausam, wenn man im falschen Körper leben muss, aber es ist noch viel grausamer, dass man damit gezwungen wird, falsche, nicht mit dem Inneren korrespondierende Klischees spielen zu müssen. Wenn man als Mädchen im Jungenkörper auf dem Pausenplatz eine grosse Röhre haben muss und nicht weinen darf, obwohl das Innere ganz andere Bedürfnisse hätte, wird das eh schon komplizierte Leben zu einer Höllenfahrt. Deshalb sind so Stereotypen für uns Transsexuelle ein rotes Tuch.

Das ändert sich bei Vielen, wenn sie endlich in ihrer wirklichen Geschlechterrolle leben dürfen. Transsexuelle haben sehr viel Unterdrücktes, das sie kompensieren möchten. Ein Leben lang klotzige Halbschuhe? Her mit denn Pumps. Ein Leben lang Hosenzwang? Her mit den Röcken. Und bevor wir uns versehen, erfüllen wir nun leidenschaftlich Geschlechterstereotypen und leben Klischees genüsslich aus. Klingt paradox, nicht? Aber ist es deshalb falsch? Wenn sich eine Waffe ein Leben lang gegen Dich richtet und Du irgendwann die Kontrolle über diese Waffe übernimmst und sie zu Deinen Gunsten führst, ist das dann so unverständlich?

Mit Klischees ist das so eine Sache. Auf der einen Seite zwängen sie uns in ein Rollenverhalten, das wir schon fast zwangsweise annehmen müssen, ob es uns entspricht oder nicht. Der Klassiker, Jungs weinen nicht, zeigt das auf dramatische Weise. Bis zum 13. Lebensjahr weinen Jungs und Mädels gleich oft. Dann hören die Jungs damit auf. Wenn man bedenkt, dass zubetonierte Geschlechterstereotypen die Hälfte der Menschheit daran hindert, ihre Trauer so auszudrücken, dann wird offensichtlich, wie vernichtend so Klischees sein können.

Aber heisst das nun, dass deswegen Klischees tabu sind? Wenn es einem Klischee entspringt, dass Frauen kistenweise Handtaschen und Schuhe besitzen, muss ich dann Turnschuhe tragen und alles in einer Tüte rumtragen, damit ich ja kein Klischee bediene? Und wenn ein Klischee besagt, dass Männer Hosen und Frauen Röcke anhaben, muss ich dann als emanzipierte Frau Hosen tragen? Diesen Fehler hat meines Erachtens leider der “Radikal-Feminismus” gemacht. Was ich früher musste, das darf ich heute nicht. Aber wenn ich mir verbiete, was mir eins von Aussen geboten wurde, was habe ich dann gewonnen? Bin ich dann nicht an denselben Ketten angebunden?

Emanzipation heisst: “ich muss keinen Rock mehr tragen, ich darf auch Hosen tragen”. Emanzipation heisst nicht: “ich darf keinen Rock mehr tragen”

Klischees sind in der Regel nicht vom Himmel gefallen. Das Bild der shoppenden Frau wurde nicht von den Gebrüdern Grimm erfunden sondern war eine Folge davon, dass Frauen mehrheitlich einen Hang dazu haben. Männlein und Weiblein sind nunmal nicht gleich und ich würde auch nicht wollen, dass sie es sind. Die Ausnahme bestätigt hier die Regel.

Klischees werden erst dann zum Problem oder sogar zur Falle, wenn man sich einredet, dass man sie erfüllen muss. Und man läuft in dieselbe Falle, wenn man sich einredet, dass man sie nicht erfüllen darf.

Deshalb glaube ich, dass diejenigen, die zwanghaft jedes Klischee erfüllen, genauso gefangen sind wie diejenigen, die um jeden Preis jedes Klischee vermeiden. Wirklich frei ist man dann, wenn man sein Innerstes auslebt. Wenn dies einem Klischee entspricht, ok. Wenn es ihm widerspricht, auch ok.

Ich möchte das an meinem Beispiel illustrieren. Es gibt Klischees, die ich leidenschaftlich auslebe:

  • Meine Schuhsammlung hat in weniger als einem Jahr ein Regel gefüllt
  • Ich trage fast nur Röcke und versuche die äussere Weiblichkeit auch sehr zu betonen
  • Bei jeder erdenklichen Emotionalität wässern sich meine Augen
  • Charmante Komplimente schmeicheln mir und ich schätze es, wenn mir ein Mann die Tür aufhält
  • Ich lästere gegen Männer und männliche Klischees
  • Ich kokettiere fürs Leben gern :-)

Aber genauso gibt es Klischees, die ich nicht erfülle, weil sie nicht meinem inneren Bedürfnis entsprechen

  • Handtaschen sind für mich einfach praktische Objekte, ich hab zwei, eine kleine Schwarze und eine grosse Beige
  • Wenn ich mich aufrege, fluche ich gelegentlich wie ein Henkersknecht oder hau die Faust auf den Tisch, dass die Leute im Büro einen Satz machen auf dem Stuhl (bisher 3 tote Tastaturen und ein komatöser Bildschirm)
  • Guinness ist und bleibt mein Lieblingsgetränk, gefolgt von IrishCoffee und Cider
  • Meine Great Highland Bagpipe wurde zwar in den Pausenmodus versetzt, weil ich momentan genug mit mir zu tun habe, aber ich werde weiterhin dieses archaische und sehr männliche Instrument spielen, das einst sogar als Kriegswaffe eingestuft war
  • Wenn ich das Geld dazu hätte, würde ich jederzeit wieder eine Harley kaufen, obwohl, das muss ich gestehen, ich würde mir arge Sorgen machen wegen der reduzierten Frisiermöglichkeit, Helme sind echt nix für Mädels ;-)

Beide Listen könnte ich noch lange erweitern, das sind nur ein paar Beispiele, die zeigen sollen, was ich unter einem freien Leben vorstelle.

Fazit: Verweigere Dich jedem Klischee, das Dir nicht entspricht…. und leb jedes Klischee, das Dir entspricht, so leidenschaftlich und exzessiv aus wie möglich.

Wenn Emanzipation und Feminismus zum Rohrkrepierer werden

Seit längerem wollte ich etwas schreiben über Emanzipation und – wie ich es nenne – Radikal-Feminismus. Aus aktuellem Anlass drängt sich mir das Thema heute auf, also scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, auch wenn sich das Thema teils mit meinem letzten Beitrag über Klischees kreuzt und ich mich teils widerholen muss.

Emanzipation war dringend nötig und der Feminismus verhalf diesem bitter nötigen Menschenrecht zur Geburt. Es liegt in der Natur der Sache, dass man, wenn man etwas Festgefahrenes aufbrechen will, radikale Forderungen stellen muss, um wenigstens kleine Fortschritte zu machen. Aber man kann damit auch über’s Ziel rausschiessen.

Ich selber habe mal schockiert von einer gleichaltrigen Freundin hören müssen, dass ihr Vater heute noch den Stimmzettel seiner Frau ausfüllt, weil “Frauen eh nix von Politik verstehen”. Es gab Zeiten, da waren Frauen schon fast Unmündige vor dem Gesetz, kein Wahlrecht, keine Politikerinnen, keine Karriere, tiefere Löhne und vieles mehr. Die Notwendigkeit von Veränderungen zugunsten der Frau dürften heute kaum von jemandem bestritten werden. Aber wie weit soll sich diese Emanzipation ausweiten und was soll vom Feminismus bekämpft oder erkämpft werden?

Heute noch gibt es Lohnunterschiede und heute noch sind Frauen in Geschäftsleitungen und in der Politik in der Minderheit. Aber es wurde schon viel erreicht, es gibt Geschäftsleiterinnen, hierzulande haben wir Bundesrätinnen und in Germanien herrscht Angela Merkel. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel. Aber in meinen Augen hat der Feminismus oder wie ich es zu nennen pflege, der Radikal-Feminismus, Grenzen gesprengt die nicht gesprengt werden sollten.

Männlein und Weiblein sind nunmal nicht gleich, es gibt nicht nur Rollenmuster, die indoktriniert wurden sondern auch Rollenmuster, die tatsächlich Aspekte der Geschlechter sind. Wäre dem nicht so, gäbe es keine Transsexuellen, sie sind der lebende Beweiss, dass alle Indoktrination und aller Rollenzwang nichts daran ändert, dass Mädels tendenziell eher so fühlen und reagieren und Jungs auf ihre Weise. Vieles wird gesellschaftlich zur Norm und zum Zwang erhoben, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es tatsächlich Geschlechterunterschiede gibt. Diese sind nicht in Stein gemeiselt, auch Männer können weinen und auch Frauen können fluchen, aber sie tun’s tendenziell weniger oder mehr, je nach Geschlecht. Das gilt es zu respektieren.

Kürzlich las ich in einem anderen Blog eine Geschichte: An einer Bar sitzen ein Mann und eine Frau. Er will sie einladen, sie besteht darauf, sie könne selber bezahlen. Nach langem hin und her sagt plötzlich der Barkeeper zur Frau: “Ach jetzt lass ihn doch endlich zahlen, mit Eurer Gleichberechtigung zerstört ihr noch das letzte bisschen Romantik”.

Wie Recht er doch hat. Warum sollte ich als Frau ein Problem haben, wenn mir jemand charmant den Hof macht oder mich zu einem Drink einlädt? Wenn mir jemand die Tür aufhält, sich an den Ladies-first-Kodex hält? Wenn mir ein Mann die schwere Tasche trägt? …… Wenn mir jemand die Autotür aufhält, nehme ich nicht an, dass er mich für zu blöd hält um sie selber zu öffnen, es ist Ausdruck seiner Wertschätzung. Und wenn er mir Rosen schenkt, ist auch das eine Form der Anerkennung, die mir nicht im Geringsten schadet und nichts, einfach gar nichts mit Emanzipation zu tun hat resp dagegen spricht.

Ich selbst erlebte noch Zeiten, in denen Frauen gelegentlich auch mal Komplimente bekamen. Heute traut sich kein Mann mehr, einer Teamkollegin zu sagen: “hey Du siehst ja super aus in diesem Kleid” oder “wow das sind ja Hammer-Schuhe”. Sie befürchten, mit der Emanzipationskeule erschlagen zu werden oder gleich einen Prozess wegen sexueller Belästigung zu erhalten. Ich persönlich bedaure das ganz ehrlich.

Emanzipation darf nicht in Gleichmacherei ausarten, aber in den Köpfen gewisser Leute passiert genau das. Wenn ich als Frau keinen kurzen Rock tragen darf, nur weil wir Frauen früher Röcke tragen mussten, dann hat die Gleichberechtigung nichts geschenkt sondern gestohlen, dann wird Emanzipation zum Rohrkrepierer.

Ich will nicht gleich sein wie ein Mann, ich will nur gleiche Rechte, das ist ein ganz grosser Unterschied.



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