(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Nachbarschafts-Aufklärung – Chance verpasst

Manchmal könnte ich mich stundenlang in den Hintern treten, beispielsweise gestern, als ich die erste Chance zur Aufklärung meiner Nachbarschaft in den Sand setzte.

Wie hier unschwer zu entnehmen war, war ich gestern ziemlich freaked-out und nahm spontan am Nachmittag frei. Dementsprechend kam ich ausnahmsweise über Mittag nachhause und begegnete einem netten Herrn im Treppenhaus.

Da es ein relativ kleines Haus ist (ich glaub 8 Parteien) und ich im untersten Stock bin, treffe ich selten Leute dort, deshalb ergaben sich in den 3 Monaten seit ich dort wohne auch noch keine Gespräche mit Nachbarn. Das ist in meinem Fall eher unangenehm, weil ich mir vorstellen kann, dass ich doch gewisse Irritationen auslöse und nach meiner Erfahrung ist Aufklärung die einzige Waffe gegen Vorurteile.

Jedenfalls traf ich eben gestern einen meiner Nachbarn und der fragte mich dann gleich mal direkt, “sie” wüssten gar nicht recht wie sie mich ansprechen sollten, ob mit Herr oder Frau. Ok abgesehen davon, dass die Frage eher merkwürdig war, ich geh seit ich dort wohne täglich geschminkt, berockt und höhergelegt durchs Quartier, da wäre es doch etwas überraschend gewesen, wenn ich mich mit “Herr” ansprechen lassen wollte. Eigentlich war das eine geniale Gelegenheit um mal schnell mit 3-4 Sätzen zu sagen, dass ich eine transsexuelle Frau bin, seit einem halben Jahr als Frau lebe und im Prozess einer Geschlechtsangleichung bin. Aber eben, ich bin an gewissen Tagen blonder als erlaubt und gestern war ich so durch den Wind und hatte so Stalldrang, dass ich die freundliche Frage nur mit einem “Frau ist mir lieber” beantwortete. Hä? Lieber? Meine Nerven, wie kann man so Blödsinn rauslassen? Es ist mir nicht einfach lieber, ich bin eine Frau und lebe als Frau, das ist keine Frage des lieber habens. Und vorallem muss ich sehr verschlossen gewirkt haben.

Sinngemäss sagte er etwas im Stil von, sie (wer auch immer) wüssten alle Bescheid. Urks, Bescheid worüber, dass eine Transe im Haus lebt? Dass der neue Nachbar Frauenkleider trägt? Dass ich transsexuell bin? Keine Ahnung wer “wir” alles beinhaltet und worüber diese glauben, Bescheid zu wissen. Aber es klang arg danach, als ob ich meine Nachbarn schon gehörig beschäftigt habe und ich will eigentlich nicht wirklich wissen, was da wie geplaudert wurde.

Zum einen habe ich eine gute Chance verpasst, falsche Vorstellungen wegzuräumen und ich habe die Chance verpasst, mich als umgängliches und freundliches Wesen zu präsentieren. Mit meinem kurzangebundenen Satz und meiner Flucht in die Wohnung habe ich wohl mein Freak-Image perfekt untermauert. Nun hoffe ich, dass ich diesen freundlichen Herrn mal wieder sehe um das nachzuschieben, was ich gestern verpasst habe.

Man kann sich kaum vorstellen, wie sehr ich mich den ganzen Abend über mich aufgeregt habe, aber leider ist es nicht möglich, sich selbst in den Hintern zu treten, andernfallls müsste ich heute glaub im Stehen arbeiten.

Quadrat im Kreis

Hin und wieder stell’ ich fest,
dass ich nicht mehr lachen kann,
über Sachen die ich früher lustig fand.

Hin und wieder merk’ ich auch,
dass ich keine Menschen brauch’
und lieber ganz alleine bin.

Doch der Schmerz ist zuckersüss
und irgendwie auch so vertraut,
ich hab’ mich dran gewöhnt.
So fehlt zur letzten Konsequenz
einmal mehr das bisschen Mut
und die paradoxe Wut darüber
wird im Traum ertränkt
von der beschissenen Leichtigkeit des Scheins.

Hin und wieder wird mir klar,
dass alles anders geworden ist,
als es scheint, dass es früher einmal war.

Hin und wieder spüre ich,
dass ich die Sonne nicht mehr mag,
weil ich das helle Licht nicht mehr ertrag’.

Doch der Schmerz ist zuckersüss
und irgendwie auch so vertraut,
ich hab’ mich dran gewöhnt.
So fehlt zur letzten Konsequenz
einmal mehr das bisschen Mut
und die paradoxe Wut darüber
wird im Traum ertränkt
von der beschissenen Leichtigkeit des Scheins.

Wie ein Quadrat in einem Kreis,
eck’ ich immer wieder an,
obwohl ich doch schon lange weiss,
dass ich niemals ändern kann,
was sich niemals ändern wird,
weil das Schlechte immer bleibt
und doch die Sonne wieder scheint,
scheissegal was auch passiert.

Immer wieder stell ich fest,
dass das “hin und wieder” immer öfter “ständig” ist.

(WIZO – Quadrat im Kreis)

Mystik der Zärtlichkeit

Manchmal an so Tagen wie diesen frage ich mich, weshalb und wozu man eigentlich eine Beziehung sucht. Wenn man es ganz pragmatisch sieht, könnte man auch gut ohne das auskommen. Man hat allein mehr Zeit für sich, muss auf nichts Rücksicht nehmen, keine Kompromisse eingehen, nicht streiten…….. reden kann man mit Freunden, lachen ebenfalls und gemeinsam etwas unternehmen grad sowieso. Wozu also Liebe?

Vieles in Beziehungen ist ersetzbar und auf vieles könnte man verzichten, nur bei einem bleibe ich immer wieder hängen, so als wäre es das Zentrum dieses unwiderstehlichen Sogs, der einem immer wieder ins Land der Schmetterlinge entführt: Zärtlichkeit.

Warum Zärtlichkeit, frage ich mich, was soll daran so toll sein? Eine Antwort habe ich nie gefunden und doch habe ich die Gewissheit, dass ich genau das so sehr brauche wie die Luft zum atmen. Es ist das einzige, das nicht ersetzt werden kann und auf das zumindest ich nicht verzichten kann.

In den Armen zu liegen oder sich aneinander zu kuscheln sind für mich der Inbegriff des Glücklichseins, es ist ein Gefühl das einfach alles übersteigt. Aber was in aller Welt ist das, diese Zärtlichkeit?

Es ist nicht die körperliche Berührung selbst, wäre dem so, könnte man sich auch selber streicheln. Zärtlichkeit ist da offenbar anders gelagert als Sexualität. Zärtlichkeit ist Ausdruck tiefer Gefühle und liebevoller Nähe, sie ist eigentlich nur Repräsentation eines dahinterliegenden Gefühls….. sie ist unmittelbarer Ausdruck von Liebe.

Aber wenn Zärtlichkeit Ausdruck von Liebe ist und Liebe eigentlich ersetzt werden könnte, ausser eben was Zärtlichkeit anbelangt, die wiederum nur Ausdruck von Liebe ist und Liebe eigentlich……… und damit. liebe LeserInnen, befinden wir uns inmitten von Mystik, an dem Punkt an dem wir anerkennen müssen, dass es Dinge gibt, die mit unserem Verstand nicht mehr greifbar sind.

Johannes vom Kreuz, der christliche Mystiker und Gründer des Karmeliter-Ordens schreib ein wunderschönes Gedicht, in dem es um die Unio-Mystica geht, die Vereinigung mit Gott……. aber ich finde, dass es auch sehr gut in dieses Thema passt.

Ich wußte nicht, wo ich eintrat,
aber als ich mich dort sah,
unwissend, wo ich mich befand,
begriff ich große Dinge;
ich werde nicht sagen, was ich empfand,
da ich unwissend blieb,
alles Wissen übersteigend.

Blöd hä, wenn man beginnt etwas zu begreifen und es doch nicht im Geringsten versteht ;-)



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