Die letzten Tage habe ich mir unheimliche Sorgen gemacht, weil ich befürchtete, dass mich die Jungs an der Psychiatrischen Universitätsklinik auf dem Scheiterhaufen verbrennen, weil ich ohne göttlichen äh ärztlichen Segen Hormone nehme. Ausserdem hatte ich auch Angst, dass sie mich nicht ernst nehmen und meine Selbstdiagnose nicht bestätigen. Das ist leider ein bisschen das Elend von uns T-Girls. Transsexualität ist nicht messbar, es ist primär eine Selbstdiagnose und der Arzt kann nur versuchen herauszufinden, wie authentisch diese Selbstwahrnehmung ist und ob irgendwelche Krankheiten vorliegen, die eine Transsexualität in Frage stellen würden.
Zu meiner grossen Überraschung fühlte ich mich dort nicht seziert und zerlegt sondern sehr verstanden und wahr!-genommen. Schlussendlich sagte mir der Oberarzt, er würde Transsexualismus (so nennen die das neuerdings) als „Verdachtsdiagnose“ stellen. Soweit ein grosser Erfolg, scheinbar sieht er in mir dasselbe wie ich selbst.
Aber was die Hormone anbelangt, war er genauso stur wie ich. Glücklicherweise akzeptiert er, dass ich mich nicht an ihren Standard halte und mich selbst therapiere, aber er selbst fühlt sich diesem Standard verpflichtet und wird mir keine Hormone verschreiben bis Ende Jahr. Das ist insofern schade, weil ich mich dadurch Risiken aussetzen muss, die eigentlich nicht nötig wären. Aber was will man machen, wenn die Einhaltung eines Behandlungsstandards wichtiger ist als die Gesundheit der Betroffenen, dann muss ich das halt akzeptieren. Trotzdem bin ich dankbar, dass man meinen Weg respektiert. Ich werde nun einmal pro Monat an der Uni antraben und bin wirklich froh, dass ich wenigstens die therapeutische Unterstützung habe.
Da ich nun definitiv Selbstversorgerin bin, geht nun die Suche nach einem Testosteron-Blocker los. Wir T-Girls nehmen da in der Regel Androcur, ein Mittel das ursprünglich erfunden wurde, um Triebtäter chemisch zu kastrieren. Seltsame Vorstellung, sowas zu nehmen, aber das Resultat ist entscheidend und eine ernsthafte Verweiblichung des Körpers ist mit Östrogenen allein nicht möglich, es ist bis zur geschlechtsangleichenden Operation notwendig um den Testosteron-Pegel im Zaum zu halten. Aber es stellt sich raus, dass es nahezu unmöglich ist, eine einigermassen seriöse Online-Apotheke zu finden, die Androcur anbietet. Für Antibabypillen gibt es einen Riesenmarkt, jede seriöse Online-Apotheke bietet sowas an, aber wer bestellt schon im Web Testosteron-Blocker, dafür gibts einfach keinen Markt. Es wird wohl ein ziemlicher Nervenkitzel bis ich da fündig werde, aber auch hier kommt die transsexuelle Renitenz wiedermal zugute, wir lassen uns nicht unterkriegen und finden immer einen Weg
Ich hatte mal 3 Monate lang das Vergnügen, mit Papageien zu arbeiten und ich kann bestätigen, dass Papageien nicht nur die schlausten sondern auch die verrücktesten Tiere sind. Sie haben einen Humor und Einfallsreichtum, der einem immer wieder zum Schmunzeln bringt. Aber was dieser “Snowball” hier abzieht, ist einfach der Oberhammer…..
Als frischgebackene Frau hat man unter anderem das Problem, dass man von heute auf morgen vor einem leeren Kleiderschrank steht und wenn man wie ich nicht im Geld schwimmt, ist es wirklich eine knifflige Sache, sich eine Grundausstattung zuzulegen ohne dabei Bankrott zu gehen. Zum Glück gibts im Web ein paar Versandhäuser, die zu unglaublich billigen Preisen teils schöne Teile anbieten und wenn jemand wie ich da mal so richtig rumstöbert, kommt schnell mal einiges zusammen. Heute war wieder mal so ein grosser Shoppingtag und ich hab über ein dutzend Teile in den Warenkorb gestopft. Wie ein Freund kürzlich sagte, es ist kein Zufall, dass im Wort „KauFRAUsch“ das Wort Frau drin vorkommt. Ohja das hat was, aber in meinem Fall ist es schlicht eine Notwendigkeit……… und dann noch eine angenehme
Die Disziplinierungsgesellschaft hatte zum Ziel, gezähmte Körper herzustellen, perfekte, uniforme Bürger, die eine Vorstellung ihrer eigenen Sichtbarkeit, ihres Selbstbewusstseins und ihrer sozialen Normen verinnerlicht hatten. Durch diesen Prozess entstanden Individuen, deren grösste Angst es war – sogar in ihren privatesten Momenten -, abnormal zu sein bzw. dafür gehalten zu werden.
Endlich ist es warm genug für den nächsten Meilenstein im Leben einer frischgeborenen Frau. Heute bin ich zum ersten Mal im Rock zur Arbeit gegangen und ich kann nur sagen: Es gibt nichts Schöneres als das!
Nicht nur, dass Röcke einfach unheimlich bequem sind, es ist halt auch ein Symbol für Weiblichkeit und so erinnert mich jeder Schritt bei dem der Rock sanft die Beine streichelt daran, dass ich jetzt als Frau lebe.
Nach diesem ersten berockten Tag kann ich definitiv sagen…..
Nie wieder Hosen!
geschrieben am 15. April 2009 um 13:47 Uhr von Diana gespeichert unter Tagebuch|kommentieren »
Mein Arbeitsweg war bisher eine ziemliche Tortur, eine halbe Stunde laufen ist erstens je nach Wetter mehr als mühsam und anderseits verunmöglicht das, dass ich auch mal mit schicken High-Heels zur Arbeit stöckeln kann. Vor ein paar Monaten erfuhr ich, dass meine aktuelle Wohnung gelegentlich totalrenoviert wird und der Mietpreis von 1000 auf 1600 steigt, was mein Limit definitiv überschreitet. Also suchte ich nach etwas Neuem, das idealerweise in der Nähe des Geschäfts ist. Vor ein paar Tagen fand ich dann eine kleine Wohnung nur 5 Minuten vom Geschäft weg, also absolut High-Heels-tauglich. Ausserdem ist die Wohnung an derselben Strasse, an der Freunde von mir einen Bandraum haben, in dem ich mit meiner Pipe üben kann. Und heute kam der Bescheid, ich krieg die Wohnung per 1. Juli. Das ist wie ein Sechser im Lotto, Schluss mit bequemen Schuhen und schluss mit dem Herumschleppen eines schweren Dudelsackes
geschrieben am 22. April 2009 um 13:50 Uhr von Diana gespeichert unter Tagebuch|kommentieren »
Eigentlich wusste ich schon länger, dass nur 5 Minuten von zuhause weg ein kleines Pub ist (Classroom Pub). Aber da ich in den letzten Jahren nichts mehr mit der Welt zu tun haben wollte, ging ich da auch nie hin, obwohl ich Pubs eigentlich sehr mag, vorallem das dort ausgeschenkte Guinness.
Aber in letzter Zeit bemerkte ich immer wieder verblüffterweise, dass ich wieder Lust bekomme, an der Welt teilzunehmen und Menschen zu begegnen. In meinem alten Leben konnte mir die Welt nichts mehr bieten, ich hatte kein Bedürfnis, mit der damaligen Identität noch irgendwas irgendwo mit irgendwem zu unternehmen.
Als heute plötzlich wieder so eine Ausgang-Lust aufkam, guckte ich kurz im Web nach ob da im Pub was läuft und zufällig war grad ein Konzert angesagt, ich hatte noch 20 Minuten um mich parat zu machen. Ich staunte wie schnell ich mich schminkte, anzog und losstöckelte.
Dort angekommen wurde ich zwar gleich beim Eintritt mit Hitzewallungen geflutet, aber kaum war ich so richtig angekommen, kam ein seit langem nicht mehr erlebtes gutes Gefühl auf, irgendwie war ich da zuhause. Das Konzert (Calabro) war wahnsinnig schön und hat mich teils tief berührt, noch schöner wurde es aber nach dem Konzert, als ich mit Leuten ins Gespräch kam, obligate Fragen (bist Du n’Männchen oder n’Weibchen) beantwortete und zu spüren bekam, dass man mich da annimmt, so als wärs das Normalste der Welt, dass ein T-Girl dieses Pub betritt. Überhaupt zeigten mir all meine Empathie-Sensoren an, dass rund um mich rum Leute waren, die auch Wesen wie mich akzeptieren.
Als ich bei Torschluss das Pub verliess, war mir klar, dass ich nun regelmässig dort sein würde und dass ich ein neues Zuhause gefunden hatte, in dem es noch viele Freundschaften zu knüpfen gab. Ich und Ausgang? Ich und Freundschaften? Ja das Leben hatte mich wieder und es war erquickend, sich in diesem Leben zu baden.
So schön der gestrige Pub-Besuch auch war, etwas gabs das mich mehr als nur verwirrt und mein Selbstverständnis in unerwarteter Weise in Frage stellt. Für mich war von Anfang an klar, dass ich in meinem neuen Leben gleich doppelt stigmatisiert sein würde. Ich bin transsexuell und auch noch lesbisch dazu.
Seit ich denken kann, waren mir die Mädels immer lieber als die Jungs und ich verliebte mich auch immer in Mädels und hatte nur mit ihnen Sex. Deshalb war für mich klar, dass sich da nichts ändern würde, was übrigens einer der Hauptgründe war, weshalb ich solange gegen meine Transsexualität ankämpfte. Meine Frauwerdung würde meine Beziehungschancen mit Frauen ziemlich massiv reduzieren, das war stets ein Todschlagargument.
Aber gestern im Pub musste ich mit Befremden Gefühle in mir wahrnehmen, die ich für völlig unmöglich gehalten habe. Es gab plötzlich Jungs um mich rum die mein Interesse weckten. Mir fiel einer auf der ein zuckersüsses Lächeln hatte und überhaupt entdeckte ich ein leises und sanftes Bedürfnis in mir, von einem Mann umworben und erobert zu werden *urks*. Irgendwie kann ich mir absolut nicht vorstellen, mit einem Mann eine Beziehung zu führen und von One-Night-Stands halte ich eh nix. Trotzdem zieht es mich plötzlich in diese Richtung (ich mein Jungs, nicht One-Night-Stands) und ich fühle Dinge, die ich nicht fühlen will und die mich arg verwirren. Bin ich doch nicht lesbisch?
Zum ersten Mal passiert etwas in mir, das ich echt nicht erwartet hatte, als ich diesen Weg einschlug.
Wo das wohl hinführt?
Habe heute erstmals in der Bandprobe mitgespielt.
- Scotland the Brave
- Rowan Tree
- Bonnie Galloway
- Highland Cathedral
- Amazing Grace
- Cullen Bay
Wow what a feeling, ein dutzend Schallkanonen und Drums dazu, man muss es erlebt haben, mit Worten lässt sich das nicht beschreiben.
Heute ist mein Waschtag und ich steh vor einer vor sich hinblinkenden Waschmaschine. Sie hätte zuwenig Wasser, jammert sie, was mich wenig wundert, das Wasser ist in der ganzen Waschküche verteilt. Da ich alle 2 Wochen waschen kann, brauche ich nun also für einen Monat Verschiedenes anzuziehen. Was glaubt so eine Waschmaschine eigentlich, wieviele Oberteile jemand wie ich hat? Hmmm, das klingt nach Einkaufsbummel
Einmal mehr bin ich entsetzt darüber, dass freichristliche Fundamentalisten mit allen Mitteln gegen die Euro-Pride kämpfen. Seinen persönlichen Glauben und seine Wertvorstellungen anderen aufzwingen ist m.E. ein Taliban-Denken, das ein Fall für den Psychiater oder den Richter ist. Apropos Richter, wer hat diese Fundamentalisten eigentlich zum Richter über diese Welt ernannt?
Nur indem religiös Gläubige darauf verzichten,
ihre Überzeugung vom Besitz der Wahrheit andern aufzuzwingen,
werden sie unter der Herrschaft der Menschenrechte frei,
eben dies zu glauben, ohne dabei bedroht zu werden.