(t)-Girl Diana

Transsexualität – Tagebuch einer transsexuellen Frau

Keine Hormone mehr – Beginn der Selbstversorgung

Heute kam der erste grosse Dämpfer und mir wurde erstmals der Boden unter den Füssen weggezogen. Ich hatte den nächsten Termin bei der Hausärztin und wollte ihr eigentlich mitteilen, dass es nun Zeit wird, die bisher tiefe Dosierung von 2mg Estradiol auf 4mg zu erhöhen und dass es auch Zeit wäre, mit einem Testosteron-Blocker zu beginnen. Ich hatte bewusst tief dosiert angefangen um erst mal zu sehen wie ich die Östrogene vertrage. Aber soweit kams gar nicht, denn sie eröffnete das Gespräch damit, dass sie mir mitteilte, dass ihr unterdessen klar geworden sei, dass sie ihre Kompetenzen überschreitet, wenn sie mir weiterhin diese Medis gibt. Anstelle dessen würde sie mich ans Kompetenzzentrum der psychiatrischen Universitätsklinik verweisen. Sie gab mir zwar nochmal eine Monatspackung Cypestra-35, aber das wars dann.

Der Haken daran ist nun, dass die Kompetenzzentren sich an einen Standard halten und der besagt, dass man erst ein Jahr lang als Frau leben muss, bevor man Hormone kriegt. Die Grundidee eines Alltagstests ist ja nachvollziehbar, man muss sich schon sehr sicher sein, bevor man zu solchen Hormonen greift. Aber ich war mir da mehr als sicher und es war für mich nie vorstellbar, diesen Weg zu gehen ohne dass mein Körper diese Entwicklung mitmacht. Somit ist also meine medizinische Versorgung nicht mehr gewährleistet und ich habe keine andere Wahl, als Selbstversorgerin zu werden, was leider mit gewissen Risiken verbunden ist.

Dosiserhöhung auf 4mg Estradiol

Wir T-Girls sind ja bekannt für unsere Renitenz, schliesslich braucht es auch eine gehörige Portion Renitenz um sich zu erdreisten, sich über die gesellschaftliche Normierung in Geschlechterfragen hinwegzusetzen. Diese Renitenz ist nun gefragt, denn die drohende Versorgungslücke bringt mich arg ins schleudern. Und da ich nun zur Selbstversorgung gezwungen werde und auf keine ärztliche Unterstützung hoffen kann, liegt auch die Dosierungsfrage allein in meinen Händen. Nun denn, selbst ist die Frau, ab heute wird die Dosis auf 4mg Estradiol erhöht. Damit komme ich in den Bereich, in dem erste körperliche Veränderungen schon bald spürbar sein sollten.

Bill Miller – Reservation Road

Bill Miller – ein Mohican Indianer – ist ein begnadeter Flötenspieler und unglaublich gefühlsvoller Singer/Songwriter. Seine Musik erzählt viel vom indianischen Leben der Neuzeit. Seine Lieder berühren mich seit über einem Jahrzehnt, er ist einfach einmalig…..

I was holding on to my grandad’s hand
He was pointing to the promised land
That lay beyond the reservation road
He said don’t make promises that you won’t keep
Don’t betray the earth beneath your feet
As we walked on the reservation road

And just for that one moment we were racing with the wind
And sound of horses thundering they echoed once again
Back to a place where our hearts and souls belong
A thousand dreams away from that reservation road

Then his spirit soared into the sky
Beyond the place where eagle fly
And my tears fell on the reservation road
Now a hundred moons have come and gone
And I’m holding on to my newborn son
One day he’ll walk on the reservation road

And just for that one moment we were racing with the wind
And sound of horses thundering they echoed once again
Back to a place where our hearts and souls belong
A thousand dreams away from that reservation road

I was holding on to my grandad’s hand
He was pointing to the promised land
That lay beyond the reservation road
It went way beyond the reservation road

Have you ever walked on the reservation road?
Let me take you down the reservation road
Like to take some Senators down the reservation road
Let me take you down the reservation road

Östrogene aus Thailand – hurra ich bin versorgt

Es brauchte gar nicht soviel Recherche um in Thailand eine relativ seriöse Online-Apotheke zu finden, in der ich meine Diane-35 bestellen konnte.

An dieser Stelle vielleicht kurz eine Erklärung zu den Hormonen. Diane-35 ist eine Anti-Baby-Pille und die Cypestra-35 die ich von meiner Ärztin bekommen habe ist sozusagern das Nachfolgeprodukt mit identischen Inhaltsstoffen. Wir T-Girls nehmen in der Regel Antibabypillen, weil diese voll sind mit synthetischen Östrogenen (Estradiol). Diese führen bei entsprechender Dosierung zu einer Verweiblichung des Körpers und schlussendlich auch zu einem Brustwachstum, was wir T-Girls natürlich über alles schätzen.

Jedenfalls ist nun meine Bestellung unterwegs und falls das Zeugs nicht am Zoll abgefangen wird, kann ich bald meine hormonellen Sorgen begraben.

Das Brustwachstum geht los

Wow, schon wenige Tage nachdem ich die Dosis erhöht habe, geht im Brustbereich heftig die Post ab. Es zieht und kitzelt, die Brustwarzen sind mega empfindlich und ich spüre richtig wie da etwas entsteht. Unter der Brustwarze bildet sich so ein kleiner Knollen und wie mir meine Ex-Freundin versicherte, hats bei ihr genauso angefangen. Niemand kann sich auch nur annähernd vorstellen, was für Glücksgefühle es auslöst, wenn plötzlich das Brustwachstum spürbar wird. Seit meiner Pupertät habe ich davon geträumt, dass das passiert und nie hätte ich gedacht, dass dieser Traum irgendwann Wirklichkeit wird. Meine zweite Pupertät hat begonnen und diesmal bin ich wirklich glücklich mit den Veränderungen, die die Pupertät mit sich bringt

Neues Selbstbewusstsein als Trans-Frau

Mittlerweile lebe ich seit zwei Monaten als Frau und habe einige Spiessrutenläufe an der Öffentlichkeit hinter mir. Heute habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich in einem vollgestopften Zug sitze und mir keine Gedanken darüber mache, was andere über mich denken.

Es ist eine neue Art Selbstbewusstsein in mir entstanden. Es macht mir nichts mehr aus, dass man mich als Transsexuelle erkennt, im Gegenteil, genau das bin ich und genau darauf bin ich stolz. Ich stelle an mich nicht den Anspruch, von der Öffentlichkeit als biologische Frau wahrgenommen zu werden sondern bin stolz darauf, eine Trans-Frau zu sein. Das war einer der wenigen Punkte vor denen ich mich gefürchtet habe, dass ich nie die Stärke finden werde um damit umzugehen. Umso erfreuter bin ich, dass ich schon nach zwei Monaten mit aufrechtem Gang durch die Welt stöckeln kann und mich dabei gut fühle.

Unterdessen gehe ich auch mal am Samstag Nachmittag an die Zürcher Bahnhofstrasse, vorbei an tausenden von Leuten und shoppe vergnügt von einer Boutique zur Anderen. Je länger desto mehr fühlt sich mein neues Leben einfach normal an, was könnte ich mir da noch mehr wünschen.

Facebook als erste Identität

Als ich heute das Anmeldeformular für die Psychiatrische Universitätsklinik ausfüllen müsste, kam ich identitäsmässig ziemlich ins Schleudern. Auf einem offiziellen Formular muss ich den alten Namen angeben und was schlimmer ist, ein Kreuzchen bei „Herr“ machen, was mir richtiggehend einen Knoten in die Eingeweide knüpfte. Schlussendlich schaffte ich es nicht, kreuzte also „Frau“ an, füllte meinen neuen Namen aus und gab einfach bei der Rechnungsadresse den alten Namen an. Ich fand das politisch korrekt und sollte auch die Krankenkasse nicht überfordern. Aber das Ganze löste eine kleine Identitätskrise in mir au und ich bekam plötzlich den unbändigen Wunsch, mich irgendwo offiziell zu registrieren…….. und da kam mir Facebook in den Sinn. Also ging ich da hin, eröffnete meinen Account und hatte dabei eine diebische Freude, endlich mal irgendwo „Frau“ anzukreuzen. Tja und nun bin ich da drin, obwohl ich so Hypes in der Regel aus Prinzip nicht mitmache, aber irgendwie glaube ich, dass es mir gut tut, wenn mein neues Ich eine Plattform hat auf der es sich präsentieren kann.

Dritte Bart-Laserepilation

Die dritte Epilation war nun die letzte, denn meine blonden Haare sind durch die bisherigen Laserbehandlungen soweit reduziert oder aufgehellt, dass der Laser vorläufig nichts mehr erwischt. Ich kann also frühstens im Herbst/Winter wieder loslegen. Aber der Bartschatten ist nun soweit reduziert, dass ich mit etwas gutem Willen (Makeup und Conceiler) ein ziemlich ansehliches Resultat hinkriege und damit auch immer mehr tageslichttauglich werde.

Ein unerreichbares Ziel anstreben

Es gibt wohl keine grössere Herausforderung
als ein Ziel anzustreben,
das nie wirklich erreicht werden kann.

(Diana)



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