T-Girl Diana

Tagebuch einer transidenten Frau

T-Girl Diana – Tagebuch einer transidenten Frau

Sei herzlich willkommen, liebe(r) Leser(In) in diesem Blog-Tagebuch einer transidenten Frau. Erlaube mir, Dich zu entführen, in die Welt einer transsexuellen Frau – beginnend vom Tag des sozialen Rollenwechsels bis hin zu – naja – bis hin zu heute, dem Tag der alles hinter sich lässt und der für die Zukunft alles offen hält.

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Diana – ein neuer Anfang

Vielleicht bin ich letztlich eine dieser Fragen,
deren Antwort sich die Blösse gibt, ein fragend Mensch zu sein
(Lacrimosa – Fassade)

diana-001Hallo, ich bin Diana, eine Trans-Frau am Anfang ihrer Geschlechtsangleichung. Mit anderen Worten, ich bin transident oder wie man im Volksmund sagt, transsexuell.

Seit ich denken kann, empfinde ich mich als ein weibliches Wesen, das durch eine seltsame Laune der Natur in einen männlichen Körper eingesperrt wurde. Anfang dieses Jahres kam der Punkt, an dem ich dieses “Spiel des Lebens” nicht mehr mitspielen konnte, seit da lebe ich offiziell als Frau, futtere fleissig Hormone, geniesse das Leben in meiner wahren Identität….. und trotze der Tatsache, dass die Welt mich deswegen für verrückt hält

Apropos verrückt: Ich spiele leidenschaftlich Great Highland Bagpipe (schottischer Dudelsack), bin zwar erst Anfängerin, dafür aber umso enthusiastischer. Warum jemand so ein Instrument spielt, lässt sich nicht erklären, man muss es einfach tun, dann weiss man, weshalb man nie wieder damit aufhören kann

In vielerlei Hinsicht bin ich ein sehr leidenschaftliches Wesen, Mittelmässigkeit ist mir ein Gräuel. Alles was ich mit Liebe tue, will ich auch so exzessiv wie möglich tun, egal ob es dabei um Liebe, Sex, Musik oder sonst etwas Wesentliches geht, hier gibt es nur alles oder nichts, voll dabei sein oder es bleiben lassen.

Wenn ich meine Wesensart etwas tierisch umschreiben müsste, würde ich sagen: ich bin kuschlig und zärtlich wie ein Kätzchen, feinfühlig wie eine Schlange, sanftmütig wie ein Reh…. und wenn nötig renitent wie ein Pumaweibchen

Über dieses Blog

Dieses Blog dient einerseits mir selbst als Tagebuch, anderseits soll es Interessierten, Betroffenen und Bekannten die Möglichkeit bieten, den Transformationsprozess einer Trans-Frau zu verfolgen.

Es ist erlaubt und erwünscht, dass die Blogbeiträge von Lesern kommentiert werden, es werden jedoch nur Kommentare zugelassen, die zum entsprechenden Thema ernsthaft Stellung nehmen. Damit das Blog sauber bleibt, werden alle neuen Kommentare zuerst zurückgehalten und müssen von mir authorisiert werden.

Was bedeutet Transsexualität / Transidentität

Transidentität selbst ist keine Krankheit, sondern lediglich ein wissenschaftlich anerkanntes Phänomen, dass vielerlei Ursachen haben kann. Niemand entscheidet sich aus einer Laune heraus zu diesem als “Geschlechtswechsel” wahrgenommenen Schritt. Man ist transident oder man ist es nicht. Die Betroffenen leiden nicht unter einem Zwang die Kleider des somatisch anderen Geschlechts tragen zu müssen und ganz und gar so leben zu wollen, sondern sie empfinden vielmehr die Tatsache im falschen Körper gefangen zu sein und in einer als fremd empfundenen, nur dem Körper entsprechenden, gesellschaftlich geforderten Rolle leben zu müssen, als Zwang. Auch wenn Transidentität keine Krankheit ist, so kommt doch dem extremen Leidensdruck durch die innere Zerrissenheit im falschen Körper zu stecken, ein sehr deutlicher Krankheitswert zu.
(Johanna Martina Dorsch, Sozialtherapeutin)

transgender-butterflyWürde man auf der Strasse Leute fragen, was Transsexualität resp Transidentität bedeutet, wäre die häufigste Antwort wohl: “Das ist wenn ein Mann eine Geschlechtsumwandlung macht, weil ER lieber eine Frau wäre”.
Das ist in viellerlei Hinsicht falsch:

  • Transsexuell bedeutet, dass von frühster Kindheit an der biologische Körper nicht mit der inneren Geschlechtsidentität übereinstimmt. Bei einer transsexuellen Frau bedeutet das, dass ein Kind sich als Mädchen fühlt, aber den Körper eines Knaben hat. Es handelt sich also nicht um einen Mann, der eine Frau wird sondern um eine Frau, die ihren männlichen Körper ihrem inneren Geschlecht anpasst.
  • Transsexualität ist keine Frage des Wollens. Niemand würde so einen folgenschweren und schmerzhaften Umwandlungsprozess durchleben, wenn es eine Frage des Wollens wäre. Viel mehr leiden transsexuelle Menschen ein Leben lang unter einem so hohen Leidensdruck, dass irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem sie so einfach nicht mehr so weiter leben können. Der Transformationsprozess ist also nichts was man einfach tun möchte sondern tun muss um nicht zugrunde zu gehen.

Transsexualismus ist gekennzeichnet durch die dauerhafte Gewissheit, sich dem biologisch anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Dazu gehören die Ablehnung der mit dem biologischen Geschlecht verbundenen Rollenerwartungen und der drängende Wunsch, sozial und juristisch anerkannt im gewünschten Geschlecht zu leben.
(Dr. Pichlo, MDK Nordrhein)

Beim Thema Transsexualität gibt es eine Reihe von Missverständnissen:

  • Transsexualität hat nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun sondern ist eine Frage der Geschlechtsidentität. Im englischen wird unterschieden zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und der Geschlechtsidentität (gender). Viele Trans-Frauen stehen auch nach dem Transformationsprozess auf Frauen, sind also so gesehen lesbische Trans-Frauen.
  • Die Geschlechtsidentität ist nicht veränderbar, man hat es jahrzehntelang mit allen Mitteln probiert, mit Elektroschocks bis hin zu Hirnoperationen, das gefühlte Geschlecht lässt sich nicht verbiegen. Deshalb sind Fachleute zum Schluss gekommen, dass man Transsexuellen keine andere Hilfe bieten kann als ihren Körper dem Inneren anzupassen.
  • Transsexualität hat nichts mit Transvestitismus zu tun. Ein Transvestit (männliche Form) fühlt sich als Mann und will auch als Mann leben, er geniesst es einfach, gelegentlich in die Rolle einer Frau zu schlüpfen. Eine Transsexuelle (weibliche Form) fühlt sich als Frau und will in der gesellschaftlichen Rolle einer Frau leben und wahr!-genommen werden.

Ein weiteres folgenschweres Urteil ist, dass Transsexuelle krank oder gar pervers sind. Der klinische Psychologe Dr. Udo Rauchfleisch von der Basler Universitätsklinik, der rund hundert Transsexuelle behandelt hat, wehrt sich vehement gegen die Klassifizierung von Transsexualität als Krankheit. Er bezeichnet diese Wesensart als “Normvariante”.

Wir können Transsexualismus nicht als eine Störung der Geschlechtsidentität betrachten, sondern müssen ihn als Normvariante ansehen, die in sich, wie alle sexuellen Orientierungen, das ganze Spektrum von psychischer Gesundheit bis Krankheit enthält.
(Prof. Dr. Rauchfleisch, Klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Universität Basel)

Über die Ursachen von Transsexualität gibt es unzählige Theorien aber bis heute keine erwiesene Erklärung. Man weiss nur, dass diese Entwicklung bereits in frühster Kindheit entsteht und einzelne Studien kommen sogar zum Schluss, dass die Geschlechtsidentität bereits im Mutterbauch entsteht. Mehr zu diesem Thema werde ich in einem anderen Blogbeitrag schreiben. Wichtig ist fürs Erste zu wissen:  Transsexuell wird man nicht, man ist es!

Die Ursachen für Transsexualität sind bisher nur wenig erforscht. Wir wissen, dass die Geschlechtsrolle schon sehr früh festgelegt wird und dass es nach einer gewissen Zeit keine Möglichkeit mehr gibt, die geschlechtliche Selbstidentifikation eines Menschen zu verändern.
(Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft)

Weitere Informationen über Transsexualität / Transidentität
- Psychiatrische Universitätsklinik – Infoblatt Transsexualismus
- Magnus Hirschfeld Archiv für Sexualwissenschaft – Transsexualität
- Debeka Krankenversicherung – Transsexualität
- Wikipedia – Transsexualität
- Gerda Maria Weiß: Was ist Transsexualität?
- Dr. Pichlo, MDK Nordrhein – Transsexualismus
- Eva Sturm – Zum Verständnis von Transsexualität
- Transgender.at – FAQ
- Dr. Hannelore Hoffmann / Dr. Inoszka Prehm
- Einige Aspekte zur Transsexualität

- Anita-Daniela Krappel – Trans-what?
- Ego-Net – Transsexualität: Frauen, die Männer sind, und Männer, die Frauen sind
- Volkmar Sigusch – Transsexueller Wunsch und zissexuelle Abwehr

Transgenderismus/Transsexualität/Intersexualität – Grundlagen (von Lynn Conway)
- Teil I: Geschlechtszugehörigkeit + Transgenderismus
- Teil IIa: Transsexualismus
- Part III: Life as a Woman After TS Transition
- Part IIIcde: Life as a Woman after TS Transition

Die verbeulte Kugel

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Sehn Sie mich bitte nicht so an, ich weiss dass ich etwas seltsam aussehe….. nein ich bin kein Würfel, ich bin eine verbeulte Kugel….. ja ich weiss dass ich ähnlich aussehe wie ein sehr seltsamer Würfel, aber das liegt daran dass ich eben kein Würfel bin sondern eine verbeulte Kugel.

Ich weiss das mit Bestimmtheit, ich kam schon als Kugel zur Welt. Schon damals wollte mir das niemand glauben, alle hielten mich für einen unförmigen Würfel. So begannen sie, an mir rumzudrücken, rumzuwürgen, rumzuhämmern, schlugen mir mal links eine, mal rechts eine und so kam es dann, dass aus mir halt mit der Zeit eine ziemlich verbeulte Kugel wurde. Irgendwie schafften sie es in all der Zeit nicht, mich in eine Würfelform zu kriegen. Ist ja auch kein Wunder, ich bin ja eine Kugel. Wie in aller Welt soll aus einer Kugel ein Würfel werden?
Immer und immer wieder habe ich es ihnen gesagt, bin sogar demonstrativ rumgerollt, damit wirklich auch der hinterst und letzte Depp merkt, dass ich eine Kugel bin. Aber nein, jedesmal nur dieses „Ach jetzt rollt dieser Scheisswürfel schon wieder“ und dann sofort n’paar links, n’paar rechts und dann ab in eine Ecke.

Das Leben als unvollkommener Würfel ist echt anstrengend, fast so anstrengend wie das als verbeulte Kugel. Aber was will man machen, hätten sie mir doch nur von Anfang an geglaubt, dass ich eine Kugel bin. Ich wette, aus mir wär eine richtig schöne Kugel geworden, aber eben, im Nachhinein ist man ja oft schlauer…….. oft, ja aber leider nicht immer.

So ich muss jetzt eins weiter, hab noch n’Termin bei meinem Psychiater. Der behandelt mich weil er denkt, ich würde mich für eine Kugel halten. Irgendwie bin ich froh um meinen Psychiater, das Leben ist manchmal wirklich sehr sehr verwirrend.

Rosenstolz – Zarah in Ketten

Und wenn Zarah lacht
ist sie jung und schön
wenn sie träumt
kann keiner sie versteh’n

Denn sie träumt im Hier wie es ihr gefällt
mit viel Licht und langsam wird sie geh’n
Zarah hat nie die Wirklichkeit geseh’n
das hat sie nie interessiert
im weißen Kleid sah’ man sie oft steh’n
und der Blick war fasziniert

Zarah in Ketten, nicht mal der Wind erzählt ihr Lied
nicht von dem, was nie war und es wird nie sein
Zarah im Dunkeln und es wird nie wieder hell
diese Trauer macht blind, sie erkennt nichts mehr

Und wenn Zarah tanzt, ist sie ganz allein
denn noch nie war sie zum Tanzen aus
nur in ihrer Welt war sie groß und stark
doch sie kam aus ihrer Welt nie raus

Dann hätt’ sie gern die Wirklichkeit geseh’n
doch zu spät die Tür war zu
Im schwarzen Kleid hab’ ich sie geseh’n
und der Blick war ohne Ruh’

Tag der Entscheidung – ich werde eine Frau

schmetterling-01Vier Jahrzehnte habe ich darunter gelitten, nicht ich selbst sein zu dürfen. Als weibliches Wesen in einem männlichen Körper gefangen zu sein und damit in eine Geschlechterrolle gezwungen zu sein, die dem Innersten radikal widerspricht, das ist kein Leben sondern eine Tortur.

Zwei Jahrzehnte habe ich dagegen angekämpft, versuchte zu verdrängen, zu therapieren, aber erst viel später musste ich anerkennen, dass sich die Geschlechtsidentität nicht ändern lässt. Sie entsteht in frühster Kindheit und ist dann durch nichts mehr veränderbar. Wenn ich also die Diskrepanz zwischen der Geschlechtsidentität und dem biologischen Geschlecht nicht mehr ertragen kann, was anderes kann ich dann noch tun als den Körper der Seele anzupassen?

Seit dem letzten Sommer habe ich mich intensiv diesen Fragen gestellt und es gewagt, selbst das Undenkbare zu denken. Kann ich weiterhin die Lüge meines Lebens weiterspielen? Bin ich stark genug um wider allem gesellschaftlichen Druck mein weibliches Ich zu leben? Bin ich bereit, mich all den Diskriminierungen und dem Gelächter auszusetzen nur um zu sein was ich bin? Bin ich bereit meine Sexualität, meine Beziehungschancen, meinen sozialen Status, meine Gesundheit und vieles mehr aufs Spiel zu setzen? Ist das Ich-Sein so wichtig, dass ich diesen hohen Preis für meine Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung zu bezahlen bereit bin? Habe ich überhaupt noch eine andere Wahl?

In den letzten Tagen fiel der Entscheid, ich verspüre keine Bereitschaft mehr, dieses Spiel des Lebens weiter so zu führen und weitere Jahrzehnte die männliche Maske zu tragen, nur um mein weibliches Ich weiter im Kerker meiner Seele einzusperren. Ich will leben und ich werde leben, selbst wenn es das Letzte ist was ich tun werde.

Ja ich bin bereit diesen Preis dafür zu zahlen und ich bin bereit, die ganze Welt vor den Kopf zu stossen, ich bin bereit die Frau zu leben, die ich innerlich schon immer war. Macht also Platz, ein neues Wesen betritt die Welt und nichts und niemand wird sie noch aufhalten können. Die Zeit ist reif für Diana, öffnen wir das Tor zum Kerker der Seele und lassen sie raus.

Vorbereitung auf den grossen Tag

vor-dem-durchbruchEin surreales Gefühl hat mich gepackt, ein Gemisch aus Angst und Euphorie. The point of no return ist überschritten, die Frage ist beantwortet, die Zukunft bestimmt. Es gibt kein zurückblicken mehr, jetzt darf es nur noch ein vorwärts geben.

In wenigen Tagen wird mein neues Leben beginnen, dazu gibt es vieles vorzubereiten. Ein Termin bei der Hausärztin um die Hormonbehandlung einzuleiten. Ein Termin beim Coiffeur, ein Termin zur Bart-Laserepilation und eine Agenda, wann welches Outing stattfindet.

Mein Boss ist leider noch bis zum 20. Januar in den Ferien, bis dahin habe ich Zeit alles vorzubereiten.
Dann beginnt mein erstes richtiges Leben…… ob ich wirklich stark genug bin für diesen Weg?

Bill Miller – Many Trails

A boy heard the voice of the whippoorwill one night and went out to find where he was singing. He had to walk quite a ways through a big field, because the song of the whippoorwill carried so well in the wind he sound much closer then he really was. And on the way the boy found a well worn trail, so he stayed on it for a while. And sitting in the middle of the trail was coyote, and coyote was singing too.

He turned and saw the boy and he said ‘Why are you follow me?’
The boy was frightened and said ‘Well the trail you made happened to be a short and easy way through this field.
Then coyote asked ‘Well if your not following me then why are you here?’
‘Well I heard the beautiful song of the whippoorwill and wanted to watch him sing.’
‘Well do you not think my songs are beautiful?’, said coyote.
‘Oh’, said the boy, ‘there good but I hear you all the time. I much prefer the songs of the whippoorwill’
This made coyote furious and he was jealous of the whippoorwill’s song. He said ‘Listen to my night song you might like this one’ And he pulled back his head and yodeled out a tune.
The boy covered his ears and politely said, ‘Thank you for the song, but I must be going now.’

‘Well’, coyote said, ‘I can show you a short cut to the whippoorwill boy, and where he sings is just over there.’ Pointing his claw, smiling out of the side of his mouth. The boy paused, looked around, he knew the night was passing fast so he agreed to follow coyote.
But coyote’s trail was rough and rocky. And the boy fell in quite a few gopher holes along the way.
Coyote turned around and laughed and he yelled to the boy. ‘Were almost there, hurry up.’ Coyote was at a full trot but the boy had just fallen again and hurt his knee.

And by the time he got to the place where the whippoorwill had been singing all night, it was morning. Whippoorwill was gone. And so was coyote, in fact he could hear coyote’s songs in another field. So the boy turned and headed for home, covered with burrs, misq bites and a skinned up knee.

And it was many summers later when the boy became a wiser man. And he realized, there are no shortcuts to find something you really love. But there are many trails in this life. So you must stay true to your path, and always keep and eye out for coyote.

(Bill Miller)

Das erste Outing und ein verzweifeltes Kind

pain-and-sorrow-1Ich wusste, dass das Outing bei meiner zwölfjährigen Tochter das Schwierigste sein wird und dass ich alle Kraft brauchen werde, um das durchzustehen. Trotzdem war ich erschüttert, wie schlimm es wirklich wurde. Wenn man ein Kind so liebt wie ich meine Tochter liebe, dann zerreisst es einem das Herz, wenn man dieses geliebte Kind so erschüttern muss. Einem Kind zu sagen, dass der Vater nun eine Frau sein wird, ist unerträglich für Beide.

Die erste Reaktion war, dass sie sagte, sie würde nie wieder zu mir kommen – der Super-GAU war eingetreten – und damit waren wir beide wohl am schlimmsten Tag unseres Lebens angekommen. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass weniger meine Veränderung als Solches das Problem war sondern ihre Angst, sich an der Seite einer „Transe“ zum Gespött zu machen. Mir wurde klar, dass ich hier meinen einzigen Kompromiss machen musste, wenn ich sie nicht verlieren wollte, also versprach ich ihr, an den Wochenenden an denen sie zu mir kommt in meiner alten Rolle zu leben. Ich dachte, ich habe ja 40 Jahre lang so gelebt, da werde ich auch 2 Tage in 2 Wochen nochmal so leben können. Wie schwer das wirklich sein würde, wurde erst später klar.

Aber das Wichtigste war, ich verlor meine Tochter nicht und ich kann den Schmerz den ich ihr zufüge auf ein Minimum reduzieren. Nie habe ich sie so verzweifelt gesehen und ich hasste mich für das was ich ihr antue. Aber ich war an einem Punkt, an dem ich keine andere Wahl mehr hatte. Ich hoffe, dass sie das irgendwann verstehen wird.

Die Transformation beginnt, die ersten Hormone

transformationMein erstes Gespräch bei meiner Hausärztin war ein voller Erfolg. Sie zeigte Verständnis für meine Situation und da klar war, dass ich meine Hormone notfalls im Internet bestelle, gab sie mir gleich das erste Pack Cypestra-35 mit. Schon auf dem Heimweg nahm ich die erste und so verrückt es klingen mag, für mich war dieser Moment die Geburtsstunde meiner Weiblichkeit. Von diesem Tag an würden in meinem Körper Östrogene ihre Arbeit leisten und der Prozess, der meinen Körper meinem Innersten angleicht, hatte heute begonnen. Seit heute bin ich kein Mann mehr sondern eine werdende Frau.

Erste Bart-Laserepilation

bart-epiEiner der wichtigsten Punkte für T-Girls ist die Bart-Laserepilation. Die Hormonbehandlung verändert den Körper zwar in vielen Belangen, aber ausgerechnet die Gesichtsbehaarung wird nicht wesentlich eingeschränkt. In einem männlichen Körper hat man auch nach gründlicher Rasur einen sogenannten Bartschatten, das ist als ob auf der Stirn in grossen Buchstaben „Mann“ steht. Deshalb ist die Epilation in der Regel der erste Schritt um die Welt als Frau betreten zu können.

Heute war es nun soweit und mein Gesicht wurde erstmals mit Laserstrahlen beschossen. Es war nicht grad angenehm und ein paar Stunden lang brannte der ganze Kieferbereich als ob ich in die Hölle geschaut hätte. Wirklich übel war aber, dass das Gesicht anschliessend so verbrutzelt aussah. Ich hatte also gut entschieden, diese Epilation auf einen Freitag zu legen, so konnte sich das Gesicht übers Wochenende etwas beruhigen. Fürs Erste sah ich jedenfalls aus als ob ich in einen Grill gefallen wäre.

Hermann Hesse – Demian – Blicke ins Feuer

Aber Sie selber müssen eben auch kein Moralist sein!
Sie dürfen sich nicht mit anderen vergleichen,
und wenn die Natur Sie zur Fledermaus geschaffen hat,
dürfen Sie sich nicht zum Vogel Strauss machen wollen.
Sie halten sich manchmal für sonderbar,
Sie werfen sich vor, dass Sie andere Wege gehen als die meisten.
Das müssen Sie verlernen. Blicken Sie ins Feuer,
blicken Sie in die Wolken,
und sobald die Ahnungen kommen und die Stimmen in Ihrer Seele anfangen zu sprechen,
dann überlassen Sie sich ihnen und fragen Sie ja nicht erst,
ob das wohl auch dem Herrn Lehrer oder dem Herrn Papa
oder irgendeinem lieben Gott passe oder lieb sei!
Damit verdirbt man sich!

(Hermann Hesse, Demian)

Das Outing im Geschäft

Nach diesem Tag habe ich mich gesehnt, es ist der letzte Tag meines alten Lebens, das letzte Mal, dass ich in meiner alten Rolle leben muss. Mein Boss war endlich aus den Ferien zurück und damit konnte ich endlich die Runde machen im Geschäft und mich sozusagen von allen verabschieden.

Als Erstes gabs das Gespräch mit meinem Teamchef und dem Firmenbesitzer. Ich erzählte ihnen mit ein paar Sätzen, dass ich mein Leben radikal auf den Kopf stellen werde und fortan als Frau leben werde. Zu meiner grossen Überraschung hatten beide damit nicht das Geringste Problem. Wir haben Dich als guten Softwareentwickler geschätzt, also werden wir Dich auch als gute Softwareentwicklerin schätzen.

Dann gings weiter von Büroraum zu Büroraum und überall erklärte ich mit ein paar Sätzen, dass ich von morgen an Diana sein werde. Auch das ging zu meiner Überraschung schmerzlos über die Bühne. Ich erntete zwar als Erstes erstaunte Blicke, aber unter dem Strich begegneten mir meine Mitarbeiter mit verblüffender Akzeptanz.

Das Ganze zog sich über ca 3 Stunden, am Schluss war ich ziemlich „uf dä Schnurre“ aber überglücklich, dass ich nun nichts mehr zu verstecken hatte und dass ich mein altes Ich nun endlich begraben konnte. Der Tod kann eine wunderschöne Sache sein, wenn eine Widergeburt ansteht

Der erste Tag als Frau – hurra ich lebe!

Irgendwann wird es geschehen, das Wunder hier auf dieser Erde… und eine Stimme sagt: Es werde ein neuer Tag.
(Illuminate – ein neuer Tag)

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Als ich am morgen aufwachte, wurde ich vom ersten Moment an von einer euphorischen Freude durchflutet, die ich noch nie erlebt hatte. Von heute an bin ich ich selbst, heute ist mein erster Tag als Diana. What a feeling!

Es war mir wichtig, dass ich weder mich noch mein Umfeld überforderte und versuchte schon gar nicht, mich nun als Frau zu verkleiden. Ich habe bisher eine Maske getragen und will diese nun nicht durch eine Neue ersetzen. Also ging ich äusserlich gar nicht soviel anders ins Geschäft als bisher. Das Jäggli wechselte die Farbe von schwarz auf lila, ein paar neue Schuhe die eher androgyn waren kamen dazu und etwas Schmuck. Alles in allem war ich äusserlich eher als feminimer Mann wahrnehmbar.

Als ich das Büro betrat, war ich hinundhergerissen zwischen Angst und Euphorie. Es war als ob ich das erste Mal dort erscheinen würde. Die meisten liessen bei der Begrüssung den Namen weg, ein kurzes „Hoi“ kam und mir war das doch lieber als wenn sie mich mit dem alten Namen angesprochen hätten. Es war für alle wohl ziemlich verwirrend, mich nun plötzlich als Frau wahrzunehmen und anzusprechen. Und so war es dann auch kein Wunder, dass ich im Verlauf des Tages häufiger mit meinem alten Namen angesprochen wurde als mit dem Neuen. Aber das machte mir nichts aus, das habe ich erwartet und ich würde meinem Umfeld noch viel Zeit geben müssen, bis sie da hinein gewachsen sind.

Aber etwas war absolut verblüffend. An diesem ersten Tag war ich so glücklich wie nie vorher, ich fühlte mich unbeschreiblich frei, ich war endlich mich selbst.

Mein Umfeld lernt meinen Namen

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Während ich zu Beginn meist noch mit dem alten Namen angesprochen wurde, haben die Meisten mittlerweile umgestellt. Heute werde ich zu 90% mit Diana angesprochen und nur noch selten rutscht der alte Name dazwischen. Nur bei der indirekten Anrede happerts noch gewaltig, ich bin meist ein „er“ anstatt eine „sie“ und daran werde ich mich gewöhnen müssen, es wird wohl noch Monate gehen, bis auch das sitzt. Aber es ist unglaublich berauschend, immer wieder mit Diana angesprochen zu werden.

Die erste Zugfahrt – wenn Blicke schmerzen

Schaut mich nicht an!
Ich bin kein Tier!
Nur ein Menschenkind – für euch ein fremdes Wesen – vielleicht
Mit Augen und Ohren
Einem Herz und viel Gefühl
Und immer noch mit einem klaren und auch freien Verstand!
(Lacrimosa – Fassade 1. Satz)

Bisher habe ich die Öffentlichkeit gemieden wo es nur geht, heute musste ich aber erstmals mit der S-Bahn im Feierabendverkehr nach Zürich zum Therapeuten fahren. Puh das war harte Knochenarbeit. Ich hätte mich am liebsten unter einem Schleier versteckt, wurde von vielen angeschaut als ob ich von einem anderen Planeten käme und mein Körper wurde von Stresshormonen nur so geflutet. Meine Verunsicherung und mein mangelndes Selbstbewusstsein waren so offensichtlich, dass ich erst Recht auffiel wie eine bunte Hündin. Es war ein regelrechter Spiessrutenlauf und als ich dann endlich wieder zuhause war, war ich erschöpft wie nach einem Marathon.

Ich werde noch viel an mir arbeiten müssen um ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Es ist wirklich nicht einfach, selbstbewusst zu sein, wenn einem die Welt belächelt oder gar mit Verachtung begegnet. Aber das war ein Teil des Preises den ich zu bezahlen hatte und den ich bewusst in Kauf nahm, da muss ich einfach durch.

Eine Rose von meiner Tochter

rote-rose-01Meine Tochter kam heute zum zweiten Mal seit dem Outing zu mir ins Wochenende und als ich die Tür öffnete, bin ich fast aus den Schuhen gefallen. Sie stand da und streckte mir eine einzelne rote Rose entgegen.

Es war als ob sie damit die Frau in mir begrüsst und ihre Akzeptanz so ausdrückt. Das war einer der schönsten Momente in meinem Leben, diese Rose würde noch jahrzehntelang an der Wand hängen. Es war das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe.

Mila Mar – Was bleibt / Like a cannibal / Merdina

Mila Mar ist sozusagen die Elfe unter den Sängerinnen, mir ist keine Musikerin bekannt, die so sphärenhaft und gefühlsvoll singt. Mila Mar zu hören heisst, tiefste Gefühlswelten zu durchleben.

Was bleibt (live) …….

Like a cannibal (live) …..

Merdina (Video-Montage) …..

Erich Fried – Was es ist (what it is)

Es ist Unsinn, sagt die Vernunft
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist Unglück sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst
Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist lächerlich sagt der Stolz
Es ist leichtsinning sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich sagt die Erfahrung
Es ist was es ist sagt die Liebe
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It is nonsense says reason
It is what it is says love
It is misfortune says calculation
It is nothing but pain says fear
It is hopeless says insight
It is what it is says love
It is ridiculous says pride
It is careless says caution
It is impossible says experience
It is what it is says love
liebe-und-vernunft

Outing in der Pipes and Drums Band

bagpipe-warning-1Seit über einem Jahr nehme ich Unterricht auf der Great Highland Bagpipe (schottischer Dudelsack) bei einer Pipes and Drums Band. Dieses Outing machte mir grosse Sorgen, denn als Band steht man in der Öffentlichkeit und es war nicht absehbar, ob die Bandmitglieder ein Problem damit haben, eine „Transe“ in ihrer Band zu haben. Aber auch hier stiess ich auf verblüffend hohe Akzeptanz. Ich hatte wirklich Angst, dass ich nun nicht mehr als Bandmitglied erwünscht bin, aber man versicherte mir, dass auch für Leute wie mich Platz in dieser Band ist. Das wiederum bedeutet mir sehr viel, denn ich liebe diese Musik über alles und die Band ist mir mittlerweile ans Herz gewachsen.



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